Portrait Andreas Pecht

Andreas Pecht – Kulturjournalist i.R.

Analysen, Berichte, Essays, Kolumnen, Kommentare, Kritiken, Reportagen – zu Kultur, Politik und Geistesleben

Guten Tag allerseits – im November 2018

26.11.2018

Obacht geben, Leute!
Seit einiger Zeit werde ich ein- bis dreimal wöchentlich von einer angeblichen oder tatsächlichen „Development“-Stelle der Firma Windows angerufen. In englischer Sprache (!) erzählt mir jemand von Problemen in meiner Windows-Konfiguration – will mir also etwas vom Pferd erzählen. Denn: Ich habe in meiner gesamten Elektronik genau Null ( 0!! ) Windowsanwendungen. Also laufen diese Anrufe auf irgendeine miese Tour hinaus. Ergo: Sogleich auflegen.


25.11.2018

Man kann die abendländischen Feste und Feiertage des Winterhalbjahres fast alle AUCH auf Traditionslinien   zurückführen, deren Urspünge weit vor der Christianisierung liegen. Danach würde sich der Festtagskalender für diese Jahreshälfte etwa so lesen:
Erntedank >Rübengeistern, Traulichtern, Samhain, Halloween (= Allerheiligen) > Rauhnächte, Mittwinter, längste Nacht (= Weihnachten) > Winteraustreibung, letzter Schmaus (Karneval) > Frühlings- und Fruchtbarkeitfest (Ostern).  Meine  Monatskolumne „Quergedanken“ wirft mal einen launigen Blick auf die alten Bräuche und darauf, wie es um sie heute steht, seien sie christlichen oder vorchristlichen Ursprungs.

Quergedanken 166: Brauchtumspflege im Schlamassel
(freier Lesetext)


24.11.2018

Allfällige Verspätungen, desolate Zustände, Chaos beim größten Transportunternehmen Mitteleuropas, der Deutschen Bahn. Unser Eisenbahnsystem ist so störanfällig wie in keiner Generation zuvor, die Fahrpläne sind so unzuverlässig wie nie. Und jetzt die Kapitulation der Bahnmanager: Sie kriegen den für 2018 versprochenen Abbau der 30-prozentigen Verspätungsrate nicht hin.

Mein Kommentar zur Lage bei der Deutschen Bahn
1900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


23.11.2018

Eine Stunde nur dauert die jüngste Tanzproduktion am Staatstheater Mainz. Aber es ist eine beglückende Stunde. „Nothing“ nennt sich die vom israelischen Choreografen Roy Assaf mit der tanzmainz-Compagnie kreierte Arbeit. Doch die ist alles andere als ein Nichts. Sie steckt voller Witz, Sinnlichkeit, Lebensfreude sowie tänzerischer Leistungen auf sehr hohem Niveau. Sieben Frauen und sieben Männer in Badeanzügen und -hosen tanzen, plappern, singen eine sprühende Dichte von Bildern, Szenen, Sequenzen über Menschliches und Allzumenschliches.

Meine Besprechung der Uraufführung
3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


21.11.2018

Autsch’n! Sapperlott, da kriegst du doch die Motten! Es haben sich zwischen die Ofenscheite in meinem Holzlager etliche Wespen vor dem Winter zurückgezogen. Die sind zwar völlig erstarrt und teils auch schon mausetot – aber stechen tun sie noch immer.


20.11.2018

Gestern (Mo) schöne, interessante, gut besuchte Veranstaltung „200 Jahre Marx und Raiffeisen. Große Ideen für die kleinen Leute“ in Weyerbusch/WW erlebt. Sehr aufmerksames Publikum beim Kooperationsabend von DGB und Friedrich-Ebert-Stiftung. Mein Vortrag über Gemeinsamkeiten und Gegensätze zwischen dem revolutionären Kapitalismusanalytiker aus Trier und dem christlichen Genossenschaftspionier aus dem Westerwald bekam ordentlich Beifall und ich nachher allerhand persönlichen Zuspruch.

Ich werde 2019 wohl noch mehrmals bei anderen Veranstaltern zu diesem Thema sprechen. Ein Vortragsabend steht bereits fest: 21. Februar Altenkirchen/Haus Felsenkeller. Im Gespräch, aber noch nicht festgezurrt, sind Vorträge in Koblenz (Landesmuseum Festung Ehrenbreitstein) sowie in Trier. Falls irgendwo mich noch jemand für dieses Thema 2019 engagieren möchte: Bitte bald bei mir melden, auf dass wir Termin und Honorar aushandeln können.


19.11.2018

Manchmal ist das Netz doch ein seltsamer Raum. Seit etwa drei Monaten erzielt auf meiner eigenen Website ein bereits 2016 dort publiziertes Manuskript eines meiner Vorträge tagtäglich die höchste Zugriffsquote. Thema: „Völkerwanderungen – Migration als historischer Normalfall“. Was mich irritiert: Gute zwei Jahre lang wurde der ziemlich lange Text nur ganz vereinzelt aufgerufen, plötzlich aber greifen pro Tag Dutzende Leute zu.

