Guten Tag allerseits

31.10.2018

Gestern wurde ich in kleiner Plauderrunde gefragt: Glaubst du, es ist absehbar ein Maximum für den Stimmzuswachs der AfD erreicht, und wenn ja, wie hoch könnte das liegen? Meine Antwort: bei rund einem Fünftel der Wahlbeteiligten, also 20 % plus/minus 1 bis 2 %, bundesweit. Interessant die gegensätzlichen Reaktionen darauf: "So viel!?", entsetzt sich einer; "nicht mehr?" zweifelt ein anderer. Jeder wollte dann wissen, wie ich auf diese Zahleneinschätzung komme. Antwort meinerseits:

Das Fünftel setzt sich zusammen aus a) dem seit Jahrzehnten in soziologischen Untersuchungen immer wieder bestätigten latenten Potenzial rechtsradikaler Weltbilder und Denkmuster in der deutschen Bevölkerung, die jüngst an die Oberfläche drängen. Sowie b) aus jenen "Protestwählern", deren Bindung an Freiheitlichkeit und Humanismus labil genug ist, dass sie es über sich bringen, im Zorn über oder Angst vor dies und jenem ihre Stimme der autoritären, nationalistischen und antihumanistischen Rückschrittspartei zu geben.

Zudem gibt es erste Anzeichen dafür, dass die AfD zumindest in den West-Bundesländern dieses potenzielle Wähler-Rerservoir nahezu ausgeschöpft haben könnte. Bei den Wahlen in Bayern und Hessen konnten die Rechtsradikalen keine nennenswerten Stimmzuwächse mehr gegenüber der Bundestagswahl verzeichnen - trotz zahlloser Steilvorlagen durch den Groko-Kladderadatsch.


29.10.2018

Interessant, lehrreich und zugleich reich an musikalischem Genuss: Was im klassischen Konzertbetrieb durchaus nicht immer harmonisch zusammenkommt, darf das zweite Anrechtskonzert beim Musik-Institut Koblenz für sich in Anspruch nehmen. Werke von Debussy, Chopin und Strawinsky wurden vom Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter Garry Walker in der prall gefüllten Rhein-Mosel-Halle gespielt. Doch trotz der Komponisten Berühmtheit und ihrer etliche Generationen überspannenden Präsenz im Repertoire, sind zwei der drei Nummern hierorts live wohl noch nie gehörte Raritäten.

Meine Konzertbesprechung
(3700 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


28.10.2018

So, die Entscheidung ist gefallen: Mein traditionelles Neujahrsessay für die Rhein-Zeitung wird sich diesmal mit dem Thema "Heimat" befassen. Drei Arbeitstitel habe ich mir dafür verpasst: a) Was ist Heimat?; b) das Bedürfnis nach Geborgenheit; c) Die ewige Sehnsucht nach Arkadien. Eine erste schnell Umschau in jüngeren Einlassungen zum Themenfeld ergab: 1. Es gibt keine allgemeingültige Definition von Heimat. 2. Es gibt keinen wirklich vernünftigen Grund, den Begriff dem Konservatismus oder gar Rechtsradikalismus zu überlassen. 3. Heimat war/ist objektiv und subjektiv ein sich fortwährend wandelndes Phänomen.


27.10.2018

Beim entspannten Samstagsfrühstück geht mir unversehens dies durch den Kopf: Bisweilen ist es hilfreich und erhellend, mal ein paar Jährchen über die eigene Lebensspanne und die eigenen Lebensumstände, -gewohnheiten, -zwänge hinaus zu denken. Etwa in der Frage der E-Automobilität. Eigentlich weiß es jeder: Mittelfristig wird sie kommen, als Antriebsart den Straßenverkehr dominieren. Doch sobald ich daran denke, dass die Erdbevölkerung noch vor der Jahrhunderthälfte wohl die 9-Milliarden-Marke überschreiten wird und der derzeitige Entwicklungsmainstream allüberall in Richtung einer Automobilisierungsrate wie hierzulande tendiert, gelange ich zu dem Schluss: Die E-Automobilität ist keine geniale Zukunftstechnologie, sondern kann nur, als kleineres Übel, eine Übergangstechnik sein. Denn die kaum vorstellbare Größenordnung von 4 bis 5 Milliarden Autos weltweit würde - selbst wenn man alle dafür benötigte Energie ökologisch erzeugte - die Kapazitäten des Planeten auf diversen Ressourcefeldern einfach sprengen. Ergo: Das Individualautomobil als vorherrschendes Transportmittel bleibt so oder so eine entwicklungsgeschichtliche Sackgasse. Je früher man den Abschied davon ins Auge fasst und Alternativen entwickelt, umso gescheiter.


26.10.2018

*grübel* Genau besehen, steckt ein Großteil der Tourismuswirtschaft doch zusehends in einem argen Dilemma. Vor allem jener Teil, der sich auf Naturerlebnis, Ruhe, Wandern kapriziert. Ein USA-Reisender erzählte neulich von vermeintlich "einsamer Betrachtung des Sternenhimmels über der Wüste" - inmitten hunderter Gleichgesinnter, die um Abstellplätze für ihre Autos und gute Fotografierpositionen rangelten. Selbst habe ich etwa auf mittelrheinischen Wanderpfaden schon vermeintlich "besinnliche" Touren erlebt, die eher an Volkswanderungen erinnerten. Und auf so mancher alpenländischen Almhütte herrscht ein Betrieb wie in der Großstadt. Nun ist aber erklärtes Ziel fast aller Tourismusplaner/-wirtschaftler: Besucherzahlen steigern. Und das just zu einer Zeit, da immer mehr Leute Ruhe und ein Abseits vom Massengetriebe suchen. Die Katz beißt sich in den Schwanz.


25.10.2018

"Der Zusammenhang ist logischer als das Amen in der Kirche: Da unsere Lebenswelt durchdrungen ist von Plastikprodukten, landen deren Abrieb- und Zerfallspartikel auch im menschlichen Körper. Wie österreichische Forscher aktuell nachweisen, geschieht das nicht irgendwann, sondern eben jetzt weltweit. (...)"
So beginnt mein heutiger Kommentar auf Seite 2 der Rhein-Zeitung zur globalen Plastikkrise und Mikroplastik im menschlichen Körper.

Ganzen Artikel lesen hier
2100 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


24.10.2018

So richtig herbstkühl ist es zumindest am Mittelrhein ja noch nicht, gleichwohl soll es in der nächsten Woche schon wieder wärmer werden. Sagen die berufsmäßigen Wetterauguren. Der vielfache Rekordsommer 2018 ist allerdings vorbei. Weshalb in meiner jetzigen Monatskolumne "Quergedanken" eine Bilanz gezogen wird - die unmittelbar übergeht  zur dieser Tage ringsumher eifrig erörterten Frage: Wie wird wohl der Winter? Freund Walter hat gegen diesbezüglich unergiebige Spekulationen einen sehr lebenspraktischen Tipp.

Monatskolumne "Quergedanken" Nr. 165
freier Lesetext


23.10.2018

Das spanische Stück von anno 1635 wird auf deutschen Bühnen nicht gar so häufig gespielt. Pedro Calderón de la Barcas „Das Leben ein Traum“ kann als Drama mit ausschweifenden Monologen in komplexer Versform zum langen und anstrengenden Abend werden. Am Staatstheater Mainz ist nun eine nur 105-minütige, kurzweilige Fassung zu sehen. Geschrieben und inszeniert hat sie der dortige Schauspieldirektor K. D. Schmidt.
Meine Premierenkritik 
(3400 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)

 


15.10.2018

Doch ja, ich habe die bayerischen Wahlergebnisse mit großem Interesse verfolgt. Da sie aber in der Tendenz seit längerem absehbar waren, überraschte und bewegte mich an diesem Wochenende ein anderes Ereignis wesentlich mehr: 40 000 Leute hatte man zur Demo  "#Unteilbar" in Berlin erwartet, weit über 200 000 sind gekommen.  Es ist gut, zu sehen, dass  Zug um Zug der liberale, weltoffene, humanistische Teil der Zivilgesellschaft sich aus seiner Schockstarre gegenüber dem vermeintlich unaufhaltsamen Roll-Back rechtsreaktionärer Tendenzen befreit. Nach der Devise, die ein "Zeit"-Kommentar heute ausgibt: "Es ist Zeit sich zu wehren. Wenn Hass um sich greift, müssen Demokraten auf die Straße."


03.10.2018

Das Stück ist 2476 Jahre alt und doch bis heute eine Säule des Welttheaters. Aischylos hatte „Die Orestie“ als Dreiteiler verfasst. Am Godesberger Schauspielhaus des Theaters Bonn sind davon jetzt nur zwei geblieben. In der interessanten Bearbeitung von Regisseur Marco Storman und Dramaturgin Male Günther fehlt die finale Gerichtsverhandlung zu Athen. Stattdessen flaniert die feine Gesellschaft umeinander, bestimmen heutige Fürsten aus Business und Politik das Zusammenleben nach ihrem Interesse - und schließt der Abend mit der Frage: "Endet er nie, der Fluch".

Meine Premierenkritik
(3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


01.10.2018

Bei einer Archivrecherche stieß ich zufällig auf eine Analyse, von mir geschrieben vor genau zehn Jahren zum Ergebnis der damaligen Bayernwahl. Im Vorspann hieß es: "Die Erosion der beiden Volksparteien schreitet voran. Was die Frage aufwirft, ob Union und SPD nur vorübergehend etwas indisponiert sind, oder ob die politischen Großtanker sich vielleicht überlebt haben." Es gibt in diesem Text eine Sache, bei der ich mich prognostisch geirrt habe: Ich erkannte zwar den Leerraum, der beim In-die-Mitte-rücken rechts von der Union entsteht, erwartete aber die Herausbildung einer neuen rechtsbürgerlich-konservativen Partei. Dass sich der Rechtsradikalismus dort einnisten würde, schien mir undenkbar.

Hier der alte Artikel in Gänze (freier Lesetext)
2008-09-30 Analyse:
Nach der Bayernwahl: Sind die großen Volksparteien ein Auslaufmodell?

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Das ist doch mal eine prima Idee: Der Umweltbeauftrage des Städtchens Ransbach-Baumbach (WW) hat eine, sagen wir: Wanderkelterei herbeiorganisiert. Im Gemeindeblättchen war der 1.10. als Keltertag am kommunalen Grünschnittplatz angekündigt worden. Nach telefonischer Voranmeldung konnten die Bürger heute ihre gesammelten Fallobstäpfel anliefern, aus denen dann sofort Saft gepresst und in 5-Liter-Tütenkartons abgefüllt wurde. 1 Euro pro Liter Saft ( zwei Jahre haltbar) aus eigenen Früchten kostete einen die Operation. Erfreuliches Ergebnis: Bei mir im Keller liegt nun der Apfelsaftvorrat für ein ganzes Jahr - hergestellt aus Fallobst, das nicht mehr unterm Baum verfault.

30.09.2018

Er bleibt. Weitere fünf Jahre. Günter Müller-Rogalla, Intendant des Staatsorchesters Rheinische Philharmonie in Koblenz. Im Juni 2018 war vermeldet worden, er und das Land Rheinland-Pfalz haben sich auf eine Verlängerung seines Vertrages bis ins Jahr 2024 geeinigt. Dann wäre der gebürtige Idar-Obersteiner 62 Jahre alt und hätte in zehn dieser Lebensjahre die Geschicke des Orchesters in Koblenz an maßgeblicher Stelle mitgeprägt. Vier sind bereits vorüber, als wir uns unlängst, kurz vor Start der Spielzeit 2018/19, im Görreshaus zum Gespräch trafen über „Wie war‘s, wie ist‘s, was wird?“.

Mein Artikel "Wie war's, wie ist's, was wird?"


27.09.2018

Die erste Tanzproduktion der neuen Spielzeit am Staatstheater Mainz besteht aus zwei schier gegensätzlichen Stücken. Da kommt „Im Orbit“ zur Uraufführung, eine kleine, kurze, leise, zarte Arbeit der britisch-zypriotischen Düsseldorferin Alexandra Waierstall. Darauf folgt die Wiederaufführung der furiosen großen Tempochoreografie „Fall Seven Times“, die das libanesisch-spanische Choreografenpaar Guy Nader und Maria Campos 2016 für Mainz kreiert hatte und die 2017 mit dem Theaterpreis „Faust“ ausgezeichnet wurde.So unterschiedlich die beiden Teile sind, ist ihnen doch eines gemeinsam: Unisex – Tänzerinnen und Tänzer werden nicht mehr nach Rolle, Funktion, Bewegungsrepertoire, Kostüm geschlechtlich unterschieden.

Meine Besprechung
(3400 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


26.09.2018

Artikel in der Rhein-Zeitung auf Basis eines Gesprächs mit mir über mein Buch zur Geschichte des Koblenzer Musik-Instituts. Das Foto entstand beim Signieren der ersten verkauften Exemplare am Rande des MI-Konzertes am vergangenen Freitag. Der RZ-Beitrag beginnt wie folgt:

Andreas Pecht, Lesern dieser Zeitung als langjähriger Kulturredakteur, dann als Autor bestens bekannt, erinnert sich gut an das Wechselbad der Gefühle, als er erstmals auf ein mögliches Buchprojekt zum Musik-Institut angesprochen wurde: „Zunächst erschrickt man natürlich, wenn man an den großen Zeitraum von 210 Jahren denkt, den es zusammenzufassen gilt“, räumt er ein. (...)

Seit 210 Jahren aus Liebe zur Musik. Andreas Pecht stellt die Geschichte des Musik-Instituts Koblenz vor
(4300 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


25.09.2018

Es wird wieder Zeit für meine Monatskolumne "Quergedanken". Man hätte in der Folge 164 den verklingenden Rekordsommer thematisieren können oder die derzeit teils irrwitzigen Verrenkungen auf dem Politparkett. Aber dazu haben ja schon alle alles und noch viel mehr gesagt. Weshalb ich mich lieber den kleinen Fragen mit ihrem fürs Individuum so großen Gewicht im immer schneller werdenden alltäglichen Lebens zuwende - nebst der Sorge meines Freundes Walter, die für Oktober am Theater Bonn angekündigte Uraufführung eines Stückes mit Titel "Wer ist Walter?" könne sein Inkognito gefährden. Und hinter all dem steckt ein Gedanke, der in der Überschrift schon anklingt

Quergedanken Nr. 164: Leute, gebt acht auf euch


23.09.2018

Gebt Obacht, wenn ihr jetzt mit dem Auto unterwegs seid, vor allem in der Dunkelheit. Der erste Regen seit vielen Wochen hat eine mächtige Krötenwanderung ausgelöst. Bei der Heimfahrt gestern Abend ging's für mich streckenweise nur noch in Slalomschleichfahrt weiter. Das ist das wenigste, was man tun kann/sollte, um den eigenen Beitrag zum sichtlichen Krötenmassaker so klein wie irgend möglich zu halten.


21.09.2018

Freude, Spannung. Jetzt endlich geht das Ergebnis einer Arbeit an die interessierte Öffentlichkeit, die mich mehr als drei Jahre neben dem normalen Journalistengeschäft auf Trab hielt. Am heutigen Abend beim ersten Saisonkonzert 18/19 des Musik-Instituts Koblenz: Erstverkauf meines Buches "Aus Liebe zur Musik. Das Musik-Institut Koblenz im Lauf der Zeiten 1808 bis 2018" (Hardcover, 200 S., 25 Euro). Morgen (Sa, 22.09.) beginnt dann der Buchhandelsvertrieb über die Niederlassungen und den online-shop der Koblenzer Buchhandlung Reuffel.  > Zur Reuffel-Site

Ich selbst bin gespannt wie ein Flitzebogen. Denn ich kenne zwar das elektronische Buch-Layout, bekomme das fertige Druckwerk aber auch erst am Abend in die Hand. Zur Orientierung und als Appetitmacher für die potenzielle Leserschaft möge hier vorab das Buchvorwort dienen (freier Lesetext).

Vorwort meines heute erscheinenden Buches über die 210-jährige Geschichte des Musik-Instituts Koblenz


20.09.2018

Doch ja, ich begreife durchaus die Aufregung und Empörung zur causa Maaßen. Der Vorgang ist in der Tat unsäglich. Also muss ich mich nun fragen, weshalb er bei mir nur ein sehr, sehr müdes Achselzucken auslöst, begleitet von einem kleinen Moment des Staunens. Ergebnis der Selbstbefragung: Wahrscheinlich, weil ich in mehreren Jahrzehnten der Politikbeobachtung hunderte ähnlicher Vorgänge auf allen denkbaren Politebenen hierzulande und anderwärts erlebt habe - und deshalb im Falle Maaßen von Anfang an mit einer Lösung in Richtung "lukrativen Weglobens" rechnete. Das kleine Staunen gilt diesmal dem Ausmaß der Unverfrorenheit Seehofers, dem Ausmaß des Merkel'schen Phlegmas sowie dem Ausmaß des taktischen Dilettantismus' und der politischen Haltlosigkeit auf Seiten der SPD-Führung.


19.09.2018

Unterwesterwald, Sommer 2018, nach fast vier Monaten Trockenzeit. Bild oben: meine "Blumenwiese" hinterm Haus. Bild unten: die Pferdeweide nebenan.


17.09.2018

Als im vergangenen Jahr Frankfurt die Spielzeit mit Jan Bosses Inszenierung von „Richard III.“ inmitten der zur Arena umgestalteten Riesenhalle des dortigen Schauspielhauses eröffnete, war das ein weithin wahrgenommener Paukenschlag. Im Staatstheater Wiesbaden geht man das Werk über den mörderischen Thron-Usurpator jetzt bescheidener an: Für die Bühne des Kleinen Hauses hat Ingo Kerkhof Shakespeares Drama fast auf Kammerspieldimension reduziert. Doch die kleine Form braucht hier sehr lange, bis sie ihre Reize ausspielen kann: Erst nach der Pause wird das Trömmelchen richtig gerührt.

Meine Kritik der Wiesbadener Premiere
(3900 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


14.09.2018

Es gibt seit vielen Jahren ein untrügliches Warnzeichen, wenn ich mal wieder dabei bin, abzurutschen in eine ungute Phase der Überarbeitung, des Genervtseins, des Zuvielwollens, des Mangels an Ruhe: Statt nach der ersten dreiviertel Stunde morgendlichen Waldmarsches im Zustand der Stille angekommen zu sein, wälzt das Hirn unaufhörlich berufliche und/oder bedrückende Fragen, kreist um Artikel- und Vortragsprojekte, formuliert Sätze, ja ganze Textabschnitte, sorgt sich um den Weltengang. Dann wird's Zeit, die Bremse zu ziehen.


11.09.2018

Weil ich wegen der kulturellen Terminlage derzeit die Wochenenden durcharbeiten muss, liegen die freien Tage eben mitten in der Woche. Sie ganz wegfallen zu lassen, wie früher oft geschehen, kann und mag ich nicht mehr dulden. Heute also den Tag begonnen, wie ich es liebe: mit behaglichem Frühstück und hernach einem ausgedehnten Waldmarsch. Dabei kam mir eine wahrscheinlich ziemlich alte und eigentlich banale Weisheit in den Sinn, die in der heutigen Gesellschaft indes kaum mehr eine Rolle spielt: Das Leben wird nicht erfüllter, wenn du möglichst viele Erlebnisse hineinstopfst - es wird nur voller.


10.09.2018

Wie die „Kostprobe“ jeweils zum Saisonbeginn am Theater Koblenz eine mehr als 30-jährige Tradition hat, so hat dies auch das Witzeln, wie lange der Abend wohl dauern wird. Wetten werden abgeschlossen. Wer „unter drei Stunden“ tippt, hat noch immer verloren. Gleichwohl war und ist das Haus zu diesem Anlass sehr gut gefüllt. Denn serviert werden da in dichter Folge leckere Häppchen unterschiedlichster Art aus den Produktionen der anhebenden Spielzeit.

Mein Bericht über die diesjährige "Kostprobe"
(4250 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


07.09.2018

Langsam wird mir die Sache unheimlich. Wie sämtliche in den vergangenen Wochen als gewitter- und/oder regenträchtig angekündigten Tiefdruckgebiete, so zog auch das gestrige wieder achtlos über unser Dorf und seine Umgebung hinweg. Nur ein paar wirkungslose Tröpfchen hat es sich abgerungen. Bald vier Monate währt die Trockenzeit hierorts nun schon. Ach, ihr Götter, was habe ausgerechnet ich verbrochen, dass ihr die Meinen am langen Arm verdorren lasst?


06.09.2018

Inzwischen bin ich - aus vermehrt eigener Erfahrung - überzeugt, dass die Natur mit einer gewissen, sich in zunehmendem Alter verstärkenden Art der Vergesslichkeit zwei genau erwogene Zwecke verfolgt: a) Das ständige Suchen nach Schlüssel, Brille, Geldbeutel und anderen Utensilien verschafft dem betroffenen Akteur ein Grundmaß an körperlicher Bewegung; b) es stärkt ihm/ihr die Vertrautheit mit dem nahen Lebensraum. Beispiel: Die Suche nach meiner unlängst verschwundenen Sonnenbrille nötigt mir anhaltend Hunderte von Gehschritten, Bück- und Streckübungen ab, obendrein entdecke ich längst vergessene Ecken im Haus wieder. Ergo: Allzu viel Ordnungsdisziplin ist kontraproduktiv.


04.09.2018

Die erfreulichste Nachricht heute in der Frühstückszeitung: Statt der erwarteten 20 000 bis 30 000 haben 65 000 plus X Menschen an der Konzertkundgebung "#Wir sind mehr - Aufstehen gegen rechte Hetze" in Chemnitz teilgenommen. Das ist ein schönes Signal ins Land, dass die rechtsradikale Bewegung nicht DAS Volk vertritt. Eine der traurigsten Nachrichten dieses Morgens ist für mich: Das brasilianische Nationalmuseum in Rio de Janeiro ist mitsamt dem Gros seiner Bestände Opfer eines Großbrandes geworden. Die Institution war eines der wichtigsten kulturgeschichtlichen Archive, Dokumentations-, Ausstellungs-, Forschungs- und Bildungszentren Lateinamerikas - und wurde in den vergangenen Jahren von gravierenden Sparmaßnahmen gebeutelt, die auch dringende bauliche Sanierungsmaßnahmen betrafen.


03.09.2018

Wie jüngst das Staatstheater Mainz (s.u.), so startete jetzt auch das Theater Koblenz mit einem scharfen politischen Statement in die neue Spielzeit. Die Mainzer wählten für ihre dringliche Warnung vor fortschreitender Zersetzung von Demokratie und Humanismus den Interimsplenarsaal des Landtages und brachten dort Björn Bickers „Das letzte Parlament“ zur Uraufführung. Koblenz ging am Wochenende mit gleicher Absicht einen anderen Weg: Es lud das Deutsche Theater Berlin ein, an zwei Abenden seine Produktion „It Can‘t Happen Here“ zu spielen - über die Machtergreifung Rechtsradikaler via Wahlmehrheit.

Mein Artikel zum Berliner Gastspiel in Koblenz
(4400 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


31.08.2018

Dieses Schauspiel stürzt den Zuseher, zumal den überzeugten Demokraten, in tiefe Nachdenklichkeit. Das Staatstheater Mainz hat für die Uraufführung von Björn Bickers Stück „Das letzte Parlament (Ghost Story)“ einen ungewöhnlichen Spielort gewählt: den realen Plenarsaal des rheinland-pfälzischen Landtages, derzeit wegen Sanierung des Stammhauses untergebracht im Mainzer Landesmuseum. Dort sitzt nun das Theaterpublikum auf Abgeordnetenplätzen und Tribüne – erlebt 90 Minuten schieren Abgesangs auf den heutigen Parlamentarismus.

Meine Premierenkritik hier
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


30.08.2018

Wieder mal grüble ich über ein seltsames Phänomen: Warum lassen sämtliche Elektronikunternehmen - die sich sonst um jeden noch so kleinen Absatzmarkt das wildeste Hauen und Stechen liefern - eine durchaus gute Geschäfte versprechende Marktnische seit jeher völlig unbeachtet? Ich spreche von dem Bedürfnis nach leicht zu bedienenden, einfachen, funktionell auf EINEN zentralen Anwendungszweck konzentrierten Geräten.

