Guten Tag allerseits

Vorläufiger Daueraushang mit der Bitte um Beachtung:

> Liste von Streaming-Angeboten und Hilfsaufrufen aus der freien Kulturszene



31.03.2020

Von Tag zu Tag nimmt die Anzahl selbst gestern noch vernünftiger Leute zu, die in unbegreiflicher Realitätsblindheit plötzlich nach jedem Strohhalm greifen, der die Corona-Pandemie kleinredet und die Seuchenschutzmaßnahmen der Regierung(en) als überzogen anprangert. Weshalb ich sagen muss: Ich bin froh darüber, dass sich das Gros der Bevölkerung - Klopapier hin oder her - draußen inzwischen vernünftiger verhält. Ich bin für den Moment auch froh darum, dass viele der verantwortlichen Politiker/innen zumindest im aktuellen Krisenmodus den Schulterschluss mit der ernsthaften Wissenschaft suchen und die sprichwörtlichen Eier haben, im Interesse des Gemeinwohls das zur Rettung von Leben Notwendige durchzusetzen und hoffentlich durchzuhalten. Allein zu diesem Zweck haben wir dem Staat einen Teil unsere Freiheit vorübergehend abgetreten. Klar ist und alternativlos: Nachher, wenn die Seuche besiegt ist, werden wir diesen Teil zurückverlangen, vollständig und unbeschädigt.


30.03.2020

Gestern, am späten Sonntagabend, lande ich zufällig auf 3sat – in einer Sendung, die mich für knapp zwei Stunden zu so ausgelassenem Tanzen und Singen (Gröhlen) treibt, dass die heimische Bude wackelt: Karfreitag anno 2016, Vollmond, The Rolling Stones machen in Havanna/Kuba 450 000 Konzertbesucher froh. Die betagte Frontline musiziert hochkonzentriert, geht aber zugleich verspielt wie selten miteinander und mit dem Publikum um. Das setzt sich aus Menschen aller Hautfarben und Altersklassen zusammen. Im Geiste sehe ich die Rassisten dieser Welt das Kotzen kriegen angesichts solcher „Vermischung“ und Glückseligkeit bei einem Abend lebensfroher, liebeslustiger Rock-Weltkultur. Und während die Mucke mächtig abgeht, schwappt mir ein Beethoven‘sches Gänsehautfeeling durchs Gemüt: „Seid umschlungen Millionen“ – gerade in den jetzigen Tagen des notwendigen Körperabstandes.


29.03.2020

Sorry, aber ich kann es nicht anders ausdrücken: Bei einer kleinen, jedoch lautstarken Minderheit der Zeitgenossen ist offenbar der Irrsinn ausgebrochen. Mal heißt es da, es gäbe gar kein Corona-Virus; mal, das Virus sei völlig harmlos; mal, die Todesstatistiken seien bloß Propaganda und/oder der ganze Corona-Hype nur von irgendeiner Weltverschwörung angezettelt usw. usf. Ja, ja, ja, ist klar: Corona-Patienten sterben weltweit inzwischen zu Zehntausenden aus Jux und Dollerei oder tun nur so, als würden sie sterben. Geht's noch?

Logisch, dass seitens dieser Minderheit nie die eigentliche Gretchen-Frage dieser Tage behandelt wird: Wie hoch würde die Todesrate ohne rechtzeitigen durchgreifenden Seuchenschutz ansteigen? Man kann es an Italien im tendeneziellen Ansatz erkennen. Und der liebe Gott oder sonstwer stehe den Abermillionen Menschen in den dicht gedrängten Armenvierteln Afrikas, Asiens und Lateinamerikas bei, sollte das Virus sich dort massenhaft ausbreiten.

Dann aber beschweren sich die Seuchenleugner und -verharmloser, wenn man ihnen Paroli bietet, sich dabei gar auf die Wissenschaft beruft. Sie bestehen auf ihr Recht zur freien Meinungäußerung, und darauf, dass jeder glauben müssen darf, was er will. Tatsächlich schränkt niemand ihre Meinungsfreiheit ein. Allerdings gehört zu meiner Meinungsfreiheit, gemeingefährlichen Unfug auch so nennen zu dürfen. Und glauben können die Herrschaften sowieso, was sie wollen, denn es herrscht Religionsfreiheit. Allerdings ist Spintisieren nichts, worauf Entscheider, Ärzte, Helfer und alle übrigen im Kampf gegen die Seuche Stehenden reales Handeln gründen könnten.

