Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Guten Tag allerseits – im Juni/Juli 2018

30.07.2018

Meine Sommerpause geht nun leider zuende. Nachzutragen ist die Monatskolumne „Quergedanken“, die zwischenzeitlich als Druckversion bereits auf den Markt kam. Es geht in der Folge 162 ums vermeintlich „heilige Blechle“, ums Automobil also. Anlass: Ich selbst brauchte ein neues – und stehe nun schier fassungslos vor dem Phänomen, dass sogar dieser Kleinwagen mit einer Unmenge von technischem Firlefanz überrüstet ist, der letztlich vor allem den Autofahrer vom Straßenverkehr ablenkt.

Quergedanken: „Auh weh, ein neues Auto“

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Mit mehr als 2000 Mitgliedern ist der „Förderverein Kultur im Café Hahn e.V.“  eine der größten Vereinigungen dieser Art im nördlichen Rheinland-Pfalz – und kann für das Kulturleben am Mittelrhein einiges Gewicht in die Waagschale werfen. 1993 von sieben Stammgästen des Musik- und Kleinkunstclubs im Koblenzer Stadtteil Güls gegründet, feiert der Verein am 1. September seinen 25. Geburtstag mit einem großen Festival auf der Festung Ehrenbreitstein. Im Vorfeld des Jubiläums plauderte ich mit den beiden Vorsitzenden Saskia Scherhag-König und Frank Tiedemann sowie Geschäftsführer Bertin Hahn über Anfänge, Werden und Sein des Vereins.

25 Jahre Förderverein Kultur im Café Hahn


Hier herrscht nun bis 31.7.2018 Betriebsruhe.
Schöne Sommerwochen seien gewünscht.


25.06.2018

Freude! Letzter Schliff am letzten Artikel, dann Schreibtisch räumen und Maschinen abstellen, schnell das Köfferchen packen – und ab geht’s für einige Tage heutige Jugendluft schnuppern: Als einer von etlichen Workshopleitern/innen im Seminarlager mit mehr als 200 FSJ-Jugendlichen im Alter vom 17 bis 25. Da bin ich wohl wieder der Alterspräsident, der sich gleichwohl so jung fühlt wie sonst das ganze Jahr nicht.

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Oper Sydney, Guggenheim Bilbao, Elbphilharmonie Hamburg: Drei Beispiele für Großbauten architektonischer Moderne, die heute weltberühmt sind. Jedes gilt seit der Fertigstellung – 1973, 1997 und 2017 – als ein Wahrzeichen seiner Stadt, das kaum noch jemand missen möchte. Die drei zeugen von der Bedeutung, die herausragende zeitgenössische Architektur für ein urbanes Gemeinwesen haben kann. Aber noch eines haben die drei Architekturikonen gemeinsam: Alle waren sie vor Ort auch umstritten. Und das teilen diese Bauten mit weit kleineren in unserer Region: Wann und wo immer heutzutage hierzulande im öffentlichen Raum ein architektonisch auch nur etwas ungewöhnliches Neubauprojekt zur Debatte steht, entwickeln sich sofort teils beträchtliche Widerstände dagegen.

Mein Artikel „An zeitgenössischer Baukunst scheiden sich die Geister“ (5200 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


20.06.2018

Bin ganz aufgeregt – wegen jüngster Entdeckungen der Archäologie. Danach sind die ältesten Kunstwerke  und kunsthandwerklichen Schmuckstücke auf Erden zehntausende Jahre älter als bisher angenommen. Sie stammen deshalb, entgegen bisheriger Lehrmeinung,  auch nicht vom europäischen Homo sapiens. Laut einem faszinierenden Artikel von Stefan Klein im gestern erschienen Zeit-Magazin haben der Physiker Dirk Hoffmann (Spezialist für die Altersbestimmung uralter Farben) und der Archäologe Alistair Pike an drei Stellen in Südfrankreich und Spanien kunstvolle Höhlenzeichnungen entdeckt, die mindestens 65 000 Jahre alt sind. Mithin datieren sie auf eine Zeit lange vor dem Eintreffen des Homo sapiens in Europa, und können nur von  Neandertalern angefertigt worden sein.

