Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Guten tag allerseits im Mai 2026


3.5.2026

Schöner und interessanter Sonntagsausflug heute zu einem der letzten Denkmäler der Bonner Republik, die ich noch nicht persönlich in Augenschein genommen hatte: Besuch beim „Alten“ in Rhöndorf – im Adenauer-Haus. Als er 1963 nach 14 Kanzlerjahren gewissermaßen aus dem Amt „getragen“ wurde, war ich noch nicht politikfähig. Auch später entwickelte ich keine besondere Beziehung zu dem Manne. Politisch nähergerückt bin ich ihm auch durch den heutigen Besuch in seinem hübschen Wohnhaus mit dem wunderbaren Blick übers Rheintal kaum, vielleicht abgesehen davon, dass mir seine Gegnerschaft zum NS-Regime und seine Verdienste um den europäischen Einigungsprozess sowie die deutsch-französische Freundschaft etwas deutlicher geworden sind. Allerdings habe ich das Gefühl, einer Person der Zeitgeschichte begegnet zu sein, die wie Williy Brandt von einer Statur war, wie sie der heutige Politikbetrieb nur noch extrem selten hervorbringt. (Auf der Rückfahrt nette Einkehr in der Brombeerschänke).


2.5.2026

Nachtgedanken.
Beunruhigung, Sorge, Angst, Widerwille, Unmut, Zorn, Entlarvung, Anklage, Protest: Das sind Gefühle, Gedanken, Verhaltensweisen, die uns zusehends beherrschen. Was verständlich und auch notwendig ist angesichts des Irrsinns im gobalen Maßstab, des vielfachen Unsinns im nationalen und des braunen Wahnsinns bei einem Teil des eigenen Volkes. Da kommen mir einige Zeilen eines altes Lied von Wolf Biermann in den Sinn: „Du, lass dich nicht verhärten / In dieser harten Zeit (…) / Du, lass dich nicht verbittern / In dieser bitt’ren Zeit (…) / Du, lass dich nicht erschrecken /
In dieser Schreckenszeit (…) / Wir brauchen deine Heiterkeit.“ 

Nun geht mir ein Licht auf: Ja natürlich, der politische Widerstand ist von größter Bedeutung. Doch auch unsere Heiterkeit ist Widerstand und von nicht minderer Bedeutung. Lasst uns heiter und selbstverständlich leben, was Irrsinn, Unsinn und Wahnsinn verabscheuen wie der Teufel das Weihwasser und verschwinden lassen wollen. Lasst uns heiter essen, trinken, reden, wohnen, spazieren, lernen, musizieren, spielen, tanzen, feiern, lieben mit Freunden und Freundeninnen aus aller Welt, unterschiedlichen Klassen und Kulturen, verschiedenen geschlechtlichen Orientierungen. Lasst uns heiter Vielfalt genießen, Solidarität üben, Mitmenschlichkeit pflegen. Lasst uns heiter das Interesse an Wissenschaften und Künsten pflegen. Lasst uns ebenso entschlossen wie heiter die Bemühungen um soziale Gerechtigkeit, um Klima- und Artenschutz, um eine zivilisatorische Zukunft in ökologischer Nachhaltigkeit fortsetzen …
„Du, lass dich nicht verbrauchen
Gebrauche deine Zeit
Du kannst nicht untertauchen
Du brauchst uns und wir brauchen
Grad deine Heiterkeit.“

 


 

30.4.2026

Den verehrten Hexenweibern seien diese Nacht genussreiche Walpurgisritte gewünscht. Am morgigen 1. Mai wird das Wetter so sein, dass man alles mögliche unternehmen kann. Es wäre freilich die Teilnahme an einer gewerkschaftlichen Mai-Kundgebung nicht die schlechteste Idee. Denn die Soziale Frage ist längst nicht gelöst und gerade unsere Epoche von einem nachgerade irrwitzigen sozialen Ungleichgewicht geprägt: Global wie national konzentriert sich inzwischen ein völlig absurd großer und schnell wachsender Anteil der gemeinschaftlich erarbeiteten Reichtümer in den Händen einer winzig kleinen Gruppe von Eigentümer. 

  Als Dreingabe meine Monatskolumne „Quergedanken“; diesmal begleitet von einem Portiönchen Stolz. Grund: Es ist dies die Folge 250. Ein Jubiläum also. Fast 21 Jahre bildet mein Beitrag am Kopf der Seite 2 den Einstieg ins mittelrheinische Monatsmagazin „Kulturinfo“. Nachdem jüngst Martensteins Kolumne im „Zeit-Magazin“ eingestellt worden ist, gehört „Quergedanken“ zu den ältesten, durchgehend von einem einzigen Autor geschriebenen Kolumnen in der deutschen Medienlandschaft. Und noch sind wir nicht fertig damit. > „Quergedanken“ Nr. 250: Himmel hilf, wir verblöden alle 


> Guten Tag allerseits in den Vormonaten

Andreas Pecht

Kulturjournalist i.R.

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