Ich spreche von Telefonen, die nichts anderes können müssen, als Anrufen und Angerufenwerden zu ermöglichen. Von Fernsehern, deren Bestleistung darin besteht, dem Zuseher aktuell laufende Sendungen zugänglich zu machen. Von Waschmaschinen, die man nicht programmieren muss, sondern die waschen, wenn man sie einschaltet. Von Kühlschränken, die nur kühlen, und Musikanlagen, die vor allem umstandslos Tonträger abspielen......

Für solche Geräte würde ich gerne Geld ausgeben. Und da ich so furchtbar einmalig nicht bin, dürfte es etliche hunderttausend Gleichgesinnte geben. Das wäre kein Mainstream-Markt, aber doch eine lukrative Nische. Dass kein Unternehmen sich dafür interessiert, liegt womöglich an den auch privat technikbegeisterten Typen in den Entwicklungs- und Marketingabteilungen. Die können sich gar nicht vorstellen, dass es Menschen geben könnte, die keinen Spaß an tagelangem Konfigurieren und Einrichten haben, denen das permanente Herumjonglieren mit dutzenden oder hunderten Funktionsmöglichkeiten allenfalls Verdruss bereitet.


29.08.2018

Würde man der Logik rechtsradikaler, rassistischer, neonazistischer Hassprediger, Migrantenjäger und ihrer Versteher folgen, so müssten auch alle weißen deutschstämmigen Väter und Onkel eingesperrt, fortgejagt oder totgeschlagen werden. Denn unter ihnen gibt es welche, die Kinder quälen und missbrauchen. Ebenso wäre mit allen weißen, deutschstämmigen Ehemännern zu verfahren, denn etliche von ihnen vergewaltigen ihre Frauen. Nach besagter Logik müssten auch sämtliche weißen, deutschstämmigen Frauen gehetzt werden, da immer wieder manche von ihnen ihre Gatten ermorden oder ihre Babys töten.... Doch glücklicherweise steht die Entvölkerung des Landes nicht zur Debatte. Denn noch gelten die zivilisierten Prinzipien des Rechtsstaates. Und der macht nicht auf ganze Bevölkerungsgruppen Jagd, nur weil einige Einzeltäter aus diesen schwere Verbrechen begehen. Er verfolgt vielmehr den tatsächlichen Verbrecher, ahndet ggf. dessen individuelle Schuld. Und das ist gut so.


27.08.2018

Da wird das Gesicht von Elisabeth I. zur Fratze, und sie kreischt mit sich hysterisch überschlagender Stimme: „Sie ist die Furie meines Lebens. Maria Stuart heißt jedes Unglück, das mich niederschlägt.“ In diesem Moment zeigt die englische Königin im Mainzer Staatstheater jene Züge, die sie ihrer schottischen Kontrahentin anhängt uind unterschreibt deren Todesurteil. Wir sind bei Friedrich Schiller und seinem Trauerspiel „Maria Stuart“, uraufgeführt anno 1800 in Weimar, jetzt neu inszeniert als Eröffnungsstück der Mainzer Spielzeit 2018/19.

Meine Premierenkritik hier
(4500 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


26.08.2018

Im Hang zwischen Bundesstraße und Haupteingang zum Arp Museum Remagen-Rolandseck hat der Gartendesigner Peter Berg einen Felsengarten angelegt. Das Areal ist Teil der jetzt eröffneten neuen Ausstellung unter dem Titel „Im Japanfieber. Von Monet bis Manga“. Die Schau erstreckt sich von der Kunstkammer Rau des Museums im Richard-Meier-Bau bis in die Ausstellungsetage des historischen Bahnhofes – und endet oder beginnt eben in besagtem Garten vor der Tür.

Meine Ausstellungsbesprechung hier
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

 


23.08.2018

In Neuwied haben jetzt die Vorarbeiten für eine  sich über den ganzen September hinziehende Kunstaktion begonnen, die schon von der Anlage her außergewöhnlich ist und Spannendes verspricht. Mit Zustimmung, ja im Auftrag des Pfarrers wird mit St. Matthias die größte katholische Gemeindekirche am Ort für das "Projekt ION" mitsamt Kirchenbänken fast völlig ausgeräumt.  Es entsteht eine  19 000 Quadratmeter großer Leerraum. Der steht drei Wochen lang  sechs Künstlern verschiedener Sparten als - jederzeit auch  für die Öffentlichkeit zugänglicher - Inspirationsort, als Kreativwerkstatt, Bühne und Gestaltungsraum zur freien Verfügung. Kunst und Kirche auf neuen Wegen?! Ich sprach im Vorfeld am Ort des Geschehens mit dem ION-Projektleiter, Kaplan Oliver Seis.

Mein Vorbericht "Neuwieder Gotteshaus wird für einen Monat Kunstraum"


22.08.2018

Mit dem heutigen Druck beginnt die Erscheinensspanne für die Septemberausgabe des mittelrheinischen Monatsmagazins "Kulturinfo". Damit kommt zugleich meine dort seit 2005 regelmäßig auf  Seite 2 platzierte launig-glossierende Kolumne "Quergedanken" in Printform wie elektronisch unters Volk. Wieso Erscheinungsspanne und nicht -tag?  Das könnte der interessierte Leser von auswärts fragen. Weil die Verbreitung dieses ältesten Veranstaltungsmagazins am Mittelrhein sich über mehrere Tage hinzieht. Verleger Günther Schmitz fährt zuerst etliche tausend Exemplare des in einer Gesamtauflage von gut 80 000 erscheinenden Heftes höchstselbst zu Verteil-/Auslagestellen wie Kneipen/Cafés, Geschäften, Kulturinstitutionen, Bildungszentren ... Ende August liegt das Heft dann hiesigen Lokalausgaben der Rhein-Zeitung bei. In den "Quergedanken" geht es diesmal um den Trockensommer 2018.

Quergedanken Nr. 163: Klimawandel? Läuft.


21.08.2018

Stecke im Augenblick bis über beide Ohren in der Vorbereitung für eine mehrstündige Veranstaltung bei den Marienberger Seminaren. Am kommenden Samstag (25.08.) werde ich dort (Bad Marienberg/Westerwald) von 10.30 Uhr bis 16 Uhr über die beiden rheinland-pfälzischen Hauptjubilare 2018 sprechen: den Westerwälder Friedrich Wilhelm Raiffeisen und den Trierer Karl Marx - beide geboren anno 1818, beide - auf ganz verschiedene Weise - von der Sozialen Frage umgetrieben.

Infos zur Veranstaltung und Anmeldung hier


20.08.2018

Es kommt nun an Wegrainen, Waldrändern und auf verbliebenen Streuobstwiesen das alljährliche Trauerspiel wieder zur Aufführung: Tonnenweise verderben gute Früchte, weil sie niemand mehr von den Obstbäumen pflückt. Der Tragödie ersten Teil gaben im Frühsommer die Kirschen. Den zweiten Teil geben dieser Tage Zwetschgen/Pflaumen und Mirabellen. Zum Finale folgt alsbald die Fäulnis von Äpfeln und Birnen.

Also, liebe Naturfreunde, Bio- und Gesundköstler, Resilienzanhänger, Selbstversorgungsträumer und/oder Freunde bodenständiger Traditionen: Gehet hin und erntet! Dann esst, backt Kuchen, friert ein, kocht ein, legt ein, saftet, marmeladisiert. Das bringt eine Menge Lebensfreude. ( Vorweg aber fragt Einheimische, Förster, Gemeinden, wem dieser oder jener Baum gehört. Dann fragt den Besitzer, ob sie die Früchte selbst ernten oder euch überlassen wollen. Viele werden froh sein, wenn "jemand das Zeug abmacht".)


14.08.2018

"Aus Liebe zur Musik. Das Musik-Institut Koblenz im Lauf der Zeiten 1808 bis 2018". Unter diesem Titel wird mein 210-seitiges Buch in der letzten Septemberwoche erscheinen. Habe eben die letzte Kontrolldurchsicht der jüngsten Layout-Fassung abgeschlossen - und mich dabei gewaltig am Riemen reißen müssen, das Paket nicht nochmal aufzuschnüren. Alle Autoren kennen wohl das Phänomen: Am Ende meint man immer, dies, das und jenes doch wieder anders und vermeintlich noch besser machen zu können/müssen. Irgendwann allerdings muss Schluss sein. So jetzt bei mir, denn der Drucktermin drückt.


13.08.2018

Doch ja, es wäre mir lieb, wenn der hierorts seit 20 Minuten niedergehende sanfte Schnürlregen einige Tage andauern würde. Man kann förmlich sehen, wie Garten, Wiesen, Wald das viele Wochen entbehrte Nass einsaugen, gierig saufen.


12.08.2018

Während der Zeitungslektüre beim behaglichen Samstagsfrühstück geht mir dies durch den Kopf: Da lässt jemand eine Kaffeetasse fallen. Bald verbreiten nachbarliche Gerüchtemäuler, dieser Jemand habe die ganze Wohnung verwüstet. Im Volksmund nennt man das: Aus einer Mücke einen Elefanten machen. So ähnlich funktioniert der derzeitige Streit um Kindergeldzahlungen des deutschen Staates an im EU-Ausland lebende Kinder, deren Eltern(teile) hierzulande leben/arbeiten.

Die realen Zahlen sagen: Wir sprechen über 1,6 % (sic!) der 15 Millionen Sprösslinge, für die deutsches Kindergeld gezahlt wird. Die allermeisten dieser 1,6% bekommen es völlig zurecht, denn Vater und/oder Mutter arbeiten in Deutschland, zahlen die hierorts üblichen Sätze an Steuern und Sozialabgaben. Was bleibt tatsächlich übrig an vermeintlichem oder kriminellem Kindergeldmissbrauch - 0,2 oder 0,3 %? Der öffentliche Furor indes klingt danach, als habe man es mit Abermillionen Betrugsfällen zu tun. Aus der Mücke ist eine ganze Elefantenherde (gemacht) geworden, die nun vorgeblich durch Deutschlands Sozialsystem tobe wie durch ein Porzellankaufhaus. Irre!

30.07.2018

Meine Sommerpause geht nun leider zuende. Nachzutragen ist die Monatskolumne "Quergedanken", die zwischenzeitlich als Druckversion bereits auf den Markt kam. Es geht in der Folge 162 ums vermeintlich "heilige Blechle", ums Automobil also. Anlass: Ich selbst brauchte ein neues - und stehe nun schier fassungslos vor dem Phänomen, dass sogar dieser Kleinwagen mit einer Unmenge von technischem Firlefanz überrüstet ist, der letztlich vor allem den Autofahrer vom Straßenverkehr ablenkt.

Quergedanken: "Auch weh, ein neues Auto"

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Mit mehr als 2000 Mitgliedern ist der "Förderverein Kultur im Café Hahn e.V."  eine der größten Vereinigungen dieser Art im nördlichen Rheinland-Pfalz - und kann für das Kulturleben am Mittelrhein einiges Gewicht in die Waagschale werfen. 1993 von sieben Stammgästen des Musik- und Kleinkunstclubs im Koblenzer Stadtteil Güls gegründet, feiert der Verein am 1. September seinen 25. Geburtstag mit einem großen Festival auf der Festung Ehrenbreitstein. Im Vorfeld des Jubiläums plauderte ich mit den beiden Vorsitzenden Saskia Scherhag-König und Frank Tiedemann sowie Geschäftsführer Bertin Hahn über Anfänge, Werden und Sein des Vereins.

25 Jahre Förderverein Kultur im Café Hahn


Hier herrscht nun bis 31.7.2018 Betriebsruhe.
Schöne Sommerwochen seien gewünscht.


25.06.2018

Freude! Letzter Schliff am letzten Artikel, dann Schreibtisch räumen und Maschinen abstellen, schnell das Köfferchen packen - und ab geht's für einige Tage heutige Jugendluft schnuppern: Als einer von etlichen Workshopleitern/innen im Seminarlager mit mehr als 200 FSJ-Jugendlichen im Alter vom 17 bis 25. Da bin ich wohl wieder der Alterspräsident, der sich gleichwohl so jung fühlt wie sonst das ganze Jahr nicht.

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Oper Sydney, Guggenheim Bilbao, Elbphilharmonie Hamburg: Drei Beispiele für Großbauten architektonischer Moderne, die heute weltberühmt sind. Jedes gilt seit der Fertigstellung – 1973, 1997 und 2017 – als ein Wahrzeichen seiner Stadt, das kaum noch jemand missen möchte. Die drei zeugen von der Bedeutung, die herausragende zeitgenössische Architektur für ein urbanes Gemeinwesen haben kann. Aber noch eines haben die drei Architekturikonen gemeinsam: Alle waren sie vor Ort auch umstritten. Und das teilen diese Bauten mit weit kleineren in unserer Region: Wann und wo immer heutzutage hierzulande im öffentlichen Raum ein architektonisch auch nur etwas ungewöhnliches Neubauprojekt zur Debatte steht, entwickeln sich sofort teils beträchtliche Widerstände dagegen.

Mein Artikel "An zeitgenössischer Baukunst scheiden sich die Geister" (5200 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


20.06.2018

Bin ganz aufgeregt - wegen jüngster Entdeckungen der Archäologie. Danach sind die ältesten Kunstwerke  und kunsthandwerklichen Schmuckstücke auf Erden zehntausende Jahre älter als bisher angenommen. Sie stammen deshalb, entgegen bisheriger Lehrmeinung,  auch nicht vom europäischen Homo sapiens. Laut einem faszinierenden Artikel von Stefan Klein im gestern erschienen Zeit-Magazin haben der Physiker Dirk Hoffmann (Spezialist für die Altersbestimmung uralter Farben) und der Archäologe Alistair Pike an drei Stellen in Südfrankreich und Spanien kunstvolle Höhlenzeichnungen entdeckt, die mindestens 65 000 Jahre alt sind. Mithin datieren sie auf eine Zeit lange vor dem Eintreffen des Homo sapiens in Europa, und können nur von  Neandertalern angefertigt worden sein.

Unterstrichen  wird diese Entdeckung von Funden des Archäologen Jaoa Zilhao in Portugal: aufwendig gelochte und bemalte Muscheln, derart bearbeitet vor mindestens 115 000 Jahren. Damit dürfte das bisherige Bild vom Entstehen der Kunst in Europa als Eigenart ausschließlich des Homo sapiens vor etwa 40 000 Jahren hinfällig sein. Offenbar verfügte lange vorher schon der vor ca. 30 000 Jahren ausgestorbene Neandertaler über Fähigkeiten und Bedürfnisse, die ihm bisher abgesprochen wurden: das kreative Denken in Symbolen und  den Drang, schöne Dinge herzustellen, auch wenn sie für den praktischen Überlebenskampf nutzlos scheinen.

Die Implikationen dieser Entdeckungen für unser Verständnis von Entwicklung und Wesen der menschlichen Arten sind zahlreich und noch gar nicht alle absehbar. Jedenfalls unterstreichen sie, was wir für den Homo sapiens seit langem annehmen und nun auch für noch frühere Homo-Gattungen annehmen müssen: Die scheinbar so nutzlose Kunst wohnt unserer Spezies-Familie als Urbedürfnis wohl seit den frühesten Tagen inne.


21.06.2018

Eigentlich hätten wir uns gerne zum persönlichen Gespräch in Koblenz getroffen. Zu beider Bedauern blieb die Plauderei anlässlich des bevorstehenden 5. Internationalen Musikfestival Koblenz (IMUKO) schließlich doch aufs Telefon angewiesen. Einen viel gefragten jungen Musiker wie Benedict Kloeckner treffen zu wollen, ist so eine Sache. Bei unserem ersten Fernkontakt hielt sich der Cellist gerade im brasilianischen Sao Paulo auf, gab dort einen Meisterkurs und hatte vor großer Kulisse einen Auftritt mit Schostakowitsch‘ Konzert für Cello und Orchester. Beim zweiten Mal erreichte ich ihn in London, wo er sich mit einem zeitgenössischen Komponisten traf. Zuletzt rief Kloeckner aus seiner Berliner Wohnung an. Da sprachen wir ein knappes Stündchen miteinander, bevor er weiter musste zu Proben in Dresden.

Mein Artikel hier


20.06.2018

Herantasten an sommerpausige Slowmotion. Ein letzter Recherchetermin, ein letzter Artikel. Ab Montag dann für ein paar Tage in den "Jungbrunnen" = arbeiten, leben, feiern mit mehr als 240 Jugendlichen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) bei ihrer kulturellen Seminarwoche zum Abschluss desselben. Anschließend eintauchen in jenen Zustand, den man früher mit dem schönen Wort "Betriebsruhe" belegte.


16.06.2018

„Liliom“ handelt von einer Liebe, die wir heute kaum als solche erkennen mögen: Der Mann geht lieblos mit seiner Frau um, schlägt sie gar. Das 1909 von Ferenc Molnár geschriebene Stück weist ihm die Rolle des kernigen Tunichtgut zu. Hans Albers hatte den Jahrmarktsausrufer mehr als 1000 Mal gespielt und die Figur lange geprägt. Die junge Ehefrau Julie wurde meist als zartes liebliches Wesen gezeichnet. In Thomas Jonigks Inszenierung am Staatstheater Wiesbaden ist das jetzt etwas anders.

Meine Premierenkritik hier
(3600 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


15.06.2018

Wann immer, wo immer, wie immer über "Flüchtlingspolitik" gestritten, gezankt, gezetert wird, kommt mir dieser Gedanke: Auf längere Sicht ist eine gänzlich dem Primat der Fernhaltung von Flüchtlingen/Migranten verschriebene Politik sowieso objektiv zwecklos. Und zwar so lange, wie nicht Bekämpfung der Flucht- und Migrationsursachen ins Zentrum aller Bemühungen rückt - wovon derzeit nicht mal im Ansatz die Rede sein kann. Denn dass Menschen Krieg, Elend, Perspektivlosigkeit, Verfolgung, Unterdrückung zu entfliehen trachten und dabei letztlich auch immer Wege finden, ist quasi ein Naturgesetz seit ewigen Zeiten.

                                                    ***

Fußball-WM, Deutschland vs. Mexiko: Die schlechter spielende Mannschaft hat verloren. Punkt. Was mir aber wirklich auf den Keks geht: Digital bewegte Flimmerkisten-Bandenwerbung. Demnächst werden dann wohl rund ums Fußballfeld in stetem Wechsel vollständige Werbespots abgespielt und bald darauf ganze Spielfilme mit Produktplacement. Absurd.


14.06.2018

Ausnahmezustand. Der Start des weltweit wohl meistbeachteten  Ereignisses in diesem Sommer und der lokale Drucktermin für das Magazin, in dem meine Monatskolumne "Quergedanken" schwarz auf weißem Papier veröffentlicht wird, liegen leider himmelweit auseinander. Weshalb ich mich entschieden habe, den Text diesmal gut eineinhalb Wochen früher als gewöhnlich ins Netz zu stellen. Es wäre zu schade, würde er erst Ende Juni erscheinen - dann aber womöglich die Fußball-WM nur noch ein deutsches Volkstrauerthema sein. Man weiß ja nie, wie's kütt.

"Quergedanken" 161: Wenn einer eine Reise tut
(freier Lesetext)


11.06.2018

Die Burgfestspiele Mayen mimen eine Gerichtsverhandlung. Sechs Akteure, fünf Stühle, ein Stehpult: Mehr braucht Daniel Ris' in fabelhaft kleinem, aber genauem Gestus gespielte Inszenierung nicht, um mit dem Schauspiel „Terror“ und dessen Fragen nach Moral, Recht, Schuld das Publikum in Hochspannung zu versetzen. 2015 hatten das Schauspiel Frankfurt und das Deutsche Theater Berlin den Theatererstling des Strafverteidigers und Schriftstellers Ferdinand von Schirach zeitgleich uraufgeführt. Danach wurde er zum Dauerbrenner auf zahllosen Bühnen und im TV, wurde Streitgegenstand in der Öffentlichkeit wie unter Juristen.

Meine Premierenkritik
(4200 Anschläge, kostenpflichter RZ-Text, 49 Cent)

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Gestern tauchte mal wieder die wohl ewig unvermeidliche Frage an den Kulturkritiker auf: Hast du die Kunst, über die du urteilst, denn jemals selbst ausgeübt? Konkret ging es diesmal ums Ballett. Antwort: Nein, ich habe nie selbst getanzt oder choreografiert - habe auch noch nie ein Klassikorchester dirigiert (nur zeitweise einen Spielmannszug und zwei Laienchöre), habe nie eine Sinfonie komponiert, einen Roman geschrieben oder einen Film gedreht. Meine eigene praktische Schauspielerfahrung beschränkt sich auf drei Nebenrollen und zwei Inszenierungen im Amateurtheater während der Gymnasial- und Studentenzeit.

Obwohl ich Musik und Germanistik für Lehramt studierte, eine (bescheidene) praktische Grundlagenausbildung für sechs Musikinstrumente genoss (teils erlitt) und mir über die Jahre Tausende Theateraufführungen, Konzerte, Romane/Gedichtbände, Filme, Kunstausstellungen etc. einverleibt habe: Wie wohl die meisten meiner Kritikerkollegen/innen verstehe ich mich noch immer primär als Teil des Publikums - als leidlich überdurchschnittlich informierter und inzwischen ziemlich erfahrener Rezipient. Man könnte auch sagen "kritischer Konsument" und sich beziehen auf Gotthold Ephraim Lessings berühmten Satz hinsichtlich der Legitimation des Kritikers: "Ich muss die Suppe nicht kochen können, um zu beurteilen, ob sie schmeckt."

Was das Ballett angeht, so wurde ich in diese Sparte Anfang der 1990er wider Willen hineingespült, als Krankheitsvertretung für die damalige Tanzkritikerin der Rhein-Zeitung. Die Erstbegegnung mit der Tanzkunst lief ausgerechnet über das Avantgardeballett des William Forsythe damals in Frankfurt. Ich begriff zuerst gar nichts - war dennoch gleich am ersten Abend fasziniert von der Ästhetik und den Ausdrucksmöglichkeit des Tanzes. Auge und Verständnis für diese Kunst wurden dann anfangs geschult durch besonders häufige Live-Begegnung mit Arbeiten vor allem von Forsythe, van Manen, Pina Bausch, Jochen Ulrich, Amanda Miller und Martin Schläpfer sowie dem zeitgleich in Koblenz (Taylor), Wiesbaden (Cauwenbergh) noch gepflegten klassisch-romantischen Stil. Heute darf ich bekennen: Unter allen Künsten ist die Tanzkunst wohl die größte Liebe meiner späten Kritikerjahre geworden.


10.06. 2018

Bei den meisten Ballettcompagnien in Deutschland sind sie längst Tradition: Abende, für die sich Tänzer/innen im Choreografenfach versuchen. „50°N7°O“ nennt sich das Nachwuchs- und Expertimentierformat am Theater Koblenz.
„Vielfalt“ heißt das weite Motto diesmal. Vier Compagniemitglieder haben es für vier völlig verschiedenartige Tanzstücke aufgegriffen - von denen zwei sich durch eine überraschende Reife im Umgang mit zeitgenössischer Ballettstilistik auszeichnen.

Meine Premierenbesprechung
3800 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


09.06.2018

Hinweis für Leute im Nahraum Westerwald/Koblenz, die auf hochpolitische Krimis stehen: Mein alter Freund Wolfgang Schorlau kommt im Rahmen der Westerwälder Literaturtage für eine Lesung aus seinem 9. Dengler-Krimi "Der große Plan" nach Hachenburg. 18. Juni, 19.30 Uhr, Pfarrsaal Kath. Kirchengemeinde.  -> Weitere Infos


07.06.2018

Im überregionalen Teil der heutigen Rhein-Zeitung wird gleich an drei Stellen Friedrich Wilhelm Raiffeisen behandelt.  Auf einer Extra-Seite ist ein großes Interview zu lesen mit Theresia Theurl, Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen der Uni Münster. Die Seite "Schönes Wochenende" gibt Ausflugstips zu Raiffeisens Wirkorten im Westerwald. Auf der Kulturseite schließlich steht meine Besprechung der am 13. Juni eröffnenden Ausstellung "Tradition Raiffeisen - Wirtschaft neu denken" im Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein. Der besonders hohe Aufmerksamkeitsgrad dieses Blattes für den vor 200 Jahren geborenen Genossenschaftsbegründer liegt auf der Hand: Raiffeisens Heimat und Wirkungsraum Westerwald gehört zum Erscheinungsgebiet der Zeitung.

