Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Guten Tag allerseits im März 2024

1.4.2024

Bin nun, ach, wieder zurück aus dem Offline-Himmel. Und darf von einer, zumindest mich alten Kerl, seltsam anmutenden Beobachtung dorten in der wirklichen Welt künden. Bei Ausflügen dieser Tage kam ich an drei Campingplätzen vorbei. Beim ersten war ich etwas befremdet, ohne greifen zu können weshalb. Beim zweiten fiel es mir wie die sprichwörtlichen Schuppen von den Augen. Der dritte bestätigte, was beim ersten nur Ahnung, beim zweiten dann Verdachtsfall war: Camping hat anno heute nichts mehr mit Zelten zu tun. Wohnmobile und Campingwagen wohin das Auge blickt – nur ganz vereinzelt dazwischen mal ein nachgerade verirrt wirkendes Planendomizil der traditionellen Hundehütten- oder Steilwand-Zeltkategorie. Ansonsten allenfalls Vorzelte zur Heimstatt auf Rädern.

Ich will das gar nicht werten, sondern stelle es nur als Zug der Zeit fest: Moderne Camper reisen mit Wohnzimmer, Schlafgemach und Küche huckepack. Was mich freilich ein bisserl irritiert fragen lässt: Die „Zumutungen“ des einfachen Lebens unter freiem Himmel sind damit doch perdu?


27.3.2024

„ ,Holla, spinnst du?‘ schimpft Walter mit Blick auf die Überschrift. ,Klar ist unsere Spezies als Ganzes ziemlich bekloppt. Deshalb gleich all ihre Individuen so grantig in einen Topf zu schmeißen, scheint mir aber ungerecht.‘ Krieg dich wieder ein, mein Freund, das meint die Schlagzeile gar nicht; du missverstehst das Wort Bastard. …“

So beginnt die heute erschienene > Folge 225 meiner Monatskolumne „Quergedanken“ unter der Überschrift „Wie schön: Wir alle sind Bastarde“ (freier Lesetext). Mit diesem Text darf ich mich zugleich für ein paar Tage in den offline-Himmel verabschieden, allseits angenehme Feiertage und erfolgreiches Eiersuchen wünschen.


24.3.2024

Sonntag vor Ostern. Draußen rauscht, pfeift, heult manchmal sogar ein recht kräftiger, unwirtlich kühler Wind. Mal regnet’s, mal graupelt’s, mal schneit’s ein paar schnell vergehende Flocken. Herinnen im Haus ist es ganz ruhig, Stille herrscht. Niemand will was, sagt oder fragt was. Seit Mittag und bis Karsamstag gilt: Andreas allein zu Haus. Strohwitwerdasein. Ich mag diese frei gewählte Einsamkeit. Nicht immer und nicht für allzu lange, aber doch gerne einige Tage, auch mal die eine oder andere Woche – meist in der Gesellschaft nur meinerselbst.

Am Abend werde ich mich mit einer Zigarre in den Sessel fletzen und glotzen. Ein paar Minuten im HR-Fernsehen „Klein gegen Groß“. Die „Duell“-Sendung selbst interessiert mich zwar keinen Deut‘, doch will ich einen kurzen Blick werfen auf die inzwischen 47-jährige Schauspielerin Diane Kruger. Denn die macht da mit – und für sie hatte ich einst heftig geschwärmt. Danach auf 3Sat die Bosetti, abschließend vielleicht eine Runde Kleinkunstfestival im RBB oder ein paar Dutzend Seiten Lektüre der Neuübersetzung von Frank Herberts „Wüstenplanet“.

Sündigen? Gewiss, werde ich. Auf meinem Speiseplan für diese Woche stehen neben allerhand gutem (und natürlich gesundem) Selbstgekochtem zwei Abstecher zur Pommesbude im übernächsten Ort. Dort bekommen Gaumen und Leib dann an einem Tag Rindscurrywurst mit Pommes kredenzt, an einem anderen Nierengulasch mit Brötchen. Und sollte mich die Sünderei noch heftiger befallen, könnt es durchaus passieren, dass ich obendrein mal im Pfuhl einer amerikanischen Boulettenbräterei untergehe.

Man sieht: die pure Unvernunft, lauter Reminszenzen an ehedem. Wunnebar – für einen Moment.