Wen das Thema interessiert:
Hier geht es zu diesem Vortrag = freier Lesetext.


17.11.2018

In jüngeren Jahren und heuer ganz besonders sind unglaublich häufig die herrlichsten Abend- und Morgeneröte zu beobachten. Durchs Netz strömt eine Flut von Fotos dieses wunderbaren Naturschauspiels. So schön das auch ausschaut, in der derzeitigen Fülle und Intensität sind die glühenden Himmel eher kein so gutes Zeichen. Weil: Sie zeugen auch von sehr viel Schmutzpartikeln in der Atmosphäre.


13.11.2018

Man muss aufpassen wie ein Schießhund. Diese Woche im Bioladen: Ich wollte mein seit vielen Jahren benutztes Brennessel-Shampoo von Logona kaufen. Gab’s nicht mehr. Als ich zu Grummeln begann, setzte mich die Ladnerin über folgenden Umstand in Kenntnis: Die Naturkosmetikfirma Logona sei von Nestlé aufgekauft worden. Weshalb nun sie, die Ladnerin, Logona aus ihrem Sortiment genommen habe. Lob und Dank dieser Frau, denn mit den Gaunern von Nestlé will ich nichts zu schaffen haben, egal was sie verkaufen. Problem allerdings: Ich muss mir ein neues Shampoo suchen. Nun gut, bis ich was gefunden habe, muss halt meine Olivenseife auch für die Haare herhalten.

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Doch ja, ich bin beunruhigt. Denn ein solches Trockenextrem ist mir hierzulande in 63 Lebensjahren noch nicht begegnet: Seit rund acht Monaten ist für die Landschaft rings um mein Wohndorf im Unterwesterwald kein nennenswertes Regenereignis mehr zu verzeichnen. Wenn es mal „geregnet“ hat, erschöpfte sich das in wenigen Minuten Geniesel und Getropfe. Eine der sichtbarsten Folgen: Viele der hiesigen Nadelbaumbestände sind seit Spätsommer großflächig rostbraun geworden = vertrocknet, vom Borkenkäfer zerfressen, kaputt.


12.11.2018

Bei der hier avisierten Veranstaltung habe ich die Ehre, den Hauptvortrag zur halten.  Titel des Referats: „200 Jahre Raiffeisen und Marx: Was verbindet die beiden, was sind die Gegensätze. Ein philosophisch-politischer Diskurs.“
Infos zu weiteren Programmpunkten, Beteiligten Ort, und Ablauf finden sich hier >>

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Tschechischer Abend beim Musik-Institut Koblenz. Das 3. Anrechtskonzert führte jetzt drei Komponisten aus dem alten Kulturland am Übergang von West- zu Osteuropa zusammen. Alle drei sind sie im 19. Jahrhundert geboren und erlebten den Anfang oder die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts noch. Das Konzertprogramm präsentiert Leos Janacek, Bohuslav Martinu und Antonin Dvorak mit nicht alle Tage zu hörenden Werken – die aber per se und erst recht so, wie hier vom Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter Garry Walker gespielt, richtig Freude machen. Gastsolist war der britische Cellist Guy Johnston.

Meine Konzertbesprechung
3700 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


10.11.2018

The European Balcony Project

Am heutigen 10. November wird aus Anlass des 100. Jahrestags der Beendigung des Ersten Weltkrieges und der Ausrufung mehrerer Republiken zeitgleich um 16 Uhr „von Balkonen in ganz Europa” ein „BürgerInnen-Manifest für die Europäische Republik” verlesen werden. Den Text haben die deutsche Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot und der österreichische Schriftsteller Robert Menasse unter Mitarbeit des Schweizer Regisseurs Milo Rau verfasst.

Die Aktion zB in KOBLENZ mit Django Reinhardt: Rathausbalkon, Willi-Hörter-Platz (Schängelbrunnen). In MAINZ: Balkon Staatstheater. Wie gesagt: 16 Uhr.


09.11.2018

Es mag drei Jahre her sein. Als ich eines Tages aus dem Wald zurückkam, fragte mich das auf der Gass‘ spielende kleine Nachbarsmädchen: „Hat du Schwildewein sehn?“ Seither gibt es in meinem Revier sowie Waldschraten-Wortschatz die Spezies mit der reizenden Bezeichnung Schwildewein. Wie ich jetzt darauf komme? Nun, heute in dämmriger Früh bin ich draußen drei jugendlichen Vertretern dieser Art begegnet. Als sie meiner gewahr wurden, stoben sie erschrocken in wilder Hatz von hinnen. Im selben Schreckmoment entfleuchte mir der Spontanausruf: „Sakra, Schwildewein!“


08.11.2018

Ein bisschen Werbung in eigener Sache:
Den Freunden klassischer Musik und/oder lokaler  Musikgeschichte in Koblenz sei noch einmal mein im September erschienenes Buch „Aus Liebe zur Musik – Das Musik-Institut Koblenz im Lauf der Zeiten 1808 bis 2018“ ans Herz gelegt. Inhaltlich – wie ich als Autor selbstredend finde – hochinteressiert, eignet es sich wegen seiner hochwertigen Aufmachung auch ausgezeichnet als Weihnachtsgeschenk (Hardcover im Schuber, Format 30 x 22 cm, 225 Seiten, reich bebildert, 25 Euro).  Den Buchhandelsvertrieb hat das Musik-Institut der örtlichen Buchhandlung Reuffel übertragen, über deren Internetshop  (www.reuffel.de) es auch von auswärts zu beziehen ist. Auch bei jedem Anrechtskonzert des Musik-Instituts (zB am morgigen Freitag, 9.11.) wird das Buch im Foyer der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle angeboten.