Meine Besprechung der Raiffeisen-Ausstellung
4500 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


04.06.2018

Sie ist in Deutschland einer der größten Museumsneubauten jüngerer Zeit: die an diesem Wochenende eröffnete neue Kunsthalle Mannheim. Erstaunlich: Nach nur dreijähriger Bauzeit blieb das Großprojekt mit 68,3 Millionen Euro Baukosten punktgenau im vorgesehenen Rahmen. Weniger erstaunlich: Der Modernebau gleich neben dem Mannheimer Wahrzeichen Wasserturm war in der Bevölkerung umstritten. Doch nun ist der rechteckige Doppelkubus seiner Bestimmung übergeben. Und bei der Erstbegehung kommen wir zu dem Ergebnis, dass der Komplex architektonisch wie inhaltlich eine bemerkenswerte Bereicherung für die Museumslandschaft nicht nur im Südwesten darstellt.

Mein Artikel zur neuen Kunsthalle Mannheim
5800 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


03.06.2018

„Ein Tanzstück für Jugendliche ab 12 und ihre Fans“ – so ist die jüngste Produktion des Hessischen Staatsballetts angekündigt. „Fake“ (Fälschung) heißt die 70-minütige Choreografie von Compagniechef Tim Plegge, in der es um den Ausnahmezustand der Pubertät, nicht zuletzt um die sexuelle Selbstfindung in dieser Jugendzeit gehen soll. Eine hübsche Arbeit, die allerdings wenig weiß von den dramatisch zwiespältigen, den auch subversiven und renitenten Kräften des Frühlingserwachsens, vom Seele und Leib durchschüttelnden stürmischen (Trieb-)Drängen bei zugleich bodenloser Unsicherheit.

Meine Premierenkritik
3600 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


01.06.2018

Zum Abschluss der Artikelserie anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx in der Rhein-Zeitung, zu der ich mehrere Texte beisteurn durfte, richtet sich der Blick auf eine kleine, je nach Ausgabe nur 40- bis 50-seitige Schrift: das  „Kommunistisches Manifest“ – die neben der Bibel meistgedruckte Publikation in der bisherigen Menschheitsgeschichte. Der von Marx und Friedrich Engels gemeinsam verfasste Text wurde seit seinem Erscheinen 1848 in mehr als 100 Sprachen übersetzt und 2013 ins Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen. Das Erstaunlichste an dieser Schrift ist: Die im ersten Teil vorgenommene Analyse des Zustands der Welt und ihrer Entwicklung liest sich streckenweise wie eine Beschreibung heutiger Verhältnisse.

Mein Artikel zum Kommunistischen Manifest
(6000 Anschlage, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

Zum Abschluss der Artikelserie anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx in der Rhein-Zeitung, zu der ich mehrere Texte beisteurn durfte, richtet sich der Blick auf eine kleine, je nach Ausgabe nur 40- bis 50-seitige Schrift: das  „Kommunistisches Manifest“ – die neben der Bibel meistgedruckte Publikation in der bisherigen Menschheitsgeschichte. Der von Marx und Friedrich Engels gemeinsam verfasste Text wurde seit seinem Erscheinen 1848 in mehr als 100 Sprachen übersetzt und 2013 ins Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen. Das Erstaunlichste an dieser Schrift ist: Die im ersten Teil vorgenommene Analyse des Zustands der Welt und ihrer Entwicklung liest sich streckenweise wie eine Beschreibung heutiger Verhältnisse.

Mein Artikel zum Kommunistischen Manifest
(6000 Anschlage, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


30.05.2018

Man muss in Koblenz und am Mittelrhein keinem mehr erklären, dass auf der Festung Ehrenbreitstein stets allerhand geboten ist. Festivals, Konzerte, Vorträge, Erlebnisevents für jede Altersklasse sowie Dauer- und wechselnde Sonderausstellungen machen das einstige Preußenbollwerk zu einem Ort ebenso des Vergnügens wie der lehrreichen Information. Auf Letzteres sei im Folgenden das Augenmerk gerichtet, namentlich auf zwei große Sonderausstellungen, denen über 2018 hinaus Bedeutung zukommt. Da wäre, erstens, die Präsentation „vorZEITEN – Landesarchäologie Rheinland-Pfalz“. Mitte Mai eröffnet, bietet sie eine Zeitreise durch die hiesige Geschichte vom Urozean bis ins Mittelalter. Da wäre, zweitens, die am 13. Juni startende Ausstellung „Tradition Raiffeisen: Wirtschaft Neu Denken“. Sie knüpft an den diesjährigen 200. Geburtstag Friedrich Wilhelm Raiffeisens und dessen Genossenschaftsidee an.

Meine Ausstellungsbesprechung
(freier Lesetext, 6100 Anschläge)


29.05.2018

Man mag zur seltsamen Koalition aus 5-Sterne und Lega stehen wie man will: Was in Sachen Italien derzeit exerziert wird oder besser gesagt: das Exempel, das da statuiert wird, zeugt vom quasi direkten Durchgriff des Finanzkapitals auf die italienische Demokratie. Begleitet von einer unglaublichen Propagandakanonade neoliberaler Vor- und Nachbeter, Auguren und Bedenkenträger in Politik, Wirtschaft, Finanzwesen und Medien Europas wird da umstandslos ein Ergebnis freier Wahlen einfach in den Staub getreten. Und wir sehen beklommen die Staatspolitik am langen Arm der Börsen, Banken und Mogule gehen.


28.05.2018

Angriff der Unterirdischen. Von drei Seiten nehmen sie mich in die Zange. Erkennbar an zahllosen hügelförmigen Erdaufschüttungen treiben sie Höhlen-und Bunkersysteme ihres Dunkelreiches a) Jungpflanzen unterpflügend quer durch den Gemüsegarten, b) verstopfend den Regenflutgraben entlang der Grundstücksgrenze und c) unterminierend in die Hauswiese rund ums Holzlager. Die alten Quälgeister, Wühlmäuse, sind ausgewandert; den Freiraum erobert nun: Talpa europaea, der Maulwurf - eine blinde, fleischfressende, unermüdliche Grabemaschine. Mein Waffenschrank bleibt geschlossen, Gegenwehr scheint sinnlos, für jeden abgetragenen Hügel entstehen sofort zwei neue. Ich nehme das Treiben der talpae positiv als Lockerungskampagne für den Erdboden (hin), hoffe auf nachherige Abwanderung der Unteriridischen - und betreibe Rasenmähen bis dahin als Slalomsport. umpf.


27.05.2018

Mainz/Eltville. Das Staatstheater Mainz ist für seine jüngste Tanzproduktion in die ländliche Sommerfrische gezogen. Es lädt das Publikum zur Vorstellung in den Rheingau. „Small Places“, kleine Plätze, heißt der 90-minütige Abend, den das Choreografenpaar Guy Weizmann und Roni Haver mit der Compagnie von tanzmainz eigens fürs ehrwürdige Kloster Eberbach erarbeitet hat. Im Laienrefektoriums und im Kapitelsaal kommt es zur mal befremdlichen, mal hinreißenden Uraufführung des zweigeteilten Werkes.

Meine Besprechung der Premiere am Samstag
(3900 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


25.05.2018

Dass dies Unterfangen ziemlich irrwitzig ist, war von vornherein klar: Auf 200 Zeitungszeilen das Wesentliche von Karl Marx Hauptwerk "Das Kapital"  möglichst allgemeinverständlich vorstellen zu wollen. Reduktion war angesagt, Konzentration auf zwei oder drei - zudem extrem verkürzt dargestellte - Kernaspekte. Ich habe für meinen heutigen "Kapital"-Beitrag zur Marx-Serie der Rhein-Zeitung die Mehrwert-Analyse ins Zentrum gestellt.  Andere Autoren hätten womöglich andere Aspekte gewählt. Aber so oder so kann jeder Zeitungsartikel wohl doch nur ein flüchtiger Blick auf diese nach wie vor bedeutsame wissenschaftliche Grundlagenanalyse der kapitalistischen Wirtschaftsweise sein.

Mein Beitrag über "Das Kapital" von Karl Marx
(6100 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent) 


24.05.2018

Auch wenn das Wetter örtlich wieder allerhand katastrophische Kapriolen schlägt, so stecken wir im Großenganzen doch überwiegend mit Freude im genussreicheren Sommerhalbjahr. Eigentlich wollte ich diesem angenehmen Umstand die aktuelle Folge 160  meiner Monatskolumne "Quergedanken" widmen. Doch hat ein grantelnder Einwurf von Freund Walter dem Text schließlich eine etwas andere Richtung gegeben.

Quergedanken 160: Sommer in Stadt und Land. Geil!
(freier Lesetext) 


23.05.2018

Eben sehe ich: Philip Roth ist 85-jährig gestorben. Er war ein ganz Großer der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Sein Roman "Der menschliche Makel" gehört zu den besten, wichtigsten und bewegendsten Lektüren in meiner zweiten Lebenshälfte. Ich war nicht so oft einer Meinung mit Marcel Reich-Ranicki selig. Dass aber zuvorderst Roth hätte den Literaturnobelpreis bekommen müssen, darin hatten sich unsere Kommentare so manches Jahr gedeckt. RiP Philip Roth


22.05.2018

Der Pfingstgeist meinte: "Steig mal wieder auf die Waage!" Ich folgte. Und siehe, das sonst so verlogene Maschinchen sprach diesmal wahr: 93. Damit hätte ich seit Jahresbeginn rund 10 Kilo abgenommen, läge nur noch 5 über meinem langjährigen Wohlfühlgewicht. Und das ganz ohne brachiale Ernährungsumstellung oder Trainingsfolter. Einfach so: An 4 von 7 Tagen das Kuchenstück/Teilchen zum Nachmittagskaffee weggelassen und die Zuckersüßhappen am Spätabend hälftig durch Nüsse und Obst ersetzt. Dann, wohl das Wirkunsvollste: Reaktivierung eines Prinzips, dem ich bis 2016 über fast drei Jahrzehnte gefolgt war = an 5 Tagen die Woche mindestens je eine Stunde schweißtreibende körperliche Arbeit oder eine entsprechende sportive Betätigung (letzteres ist bei mir in der Regel ein strammer Waldmarsch). Wohlfühlgewicht ist das Ziel der Operation, denn hübsch genug bin ich mir ja sowieso. Und das Schöne daran: Für den Selbstversorgungsanteil unseres Hausstandes bringt das allerhand, für mich obendrein jede Menge Spaß an der Freud und von puristischer Selbstquälerei findet sich kaum eine Spur.


18.05.2018

Im Rahmen der Rhein-Zeitungs-Serie über Leben und Werk von Karl Marx heute mal etwas Ungewöhnliches: Eine persönliche Erinnerung an meine Erstbegegnung mit dem Marx-Oeuvre anno 1970. Es war ein Fiasko. Denn als 15-jähriger hippiesk-antiautoritärer Jüngling hatte ich mir in maßloser Selbstüberschätzung bei völliger Ahnungslosigkeit zur Einstiegslektüre ausgerechnet erkoren: "Das Kapital". Wie kommt ein Bub auf solch eine Idee? In meiner damaligen Heimatstadt, dem studentenbewegten Heidelberg, wurde seinerzeit immer und überall über Marx gesprochen/gestritten. Da wollte ich wissen, was es mit dem Kerl auf sich hat - und scheiterte im ersten Anlauf kläglich, sein "Hauptwerk als Originaltext" lesen zu wollen.

Zum Zeitungsartikel "Wie ich als 15-Jähriger an Karl Marx scheiterte"
6200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


17.05.2018

Jüngst saß ich mit einigen Leuten beisammen, die alle als aufgeklärte, weltoffene Demokraten gelten dürfen - die indes reihum (von mir abgesehen) zu deutlich gehobenen Einkommensklassen gehören. Wir plauderten querbeet über Politik, den Zustand der Welt, Alltag und Soziales. Und wieder mal fiel mir auf: Weltwahrnehmung und Lebenshaltungen wohlhabender Mitmenschen unterscheiden sich vielfach beträchtlich von denjenigen sozial weniger gut und sicher gestellter Zeitgenossen. Was mich in der Ansicht bestärkt hat: Wer Wein trinkt, soll nicht Wasser predigen. Oder: Wer sich um sein Auskommen keine Sorgen machen muss, sollte sich bei Urteilen über weniger Bemittelte und Armut tunlichst zurückhalten.


10.05.2018

Für alle Vatertagsausflüger tut es mir ja leid. Sonst aber ist die heutige regennasse Unterbrechung der Frühhochsommertrockenzeit ein Segen. Die Luft mal durchgeputzt, Erde und Pflanzen bewässert, die seit zwei Wochen schon leeren Regenfässer wieder gefüllt. Prima.


08.05.2018

Gestern im Fernsehen etwas gelernt über den jüngsten Stand der wissenschaftlichen Forschung in Sachen Pollenallergie. Daraus ließe sich die Gesetzmäßigkeit ableiten: Die Natur macht die Menschen stetig kränker, weil die Menschen die Natur krank machen. Der Befund: a) Die Pollensaison beginnt immer früher und dauert immer länger; b) vor allem im urbanen Umfeld steigt die Pollenmenge drastisch an und werden die Pollen in ihrer Chemie deutlich aggressiver. Die Ursachen: ad a) Klimawandel; ad b) Reaktion der Pflanzen auf Einwirkung erhöhter Luftkonzentrationen von CO2, Stickoxiden und Ozon.


07.05.2018

Schreibt mir das heutige Horoskop der Frühstückszeitung doch diesen ehrenwerten Satz aufs Panier: "Auch wenn Ihre Beschäftigung mit höherem Wissen nicht auf einhellige Begeisterung stößt, sollten Sie sich nicht von Ihrem Weg der Weisheit abbringen lassen." Ergo: Erstens liege ich bei der aktuellen Befassung mit Karl Marx wohl richtig; und zweitens scheint es ein weiser Entschluss, jetzt zwecks Verschnaufen und Batterienaufladen mal ein paar Vertrödeltage einzulegen.

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Mit einem aufrührenden Ausrufezeichen zum Saisonschluss entließ das Koblenzer Musik-Institut am Wochenende sein Publikum in den Sommer. Beglückung, Gänsehaut hier, gar ein Tränchen da. „Das große Tor von Kiew“, finaler Teil von Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, setzte mit seiner zu Herzen gehenden, jubilierend-harmonischen Klangpracht (hier in der Orchestrierung von Maurice Ravel gegeben) den Anrechtskonzerten des Instituts 2017/18 den rechten Schlussakkord. Denn es war eine starke Spielzeit.

Meine Konzertbesprechung
3700 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent

                                                      ***

Es ist nicht ohne Risiko, Tony Kushners Schauspiel „Engel in Amerika“ von 1991 heute auf die Bühne zu bringen. Noch bei der Koblenzer Erstaufführung 1997 lag über dem Stück die reale Drohung: Fast jede Aidsdiagnose ist ein sich zeitnah vollstreckendes Todesurteil. 21 Jahre später muss die jetzige Neuinszenierung am Theater Koblenz ohne diese das Publikum umtreibende finale Brisanz in der Wirklichkeit auskommen. Es ist dennoch ein weithin sehenswerter Abend von bleibender Relevanz herausgekommen.

Meine Premierenkritik
4300 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


05.05.2018

Am 5. Mai 1818, also heute vor 200 Jahren, wurde in Trier Karl Marx geboren. Aus diesem Anlass beleuchten dort mehrere - allesamt sehenswerte - Ausstellungen dessen Leben und Werk. In der Rhein-Zeitung ist heute auf einer Marx-Sonderseite meine Besprechung der Hauptausstellung zum Werk im Rheinischen Landesmuseum abgedruckt

Ausstellungsbesprechung
(6300 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent).

Beigefügt ist dort mein Kommentar "Marx neu zu denken - das ist notwendig", aus dem ein paar Passagen hier zitiert seien:

"Wo immer der Name Karl Marx fällt, tauchen sofort auch zwei Reflexe auf: vehemente Ablehnung und vorbehaltlose Verehrung. Beide behindern eine angemessene Befassung mit dem vielschichtigen Werk eines der bedeutendsten Denker des 19. Jahrhunderts. (...)

Leider wissen viele Marx-Gegner oft herzlich wenig bis gar nichts über das Werk des Angefeindeten. Stattdessen wird Karl Marx quasi persönlich dafür verantwortlich gemacht und abgeurteilt, was im Jahrhundert nach seinem Ableben unter dem Etikett „sozialistisch“ oder „kommunistisch“ alles verbrochen wurde.

Das ist eine etwas eigentümliche Position. Niemand käme auf die Idee, etwa den Erfinder Rudolf Diesel für den VW-Dieselskandal verantwortlich zu machen oder Martin Luther für den Dreißigjährigen Krieg. Keiner würde den Verfassern des Neuen Testaments oder gar Jesus Christus selbst die Schuld an den Metzeleien der Kreuzzüge und der Hexenverfolgung zuschieben. Dem Karl Marx indes wird angelastet, dass Lenin, Stalin, Mao Tse Tung, Pol Pot, die nordkoreanischen Kim-Diktatoren oder Ulbricht, Honnecker und Co. sich auf ihn beriefen.(...)

Unter dieser Last, für die der Mann aus Trier nichts kann, ist das Marx‘sche Originalwerk fast völlig verschüttet worden. Sollten die Ausstellungen und Veranstaltungen jetzt zum 200. Geburtstag es so weit von diesem Schutt befreien, dass eine sachlich-kritische Auseinandersetzung mit dem Ouevre selbst wieder möglich wird: Es wäre ein Gewinn für das Geistesleben der Gegenwart – nicht zuletzt als interessanter Impuls für die Diskussion darüber, was warum am globalen Turbokapitalismus heute falsch läuft und eventuell dagegen getan werden kann. "


02.05.2018

Eine kleine, feine, sehr kluge Produktion kam jetzt auf der Probebühne 2 des Theaters Koblenz zur Premiere. Uraufgeführt wurde der Auftragstext "Das 20. Jahrhundert in Kartons" von Jungautorin Deborah Kötting. Bühne und Zuschauerraums sind eins. Man sitzt in der Wohnzimmerwohnung einer verschwundenen Greisin, zwischen deren über das gesamte zurückliegende Jahrhundert angesammeltem Mobiliar und Krimskrams - und sinniert über das, was drei Schauspieler aus dem Krempel an vergangenem bis eben jetzt vergehendem Denken, Tun, Erleben herausziehen. Die 95 Spielminuten werfen mit ihrer geradezu intim ausgestalteten Betrachtung des 20. Jahrhunderts zugleich die größten Fragen für das 21. auf.

Meine Premierenbesprechung
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

30.04.2018

Es sind heute und übers Wochenende in unterschiedlichen Medien mehrere Artikel von mir erschienen. Der Nachruf auf Ruth A. Duchstein sowie der Beitrag über das gemeinsame Leben von Jenny und Karl Marx wurden hier bereits angezeigt (s.u.). Vier weitere Veröffentlichungen sind noch nachzutragen, was  an dieser Stelle nun  Zug um Zug geschehen soll (s.u.).

Den Anfang macht die Folge 159 meiner Monatskolumne "Quergedanken". Der schon vor zwei Wochen geschriebene Text unter  der Überschrift "Meine Bücher sind ein Teil von mir"  handelt von dem regelmäßig wiederkehrend Problem überquellender Bücherregale.

Quergedanken Nr. 159
(freier Lesetext)

                                                ***

Vom Dach des Mainzer Staatstheaters lugt der gewaltige Kopf eines Riesen und schaut grimmig über das Zentrum der Landeshauptstadt. Drinnen im großen Haus reichen seine Beine hinunter bis auf die Bühne, flankieren als überdimensionale Säulen aus archaisch göttlichem Urgrund die Menschenwelt. Dort beginnt mit einem kleinen Puppenspiel zwecks Vergnügung des burgundischen Königshofes eine gut dreieinhalb Stunden währende Tragödie: die bekannte Nibelungensage, von Jan-Christoph Gockel inszeniert nach Friedrich Hebbels 1861 uraufgeführtem Trauerspiel. Ein bemerkenswerter Theaterabend - über das fragwürdige Heldentum einer "edlen" Bagage von Umsympathen.

Meine Premierenbesprechung
(4400 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

                                                ***

 

So ist es Tradition: Jeder Jahrgang der Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Balmoral in Bad Ems und des Landes Rheinland-Pfalz präsentieren ihre Abschlussarbeiten mit einer gemeinsamen Ausstellung im Arp Museum Remagen-Rolandseck. Für ihre am Sonntag eröffnete Präsentation haben die 15 Stipendiaten 2017/18 den Titel „Es dauert. Es ist riskant. Es bleibt womöglich für immer“ formuliert.
Das Motto passt zu vielen Prozessen in der Kunst. Er passt besonders gut zum Umgang mit einem der ältesten Materialien des menschlichen Kunstschaffens überhaupt: dem Ton. Die kreative Auseinandersetzung mit der Keramik war den für einige Monate im Schloss Balmoral weilenden Künstlern der jüngsten Generation als Leitthema gestellt.

Meine Ausstellungsbesprechung
4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

                                                ***

Das Ausstellungsjahr hatte im Ludwig Museum Koblenz mit Fotokunst von Stephan Kaluza über die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur begonnen. Die sich anschließende und noch bis 20. Mai laufende Ausstellung „Aqua Shock“ bleibt bei der Fotografie und auch beim Thema: Das Modernemuseum am Deutschen Eck zeigt über zwei Etagen großformatige Aufnahmen des Kanadiers Edward Burtynsky. Bis zum Jahresende werden u.a. Einzelpräsentationen zum Schaffen  Shao Fan, John Chamberlain sowie Pierre Soulages folgen. im Sommer richtet sich das Augenmerk auf ein Sonderprojekt unter dem Titel „Confluentes III – Grenzen aufbrechen“, bei dem  mehrere Künstler ihre Positionen zum Thema im Museum, in der Stadt, in der Seilbahn und am Kaiserdenkmal am Deutschen Eck aufzeigen werden. Das Gespräch mit Museumdirektorin Beate Reifenscheid kommt auch auf deren derzeitiges Engagement als Präsidentin des deutschen Komitees beim Internationalen Museumsrat ICOM.

Das Ausstellungsjahr im Ludwig Museum Koblenz und mehr

(freier Lesetext)


28.04.2018

Eine großartige Literaturvermittlerin, wunderbare Persönlichkeit und warmherzige Freundin ist gestorben: Die  Koblenzer Buchhändlerin Ruth A. Duchstein erlag am Mittwoch 61-jährig ihrer schweren Krankheit.

Ein kleiner Nachruf hier


27.04.2018

Karl Marx auf allen Kanälen. Und in Trier fiebert man dem Start der Ausstellungs- und Veranstaltungskampagne am 5. Mai entgegen, dem 200. Geburtstag des weltweit berühmtesten, wenn auch nicht beliebtesten Sohnes der Moselstadt. Derweil studieren in Bad Kreuznach die Amateure des Nahe Theaters ein Stück namens "Karl und Jenny - 175. Hochzeitstag" ein. Denn am 19. Juni 1843 sind die beiden ebendort den Bund fürs Leben eingegangen. Ein Bund, dessen Bedeutung für das Marx'sche Schaffen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Dazu mein Beitrag "Jenny Marx - Ein Leben mit und für Karl"  im Rahmen der Marx-Serie der Rhein-Zeitung
6000 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


23.04.2018

Das Theater Koblenz hat einen ansprechenden Ballettabend herausgebracht. Für den hat sich Tanzchef Steffen Fuchs von Homers "Odssee" zwar inspirieren lassen, erzählt indes nicht die antike Storie als Handlungsballett nach. Zwei Teile - "Die Irrfahrten" und "Die Heimkehr" -, zwei grundverschiedene Choreografien und Tanzstile: einer streng neoklassisch, der andere sehr gefühlig in freierer zeitgenössischer Manier.

