Frühgedanken.
ape. In den letzten Jahren haben wohl alle Medienhäuser ihr Informations- und Unterhaltungsangebot gewaltig erweitert. Obendrein ist eine Vielzahl von Informations-, Desinformations-, PR-, Werbe- und Kurzweil-Anbietern hinzugekommen. Das Internet macht’s möglich. Wer will (oder meint zu müssen), kann sich rund um die Uhr stündlich bisweilen minütlich aktualisierten Kontent in unerschöpflichen Massen und unterschiedlichsten Formaten reinziehen oder davon durch Tag und Nacht treiben bzw. hetzen lassen.
Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass man auch als Rezipient, der gut informiert sein will über das Geschehen in Welt und Gesellschaft, den überbordenden permanenten Zufluss selbst an seriösen Informationen regelmäßig für eine gewisse Zeit bewusst stark zurückfahren, vielleicht kurzzeitig sogar ganz stoppen sollte. Einfacher Grund: Der ununterbrochen hektische Input ständig neuer Infos und Aufreger mindert die Möglichkeit – auf Dauer wohl auch die Fähigkeit – Nachrichten zu überdenken und zu eigenen Schlüssen zu gelangen, die mehr sind als bloß spontane Bauchgefühle/Gefühlsausbrüche.
Weshalb ich mir inzwischen angewöhnt habe, immer wieder mal ein paar Offline-Tage einzulegen und während dieser Zeit den Info-Zufluss auf einen Basis-Input aus Frühstückszeitung am Morgen und Tagesthemen am Abend zu reduzieren. Im Urlaub genügt mir dann schon die Zeitung alleine. Die nachherige Lektüre von ein oder zwei guten analytischen Wochenzeitungen belegt stets aufs Neue: Du hast nichts verpasst. Im Gegenteil: Du hast dir nutzlose Aufgeregtheiten und Spekulationen erspart, erfährst und erkennst mit einem gewissen zeitlichen Abstand mehr gesicherte Fakten, Zusammenhänge, Entwicklungen.
Nun mögen wieder die üblichen Einwände kommen gegen eine Info-Basis aus ÖRR-Nachrichten und arrivierten Qualitätsblättern. Dazu nur kurz dies: Ja, auch ich bin sehr oft mit deren Nachrichtenauswahl, Themensetzung/-gewichtung, Blickwinkeln und Einschätzungen/Kommentierungen in diversen Fragen nicht einverstanden. Gleichwohl kann ich bei ihnen ziemlich sicher sein, dass die allermeisten der übermittelten Grundfakten zumindest den Tatsachen entsprechen, und mir nur in sehr seltenen Ausnahmefällen frei erfundene oder mutwillig zur Agitationslüge zusammenmontierte Geschichten untergejubelt werden – wie das in vielen „Alternativmedien“ die Regel ist.
Andreas Pecht
