Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Guten Tag allerseits im Februar/März 2022

31.03.2022

So beginnt meine heute erschienene Monatkolumne „Quergedanken“, Folge 201: „Schluss mit lustig! Schlimmer als 2020/2021 könne es nicht werden, hatten wir geglaubt. Corona-Seuche, katastrophische Klimawandelwirkungen, fanatische Realitätsleugnung nebst Wissenschafts- und Demokratiefeindlichkeit… Doch wir hatten falsch geglaubt, denn es ist noch viel schlimmer gekommen: Das erste Quartal 2022 ist das übelste, das ich in meinen 66 Jahren erlebt habe.“ (…) > weiterlesen „Der Krieg soll verflucht sein!“


23.03.2022

Und nun läuft er wieder, mein TV-Albtraum: der „automatische Sendersuchlauf“. Vor zwei Wochen hatte Vodafon (hier via Kabel Deutschland via Kevag telekom) die bei mir gespeicherte Fassung von ard-alpha gekillt und heute dann auch noch arte. Beide gäbe es nur nocn in HD-Versionen und die solle man sich an anderer Stelle aus der „Senderliste“ holen. In meiner Senderliste sind beide nicht drin. Ergo: Sendersuchlauf. Heißt wieder: Hunderte Sender laden, hernach stundenlang nach Brauchbarem durchstöbern und benutzertauglich sortieren. Der Abend ist gerettet. Oder besser gesagt: An technischen Scheißdreck verschwendet – um zwei der mir liebsten TV-Sender wieder greifbar zu machen. Ein Hoch auf die Entwicklungsabteilung der TV-Technik-Unternehmen. gez. Ein normalsterblicher Fernsehzuschauer ohne elektrotechnisches Hochschulstudium.

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Heute ist bei mir Schreibtag. Der Redaktionsschluss für die Folge 201 meiner Monatskolumne „Quergedanken“ drückt. Was mir sonst  viel Freude macht, gerät diesmal zur Qual. Nachdem die vergangene Nummer zwei Tage vor Kriegsausbruch über die Druckmaschinen gelaufen war, komme ich diesmal nicht umhin etwas zu diesem unsäglichen Angriffskrieg Putins zu schreiben. Was aber könnte das sein – dem Irrsinn angemessen und/oder in den zurückliegenden vier Schreckenswochen nicht schon hundertfach geschrieben/gesagt? Auch der sonst in diesem Format übliche humorige Schlag mag mir wohl kaum über die Zunge kommen. Rat- und lustlos fange ich einfach mal an, überlasse der unterbewussten Spontanabteilung des Hirns die Tastatur. *seufz*


22.03.2022

*schmunzel* Mittlerweile bin ich mir völlig sicher, dass die Naturkundelehrer uns damals in der Volksschule belogen haben. Oder sie hatten einfach keine Ahnung – etwa von der aphrodisierenden Wirkung der westerwälder Umgebung, die offenkundig sogar Millionen Jahre alte Gesteinsbrocken noch in Wallung bringt. Jedenfalls ist, was die Magister uns dereinst lehrten, definitiv falsch: „Steine können sich nicht fortpflanzen, das können nur Menschen, Tiere und Pflanzen.“ Und hier der Beweis, dass auch Steine, zumindest die hiesigen, sich vermehren: Die rund 25 Quadratmeter des ältesten Teils meines Gemüsegartens bewirtschafte ich seit gut 40 Jahren händisch und mit Muskelkraft sehr sorgsam. Dennoch hole ich noch immer Frühling um Frühling mindestens einen Wassereimer voll Steine und Steinchen heraus. Von den in späteren Jahren hinzugekommenen Beeten ganz zu schweigen. *seufz*


21.03.2022

Manchmal gibt es Zusammenhänge, die wirklich ganz simpel sind. Etwa dieser:
Jedes Prozent Erdgas, Benzin, Erdöl, Kohle, das wir weniger verbrauchen, erfüllt gleich drei gute Zwecke: 1. es mindert die Abhängigkeit von Russland (u.a.); 2. es mindert den Schaden für Umwelt und Klima; 3. es mindert die Belastung des eigenen Geldbeutels.