Meine Premierenbesprechung
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


16.04.2018
Wie der mächtige Gonzaga vor dem anfangs geschlossenen, gewaltigen Eisernen Vorhang des Schauspiels Frankfurt hin und her schlurft, erscheint er von Statur und Charakter als kleiner und lächerlicher Mann. Der Prinz suhlt sich in vermeintlich unsterblicher Liebe zu einer Bürgerstochter. Zugleich bejammert er weinerlich seine Unentschlossenheit, wie die schöne Emilia zu gewinnen sei. Zur Premiere kam am Wochenende Lessings „Emilia Galotti“. Das Trauerspiel von 1772 beginnt hier als Schmunzeln machende Humoreske und endet anders als geschrieben.
Meine Premierenkritik
(4000 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

 


12.04.2018
Morgengedanken:
Alt geworden / und des langen Kämpfens müde / sieht er eine Welt, / die all jene Unvernunft immerfort wiedergebiert / derentwegen wir einst die Stiefel schnürten. // In der Ecke steht dies Schuhwerk, / abgetragen und spröde das Leder / nach so vielen Jahren. / Doch da die Sohlen noch fest sind, / greift er mit einem Seufzer / zu Fett und Bürste.

11.04.2018
Prima Kurzkommentar des hochverehrten Kollegen Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung über die Trierer Karl-Marx-Statue.

10.04.2018
Mein privates Fitness- und Meditationscenter. Die Geräte werden heute abgebaut, denn die Holzernte 2018 ist eingebracht und der Holzvorrat für die nächsten beiden Winter ofenfertig zur Erreichung des idealen Trocknungsgrades aufgestapelt. Und jetzt geht's an den Gemüsegarten.

04.04.2018
Es ist bisweilen ein Kreuz mit der sprachlosen Tanzkunst, die heutzutage kaum mehr Geschichten darstellt, sondern von Gefühlen, Assoziationen, Mechanismen des Daseins handelt. Da kann schon die Formulierung eines Stücktitels zum Problem werden, wenn Worte nicht fassen können, was der Tanz meint. Das Hessische Staatsballett hat unter dem völlig beliebigen Titel „Kreationen“ einen zweiteiligen, zweistündigen Abend von zwei Choreografen herausgebracht – der den Eindruck gekonnt und hübsch bis schön getanzter, aber unlösbarer Rätselei hinterlässt.
Meine Besprechung der Wiesbadener Premiere
(3600 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

02.04.2018

Es ist zum Narrischwerden: Die kulinarischen Osterbräuche jedweder mir bekannten Traditionslinie werfen meine leibliche Frühjahrsertüchtigung wieder mal um Wochen zurück.
 

30.03.2018

Wer war der wichtigste, bedeutendste, größte Künstler aller Zeiten in dieser oder jener Kunstsparte? Fragt man so kunstsinnige Menschen oder Kunstschaffende, gibt es tausenderlei Nennungen - aber zugleich doch signifikante Häufungen bei ganz wenigen Namen. Für die Musik landet mit weitem Abstand ganz vorne Johann Sebastian Bach, was die "Zeit" diese Woche mit einem wunderbaren Dossier unterstreicht. Über den "Alten aus Leipzig" hatte Mozart quasi stellvertretend für alle nachgeborenen Komponisten gesagt: "Bach ist der Vater, wir sind die Buben. Wer von uns was Rechtes kann, hat's von ihm gelernt."

Ähnlich verhält es sich beim Schauspiel. Dort fällt William Shakespeare die Rolle des dramatischen Gottvaters zu. In der Bildenden Kunst teilen sich zwei Vertreter diese Position: Michelangelo und Leonardo. Das Schöne an diesen Zuweisungen ist, dass sie auch unabhängig vom Genie-Wahn der Romantik oder dem Superstar-Schwachsinn der Gegenwart existieren können. Denn ihre herausragend überzeitliche Bedeutung auf dem Zeitstrahl - des im Grunde kollektiven Prozesses - der Kunstentwicklung erwächst aus den ureigenen Qualitäten ihres jeweiligen Schaffens. Eines Schaffens, das je nachfolgende Generationen bis heute tief beeindruckt/berührt sowie deren Künstler/innen beeinflusst, lehrt, inspiriert.


29.03.2018

Es gibt in meiner eMail-Verwaltung einen Ordner "Leserpost" mit vier Unterordnern: Anregungen, Zustimmung, Kritik und Gemecker. Die jüngste in Letzterem abgespeicherte Zusendung endet so: "(...) Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein. Das lasse ich mir auch von Ihnen nicht vermiesen." Der Schreiber reagierte damit auf meine Quergedanken-Kolumne vom Oktober (freier Lesetext hier) unter der Überschrift "Vaterlandslose Gesellen"  um den Kernsatz: „Ich bin – und das mit einiger Freude – ein vaterlandsloser, aber durchaus kein heimatloser Geselle." Da steht zwar fast alles drin, was man dem Herrn hätte antworten können, ich schrieb ihm dennoch folgende kurze Mail zurück: "Ja, von mir aus; wenn Sie meinen, das zu brauchen. Seien Sie stolz, worauf immer Sie mögen - solange Sie mich nicht zwingen wollen, solchen Unsinn mitzumachen. Denn ich kann nur stolz sein auf tatsächliche Leistungen, die ich selbst erbracht habe. Manchmal bin ich auch etwas stolz auf Leistungen, die einige Mitmenschen nicht zuletzt dank Ausbildung/Erziehung/Anregung durch mich erbringen."


28.03.2018

Schlechtwetter steht glückseliger Schinderei im Garten und auf dem Holzplatz im Wege. Ich wälze deshalb die Idee, mal wieder Ordnung in den heimischen Regalen zu schaffen. Doch plagt mich gehöriges Zaudern. Denn es gibt in diesem Häuschen derzeit rund 110 laufende Meter Regalbretter, prall und teils in Doppelreihe bestellt/gestopft mit Büchern, CDs, Rechercheakten, Materialmappen. Nicht, dass blankes Chaos herrschen würde. Die Genre- und Sachthemensegmente sind zumindest noch vage erkennbar. Aber über 13 Jahre freischaffende Heimarbeit macht sich doch eine Unsitte bemerkbar, die jeden Archivar in den Wahnsinn treiben würde: Nach Gebrauch habe ich Bücher/Materialien nicht wieder einsortiert, sondern stapelweise nur ungefähr abgelegt - für dann spätere saubere Einordnung (die bis heute auf sich warten lässt).


27.03.2018

Gleich wird, ganz simpel, eine ordentliche Portion Spagetti mit Tomatensoße reingesogen. Hernach mute ich mir mal Fußball zu. Hoffe auf eine schönes Spiel und dass die bessere Mannschaft gewinnt, wer immer das sein mag. Zum Abendschluss dann noch "Die Anstalt". Muss mich erholen - weniger des Holzhackens wegen, das ich vom Frühstück bis zum Regenbeginn am Spätnachmittag eifrig betrieb. Richtig fertig gemacht hat mich anschließend erst ein Besuch im Gartencenter. Das glaubt man nicht, mit was für einem Scheißdreck die den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Gefühlt allein 1000 Sorten Rasensamen mit speziellen Erdpackungen für jede Art und eigenem Dünger bald für jeden einzelnen Halm.


26.03.2018

Anbei eine kurze Besprechung der aktuellen Sonderausstellung  „Walt Disney – Mickey, Donald & Friends“ im Landesmuseum Mainz. Die Schau konzentriert sich auf zwei zentrale Stränge aus dem Hause Walt Disney: die Welt von Mickey Mouse und das Duck-Universum. Das Gros der 300 Exponate besteht aus "Flachware", aus auf Papier gezeichneten Comics in unterschiedlichsten Entstehungsphasen. Das ist m.E. eine interessante wie auch schmunzeln machende Präsentation vor allem für Erwachsene, die das geduldige Betrachten kleinteiliger Phänomene noch beherrschen. Wer KInder mitbringt, sollte diese der Führung/Bespielung durch die Museumpädagogen anvertrauen - sonst könnten sie sich schnell langweilen oder vor den beiden Film-/TV-Stationen festwachsen.

Meine Ausstellungsbesprechung (freier Lesetext)

                                              ***

Einmal mehr macht das Theater Bonn aus einem literarischen Werk ein Bühnenstück. Diesmal wird allerdings nicht, wie hier und andernorts mehrfach gesehen, einfach die Handlung des erwählten Buches in kompakt verkürzter Form szenisch nachgestellt. Vielmehr findet Regisseurin Sandra Strunz einen bemerkenswert eigenwilligen Zugang zu den Tiefenschichten von Hans Falladas letztem Roman „Jeder stirbt für sich allein“, den er kurz vor seinem Tod 1947 binnen vier Wochen schrieb. Die wichtigste Komponente des Spiels in den Godesberger Kammerspielen ist eine beim Tanztheater entliehene Intensität des Körperausdrucks.

Meine Premierenkritik
(3300 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


25.03.2018

Gute Laune nach den gestrigen Abendnachrichten. Denn: Die Welt ist offenkundig doch nicht vollends bekloppt. Angeführt von Schülern demonstrieren Hunderttausende in den USA für schärfere Waffengesetze. Angeführt von Rentnern protestieren Zehntausende in Madrid gegen den von der Regierung verfolgten Verarmungskurs für Ärmere. Im südpfälzischen Örtchen Kandel bietet ein Bündnis aus der Mitte der Gesellschaft heraus Rechtsradikalen und Braunen Paroli.


23.03.2018

Von 27. bis 29.4. wird der Kultursommer Rheinland-Pfalz 2018 eröffnet.  Passend zum diesjährigen Motto "Industrie-Kultur" des landesweiten Projekt- und Veranstaltungsreigens (bis 31.10.) ist das einstige mittelrheinische Industriezentrum Neuwied Austragungsort des Startwochenendes. Zugleich wird damit der 200. Geburtstag des Westerwälder/Neuwieder  Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen begangen. "Industrie-Kultur" im "Land der Reben und Rüben"? Mit diesem (scheinbaren?) Widerspruch befasst sich mein seit 2005 alljährlich traditioneller Artikel zum KuSo fürs mittelrheinischen Monatsmagazin "Kulturinfo", der auch auf meiner website publiziert wird. Dort ist zudem am Ende ein Text von 2016 verlinkt, der die bei Auswärtigen und auch vielen Einheimischen nie verstummende Frage beantwortet, was dieser KuSo eigentlich sei und wie er funktioniert.

Vorbericht:
Zum Kultursommer RLP 2018 und seinem Jahresmotto "Industrie-Kultur"
(freier Lesetext)


22.03.2018

Mit der aktuellen Folge 158 meiner Monatskolumne "Quergedanken" könnte selbst manche/r mir sonst wohlgesonnene Leser/in einige Probleme haben. Das Textchen steht unter der Überschrift "Blutsbande? Völlig überbewertet!". Es befasst sich allerdings nicht etwa mit der neuerdings von etlichen Braunköpfen wiedererweckten rassisch-völkischen Blutsbande-Ideologie. Mich mit fantasiertem Komplettunfug zu befassen, sind mir Lebenszeit und Arbeitskraft zu schade.  Vielmehr steht im Zentrum der Betrachtung "die heiligste der heiligen Kühe" der gegenwärtigen Epoche: die Familie.

Quergedanken Nr. 158: Blutsbande? Völlig überbewertet!
(freier Lesetext)


21.03.2018

Ein kleines Textchen über einen gestern stinknormalen Tag floss mir eben aus der Feder. Knapp erzählt wollte/sollte sein von ganz gewöhnlichen Ereignissen, die gerade in ihrer Alltäglichkeit zum angenehmen Kerngehalt meines Begriffes von Heimat gehören.

Verzählche:
Wie an diesem stinknormalen Tag erlebt, so mag ich sie - meine Heimat

(freier Lesetext)  


20.03.2018

Einerseits ist es so: Meine Sympathie für Putins autoritäres Oligarchensystem liegt ziemlich genau bei Null. Woran auch die Tatsache nichts ändert, dass etliche Momente heutiger russischer Politik Folge der arrogant-brachialen Nato-Osterweiterung seit der Wende sind. Andererseits ist es so: Die jetzige Empörungswelle des Westens gegen Putin wegen des Giftgas-Attentats von Salisbury erinnert mich fatal an die US-Verfahrensweise gegenüber Saddam Hussein im Vorfeld der Irak-Intervention wg. angeblicher Massenvernichtungswaffen: All die vehementen Beschuldigungen basieren bloß auf "mutmaßlich" und "wahrscheinlich", Beweise für eine Aktion des russischen Geheimdienstes gibt es derzeit einfach keine. Also wird Weltpolitik auf Verdacht hin gemacht.

Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass der verwendete Giftstoff aus russischer Produktion stammt, wäre das noch kein Beweis. Denn wir wissen doch alle, dass im Chaos während des Zusammenbruchs der UdSSR und der nachfolgenden Jahre kleptokratische Funktionäre und mafiose Privatiers jedweden Armeebestand, dessen sie habhaft werden konnten, auf dem internationalen (Schwarz-)Markt in klingende Münze verwandelt haben. Obendrein erschließt sich mir der politische Nutzen nicht, den das Putin-System aus einem Anschlag ziehen sollte, dessen Signatur vermeintlich direkt auf den Kreml als Urheber verweist.


19.03. 2018

Wenn Rechtspopulisten und Rechtsextremisten fordern, man müsse die Behandlung der "urdeutschen Klassiker" stärker fördern, dann sage man ihnen dieses: Aber gerne, denn da bekommt ihr es mit jeder Menge großer Geister zu tun, die gegen euch die Rede führen. Zu ihnen gehört an vorderer Stelle etwa Gotthold Ephraim Lessing mit seinem Theaterstück "Nathan der Weise". Das schreibt uns, euch, allen ins Stammbuch, dass Menschlichkeit und Vernunft unendlich bedeutsamer sind als jedwede Anmaßung von Religionen, Politideologien, Rasselehren oder Nationalchauvenismen. Am Staatstheater Wiesbaden ist der "Nathan" jetzt wieder auf die Bühne gekommen

Meine Premierenkritik
(4200 Anschläge, RZ-Text für 49 Cent)

                                                  ***

Im Arp-Museum Remagen schäumt das diesjährige Ausstellungsmotto „Farbenrausch“ jetzt so richtig auf. Bereits seit Mitte Februar läuft im großen Saal des Meier-Baus eine Präsentation mit zeitgenössisch abstrakten Farbraumkörpern von Gotthard Graubner. Jetzt kommen in der Kunstkammer Rau des Museums 62 Werke aus mehreren Jahrhunderten und vielen Stilrichtungen hinzu. Sie entfalten ein irrlichterndes Spiel aus Farbe und Licht, erhellen zugleich auf spannende Weise die sich über die Zeitalter wandelnden Bedeutungen und Rollen der Farben.

Meine Ausstellungsbesprechung
(4400 Anschläge, RZ-Text für 49 Cent)


17.03.2018

Statt behaglichem Samstagsfrühstück, heute nur die schnelle französische Werktagsnummer. Denn der Kerl ist im Stress wg. Deadline für vier Artikel bis Sonntagabend. Und sein Hirn ist genervt, weil der Rechtskonservatismus im demokratischen Spektrum (Seehofer) mal wieder rechtspopulistisch zündelt ("Islam gehört nicht zu Deutschland") und so dem Rechtsextremismus de facto ideologisch die Steigbügel hält. Dabei geht es im Kern gar nicht um den Islam. Der ist nur das (xenophobische) Vehikel/Werkzeutg: Mit dessen Hilfe wollen beide die ihnen seit den 1960ern Zug um Zug entglittene normative Hegemonie über die immer vielgestaltiger werdende Lebensarten und Kulturen der deutschen Zivilgesellschaft zurückerobern.


12.03.2018

Das Theater Koblenz erlebte jetzt die Premiere einer in mehrfacher Hinsicht großen Produktion. Mit „Ghetto“ des israelischen Dramatikers Joshua Sobol kam ein bedeutendes Schauspiel auf die Bühne: über den Zwiespalt zwischen Moralität und Überlebenskampf im Juden-Ghetto von Wilna 1941 bis 1943. Markus Dietze hat es mit 20 Schauspielern, Klezmer-Quartett, Kinderchor und allerhand Statisten als opulenten dreistündigen Abend inszeniert – der in seiner klugen, einfühlsamen Machart berührt und nachdenklich stimmt wie kaum ein anderer der bisherigen Spielzeit.

Meine Premierenkritik
(4500 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


07.03.2018

Er ist in Koblenz eine jener engagierten Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft, ohne die auch und gerade im Bereich der Kultur so manches nicht laufen würde: Herbert Grohe -  seit 2002 Vorstandsvorsitzender des Vereins "Freunde der Rheinischen Philharmonie" und Mitglied in fast einem Dutzend weiterer Kulturvereine.  Basierend auf einem langen Gespräch mit dem heute 76-Jährigen und vielen Begegnungen in den Vorjahren, bin ich im nachfolgenden Artikel den Motiven dieses Mannes sowie seiner und des von ihm geleiteten Vereins Bedeutung für das Koblenzer Staatsorchester nachgegangen.

Des Orchesters guter Freund und Helfer
(freier Lesetext)


05.03.2018

1996 hatte eine 20-köpfige Gruppe von Koblenzer Bürgern um den Gymnasiallehrer Dieter Servatius die Kulturfabrik (Kufa) Koblenz von deren Gründern aus den 1980ern übernommen. So wurde die damals gefährdete Fortexistenz dieses Kulturzentrums gesichert und zugleich dem 1991 ebenfalls von Servatius ins Leben gerufenen Koblenzer Jugendtheater die Spielstätte erhalten. Jetzt, 22 Jahre später, haben die  Kufa-GmbH-Gesellschafter des Servatius-Kreises in einem konzertierten Akt die Verantwortung in die Hände einer jüngeren Generation gelegt. Der Altersdurchschnitt der Gesellschaftergruppe sank damit von 70 auf 45 Jahre, der Frauenanteil stieg von zwei auf sieben. Im Rahmen des gestrigen Festabends anlässlich dieses Generationenwechsel hielt ich eine knapp 25-minütige Rede, die hier im Wortlaut veröffentlicht sei.

Redemanuskript meiner Ansprache beim Festabend am 5. März 2018 in der Koblenzer Kulturfabrik
(freier Lesetext)


02.03.2018

Ältere Zeitgenossen erleben dieser Tage ein Déjà-vu nach dem anderen. Die NPD kehrt als AfD in die Parlamente zurück; draußen tobt wieder ein Mob aus Geh-doch-rüber-, Ab-ins-Arbeitslager- und Gaskammer-Schreiern. Nixon ist als idiotischer Trump wiedergeboren, Chruschtschow als smarter Putin; der Kalte Krieg ist wieder da und das atomare Wettrüsten ebenfalls. In den Regierungssitzen wuseln neuerlich Spione herum, diesmal weniger in den Fluren, mehr in Kabelnetzen . Die Unions-Kanzlerin hat, wie dereinst Adenauer und Kohl, bleiernen Ewigkeitswert. Der meisten Deutschen Hauptsorge gilt wie ehedem ihrer heiligsten Kuh, dem Automobil. Und die dominante Kultur im Land ist wieder die der Schweinsbraten, Buttercremetorten, Russisch-Eier-Platten des Wirtschaftswunders. Alles noch einmal, alles von vorn? Allmählich verflüchtigt sich mein Glaube an die Vernunftfähigkeit des Menschen als Spezies.

                                               ***

Sorry, fast hätte ich vergessen, ihn hier anzuzeigen: meinen bereits gestern im lokalen Kulturteil Koblenz der Rhein-Zeitung erschienenen Artikel anlässlich des kollektiven Generationenwechsels in der Gesellschaftergruppe der Koblenzer Kulturfabrik (Kufa). Während ein Text von Kollegin Melanie Schröder sich mit den Zukunftsvorstellungen der nun neuen, jüngeren Gesellschafter für die Kufa befasst, blicke ich vor allem zurück auf Herkunft und Geschichte der Institution. Gerade jetzt schreibe ich an einer lieblich-kratzigen Rede, die ich am Sonntag im Rahmen der kleinen Übergabefeier vor beiden Gesellschaftergenerationen halten werde.

Mein Artikel hier
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


01.03.2018

Es gibt in der leidigen Sache "Diesel-Autos" m.E. zwei Haupttäter und zwei Opfergruppen. Die Täter: 1. Autoindustrie als Verursacher. Insofern Abschalteinrichtungen benutzt wurden, handelt es sich um Betrug von hoher kriminieller Energie aus niedrigen Gründen. Daneben haben alle Hersteller die Öffentlichkeit/Kunden (teils mit Flankenschutz durch die Politik) systematisch getäuscht und belogen, was Umweltveträglichkeit, Verbrauchs- und Abgaswerte ihrer Diesel angeht. 2. Die regierende Politik: Sie hat - lobbygetrieben oder im vorauseilenden Gehorsam - ein Umfeld geschaffen, das die De-facto-Täuschung de jure legitimiert. Die Opfer: 1. Anwohner im Umfeld von Verkehrszentren der Großstädte (wg. Gesundheit). 2. Die Diesel-Fahrer, die belogen/betrogen wurden und jetzt wahrscheinlich in doppelter Hinsicht die Gelackmeierten sind (Fahrverbot + Wertverlust).

Das Verwaltungsgericht gehört zu keiner der beiden Fraktionen. Zudem: Die hiesige Politik hätte es in der Hand, die Kluft zwischen de facto und de jure wieder halbwegs zu scfhließen - indem sie die Autoindustrie, die mit Lug oder gar Betrug Abermilliarden verdient hat, zu Hardware-Nachrüstung, Ersatzbeschaffung oder Entschädigung der Diesel-Fahrer per Gesetz zwingt. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass dem Managment von VW/Audi in aller gesetzlichen Strenge der Prozess gemacht werden muss und die Staatsanwaltschaften mit Nachdruck dem anhaltend im Raum stehenden Abschalt-Verdacht gegen BMW, Mercedes u.a. nachgehen

27.02.2018

Mein nächster öffentlicher Vortragsabend hat die Frage zum Thema: "WAS VERSTEHEN WIR EIGENTLICH UNTER POPULISMUS?" Beleuchtet werden die verschiedenartigen Bedeutungen, die dem Begriff inzwischen zugeschrieben werden. Zugleich werden diverse Methoden untersucht, derer sich Populismus bedient, um unterschiedliche Ziele zu erreichen. Etwa: Die direkte Ansprache des menschlichen Gefühlszentrums unter Umgehung der Ratio. Oder: Die unterschwellige Meinungsbeeinflussung durch permanente Benutzung abwertender/überbewertender Sprachbilder. Oder: Die Reduzierung komplexer Wirklichkeit auf grob vereinfachte bis falsche bis unwahre Ursache-Wirkungs-Mechanismen...

14. März, 20 - 22 Uhr, Haus Felsenkeller Altenkirchen.


26.02.2018

Vor gleißendem Scheinwerferlicht trägt ein Mann seine wie tot erschlaffte Frau einen Berggrat hinauf. Als er sie oben hinstellen will, knicken ihre Beine weg, und sie rollt den Weg wieder hinab. Erneut müht der Mann sich mit der hilflosen Frau. Jetzt auf allen Vieren kriechend, schleppt er sie huckepack nach oben. Vergeblich – sie rutscht, purzelt, stürzt wieder zurück. Und noch einmal..... Mit solcher Sisyphusarbeit beginnt die jüngste Tanzproduktion am Staatstheater Mainz, die Uraufführung „Impetus“, eine Staunen machende Arbeit der Choreografen Guy Nader und Maria Campos.

Meine Premierenbesprechung
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

                                                   ***

Neulich Gießen, jetzt Bonn: Warum bringt man 2018 Jean-Paul Sartres „Die schmutzigen Hände“ auf die Bühne? Das Stück von 1948 handelt vom Jüngling Hugo aus bürgerlichem Hause, der sich als proletarischer Revolutionär bewähren will, aber aufgerieben wird zwischen den Fraktionen der kommunistischen Kaderpartei im Untergrund. Vor 70 Jahren wurde dieser Stoff in der europäischen Linken heiß diskutiert. Was kann Regisseur Marco Storman in Bonn ihm für heute abgewinnen? Nach 110 Minuten ist zu konstatieren: wenig.

Meine Premierenbesprechung
(3300 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


25.02.2018

Lassen Sie mich eine kleine Geschichte aus fernen Jugendtagen erzählen. „Och nöö!“, mault Freund Walter. „Nicht schon wieder eine Lehrparabel, bei der man den Hintersinn erst ergrübeln muss. Red‘ Tacheles!“ Das ist ein alter Streitpunkt zwischen uns. Denn ich bin der Ansicht, man darf den Lesern was zutrauen. Deshalb hier nun als Folge 157 meiner Monatskolumne "Quergedanken" eine Story aus jener Zeit, da in einer Kleinstadt das Fremdartigste, das der damaligen Mehrheitsbürgerschaft dort je begegnete, wir waren: am Ort geborene Kinder, herangewachsen zu Jugendlichen, die mit der Lebensart ihrer Eltern fast gar nichts mehr verband.