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Aufmunterndes Verzählche am 13. Sonntag im Jahre Corona: Ein strahlend schöner Sommertag in den späten 1960ern. Die Clique aus 13- bis 15-Jährigen macht sich in der hintersten Ecke der Schwimmbadwiese breit. Richtiger gesagt: Die knapp zwei Dutzend Mädchen und Jungs drängen sich ohne Not, Decke an Decke, auf einem Rund zusammen, das sonst  dem Platzbedarf zweier Kleinfamilien gerecht wird. Weil die jungen Leute eben erst dem Kindesalter entwachsen sind, in dem die Geschlechter eher nichts miteinander zu tun haben wollten, suchen sie nun umso mehr die Nähe zueinander. Sich neckend, sich kappelnd, unschuldig bis hoffnungsvoll verspielt entdecken sie das plötzlich auf irritierende Weise noch fremder, aber zugleich so verlockend gewordene Andere. (...) > Weiterlesen hier


25.03.2020

Es wird dies für einige Tage mein letzter Beitrag zum Thema Corona sein. Alles für den Moment Wichtige ist allerorten vielfach gesagt. Jede/r weiß, was er in Sachen Seuchenbekämpfung zu tun und/oder zu lassen hat; die meisten dürften inzwischen auch wissen, an wen sie sich wegen Finanzhilfen wenden sollten. Wer noch mehr über den tagesaktuellen Gang der Corona-Dinge erfahren will, ist bei den öffentlich-rechtlichen Sendern sowie den überregionalen und regionalen Qualitätszeitungen bestens aufgehoben. Bevor ich mich nun anderen Themen, Tätigkeiten, Aufgaben zuwende, seien noch drei Anmerkungen gemacht bzw. Hinweise gegeben > weiterlesen hier


24.03.2020

Gestern hatte ich den für die April-"Quergedanken" am 1./2. März geschriebenen, am 16. März aber verworfernen Text - Nr. 181 (a) - zur Kenntnis gebracht. Heute nun sei der in Folge Corona-Entwicklung am 22. März neu verfasste und eben in Druck gegangene Beitrag Nr. 181 (b) vorgestellt. > In der Not lasst uns singen: Andrà tutto bene


23.03.2020

Info für freie Kulturschaffende in Rheinland-Pfalz. Das Kulturministerium in Mainz hat heute eine Presseerklärung herausgegeben, die finanziellen Corona-Hilfsprogramme für Kulturschaffende im Land betreffend. Wenn ich es richtig verstehe, geht die Sache jetzt in die Konkretphase. Die Erklärung folgt hier im Wortlaut. Vorweg eine der wichtigsten Infos: Die beiden Kulturberater des Landes sind in Sachen Finanzhilfen eure ersten Ansprechpartner. Für den Norden von RLP ist das Björn Rodday (Tel.: 02621/62 31 5-10, Mail: info@kulturbuero-rlp.de), für den Süden Roderick Haas (Tel: 0176/23 26 34 83, Mail: roderick.haas@kulturwestpfalz.de).

> Presseerklärung des Kulturministeriums RLP im Wortlaut

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Den unten verlinkten Text hatte ich am 1./2. März 2020 geschrieben. Mit ihm sollte meine Kolumne "Quergedanken" für den Monat Arpil bestückt werden. Damals - vor drei Wochen - war Corona noch eher ein leises Rumoren am Horizont und erschien ein Beitrag über den Normalzustand der modernen Zeit durchaus vertretbar. Am 16. März haben dann der Herausgeber des mittelrheinischen Magazins "Kulturinfo" und ich entschieden, diesen Beitrag in die Tonne zu treten. Grund: Inzwischen hatte das Virus auch hierzulande Stund' um Stund' Normalitäten ausgehebelt. Frappierender Zufall obendrein: Mein Text wünscht sich ausgerechnet etwas, was das Virus nun quasi im Vorbeigehen erzwingt - mehr Stille, mehr Ruhe. Bevor morgen die neu geschriebenen Corona-"Quergedanken" 181 (b) erscheinen, sei hier der noch coronafreie Ersttext zur Kenntnis gebracht. Auf dass er nicht einfach so im Müll verschwinde.  > Entfallene "Quergedanken" 181(a): Schenk mir doch ein kleines bisschen Stille