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Und immer wieder muss man es deutlich sagen: Es gibt nur ein einziges Argument, das Deutschland daran hindert allen anderen Ländern auf Erden zu folgen und ein allgemeines Tempolimit zu beschließen. Dieses Argument, inzwischen vertreten nur noch von einer Minderheit der deutschen Bürger und der Autolobby, lautet: „Ich will aber schnell fahren dürfen.“


20.03.2022

Oftmals ist es wenig erhellend und noch weniger hilfreich, realpolitische Ereignisse/Entwicklungen durch die Brille längerfristiger parteipolitischer Orientierungen, Sympathien/Antipathien zu betrachten. So jetzt im Falle der Bemühungen Habecks, Deutschland in Arabien zu verschaffen, wessen es für die eigene Energieversorgung noch für einige Jahre bedarf. > weiterlesen Anmerkung „Häme über Habecks Verhandlungen mit Katar


16.03.2022

Prima, heute ist wieder Gartenwetter. Angesichts der Welt- und Marktlage bin ich noch stärker motiviert, unsere biogärtnerische Selbstversorgungswirtschaft so optimal wie möglich anzulegen. Habe gestern deren „Goldtresor“ geöffnet: den bis Frühsommer 2021 aufgehäuften, mit Pferdemist und etwas Hühnermist angereicherten und seither ruhenden Kompostmüll. Schön durchgegoren, tiefschwarz ist der fertige Kompost; ein bisschen zu nass und pappig, was die Einarbeitung in die Beete etwas erschwert, der Dünge- und schließlich auch Lockerungswirkung auf die Erde aber kaum Abbruch tut.

Die harten Arbeiten habe ich an den vergangenen Schönwettertagen schon hinter mich gebracht (und den zwangsläufigen Muskelkater wieder abgebaut): Umgraben der Erdbeete mit dem hier leider sehr schweren Lehmboden, grobes Durchhacken der Krümelerde in den Hochbeeten. Heute nun Verteilung des Kompost auf die Beete, mengenmäßig gestaffelt nach dem Düngebedarf der Nahrungspflanzen, die dort jeweils angebaut werden sollen. Dann alles ein bisschen abtrocknen lassen und hernach zum Wochenende hin mit dem Rechen zu einer kleinkrümeligen Oberflächen-/Pflanzschicht zerhacken. Das ist meine für die hiesigen Bedingungen entwickelte Methode, die seit 40 Jahren recht gut funktioniert. Und heuer kommt bei jedem Spatenstich der Gedanke hinzu: Putin kann mich am Arsch lecken.


15.03.2022

„Informiere dich doch mal richtig!“ Diese Aufforderung wird einem in jüngeren Jahren gehäuft um die Ohren gehauen von Klimawandelleugnern, Antimigrationshetzern, Coronaleugnern/-verharmlosern, Impfgegnern und zuletzt Putin-Verstehern. Sie meinen damit nicht etwa Information aus wissenschaftlich anerkannten Quellen, merfach geprüften Expertisen, unabhängigen Recherchen und anderen Qualitätsherkünften. Sie meinen vielmehr ihre eigenen Quellen. Auch diese habe ich mir über die Jahre immer mal wieder genauer angeschaut…. > weiterlesen „Die Schnittmenge der Verschwörungs-Gläubigen“


13.03.2022

Pardon, aber man kann doch Leute nicht mehr für voll nehmen, die dieser Tage lauthals über die hohen Spritpreise schimpfen, zugleich aber ungerührt mit 160, 180 oder 200 km/h über die Autobahn preschen sowie auch anderweitig kräftig das Gaspedal traktieren und mit ihren (oft überdimensionierten) Kisten 9, 11, 13 oder mehr Liter Kaftstoff auf 100 Kilometer verheizen.


10.03.2022

Krisenzeiten waren und sind stets auch die Stunde der Spekulanten. Z.B. der Weizenpreis: Im Augenblick wetten die börsianischen Kriegsgewinnler auf ukrainische und russische Ernteausfälle in einem halben Jahr. Folge: Explodierende Getreidepreise jetzt und alsbald Hungersnöte in den ämeren Teilen der Welt. *stinksauer*


08.03.2022

Waffenstillstand sofort! Dann: Abzug der russischen Truppen vom Staatsgebiet der Ukraine!
Das sind m.E. die aktuellen Minimalforderungen, an denen sich alle Politiker und politischen Diskutanten messen lassen müssen.

