Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Was soll an Gleichberechtigung so schwer sein?

ape. Irgendjemand hat für heute (19.11.) den „Internationalen Männertag“ ausgerufen. So lese ich in der Zeitung und dazu einen Artikel, der mich unendlich müde macht. Weil: Er wirft wieder einmal Fragen auf, die ich bereits in jungen Jahren, also vor fast einem halben Jahrhundert, zumindest im Grundsatz für beantwortet hielt. Welche Rolle falle dem Mann in der Gesellschaft nun zu nach dem Siegeszug der Frauenemanzipation? Was und wie muss der moderne Mann sein? Wo bleibt seine Männlichkeit, darf er noch Mann sein?

Ich begreife dieses ewige, derzeit wieder mächtig aufschäumende Manns-Mimimi einfach nicht bzw. halte es für hinterfotzige Krokodilsheulerei – über den Verlust Jahrtausende währender Männerdominanz in den sogenannten Hochkulturen. Ja, Burschen, ihr habt die Vorherrschaft verloren oder verliert sie gerade bis alsbald. Gut so. Was, bitteschön, soll so schwer daran sein, der anderen Hälfte der Menschheit mit Respekt und auf gleicher Augenhöhe, dabei mit Liebe wie kultiviertem Begehren zu begegnen? Was macht euch irre daran, dass private, gesellschaftliche, berufliche Pflichten und Rechte auf Frauen und Männer gleich verteilt werden? Warum klammert sich mancher von euch an den verlogenen reaktionären Scheißdreck, wonach die Welt inzwischen völlig weiblichen Normen, Regeln, Verhaltensmustern unterworfen sei?

Ich wurde über die 1970er in Heidelberger, Mannheimer, Koblenzer Wohngemeinschaften inmitten schon damals wunderbar starker Mädchen und Frauen zum Manne sozialisiert. Seither sind mir die in der politischen Haltung wie im privaten Alltag, auf dem Flirtparkett wie im Bett selbstbvewussten eigenständigen Amazonen lieber als Erbsenprinzessinnen und Betüttelungshausfrauen. Ich habe in den 1980ern nach Geburt des Sohnes als Student mehrere Jahre ihn versorgt und den Haushalt besorgt, während die Gattin den Unterhalt verdiente. Mir ist als Mann dabei weder die Seele abhanden gekommen noch der Schniepel verdorrt. Gelernt habe ich allerdings, dass Herrschaftsverhältnisse zwischen den Geschlechtern Mist sind – dass SIE nicht wollen muss, nur weil ER es will (und umgekehrt), sondern das Glück dort beginnt, wo BEIDE wollen. Was, zur Hölle, ist daran so schwierig?

Andreas Pecht

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