16.3.2026
Freude! Dass ich das noch erleben darf. In der heutigen Zeitung steht, dass unser kleiner Westerwaldort wieder eine Dorfwirtschaft bekommt. Das letzte zumindest baulich und nach Inneneinrichtung noch existierende von dereinst sechs Wirtshäusern in den zusammengewachsenen Gemeinden Wittgert und Breitenau wird reaktiviert. Und zwar als Speisegaststätte und Dorfkneipe gleichermaßen. Ein jüngeres Paar bulgarischer Herkunft mit italienischer Gastronomieerfahrung hat das Anwesen gekauft, will es für sich nebst drei Kindern zum Lebensmittelpunkt machen und ab Oktober Pizza, Pasta, Schnitzel und Burger aus eigener Küche servieren. Ich hoffe auf eine einfache, aber solide und schmackhafte Kost in netter Atmosphäre. Das würde passen; Sterneküche und Schickimicki braucht’s nicht. Endlich mal wieder ein richtiges Wirtshaus im Ort, wo man auch richtig essen kann und das fußläufig erreichbar ist. Wunnebar, das hatten wir hier schon sehr, sehr lange nicht mehr.
Überhaupt: Hier und anderwärts auf dem Land darf man sich seit Jahrzehnten und bis heute glücklich schätzen, wenn mal wieder irgendwo eine Zuwanderer-Familie aus Italien, Ex-Jugoslawien, Griechenland, Türkei, Asien oder sonstwoher einem der weithin weggestorbenen Dorf-Gasthöfe neues Leben einhaucht. So mal wieder auch neue/alte Begegnungs-/Koststätten für Stammtische, Vereine, Hochzeits-, Familien- oder Beerdigungsgesellschaften entstehen. Ein „Glück auf!“ den neuen Wirtsleuten
15.3.2026
Abendgedanken (augenzwinkernd).
Die machen mich, den vor 45 Jahren hier Zugewanderten, fix und fertig, diese Rheinland-Pfälzer. Noch ist der vor Inhaltsschwere schier platzende Wahlkampf nicht vorbei, kommt schon das nächste Elend um die Ecke: Ihr Freudentanz um die nichtssagenden weißen (bisweilen auch grünen) Wasserstengel, genannt Spargel. Und ist dieser Zirkus dann rum, fahren sie bestimmt mit Dschingdarassabum den jüngsten Jahrgang ihres unseligen Magenschäumers auf, den Riesling.
14.3.2026
Wie eben bekannt wird, ist der Philosoph Jürgen Habermas heute gestorben. Der letzte ganz Große der Frankfurter Schule wurde 96 Jahre alt. Was hat er uns mit seinem tiefschürfenden Denken doch oft angestrengt, bisweilen gequält, aber eben zugleich angeregt, erhellt und erfreut – resilient in einem Zeitalter, da komplexes Denken mehr und mehr ins Hintertreffen gerät. RiP
14.3.2026
Hatte ich am gestrigen Freitag (den 13.) vergessen: Wünsche allseits – trotz alledem und alledem – ein entspanntes Rest-Wochenende. Insbesondere meinen rheinland-pfälzischen Landsleuten ein unaufgeregtes Vorwahlwochenende. Was zumindest den diversen Parteigängern und Wahlkämpfern ja so schwer nicht fallen sollte angesichts des Umstandes, dass sie allesamt ihre jeweiligen Matadoren nach den TV-„Duellen“ und TV-„Arena“kämpfen stolz als „Gewinner“/“Sieger“ vermelden.
13.3.2026
Es gibt im Berliner Bundesapparat drei „herausragende“ Personalien jenseits der AfD, die mich inzwischen mehr den Kopf schütteln lassen, als es dunnemals selbst bei Franz Josef Strauß der Fall war. 1. Der Herr Selbstherrlich und Kunst-Ahnungslos im Amte des Kulturkämpfers, Wolfram Weimer. 2./3. Dann die zwei prominentesten Schnapsidee-Lieferanten: Frau Reiche, die das Wohl einer handvoll Gas- und Mineralölunternehmen mit dem Gemeinwohl verwechselt, sowie Herr Spahn, der u.a. zuletzt die Amtszeit eines Ministerpräsidenten auf zwei kurzatmige Halbamtszeiten für zwei Köpfe zerhacken wollte. Mir ist wurscht, was die drei für ein Parteibuch haben, allein schon ihre sichtliche Kleingeistigkeit in den Sachfragen weist sie nach meinem Dafürhalten als Fehlbesetzungen im Amte aus.