Quergedanken 157: Die femdeste Fremdartikgeit
(freier Lesetext, 3400 Anschläge) 


22.02.2018

Es ist mal wieder die Jugend, die Hoffnung macht. Die besten Nachrichten aus den USA seit langem sind die jetzigen über Abertausende von Schülern, die in zahlreichen Städten dort demonstrieren: für eine durchgreifende Verschärfung der Waffengesetze. Und gegen den Einfluss der bis dato scheinbar allmächtigen Lobbybande der US-Waffenindustrie - die nach dem jüngsten Amoklauf an einer Schule als bestes Mittel gegen solche "Katastrophen" vorschlug, nun "endlich auch" die Lehrer zu bewaffnen. Erfreulich: Bei jüngsten Umfragen spachen sich 66 % der Amerikaner - wie die Schüler - für deutlich verschärfte Waffengesetze aus.


21.02.2018

PUNKT. FINIS. Knirsch - rumpel - krach! Felsbrocken stürzen mir vom Herzen, denn das Manuskript für mein Buch "Musik-Institut Koblenz 1808 bis 2018" ist fertig. Mit rund 300 000 Anschlägen ist es zwar kein Riesenwälzer, aber doch ein ordentlicher Brocken. Schönes Gefühl, es geschafft und etwas geschaffen zu haben. Was nun? 20 Stunden am Stück schlafen, dann die über Monate aufgelaufene Bugwelle aus Unerledigtem durchmisten. Hernach wieder zur Fünf-Tage-Woche zurückfinden. Und vor allem den Körper wieder in Form bringen. Weil: Die Muskulator ist völlig abgeschlafft, der Arsch breitgesessen und die Wampe aufgedunsen.


19.02.2018

Im Kleinen Haus des Mainzer Staatstheaters hatte jetzt eine mit Weimar co-produzierte sogenannte Stückentwicklung unter dem Titel "Drei Mal die Welt" Premiere. Stückentwicklung meint: Aus einer nur vagen Idee entsteht erst während der Proben ein Stück. Ausgangspunkt hier: Georg Forster - Forschungsreisender und Gesicht der Mainzer Republik, die 1793 von den Preußen niederkartätscht wurde. Ergebnis auf der Bühne: Vier schräge Typen von heute schippern per Floß 'gen Brüssel, um mit EU-Politikern Tacheles zu reden. Der 110-minütige Abend ist ein großer Spaß - von zugleich bemerkenswert ernsthafter zeitkritischer Kraft.

Meine Premierenbesprechung
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


17.02.2018

Mit einem Tag der offenen Tür bei freiem Eintritt und der Eröffnung zweier neuer Ausstellungen startet das Arp Museum in Remagen-Rolandseck an diesem Sonntag in seine Saison 2018. Nachdem das Haus 2017 mit Henry Moores Großplastiken die erfolgreichste Einzelpräsentation (75 000 Besucher) seiner zehnjährigen Geschichte verzeichnen konnte, steht das neue Jahr unter dem Leitmotto „Farbenrausch“. Eines der Zentren bildet dabei ganzjährig die jetzt beginnende Schau „Gotthard Graubner. Mit den Bildern atmen“. Bis Mitte des Jahres widmet sich parallel eine kleine Kabinettausstellung der kreativen Freundschaft zwischen Kurt Schwitters und Hans Arp.

Meine Ausstellungsbesprechung
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


15.02.2018

Von Hause aus und den Ursprüngen her ist Olympia eigentlich ganz ungeeignet, als Wettkampf zwischen Nationen behandelt zu werden. Denn in den meisten Kerndisziplinen messen im Winter wie im Sommer nicht (National-)Mannschaften, sondern Einzelsportler ihre Fähigkeiten. Ich weiß aus meinen (wenigen) Jugendjahren als Leistungsportler in der Leichtathletik (Hochsprung): Bei unseren Regionalwettkämpfen waren es meist nur Trainer und Funktionäre, die nach Vereinsflaggen anfeuerten und ggf. jubelten. Von den Staffelläufen abgesehen, zählten für uns Sportler und manchen Zuschauer allein die Einzelleistungen - völlig unabhängig davon, was für ein Vereinswappen jemand auf dem Trikot hatte.


14.02.2018

Sollte die Groko doch eines der großen stillstehenden Räder drehen wollen, und auch noch in die richtige Richtung? Die Umsetzung der jetzt von drei Bundesministern ausgebrüteten Idee "Kostenloser ÖPNV für alle" wäre eine völlig richtige Weichenstellung zur Rettung/Verbesserung von Luft-, Lebens- und Verkehrsqualität in unseren Ballungsräumen. Mag sein, dass man mit der Idee/Absichtserklärung erstmal nur Brüssel und hiesige Richter ruhig stellen will. Deshalb bleibt die Idee doch gut - und stehen die vorschlagenden Minister im Wort.

Die Kosten wären kein Pappenstiel, aber überschaubar und verglichen mit den in der Vergangenheit ausgegebenen Summen für die automobile Zurichtung der Städte nur Peanuts: 12 Milliarden p.a. Betriebskostenzuschuss für entgangene Ticketeinnahmen plus einige Milliarden Anschubfinanzierung für zusätzliche Busse/Bahnen. Im Gegenzug fiele etwa der Unterhalt der gesamten Ticketverkaufs- und -kontrolllogistik weg. Für Unfug halte ich die Unkenrufe der Bedenkenträger, wonach von jetzt auf gleich die ÖPNV-Kapazitäten verdoppelt werden müssten. Denn so grottenschlecht wie der ÖPNV auf dem Land ist, würde das Kostenlos-Angebot fürs erste überwiegend von Innenstadt- und Nahraumpendlern genutzt werden.

Wie ernst die Sache gemeint ist oder eben nicht, wird man noch in diesem Jahr de facto daran erkennen können: Gibt es Anwerbekampagnen für die Ausbildung zum Bus- und Straßenbahnfahrer? Gibt es Bestellorders an Bus- und Tramhersteller? Falls nicht, hätten wir es nur einmal mehr mit einem Heiße-Luft-Duett von St. Bürokratius und St. Nimmerlein zu tun.


12.02.2018

Ei, guck emol! Wie seit Tagen das Internet meterweise, so bietet jetzt auch der Lokateil meiner Frühstückszeitung seitenweise fotografische Fastnachtsimpressionen von Sitzungen und Umzügen. Das geht in Ordnung, schließlich bewegt die Narretei hierzulande jede Menge Leute gehörig. Eingestanden sei, dass auch ich das eine oder andere Bild mit Vergnügen betrachte. Allerdings interessieren mich persönlich szenische Totalen von Korps oder Motivwagen ebenso wenig wie Kostüme oder Orte des Geschehens. Mein Hinschauen gilt vor allem Nahaufnahmen von Gesichtern.

Das finde ich wirklich spannend, was da manchmal zu sehen ist oder sich interpretieren lässt. Hier der spontane, natürliche, frei aus der Mimik purzelnde Spaß an der Freud. Da die für den Fotografen hergezeigte künstliche und oft überzogene Fröhlichkeit. Dort das sich etwas genierende, von Scheu vor dem öffentlichen Foto angehauchte Lächeln oder Lachen. Dann wieder ein verführerisches Turteln in die Kamera hinein, gelegentlich auch ein nur mit Mühe aufgehübschtes, weil eigentlich verfrorenes oder genervtes oder schon erschöpftes Antlitz ..... Es ist unglaublich viel Menschliches und Allzumenschlichen zu sehen, wenn man genauer hinschaut.


11.02.2018

„Wenn Demokratie sich nicht ständig verändert, verbessert und selber korrigiert, wird sie irgendwann hinweggefegt. Laut Shakespeare.“ Dies sagt John von Düffel in einem Interview und unterstreicht damit den hochpolitischen und aktuellen Charakter seiner jüngsten Arbeit. Der einstige Bonner Dramaturg, renommierte Romancier und Stückebearbeiter hat jetzt dem Staatstheater Wiesbaden die drei Shakespeare-Werke „Coriolan“, „Julius Cäsar“ sowie „Antonius und Cleopatra“ für einen dreieinhalbstündigen, sehr interessanten Abend unter dem Titel „Römische Trilogie“ zugeschnitten und gebündelt.

Meine Premierenkritik hier
(4500 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


10.02.2018

Dank moderner Wissenschaft wissen wir inzwischen: Unser Hirn läuft dann zu kreativer Hochform auf, wenn wir es NICHT mit zielgerichteten Denkaufgaben behelligen; also im Zustand der Muse/Muße. Weshalb mein Oberstübchen seine Sternstunde stets beim behaglichen Samstagsfrühstück hat - da lasse ich es frank und frei nach Belieben durchs Universum vagabundieren. Heute kaprizierte es sich nicht etwa auf Groko/Schulz/SPD, auch nicht auf Fassenacht, sondern überraschte mit folgendem Gedankengang:

Neuzeitliche Menschen haben die seltsame Angwohnheit, Kindheit/Jugend bloß als Vorbereitungsphase auf das "richtige Leben", das Erwachsenendasein, zu verstehen. Ebenso wird das Alter nur als Nachklangphase, als schwächlicher Epilog zum "richtigen Leben" betrachtet. Interessanterweise ändert sich das Bild grundlegend, sobald die Alten auf ihre eigene Kindheit/Jugend zurückblicken: Da wird jene Frühphase plötzlich als eigenständige Lebensform mit einem sehr hohen Wert an sich empfunden, Umgekehrt betrachten vor allem kleinere Kinder ihre Großeltern selten als morsch gewordene Erwachsene, sondern als Menschen, die bloß eine andere Lebensart haben als die Eltern. Mein Hirn meint: Es wäre an der Zeit, dass wir sowohl Kindheit/Jugend wie auch das Alter als völlig gleichwertige eigenständige Formen des "richtigen Lebens" verstehen und behandeln.


09.02.2018

Die Kulturszene horcht auf, hatte doch im Groko-Tohuwabohu bislang noch niemand ein Wort über Kunst/Kultur verloren. Jetzt äußert sich die alte und wohl auch neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Sinngemäß so: Groko will Neuausrichtung der Kulturpolitik. Kulturangebote sollen auch in der Region stärker gefördert und leichter zugänglich gemacht werden. Sogar ein Einstieg in den kostenfreien Eintritt zu wichtigen Kultureinrichtungen sei geplant. Zumindest klingen tut das gut; schaun mer mal, was kommt. Hinsichtlich der Eintrittsfreiheit bei staatlichen Museen müsste es übrigens "Wiedereintritt" heißen. Denn in meiner Kindheit/Jugend (50er bis 70er) war freier Eintritt zu den meisten völlig selbstverständlich.


08.02.2018

Schwerdonnerstag. Allen Närrinnen und Narrhalesen, Fastelovenfründs und Jeckinesinnen seien spaßige, aufmüpfige, hintersinnige und sinnenfroh erquickliche Dolltage gewünscht. Ich selbst werde vom Sofa aus per Television gelegentlich vorbeischauen, was ihr da so treibt - das eine oder andere Gläschen schlürfend und Krebelcher mampfend. Obwohl ein durchaus fröhlicher, allerlei Humorigkeiten zugetaner ganzjähriger Narr, ist die leibhaftige Teilnahme an Sitzungen und Umzügen nicht so mein Ding.

Doch ja, ich mag etliche gute Büttenredner und Spaßmacher sehr gern, seien sie von Kölscher oder Meenzer Art. Das Colonia Duo selig oder der charmante Humor von Mark Metzger, der hysterische Krischer mit seinen weißen Handschuhen oder der betuliche Oberlehrer Guddi: Sie und andere waren/sind mir meist ein Vergnügen - selbst wenn man wegen des Inhalts mancher Bemerkung bisweilen in die Tischkante beißen möchte. Des g'hört so; und sofern es gut gemacht ist, gilt die alte Kabarettregel: da muss ein jeder durch, durch den Kakao. In diesem Sinne: helolaulaaf!


07.02.2018

Als Ausfluss einer Diskussion auf meiner Facebook-Seite habe ich einen kleinen Aufsatz geschrieben, der wie folgt beginnt:

Es liegt glasklar auf der Hand: Deutschland braucht mehr Kranken- und Altenpfleger, mehr Facharbeiter und Ingenieure, mehr Lehrer, Handwerker, Polizisten, Richter ... Und zwar nicht nur ein paar Hundert mehr, sondern etliche Hunderttausend. Es liegt ebenso auf der Hand, dass dieser Bedarf insbesondere an jungen Nachwuchskräften aus dem heimischen Bevölkerungspool nicht mehr gedeckt werden kann. (...)

Der ganze Text hier

Anmerkung:
Ein trockener Befund zur Sache "Migranten in Deutschland"

(freier Lesetext)


05.02.2018

Theaterbesucher würden manchmal gern Mäuschen spielen, um zu spicken, wie es während der Vorstellung hinter der Bühne zugeht. Dies vor allem, wenn vorn erkennbar ein paar Dinge anders laufen, als sie wohl gedacht waren. Was im Theater sonst tunlichst vertuscht wird, stellt die Farce „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn in den Mittelpunkt: Pannen. Ansehnliche Neuinszenierung jetzt im Theater Koblenz. Das Komödienmaschinchen schnurrt munter, reihum wird knuffig gespielt. Selbst der Kritiker hat sich über weite Strecken gut amüsiert, wenngleich zwischendurch den Affen auch mal zu viel Zucker verpasst wird.

Meine Premierenkritik
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


03.02.2018

Ich hab's persönlich zwar nicht so mit der Nation/den Nationen, aber dieser Spruch gefällt mir:

Das Problem mit den Nationalisten ist, sie wollen partout nicht begreifen, dass der Nationalismus der ärgste Feind der Nation ist. Denn immer wenn der Nationalismus die Herrschaft übernahm, war am Ende die Nation am Arsch.

                                                ***  

Beim betulichen Samstagsfrühstück treiben die Gedanken in ferne Jugendtage ab und mir ein - wahrscheinlich recht blödes - Grinsen ins Gesicht. Anno 70 oder 71 hatte ich mal kurz was mit einem Funkenmariechen; einer aufgeweckten, lebenslustigen Altersgenossin, reizend anzuschauen in ihrem Uniförmchen. Vor jedem Auftritt zitterte sie wie Espenlaub und bedurfte meiner Stütze. Nachher verströmte sie jedesmal allerhand Hitze. Des Mariechens Tross schleppte mich zwei Wochen lang von einer Kappensitzung zur nächsten mit über die Dörfer. Woher wohl rührt, dass mein Drang, an solchen Veranstaltungen livehaftig teilzunehmen, sich seither in Grenzen hält.

Meine gewöhnliche Freundesclique - damals lebensartlich ganz anders orientiert und der organisierten Spaßhaftigkeit völlig abhold - hielt mich wegen dieser Eskapade für komplett meschugge. Nur der Älteste im Kreis mahnte zu Nachsicht: "Geht vorbei, sind bloß die Hormone." Einige Mädels allerdings waren stinkig: "Im Kürzestrock die Beine schmeißen und Höschen zeigen - das ist keine Kunst, können wir schon lange und besser." Zwecks Demonstration wurde eigens ein Happening anberaumt - das dann ziemlich gruselig war. Denn hübsche Beine allein, obendrein ansonsten fast nur Jeans-gewohnte, machen noch keinen Garde-Esprit. Sie anmutig zu werfen, will gelernt sein. Die Sache blieb Episode, wie auch mein Techtelmechtel mit Mariechen: Am Aschermittwoch war buchstäblich alles vorbei.


02.02.2018

Da soll sich nun mal keiner was vormachen: Der gestrige Bundestagsbeschluss zum Familiennachzug ist nur ein weiterer Schritt auf dem Weg "Flüchtlings- und Migrantenabwehr", über den die AfD die einstmals großen Volksparteien vor sich hertreibt. 12 000 Familiennachzügler plus ein paar Dutzend Notfälle jährlich: Berechnet auf eine 80-Millionen-Bevölkerung ist das eine gänzlich irrelevante 0,0X-Größe. Der Beschluss passt in die Linie all der Tendenzen und Schritte, die den hinsichtlich ökonomischer und sozialer Möglichkeiten objektiv völlig richtigen Satz "Wir schaffen das" ausgehebelt hat durch die Haltung "Wir wollen das nicht schaffen". Mit Verlaub: Ich bezeichne das als inhumane Idiotie.

31.01.2018

Hin und wieder mal drei, vier Tage keine aktuellen Nachrichten lesen, sehen, hören und entsprechende Posts in den Netzwerken ignorieren: Das kann nicht nur dem eigenen Gefühlshaushalt ausgesprochen wohl tun. Auch das Hirn findet wieder zu geordneten Bahnen und besserer Übersicht. Ich kenne ein paar Leute, die schauen am Sonntag die gesammelten Lokalteile ihrer Regionalzeitung durch, lesen ansonsten bloß die eine oder andere der großen Wochenzeitungen sowie Bücher, schauen im TV gelegentlch ein Polit- oder Wissenschaftsmagazin. Gleichwohl gehören sie zu den bestinformierten Zeitgenossen mit dem größten Durchblick.


29.01.2018

Ja, mein Namensgedächtnis ist grottenschlecht, vor allem das für Kindernamen. Also kommt es mir wie ein Wunder vor, dass die meisten Frauen Dutzende Namen von Kindern aus Verwandtschaft und Nachbarschaft nebst deren Spielkameraden im Kopf haben und diese obendrein richtig zuordnen können. Das nicht nur für die aktuellen Kleinen, sondern auch für die inzwischen erwachsen gewordenen - plus deren Ehegesponste und wiederum nächsten Nachkommen. Mein Hirn hat allenfalls zehn Kindernamen abgespeichert. Die sich zudem nur selten auf Anhieb mit dem richtigen Gesicht verbinden. Weshalb mir am leichtesten und häufigsten dieser Name über die Lippen kommt: der/die "Dingens".


28.01.2018

Thomas Melle ist ein Schriftsteller von Format. Zuletzt standen sein Roman „3000 Euro“ und die Depressionsstudie „Die Welt im Rücken“ auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Der 42-Jährige hat jüngst im Auftrag des Theaters seiner Geburtsstadt Bonn ein Stück geschrieben, das unter dem Titel „Der letzte Bürger“ nun in den Kammerspielen Godesberg uraufgeführt worden ist. Doch der von Alice Buddeberg inszenierte Abend will nicht richtig zünden. Das Gegenwartsstück versandet bald in einer trockenen, plakativ psychologisierenden Familienaufstellung.

Meine Premierenkritik hier
3600 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent

                                               ***

Das Foto seiner Agentur präsentiert den Dirigenten Diego Masson im Alter von vielleicht 60 Jahren. Ans Chefpult der Rheinischen Philharmonie trat am Wochenende beim Anrechtskonzert des Koblenzer Musik-Institut aber ein sichtlich betagter, 82-jähriger Maestro. Im Mittelpunkt des Abends stand als Solistin die fabelhafte Flötistin Jasmine Choi mit Werken aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Beschlossen wurde das Konzert mit einem Klassiker: Schumanns "Rheinischer" Sinfonie - in so behäbiger Interpretation, dass von rheinischer Lebensfreude leider bloß noch Betulichkeit blieb.

Meine Konzertbesprechung hier
3600 Anschläge, kostenpflichtiger RZ Text, 49 Cent


25.01.2018

Anfang Januar löste auf meiner Facebook-Seite ein kleines Textchen über das Malheur des offenen Hosenschlitzes beim Manne (s.u. Eintrag vom 5.1.2018) ein munteres Pallaver aus. Als ich Freund Walter davon erzählte, inspirierte ihn das zur Entwicklung eine Theorie, die womöglich die gesamte abendländische Kleiderordnung der Neuzeit infrage stellt. Was wiederum für mich Grund genug ist, diesem revolutionären Modeansatz  die aktuelle Folge 156 meiner Monatskolumne "Quergedanken" zu widmen.

Quergedanken Nr. 156: Von Männern und Röcken
(freier Lesetext, 3600 Anschläge)


24.01.2018

Es macht einen zornig, dass die Welt das kurdische Volk (mal wieder) im Regen stehen lässt. Gleichmütig schaut sie tatenlos zu, wie Erdogans großtürkisches Militär versucht, ausgerechnet jene niederzukartätschen, die bis eben im Kampf gegen die IS-Barbaren die blutige Hauptlast getragen haben, den Bodenkrieg. Besonders schwer erträglich ist es für unsereinen, dass die türkische Invasion der kurdischen Selbstverwaltungszone Afrin in Nordsyrien mit Leopardpanzern und Haubitzen aus deutscher Produktion vorgetragen wird.


22.01.2018

Auch mit der größten und wohl bekanntesten Lovestory aller Zeiten kann man noch Überraschungen erleben: Im großen Schauspielhaus zu Frankfurt hatte jetzt „Romeo und Julia“ Premiere. Und um es gleich vorweg zu sagen: Textübertragung und Inszenierung durch Marius von Mayenburg ergeben eine der szenisch ungewöhnlichsten und interessantesten Moderne-Einrichtungen des Shakespeare-Klassikers, die wir über 30 Jahre in der Großregion von Köln bis Rhein-Main zu sehen bekamen. Obendrein liefert das nur siebenköpfige Ensemble hinreißende Spielleistungen ab. Der knapp dreistündige Abend vergeht wie im Flug; er ist gleichermaßen durchsetzt von feinsinnigem bis saftigem Humor wie von tief berührendem Ernst.

Meine Premierenbesprechung hier
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

                                              ***

In eigener Sache.
Es ist mal wieder DIE Situation eingetreten: Der allein arbeitende Kulturjournalist hat völlig den Überblick verloren über die seit Neujahr via PN, Mail, AB-Nachricht und Papierpost hereingefluteten Anfragen/Mitteilungen dienstlicher oder privater Natur. Dieses Manko wird sich in den nächsten zwei bis drei Wochen auch nicht beheben lassen. Denn NOCH stecke ich mit Haut und Haar im Schlussspurt für mein Buch, und zumindest die Grundlast des tagesaktuellen Broterwerbs will ja nebenher auch bewältigt sein. Also sei um Nachsicht gebeten, falls jemand derzeit sehr lange oder gar vollends vergeblich auf eine Reaktion meinerseits wartet.


20.01.2018

Beim behaglichen Samstagsfrühstück treiben die trägen Gedanken einmal mehr in seltsame Gefilde ab: Dereinst, als ich ein junger Kulturredakteur war, begegneten mir hin und wieder Kollegen anderer Blätter, die so unfassbar alt waren, wie ich es heute bin. Jene vertraten teils noch vehement die Auffassung, Popmusik, Popcornkino, Trivialliteratur und TV-Entertainment hätten in einem ordentlichen Zeitungs-"Feuilleton" nichts verloren. Es dauerte einige Jahre bis ich zu der Einsicht gelangt bin, dass ihre Auffassung falsch und richtig zugleich ist. Falsch, insofern jedwedes gesellschaftlich signifikante Phänomen der analytischen, kritischen, auch satirischen Begleitung durch das Feuilleton bedarf. Richtig im Hinblick darauf, dass ein unterschiedsloses Nebeneinander von Kunst und bloßer Kurzweil unter der ausgewiesenen oder nur gedachten Rubrik "Unterhaltung" dem publizistisch auklärerischen Grundauftrag des Feuilletons widerspricht.


18.01.2018

Verlegen. Nein, ich BIN nicht verlegen. Das kommt ohnehin selten vor, meist nur, wenn mir zu viel Lob zuteil wird oder mich jemand bei Schummeleien erwischt. Vielmehr: Ich HABE mich verlegen - im Schlaf den Leib offenbar so blöd verlagert und gelagert, dass jetzt Schulter und Genick schmerzen. Verlegen: Was ein seltsam mehrdeutiges Wort. Du legst den Schlüsselbund an der falschen Stelle ab und findest ihn nachher nicht mehr. Die Schlüssel sind dann keineswegs verlegen, sondern verlegt, was allerdings dich in Verlegenheitheit bringen kann - oder, falls es immer wieder geschieht, dich womöglich auch verlegen macht. Solltest du anderen die Schuld daran zuschieben, dann indes bist du nicht verlegen, sondern verlogen. Vielleicht findet sich ein Verleger, der diesen Text verlegt, sonst muss ich demnächst womöglich Teppiche verlegen.


