Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Lesch fürs Hirn, Handschrift fürs Herz, Wachsamkeit demnächst

ape. Es wird dies für einige Tage mein letzter Beitrag zum Thema Corona sein. Alles für den Moment Wichtige ist allerorten vielfach gesagt. Jede/r weiß, was er in Sachen Seuchenbekämpfung zu tun und/oder zu lassen hat; die meisten dürften inzwischen auch wissen, an wen sie sich wegen Finanzhilfen wenden sollten. Wer noch mehr über den tagesaktuellen Gang der Corona-Dinge erfahren will, ist bei den öffentlich-rechtlichen Sendern sowie den überregionalen und regionalen Qualitätszeitungen bestens aufgehoben. Bevor ich mich nun anderen Themen, Tätigkeiten, Auifgaben zuwende, seien noch drei Anmerkungen gemacht bzw. Hinweise gegeben:

1. Für die Ratio: Wer Lesch‘ Extra-Kosmos gestern (24.3.) im ZDF verpasst hat, sollte sich die 45-minütige Sendung unbedingt aus der Mediathek fischen und zu Gemüte führen (> https://www.zdf.de/…/corona-was-sagt-die-wissenschaft-102.h…). Eine sachlich bessere allgemeinverständliche Zusammenfassung der echten wissenschaftlichen Erkenntnissstände über Ursachen, Entwicklung, Wirkung und Gegenmittelforschung bezüglich der derzeitigen wie auch früherer Epidemien gibt es derzeit nicht. Die Sendung ist zugleich der angemessene Schlag gegen Quacksalber, Verschwörungsfetischisten, Schönredner wie auch Hysteriker. Und das wuchtige Schlussplädoyer von Harald Lesch redet zugleich jenen ins Gewissen, die sich dieser Tage an das absurde Glaubensdogma klammern: Virologen seien gute Wissenschaftler, Klimaforscher indes eine verschworene Bande von Lügnern.

2. Fürs Herz: Was für eine wunderbare Idee! Welch schönes Gefühl, in solchen Zeiten derart beglückt zu werden! Gestern fand ich im realen Briefkasten zwei Umschläge mit HANDSCHRIFTLICHEM Inhalt. Der eine stammt von einer jungen besten Freundin. Darin steckte ein kleines, für mich passend praktisches Geschenk sowie eine per Kugelschreiber mit allerliebsten Bemerkungen vollgeschriebene Ansichtskarte. Das andere Couvert enthielt einen mit Federhalter in Schönschrift abgefassten Brief, in dem ein sehr alter Freund mit großer Ruhe ausführlich seine Gedanken über mögliche gesellschaftliche Folgewirkungen der Corona-Krise niederschrieb. Handschriftliche Post in diesen Tagen der Distanz = Nähe der schönsten Art.

3. Für die Zukunft: Wir müssen nun für eine Weile im Ausnahmezustand leben. Und die allgemeine Bereitschaft ist inzwischen riesig, sich den notwendigen Einschränkungen der persönlichen Freiheiten und bürgerlichen Rechte zu unterwerfen. Das ist gut und richtig so. Doch sollten wir uns alle schon jetzt für die Endphase der Seuche mit erhöhter Wachsamkeit wappnen: Es darf nachher im Zuge der Rückkehr zur Normalität keine Verwässerung bei der Wiederinkraftsetzung der demokratischen Rechte und Freiheiten stattfinden. Machen wir uns nichts vor: Da wird es Begehrlichkeiten geben, die auf den Gewöhnungseffekt während des Ausnahmezustandes bauen. Solchen Begehrlichkeiten muss dann sofort entschieden Paroli geboten werden.

Andreas Pecht

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