Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Freitagsgedanken zum Iran-Krieg – Vergessene Aspekte

ape. Freitagsgedanken (6.3.2026) zum Irak-Krieg. Nein, keine Analyse der Gesamtlage, auch kein weiterer Beitrag zum Disput ums Völkerrecht. Nur ein paar Aspekte, die m.E. in hiesigen Diskussionen ganz vergessen oder unterbelichtet behandelt werden.

1. Es ist leider ein Irrtum anzunehmen, im Iran selbst stünde ein ganzes Volk quasi geschlossen gegen die machthabende Mullah-Clique und ihren Gewaltapparat. Vielmehr ist ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung sehr konservativ, denkt und lebt fundamental-religiös, hat zum islamischen Gottesstaat-System ein positives Verhältnis. Die Gefahr eines Bürgerkrieg lässt sich nicht vollends ausschließen.

2. Der Iran ist ein Vielvölkerstaat. Über denkbare Bruchlinien zwischen Regionen und Ethnien wissen wir so gut wie gar nichts. Dass es sie gibt und dass sie unerwartet plötzlich gewichtige bis fatale Wirkung entfalten können, haben wir im Irak, in Syrien, in Afghanistan und vielen anderen Weltgegenden schon erleben müssen.

3. Die Aufrufe Trumps und Netanjahus an die Iraner, sie sollten und müssten jetzt das Mullah-Regime stürzen, sind entweder unredlich oder völlig weltfremd – angesichts einer Lage, in der die Iraner einerseits erstmal ihre Köpfe in Deckung bringen müssen vor dem Dauerbombardement und andererseits der innere Gewaltapparat der Mullahs noch immer voll funktionsfähig scheint.
4. Die Kriegsziele der US-Regierung und diejenigen der Netanjahu-Regierung sind nicht völlig deckungsgleich. Während Israel auf die Beseitigung einer Bedrohung der eigenen Existenz abzielt und damit auf einen fumdamental anderen Iran, geht es Trump/Maga nach jüngsten Äußerungen und dem Muster Venezuela eher um die Implementierung einer ihr etwas genehmeren, folgsameren und Deal-willigen Iran-Führung ohne Atompotenzial. Ob und wenn ja welche Verwerfungen diese Unterschiede für die weitere Kriegsführung auf Seiten USA/Israel mit sich bringen, steht dahin. Doch in beiden Fällen spielt die Verwandlung des Iran in eine freiheitliche Gesellschaft bestenfalls eine sehr weit nachgeordnete Rolle.

5. Von wesentlicher, vielleicht entscheidender Bedeutung für die fernere Entwicklung dieses Krieges dürfte sein, wozu sich die Golfstaaten Saudi-Arabien, Kuweit, die Emirate genötigt fühlen.

6. Es sei daran erinnert, dass noch nie irgendwo ein Krieg allein aus der Luft gewonnen wurde. Einsatz amerikanischer und/oder israelischer Bodentruppen im Iran? Ich bezweifle stark, dass Trump oder Netanjahu sich auf ein solch unkalkulierbares Abenteuer einlassen wollen, in einem von Gebirgen und Trockenregionen zerklüfteten Land das fast fünfmal so groß ist wie Deutschland und rund 90 Millionen Einwohner zählt. Andreas Pecht

Andreas Pecht

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