12.3.2026
TV-Tipp > Mediathek-Tipp, unbedingt anschauen, auch wenn man nach 45 Minuten kotzen möcht‘:
„Die gefährlichsten Firmen der Welt – BIG TECH“, eine analytische Doku, die eben auf Phoenix lief und sachlich die Behauptung des Titels belegt. Beleuchtet werden die „klassischen“ Mittel/Methoden von Big Tech und deren Entwicklung bis in die jüngste KI-Gegenwart. Was uns zur Jahrtausendwende unter dem Stichwort „Big Brother“ noch große Sorgen machte, darf man inzwischen getrost Kinderkram nennen. Da geht jetzt eine Entwicklung ab zur Totalbeherrschung der Zivilisation bis hin zur Auslöschung dessen, was wir bislang unter Menschsein verstanden haben. Bloß ein Horrorgemälde? Nein, nur der Horror schnöder Wirklichkeit.
7.3.2026
Hier mein kleiner, vielleicht etwas ungewöhnlicher, Beitrag zum Weltfrauentag 8. März. Er möchte darauf hinweisen, dass unsere steinzeitlichen Urvorfahren aus Jägern/innen und Sammlern/innen in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter teils schon wesentlich weiter waren als die „modernen“ Gesellschaften heutzutage.
Stand der jüngeren archäologischen Wissenschaft ist: In den 8 bis 20 Individuen zählenden Gemeinschaften damaliger Zeit wurden Arbeit und Funktionen nicht nach Geschlechtern zugeordnet, sondern nach Fähigkeiten, Fertigkeiten, Notwendigkeiten. So wurden z.B. die geschlechtlich gemischten Jagdgruppen von jener Person angeführt, mit deren Jagdraffinesse und Führungsklugheit die beste Aussicht auf gute Jagdergebnisse zu erwarten war – egal ob Mann oder Frau. Mit der Herstellung von Werkzeugen, Jagdwaffen und anderen Gerätschaften des Alltags, Kleidung oder Schmuck waren vornehmlich diejenigen Personen befasst, die das meiste Geschick dafür hatten – egal ob Männer oder Frauen.
7.3.2026
Hallo allerseits, hält sich zufällig jemand derzeit in Nordafrika auf? Ich hätte da mal eine Frage: Gibt es in der Sahara eigentlich noch Sand? Mich beschleicht mittlerweile nämlich der Verdacht, dass es den ganzen feinkörnigen Krempel hierher weht und er eine neue Heimat findet auf meinem Auto, dem Hausdach, den Gartenmöbeln, sogar auf meinem Haupte und in den Nasenlöchern. 😎🧐🤥 Angenehmes Wochenende euch, trotz alledem und alledem.
6.3.2026
Freitagsgedanken (6.3.2026) zum Irak-Krieg. Nein, keine Analyse der Gesamtlage, auch kein weiterer Beitrag zum Disput ums Völkerrecht. Nur ein paar Aspekte, die m.E. in hiesigen Diskussionen ganz vergessen oder unterbelichtet behandelt werden. > Text lesen hier
3.3.2026
Heute (3.3.26) musste ich das Auto betanken. 180,9 war pro Liter E10 zu zahlen. Heftig, das schlägt ins Rentnerkontor. Bislang hatten uns die Preissteigerungen beim Benzin nie sonderlich geschmerzt. Weil, Trick 17: Wir haben die höheren Benzinpreise stets durch Absenkung des Verbrauchs fast vollständig ausgeglichen. Wie das ging? a) Weniger fahren ( = besser planen, und einmal hat natürlich der Renteneintritt richtig geholfen). b) Zurückhaltender, klüger, langsamer, sparsamer fahren. Diese Verfahren haben wir über die Jahre mehrfach angewandt – und siehe: es fanden sich immer wieder neue Reduktionspotenziale. Nun aber ist wohl leider kaum mehr viel Luft nach unten, ohne zum regelrechten Verkehrshindernis zu werden. Wofür ich allerdings auch heute an der Tanke und auf dem Parkplatz des Supermarkts herzlich wenig Verständnis aufbringen konnte: Dass ausgerchnet dorfbekannte Gaspedalritter und Eigner von Benzin in Menge saufender Großkarren am lautesten über die neuen Preise gemault haben.
2.3.2026
„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt,
Er setzt seine Felder und Wiesen in Stand.
