Hallo, hallo, hallo Welt! Nachricht geht raus:
Wir leben noch. Vom Schrecken abgesehen, ist uns nichts passiert. Auch das Haus hat keinen Schaden genommen, sich bloß im Keller drei kleine Pfützen Druckwasser eingefangen. Soeben endete nach 19 Stunden der längste Stromausfall meines Lebens. Uns hat nur ein Randausläufer des schweren Unwetters erwischt, das gestern am Abend zwischen 19.30 und 20 Uhr über den Unterwesterwald – Raum Höhr-Grenzhausen/Ransbach-Baumbach – raste, und in einigen Nachbarorten teils heftige Schäden verursacht hat.
Es war nur eine kleine Gewitterzelle, aber ein fieser Giftzwerg, der 9 Minuten lang Furioso spielte und zur Ausrufung des Katastrophenfalls führte. Der Kern der Zelle schrappte etwa drei Kilometer Luftlinie entfernt an uns vorbei – mit einer Wolkenformation, die von meinem Standort aus nach Tornado aussah und direkten Kurs auif Höhr-Grenzhausen und Hilgert nahm. Aber auch das, was am Rande über uns hereinbrach, war schon beunruhigend genug: Erst wurde es beim Abendessen urplötzlich so düster, dass wir das Licht einschalten mussten. Gleich drauf hob draußen ein Getöse an = drei Minuten Trockengewitter mit Blitz und Donner, mittemang Strom, Internet, Telefon weg, die blieben auch weg bis vorhin; dann drei Minuten sehr starker Trockenorkan, schließlich drei Minuten Sturzflut, die der Sturm in die Waagrechte peitschte.
Ein Hoch auf unsere Freiwilligen Feuerwehren: Keine zehn Minuten nach der letzten Bö rückten sie – ich sah es vom Fenster aus – mit Martinshorn und Blautlicht an, sperrten Straßen, suchten nach Schadstellen, begannen umgestürzte Bäume zu zersägen und von der Fahrbahn zu räumen. Manche Straße war noch bis zum heutigen Mittag gesperrt.
Augenhzwinkernde Bemerkung nebenbei: Ein Hoch auch auf den Holzherd in unserer Küche. Denn wie sollte man ohne Strom an Kaffee kommen? Und wie ohne Kaffee überhaupt einen Tag beginnen können? Himmel hilf! Der half nicht, aber der Herd: Ich heizte mitten im Hochsommer ein, kramte mir aus den Tiefen der Küchenschränke das alte italienische Espressokännchen aus Aluminium hervor – und hatte kurz darauf meinen Frühstückkaffee. Fehlte nur die Frühstückszeitung, da war offenbar am Vorabend unwetterbedingt die Lieferkette abgerissen.
So, liebe Leut‘, für uns zumindest is et nochmal jut jegange. Aber wenn jetzt wieder ein sesselpupsender Dummschwätzer daherkommt mit Sprüchen wie „es ist halt Sommer“ oder „Unwetter gab’s früher auch schon“, könnte ich mich vergessen und ihm auf die …. Nein, du Arschloch, eine solche Häufung derartiger Wetterextreme wie im ersten Quartal des 21. Jahrhundert ist für keines der vorherigen Jahrhunderte in irgendeinem Archiv dokumentiert. (ape)
