Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Guten Tag allerseits im Oktober 2022

31.10.2022

„Es hat sich zwar noch nicht überall rumgesprochen, ist aber eindeutig: Deutschland erlebt einen Epochenumbruch. Das ausgerechnet auf dem Feld seines scheinbar ewigen primären Liebestriebes – dem automobilen. Über Generationen kannte dieser Trieb nur eine Richtung: Die Autos mussten von einem Kauf zum nächsten immer größer, immer stärker, immer schneller werden. Nun ist Schluss damit….“ So der Einstieg in die 208. Folge meiner Monatskolumne „Quergedanken“. > Ganzer Artikel „Der neue Autotrend: klein, langsam, nett“ (freier Lesetext, 3400 Anschläge)


30.10.2022

„Der Vorhang öffnet sich im Großen Haus des Wiesbadener Staatstheaters. Sofort knistern Hochspannung und Skepsis durch des Besuchers Hirn. Denn die Bühne füllt in voller Breite vom Orchestergraben bis ganz hoch hinauf eine steil ansteigende weiße Fläche aus. Ist das der Tanzboden? Wie soll Ballett da gehen? Es geht, und es fasziniert, freilich auf sehr ungewöhnliche Art – beweist der erste Teil der Produktion „V/ertigo“ beim Hessischen Staatsballett. Zusammen mit dem zweiten, ganz andersartigen Teil liefert die Compagnie einen Abend höchster Güte. …“ So beginnt meine Besprechung der Wiesbadener Premiere dieses hinreißenden Tanzabends, dessen erste Hälfte von Damian Jalet choreografiert wurde, während die zweite vom niederländischen Geschwisterduo Imre & Marne von Opstal stammt.  > Ganzen Artikel lesen, 4000 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text


28.10.2022

So sei denn – bei 20 bis 27 Grad je nach Gegend in deutschen Landen – ein angenehmes Sommerwochenende im ausklingenden Oktober 2022 gewünscht.

Titel: „Spiegelbilder“. Mischtechnik Acryl, Gouache, Kreide; 40 x 50 cm. 28.10.2022 (c) Andreas Pecht

Themenwechsel in der Malstube: Von herbstlicher Landschaftsschönheit vergangenen Freitag zu anderer Schönheit heute. „Spiegelbilder“ habe ich diese jüngste Malarbeit genannt ( Mischtechnik Acryl, Gouache, Kreide; 40 x 50 cm. 28.10.2022 (c) Andreas Pecht), mit der ich schwer gekämpft habe. Weil: Die etwas verdrehte Hockhaltung der Frau vor dem zwiefach abgewinkelten Spiegel hat meinen noch immer recht schwach entwickelten Blick für die Übertragung von Drei- auf Zweidimensionalität ordentlich gefordert.


27.10.2022

Nochmal zum Iran, des Verständnisses wegen: Es geht da nicht ums Kopftuch. Es geht um die Freiheit des Volkes. Und dabei unter vielem anderem um die Freiheit jeder Frau, selbst zu entscheiden, ob sie Kopftuch tragen will oder nicht.


21.10.2022

Wechselhaft wird es werden, dieses Wochenende, wettermäßig betrachtet. Hierum morgen Wandertag, anderwärts eher Sofa-Knuddel-Tag; am Sonntag möglicherweise umgekehrt. Zu jedem sei allseits gutes Gelingen und viel Freude gewünscht.

Titel: Oktober vor dem Haus. 60 x 50 cm, Acryl/Gouache auf Leinwand. 20.10.2022 (c)Andreas Pecht

Mein Gruß aus der Malstube dazu liegt nahe und heißt „Oktober vor dem Haus“ (60 x 50 cm, Acryl/Gouache auf Leinwand). Es sage nun bloß niemand, der rotbraune Zaun im Vordergrund sei schief und unregelmäßig gemalt. Das ist lupenreiner Realismus; der Zaun ist so, denn ich habe ihn vor vielen Jahren eigenhändig gebaut und seither mehrmals repariert. Damit das klar ist!

Festgestellt habe ich allerdings, dass Landschaftsmalerei (noch?) nicht so mein Ding ist. Das hat keineswegs mit den malerischen Problemen/Schwächen zu tun, die im Bild stecken. Die sind hier auch nicht größer als bei anderen Sujets. Das Landschaftsmalen selbst ist mir irgendwie – langweilig. Was verwundert, denn reale Naturlandschaften liebe ich über alles, und eigentlich sollte mich bei der malenden Adaption ähnliche Euphorie befallen wie bei anderen Motiven. Tut es aber nicht. Es verhält sich so ähnlich wie bei meinem Verhältnis zur abstrakten Malerei: Als Betrachter bin ich ein großer Freund davon, selbst so zu malen reizt mich indes nicht im geringsten. Rätselhaft, aber auch spannend.


20.10.2022

Die neue britische Eisenlady ward schnell geschmiedet. Nach nur 45 Tagen in Gebrauch liegt sie allerdings schon beim Alteisen. Was nun? Es wird doch wohl niemand den nichtsnutzigen Struwwelpeter zum Regierungswichteln wieder aus dem Trödelsack ziehen.

