Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Mein erstes Mal im Factory Outlet Center

ape. „Ruhig, Alter, ganz ruhig. Ohmmm.“ So brumme ich mäßgend vor mich hin, mitten auf dem Laden-Boulevard des FOC nahe Montabaur. Es ist mein erster Besuch in einem Factory Outlet Centre und eigentlich dazu gedacht, dem „Kauf dich glücklich“-Ärger in der großen Stadt zu entgehen. Bekannte hatten geschworen, im FOC gäbe es wochentags zu vormittäglicher Stunde keinen Trubel; sowieso könne man da sehr praktisch und preiswert Klamotten kaufen. Das mit dem Trubel stimmt, der Rest ist glatt gelogen.

Was soll daran praktisch sein: Du brauchst zwei neue Hosen und zwei neue Pullover, sollst für deren Auswahl indes bald drei Dutzend Geschäfte abklappern. Wer hat sich dieses bekloppte Prinzip ausgedacht, jeden einzelnen Laden nach einer Marke zu benennen und darin auch nur Produkte derselben anzubieten? Ich brauche, verdammich, Hosen und Pullover, aber keine Marken. Die sind mir ohnehin allesamt völlig unbekannt. Da lob ich mir jene (/wenigen) in der Stadt noch verbliebenen Kleiderhäuser, wo in je eigenen Abteilungen Hosen bei Hosen liegen, Pullover bei Pullover, Jacken bei Jacken … Marke neben Marke. Das ist praktisch! Form-, Qualitäts- und Preisvergleich auf kürzestem Weg. Rein – suchen, prüfen, wählen, bezahlen – und wieder raus: So ist die Tortur schnell vorüber.

Und besonders preiswert ist‘s im FOC auch nicht. Jedenfalls hängen in den meisten Schaufenstern Preislisten, deren Angaben durchaus das Niveau städtischer Edelboutiquen erreichen. Mag sein, dass ein Schnäppchen findet, wer sich Stund‘ um Stund‘ durchs Innenleben der ganzen Ladenmeile wühlt. Aber wer sollte das wollen? Ich jedenfalls nicht. Am Ende des FOC-Boulevards dann eine Marke, die sogar mir bekannt ist: Haribo. Ich also rein, um ein Sackerl Frustfutter zu erwerben. Nach fünf Minuten stehe ich mit leeren Händen wieder draußen – die maẞlose Überfülle an Süßkram-Gummis hat mich einfach überfordert. Nur weg, weg, weg von diesem irren Platz. Auf dem Heimweg kaufe ich an meiner Stammtanke ein Tütchen Haribo-Konfekt, im kleinen Klamottenkaufhaus unseres Verbandsgemeindestädtchens eine Jeans nebst drei Paar Socken. Dann habe ich fertisch.

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