Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Kunst ist ein echter Gesundbrunnen („Quergedanken“)

    Monatskolumne Nr. 249, 27. März 2026

Über die Jahrzehnte haben uns unzählige Forschungsprojekte und Studien davon überzeugt: Richtige Ernährung, ordentlich Bewegung, Enthaltsamkeit bei Tabak und Alkohol sind der Gesundheit zuträglich, sollen sogar die Chancen für ein längeres Leben erhöhen. Daraus hervorgegangen sind Legionen von Ernährungsrichtungen und Bewegungsschulen. Einige bescheiden auftretend, alltagstauglich und praktisch; andere mit schier religiöser Inbrunst ihr allein seligmachendes Potenzial beschwörend. Manchmal begegnen einem nun Mitmenschen, die solche Sachen mit extremem Eifer betreiben, um (vielleicht) ein, zwei Jährchen länger zu leben, dies aber mit lebenslanger Askese, also Verzicht auf Spaß an der Freud erkaufen. „Darüber steht uns kein Urteil zu, das mag jede und jeder halten, wie sie oder er will“, bemerkt Freund Walter gelassen – und nimmt einen kräftigen Schluck aus seinem Bierhumpen.

Neuerdings machen auch Ergebnisse jüngerer wissenschaftlicher Untersuchungen über den Einfluss der Künste auf die Menschengesundheit von sich reden. Darunter finden sich uralte Hüte wie „Singen ist gesund“, allein in der Badewanne, noch mehr im Chor bzw. dieser Tage auch beim „Rudelsingen“. Oder: „Ein Instrument erlernen/spielen hält Geist und körperliche Sensorik fit.“ Tanzen, Theater spielen, dichten, basteln, malen, bildhauern: Dass jede musische Aktivität Geist, Gemüt und Körper nicht nur Schulkindern, sondern sämtlichen Altersklassen gut tut, das ahnten, wussten, spürten schon meine noch im 19. Jahrhundert geborenen Großeltern – mag auch die Oma aus ganz anderen Gründen im Kirchenchor gesungen und Opa im Spielmannszug die Trommel gerührt haben. Jedenfalls kamen beide meist in bester Laune von ihren Probenabenden zurück.

Jetzt aber wird das alte Wissen obendrein mit wissenschaftlichen Daten untermauert. Die gehen sogar noch ein Stück weiter. Danach ist Kunst nicht nur für die Aktiven, Profis wie Amateure, gesund, sondern auch für bloß passive Kunstkonsumenten. Also auch für Leute wie meinen Walter, dessen musische Eigenaktivität sich in gelegentlichem „Singen“ (wenn man seine Geräusche denn so nennen will) erschöpft, der aber als eifriger Ausstellungs-, Theater- und Konzertbesucher ein durchaus kunstbeflissenes Leben führt. Wodurch er von all dem profitieren könnte, was die Wissenschaft als positive Gesundheitseffekte beim Erleben von Kunst dingfest gemacht hat (per Körperdaten messbar, teils im Hirnscan sichtbar): Herzfrequenz, Blutdruck, Cortisol-Spiegel sinken; Stress, Angst- und Depressionsrisiko, gar das Schmerzempfinden werden reduziert; weil Kunst Freude macht, befeuert die Beschäftigung damit das körpereigene chemisch-biologische Belohnungssystem.

Solche Effekte scheinen derart markant zu sein, dass Kunstgenuss inzwischen mancherorts im Gesundheitssystem (und nicht mehr nur in der Psychiatrie) fast wie Arznei eingesetzt wird. Kunstausstellungen in Krankenhäusern greifen hierzulande aus gutem Grund um sich. In Großbritannien, Kanada, Belgien und Frankreich, so las ich, können Ärzte Museums- und Konzertbesuche schon auf Rezept verschreiben. Interessante Forschungserkenntnis auch das: Musik live wirkt besser als die Konserve; Gemälde im Original wirken besser als nur abfotografierte; Meisterwerke haben einen stärkeren Effekt als bloß nette Landschafts- und Tierbilder oder banales Gedudel.

Freund Walter schmunzelnd: „Feine Sache, die Wissenschaft.“

Andreas Pecht

Kulturjournalist i.R.

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