Monatskolumne Nr. 254, 28. August 2026
Walter singt wieder. Neulich schmetterte er hier den alten Hit „Es gibt kein Bier auf Hawai …“, in dem beklagt wird, es sei zu heiß auf den Inseln. Diesmal gelten des Freundes Sangeskünste einem rheinischen Schunkler, der seit 1950 populär ist. Für beide Schlager müssen wir leider feststellen: Der Lauf der Zeiten hat ihre Aussagen überholt. Für den ersten Evergreen hatten wir schon gezeigt, dass es hierzulande heutzutage im Sommer heißer ist als auf Hawai. Für den zweiten sei vorweg der Text des Refrains zitiert: „Wenn das Wasser im Rhein gold’ner Wein wär‘, / ja, dann möcht‘ ich so gern ein Fischlein sein. / Ei, wie könnte ich dann saufen, / brauchte keinen Wein zu kaufen, / denn das Fass vom Vater Rhein wird niemals leer.“ Dieser Tage möchte man allerdings auf den Schlussvers keine Wette mehr abschließen.
Als ich das hier Mitte August in die Tasten haute, zeigte der Rheinpegel Kaub 8 cm, normal wären 208 cm. Bei gleichzeitiger Fahrrinnentiefe von weniger als 120 cm (190 + X wären normal) ist effektive Binnenschiffahrt nicht mehr möglich. Noch ein paar Zentimeter weniger und es wäre vollends aus mit Schiffchenfahren. Um im Fass-Bild zu bleiben: Das Fass ist fast leer, nur unten am Boden steht noch eine Restpfütze. In dieser Plörre aber wollte ich auch im übertragenen Sinn als Fischlein nicht baden, daraus nicht saufen, weil viel zu warm, viel zu dreckig und bald so sauerstoffarm, dass mir die Sinne schwänden noch bevor ich ordentlich besoffen wär’.
Mag sein, das Wetter hat sich geändert zwischen dem Schreiben dieses Textes und Eurer Lektüre. Vielleicht ist es kühler, hat mal geregnet. Vielleicht hat sich die Extremlage aus Hitze, Dürre, Wassermangel etwas entspannt. Fatal wäre, würde dann gleich wieder das große Vergessen einsetzen. Besser wäre, Politik und Gesellschaft behielten die Tatsache vor Augen, dass im Sommer 2026 erneut (!) jede Menge Allzeitrekorde purzelten. Darunter Niedrigwasserstände nicht nur europäischer Flüsse und Bäche, Hitzephasen und -spitzen u.a. in Europa, Nordamerika und der Arktis, globale Meerestemperaturen, Ausmaß von Waldbränden, hitzebedingte Todesfälle usw. usf. Und: Die Klimawandelfolgen schlagen mit vielen Milliarden schweren neuen Rekorden bei Zusatzkosten für Wirtschaft und Gemeinwesen ruppig zu Buche.
Auftritt Onkel Hugo: „Hitze gab’s immer, Niedrigwasser gab’s immer; alles normal.“ Wertes Onkelchen, finito, ich werde mit dir nicht mehr über den Klimawandel disputieren. Das ist so sinnlos wie mit Evangelikal-Fundamentalisten über die Evolution zu streiten. Denen kann man tausende wissenschaftliche Beweise vorhalten, dass Fauna und Flora sich über Jahrmillionen in natürlichen Prozessen entwickelt haben. Sie behaupten dennoch: „Kann gar nicht sein.“ Warum? „Weil die Bibel sagt, Gott hat die Welt vor etwa 6000 Jahren an sechs Tagen erschaffen.“
Was denen ihre Bibel-Auslegung ist, sind dir, Onkelchen, die Predigten halbseidener Fantasten, Quacksalber, Agitatoren: Menschengemachten Klimawandel gäbe es nicht, das sei nur eine weltumspannende Betrügerei. Dieser Unfug ist zu nichts nutze, trägt keinen Deut zur Bekämpfung des primären Menschheitsproblems bei. Sich damit herumzuschlagen ist nur Verschwendung von Zeit und Kraft – Zeit, die uns wegläuft, und Kraft, die wir fürs wirklich Wichtige brauchen: Klimaschutz und zugleich Klimawandelanpassung. Also werd’ selig mit deinem Aberglauben, aber steh’ nicht im Weg rum.