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Meine ganz persönliche private Spritpreisbremse (hier draußen auf dem Land ohne nennenswerten ÖPNV) ist jetzt erstmal – das Gaspedal. Also weniger drauftreten. Will sagen: Langsamer fahren, überlegter fahren, vorausschauender fahren und überhaupt, wann immer möglich, weniger fahren. Da geht noch einiges, obwohl ich nur ein kleines Auto habe und schon eine Weile ein eher zurückhaltender/sparsamer Fahrer bin. Immerhin weiß ich um den bei mir vielfach erlebten Unterschied der Verbrauchswerte, wenn ich a) gedankenlos vor mich hin kutschiere oder b) bewusst auf verbrauchsarmes Fahren achte: Macht auf 100 Kilometer 1 bis 1,5+ Liter mehr oder weniger Sprit aus ( = 15 bis 25%).  Da gewinnt dann der alte Spruch „Zeit ist Geld“ einen ganz neuen Sinn: Ein paar Minuten länger unterwegs zu sein, macht sich im Geldbeutel ziemlich positiv bemerkbar.


07.03.2022

Menschen, oh Menschen, ach, was dumme Menschen.
Es werden hierzulande offenbar verschiedentlich Mitbürger mit osteuropäischen Akzent, die man für Russen hält bzw. die tatsächlich Russlandsdeutsche oder Auslandsrussen sind, als vermeintliche Putin-Freunde angepöbelt, bespuckt, bedrängt, drangsaliert. DAS GEHT GAR NICHT! Das ist rassistischer Mist und keineswegs ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine.


06.03.2022

Aktuelles Transparent über dem Haupteingang des Staatstheaters Mainz.

Jüngste Meldungen aus Russland: „Mehr als 17.000 russische Kulturschaffende haben einen leidenschaftlichen Appell an Präsident Putin gerichtet. Sie fordern das sofortige Ende des Krieges.“ (Berliner Zeitung)
„7000 Wissenschaftler und Akademiker haben in Russland einen Brief an Putin geschrieben: Als Schurkenstaat sei Russland kein Ort mehr für die Wissenschaft.“ (Berliner Zeitung)
„6500 russische Architekten, Stadtplaner und Designer verurteilen Putins Kriegsoffensive.“ (polis)

Packen wir, was wir wissen, mal zusammen: Ein beträchtlicher Teil der Oligarchen ist stinksauer auf Putins (geschäftsschädigende) Kriegspolitik; es grummelt in der Generalität; manche Teile der russischen Truppen sind so „unzuverlässig“, dass jetzt die Wehrpflichtigen rausgezogen und geschwind neue Einheiten aus Berufssoldaten zusammengebaut werden müssen; in der russischen Intelligencia, also der gebildeten Schicht des Landes, rumort es gewaltig (s.u.); laut einer letzten unabhängigen Umfrage von vergangener Woche in Russland glauben zwar 60% der älteren Bevölkerung Putins Märchen vom „anitfaschistischen Verteidigungseinsatz“, 40% allerdings nicht, und unter den jüngeren Russen hat Putin seine Glaubwürdigkeit weitgehend verspielt.

Reicht das für eine zeitnahe Beendigung der russischen Aggression gegen die Ukraine? Leider eher nicht. Doch im Zusammenklang mit dem bemerkenswerten Widerstand der Ukrainer, den interantionalen Sanktionen sowie weltweiten Volksprotesten schraubt sich der Preis für das Handeln Putins in Höhen, mit denen weder er noch sonst irgendjemand in der russischen Nomenklatura je gerechnet hatte.


03.03.2022

Kopf und Herz sind beim Befreiungskampf des ukrainischen Volkes gegen die Putin’sche Aggression und bei jenen wachsenden Teilen des russischen Volkes, die dem Kreml-Autokraten nicht (mehr) willig folgen mögen. Körper und Seele stürzen sich unterdessen mit Verve und Freude in die heimgärtnerische Frühjahrsmaloche, um die Gemüsebeete empfängnisbereit zu machen. Geht beides guten Gewissens zusammen? Ich glaube: ja. Dialektik des Lebens.