Unterstrichen  wird diese Entdeckung von Funden des Archäologen Jaoa Zilhao in Portugal: aufwendig gelochte und bemalte Muscheln, derart bearbeitet vor mindestens 115 000 Jahren. Damit dürfte das bisherige Bild vom Entstehen der Kunst in Europa als Eigenart ausschließlich des Homo sapiens vor etwa 40 000 Jahren hinfällig sein. Offenbar verfügte lange vorher schon der vor ca. 30 000 Jahren ausgestorbene Neandertaler über Fähigkeiten und Bedürfnisse, die ihm bisher abgesprochen wurden: das kreative Denken in Symbolen und  den Drang, schöne Dinge herzustellen, auch wenn sie für den praktischen Überlebenskampf nutzlos scheinen.

Die Implikationen dieser Entdeckungen für unser Verständnis von Entwicklung und Wesen der menschlichen Arten sind zahlreich und noch gar nicht alle absehbar. Jedenfalls unterstreichen sie, was wir für den Homo sapiens seit langem annehmen und nun auch für noch frühere Homo-Gattungen annehmen müssen: Die scheinbar so nutzlose Kunst wohnt unserer Spezies-Familie als Urbedürfnis wohl seit den frühesten Tagen inne.


21.06.2018

Eigentlich hätten wir uns gerne zum persönlichen Gespräch in Koblenz getroffen. Zu beider Bedauern blieb die Plauderei anlässlich des bevorstehenden 5. Internationalen Musikfestival Koblenz (IMUKO) schließlich doch aufs Telefon angewiesen. Einen viel gefragten jungen Musiker wie Benedict Kloeckner treffen zu wollen, ist so eine Sache. Bei unserem ersten Fernkontakt hielt sich der Cellist gerade im brasilianischen Sao Paulo auf, gab dort einen Meisterkurs und hatte vor großer Kulisse einen Auftritt mit Schostakowitsch‘ Konzert für Cello und Orchester. Beim zweiten Mal erreichte ich ihn in London, wo er sich mit einem zeitgenössischen Komponisten traf. Zuletzt rief Kloeckner aus seiner Berliner Wohnung an. Da sprachen wir ein knappes Stündchen miteinander, bevor er weiter musste zu Proben in Dresden.

Mein Artikel hier


20.06.2018

Herantasten an sommerpausige Slowmotion. Ein letzter Recherchetermin, ein letzter Artikel. Ab Montag dann für ein paar Tage in den „Jungbrunnen“ = arbeiten, leben, feiern mit mehr als 240 Jugendlichen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) bei ihrer kulturellen Seminarwoche zum Abschluss desselben. Anschließend eintauchen in jenen Zustand, den man früher mit dem schönen Wort „Betriebsruhe“ belegte.


16.06.2018

„Liliom“ handelt von einer Liebe, die wir heute kaum als solche erkennen mögen: Der Mann geht lieblos mit seiner Frau um, schlägt sie gar. Das 1909 von Ferenc Molnár geschriebene Stück weist ihm die Rolle des kernigen Tunichtgut zu. Hans Albers hatte den Jahrmarktsausrufer mehr als 1000 Mal gespielt und die Figur lange geprägt. Die junge Ehefrau Julie wurde meist als zartes liebliches Wesen gezeichnet. In Thomas Jonigks Inszenierung am Staatstheater Wiesbaden ist das jetzt etwas anders.

Meine Premierenkritik hier
(3600 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


15.06.2018

Wann immer, wo immer, wie immer über „Flüchtlingspolitik“ gestritten, gezankt, gezetert wird, kommt mir dieser Gedanke: Auf längere Sicht ist eine gänzlich dem Primat der Fernhaltung von Flüchtlingen/Migranten verschriebene Politik sowieso objektiv zwecklos. Und zwar so lange, wie nicht Bekämpfung der Flucht- und Migrationsursachen ins Zentrum aller Bemühungen rückt – wovon derzeit nicht mal im Ansatz die Rede sein kann. Denn dass Menschen Krieg, Elend, Perspektivlosigkeit, Verfolgung, Unterdrückung zu entfliehen trachten und dabei letztlich auch immer Wege finden, ist quasi ein Naturgesetz seit ewigen Zeiten.

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Fußball-WM, Deutschland vs. Mexiko: Die schlechter spielende Mannschaft hat verloren. Punkt. Was mir aber wirklich auf den Keks geht: Digital bewegte Flimmerkisten-Bandenwerbung. Demnächst werden dann wohl rund ums Fußballfeld in stetem Wechsel vollständige Werbespots abgespielt und bald darauf ganze Spielfilme mit Produktplacement. Absurd.