21.03.2020

Heute musste ich mal raus "an die Front" ein paar Nötigkeiten zukaufen. Zur Tankstelle wg. Benzin (und Rauchware). In den Supermarkt für dies und das. Ich hatte mit verkniffenen, verängstigten oder aggressiven bis der Corona-Seuche völlig gleichgültig begegnenden Menschen gerechnet. Doch all dies war nicht der Fall.  Ruhe und beträchtliche Disziplin, dazu immer wieder Lächeln nebst (galgen-)humorigen Bemerkungen prägten mein Einkaufserleben. Davon handelt mein Erzähltextchen > Impressionen vom Samstagseinkauf


20.03.2020

Gestern (19.3.2020) hatte ich auf Facebook und meiner Website Kulturschaffenden der freien Szene ein publizistisches Hilfsangebot (s.u.) unterbreitet. Bis dato wird davon nur spärlich Gebrauch gemacht. Was daran liege - so sagen mit Vertreter von Kulturverbänden -, dass Künstler/Gruppen sich erstmal von grundauf orientieren müssen. Mein Angebot bleibt bestehen. Die ersten Rückläufe sind an diesen Text angehängt und seien der allgemeinen Aufmerksamkeit empfohlen. Weitere Meldungen sind herzlich willkommen. > Text "Solidarität mit freien Kulturschaffenden (hier)

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Verschärfung der Seuchenschutzmaßnahmen in Rheinland-Pfalz (heute, 20.03.2020, von der Landesregierung beschlossen und verkündet, treten um Mitternacht in Kraft):

"Rechtsverordnung zu weiteren kontaktreduzierenden Maßnahmen
Über den Erlass zu weiteren kontaktreduzierenden Maßnahmen aufgrund des Aufkommens von SARS-CoV-2-Infektionen in Rheinland-Pfalz vom 17. März 2020 hinaus werden weitere Einrichtungen für den Publikumsverkehr geschlossen.
Dazu gehören:
Restaurants, Speisegaststätten, Mensen, Kantinen, Cafés und ähnliche Einrichtungen (jeweils Innen- und Außengastronomie). Zulässig sind weiterhin der Straßenverkauf, der Verkauf zur Mitnahme und der Lieferservice.
Eisdielen, Eiscafés, Internetcafés und ähnliche Einrichtungen (jeweils Innen- und Außengastronomie),
Thermen, Solarien, Wellnessanlagen und ähnliche Einrichtungen,
Fahrschulen (einschließlich Fahrschulprüfungen in Räumlichkeiten des Technischen Überwachungsvereins – TÜV –) und ähnliche Einrichtungen,
Bibliotheken und ähnliche Einrichtungen,
Sportboothäfen und ähnliche Einrichtungen.
Zudem ist jede Ansammlung von mehr als fünf Personen in der Öffentlichkeit untersagt. (...)"


19.03.2020

Angebot an selbständige Kulturschaffende in der freien Szene.

Unabhängig von der unbedingten Notwendigkeit, dass die Politik rasch eine effektive Finanzunterstützung auch für die freien Kulturschaffenden ins Werk setzen muss, möchte ich helfen. Ich stelle die recht ordentliche Reichweite meiner Website sowie meiner Facebook-Seite zur Verfügung, auf dass ihr eure jeweiligen Streaming-Angebote und/oder Spendenaufrufe weiter verbreiten könnt. Ich bitte darum, dass nur diejenigen Kulturschaffenden Gebrauch davon machen, die ihr Brot ganz oder zu wesentlichen Teilen mit künstlerischer Arbeit verdienen und jetzt im Zuge von Corona aktuell in Notlage geraten. Und so soll's gehen:

Kulturschaffende melden mir Links zu ihren Streaming-Angeboten und/oder Spendenaufrufen (zwei, drei erklärende Sätze dazu) per eMail redaktion(at)pecht.info. Ich baue die Links dann auf meine Website und auch auf meine Facebook-Seite. Bitte keine Telefonanrufe. Unklare oder verdächtige Links schmeiße ich raus. Schön wäre es natürlich, wenn nachher andere Kulturfreunde zur Weiterverbreitung beitragen würden. Schaun mer mal, was sich tut.


18.03.2020

Liebe Leut', benehmt euch bloß anständig. Wir sind schließlich Akteure im womöglich umfangreichsten und gewichtigsten Kapitel der Geschichtsbücher für die nächsten vier bis fünf Generationen. Dessen Überschrift könnte lauten: "Der große Epochen-Umbruch im frühen 21. Jahrhundert - Klimawandel und Corona-Seuche".