02.03.2022

Man hat mir ihn den letzten Tagen zum Ukraine-Krieg mehrfach zwei Fragen gestellt.

Erste Frage: Auf welcher Seite stehst du – derjenigen Russlands oder derjenigen des Westens unter amerikanischer Führung? Meine Antwort: Ich stehe auf der Seite des völkerrechtswidrig überfallenen, um seine Freiheit und sein Selbstbestimmungsrecht kämpfenden Volkes der Ukraine.

Zweite Frage: Was hälst du von diesem Krieg? Meine Antwort: Er ist ein großes Unglück nicht nur für die direkt betroffenen Menschen, sondern für den gesamten Planeten. Putin hat der Menschheit einen Bärendienst erwiesen. Sein Überfall auf die Ukraine und das Schlagen der Nuklearwaffentrommel lenkt die Aufmerksamkeit der Welt ab von der schwersten existenziellen Herausforderung der ganzen bisherigen Zivilisdationsgeschichte, dem Klimawandel. Schlimmer noch: Durch die Putin’sche Aggression fühlen sich zahlreiche Länder genötigt (oder berufen) gewaltige Ressourcen auf ihre Militarisierung zu verwenden. Ressourcen, die nun für die eigentlich wichtigste Arbeit der Gegenwart, den Klimaschutz und die Anpassung der menschlichen Weltzivilisation an den Klimawandel, fehlen werden.


01.03.2022

Es gibt in Deutschland gewiss einige zehntausend noch immer oder neuerdings wieder aktive einheimische Anhänger der ehemaligen Sowjetunion und des SED-Staates. Ich spreche nicht von Deutschrussen oder Auslandsrussen in Deutschland, sonder von jener (kleinen) politischen Strömung – früher rund um die DKP -, die seit jeher Teil des politischen Spektrums auch in Westdeutschland ist. Verfolgt man nun im Netz Argumentationen aus dieser Ecke zum Überfall Putins auf die Ukraine, so stößt man rasch auf drei zentrale Irrtümer bei diesen Leuten: > weiterlesen „Drei Irrtümer ‚altlinker‘ Moskau-Freunde“


28.02.2022

Zahllose, teils riesige Demonstrationen vielerorts weltweit als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine und gegen Putins kriegerischen Überfall auf das Land. Den Kriegsherrn im Kreml wird das direkt kaum beeindrucken. Aber: Diese Bilder sickern auf mannigfachen Wegen durch zum russischen Volk und stellen dort ein ums andere Mal in Frage, was Putins Propagandamedien den Leuten an Lügen einzuhämmern versuchen.


27.02.2022

Putin ist angepisst. Sein gesamtes, dem Denken der 1960er entsprungenes Kalkül geht nicht auf. An erster Stelle zu nennen: Sein Zeitplan für die Annexion der Ukraine ist aus den Fugen, weil die Ukrainer sich nicht einfach überrollen lassen. Vielmehr halten sie erstaunlich wirksam dagegen und hat ihr Widerstand den Charakter eines „Volksbefreiungskampfes“ angenommen. Man kann diesen Terminus für den seinerzeitigen vietnamesischen Widerstand gegen die us-imperiale Aggression in Indochina mit Fug und Recht auf das mutige Agieren der Ukrainer angesichts des Putin’schen Überfalls auf ihr Land übertragen.


25.02.2022

Redaktionelle Anmerkung aus aktuellem Anlass zur nachfolgend publizierten Märzausgabe meiner Monatskolumne „Quergedanken“; Folge 200: Dieser Text entstand eine Woche vor dem Überfall Putin-Russlands auf die Ukraine. Das „Kulturinfo“ März, in dessen Printausgabe er erstpubliziert ist, erschien heute (25.2.), gedruckt war das Heft aber bereits am 22.2. . Deshalb ist die Kolumne noch völlig unbeleckt von den jüngsten Kriegsereignisse. > Quergedanken Folge 200 „Frühlingsgefühle oder Frühjahrsmüdigkeit?“