14.06.2018

Ausnahmezustand. Der Start des weltweit wohl meistbeachteten  Ereignisses in diesem Sommer und der lokale Drucktermin für das Magazin, in dem meine Monatskolumne „Quergedanken“ schwarz auf weißem Papier veröffentlicht wird, liegen leider himmelweit auseinander. Weshalb ich mich entschieden habe, den Text diesmal gut eineinhalb Wochen früher als gewöhnlich ins Netz zu stellen. Es wäre zu schade, würde er erst Ende Juni erscheinen – dann aber womöglich die Fußball-WM nur noch ein deutsches Volkstrauerthema sein. Man weiß ja nie, wie’s kütt.

„Quergedanken“ 161: Wenn einer eine Reise tut
(freier Lesetext)


11.06.2018

Die Burgfestspiele Mayen mimen eine Gerichtsverhandlung. Sechs Akteure, fünf Stühle, ein Stehpult: Mehr braucht Daniel Ris‘ in fabelhaft kleinem, aber genauem Gestus gespielte Inszenierung nicht, um mit dem Schauspiel „Terror“ und dessen Fragen nach Moral, Recht, Schuld das Publikum in Hochspannung zu versetzen. 2015 hatten das Schauspiel Frankfurt und das Deutsche Theater Berlin den Theatererstling des Strafverteidigers und Schriftstellers Ferdinand von Schirach zeitgleich uraufgeführt. Danach wurde er zum Dauerbrenner auf zahllosen Bühnen und im TV, wurde Streitgegenstand in der Öffentlichkeit wie unter Juristen.

Meine Premierenkritik
(4200 Anschläge, kostenpflichter RZ-Text, 49 Cent)

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Gestern tauchte mal wieder die wohl ewig unvermeidliche Frage an den Kulturkritiker auf: Hast du die Kunst, über die du urteilst, denn jemals selbst ausgeübt? Konkret ging es diesmal ums Ballett. Antwort: Nein, ich habe nie selbst getanzt oder choreografiert – habe auch noch nie ein Klassikorchester dirigiert (nur zeitweise einen Spielmannszug und zwei Laienchöre), habe nie eine Sinfonie komponiert, einen Roman geschrieben oder einen Film gedreht. Meine eigene praktische Schauspielerfahrung beschränkt sich auf drei Nebenrollen und zwei Inszenierungen im Amateurtheater während der Gymnasial- und Studentenzeit.

Obwohl ich Musik und Germanistik für Lehramt studierte, eine (bescheidene) praktische Grundlagenausbildung für sechs Musikinstrumente genoss (teils erlitt) und mir über die Jahre Tausende Theateraufführungen, Konzerte, Romane/Gedichtbände, Filme, Kunstausstellungen etc. einverleibt habe: Wie wohl die meisten meiner Kritikerkollegen/innen verstehe ich mich noch immer primär als Teil des Publikums – als leidlich überdurchschnittlich informierter und inzwischen ziemlich erfahrener Rezipient. Man könnte auch sagen „kritischer Konsument“ und sich beziehen auf Gotthold Ephraim Lessings berühmten Satz hinsichtlich der Legitimation des Kritikers: „Ich muss die Suppe nicht kochen können, um zu beurteilen, ob sie schmeckt.“

Was das Ballett angeht, so wurde ich in diese Sparte Anfang der 1990er wider Willen hineingespült, als Krankheitsvertretung für die damalige Tanzkritikerin der Rhein-Zeitung. Die Erstbegegnung mit der Tanzkunst lief ausgerechnet über das Avantgardeballett des William Forsythe damals in Frankfurt. Ich begriff zuerst gar nichts – war dennoch gleich am ersten Abend fasziniert von der Ästhetik und den Ausdrucksmöglichkeit des Tanzes. Auge und Verständnis für diese Kunst wurden dann anfangs geschult durch besonders häufige Live-Begegnung mit Arbeiten vor allem von Forsythe, van Manen, Pina Bausch, Jochen Ulrich, Amanda Miller und Martin Schläpfer sowie dem zeitgleich in Koblenz (Taylor), Wiesbaden (Cauwenbergh) noch gepflegten klassisch-romantischen Stil. Heute darf ich bekennen: Unter allen Künsten ist die Tanzkunst wohl die größte Liebe meiner späten Kritikerjahre geworden.


