Monatskolumne Nr. 248, 26. Februar 2026
Der Landtagswahl hier in Rheinland-Pfalz sehe ich recht gelassen entgegen. „Oh, oh,“ unkt Freund Walter, „das gibt Ärger.“ Ärger mit wem? „Mit allen.“ Dann muss das wohl so sein, schließlich werde ich dafür bezahlt, mal diese, mal jene zu ärgern, und manchmal eben auch alle. Also wollen wir mal.
Es ist mir zwar nicht gleichgültig, wer bei der Wahl die Nase vorne hat. Am Ende aber wird in Mainz eine Landesregierung aus Demokraten zustande kommen. Und das ist mir das Allerwichtigste. Es wird nicht jene Partei an die Macht gelangen, die mir sogar meine Lieblingsfarbe Blau vergällt hat – mit ihren Lügen, ihrem Gehetze, ihrem Streben nach Intoleranz, nach Unmenschlichkeit, nach wissenschaftsfeindlicher Unvernunft, mit ihren Sympathien für die Tyrannen in Moskau und Washington
„Klar, dieser von der Bundesspitze bis in viele Ortsgruppen von faschistischen Kräften durchsetzt Verein, darf nicht ans Ruder kommen“, meint Walter, schiebt aber etwas unwirsch nach: „Dennoch kann es dir nicht egal sein, ob in einer Mainzer Regierungskoalition Unionisten oder Sozis den Ton angeben.“ Wie schon gesagt: Ist mir nicht völlig egal. Aber, ach, mein Lieber, ich musste seit meiner Pubertät in gehöriger Unzufriedenheit mit dem größten Teil der Politik aller seitherigen Bundes- und Landesregierungen leben. Und trotzdem bin ich ums Verrecken nie auf die Idee gekommen, aus Frust, Ärger, Empörung rechtsradikal zu wählen. Stets habe ich, mehr oder minder missmutig, ein „kleineres Übel“ gewählt – wissend, dass die Demokratie nun mal ein Kompromissbetrieb ist und die braunen Krawallniks an der Macht das größte aller denkbaren Übel wären.
Was vom Bund über die Länder bis in die Kommunen hinunter käme, wenn sie das Sagen hätten, lässt sich derzeit an den Verhältnissen in den USA unter Trump/Maga ablesen, von denen die hiesigen braunen Parteikader träumen: Ersetzung faktenbasierter Vernunft durch faktenfernes Meinen; Zertrümmerung der Sozialsysteme, des Umweltschutzes, der Mitbestimmungsrechte; Demontage der Pressefreiheit/-vielfalt; Drangsalierung von Bildung, Wissenschaft, Kultur durch nationalistische bis abstruse Linienideologie; Unterminierung der Justizunabhängigkeit; binnenwirtschaftliches Chaos; Europafeindlichkeit und außenpolitische Unzurechnungsfähigkeit; Ausbluten von Wirtschaft und Gesellschaft durch massenhafte Zwangsremigration; polizeiliche Sonder-Abteilungen nach Vorbild der Trump’schen ICE-(Tot)Schlägereinheiten etc.pp., das ganze Horrorszenario einer faschistischen Revolution von oben.
Angesichts derartiger „Alternativen“ sehe ich dem 22. März in Ruhe entgegen: Sie haben in Rheinland-Pfalz keine Chance. Was mich nicht hindert, den anderen Parteien unter die Nase zu reiben, mit welchen Problemen sie sich eingehend befassen müssten. Vorneweg wäre da der die Menschheitszukunft entscheidende Klimawandel. Viele interessieren sich dafür nicht mehr, was allerdings den Naturgesetzen völlig egal ist. Gleich darauf folgt diese Erinnerung: Es ist gut und recht, wenn sich Politik um Marktlagen und Wirtschaft kümmert. Doch allzu oft vergessen scheint mir, dass sich unser Wirtschaftssystem Soziale (!) Marktwirtschaft nennt, mithin im Interesse von Gemeinwohl, Gerechtigkeit, arbeitender Bevölkerung und humaner Mitmenschlichkeit auch die ordnungspolitische Zivilisierung des Brutalokapitalismus vorsieht.
In diesem Sinne: Wählt demokratisch und vernünftig.