24.02.2022

(Keine Analyse, nur die Beschreibung eines Gefühls). Die Vorgänge um die Ukraine fühlen sich entsetzlich anachronistisch an, wie aus der Zeit gefallen, wie das Öffnen einer verstaubten Kiste mit lauter Krempel von vorgestern und übervorgestern drin: Krieg mitten in Europa, im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Im letzten Schritt einer langen unglückseligen Entwicklung wechselseitiger Ignoranz angezettelt von einem Autokraten. Unterfüttert mit Uraltideologie von nationaler Größe, historischer Blut-und-Boden-Bindung, Heim-ins-Reich-Fantasmen sowie Träumen von einer Aufteilung der in tausenderlei Abhängigkeiten eng verwobenen Welt in neue machtpolitische Einflusssphären. Und über allem wieder das antiquierte Diktum vom Kampf Gute-gegen-Böse. Das alles just zu einer Zeit, da die Menschheit eben bemüht ist, sich aus einer globalen Seuche herauszustrampeln – und obendrein in einer Epoche, die die menschliche Zivilisation und Spezies in toto mit dem Klimawandel vor die größte Herausforderung ihrer bisherigen Existenzgeschichte stellt. Das Ausmaß kleinlicher und selbstzerstörerischer Borniertheit ist kaum zu ertragen.


22.02.2022

Da kommt jetzt dieser leise Satz aus Peking, der vielleicht schwer wiegen könnte: „Wir haben kein Interesse an einem Krieg in Europa.“ Und der chinesische Außenminister Wang Yi erklärt: „China ruft alle Parteien erneut auf, Zurückhaltung zu üben und die Situation zu deeskalieren. Die Differenzen lassen sich nur durch Dialog und Verhandlungen lösen.“ Man muss die chinesische Parteidiktatur nicht mögen, um zu erkennen, dass China heute als neue, dritte Supermacht zu den wichtigen Playern der Weltpolitik gehört.


21.02.2022

Die Schlafwandler. Sie haben gut 20 Jahre ungenutzt verstreichen lassen, gemeinsam eine vernünftige, tragfähige Friedensarchitektur für Europa zu erarbeiten. Weshalb wir jetzt wieder dort stehen, wo wir vor sechs Jahzehnten schon standen: am Rande des Krieges in Europa. Nur zu, immer weiter in die Vergangenheit. Wer braucht schon eine Zukunft?


20.02.2022

Sonntagmorgen: Augen auf, raus aus dem Bett, Blick zum Fenster hinaus, wieder rein ins Bett, Augen zu.


19.02.2022

Zuwachs in der „Galerie lieber Freund/innen“: Gewissermaßen als Vorab-Frühlingsgruß aus der Malstube das Gemälde unter dem Titel „Freundesplausch in der Sommerfrische“ (Acryl auf Leinwand, 70 x 50 cm). Der stierwütig schnaubende Bursche rechts im Bild ist einer meiner urältesten Bestfreunde am Mittelrhein: Gerd. Das Motiv geht zurück auf eine Realsituation im Sommer 2018, wo wir im Grünen vergnügt Streiterei mimten. > Galerie lieber Freunde/innen“ hier


17.02.2022

Donnerstag 10 Uhr. Was ich gerade mache? Die Schäden der Sturmnacht sichten. Klaro, wir hatten schon wesentlich heftigere Stürme, aber die jetzt durchgezogene erste Welle war auch nicht von schlechten Eltern. Mords Radau rund ums Haus die ganze Nacht; Riegel des zweiflügeligen Gartentores rausgebrochen; ein großer Blumentopf zerdeppert; zwei Schieferplatten vom Dachkamin weg. Gespentisch im Augenblick: Null Autoverkehr auf der nahen Landstraße, von ferne heulen Kettensägen. Nachbarn sprechen davon, dass in der Früh sämtliche Straßen rings ums Dorf wg. Baumbruchs zu gewesen seien. Womöglich sind wir noch immer quasi von der Außenwelt abgeschnitten. Egal – für heute gilt: Kein Fuß in den Wald und weiter uffpasse, denn eine zweite Welle ist (für Freitag) angesagt.