10.06. 2018

Bei den meisten Ballettcompagnien in Deutschland sind sie längst Tradition: Abende, für die sich Tänzer/innen im Choreografenfach versuchen. „50°N7°O“ nennt sich das Nachwuchs- und Expertimentierformat am Theater Koblenz.
„Vielfalt“ heißt das weite Motto diesmal. Vier Compagniemitglieder haben es für vier völlig verschiedenartige Tanzstücke aufgegriffen – von denen zwei sich durch eine überraschende Reife im Umgang mit zeitgenössischer Ballettstilistik auszeichnen.

Meine Premierenbesprechung
3800 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


09.06.2018

Hinweis für Leute im Nahraum Westerwald/Koblenz, die auf hochpolitische Krimis stehen: Mein alter Freund Wolfgang Schorlau kommt im Rahmen der Westerwälder Literaturtage für eine Lesung aus seinem 9. Dengler-Krimi „Der große Plan“ nach Hachenburg. 18. Juni, 19.30 Uhr, Pfarrsaal Kath. Kirchengemeinde.  -> Weitere Infos


07.06.2018

Im überregionalen Teil der heutigen Rhein-Zeitung wird gleich an drei Stellen Friedrich Wilhelm Raiffeisen behandelt.  Auf einer Extra-Seite ist ein großes Interview zu lesen mit Theresia Theurl, Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen der Uni Münster. Die Seite „Schönes Wochenende“ gibt Ausflugstips zu Raiffeisens Wirkorten im Westerwald. Auf der Kulturseite schließlich steht meine Besprechung der am 13. Juni eröffnenden Ausstellung „Tradition Raiffeisen – Wirtschaft neu denken“ im Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein. Der besonders hohe Aufmerksamkeitsgrad dieses Blattes für den vor 200 Jahren geborenen Genossenschaftsbegründer liegt auf der Hand: Raiffeisens Heimat und Wirkungsraum Westerwald gehört zum Erscheinungsgebiet der Zeitung.

Meine Besprechung der Raiffeisen-Ausstellung
4500 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


04.06.2018

Sie ist in Deutschland einer der größten Museumsneubauten jüngerer Zeit: die an diesem Wochenende eröffnete neue Kunsthalle Mannheim. Erstaunlich: Nach nur dreijähriger Bauzeit blieb das Großprojekt mit 68,3 Millionen Euro Baukosten punktgenau im vorgesehenen Rahmen. Weniger erstaunlich: Der Modernebau gleich neben dem Mannheimer Wahrzeichen Wasserturm war in der Bevölkerung umstritten. Doch nun ist der rechteckige Doppelkubus seiner Bestimmung übergeben. Und bei der Erstbegehung kommen wir zu dem Ergebnis, dass der Komplex architektonisch wie inhaltlich eine bemerkenswerte Bereicherung für die Museumslandschaft nicht nur im Südwesten darstellt.

Mein Artikel zur neuen Kunsthalle Mannheim
5800 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


03.06.2018

„Ein Tanzstück für Jugendliche ab 12 und ihre Fans“ – so ist die jüngste Produktion des Hessischen Staatsballetts angekündigt. „Fake“ (Fälschung) heißt die 70-minütige Choreografie von Compagniechef Tim Plegge, in der es um den Ausnahmezustand der Pubertät, nicht zuletzt um die sexuelle Selbstfindung in dieser Jugendzeit gehen soll. Eine hübsche Arbeit, die allerdings wenig weiß von den dramatisch zwiespältigen, den auch subversiven und renitenten Kräften des Frühlingserwachsens, vom Seele und Leib durchschüttelnden stürmischen (Trieb-)Drängen bei zugleich bodenloser Unsicherheit.

Meine Premierenkritik
3600 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


01.06.2018

Zum Abschluss der Artikelserie anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx in der Rhein-Zeitung, zu der ich mehrere Texte beisteurn durfte, richtet sich der Blick auf eine kleine, je nach Ausgabe nur 40- bis 50-seitige Schrift: das  „Kommunistisches Manifest“ – die neben der Bibel meistgedruckte Publikation in der bisherigen Menschheitsgeschichte. Der von Marx und Friedrich Engels gemeinsam verfasste Text wurde seit seinem Erscheinen 1848 in mehr als 100 Sprachen übersetzt und 2013 ins Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen. Das Erstaunlichste an dieser Schrift ist: Die im ersten Teil vorgenommene Analyse des Zustands der Welt und ihrer Entwicklung liest sich streckenweise wie eine Beschreibung heutiger Verhältnisse.

Mein Artikel zum Kommunistischen Manifest
(6000 Anschlage, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

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