Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Wintersport ist nicht so meine Sache (Verzählche)

ape. Eine Menge Zeitgenossen*innen werden nun wohl in eine Phase der Sportlichkeit eintreten: Olympia in Italia gucken. Ich muss zugeben, mein Interesse hält sich arg in Grenzen. Nicht wegen Italia, sondern wegen Winterolympia. Während ich Sommerolympiaden stets intensiv verfolge, gilt für ihr jahreszeitliches Gegenstück: Wie ich seit Jugendtagen ein Wintermuffel bin, so auch ein Wintersportmuffel, als Akteur ebenso wie als Rezipient. Von all den schnee- und eisbasierten Sportarten interessiert mich nur eine einzige: der Ästhetik wegen Eiskunstlauf.

Meine eigene Skifahrerkarriere war schon im Bubenalter der 1960er nach zwei Wintern mit etlichen Stürzen inklusive eines Schlüsselbeinbruchs beendet. Zudem kamen mir die Umstände des damaligen „Ski-Vergnügens“ doch recht skurril vor: Die Odenwald-„Pisten“ nahe meines Wohnortes im Neckartal kannten alle keine Lifte, weshalb ein dreiminütiger Runterrutschspaß mit dreißigminütigen Raufschnaufmühen erkauft werden musste. Und für einen Winterurlaub in einem belifteten Gebiet des Schwarzwaldes oder der Alpen fehlten der Familie dunnemals Zeit und Geld, denn auf die erst zwei, später drei Wochen Jahresurlaub in der Sommersonne mochte wahrlich niemand zu Gunsten kalter Füße und Frostnasen verzichten.

An gelegtlichen Rodelspaß des Knaben kann ich mich erinnern. War immer eine ziemlich wilde Sache. Wir fuhren „Anhänger“ oder „Kette“ die „Teufelsbahn“ hinunter. Das war im Sommer ein steiniger Pfad durch einen verwucherten Obstbaumhang, die obere Hälfte recht steil, die untere nach einem 90-Grad-Knick gemäßigt auslaufend. Oben stellten wir uns zur Kette auf: 4, 6 oder auch mal 10 Schlitten hintereinander, bäuchlings darauf liegend, in die je nachfolgenden Schlitten mit den Füßen eingehakt. Und ab ging die johlende Kolonne; bis zu besagtem Knick. Nahm der Leitfahrer diesen nicht im richtigen Winkel, schleuderte es die hintere Hälfte der Kette aus der Bahn und wuchtig hinein in eine altehrwürdig opulente Brombeerhecke. Die Vorderbuben trafen die ideale Knicklinie selten, weshalb das Rodelvergnügen meist mit Blutopfern, zerrissenen Klamotten und einer Schlittenfahrt der anderen Art daheim endete.

Andreas Pecht

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