16.02.2022

Früher Nachmittag. Eben mal ums Haus gegangen, geschaut, ob alles niet- und nagelfest ist resp. hinreichend beschwert oder vertäut. Schließlich haben die Wetterfrösche fast allesamt für die Nacht zum Donnerstag ordentliches Gestürme angesagt, sowie für Freitag eine zweite „womöglich gefährlichere“ (Plöger) Sturm-/Orkanfront prognostiziert. Ob Letztere eher im Norden oder in der Mitte Deutschlands auftrifft, scheint noch nicht ganz klar. Was Wunder, sind 100 Kilometer weiter oben oder weiter unten für so ein Wettergebilde ja nur ein kleines Seitenschrittchen, während das für unsereinen den Unterschied zwischen getroffen oder nicht betroffen ausmachen kann.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste und in der Ruhe liegt die Kraft. Wobei „Ruhe“ ja öfter missverstanden wird als „geht mich nix an“ oder Abwinken nach der Devise „wird nix so heiß gegessen wie gekocht“.  Woher aber rührt die echte Ruhe sturmerprobter Einheimischer in häufig derart umtobten Gegenden? Vom ernsthaften Umgang mit Warnungen und dem damit verbundenen selbstverständlichen „Uffpasse!“. In diesem Sinne: Gebt Obacht. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig.


15.02.2022

Lernmoment am Morgen: „Aua!!! Verfluchter Mist!! Du Depp, du blöder!“ Dies waren die ersten Worte, die heute in der Früh durchs Haus klangen, zuckten, dröhnten. Meinem Maul entsprungen und  mir selbst an den Kopf geworfen. Denn man soll es einfach nicht machen: Im Hirn komplexe oder abenteuerliche Gedanken über Gott, die Welt und ferne Dinge wälzen, derweil die Hände mit ganz profanen Verrichtungen am heißen Herd beschäftigt sind. Es möchte nämlich sein, dass Letzteres außer Betracht gerät über die Versunkenheit in interessanteste Denkvorgänge – und man mittemang die Hände aufstützt, als stünde ein Lesepult oder Katheder vor einem.

Dann macht’s „zisch“ und das Geschrei ist groß. Mögen auch die ultraschnellen Schutz-/Wehrreflexe des reptiloiden Hirnstamms prima funktionieren und also die realen Schadfolgen für die leichtfertig malträtierten Körperteile nicht der Rede wert sein – der kurze Schmerz ist beträchtlich, der Ersckreckensblitz darüber noch beträchtlicher. Du Depp, du


13.02.2022

Ob mir die Ukraine-Krise gleichgültig sei und warum ich dazu nichts schreibe, wurde gefragt. Nein, ist mir nicht gleichgültig; ich verfolge alle Entwicklungen der Lage dort sowie der öffentlichen Diskussion hier mit Argusaugen und großer Sorge. Meine eigene Haltung dazu ist allerdings einerseits noch zu vage, andererseits doch schon zu komplex, um sie eben mal in ein paar Schlagwortsätzen auszubreiten. Denn ich betrachte die Entwicklung von 1989 bis heute als EINEN Vorgang machtpolitischer wechselseitiger Ursache-Wirkungs-Mechanismen – die leider beiderseits nie wirklich friedliche Koexistenz auf gleicher Augenhöhe zum Ziel hatten. > weiterlesen „Nach bekanntem Muster: Kalter Krieg 2.0“


11.02.2022

Vielleicht muss man auch das nochmal (er)klären: Selbstverständlich ist es in Zeiten einer Großseuche primäre Staatspflicht, im Interesse der Allgemeinheit einen möglichst optimalen Seuchenschutz zu organisieren, nötigenfalls auch gegen Widerstände zu verordnen und durchzusetzen. Zugleich ist es Staatspflicht, möglichst optimale Bedingungen dafür zu schaffen, dass die Zivilgesellschaft gehörige Selbstschutzkräfte entfalten kann. Vom beidem ist die deutsche Seuchenpolitk seit Beginn der Pandemie leider himmelweit entfernt (Stichworte: halbherziges Herumgeeiere; Schutzbeschlusse zu spät, zu lasch und obendrein mit einer Haltbarkeit von oft nur ein paar Tagen bis zur Zerschießung durch div. Landesregierungen).

