Während der deutschen Besatzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg haben dort Menschen Büroklammern getragen, um zu zeigen, dass sie zusammenhalten und die Nazis ablehnen. Ein schönes, aktuell passendes Symbolaccessoire zu jedem Outfit – selbstverständlich auch in farbneutraler Metalloptik.
13.9.2026
Lamentation der KI-Zauberlehrlinge (heute):
„Wehe, wehe, die Not ist groß,
die wir riefen die Geister
werden wir nun nicht los.“
13.9.2026
Manchmal beschleicht mich das Gefühl, diese Welt sei nicht mehr so meine. Wenn ich vor dem PC sitze und durchs Netz scrolle, herrscht Ruhe in der Stube. Der Computer ist stumm geschaltet. Kein Geklingel, kein Gebimmel, kein Getute, kein Geschrei, kein Gelaber, auch keine Musik. Wenn ich Musik haben will, schalte ich das Radio meiner alten Stereoanlage an oder lege eine CD ein. Da kommt guter Ton dann aus guten Boxen. Doch ja, ich habe auch zwei Lautsprecher für den PC. Liegen irgendwo in einer Kiste; müsste ich erst suchen, dann unter den Schreitisch kriechen und einstöpseln. Mache ich allerdings fast nie, denn Netzsurfen ist für mich ein stilles Tun. Ich gucke nur.
Obwohl, „gucken“ trifft es auch nicht, denn eigentlich lese ich im Netz vornehmlich. Fotos betrachte ich selten und sehr selektiv, Videos überhaupt nie. Ich weiß: Ist so nicht gedacht, das Internet heute, Social Media sowieso nicht. Da darfst, kannst, sollst du dich mit allen Sinnen hineinstürzen, ergeben, hingeben. Mag ich nicht, will ich nicht, mach‘ ich nicht. Purer Trotz? Nö. Einfach nur, frei nach Shakespeare: Wie es mir gefällt.
11.9.2026
Nach dem aufregend miesen Finale des vergangenen Wochenendes sei für das jetzige allseits ein Verschnaufen bei unaufgeregter Behaglichkeit gewünscht – bevor am nächsten Wochenende schon wieder die Wahlsirenen heulen.
Als Dreingabe ein Hinweis in Sachen PISA-Studie.
Im hiesigen Furor um das miserable Abschneiden der 15-Jährigen in Deutschland geht ein noch beunruhigenderes Ergebnis fast unter: Die Schüler sind nicht nur hierzulande, sondern quasi rund um die Welt schlechter geworden. Nur drei der 91 teilnehmenden Nationen haben sich etwas verbessert, drei weitere konnten ihren Stand einigermaßen halten. Alle anderen, darunter auch bisherige Spitzenreiter wie Finnland, müssen teils schmerzhafte Leistungsrückgänge verzeichnen – und das weitgehend unabhängig von Gesellschaftssystem, Bildungspolitik/Schulsystem, Migrationsproblematik.
Was aber haben all diese Länder gemeinsam, das Ursache dieser gemeinsamen Negativentwicklung sein könnte? Augenfälligstes Faktum: Smartphonisierung, inflationäre Steigerung der Social-Media-Nutzung, exponentielle Ausweitung des individuellen KI-Gebrauchs. Die Wissenschaft ist alarmiert, erste Untersuchungen zeigen: Das Lesen längerer Texte kommt nicht nur aus der Mode, es wird regelrecht verlernt oder erst gar nicht gelernt; das eigene Schreiben ebenfalls. Damit wird dem Gehirn ein entscheidendes Instrumentarium für Entwicklung und Training vieler seiner Fähigkeiten entzogen: Konzentration, Vorstellungskraft, Ausdruckskraft, Abstraktionsvermögen …. Leseschwäche ist das Fundament von Schwächen auch in anderen Fachbereichen.
Was PISA und andere Jugendstudien für die jüngere Generation offenbaren, gilt ganz ähnlich auch für die älteren Generationen. Die Intelligenzforschung stellte in den Jahrzehnten vor dem Jahrtausendwechsel im globalen Durchschnitt eine stete Erhöhung des menschlichen Intelligenzquotienten (IQ) fest. Im Laufe des ersten Jahrzehnts vom 21. Jahrhundert begann dieser Trend sich umzukehren und sinkt seither stetig. Noch sind die Ursachen wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Aber unstrittig dürfte sein: Die Mühen eigenen Lesens, Schreibens, Denkens zu vermeiden, stattdessen nur noch zu „gucken“ oder nur noch von der KI lesen, schreiben, denken zu lassen – das macht die Menschen gewiss nicht klüger.