22.3.2024

Das Timing ist nicht ideal: Die Wetterfrösche künden justament für Samstag und Sonntag „typisches Aprilwetter“ an. Lasst euch davon das Wochenende nicht vermiesen, sondern habt ein angenehmes.

Als Dreingabe eine kleine Kindheitserinnerung, die plötzlich aus den Hirntiefen emporstieg, als es heute beim Brennholzsägen auf Mittag ging und mein Magen knurrte:

An irgendeinem Tag in den ganz frühen 1960ern. 12 Uhr, Mittagspause für die ganze Belegschaft in der Schreinerei Pecht. Eine halbe Stunde. Maschinen werden abgeschaltet, Werkzeuge beiseite gelegt. Die beiden Gesellen, ein Lehrling und mein Papa, der Meister, setzen sich auf ihre Hobelbänke, futtern ihre Stullen, rauchen eine schnelle Zigarette. Hernach legen sich allesamt gestrecktelängs auf die harten Werktische – und schlummern das verbleibende Viertelstündchen.

Es ist mucksmäuschen still in der Werkstatt. Der Besuchersteppke, also meine Wenigkeit, sitzt regungslos auf einem Bretterstappel und wagt kaum zu atmen. Der Bub weiß, wer diese heiligen 15 Minuten stört, kriegt Ärger. Die getreue Kundschaft weiß das ebenfalls, weshalb das Werkstatttelefon zu dieser Tageszeit selten schrillt. 12.30 Uhr, alle Mann rappeln sich wie auf ein geheimes Zeichen hin auf – ohne Sirene, ohne Wecker, ohne Weckruf; die innere Uhr funktioniert tadellos. Der Steppke freut sich, endlich wieder Leben in der Bude, das langweilige Gepenne vorbei.

60 Jahre später treten Arbeitsmediziner, Trendsetter, Lifestylisten mit einer „wissenschaftlich erhärteten, revolutionären Entdeckung“ an die Öffentlichkeit: Ein Kurzzeitschläfchen in der Arbeitspause ist erholsam und mobilisiert die Kräfte wieder. Diese „völlig neuartige Erkenntnis“ tritt ihren Siegeszug unter der Bezeichnung Powernapping an.


20.3.2024

Das schlägt doch dem Fass den Boden aus! Habe ich mir just am heutigen Weltglückstag Visage und Arme verbrannt. Ein paar Stunden leichte Garten- und mäßige Holzarbeit, dabei des Umstandes nicht eingedenk, dass Frühlingssonne schon recht kräftig sein kann. Ich also kurzärmelig und barhäuptig munter am Werk. Schwuppdich, haste den erhitzten Glückssalat.


19.3.2024

Frühlingsgefühle vs. Frühjahrsmüdigkeit. Ach, was ein Elend: Hast du dies, fehlt dir jenes. Deshalb sei gescheit: Gönn‘ dir beides.


16.3.2024

Vergangene Woche ist für viele völlig unerwartet Marlis Köhn gestorben. Die Cellistin war Anfang der 1970er die erste Frau im Staatsorchester Rheinische Philharmonie. 40 Jahre lang hatte sie im Koblenzer Klangkörper musiziert, ist auch nach ihrer Pensionierung anno 2010 dem Orchester noch einige Jahre als dienstbarer Geist treu geblieben. Mit einem von mir 2011 über sie geschriebenen Artikel (s. nachfolgenden Text) möchte ich noch einmal an diese wunderbare Frau erinnern. > „Cello-Mieze“ verwöhnt das Orchester


13.3.2024

Man kommt wohl nicht mehr umhin, einzuräumen: Die meisten ernsthaft mit Klimaforschung befassten wissenschaftlichen Institutionen haben sich lange in einem wesentlichen Punkt geirrt – der zeitlichen Dimension. Denn die jüngsten Forschungen und Beobachtungen machen unverkennbar: Fast alle Klimawandel-Entwicklungen verlaufen deutlich schneller als bis vor kurzem noch angenommen.


12.3.2024

Sapperlottement, da legst di nieder – wie dieser Drittliga-David von der Saar die Erstligisten umnietet. Erst Bayern München weggeputzt, dann die Frankfurter Eintracht flachgelegt und eben bei der Saarbrücker Wasserschlacht die Mönchengladbacher Borussia ersäuft. Fußball ist sonst nicht so mein Ding, aber das hier hat schon was.


