Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Öffnung führt vielerorts zu Zusammenbruch

ape. Es war zu befürchten: Was auf dem Papier vernünftig und für jeden Einzelfall recht sicher klingen mag, erweist sich jetzt lebenspraktisch in der Summe als chaotischer Zusammenbruch des Seuchenschutzes im öffentlichen Raum. Gesammelte Augenzeugenschaft von Nachbarn, Bekannten, Freunden gestern und heute ergibt in Sachen Lockerung/Öffnung des Corona-Schutzes vor allem für etwas größere und große Städte dieses Bild: Gut gefüllte bis prallvolle Fußgängerzonen; voll belegte Parkhäuser; dicht gedrängt die Kundschaft insbesondere in größeren Klamotten- und Schuhkaufhäusern; viele Geschäfte ohne Zugangskontrollen/-beschränkung, keine Durchsetzung der Maskenpflicht; lange Schlangen ohne Sicherheitsabstände vor den Eisdielen; regelrechtes Gedränge auf Spielplätzen….. Gewiss, es gibt auch zahlreiche positive Beispiele, wo Gewerbetreibende die Sicherheitsmaßgaben vorbildlich umsetzen. Im Großenganzen jedoch gilt vielerorts offenbar: Abstandsregel de facto quasi außer Kraft gesetzt.

Selbst hier auf dem kleinen dörflichen Freitagsmarkt scheint mancher Zeitgenosse die Botschaft des jetzigen Öffnungskurses so verstanden zu haben: „Die Seuche ist vorüber.“ Man umarmt sich, busselt, schwatzt ohne Mundschutz miteinander. Realistischer Weise müssen wir uns (und die Staatspolitik sich) eingestehen: Ein nicht unbeträchtlicher Teil unserer Bevölkerung hat offensichtlich von der Corona-Epidemie und ihren Gefahren wenig bis gar nichts verstanden (oder verstehen wollen).

Diese Menschen halten sich nur so lange an Seuchenschutz-Maßnahmen, wie sie von Staats wegen streng vorgeschrieben sind. Freiwillige Einsicht in Notwendigkeiten ist da kaum Triebfeder des eigenen Verhaltens. Sobald die Vorschriften gelockert werden, übernehmen alte Gewohnheiten sofort und mit Wucht wieder das Regiment. Das Gros der Vernünftigen und Einsichtigen mag das traurig finden und bedauern – hilft aber aber nix, denn die Realität ist nunmal wie sie ist, und viele Leute sind nun mal wie sind. Dessen muss auch die Staatspolitik eingedenk sein – wenn bald oder demnächst die zweite Welle anrollen sollte.

Andreas Pecht

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