ape. Das kam dann völlig unerwartet: Anfrage einer Fotografin, ob ich Lust hätte mit ihr eine Foto-Session zu machen. Motiv: Ich. Wieso ausgerechnet ich, der alte Feuilleton-Zausel im Ruhestand? „Weil interessant“, wird Ingrid Wendel beim Plaudern während des Shootings ein paar Tage später antworten. Soll ich, soll ich nicht? Der Platz vor der Kamera war nie mein liebster. Von Berufs wegen war ich in früheren Jahren bei drei oder vier solcher Sessions dabei, allerdings nur als reportierender Beobachter, nie als Opfer. Ach was, mach es! Die letzten Fotos von dir sind schon ein paar Jahre alt, der Ehrlichkeit des Alterns ist Tribut zu zollen. Vielleicht wird das recht lustig, auch interessant – und ein bisserl Eitelkeit gehört zum Menschsein ja dazu.
Dann rückt sie an, die in der Mittelrhein-Region vor allem als Pianistin recht bekannte Ingrid Wendel – die das Fotografieren für sich zur zweiten Passion neben der Musik erkoren hat. Grundsatzklärung vorweg: Wir wollen’s beide möglichst authentisch, kein gestelztes Posing und nachher kein elektronisches Glätten, Verschönern, Gefälligermachen der Bilder. Nur der alte Kerl beim Malen, Schreiben, Lesen, Gärteln, erzählend, erklärend, sinnierend, lachend. Ich halt. Nicht mehr, nicht weniger. Leichter gesagt als getan, denn die Lichtverhältnisse in meiner Stube unterm Dach und auch an anderen Stellen in Haus sind schwierig. Blitzlicht kommt nicht in die Tüte; sie jongliert mit Fotoapparat und zwei auffaltbaren Reflektorplanen herum (will gar im ersten Stock aus dem Fenster klettern, was ich katgeorisch unterbinde), steigt auf Stühle, drückt sich in die Ecken, liegt am Boden …
Während all dem plaudern wir munter über Lebenswege, Musik, Welt und stellen fest, dass wir eine ganze Menge gemeinsame Bekannte in der hiesigen Musikszene haben. Fast drei Stunden vergehen wie im Flug und wir haben jede Menge Spaß an der Freud‘ dabei. Ergebnis: Tags darauf mailt sie mir 46 Fotos, von denen ich in summa angetan und von einem Teil richtig begeistert bin – auch wenn ich beim ersten Durchscrollen zusammenzucke, weil: Ich sehe ja so alt aus, wie ich bin. Authentisch eben, und das ist gut so. > Anbei eine kleine Auswahl der Bilder zur Ansicht (Alle Fotos: Ingrid Wendel. https://wendelportrait.com/) (c)Andreas Pecht