11.3.2024

Vor ein paar Jahren hatte ich mir ein Smartphone zugelegt. Mein Freund Technicus hatte das Ding eingerichtet und ich hernach eineinhalb Monate ein bisschen damit herumgemacht, es dann aber stillgelegt und in der Schublade verschwinden lassen. Weil: Das Maschinchen und seine Möglichkeiten haben einfach nicht zu der Art, wie ich lebe, gepasst. Es war nutzlos für mich, dafür aber ein steter Quell von Ärgernissen. Vor etwa drei Wochen habe ich nun einen neuen Anlauf genommen, aus dem Eindruck heraus, dass die Gesamtorganisation der Gesellschaft sich immer mehr auf dieses Gerät stützt – ich also absehbar genötigt sein werde, es bei ganz profanen Alltagsgeschäften wider Willen ebenfalls zu benutzen. > Ganzen Text lesen „Vom Bemühen, mein Smartphine zu reaktivieren“


8.3.2024

Wie schon im vergangenen Jahr, heute noch einmal passend zum Weltfrauentag: Meine Malarbeit „Dieser Blick“ (entstanden im Dezember 2022, 40x 60 cm, Acryl auf Leinwand). Das ist zugleich der Gruß zum Wochenende, das ich heute hierorts bei strahlendem Sonnenschein, allerdings begleitet von einem recht frischen Ostwind, mit ein bisschen leichter und mittelschwerer Gartenarbeit eingeläutet habe. Soviel und solange mit Freuden bis der Rücken mahnte: „Ist gut jetzt, genügt.“ Wünsche allseits ein angenehmes Wochenende.

Titel „Dieser Blick“. 40 x 60 cm, Acryl auf Leinwand. (c)Andreas Pecht, 09.12.2022

1.3.2024

Nun denn also: Heute meteorologischer Frühlingsbeginn – weshalb ich allseits ein entsprechend nettes Wochenende wünsche.

Man kann so Anfang März zwar nicht ausschließen, dass da noch was Winterliches kommt. Aber richtig viel kann’s nicht mehr werden, schlimmstenfalls wieder ein Frostschlag ins Kontor der im erneut gar zu warmen Februar allzu früh allzu weit zur Blühphase hingewachsenen Pflanzen. Und wie war der Winter 2023/24 so? Hat im Grunde – wie so mancher Winter in den letzten Jahren – nicht stattgefunden. Hierorts gab es zwei kurze Episoden mit einigen Frosttagen, einer Ladung Schnee und Blitzeeis. Fertig. Erfreulich nur, dass der Winter quasi eine Regenzeit war und die Böden reichlich zu saufen bekommen haben. Zwar sind vielerorts die Grundwasserspiegel längst noch nicht wieder auf Normalpegel gestiegen. Aber immerhin: Sollte der Sommer so heiß und trocken werden, wie der Winter nicht winterlich war, kämen wir recht locker zumindest durch die ersten sechs Wochen.



28.2.2024

Obacht, dran denken: Dieser Februar (und damit das Jahr 2024) ist einen Tag länger; er hat einen 29., um unseren Kalender wieder dem Lauf der Gestirne anzupassen. Am heutigen Vortag dazu ist Folge 224 meiner Monatskolumne „Quergedanken“ erschienen. Behandelt wird diesmal die Frage: Wie gelingt es, dass beim gemütlichen Beisammenhocken von politisch, weltanschaulich, lebensartlich doch sehr unterschiedlichen Leuten aus den Bekannten-/Freundeskreisen von Freund Walter und mir häufig kontrovers disputiert wird, aber es – anders als im Internet – nie zu Dreckschleuderei unter der Gürtellinie oder Hasstiraden kommt? Eine nicht unwesentliche Rolle spielen „kleinste gemeinsame Nenner“, Grundansichten, die alle am Tisch teilen. Und davon gibt es, jedenfalls in unserem Umfeld, trotz sonst mannigfacher Differenzen eine Menge.  > Quergedanken 224 „Kleinste gemeinsame Nenner“ (hier)


Guten Tag allerseits in den Vormonaten


Andreas Pecht

Kulturjournalist i.R.

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