Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Nachtgedanken zur Causa ZDF: Wer nie einen Fehler gemacht ….

ape. Ja, die ZDF-Nachrichtenredaktion hat einen Fehler gemacht, ist auf Ki-generiertes Fake-Bildmaterial hereingefallen und hat es als vermeintliche Echtbilder gesendet. Ja, der „Spiegel“ hatte einen Fehler gemacht, war auf die Fantasie-Reportagen eines seiner Mitarbeiter hereingefallen und druckte sie. Ja, der „Stern“ hatte einen Fehler gemacht und war auf die gefälschten Hitler-Tagebücher hereingefallen. Das sind drei der bekanntesten Beispiele sehr ärgerlicher journalistischer Fehlleistungen hierzulande. Und würde man eine große systematische Recherche zu Fehlern/Fehlleistungen der gesamten etablierten Medienlandschaft in den zurückliegenden Jahrzehnten anstellen, käme da eine opulente Ergebnisliste heraus – in der es gewiss auch ein paar Nennungen aus meinem eigenen Berufsleben als Journalist geben würde.

Sorgfaltspflicht war immer und ist noch eines der höchsten Güter und eine der obersten Tugenden im ernsthaften unabhängigen Journalismus. Dennoch kommt es immer und überall mal wieder zu Fehlern, weil hier Menschen arbeiten. Wer nie einen Fehler gemacht, der werfe den ersten Stein. Doch ein wahres Steine-Bombardement lassen derzeit ausgerechnet jene auf das ZDF einprasseln, deren Geschäfts-/Publikationsmodell vom Grundsatz her darin besteht, falsche, verdrehte, erfundene, übertriebene Inhalte in die Welt zu posaunen. Und sie zielen nicht nur aufs ZDF, sondern auf den ganzen öffentlich-rechtlichen Medienbereich sowie die alteingessenen Qualitätsmedien von den Regionalzeitungen bis zu FAZ, Zeit, SZ, Spiegel etc. Am liebsten würden sie diese allesamt im „Müllhaufen der Geschichte“ verbuddeln und füttern zu diesem Behufe die Hirne leichtgläubiger Menschen mit der Parole: „Alles Lügenpresse, denen kann man gar nix glauben.“

Nun stelle man sich für einen Moment mal vor, es gäbe die besagten Zeitungen (und ihre online-Ausgaben) nicht mehr, es gäbe den ÖRR nicht mehr – keine Tagesschau/Tagesthemen, kein heute/heute-Journal, die diversen TV-Politikmagazine wären weg, ebenso die Wissenschafts- und die Kulturmagazine von terra-x bis TTT, keine arte-Themenabenden, keine ernsthaften Dokus und Reportagen von hier und aus aller Welt … Man stelle sich vor, gänzlich angewiesen zu sein aufs Privatfernsehen, auf Tiktok und Co. und auf die Propagandamedien der rechten Szene. Sobald man ein solches Szenario gedanklich durchspielt, wird klar: Gewiss, es gibt Fehlleistungen und manch mehr oder minder Kritikwürdiges in unserer angestammten Medienlandschaft, doch in ihrer vielgestaltigen Summe ist sie noch immer derart gut, dass man sie ums Verrecken nicht zugunsten der alternativen Wüstenei aufgeben möchte. Andreas Pecht

Andreas Pecht

Kulturjournalist i.R.

, , , ,

Archiv chronologisch

Archiv thematisch