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Frankfurter Buchmesse läuft. Ob ich (wieder) dabei bin, wird gefragt. Nein. 28 mal habe ich seit 1989 dieses in der Tat wichtige Geschehen mitgemacht – meist als Berichterstatter für die Zeitung, etliche Male obendrein als Podiumsdiskutant und/oder Vertreter eigener Publikationen. Nach 2016 mochte ich dann nicht mehr – mir in den endlosen Gängen die Füße platt laufen und den berucksackten Rücken für Tage nachher wundsteif tragen und schlendern. Ich ertrug das Gedränge nicht mehr, war zusehends überfordert mit der schnelltaktigen Masse an Begegnungen und Kurzgesprächen. Seither verfolge ich von daheim aus die Messeberichte der Medien, lasse mir aus Frankfurt die Messe-/Literaturbeilagen sämtlicher (deutschsprachiger) Qualitätszeitungen mitbringen und schaue in den Folgewochen, was sich Neues im Qualitätsbuchhandel tut. So bin ich hinreichend im Bilde, ohne mir auf die alten Tage die Vorort-Unbilden aufladen zu müssen.


19.10.2022

Gewiss, ich sehe mich gern als Albtraum der Werbefuzzis, Marketingstrategen, Besitzer/Anteilseigner von Produkt-, Handels- und Internetkonzernen. Leider teilen nicht allzu viele Zeitgenossen meine Vorliebe für und Freude an Nichtkauf, Shoppingglück-Verweigerung, Gebrauchsverlängerung, Schäppchenjagd-Abstinenz, Werbeunempfänglichkeit, Konsumreduktion aufs gute Einfache … > weiterlesen Text „Keine Lust auf Shopping-Glück“

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Nun also doch. Für mich beginnt jetzt das Winterhalbjahr, denn heute flogen in etlichen Wellen und unter lautem Singen die großen Keilformationen der Zugvögel von Nord gen Südwest übers Haus. Adieu, ihr Lieben. Guten Flug und unbeschadete Wiederkehr im Frühling.


15.10.2022

Es sei allseits ein angenehmes Wochenende gewünscht. Wobei ich mich gewiss nicht betätigen werde, wie der Herr auf dem Grußbild aus der Malstube. Radeln war noch nie meine Sache. Bei mir gilt die Devise: Wenn schon Natur, dann in gebührender Langsamkeit, also per pedes. Aber jede/r, wie sie/er mag. Das Bild ist eine innerfamiliäre Auftragsarbeit (also unausweichlich). Die Aufgabenstellung lautete, sinngemäß: Male ein Bild zu, über, für Freund XY, d.i. ein ambitionierter, passionierter, sportiver Freizeitradler.

Titel: Herbstradler. 40 x 50 cm, Acryl auf Leinwand. 13.10.2022 (c)Andreas Pecht

13.10.2022

Aus immer wieder aktuellen Gründen: mein Outing!
Für drei Dinge im hiesigen Alltag bin ich wohl von Natur aus einfach zu blöd. Denn selbst Hochschulabschluss, jahrzehntelanger User-Umgang mit Zeitungsredaktionstechnik und allerhand Handwerkler-Erfahrung konnten die Malaise nicht bessern:

1. Plastikverpackungen von Lebensmitteln/Naschwerk, Haushalts- und Heimwerkerutensilien zu öffnen, ohne dass die Verpackung in Fetzen geht.
2. Amtliche Formulare, mitsamt Ausführungserklärungen, zu verstehen und ordnungsgemäß auszufüllen.
3. Gebrauchsanleitungen und/oder vorgeblich selbsterklärende Menüführungen neuerer, digital gesteuerter Geräte/Instrumente zu begreifen und ihnen praxistauglich zu folgen.


12.10.2022

„Mitten in der Krise legen Gewerkschaften für Millionen Arbeitnehmer hohe Lohnforderungen vor“. So eine Zeitungsüberschrift heute in der Früh, unter der es um die schon vor einer Weile erhobene 8%-Forderung der IG Metall geht, vor allem um die jetzt von verdi für den Öffentlichen Dienst erhobene Forderung von 10,5% Lohn-/Gehaltszuwachs, mindestens aber 500 Euro. „Mitten in der Krise“ – ja sowas aber auch, wie kann man nur?; das geht doch gar nicht, heizt die Inflation an. Doch, denke ich, das geht; muss gehen. > weiterlesen Anmerkung zu den aktuellen Lohnforderungen


09.10.2022, 20 Uhr

Manches schwebt noch in Niedersachsen, einiges ist aber jetzt schon deutlich:

1. Tja, Herr Merz, Sie hätten vielleicht frühzeitiger lernen sollen, was viele Ihrer Parteifreunde längst wissen: Wer populistisch auf rechtsextreme Positionen setzt, hält am Ende doch nur Rechtsextremen den Steigbügel.