17.01.2018

Es könnte der letzte Akt eines Musikdramas sein, für das sich 2003 in Rheinland-Pfalz der Vorhang hob: Das Philharmonische Staatsorchester Mainz soll wieder ins Staatstheater Mainz integriert werden. Wie unlängst von Sprechern des Theaters und des Kulturministeriums avisiert, soll die Re-Fusion bis Anfang 2019 kostenneutral und ohne Stellenverlust abgeschlossen sein. Damit wäre dann der RÜCKBAU der damals heftig umstrittenen Strukturreform für die drei rheinland-pfälzischen Landesorchester weitgehend abgeschlossen.

Mein kurzer Bericht hier
(freier Lesetext, 2400 Anschläge)


16.01.2018

Zwei kurze Gedanken zum Tagesbeginn:

1.)
Der Sinkflug der SPD bei den Wahlergebnissen wird nicht dadurch enden, dass man erklärt, die Partei wolle/müsse sich erneuern. Er würde wohl erstmal selbst dann nicht enden, wenn die Partei in einen tatsächlichen Prozess der Erneuerung einträte. Der Marsch grundlegender Erneuerung führt immer und überall zuerst mal zwangsläufig durch ein tiefes Tal - bevor er (vielleicht) mit neu geordneten Kräften, anderem Schritt und neuen Zielen zum doch immer noch mühsamen Anstieg übergehen kann. Wozu es allerdings nie kommen wird, solange man das Tal fürchtet wie sonst nichts. Die Republik braucht die GroKo nicht, um zu überleben. Aber sie könnte Schaden nehmen, wenn die deutsche Sozialdemokratie aus Angst vor der eigenen Erneuerung vollends von der Bildfläche verschwände.

2.)
Ein Werbeplakat am Straßenrand hat mich an eine schon früher gemachte Beobachtung erinnert: In den letzten 10 bis 15 Jahren haben Hochzeitsmessen schier inflationär zugenommen. Vorzugsweise in Schlössern oder anderen Repräsentativbauten veranstaltet, wird dort alles angepriesen, was zur Ausstaffierung des erträumten "schönsten Tages im Leben" eines Paares gehören könnte. Offenbar ist Hochzeiterei im großen Ornat inmitten gehöriger Festopulenz ein zeitgenössischer Trend. Den begreife ich zwar partout nicht, erfreue mich aber bisweilen an der Freude, die junge Leute daran haben. Das ist wie mit den Gartenzwergen meiner früheren Nachbarin: Ich kann Gartenzwergen rein gar nichts abgewinnen, doch die Begeisterung der alten Dame für ihre zipfelmützigen Gipsfiguren war mir immer ein Vergnügen. Eine Alterserkenntnis indes darf man gerade den jungen Hochzeitern mit auf den Weg zur Hochzeitsmesse geben: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Prachtaufwand für die Hochzeit und der Standfestigkeit/Dauerhaftigkeit einer Ehe.


15.01.2018

Franz Kafkas „Amerika“ in Köln, „Das Schloss“ in Bonn, „Der Prozess“ in Mainz, ein Kafka-Projekt in Wiesbaden, „Bericht an eine Akademie“ in Kaiserslautern – seit diesem Wochenende „Das Schloss“ auch am Schauspiel Frankfurt, wo zuvor bereits „Die Verwandlung“ angelaufen ist: Kafka hat kein einziges Theaterstück geschrieben, doch findet sich kaum ein Theater mehr, das in jüngerer Zeit nicht Prosatexte von ihm für die Bühne zubereitet hätte. Nur zu gut passt wohl sein großes Zentralthema der quälenden Macht- und Hilflosigkeit des Individuums gegenüber undurchschaubaren Systemkräften in die Gegenwart.

Meine Kritik der fast vierstündigen Inszenierung Robert Borgmanns von "Das Schloss" in Frankfurt
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


14.01.2018

Bei so manchem Autor, mich eingeschlossen, ist es zumindest EINE Komponente des eigenen Tuns, was Peter von Matt über das Schreiben Franz Kafkas sagt: "Kafka lebte um des Schreibens willen. Er lebte nicht um des Geschriebenen willen. Wenn er eintrat in den Zustand des Schreibens, waren alle Fragen gelöst. Was immer ihn am Tag quälte, was ihn aufregte oder auch vergnügte, es war wie nicht mehr vorhanden, sobald er in der Nacht am Schreibtisch saß und vor seinen Augen auf dem Papier ein erster Satz sichtbar wurde. (...) Der einzelne Satz war für Kafka also nicht ein Medium, um etwas mitzuteilen, der einzelne Satz besaß nur den Zweck des eigenen Entstehens, den Zweck seiner Vollkommenheit."
(Gefunden gestern bei Frankfurter Premiere im Programmheft zu Robert Borgmanns Inszenierung von Kafkas "Das Schloss")


13.01.2018

So ein Gedanke beim geruhsamen Samstagsfrühstück >
Wirft man einen kleinen Blick hinaus über den Tellerrand des alltäglichen Polit- und Wirtschaftsfurors, stößt man unweigerlich auf einen beunruhigenden größeren Zusammenhang: Die Entwicklung der menschlichen Zivilisation ist gerade dabei, sich in einem Absurdum festzufahren. Die heutige Weltwirtschaftsweise folgt der Maxime, wonach permanentes Wachstum oberstes und alternativloses Ziel allen Wirtschaftens ist. Zugleich aber steht diese Maxime bei einer alsbald 8 bis 10 Milliarden Menschen umfassenden Weltbevölkerung einer absoluten Endlichkeit von Ressourcen und Belastbarkeit der globalen Ökosphäre gegenüber.


12.01.2018

Weil im neuen Jahr jetzt bereits die fünfte Anfrage eingegangen ist, ob ich die Moderation von dieser oder jener Diskussions-/Talkrunde übernehmen könnte: Ich mache schon seit einigen Jahren keine Moderationen mehr. Warum? Diese Rolle liegt mir einfach nicht. Punkt. Ich nehme auch nicht mehr als Diskutant an solchen Runden teil. Warum? Mein Denkapparat ist zu langsam für das moderne Schnellschnellkurz dieser Formate. Erfahrungsgemäß sind die anderen Diskutanten schon bei Frage 4 angelangt, da habe ich erst die Antwort auf Frage 1 beisammen. Ich schreibe und halte Vorträge. Das muss genügen. Um Verständnis sei gebeten.


09.01.2018

ad. Koalitionssondierung Union/SPD:

*kopfschüttel* Könnte es sein, dass die Führung der deutschen Sozialdemokratie ihre Partei umweltpolitisch gerade auf die gleiche Piste treibt, auf der sie sozialpolitisch schon mit Hartz IV so "erfolgreich" war? Wobei, um da keine einseitigen Missverständnisse aufkommen zu lassen: Auch die CDU-Führung um "Umweltkanzlerin" Merkel verfährt jetzt nach der Devise: Was kümmern uns unser Geschwätz und unsere Beschlüsse von gestern.

Das Elend an der Sache ist nicht, dass es für die SPD übel ausgehen wird. Das Elend ist vielmehr, dass beide große Parteien de facto signalisieren: So schlimm ist das nicht mit dem Klimawandel, auf zehn Jahre mehr oder weniger kommt's nicht an. Und 2030 werden die ewigen Wachstumsparteien mit demselben Spruch vors Publikum treten wie jetzt: "realistische Einschätzung - die Klimaziele sind in so kurzer Zeit nicht mehr zu schaffen".


08.01.2018

Jetzt gilt's! Die Finalrunde ist eingeläutet, die Ziellinie endlich in Sicht. Das zehnte und letzte Kapitel meines Büchleins über 210 Jahre Musik-Institut Koblenz ist ausrecherchiert. Die verbleibende Schreibstrecke bemisst sich nicht mehr nach Monaten, allenfalls noch nach zwei, drei Dutzend Tagen. Auf denn, ans Werk!


07.01.2018

Dankenswerterweise ausgegraben von Rudolf Homann

„Was die klassische Rhetorik der Rechten betrifft, so können wir uns kurz fassen. Sie hätschelt immer die gleichen Ängste. Seit unvordenklichen Zeiten beschwört sie den Untergang des Abendlandes und den Verlust der Mitte. Regelmäßig beklagt die Partei der Bulldozer den Zerfall der Werte, die Partei der Korruption die sittliche Verwahrlosung, die Partei der Banausen die Zerstörung der Kultur. (…) Dass das drohende Versinken in Anarchie und Chaos ausgeblieben ist, darin sehen sie keinen Grund, sich zu revidieren; sie betrachten es als ihr Verdienst. Unverdrossen warnen sie uns vor Überfremdung und Unterwanderung und fallen uns mit Identitätsproblemen und Orientierungsverlusten auf die Nerven, mit denen das Gemeinwesen angeblich zu kämpfen hat.“

HANS-MAGNUS ENZENSBERGER,
Mittelmaß und Wahn, Frankfurt 1988

                                            ***

So. Die gute Stube ist entweihnachtet, das Festbäumchen entsorgt. Sein abgeschnippeltes Geäst dient nun als befestigende Auflage für den matschig gewordenen Wiesenpfad zu Brennholzlager und Mülleimern. Hier verkommt nichts. Das Stämmchen zu Ofenstücken zersägt und dem Holzstapel für nächsten Winter zugeführt. Frühling kann kommen. Fragt sich nur, was wird zuerst eintrudeln: Frühjahrsmüdigkeit oder Frühlingsgefühle. Mir kämen Letztere zupass.


05.01.2018

Alltagsgeschichtchen:

Er wird – vornehmlich in der Damenwelt - allzu oft völlig missverstanden: der Herren Griff dorthin, wo in der Hose ihr Gelege, Gehänge, Gelärsch, Gemächt gelagert, gebunden, gewickelt oder gezwackelt ist. Gewiss, es gibt es diesen Griff auch als demonstrative Protzgeste „Achtung, hier bin ich, der Mannnnn!“. Gewöhnlich und zumeist dient er jedoch entweder der Vergewisserung „Ist noch alles da?!“ oder dem Bemühen, schmerzhaft kneifender respektive quetschender Fehllagerung des zivilisatorisch beengten Naturapparates Abhilfe zu schaffen.

Noch häufiger indes resultiert der Griff aus der simplen Unsicherheit „Ist die Hose richtig zu?“. Man(n) möchte vermeiden, was mir heute in der Früh Peinliches widerfuhr. Die Bäckerin beugt sich über den Tresen und flüstert mir zu: „Ihr Hosenschlitz steht offen.“ Das Gesicht nun wohl sehr gut durchblutet, drehe ich mich dezent zur Seite, versuche das Malheur unauffällig zu beseitigen. Ziehen, zuppeln, zerren – nichts hilft, denn der Reißverschluss ist von unten her aufgerissen; mithin kaputt. Notgedrungen mittels Brötchentüte getarnt, schleiche ich von hinnen. Und bin doch der Bäckersfrau dankbar, dass sie mich nicht ahnungslos in die Schmach eines ganzen Tages mit offenem Laden hat ziehen lassen.


04.01.2018

Da jetzt mehrfach angefragt wurde: Nein, selbst wenn ich wollte, könnte ich mein unten verlinktes Neujahrsessay nicht (kosten)frei ins Netz stellen. Die diesbezüglich 2016 revidierten Verträge zwischen der Rhein-Zeitung und mir sind eindeutig. Freien Zugriff gibt es auf meiner eigenen Website nur noch auf die Neujahrsessays der Jahre 2000 bis 2015. Wer darin ein bisschen schmökern will, erreicht über den folgenden Link das Essay 2015, an dessen Ende auch alle vorherigen Jahreswechsel-Aufsätze verlinkt sind.

Neujahrsessay 2015:
Vorwärts in die Vergangenheit - 2014 drehte sich manches Rad rückwärts


02.01.2018

Mein seit anno 2000 alljährlich vielleicht wichtigster Zeitungsbetrag: das Neujahrsessay, abgedruckt in der Rhein-Zeitung jeweils am ersten Werktag nach Silvester. Heuer geht es von der Feststellung aus, dass der Homo sapiens zwei gegenteilige Grundzüge in sich vereint: Hier unbezähmbare Neugier und der ewige Aufbruchsdrang zu neuen Ufern; da das Prinzip "der Mensch ist ein Gewohnheitstier" und hängt am Vertrauten. In heutigen Zeiten immer schneller vor sich gehender Umbrüche und Veränderungen treten beide Grundzüge in scharfen Widerstreit zueinander.

Das ganze Essay "Sind denn alle verrückt geworden?"
(11 600 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


01.01.2018

Wären da noch die obligaten guten Vorsätze fürs neue Jahr. Meine könnten heuer so gehen:

1. Ruhe bewahren.
2. Ein bisschen Nachdenklichkeit verbreiten.
3. Mit meinen bescheidenen Möglichkeiten für Menschlichkeit streiten.
4. Heiter bleiben.
5. Die Freude an den einfachen Dingen pflegen.
6. Mit Anstand ein Jahr älter werden.

27.12.2017

So. Weihnachten liegt hinter uns und zumindest mir nun gehörig auf den Hüften. Mit der Fastenphase hernach wird das erstmal nichts, denn es stehen noch allerhand Töpfchen und Tellerchen mit süßem Gebäck herum, eingeschleust von Verwandten und Freunden. Sei's drum. Mich ruft die Pflicht zum seit 2001 traditionellen Neujahrsessay für die Rhein-Zeitung zurück an den Schreibtisch. Die Überschrift wird tatsächlich lauten: "Sind denn alle verrückt geworden?" Zuvor gehen noch die neuen "Quergedanken" raus (s.u.). Die aktuelle Ausgabe meiner Monatskolumne erzählt von einem Ereignis, das einem den treuen Lesern wohlbekannten Typen widerfahren wird: Freund Walter kommt auf die Theaterbühne.

2017-12-27 Quergedanken Nr. 155: Mein seltsamer Freund Walter
(freier Lesetext)


21.12.2017

Jahresendgrüße.

Sehr geehrte Damen und Herrn, liebe Kollegen/innen, Freunde/innen, Leute und Kinners,

ein Jahr geht zuende, das wohl nicht nur ich hinsichtlich des großen Weltgeschehens mit seinem kleinen Zeitgeist am liebsten so bilanzieren würde: "Sind denn alle verrückt geworden?!". Ob 2018 besser wird, lässt sich nicht vorhersagen, nur hoffen und wünschen.

Ich darf mich bedanken ggf. für gute Zusammenarbeit, für Interesse wie auch Kritik an meiner Arbeit. Es seien allerseits schöne Feiertage gewünscht.
(Die Schreibstube geht jetzt bis 27.12. in den Schlafmodus).


19.12.2017

"Zuhause, wieder zuhause - und mit heilen Knochen!" Erleichterter Ausruf nach drei endlosen qualvollen Stunden beim "Weihnachts-Shopping" in der großen Stadt. Nur ein Händchen voll klitzekleiner Liebesgaben für die heimische Bagage war mein Begehr. Doch abgesehen von zwei Büchern aus meiner Hirn- und Herzensbuchhandlung blieb das Einkaufssackerl leer. Warum? Weil das urbane Warenparadies schon nach zwei Viertelstunden meine sämtlichen Sinne unter ungeheuren Angebotsbergen von unfassbarem, pardon, immergleichem Scheißdreck verschüttet hatte. Als mir dann noch der Werbespruch entgegensprang "Wir shoppen nicht, wir kaufen uns glücklich", blieb mir als Rettungsring nur noch Shakespeare: "Erlaubt, dass ich gehe: Mir ist übel."


18.12.2017

So. Letzte Kritik im alten Jahr. Jetzt schaltet die Schreibstube in den langsamen Gang, bevor sie ab Donnerstag dann bis nach Weihnachten ganz stillesteht. Premiere hatte in Mainz das Antikenstück "Oedipus". Allerdings nicht in der bekannten Sophokles-Fassung, sondern in der fünf Jahrhunderte jüngeren Version des Seneca. Nach den 90 Minuten im Mainzer Staatstheater kann ich recht gut nachvollziehen, warum Letztere fast nie gespielt wird.

Meine Premierenkritik
3600 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


15.12.2017

Aus der Schreibstube.
Immer wieder werde ich gefragt: Wie lange arbeitest du eigentlich an so einer Theaterkritik oder der Quergedanken-Kolumne oder dem Neujahrsessay? Das ist kein Betriebsgeheimnis und berechnet sich - unter Berücksichtigung, dass ich ein recht langsamer Denker und Schreiber bin - bei Theaterkritiken im Durchschnitt etwa so: Angenommen den Fall, im Mainzer Staatstheater hat ein mir unbekanntes Stück Premiere, dann fallen 2 bis 4 Stunden Vorablektüre an (diese Phase entfällt bei altbekannten Stücken). Hinzu kommen gut 3 Std. für Hin-/Rückfahrt. Aufenthaltszeit im Theater ca 3 Std. Schreibzeit am nächsten Tag 4 bis 5 Std. Das macht in summa 13 bis 15 Stunden.

An den "Quergedanken" sitze ich durchschnittlich 2 Tage. Das Feilen, Schleifen, Schmirgeln des glossierenden Textchens braucht seine Zeit. Und meist geht erst die vierte oder fünfte Fassung in den Druck. Ganz anders die Arbeitsweise beim Neujahrsessay: Recherche und Materialsammlung laufen schon ab September/Oktober als permanenter Prozess nebenher. Das Schreiben selbst erstreckt sich dann über gut eine Woche.


14.12.2017

Noch drei Wochen besteht Gelegenheit, die Ausstellung zum Schaffen von Henry Moore im Arp Museum Remagen-Rolandseck zu besuchen. Am 8. Januar rücken dann Kräne und Tieflader an, um die teils tonnenschweren Großskulpturen des britischen Künstlers zurück auf ihre Stammplätze in Großbritannien zu schaffen. Blickwinkel öffnen, Brücken schlagen, Verbindungen deutlich machen: Diese in Rolandseck verfolgte kuratorische Linie prägt auch die jetzt  vorgestellten Ausstellungspläne des Museums für 2018. Stand das jetzt endende Jahr mit Moore ganz im Zeichen der Bildhauerei, so ist das kommende leitmotivisch überschrieben mit „Rausch der Farbe“. Malerei und ihre unterschiedliche Nutzung der Farben vom Mittelalter bis in die jüngste Gegenwart tritt ins Zentrum dreier gewichtiger Präsentationen.

Mein Vorbericht auf die Ausstellungen 2018 hier
4000 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


13.12.2017

Ewiges Geschlechterrätsel zur Winterszeit: Bei den Damen gelten die langen Beinkleider für untendrunter - Strumpfhosen, Nylons, Leggins, Wadenbundhöschen - als derart attraktiv, ja sexy, dass sie bisweilen sogar offen sichtbar getragen werden. Bei den Männern hingegen wird die lange Unterhose schnöde als "Liebestöter" diskriminiert. Da geschieht großes Unrecht!


12.12.2017

Das letzte Konzert beim Koblenzer Musik-Institut im alten Jahr hatte nur zwei Programmpunkte. Beides indes dicke Brocken, die mit 50 und 55 Minuten Spieldauer den Abend in der Rhein-Mosel-Halle prall füllten: das Klavierkonzert Nr. 1 von Johannes Brahms und die 1. Sinfonie von Edward Elgar. Es spielte das Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter Garry Walker, Solist am Flügel war Steven Osborne.

Meine Konzertbesprechung
4000 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


09.12.2017

Samstagsfrühstück: Wohlschmeckende Einfachheit auf dem Tisch, Gedanken dümpeln träge dahin, Blicke durchs Fenster hinaus in weiße Winterlandschaft, auf die leise der Schnee rieselt. Der wahre Luxus sei Langsamkeit, lange Weile, Muse, erklärte Lesch diese Woche. Ich schwelge im Luxus. Schnee ward in der Früh geschippt, Brennholzlager und Vorratskammer sind gut gefüllt. Spaziergang entfällt, denn im Wald da knallt's: Treibjagd ist - man bleibt besser weg. Beobachte das jüngst von eigener Hand gebaute Vogelhäuschen. Eifriger Zuspruch ginge anders: Nur zwei Meisen, Frau Amsel und Herr Buntspecht schauen mal kurz vorbei. Lese in der Zeitung von Freudentänzen bei der Deutschen Bahn über neue ICE-Schnellstrecke München/Berlin, auch von Kritik, die Anbindung des Nahverkehrs sei noch nicht optimal. Das ländliche Hirn fragt irritiert: Was für ein Nahverkehr?


08.12.2017

Seit ich mich in jungen Jahren mal eingehend mit der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie befasste und von da an ihre jeweils aktuelle Entwicklung aufmerksam verfolge, ist mein Verhältnis zur SPD ein sehr distanziertes. Von eben dieser Warte aus komme ich hinsichtlich der gestrigen Debatte auf dem Parteitag zu dem Eindruck: Diese war erstmals seit langer, langer Zeit wieder ein wirkliches Lebenszeichen der PARTEI.

Was die schlussendlich zu erwartenden Ergebnisse angeht, bleibe ich skeptisch. Denn der angestammte Zustand der SPD ist de facto einer der Unentschlossenheit und des Schlingerns: Wollen wir für einen demokratischen Sozialismus eintreten ODER bleiben wir bloß Reparaturkolonne des Kapitalismus? Immerhin: Solche Zwiespältigkeit ist noch das kleinere Übel, verglichen mit dem Agieren der SPD-Führung zB 1914 (Zustimmung zu Kriegskrediten), 1918-21 ( "Bluthund" Noske) oder in der Ära Schröder (neoliberaler Durchmarsch und Hartz IV).


07.12.2017

Sind wir eitel? Bin ich eitel? Aber ja, natürlich. Alle sind eitel, mal mehr das Äußere, mal eher Charakter und innere Werte betreffend; meist beides. Die wenigen Ausnahmen bestätigen nur die Regel - sofern für einige Fälle nicht sogar gilt: "Bescheidenheit ist die schlimmste Form der Eitelkeit". Man zeige mir eine Wohnung ohne Spiegel, oder ein Naturvolk, dessen Mitglieder sich nicht schmücken. Die "sozialen Netzwerke" sind ein weltumspannendes Panoptikum der Eitelkeiten; was früher den Flaniermeilen, Marktplätzen, Sonntagsgottesdiensten vorbehalten war. Hand aufs Herz: Wer wollte nicht Wohlgefallen wecken und Anerkennung finden im Auge des Gegenübers? Wer wollte sich nicht wertgeschätzt, interessant, gemocht, bisweilen begehrenswert fühlen? Es ist auch bei der Eitelkeit erst die Dosis, die das Gift macht.


05.12.2017

Doch, ja: Seit dem gestrigen Nachmittag bin ich übellaunig. Dabei hatte der Tag so schön begonnen - mit der Fertigstellung des 8. Kapitels (1933-45) meines Buches über die 210-jährige Geschichte des Musik-Instituts Koblenz. Hernach waren ein paar Dinge im Supermarkt zu besorgen. Und wieder wollte es mir nicht gelingen, herauszufinden, was in den Packungen wirklich drin ist. Weil: Aufschriften unleserlich oder völlig unverständlich. Ich: Sooo einen Hals. Anschließend 3 Stunden herumgeärgert mit dem elektronischen Meldesystem der VG Wort. Dann Postdurchsicht mit folgenden Eingängen: 1. zwölfseitiger Prüfbescheid der Rentenversicherung über Beiträge zur Künstlersozialkasse; verstanden haben ich davon nix, außer dass 39 Euro nachzuzahlen sind. 2. Meldebogen der Berufsgenossenschaft, bei dem ich nichtmal begriffen habe, was überhaupt gemeldet werden soll. Schließlich 3., unverlangte Zusendung einer neuen Bankcard ohne Info, ob die alte PIN gültig bleibt. Und da soll man nicht die Krätze kriegen? Mit Verlaub, egal ob staatlich, privatwirtschaftlich oder verbandlich: Unsere Bürokratien sind eine Pest!


03.12.2017

Es haben mich heute ein paar Fotos erreicht, von Godehard Juraschek aufgenommen im Koblenzer Theater während meiner Laudatio auf Olaf Theisen, den Kuturpreisträger 2017 der Stadt Koblenz. Eine kleine Rednerstudie ...


