Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Siegeszug der regenerativen Energien ist unaufhaltbar

ape. Es ist ja so: In nahezu allen Ländern der Erde wächst der Energiebedarf und das teils drastisch. Weshalb es auch in fast allen Ländern einen erheblichen Zubau an Anlagen zur Energieerzeugung gibt. Und nun die gute Nachricht: Überall hat dabei die Stromgewinnung aus Sonne und Wind die mit Abstand höchsten Zuwachsraten, neuerdings ebenso nahezu überall flankiert vom massiven Ausbau der Speichereinheiten. Und das auch dort, wo die Regierungen den Energiewende-Prozess nicht fördern, ihn gar zu behindern versuchen. Bestes Beispiel USA: Trump mag noch so laut grölen „drill, baby, drill!“, in fast allen US-Bundesstaaten wachsen die Regenerativ-Anlagen dennoch am schnellsten und umfänglichsten, nicht zuletzt auch im Öl- und Maga-Staat Texas.
Die Zivilgesellschaften haben entschieden, die Märkte haben entschieden: Die historische Hauptendenz in Sachen Energieerzeugung geht eindeutig und umumkehrbar in Richtung Energiewende hin zur regenerativen Stromerzeugung. Und das gilt nicht nur für die hochentwickelten Industrienationen, sondern fast noch mehr für Länder der sog. dritten und vierten Welt. Bei etlichen zeichnet sich ab, dass sie möglichweise den Entwicklungsschritt der fossilen Industrialisierung einfach überspringen, um gleich im regenrativen Zeitalter zu landen.
China spielt dabei eine nicht unbeträchtliche Rolle. Die Chinesen machen – ökonomisch und geostrategisch nicht uneigennützig – aus ihrem eigenen Energiewende-Konzept ein globales Geschäftsmodell: Zügiger Ausbau von Solar-, Wind- und Speichertechnik made in China bei gleichzeitig schrittweiser Reduktion der Ausbaupläne für die bei Bau, Unterhalt und Strompreis allein den Kosten nach nicht mehr konkurrenzfähigen Verbrennungs- und Atomkraftwerke. China flutet derzeit nicht nur die Welt mit E-Autos, sondern zugleich Afrika, Teile Asiens und Lateinamerikas mit preiswerten Solarmodulen und zunehmend auch Speichereinheiten.
Die Aufhol- und Ersetzungsjagd der regenerativen Energieerzeugung beginnt nicht erst, sie läuft längst, und zwar wuchtig. Nationalökonomischer Aspekt: Wer nicht dabei ist, wer diese unaufhaltsame Entwicklung verschläft oder zu zögerlich darauf einsteigt, den bestraft die Geschichte. Globalökologischer Aspekt, und das ist nun die schlechte Nachricht: Weil es noch zu viele Schlafmützen, Ignoranten, Gleichgültige, Kurzsichtige, Verhinderer, Zauderer, Bremser gibt, kommt vor dem Hintergrund des immer schneller werdenden Klimawandels die globale Energiewende deutlich zu langsam voran.
Wenn nun obendrein, (was sich derzeit hierzulande andeutet), die mittlerweile „geläuterten“ vormaligen Klimawandel-Ignoranten alles auf Klimawandelanpassung setzen, wäre das fatal und schon fast von pathologischer Kurzsichtigkekit. Es wird zwar angesichts dessen, was wir an Klimawandel bereits in Gang gesetzt haben, kein Weg vorbeiführen an Gebäudeklimatisierung, Städteumbau und -begrünung, Landschaftsentsiegelung, Flussentbettung, Waldumbau, Hitzearbeitsschutz etc. Wenn wir aber nicht zugleich beim Klimaschutz massiv und schnell vorankommen, werden die steigenden Globaltemperaturen mit jedem Zehntelgrad mehr all diese Anpassungmaßnahmen eher früher als später wieder zu Makulatur machen. Es ist wie mit der Vertiefung der Fahrrinne des Rheins: Bei heutigem Niedrigwasserniveau mag sie vielleicht der Binnenschifffahrt noch etwas helfen; wenn aber steter Zufluss aus den Nebenflüssen, insbesondere aber Schmelzwasser aus den Alpen ausbleibt, sitzt man auch in einer tieferen Fahrrinne auf dem Trockenen. Andreas Pecht
Andreas Pecht

Kulturjournalist i.R.

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