2. Nein, Herr Lindner, Ihre Partei hat nicht so schlecht abgeschnitten, weil sie im Bund Ihre Positionen hätte verwässern lassen. Sie hat verloren, weil sie in der Öffentlichkeit als Zauderer, Zögerer, Verhinderer, sturer Reiter alter Prinzip gesehen wird, die für die aktuelle Situation nicht taugen.

3. Und eben daher rührt ein Großteil des Grünen-Erfolges: Habeck und Co. haben eben nicht stur ihre Goldstandards geritten, sondern der besonderen Notsituation durch zupackenden Pragmatismus und die, vorübergehende!!, Aussetzung einiger ihrer Maximen Rechnung getragen – löffeln zähneknirschend und in der gebotenen Eile nicht fehlerfrei das aus, was vorherige Bundesregierungen dem Land vor allem durch Vertrödelung der Energiewende eingebrockt haben.


08.10.2022

Eines der bedeutendsten Phänomene unserer Tage: „Die Hälfte des Himmels“ ist mächtig in Bewegung geraten. Die wichtigsten fortschrittlichen, freiheitlichen Proteste neuerer Zeit werden vornehmlich von Frauen initiiert, angetrieben, getragen. Ob jetzt mit beeindruckendem Mut opulent im Iran oder kleinteiliger in Russland, ob zuvor in Belarus oder im Rahmen der Globalbewegungen Fridays for Future, Black Lives Matter u.a.: Überall sind Frauen und Mädchen Zentrum, Basis, Aktivmehrheit.
Völlig neu ist das Phänomen nicht. Es gab zahlreiche Momente in der Geschichte, da schritten Frauen vorneweg zur Tat für Brot, Freiheit, Gerechtigkeit. Erinnert sei etwa an die Pariser Marktfrauen („Poissarden“) und ihren Marsch auf Versaille 1789. Doch aus den Momenten scheint nunmehr eine historische Hauptströmung geworden zu sein. Und das ist gut so.


04.10.2022

Pappsatt. Der Wanst prall von einem großen Omlett aus heute gesammelten Steinpilzen, Ei von den eigenen Hühnern, Schnittlauch und Petersilie aus dem Kräuterbeet hinterm Haus. Dazu zwei Scheiben dunkles Brot, bestrichen mit Butter vom Biobauern, kräftig aufgerüstet mit Knoblauch aus eigenem Anbau.

So beginnt mein kleines Verzählche vom Pilzesuchen am Tag nach dem Feiertag > Ganzen Text lesen hier


02.10.2022

Titel: „Was ist mit ihr?“. Acryl auf Leinwand, 70 x 50 cm. 30.09.2022, (c) Andreas Pecht

Als Wochenendgruß meine letzte und jüngste Malarbeit aus dem September. Kunstkenner würden bei den drei Personen vielleicht ein paar Anlehnungen der Körperhaltungen an eine Skulptur von Aristide Maillol sowie ein Gemälde von Paul Gauguin finden. Allerdings sind die nur sehr vage, hier in einen völlig anderen Kontext und in Beziehung zueinander gesetzt. Wer jetzt nach den inspirierenden „Vorlagen“ sucht, müsste obendrein nach nackten Frauengestalten Ausschau halten. Wäre auch reizvoll gewesen, diese zu malen, hätte aber wahrscheinlich meine szenische Idee zerschossen.

> Zusammenstellung aller sechs Malarbeiten aus dem September 2022 (hier)



28.09.2022

Die heute erschienene Folge 207 meiner Monatskolumne „Quergedanken“ befasst sich mal mit einem ganz profanen Umstand des medialen Alltags. Welcher das ist, ergibt sich aus den ersten drei Sätzen des Textes, die folgend vorweggenommen seien: Stellen wir uns für einen Augenblick, nur so zum Spaß, mal vor: Du sitzt über der Fernsehzeitung, willst gucken, was die Mattscheibe am Abend bietet; plötzlich verschwinden sämtliche Kriminalfilme aus dem Programm. Wo sie angezeigt waren, blitzen jetzt weiße Flecken. Es sind viele, sehr viele, unfassbar viele weiße Flecken. (…)

> Ganzen Artikel lesen hier (freier Lesetext)


27.09.2022

Heute nun meine Premierenbesprechung zu „Der gute Mensch von Sezuan“ am Theater Koblenz. Hier der erste Absatz des Artikels aus der Printausgabe der Rhein-Zeitung: „Seit den 1990ern nur noch selten gespielt, kommt Bert Brechts Parabel-Stück „Der gute Mensch von Sezuan“ in jüngerer Zeit wieder häufiger auf die Bühnen. Es hat sich herausgestellt: Die darin verhandelte Thematik ist nicht obsolet geworden. Was machen Verhältnisse, in denen die Reichen immer reicher werden, aus jenen Menschen, die davon abgehängt sind? Stärkt diese Entwicklung Solidarität oder Egoismus? Am Theater Koblenz hatte jetzt eine Inszenierung Premiere, die manch interessanten Aspekt anspielt – schlussendlich aber doch dem Brecht’schen Epilog-Motto des Stückes folgt: Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ > Ganzen Artikel lesen hier (4250 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text)

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