Leseprobe: Das Vorwort (hier)


07.11.2018

Für mich die interessantesten, auch erfreulichsten Faktoren bei den US-Zwischenwahlen: a) „Durchregieren“ ist für Trump nicht mehr möglich wg. jetzt Repräsentantenmehrheit gegen ihn. b) Bei den Senatswahlen haben 44 Millionen für die Demokraten gestimmt, 33 Millionen für die Republikaner. Das macht Hoffnung – auch wenn Letztere dort dennoch zwei Sitze hinzugewonnen haben, was einer verzerrenden Eigenheit des US-Wahlrechts geschuldet ist. c) Noch mehr Hoffnung macht die Analyse des Stimmverhaltens nach Altersgruppen > 18- bis 24-Jährige = 68 % für die Demokraten; 25 bis 29 = 66 %, 30 bis 39 = 59 %, 40 bis 49 = 52 %. Erst in den Alterklassen ab 50 liegen die Republikaner vorn.

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Der rheinland-pfälzische Kultursommer 2018 ist vorbei, die Vorbereitungen für den 2019er laufen. Das wird dann der 28. Jahrgang einer landeskulturellen Unternehmung sein, die noch unter Ministerpräsident Rudolf Scharping ins Leben gerufen wurde. Als einer ihrer zentralen Zwecke gilt seit jeher: Im Flächenland Rheinland-Pfalz die Versorgung des ländlichen Raumes und der kleinen Städte mit Kunst und Kultur zu stärken. Nun aber tritt ein Problem zutage: Ein beträchtlicher Teil derer, die seit vielen Jahren vor Ort zentrale Stützen des Kulturgeschehens sind, kommen ins Rentenalter. Zugespitzt formuliert: Dem Kultursommer droht eine ganze Generation erfahrener Partner wegzubrechen.

Meine Betrachtung zu dieser Problemlage
4500 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


06.11.2018

Manchmal wundert es mich wirklich, dass sich auf unseren Hauptverkehrsstraßen und Autobahnen überhaupt noch was bewegt. Mittlerweile ist die Automobildichte derart hoch, das schon kleinste Unregelmäßigkeiten im Verkehrsfluss binnen Minuten zu beträchtlichen Stauphänomenen führen. Und ein nur mittelprächtiger Unfall auf einer Hauptader kann – wie heute vormittag in Mainz erlebt – den Verkehr einer ganzen Großstadt oder Region schier zum Erliegen bringen. Denkt man sich nun dazu, dass in Millionen Autos Millionen ganz verschiedener Individuen mit unterschiedlichen Fahrstilen, Verhaltensweisen, Fähigkeiten hinter dem Steuer sitzen und jedes jeden Moment unzählige bewusste und noch mehr unbewusste Einschätzungen, Entscheidungen, Handlungen vornehmen muss – ja dann kommt mir fließender Massenverkehr als Kollektivleistung fast wie ein Wunder vor.


05.11.2018

Das nun die zweite Spielzeit unter Leitung von Anselm Weber stehende Schauspiel Frankfurt hatte beim Autorenduo Lutz Hübner/Sarah Nemitz ein Stück in Auftrag gegeben. Brandheißes Thema: Was lässt unsere Gesellschaft auseinanderbrechen und macht die Populisten stark? Das Ergebnis heißt „Furor“ und stellte sich jetzt bei der Uraufführung als beklemmendes wie interessantes Kammerspiel vor, bei dem die Verfasser und der inszenierende Intendant einen Politiker, eine Krankenpflegerin und einen Paketboten in furios eskalierende Konfrontation treiben.

Meine Premierenkritik
4200 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


02.11.2018

Bisweilen schreibt der Zufall die besten Geschichten. Just als im Landesmuseum Mainz das Nachdenken begann, wie der Wahlpfälzer Max Slevogt anlässlich seines 150. Geburtstages 2018 gewürdigt werden könne, sprach ein Privatmann vor. Sein Ansinnen: Man möge ein Gemälde aus seinem Besitz prüfen, das von Max Slevogt signiert sei. Echtheitsprüfung und Herkunftsrecherche ergaben eine kleine Sensation und führten zum Einstieg in eine Arbeit, aus der die jetzt in Mainz laufende hoch spannende Ausstellung „Ein Tag am Meer – Slevogt, Liebermann & Cassirer“ hervorgegangen ist.

Meine Ausstellungsbesprechung
4250 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent

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