02.12.2017

Man soll ja Fragen nicht mit Gegenfragen beantworten. Aber manchmal hilft das zum besseren Verständnis. Frage also neulich (wieder mal) an mich: "Warum schreibst du - nicht nur beruflich für die Zeitung, sondernauch noch in der Freizeit, obendrein öffentlich über Persönliches?" Gegenfrage meinerseits: Warum fotografieren unzählige Zeitgenossen stets und ständig Landschaften, Sonnenauf- und -untergänge, Hund-Katze-Maus, sich selbst, ihre Füße, ihre Mitmenschen, ihre Urlaubsorte, ihr Essen etc.pp. und verbreiten ihre Bilder hier und überall? Gründe und Antworten mag nun jeder selbst finden und bedenken.

Was meine Schreiberei angeht: Ich schreibe, weil ich eben ein Schreiber bin - ein primär schreibender (und lesender) Mensch, kein fotografierender, musizierender, malender, bildhauernder, schauspielender .... Ich schreibe, weil ich gar nicht anders kann (vielleicht auch nichts Anderes richtig kann). Ich schreibe, weil ich auf diesem Weg am klarsten denken und mich am besten mitteilen kann. Das war schon in Kindertagen so; da ließ mich eine verständige Lehrerin im 3. Volksschuljahr regelmäßig den ganzen Vormittag an meinem Aufsatz werkeln, während die übrige Klasse schon längst wieder beim Rechnen oder sonstwas war.


01.12.2017

Hinter dem aktuellen Glyphosat-Streit - wie hinter fast allen strittigen Themen im Bereich Agrarwesen und Lebensmittelproduktion - steckt die Frage: Was ist/wäre eine "fortschrittliche Landwirtschaft" im 21. Jahrhundert? Hierzu sind derzeit zwei konträre Grundsatzantworten im Umlauf.

1.) Fortschrittlich seien möglichst großflächig und quasi industriell zu bewirtschaftende Monokulturen, bepflanzt mit eigens dafür genetisch konstruierten Früchten und auf dem Acker produziert mit Hilfe dafür eigens entwickelter chemischer "Optimierungsstoffe".

2.) Fortschrittlich sei eine moderne Bäuerlichkeit, die auf kleiner gehaltenen Wechsel- und Mischparzellen den gesamtökologischen Erfordernissen gerechter wird und zugleich die mittel-/langfristig entscheidende Produktivkraft des Agrarwesens bewahrt sowie aktuell optimal nutzen kann: die Biodiversität.

Es wird nun kaum jemanden wundern, dass ich selbst zu Antwort Nr. 2 neige und hinzufüge: Nr. 1 ist m.E. in Wahrheit eine rückständige Produktionsweise, weil sie a) alle modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Funktionsweise der lokalen wie globalen Ökosphären ignoriert. Und weil sie b) mittel- und langfristig selbst hinsichtlich der erforderlichen Nahrungsmittelmengen kontraproduktiv ist.


01.12.2017

Hinter dem aktuellen Glyphosat-Streit - wie hinter fast allen strittigen Themen im Bereich Agrarwesen und Lebensmittelproduktion - steckt die Frage: Was ist/wäre eine "fortschrittliche Landwirtschaft" im 21. Jahrhundert? Hierzu sind derzeit zwei konträre Grundsatzantworten im Umlauf.

1.) Fortschrittlich seien möglichst großflächig und quasi industriell zu bewirtschaftende Monokulturen, bepflanzt mit eigens dafür genetisch konstruierten Früchten und auf dem Acker produziert mit Hilfe dafür eigens entwickelter chemischer "Optimierungsstoffe".

2.) Fortschrittlich sei eine moderne Bäuerlichkeit, die auf kleiner gehaltenen Wechsel- und Mischparzellen den gesamtökologischen Erfordernissen gerechter wird und zugleich die mittel-/langfristig entscheidende Produktivkraft des Agrarwesens bewahrt sowie aktuell optimal nutzen kann: die Biodiversität.

Es wird nun kaum jemanden wundern, dass ich selbst zu Antwort Nr. 2 neige und hinzufüge: Nr. 1 ist m.E. in Wahrheit eine rückständige Produktionsweise, weil sie a) alle modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Funktionsweise der lokalen wie globalen Ökosphären ignoriert. Und weil sie b) mittel- und langfristig selbst hinsichtlich der erforderlichen Nahrungsmittelmengen kontraproduktiv ist.


30.11.2017

Dieser Tage sah ich im TV den ganz reizenden Film "Shadows in the sun" (Unter dem Himmel der Toskana). Eine von etlichen wunderhübschen Szenen ging ungefähr so: Im Dorfcafé sitzen ein gealterter ehemaliger Erfolgsschriftsteller (Harvey Keithel) und ein junger Bursche mit Liebeskummer (Joshua Jackson) gemütlich beisammen. Nach der dritten Karaffe Rotwein plaudern sie beseelt Tiefsinn. Fragt der Junge: "Warum hat Gott die Frauen erschaffen?" Sagt der Alte: "Um wieder gut zu machen, was er mit den Männern angerichtet hat." Darauf schwärmt er leise und mit geschlossenen Augen von den Schönheiten des weiblichen Leibes. Das führt nun den jungen Mann zur versonnenen Schlussfolgerung: "Wäre ich eine Frau, ich wollte lesbisch sein."


29.11.2017

Time is money. Nur leider: Wenn man die Zeit in Geld verwandelt hat, ist sie weg.


28.11.2017

Von Hause und seit jeher habe ich ja ein eher distanziertes Verhältnis zu den deutschen Parteien (nur der AfD gegenüber ist es, zugegeben, von grundauf feindselig). Bei unterschiedlichen Themen gibt es jeweils größere oder kleinere Schnittmengen - meist kleinere - zwischen Positionen/Plänen dieser oder jener Partei und meinen eigenen Ansichten, Überlegungen, Fragen. Der leider weit verbreitete Zug, etwas schon (bzw. nur) deshalb für richtig oder falsch zu halten, weil es von einer bestimmten Partei vertreten wird, ist mir ziemlich fremd. Entsprechende Diskussionen zwischen eingefleischten Parteigängern finde ich oft ebenso unergiebig wie langweilig. Deshalb hätte ich auch gegen eine Minderheitsregierung nichts einzuwenden. Von dem subjektiven Umstand mal abgesehen, dass das in Deutschland ungewohnt wäre, spricht m.E. objektiv wenig dagegen. Mangel an Stabilität, Verlässlichkeit, Veränderungskraft? Ach was, das wäre doch nichts Neues.


27.11.2017

Da ist sie wieder, die bohrende Frage: Tut das Theater sich oder der Literatur einen Gefallen, ständig nicht für die Bühne geschriebene Romane auf die Bühne zu hieven? Aufgeworfen wird sie einmal mehr vom Theater Bonn, das jetzt einen dreistündigen Abend auf Basis von Juli Zehs 2016 erschienenem Roman „Unterleuten“ herausgebracht hat. Seit gut 20 Jahren sind solche Zugriffe auf literarische Klassiker wie auch Neuheiten Mode am Theater. Folgten ihr in der hiesigen Großregion anfangs vorallem die Häuser des Rhein-Main-Raumes, hält seit Beginn der Intendanz von Bernhard Helmich 2013 alljährlich Bonn den zahlenmäßigen Rekord.

Meine Premierenbesprechung
4000 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


26.11.2017

Heuer befasst sich die letzte Ausgabe meiner Monatskolumne "Quergedanken" im alten Jahr mit hiesigen Sitten und Unsitten des vorweihnachtlichen Trubels. Dies vorweg: Obwohl von Religiosität bekanntermaßen gänzlich unbeleckt, habe ich gar nichts gegen Weihnachten. Der lebensfrohe Grundsatz „man soll die Feste feiern wie sie fallen“ gilt mir viel; sofern es sich nicht gerade um Kaisers oder Führers Geburtstag handelt. Der strenggläubige Einwand sticht nicht, wonach nur derjenige Anrecht auf weihnachtliche Festivität habe, der an die Jungfrauengeburt Christi glaubt.

Quergedanken Nr. 154: Oh du süßes Klingelingbimbim


24.11.2017

Hin und wieder tönt es mir aus dem nahen Umfeld entgegen: "Du bist schnäkisch". Zwar weiß ich nicht, wie man dies mundartliche Adjektiv richtig schreibt. Doch dem damit einhergehenden Vorwurf widerspreche ich mit Entschiedenheit. Denn ich esse fast alles - auch wenn außer Sauerkraut sowie Erbsen & Möhren jedwedes Gemüse meinen Gaumen wenig entzückt und vom Gedärm nur in Portiönchen akzeptiert wird, die andere Leut' für Tellerdekoration halten würden.

Salat aber mag ich gerne. Blatt-, Tomaten-, Möhren-, Rettich-, Kraut-, etc-salat; freilich nur sortenrein, also jede Art für sich. "Gemischter Salat" ist mir ein Graus, und das Drüberstreuen von Körnern, Bröseln, Sprossen macht ihn mir ungenießbar. Es entsetzen mich die gewaltigen Schüsseln mit Grünzeug, die vor allem einige Damen meines Verkehrskreises zu leeren pflegen. Derartige Mengen würden des Autors Leib in ein flatulierendes Gaskraftwerk verwandeln und alsbald explodieren lassen. "Demnach ist er ein Fleischfresser" geht jetzt wohl die Vermutung. Mitnichten! Fleisch und Wurst ess' ich gerne, doch nur vom Biobesten und in Maßen weit unter dem hiesigen Prokopf-Durchschnitt.

Obst liegt mir - wenn's nicht sauer ist. Selbst Asienfood und Sterneküche nehme ich zu mir - im Notfall. Wovon ernährt er sich dann, dieser Mann? Halt von allem übrigen: Hülsenfrüchte, Mehl- und Eierspeisen, Milchprodukte aller Art (die Käse je stinkiger umso lieber), Nüsse, Nudeln und Erdäpfel in jedweder Form, Reis, Griesbrei, Polenta, Couscous. Dazu das beste, wichtigste und für mich schmackhafteste überhaupt: Brot, Brot, Brot, Brot. Was also heißt da "schnäkisch"? Der Kerl ist so einfach glücklich zu machen.


23.11.2017

Die Mär von der angeblich "links-grün versifften" deutschen Medienlandschaft wird nicht wahrer dadurch, dass man sie ständig wiederholt. Faktum: Fast das gesamte Segment der auflagenstärksten Boulevardzeitungen und -illustrierten tendiert seit jeher in die entgegengesetzte Richtung, vorneweg Springer. Das Gros der Wirtschaftsmagazine und Wirtschaftsteile aller Medien war/ist konservativ oder neoliberal aufgestellt. Die deutschen Regionalzeitungen neigen traditionell eher zu bürgerlichem Konservatismus. Einer guten Hundertschaft privater TV- und Rundfunkanstalten ist alles mögliche zu eigen, aber gewiss keine links-grüne Tendenz. Und was die viel gescholtenen Öffentlch-Rechtlichen angeht: Der Umstand, dass Löwental und der alte "Report aus München" nicht mehr das Bild prägen, macht noch lange keinen "links-grünen Staatsfunk".


22.11.2017

Es haben nun alle überall zum Jamaika-Scheitern alles Sagbare gesagt. Da erzähle ich lieber von einer anderen, mir im Hallenbad widerfahrenen Wunderlichkeit moderner Zeit. Nach 45 Minuten eifrigen Schwimmens stehe ich unter der männergemeinschaftlichen Warmdusche. Das Duschen ist im Eintrittpreis inbegriffen, was so einen Badegang auch zum finanziell sehr günstigen Vergnügen macht. Ich also mit Seife und Shampoo im wohligen Wasserstrahl - selbstredend nackt, denn es will ja der ganze Leib einschließlich Haupt- und Nebenhaar von Chlor und Co. gereinigt werden.

Nun betritt ein jüngerer Vater mit zwei Knaben den Duschraum. Er spricht zu mir: "Würden sie bitte ihre Badehose anziehen, hier sind auch Kinder." Weil meine Visage daraufhin wohl einen Ausdruck völliger Verblödung annimmt und meinem Maul ein entsprechendes "häh?" entfährt, wiederholt der Herr seine Aufforderung. Jetzt erst, da mir wirklich bis ins Hirn durchdringt, was er sagt, kann ich angemessen reagieren.

Frage also meinerseits und durchaus freundlich vorgetragen: "Ihre beiden Kinder, das sind doch Buben?" Auf sein zustimmendes Nicken hin fahre ich fort: "Dann sehe ich keine Veranlassung, anno 2017 in einer öffentlichen Badeanstalt von den mehrere tausend Jahre alten abendländischen wie auch morgenländischen Badegebräuchen abzulassen." Woraufhin er empört androht, den Bademeister einzuschalten, und nebst Knaben den Duschraum verliässt. Indes: Der Herr taucht nicht mehr auf. Weshalb anzunehmen ist, dass der Bademeister - in diesem Fall eine Bademeisterin - ihn hinreichend über die Traditionen der Badekultur aufgeklärt hat.


20.11.2017

Ad Jamaika-Scheitern.
Nun denn. So erleben wir jetzt halt ebenfalls mal, was die meisten der älteren Demokratien schon vor langer Zeit oder mehrfach durchexerziert und überstanden haben. Neugierig, wie die Deutschen damit umgehen.


16.11.2017

Die Hausbank (Volks- und Raiffeisen) hat eine Mitteilung über "Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen ab 13.1.2018" geschickt. Das Schreiben umfasst 22 sehr eng und sehr klein bedruckte Papierseiten. Die dort verwendete Sprache ist zweifelsfrei Deutsch, die Anzahl der aus anderen Sprachen entlehnten Fremdwörter durchaus bescheiden. Wunderlich deshalb: Obwohl studiert und in mehreren Fächern erfolgreich examiniert sowie von Berufs wegen seit jahrzehnten vornehmlich mit deutscher Sprache befasst, verstehe ich beim ersten Drüberlesen nur Bahnhof - und selbst beim zweiten, sorgfältigeren, Durchgang bestenfalls noch Gleis 1.


13.11. 2017

Am gestrigen Sonntag wurde dem Intendanten des Koblenzer Musik-Instituts, Dr. Olaf Theisen, der Kulturpreis der Stadt Koblenz verliehen. Mir war die Aufgabe und die Ehre zugefallen, bei der Festverstaltung im Theater Koblenz die Laudatio auf den Preisträger zu halten. Und gerne komme ich dem Wunsch nach, mein Redemanuskript auch der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der vom geladenen Auditorium mit manchem Lachen und am Ende reichlich Beifall aufgenommene Vortrag dauerte knapp 25 Minuten. Heißt: Es ist nicht gerade ein kurzer Text. Gleichwohl sei potenzieIlen Lesern eine interessante wie kurzweilige Lektüre in Aussicht gestellt.

Manuskript der Laudatio hier

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Heute zuerst der Hinweis auf meine Besprechung des 3. Koblenzer Anrechtskonzerts am Freitag: Der erste Teil des Abends brachte Novemberstimmung in die Koblenzer Rhein-Mosel-Halle. Benjamin Brittens Suite „A Time There Was“ schmeckt weithin nach nebelverhangenen grauen Frösteltagen. Die folgenden „Kindertotenlieder“ von Gustav Mahler verströmten Gram und tiefe Trauer. Nach der Pause übernahm mit Dimitri Schostakowitschs 5. Sinfonie opulent auftrumpfende Großsinfonik das Regiment. Deren Umsetzung durch die Rheinische Philharmonie unter Garry Walker wurde zu Recht mit sehr langem Beifall gefeiert.

Konzertbesprechung hier
kostenpflichtiger RZ-Text, 3900 Anschläge, 49 Cent


11.11.2017

Da tappsen mir beim behaglichen Samstagsfrühstück plötzlich völlig unangemeldet zwei Gedanken durchs Hirn, die obendrein gar nichts miteinander zu tun haben.

1.) Womit eigentlich haben all die Straßenbaufirmen früher ihr Geld verdient, deren Baustellen ohne Zahl heute gleichzeitig jede, aber auch jede Fern- und die meisten Nahstraßen sowie das Gros der deutschen Innenstädte um und ümmer graben?

2.) Es täte wohl jedem Menschen gut, wenn er zumindest in der Übergangsphase vom späten Kind zum Erwachsenen für eine Weile auf ziellose Wanderschaft ginge. Eine Wanderschaft zu anderen Orten und Leuten; durch ungekannte Kulturen und Lebensweisen; hinein in unvertraute Denkschulen und Wissenszweige: hinab oder hinauf zu Krisenphasen, Zweifeln, Irrtümern: dorthin auch, wo die einfache Arbeit schwer und Schmalhans Küchenmeister ist ... Wir tun uns keinen Gefallen mit der Zurichtung von Bildungs- und Lebenswegen auf ein gradliniges, ungebrochenes, schnelles und effektives Erwachsenwerden.


09.11.2017

Eben habe ich aus der hintersten Ecke des Kleiderschrankes meinen einzigen und also "den guten" Anzug hervorgekramt. Nun hängt der dunkle Zweiteiler am Fenster und schnappt frische Luft. Solch Glück widerfährt ihm nur alle Jubeljahre, weil die honorable Herrenuniform halt noch nie mein Ding war. Anlass für den Ausnahmezustand ist ein Gesellschaftsereignis am kommenden Sonntagvormittag im Theater Koblenz: die Verleihung des Koblenzer Kulturpreises an Dr. Olaf Theisen, den Intendanten des Musik-Instituts. Da ich wegen meiner derzeitigen Buchschreiberei über die 210-jährige Geschichte eben dieses Instituts tief in der Materie stecke, wird mir die Ehre zuteil, die Laudatio auf den Preisträger zu halten. Was ich gerne mache - und zu diesem Behufe mich ins zwar angemessene, aber ungeliebte Outfit zwänge.


07.11.2017

Heute vor 100 Jahren. 7. November 1917 (25. Oktober nach julianischem Kalender) = Symboldatum für "Ausbruch der russischen Oktoberrevolution". Bei Durchsicht der medialen Aufbereitung des Themas wird einmal mehr erkennbar: Es gibt in der landläufigen Geschichtsbetrachtung verbreitet eine starke Neigung zu entweder Verklärung oder Aburteilung und Verdammung dieser Revolution, ja bisweilen jedweder Revolution.

Kleine Anmerkung zum Thema hier


06.11.2017

Seit Januar wird Friedrich Dürrenmatts Stück „Die Physiker“ in einer ansehnlichen Bearbeitung am Staatstheater Mainz gespielt. Jetzt hat auch das Theater Bonn eine bemerkenswerte Neuinszenierung der Tragikomödie aus der Zeit des Kalten Krieges herausgebracht. Das Werk von 1962 dieser Tage auf den Spielplan zu setzen, ist naheliegend. Denn wie in beiden Fällen zu sehen, bewährt es sich als scharfer Kommentar zu einer Gegenwart, in der Technik und Ökomonie mit nie dagewesenem Tempo Lebensweise und -grundlage der Menschen umwälzen respektive zerstören.

Meine Premierenkritik hier
3600 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


05.11.2017

Neulich stand ich anderwärts mit einigen jüngeren freischaffenden Journalistenkollegen beisammen, die alle ein uraltes Klagelied dieser Zunft anstimmten: über Redakteure, die ihre Beiträge schlecht oder gar falsch redigierten, Kernaussagen rauskürzten, den individuell-originären Autorenstil wegschliffen oder Überschriften, Vorspänne, Anmoderationen formulierten, die zielgenau am Wesen des Beitrages vorbeigingen. Als Senior, der nun fast so lange Freischaffender ist, wie er zuvor auf der anderen Schreibtischseite Redakteur war, riet ich zu etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit einem Phänomen, das quasi in der Natur der Sache liegt - und das, so ärgerlich es im Einzelfall sein mag, doch eher die Ausnahme von der Regel darstellt.

In der Regel nämlich, so mein langjähriges Erleben, erfahren die Beiträge beim Zuschnitt auf gegebene Platzverhältnisse, Sendezeit oder (Eigen)Art des jeweiligen Mediums auch eine Aufwertung. Ich selbst bin kein besonders guter Schlagzeilenmacher und nur ein mäßiger Layouter. Und gewiss lässt sich manche Stelle in meinen Texten fürs jeweilige Publikum verständlicher, klarer, manchmal richtiger oder sogar schöner formulieren. Da bin ich dann gar nicht selten positiv überrascht, welch feinen Auftritt die Kollegen/innen meiner Schreiberei verschaffen - so sie die angemessene Zeit dafür haben.

Freilich gehen da bisweilen auch Schüsse daneben. Wenn Leser/Hörer dich in solchen Fällen angehen - "Wie kommen sie bloß auf so eine Überschrift, die gibt ihr Text doch gar nicht her?" - kannst du nur mit den Schultern zucken und an den Umstand erinnern: In den meisten Pressemedien werden Überschriften, Vorspänne, Anmoderationen nicht vom Autor des Beitrages selbst verfasst, und selten nur wird sein Beitrag eins zu eins in der Urfassung publiziert. Das kann man bedauern. Aber wie sähen Zeitungen und Sendungen wohl aus ohne die gestaltende Hand von Redakteuren?
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05.11.2017

TV-Tip für Montag 6.11., ZDF 20.15 Uhr: "Dengler - Die schützende Hand". Krimis sind bekanntlich nicht mein Ding. Aber in diesem Fall: Wolfgang Schorlau, der Autor des hier verfilmten gleichnamigen Kriminalromans, gilt als einer der politischsten und kritischsten Krimischreiber Deutschlands. Seine Faktenrecherchen sind umfassend und akribisch; jeder der bisher acht Romane mit Privatdetektiv Dengler legt den Finger in schwärende Wunden bundesrepublikanischer Verhältnisse. Diesmal geht es um Fragwürdigkeiten bei der Aufklärung der NSU-Morde. Und da der aus Idar-Oberstein stammende Schorlau, der etliche Jahre auch in Koblenz gelebt hat, obendrein ein alter und sehr kluger Freund von mir ist, empfehle ich ausnahmsweise mal einen Krimi.


04.11.2017

Drei Jahre ist es her, dass ein nur 60-minütiges Tanzstück die Zuseher am Mainzer Staatstheater zu frenetischem Beifall hinriss. Im Dezember 2014 hatte die neu formierte Compagnie tanzmainz eine Choreografie namens „Plafona Now“ aufgeführt. Die von der israelischen Choreografin Sharon Eyal stammende Arbeit konfrontierte Mainz mit einem dort bis dahin noch nie gesehenen zeitgenössischen Tanzstil. Jetzt kam auf derselben Bühne Eyals jüngste Arbeit „Soul Chain“ zur Uraufführung. Ihre dynamische Stilistik ist nun vertrauter, die Faszination daran aber keinen Deut geringer.

Meine Premierenbesprechung hier
3400 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


02.11.2017

"Kulturhauptstadt Koblenz: Idee ist vom Tisch" titelt der Kulturteil der Rhein-Zeitung heute (2.11.2017). Anlass: Die Stadtführung zieht ihren Vorstoß für eine Bewerbung zurück, weil das Land Rheinland-Pfalz nicht in die Mitfinanzierung einsteigen will. Ich stand der Idee von Anfang an zwar nicht ablehnend, aber doch sehr skeptisch gegenüber. Es geht eben nicht bloß darum, den am Ort eh vorhandenen Mix an Kultur etwas herauszuputzen/aufzupeppen und in einen neuen werblichen Hochglanz-Auftritt zu packen.

Meine Anmerkungen zum Thema hier


29.10.2017

Sie ist eine der berühmtesten Mainzerinnen, gehörte in weiten Kreisen freilich nie zu den beliebtesten: die Kommunistin und Schriftstellerin Anna Seghers (1900–1983). Vor 75 Jahren erschien ihr großer Roman „Das siebte Kreuz“. Dieser Tage sind dem Text wie seiner Autorin in Mainz und Frankfurt eine Fülle von Veranstaltungen gewidmet. An zentraler Stelle steht dabei die zweite je in Deutschland produzierte Adaption des Werkes für die Bühne; die erste war 1981 in Schwerin zu sehen. An diesem Wochenende gab Anselm Weber damit seinen Regieeinstand als neuer Intendant des Schauspiels Frankfurt.