Er pflüget den Boden, er egget und sät …“
Zwar bin ich kein Bauer, nur ein in die Jahre gekommener Hobbygärtner. Hab‘ weder Rösser noch Traktor, kann nur mich selbst einspannen. Doch tue ich im Kleinen und im Schweiße des Angesichts nichts anderes, jetzt, im Märzen. Bei strahlendem, warmem Frühlingswetter hat heute die Gartensaison so richtig Fahrt aufgenommen. Habe begonnen die Erde in den Hochbeeten zu lockern (ups, in der Tiefe finden sich noch ein paar gefrorene Klumpen), die Kisten mit Astschnitthäcksel, Mist und Kompost nachzufüllen. Wunnebar – bis von hinten, vom Rücken die Mahnung kam: „Junge, es reicht für heute, gib nun Ruhe.“ Ich gehorche brav und bin guter Hoffnung, das Werk morgen munter fortführen zu können.
1.3.2026
Am Freitag hatte ich mal wieder Kritikerdienst, folglich am Samstag und Sonntagvormittag Schreibdienst: 8. Anrechtskonzert mit dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie, diesmal unter Leitung der us-amerikanischen Gastdirigentin Laura Jackson. Ebenfalls aus den USA kommt die Solistin Claire Huangci, die den Klavierpart bei Gershwins „Concerto in F“ spielte. Ferner auf dem Programm: Prokofiews 1. Sinfonie („Symphonie Classique“) und Schostakowitsch‘ 1. Sinfonie. Drei Frühwerke von drei jungen Männern anfang des 20. Jahrhunderts komponiert. Es war ein gutes und interessantes Konzert. > Meine Besprechung für die Rhein-Zeitung hier jetz schon online (5500 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text), am Montag in der Printausgabe.
28.2.2026
Zwei Herzen, ach, in meiner Brust. Das eine ruft: „Jagt die Ayatollah-Tyrannei in die Hölle!“ Das andere raunt: „Ich traue den beiden Hauptjägern nicht, denn ihnen ist das iranische Volk völlig gleichgültig.“ Eigentlich sind es noch mehr Herzen, denn
es ist kompliziert und – zumindest für mich – ein schwieriges Dilemma: 1. Sind da die vielen iranischen Menschen (darunter Freunde) deren primäres und lebenswichtiges gerechtes Ansinnen es nicht erst seit den jüngsten Massakern ist, das Mullah-Regime zu stürzen. 2. Ich will die Kriegstrommel nicht rühren und verabscheue jene völkerrechtswidrige Kriegstreiberei, die gegenwärtig und erst recht nach Putins Überfall auf die Ukraine die Hemmungen vor Angriffskriegen als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln immer weiter absenkt. 3. Da ist das nicht zuletzt von mir etwa im israelisch-palästinensischen Konflikt vertretene Prinzip, dass auch gute Zwecke nicht jedes Mittel heiligen. 4. Es wäre ein übler Treppenwitz der Geschichte, sollte ausgerechnet der Faschist Trump plötzlich als Befreier des Iran dastehen. 5. Würde es so kommen, müsste der Iran gleich im Anschluss an den Sturz des Mullah-Regimes um seine Autonomie als demokratischer Staat fürchten und kämpfen. 6. Wir haben eine fragile Weltlage, in der aus einem Funken schnell ein Steppenbrand werden kann.
26.2.2026
Am 22. März wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt und damit auch die Weiche gestellt für eine neue Landesregierung. Logisch, dass meine heute wieder im mittelrheinischen Monatsmagazin „Kulturinfo“ auf Seite 2 erschienene Kolumne „Quergedanken“ (Folge 248) sich mit diesen Wahlen befasst. Habe ich einen Wahlaufruf verfasst? Jain. Aber lest selbst (s. Link), was da unter der Überschrift > „Wählt. Und wählt vernünftig“ geschrieben steht (freier Lesetext).
Anmerkung in eigener Sache: Immer wieder taucht die Frage auf, warum ich die Kolumne „Quergedanken“ nenne, wo doch der Begriff seit einigen Jahren von den durchgeknallten bis rechtsradikalen Quarkdenkern okkupiert und diskreditiert worden sei. Meine Antwort: Weil ich trotzig bin — und mich dem Sprachmissbrauch wirrer bis böswilliger Gestalten widersetze. Die Kolumne gibt es schon seit Januar 2005, sie ist demnach wesentlich älter als die neuzeitliche Quarkdenker-Bewegung. Damals war das Wort „Quergedanken“ noch sauber und so ehrenwert wie der Titel „Querkopf“. Und eben daran halte ich fest.