Aktuell in der Omikron-Lage: Das Timing der Lockerungen ist unter Seuchenblickwinkel völlig absurd und als Signal an die Bevölkerung – wir kennen doch inzwischen unserer Papenheimer – fatal („Krise vorbei“). „Auf natürliche Durchseuchung zu bauen, ist in Deutschland mit seiner Altersstruktur und der viel zu großen Impflücke KEINE OPTION“, sagt die Wissenschaft, sagte vor drei Wochen auch noch die Politik reihum. Ja glaubt denn ernsthaft irgendjemand, das jetztige staatspolitische Signal würde neuen Schwung in die Impf- und Boosterkampagne bringen? Das Gegenteil wird eintreten – und die Impfpflicht ist gleich mit vom Tisch.


10.02.2022

*seufz* Es wäre nett, würden sich die deutschen StaatspolitikerInnen in Bund und Ländern nun wenigstens ehrlich machen und eingestehen: „Die neue Linie heißt Durchseuchung, weil wir die Omikronwelle nicht in den Griff kriegen und sich obendrein alle so sehr nach Normalität sehnen.“ Anders lässt sich m.E. kaum erklären, dass wesentliche Seuchenschutzmaßnahmen (mal wieder) vier bis acht Wochen zu früh aufgehoben werden –  nämlich just in dem Moment, da das Infektionsgeschehen der fünften Welle dem Allzeithoch entgegenstrebt.

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Mark Zuckerberg droht, Facebook und andere Dienste seines Meta-Konzern in Europa abzuschalten, falls die EU qua Gesetz sein System der transatlantischen Datenkrakerei einschränkt. Sugarbaby pokert und baut auf Nervenschwäche deutscher/europäischer Politik (was ja so abwegig nicht ist). Gleichwohl sollte man sich hierzulande mal einen Kopf darum machen: Wer sagt eigentlich, dass „Soziale Netzwerke“ nur von Privatkonzernen betrieben werden können? Es gäbe durchaus die Möglichkeit, eine öffentlich-rechtliche Alternative ohne Datenkrakerei, ohne personalisierte Werbeflut, ohne algorithmische Meinungsbeeinflussung, ohne rechtsfreie Räume aufzubauen.


09.02.2022

Es ist wohl unerlässlich, immer und immer wieder an die inzwischen wissenschaftlich eindeutigen Basisfakten der Corona-Pandemie zu erinnern. Denn in zahllosen Diskussionen sind sie – teils auch von Zeitgenossen, die weder Coronaleugner noch Impfgegner sind – ausgeblendet, ignoriert, unbekannt, vergessen, aus dem Blick geraten oder werden – von anderen – zerredet, geleugnet, verdreht, gefälscht. Also nochmal, ganz grob: > weiterlesen hier


08.02.2022

Manchmal fühle ich mich wie ein junger Springinsfeld, manchmal wie ein sehr müder alter Mann. Manchmal passt das ganz prima, manchmal eben auch nicht.


06.02.2022

Sonntag, der 6. Februar anno domini 2022:

Es hängt der Himmel voll von Bassgeigen,
darauf die Götter üben unter Schweiß und Tränen,
zu spielen einen tristen Reigen.

Derweil am Mittag sie von Bohnen reich genossen,
geschieht zudem, was uns gehörig stinkt:
die Ärsche blasen Winde unverdrossen.

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Unter Graugraugrauhimmel ein bisserl stormy sunday heroben auf dem Westerwald. Ergo: Drinnen spielt heute die Musik – an der Staffelei, auf dem Sofa, unter der Bettdecke. Olympia gucken? Ne, ne, kommt nicht in die Tüte. Also TV-Boykott dieser Spiele? Das zu behaupten, wäre in meinem Fall geschummelt, denn: Im Unterschied etwa zur Leichathletik, interessieren mich die Wintersportarten allesamt seit Kindheitstagen nicht die Bohne; als Zuschauer nicht und als Selbsttätiger gleich gar nicht. Einzige Ausnahme sind Eiskunstlauf und Eistanz. Wobei mir als bloßem Betrachter der ästhetische Genuss alles gilt, der Wettbewerb, gar der Nationenwettkampf,  kein Jota.