Meine Premierenbesprechung hier
4000 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


28.10.2017

Nachtrag zu meinen #meToo-Anmerkungen vom 26.10.
wer jenen Text noch nicht kennt, kann ihn hier nachlesen:

Es wird jetzt der Ruf laut nach neuen gesetzlichen Regelungen wider sexistische Übergriffigkeit. Man kann das überlegen, vielleicht wäre es im einen oder anderen Bereich sinnvoll bzw. hilfreich. Nach meinem Dafürhalten ist das derzeit hierzulande aber nicht der entscheidende Punkt.

Man mag sich das der Einfachheit halber wünschen, aber es lassen sich über Jahrhunderte des Patriarchats gewachsene Unkultur-Praktiken nunmal kaum mit ein paar formalen Federstrichen aus der Welt schaffen. Dazu bedarf es vielmehr einer Art Kulturrevolution der Geschlechterbeziehung, eines gesellschaftlichen Prozesses hin zur allgemeinen Ächtung sexistischer Übergriffigkeit in Wort und Tat. (Dass männliche Macht-, Dominanz- und Privilegstrukturen in Wirtschaft, Politik und öffentlichem Leben aufgebrochen und zerbrochen werden müssen, habe ich nicht eigens thematisiert, weil: Den Kampf darum betrachte ich als Selbstverständlichkeit.)

Und dies noch, das auch ich über die Jahrzehnte erst lernen musste und alle Tage wieder bedenken muss: Jede Frau hat das Recht, ihre ganz eigenen individuellen Grenzen zu ziehen. Die können obendrein in jedem Einzelfall gegenüber verschiedenen Männern auch noch völlig unterschiedlich verlaufen. Im einen Fall erlauben Vertrautheit, Vertrauen, Freundschaft, Nähe, wechselseitige Zuneigung Umarmungen, Küsschen, geziemendes Anfassen oder sogar mal verspielt frivole Bemerkungen. Im anderen Fall verletzt dies, das oder jenes einige bzw. alle Grenzlinien.

Gewiss, es ist nicht immer einfach, herauszufinden, was, wann bei wem gilt. Aber: Selbst chauvenistische Dickhäuter könnten - wenn sie mannhaft genug wären, es zu wollen - Distanzverhalten, abwehrende Blicke und Gesten, missbilligende Bemerkungen als das verstehen, was sie sind: ein NEIN. Und nein heißt nein - ist das genaue Gegenteil von Ja.


26.10.2017

So, Feierabend. Kleiner Schnitt zum Wochenende - für ein paar Tage raus aus der Arbeit am Buch über 210 Jahre Geschichte des Koblenzer Musik-Instituts und rein in aktuelle Kritikerpflichten: Am Freitag im Schauspiel Frankfurt Regieeinstand des neuen Intendanten Anselm Weber mit einer Bühnenadaption von Anna Seghers "Das siebte Kreuz"; am Samstag Premiere "Soul Chain", neue Produktion der Tanzsparte am Mainzer Staatstheater.

Für die Bucharbeit grabe ich mich seit einigen Tagen durch das Teilthema "Koblenzer Kulturleben 1933 bis 1945". Einmal mehr wird mir dabei deutlich: Gleichschaltung und Unterwerfung (nicht nur) des Kulturlebens vollzogen sich für damalige Zeitgenossen vielfach weniger im schlagzeilenträchtigen Großen, sonder als schleichende Prozesse im Kleinen. Da wirkt ein Mix aus auf den den ersten Blick oft wenig spektakulären Verwaltungsakten, diversen Personalrochaden sowie peu a peu fortschreitender, anfangs fast unscheinbarer ideologischer Beeinflussung der öffentlichen Stimmung und Meinung. Bis schließlich die Nazis plötzlich sämtliche Kulturapparate beherrschen und organisatorisch wie inhaltlich die NSDAP-Kommandowirtschaft das Regiment übernommen hat.


25.10.2017

Diese aktuelle #metoo-Bewegung finde ich gut - auch wenn ich über die Jahrzehnte sehr viele Frauen getroffen habe, bei denen Mannsversuche verbaler oder gar händischer Übergriffigkeit keinesfalls ungestraft blieben. Aber es kann ja selbst im Falle solch starker Frauen nicht sein, dass sie in permanenter Bereitschaft leben müssen, sich zu wehren oder zurückzuschlagen. Da chauvenistische Übergriffigkeit, wie #metoo zeigt, leider und unerträglicherweise offenkundig anhaltend ein Massenphänomen ist, bleibt wohl gerade auf Männerseite noch einiges zu tun.

Weitere Anmerkungen zu diesem Thema


23.10.2017

„Das Orchester hier hat mit einer Wollust geübt und gespielt und mich gelobt, wie es mir noch nie passiert ist.“ Derart freute sich Johannes Brahms über die triumphale Uraufführung seiner 2. Sinfonie anno 1877. Ähnliche Anwandlungen durchzucken den Zuhörer jetzt mehrfach während der Realisation desselben Werkes durch die Rheinische Philharmonie beim Koblenzer Musik-Institut. Wie damals im Wiener Musikverein das Publikum gespannt war auf die neueste Komposition von Brahms, so jetzt das Auditorium in der Rhein-Mosel-Halle auf die Leistung des hiesigen Staatsorchesters beim zweiten Anrechtskonzert unter Stabführung seines neuen Chefdirigenten Garry Walker.

Meine Konzertbesprechung hier
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Sämtlichen Gratuliererinnen und Gratulanten meinen allerherzigliebsten Dank - für die guten Wünsche sowie den Zuspruch, auch fürderhin die mal ernsthaft, mal schalkhaft spitzige Feder nicht stillestehen zu lassen. Ich bin ob der Alterung mit ihrem steten Zugewinn an Erfahrung und Erkenntnis nicht gram. Allenfalls etwas irritiert über den Umstand, dass ich nun ein Jahr älter bin als der Großvater geworden ist - den mein Kindheitsgedächtnis nur als ururalten Greis zeigt.


19.10.2017

Eigentlich ist es noch viel zu früh für meine Monatskolumne "Quergedanken". Aber die aktuelle Folge ist "Vaterlandslose Gesellen" betitelt und handelt vom Thema "Heimat". Weil das eben jetzt in allen Medien rauf und runter diskutiert wird, droht mir das Thema - wie es in der Journalistenzunft heißt - "wegzulaufen". Häufig ist es aus organisatorischen Gründen unvermeidlich, die "Quergedanken" schon zwei bis vier  Wochen vor Abdruck im mittelrheinischen Monatsmagazin "Kulturinfo" zu schreiben. Die jetzige Nr. 153 entstand bereits in der ersten Oktoberwoche. Damit es nachher nicht heißt, der Autor bete bloß den medialen Mainstream nach, habe ich mich für die vorgezogene Publikation im Netz entschieden.

"Quergedanken" 153: Vaterlandslose Gesellen


13.10.2017

Es kommt seltener vor als gemeinhin angenommen, dass mehrere (professionelle) Kritiker eine Bühnenproduktion völlig gegensätzlich bewerten. Viel öfter neigen sie - freilich mit verschiedenen Abstufungen, Blickwinkeln, Gewichtungen - in gemeinsamer Grundtendenz zur einen oder anderen Urteilsrichtung. Hinsichtlich der jüngsten Produktion des Hessischen Staatsballetts, "Eine Winterreise" ist nun allerdings der Extremfall eingetreten: Volker Milch (Rhein-Main-Presse) schreibt vom Besten, das die Wiesbadener Tanzsparte seit Jahrzehnten geboten hätte. Ich hingegen komme, wie auch Sylvia Staude (Frankfurter Rundschau), zu dem Ergebnis, dass dies eine der schwächsten Choreographien von Tim Plegge ist.

Meine Besprechung des "Winterreise"balletts" hier
3600 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


09.10.2017

Einer der größten Klassiker auf kleines Format reduziert: Regisseur K. D. Schmidt lässt „Hamlet“ stramm in nur zwei Stunden auf einem kaum zwei Meter tiefen Bühnenstreifen vor dem eisernen Vorhang spielen. Das ist der sehenswerte Beitrag des Staatstheaters Mainz zum ringsumher opulenten Shakespeare-Reigen in der Theatersaison 2017/18.

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08.10.2017

Ein schönes Zitat:

"Wer dem Hass mit Hass begegnet, hat sich schon verformen lassen, hat sich schon jenem angenähert, von dem die Hassenden wollen, dass man es sei. Dem Hass begegnen lässt sich nur durch das, was dem Hassenden abgeht: genaues Beobachten, nicht nachlassendes Differenzieren und Selbstzweifel."

Carolin Emcke (gefunden gestern im Programmheft zu "Hamlet" am Staatstheater Mainz)


06.10.2017

Diesjähriger Träger des Literaturnobelpreises ist also Kazuo Ishiguro. Die üblichen Irritationen und die Einsprüche gegen den Entscheid halten sich diesmal in Grenzen, denn der japanische Brite ist kein Unbekannter. Er steht seit drei Jahrzehnten hierzulande und in vielen anderen Ländern immer wieder auf den Bestenlisten, gelegentlich sogar Bestsellerlisten. Selbst wem der Name nicht geläufig ist, hat womöglich die ziemlich bekannten Romanverfilmungen „Was vom Tage übrig bleibt“ und „Alles, was wir geben mussten“ gesehen. Das Stockholmer Komitee hat eine gute Wahl getroffen.

Mein Kommentar zum Literaturnobelpreis 2017 hier


05.10.2017

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Wenn der verehrten Leserschaft der nachfolgende Text vor Augen kommt, wird Garry Walker sein Einstandskonzert am Mittelrhein bereits dirigiert haben. Der Terminplan wies es für den 22. September als erstes Anrechtskonzert 2017/18 beim Musik-Instituts Koblenz aus. Für diesen Artikel jedoch trafen wir uns zum Gespräch schon am 3. September, dem diesjährigen Tag der offenen Tür im Görreshaus, der Koblenzer Heimstatt der Rheinische Philharmonie. Es galt, einer Persönlichkeit näher zu kommen, die in den nächsten Jahren diesen Klangkörper als Chefdirigent künstlerisch prägen wird.

Das ganze Gesprächfeature hier
freier Lesetext, 12 600 Anschläge, 8 - 10 Minuten Lesezeit


02.10.2017

Es ist für den Außenstehenden nicht ganz einfach zu begreifen, was so viele Katalanen ein so starkes Bedürfnis nach Unabhängigkeit empfinden lässt. Wie bei anderen regionalen Bestrebungen zur Loslösung von bisherigen Nationalstaaten muss man wohl auch in diesem Fall tief in die Regional-/Volksgeschichte eintauchen, um verstehen zu können, woher das kommt. Beim Nachlesen über Katalonien stieß ich zuerst darauf: Diese Region stand im spanischen Bürgerkrieg an der Seite der Republik gegen Franco, wurde heftig bombardiert und blutig niedergeworfen. Die katalanische Sprache wurde hernach von der francistischen Zentralregierung verboten, ihre Benutzung mit Gefängnis bestraft. Dies ist nur eines der Kapitel einer sehr problematischen Beziehung zwischen Madrid und Katalonien, deren meist düstere Geschichte wohl bis auf die Reconquista zurückgeht. Die Überheblichkeit des spanischen Oberparagrafenreiters Mariano Rajoy - der noch immer nicht verstanden hat, dass er Präsident nicht einer Nation, sondern eines Vielvölkerstaates ist - fügt dem jetzt leider ein weiteres Kapitel hinzu.


02.10.2017

Ein pralles Theaterwochenende liegt hinter mir. Es führte den Kritiker erst ins Schauspiel Frankfurtk, hernach zum Ballett am Theater Koblenz.

Aufregende Raumsituation mit nach vier Seiten offenem Arena-Spiel, darin mit Wolfram Koch ein enorm starker Titelheld: So gelingt dem Regisseur Jan Bosse mit Shakespeares düsterem Drama "Richard III." über den bösesten Bösewicht der  Theatergeschichte ein großer, mitreißender Abend.  Das ist am Schauspiel Frankfurt ein Spielzeitauftakt nach Maß. Der markiert zugleich den dortigen Beginn der Intendanz von Anselm Weber in der Nachfolge Oliver Reeses, der seinerseits Claus Peymann als Chef des Berliner Ensembles ablöst.

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Zweite Premiere auf dem Einsatzplan am zurückliegenden Wochenende: "Gefallene Helden", erste Ballettproduktion am Theater Koblenz in der Saison 2017/18. Das kleine Haus bietet dafür einiges auf: Drei Choreografen, zwei Dirigenten und einen leibhaftigen Komponisten, im Graben die Rheinische Philharmonie in unterschiedlichen Besetzungen, auf der Bühne zwei Schauspieler und natürlich die gesamte Tanzcompagnie. An Abwechslung herrscht kein Mangel bei diesem 135-minütigen Abend aus drei eigenständigen Teilen - zu dem auch die Uraufführung einer fulminanten Auftragskomposition des bei der umjubelten Premiere anwesenden Marijn Simons gehört.

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28.09.2017

Eben, beim Blick auf den Kalender, spuckt das Hirn ungefragt Erinnerungen aus: An einem der letzten Septembertage vor genau 30 Jahren betrat ich erstmals das Koblenzer Verlagshaus der Rhein-Zeitung - und stieg in die Lebensphase als hauptberuflicher Zeitungsschreiber ein. Damit endeten meine postgymnasialen "Wanderjahre" als Soldat, Schlosserlehrling, Maschinenbaupraktikant, Hausmann und väterlicher Säuglingsbetreuer, Student für Germanistik, Musik und Politikwissenschaft, Lehramtsreferendar, Privatlehrer für Klavier und Heimorgel.

An jenem Tag legte mir Conrad M. Regge, einer der damaligen RZ-Chefs und Vater des jüngst inthronisierten neuen Verlagsgeschäftsführers, ein paar Verlagsbeilagen der Rhein-Zeitung hin mit der Bemerkung: "Man hat sie mir als gescheiten Kerl und versierten Schreiber empfohlen. Schauen Sie sich mal die Textteile in diesen Blättchen an." Nach ein paar Minuten fragte er: "Können sie uns solche Texte schreiben oder womöglich bessere?" Knappe Antwort meinerseits: "Kann ich. Bessere." Darauf er: "Den Flur runter, die fünfte Tür links, das ist ihr Büro. Fangen sie an." So unkompliziert konnte das seinerzeit bisweilen noch gehen.

Es dauerte ein paar Tage bis alles geregelt war und ich loslegte, erst als allein arbeitender, dann als leitender Beilagenredakteur. Vier Jahre später wechselte ich ins Kulturressort der Hauptpredaktion zu meinem guten Freund und Kollegen (dem 2010 tödlich verunglückten) Wolfgang Kroener. Dort war ich zuständig vor allem für Theater, Literatur und klassische Musik, arbeitete zudem für den Politikteil als Kommentator und Essayist. 2005 machte ich mich dann als freier Autor selbstständig - was bis heute so geblieben ist und noch ein Weilchen so bleibt.


25.09.2017

Am Morgen nach dem wahrlich unschönen (aber erwarteten) Wahlergebnis erfüllt mich gleichwohl Zuversicht und eine ruhige Entschlossenheit. Nicht zuletzt mit Blick auf die Weltläufigkeit, Lebensfreude und Freiheitlichkeit des Großteils unserer jungen Leute mache ich mir nun auf die alten Tage ein fast vergessenes Motto wieder zum Leitsatz: No paseran (sie, die Braunen, werden nicht durchkommen)!

Anmerkung zum Ergebnis der Bundestagswahl

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Es ist ein seit jeher umstrittenes Stück: Bert Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“. Zwischen Fertigstellung und Uraufführung 1959 in der Regie von Gustav Gründgens lagen drei Jahrzehnte. Dann eroberte das „Lehrstück“ die Bühnen – um im Laufe der 1980er wieder fast völlig zu verschwinden. Viele Theatermacher hielten da dessen antikapitalistischen Impetus für grobschlächtig und überholt. Doch plötzlich treiben Entwicklungen des jungen 21. Jahrhunderts das Werk erneut auf die Spielpläne. Und wir sehen erstaunt, es wirkt über einige Strecken wie fürs Heute gemacht. So jetzt erlebbar in einer ausgezeichneten Inszenierung am Theater Bonn.

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23.09.2017

„Nie! Nie hätte ich damals gedacht, dass unser Projekt Jahrzehnte überdauern würde.“ Werner Oberender wirkt noch immer schier fassungslos angesichts des Umstandes, dass das alljährliche Jazzfestival Neuwied jetzt am 3. und 4 . November bereits zum 40. Mal über die Bühne geht. Ich sprach über damals und heute mit dem jetzt 61-jährigen Mitbegründer, Spiritus rector und künstlerischen Leiter dieses Festivals. Es ist das kleinste unter den ältesten Jazz-Meetings in Deutschland, gleichwohl haben über die Jahrzehnte in dem Industriestädtchen am Mittelrhein fast alle gespielt , die in der deutschen und internationalen Jazzszene einen Namen haben.

Mein Artikel zum Festivaljubiläum


22.09.2017

Die aktuelle Folge meiner monatlichen Glosse "Quergedanken" erscheint diesmal ein paar Tage früher als gewöhnlich. Das passt ganz gut, hat der Text doch viel mit Lebenslust und Lebensart zu tun, dafür nichts oder höchstens sehr indirekt mit der Bundestagswahl am Sonntag. Ein kleines Lektüre-Verschnauferl abseits des derzeitigen politischen Furors möcht' manchem Zeitgenossen kurz vor dem Wahlgang vielleicht gerade recht kommen. Gewünscht sei also ein bisschen Vergnügen bei

Quergedanken 152: Die Frau, das unbekannte Wesen

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Mein letzter Beitrag zur Archäologie-Serie "vorZeiten" der Rhein-Zeitung führt erneut in die Vordereifel. Also in jenes Gebiet, aus dem ich unlängst über eine Jagd steinzeitlicher Neandertaler auf Wollnashörner berichtete. Mehr als 120 000 Jahre nach jenen Jagdereignissen landen wir jetzt am Karmelenberg bei Ochtendung und zwei Funden, die bestätigen, dass eben diese Gegend im letzten vorchristlichen Jahrtausend eine Art Metropolregion der späten Bronzezeit war.  Mit beiden Funden verknüpfen sich Geschichten, die erzählen von den bisweilen eigentümlichen Wegen der Archäologen zu den Hinterlassenschaften der Vergangenheit.

Zum Artikel "Überraschende Boden-Schätze" hier
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21.09.2017

Mal kurz die Arbeit beiseite gelegt, denn eine Entscheidung ist zu fällen: Wohin bei der Wahl am Sonntag mit meinen beiden Kreuzchen? Mich plagen noch immer Unsichertheiten. Denn: Ich bin nunmal der festen Langzeitüberzeugung, dass sich im Land, in Europa, auf der Welt allerhand grundlegend ändern muss. Es kann ja die jetzige Zivilisationsentwicklung - per "ewigem" Wachstum de facto hinein in lauter ökologische, ökonomische, soziale Sackgassen - nicht der menschlichen Weisheit letzter Schluss sein. Wen kann/soll ich wählen vor dem Hintergrund dieses Gedankens? Es ist nicht einfach. Wo meine Kreuzchen keinesfalls landen werden, ist hingegen völlig klar: Neofaschismus, Nationalchauvenismus und Rassismus, Inhumanität, Intoleranz und Illiberalität haben mit mir als Weltbürger und meinem Wunsch nach Veränderung nichts, aber auch gar nichts gemein.


20.09.2017

Was hat der legendäre Richard Löwenherz mit der Pfalz zu schaffen, dass ihm das Historische Museum Speyer jetzt erstmals seit der Salier-Schau vor 25 Jahren eine große Landesausstellung widmet? Mehr jedenfalls als mit Robin Hood, dieser in den neuzeitlichen Traumfabriken so beliebten Sagengestalt, der Richard mit Sicherheit nie begegnet ist. Zentraler Anknüpfungspunkt für die hockarätige Ausstellung "Richard Löwenherz. König - Ritter - Gefangener" jetzt in Speyer ist: Der von 1189 bis 1199 über England und weite Teile Frankreichs herrschende Mann war der berühmteste Gefangene aller Zeiten in der Pfalz - und der ideale Vertreter für das ideelle Rittertum des Hochmittelalters.

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12.09.2017

Einen Moment die Arbeit ruhen lassen und eines Mannes gedenken, der im Alter zu einem der wichtigsten Geister und beeindruckendsten Menschen in Deutschland wurde. Heiner Geißler ist gestorben, Einst demogagische "Kampfmaschine" der CDU, hat mich sein nachheriger Wandel zum ebenso unabhängigen wie unbeugsamen und nicht nur für seine Partei unbequemen Querdenker tief beeindruckt. Die Republik hat einen ihrer größten alten Männer verloren; einen, der in späten Jahren aus echtem humanistischem Konservatismus heraus zu frischen, frechen, gegen den neoliberalen Mainstream widerständigen Überzeugungen gelangte - für die er bis zuletzt bissig, humorig, klug stritt.


11.09.2017

Wann immer die Rede auf dieses Stück kommt, stehen die Superlative Schlange. Zu Recht heißt es, „King Lear“ sei das düsterste, grausamste, kompromissloseste und erschütterndste Werk Shakespeares. Mehr noch: Neben Goethes „Faust“ handle es sich um die bedeutendste Tragödie des Welttheaters überhaupt. Daher ist es keine Kleinigkeit, wenn ein angesehener Schriftsteller und Dramatiker wie John von Düffel für die aktuelle Koblenzer Produktion in Anlehnung an den alten einen quasi neuen „Lear“ schreibt. Das Ergebnis hatte am Wochenende am Theater Koblenz Premiere, doch trotz kräftigen Beifalls scheiden sich daran die Geister.

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10.09.2017

In eigener Sache:
Es hat Anfragen gegeben, warum ich in jüngerer Zeit so "schreibfaul" geworden sei und nur hier nur noch neue Texte von mir für andere Medien anzeige. Liebe Freunde und geschätzte Leut'. Ich bin gesund und guter Dinge, aber wat mutt, dat mutt: Ich muss Zeitreserven mobilisieren und die Konzentration stärken. Denn neben den laufenden kulturjournalistischen Vertragspflichten für diverse Medien ist ein dicker Sonderbrocken zu bewältigen: Mein Buchmanuskript über die jetzt 210-jährige Geschichte des Koblenzer Musik-Instituts muss um den Jahreswechsel herum fertig sein. Deshalb reduziere ich meine Aktivitäten auf dieser website - vorerst bis Jahresende - auf ein Minimum. Um Verständnis sei gebeten.


08.09.2017

Weiterer Beitrag zur Archäologie-Serie der Rhein-Zeitung. Diesmal geht es um das auch in Deutschland verbreitete Unwesen der illegalen Raubgräberei. Bei ihrer Schatzsuche zerstören Dilettanten und/oder Kriminelle häufig unwiederbringlich, was für die archäologische Forschung über unsere Geschichte mindestens ebenso bedeutend ist wie die Artefakte selbst: den Befund - also das ganze "Drumherum" an der Fundstelle. Ich behandle dieses Problem am Beispiel des 2014 einem pfälzischen Raubgräber entwundenen spätrömischen "Barbarenschatz von Rülzheim".

Zum Artikel "Tatort Pfälzerwald"
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04.09.2017

So ist es Tradition am Theater Koblenz seit nunmehr 30 Jahren: Noch vor Beginn der jeweils neuen Spielzeit lädt das Haus in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis des Theaters zur „Kostprobe“. Im Verlauf eines opulenten Abends kommen erstmals ausgewählte Momente der neuen Produktionen ans Licht der Öffentlichkeit. Man will den treuesten Kern des Publikums mit Appetithappen neugierig machen auf das, was kommt.

Mein Bericht vom "Kostprobe"-Abend
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02.09.2017

Mein jüngster Beitrag zur Archäologieserie "vorZeiten" der Rhein-Zeitung führt bis zu 170 000 Jahre zurück und ins Lager einer Neandertaler-Gruppe im Krater eines erloschenen Osteifelvulkans. Es ist Jagdtag, denn durch die Kaltsteppe unterhalb des Vulkans zieht ein Herde Wollnashörner. Hier die Geschichte einer solchen Jagd, abgeleitet aus archäologischen Funden in dieser Eifelregion nahe Koblenz.

Mit Neandertalern auf Nashornjagd in der Eifel
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