06.09.2026 (angesichts der Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt)
Ja, das ist beschissen, bekloppt, beunruhigend, für manche auch beängstigend. Aber nein, noch ist Deutschland nicht verloren. Noch gilt auch in Sachsen-Anhalt unser großartiges Grundgesetz. Noch steht die große Mehrheit unserer Bevölkerung zu Demokratie, Weltoffenheit, Vielfalt. Noch gilt hierzulande Wahrheit mehr als Lüge, Menschlichkeit mehr als dumpfer Hass. Auch wenn es in den Netzwerken manchmal anders aussehen mag. Deshalb ist mir an diesem Abend die eigene Haltung erstmal wichtiger als eine weitere unter tausend schnellen nassforschen Ursachen-, Wahl- und Wahlfolgenanalysen: Ruhe bewahren, nicht verzagen, sich auf ein länger dauerndes Ringen einstellen, stabil, anständig und stets der humanistischen Grundwerte eingedenk bleiben. Mit breiter Brust selbstbewusst der Devise folgend: Hier stehe ich, kann und will nicht anders – mögen die braunen Rattenfänger auch 60% bekommen.
04.09.2026
Egal wie der sachsen-anhaltinische Sonntag ausgeht: Ich wünsche, trotz jeder Menge Spannung im Äther, allseits ein angenehmes und nicht zuletzt furchtloses Wochenende. Et kütt, wie et kütt – und sollten am Ende die Braunen in der Regierung sitzen, müssen wir eben sehen, wie wir sie da wieder wegkriegen. Ich drücke jetzt erstmal ganz pragmatisch die Daumen, dass die sich aus der Wahl ergebende Sitzverteilung die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse zum Ausdruck bringt. Die da nach allen Umfragen sind und wohl real auch sein werden: Selbst in Sachsen-Anhalt steht die Mehrheit der Wählenden NICHT hinter der AfD. Was nachher mit der Regierungsbildung wird, werden wir nachher sehen.
02.09.2026
Derzeit stehe ich mehrmals am Tag in unserem Garten und schaffe – nichts. Stattdessen schaue ich gespannt wie ein Flitzebogen aufwärts ‚gen Südosten. Dort ist in Luftlinie etwa drei KM Entfernung auf der bewaldeten Bergkuppe zwischen uns und dem Nachbarort Ransbach-Baumbach Interessantes zu sehen: Endmontage eines himmelhohen Windrades. (…)
Es ist ja so: In nahezu allen Ländern der Erde wächst der Energiebedarf und das teils drastisch. Weshalb es auch in fast allen Ländern einen erheblichen Zubau an Anlagen zur Energieerzeugung gibt. Und nun die gute Nachricht: Überall hat dabei die Stromgewinnung aus Sonne und Wind die mit Abstand höchsten Zuwachsraten, neuerdings ebenso nahezu überall flankiert vom massiven Ausbau der Speichereinheiten. (…)
Es sei allseits ein angenehmes Wochenende gewünscht. Nachdem die für vergangene Nacht avisierten Gewitter diesmal Gott sei Dank harmlos an uns hier im Unterwesterwald vorbeigezogen sind, sagen die Wetterfrösche fürs Wochenende eine eher maßvolle Mischung voraus. Bestwünsche gehen von mir an den Koblenzer Kulturclub Café Hahn, der am morgigen Samstag (29.8.26) mit einer öffentlichen Riesenfete und sattem Programm auf vier Bühnen in der Festung Ehrenbreitstein seinen 45. Geburtstag feiert. (Ab 18 Uhr, Eintritt frei).
Dreingabe zum Monatswechsel wie immer: Meine Kolumne „Quergedanken“. Die Folge 254 ist heute im mittelrheinischen Monatsmagazin „Kulturinfo“ erschienen. Worum es darin geht, kann sich jede/r angesichts der Überschrift wohl sogleich selbst denken. -> „… DENN DAS FASS VOM VATER RHEIN WIRD NIEMALS LEER“??? (Freier Lesetext auf meiner website. Lesezeit ca 2,5 Minuten)
27.8.2026
So, Zug um Zug trudeln nun die letzten Umfragen für die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt ein. Sie sehen die AfD – als leider sehr starke Minderheit – bei 41 bis 43 Prozent. Festzuhalten bleibt aber: Selbst in diesem Bundesland (wie in den anderen Ost-Bundeländern ebenfalls) steht danach die Mehrheit der wahlberechtigten Bevölkerung NICHT im Lager der rechtsextremen Einheitspartei, sondern würde mit 50+X Prozent Parteien des demokratischen Lagers wählen. Die für den Augenblick wichtigste Frage hierbei lautet: Wie kann dieses Mehrheitsverhältnis auch in Parlamentssitzen zum Ausdruck kommen? Entscheidend ist dafür nicht die Stimmverteilung unter den demokratischen Parteien, sondern dass dem demokratischen Lager nicht große Stimmkontingente völlig verloren gehen, weil eine oder gar zwei davon knapp an der 5-%-Hürde scheitern. Was heißt das fürs Wahlverhalten der Demokraten? Um die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass nicht eine 42/43-Prozent-Minderheit an die Macht gelangt, müssen wohl etliche Demokraten „taktisch wählen“. Vielleicht hilft dabei der Gedanke: Der Hauptfeind für unsere Gesellschaft sind die Blaunen, nicht die womöglich ungeliebten Grünen, Roten, Schwarzen.