05.02.2022

Im Januar 2022 hatte ich fast ausschließlich Köpfe und Gesichter auf der Staffelei. Jetzt bekommen mal Körper den Vorrang. „Akte/Nackte“ soll das Motto sein. Frauen werden wohl den Schwerpunkt bilden, wie es immer war in der Kunstgeschichte. Im Spätsommer 2021 hatte ich das schon einmal versucht, aber rasch entnervt aufgegeben. Weil: Ich finde, es ist einfach schwer für den Anfänger, der Empfindlichkeit weiblicher Proportionen gerecht zu werden. Jetzt also neue Akt-Versuche, Studien sozusagen, die ersten mit Bleistift auf Papier gekrakelt.

Künstler (Männer) haben zu 90%  Frauen-Akte, Frauen-Teilakte, weibliche Nacktheit in Waschszenen, Badeszenen, Schäferszenen gemalt. Natürlich wirkt da die erotische Motivation (mit). Aber, wie ich beim Blättern durch meine Kunstbände fand, Künstlerinnen malen eben nicht vorzugsweise Männer-Akte, sondern widmen sich ebenfalls zumeist weiblicher Nacktheit. > Galerie „Lauter nackte Leute“ (hier)


03.02.2022

„Wer schön sein will, muss leiden“, sagt der Volksmund. Autorin Claire Beermann spürt das, teils schmerzhaft, beim Streben nach modischem Chic am eigenen Leib immer wieder. Im neuen Zeit-Magazin (6/22) grübelt sie deshalb: „Ich frage mich, was für eine Idiotin ich bin, mir Kleidung zu kaufen, in der ich mich schön, aber eingezwängt fühle.“


01.02.2022

Das ist eines der Privilegien als Rentner, die man sich mit Jahrzehnten getreulicher Berufspflichterfüllung erarbeitet hat: Am Morgen aus dem Fenster schauen und feststellen, dass heute mit Draußen nix ist, weil grau, kalt, windig bis stürmisch und regnerisch. Ergo: Ich mache mir drinnen in der warmen Stube einen behaglichen Tag bei Malen, Schmökern, ein bisschen Klavierspielen und am Abend was ganz einfaches, aber leckeres kochen (Plan: Bratkartoffeln + Erbsen-Möhren-Gemüse + Speckeier). Und gut is.



31.01.2022

Eigentlich hatte ich zum Start in die Woche eine hübsche, aufmunternde Anekdote erzählen wollen. Doch da ich eben die Nachricht höre, dass heute Nacht im Landkreis Kusel (Pfalz) bei einer routinemäßigen Kontrollstreife eine 24-jährige Polizistin und ihr 29-jähriger Kollege erschossen wurden, ist mir die Lust darauf vergangen. *Bestürzung, Entgeisterung, Trauer*


29.01.2022

Das könnte mit den Jahren eine hübsche „Galerie lieber Freunde*innen“ werden. Was im Frühsommer 2021, ganz zu Anfang meiner Malversuche mit einer Bleistiftzeichnung der Rübe von Freund Gerd begann, setzt sich nun, ab Jabnuar 2022, in Farbe (Acryl, Aquarell auf Leinwand) fort. Da ich beim Malen gerne allein bin und auch niemandem zumuten möchte, stundenlang Modell zu sitzen, sind Fotos aus dem Netz Anregung/Vorlage für die Porträts, die ich freilich nach Gusto interpretiere. > Die ersten fünf Porträts in der „Galerie lieber FreundeInnen“ hier


28.01.2022

Es ist wieder Zeit für meine Monatskolumne „Quergedanken“. Eigentlich hatte ich in der Folge Nr. 199 nicht schon wieder die Corona-Lage thematisieren wollen. Doch ließ ich mich schließlich überzeugen, dass diesbezügliche Erwartungen gerade in der mittelreinischen Leserschaft wohl recht ausgeprägt seien. Dies zumal, seit AfD-Gliederungen, NPD- und III.Weg-Gruppen der ganzen Mittelrhein-Region sowie die örtliche Putinisten-Sekte Koblenz als Hotspot für Aufmärsche gegen die Pandemie-Schutzmaßnahmen auserkoren haben, die hiesige Strapaziergänge-Kampagne organisieren, orchestrieren und auf den Straßen der Rhein-Mosel-Stadt (oft inkognito und „Normalbürger“ spielend) anführen. > Lesen Quergedanken Nr. 199 „Die größte Verschwörung aller Zeiten“

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