Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Mein Vorsatz für 2023: Nicht mit dem Altern hadern

ape. Tach zusammen. Ich hoffe, es sind alle halbwegs wohlbehalten im neuen Jahr angekommen. Dann packen wir’s mal an, dieses 2023. Mein erster Tag begann mit einem zweistündigen strammen Waldmarsch (neudeutsch heißt das wohl powerwalking). Was nicht etwa einem Neujahrsvorsatz geschuldet war, sondern mir bei Temperaturen über 3 Grad, mäßiger Windlage und von oben her trocken seit jeher ein Bedürfnis ist. Ich habe mir fürs neue Jahr nur eine einzige Sache vorgenommen: Arrangiere dich ohne Verbiesterung, gelassen und wohlgemut mit dem letztlich unabwendbaren Umstand, dass der fortschreitende Alterungsprozess naturgemäß einen Rückbau der Kräfte, mancherlei Altersgebrechen und -krankheit mit sich bringt und in wachsendem Maße bringen wird.

Den Alterungsprozess zu ignorieren, zu verdrängen, gar zu idealisieren, nützt ja nichts. Denn der Anteil derer ist sehr, sehr klein, die bis wenige Wochen oder Tage vor ihrem Ableben ohne Alterseinschränkungen, Gebrechen, Krankheit, schließlich ärztliche und/oder versorgende bis pflegerische Hilfe auskommen. Ich bin davon überzeugt, dass innere Ruhe, Ausgeglichenheit, Zufriedenheit für die Alters- und Spätaltersphase eigentlich nur zu erringen sind, wenn man seinen Frieden macht mit den weniger angenehmen Begleiterscheinungen des Alterns, wenn man akzeptiert, dass sie eben zum Leben dazugehören – wie am Ende das Sterben auch.

Ja, ja, ja, ich höre sie jetzt schon wieder, die tausenderlei Ratschläge und Tipps, wie man den Alterungsprozess verlangsamen, seine unangenehmen Seiten abmildern, gar vollends verhindern könne. Körperlich und geistig in Bewegung bleiben, sporteln, kreativ sein, sozial oder sonstwie aktiv sein, sich gesund ernähren etc. pp. Alles gut und richtig, aber halt individuell keine Garantie für irgendwas, schon gar nicht ein beschwerdefreies, langes Altern. Und später erwischt’s einen eben doch. Nein, nein, ich spreche nicht gegen das „körperlich und geistig in Bewegung bleiben“. Im Gegenteil.

Allerdings habe ich so meine Zweifel, ob Quälerei mit Sportarten, die einem ums Verrecken keinen Spaß machen, und krampfhafte Ernährungsaskese mit Nahrungsmitteln, die einem partout nicht schmecken, nachhaltig positiven Einfluss auf die Gesundheit der Betreffenden haben können. Ohnehin stellt sich jeder/m Einzelnen die Frage: Wieviel Lebensqualität ist man bereit, aufzugeben, um eventuell, vielleicht, womöglich ein Quäntchen zusätzliche Lebensquantität zu ergattern. Eine wohl recht vernünftigte Devise könnte sein: Ich probiere vieles/alles, schaue, was mir gut tut und möglchst zugleich Freude macht; danach entscheide ich, wie ich sportle, was ich esse und auf welche Weise ich geistig, sozial, kulturell aktiv sein möchte.

Wie immer man es handhaben mag: Es gibt keinen Alterungsprozess, der nicht früher oder etwas später von Einschränkungen, Beschwerden, Malaisen begleitet wird. Das ist naturgegeben normal – und mit diesem Umstand verbittert zu hadern ist genauso sinnlos wie ihn mit Glückseligkeitsgetue ignorierend zu überspielen. Denn lebend und auf ewig bei bester Gesundheit kommt hier sowieso niemand raus. Andreas Pecht

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