Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Seuchenschutz aktuell unbefriedigend

ape. Muss man leider sagen: Der aktuelle Zustand des Seuchenschutzes in Deutschland ist unbefriedigend. Ein nicht nur für Lieschen Normalo, Otto Mustermann und meine Wenigkeit teils undurchschaubarer Flickenteppich was, wann, wo, wie an Corona-Schutzmaßnahmen gilt, taugt kaum für die jetzige Phase des weit verbreitet und rasch aufschäumenden Infektions- und bald nachfolgenden Erkrankungsgeschehens. Der bis vorletzte Woche noch durchaus vernünftige Ansatz, auf regionale und lokale Seuchenausbrüche auch nur regional und lokal zu reagieren, hat auf der Schattenseite unangenehmerweise zugleich ein Wirrwarr von Vorschriften und obendrein selbst innerhalb eines Bundeslandes teils bis auf die Kreis- und Stadtebene herunter unterschiedliche Umsetzungpraxis derselben hervorgebracht.

Da hat der Förderalismus dringenden Gesprächsbedarf und vor allem schnellen kräftigen Handlungsbedarf – soll das Seuchengeschehen nicht in gänzliche Unkontrollierbarkeit entgleiten. Siehe zB Frankreich, das gestern 27 000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden vermeldete sowie ein  rapides Anschwellen des Zustroms schwerer und schwerster Covid19-Fälle in die Krankenhäuser. Tendenziell ähnlich ist die jüngste Entwicklung fast überall in Europa. Deutschland braucht einen bundesweiten, jedermann/frau überall verständlichen und nachvollziehbaren Handlungsrahmen für die nun wohl unvermeidlich werdende Wiederverschärfung der Schutzregeln.

Unredlich und eine billige Masche sind derweil die oft hämischen Fingerzeige von Coronaleugnern, -verharmlosern und – verdrängern auf die diversen Konfusionen im Seuchenschutz. Da wird so getan, als seien Schwachstellen oder Widersprüchlichkeiten im Reglement ein Beleg für die eigene realitätsignorante Haltung, wonach es die Seuche gar nicht gäbe oder sie nur ein harmloses Gripplein sei oder gar Vorwand, eine „Corona-Diktatur“ zu errichten. Weswegen nochmals ausdrücklich unterstrichen werden muss: Die Seuche ist der Hauptgegner, nicht der Seuchenschutz – auch wenn letzterer jetzt dringend einer optimierten Anpassung an die aktuell gefährliche Expansionsentwicklung der Seuche bedarf.     

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