Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Der Mensch ist seiner Natur nach auch ein Gutmensch

ape. Es ist eine seit Generationen sehr weit verbreitete Ansicht, wonach dem Homo sapiens eine alle Zivilisationsentwicklung im Guten wie im Schlechten dominierende und antreibende Eigenschaft seit frühester Zeit NATURGEGEBEN innewohne: der Egoismus. Der Gier nach persönlichem Besitz, Reichtum, Macht, Vorteil gegenüber anderen Menschen wird eine natürliche Urkraft fast im Range des Überlebenstriebes zugesprochen. Die Auffassung von der vermeintlich primär egoistischen Natur des Homo sapiens wird neuerdings gerade von Leuten wie Musk, Trump und den meisten Vertretern rechtsextremistischer Strömungen wie eine Art ideales Menschenbild propagiert. Diese Ansicht ist aber sachlich falsch, oder zumindest eine extrem einseitige Betrachtung, mag auch der oberflächliche Augenschein vom Welt- und Gesellschaftsgeschehen sie fortwährend bestätigen.

Die moderne Wissenschaft, vorneweg Verhaltensforschung, Pschologie, Anthropologie und Ethnologie, hat seit etlichen Jahren weltweit aus unzähligen systematischen Beobachtungen sowie (Verhaltens-)Experimenten und Studien mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und vom Kleinkind- bis ins Greisenalter andere Schlüsse gezogen. Schlüsse, die durch jüngere historische Forschungen etwa über das Sozialverhalten unserer steinzeitlichen Vorfahren unterstrichen werden. Danach sei nicht Egoismus – und damit der ewige Wettkampf aller gegen alle – das dominierende natürliche Element des menschlichen Daseins. Mindestens, ebenso wenn nicht noch wesentlich mehr ins Gewicht falle die von der Evolution dem Homo sapiens mitgegebene natürliche Fähigkeit zu Empathie, Altruismus, Kooperation, Lernen voneinander, Solidarität, Mitgefühl, Verhalten nach moralischen Regeln.

„Wäre der Homo sapiens tatsächlich durch und durch egoistisch, rücksichtslos und ohne Empathie – dann würde er noch heute, allein und auf sich gestellt, durch die Savanne trampeln. Oder er wäre vom Neandertaler verdrängt worden.“ Dies schreibt Jakob Simmank am Ende eines sehr guten, auch den Stand der Wissenschaft vorstellenden Dossiers in der jüngsten „Zeit“-Ausgabe unter der etwas provokanten Überschrift „Der Mensch ist ein Gutmensch“. Bevor nun die Forschungsbefunde über die Ambivalenz unserer Spezies mit allerhand Verweisen auf das Elend der Welt sowie die Schlechtigkeit vieler ihrer Bewohner abgetan wird, möge man einen Moment innehalten und an die Abermillionen Bespiele denken, wo Menschen tagtäglich uneigennützig Mitmenschen helfen oder sich uneigennützig für die Gemeinschaft einsetzen. Dies manchmal bis zur Selbstaufopferung – wie beispielsweise jener Mann namens Jesus in der Geschichte vom Karfreitag. Andreas Pecht

Andreas Pecht

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