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Ist es in diesen Zeiten der Seuche erlaubt, statthaft, angemessen: Heiter, fröhlich, humorig zu sein, gar zu witzeln über das Virus und/oder menschliche bis allzumenschliche und skurrile Phänomene in der Corona-Welt?? ABER JA DOCH, UNBEDINGT! Den Gegner lächerlich machen, die eigenen Schwächen auf die Schippe nehmen, das war zu Krisenzeiten allemal ein bedeutender Zug der Menschenkultur. Denn Lachen tut wohl, erleichtert, bringt auch Zuversicht mit sich.


17.03.2020

Hier ein paar gute Nachrichten und/oder Anregungen von der Corona-Front.

- Im Westerwald haben am Samstag zwei Männer die FB-Gruppe "Wäller Helfen - Coronavirus" ins Leben gerufen. Bis Montagabend hatten sich bereits mehr als 3000 Helfer gemeldet mit ihren Angeboten u.a. Einkaufen, Fahrdienst, Kinderbetreuung etc.
- Ähnliches bei der Gruppe "Koblenz hilft sich - Jetzt erst recht"
- Viele Vereine auf Dorf- und Kleinstadtebene haben ebenfalls Hilfsdienste ins Leben gerufen.
- Etliche hundert Reservisten (darunter überdurchschnittllich viele aktuell beschäftigungslose Lehrer) haben sich freiwillig beim Sanitätsdienst der Bundeswehr gemeldet.
- Zwecks Ermutigung und um das Kulturleben nicht völlig zum Erliegen kommen zu lassen, beginnen Künstler und Kulturinstituionen jetzt mit gestreamten Darbietungen im Netz. So zB Pianist Igor Levit mit seinem "Social Media Hauskonzert" täglich um 19 Uhr oder das Theater Koblenz täglich um 18.30 Uhr mit einem neuen "Lied des Tages".
- Ich höre aus der Freien Kulturszene von der Idee, dass freischaffende Ensembles, Bands, Einzelkünstler ebenfalls eigene Darbietungen ins Netz stellen wollen - verbunden mit der Bitte/Aufforderung ans Publikum, dafür einen freiwilligen Obulus zu überweisen, um die finanzielle/existenzielle Not abzumildern, in die ein großer Teil der Freischaffenden gerade unverschuldet schlittert.


16.03.2020

Das kann sehr hilfreich sein und/oder werden für freie Kulturschaffende (und andere Freiberufler): Ein lange Liste mit Links zu websiten von Verbänden, Gewerkschaften, Institutionen, die derzeit alle an der Frage dran sind, wie in Corona-Zeiten den schnell in finanzielle Not- und Schieflage geratenden Künstlern und Kulturarbeitern geholfen werden kann/muss. (Danke, liebe Heike Rost, für das Zusammenklauben).

> Links für Freiberufler und Selbstständige

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Ich kann ja zumindest im Ansatz noch begreifen, wenn jemand derzeit ein paar Grundnahrungsmittel, essenzielle Getränke, nötigenfalls Tabak, Medikamente oder auch zwei Fläschlein Desinfektionsmittel bunkert. Was mir allerdings partout nicht in den Kopf geht, das ist die Sache mit dem Klopapier und anderen Papierprodukten (Küchenrolle, Tempos), die zu selbigem Geschäft verwendet werden können. Warum, um Himmelswillen, hamstern/horten so viele Leute dieses Zeug bergeweis'? Haben die alle daheim kein fließend Wasser, keine Waschbecken, keine Duschen?


15.03.2020

Man stößt im Netz am heutigen Sonntag auf zahllose Fotos und Nachrichten, die von großen Menschenansammlungen in der Frühlingssonne zeugen. ZB diese Meldung hier aus der Pfalz: "Die Absage des Neustadter Mandelblütenfestes wegen des Coronavirus hat mehrere Tausende Besucher nicht davon abgehalten, dennoch den Ortsteil Gimmeldingen zu besuchen." Es ist gut zu verstehen, dass die Leute nach der langen Schlechtwetterphase jetzt in die Sonne wollen. Ich war heute selbst fast 4 Stunden draußen spazieren. Es war wunderbar. Allerdings, und das wäre nun auch mein Vorschlag/Tipp in Richtung Allgemeinheit: Sucht euch Gegenden in Wald und Flur aus, wo die Wahrscheinlichkeit klein ist, auf größere Menschenmengen zu stoßen - weg von den städtischen Plätzen, Promenaden und Parks, weg von den Ausflugshotspots oder Hauptwanderwegen. Fahrt halt mal etwas weiter hinaus, entdeckt der Wälder Stille, erkundet Nebenwege und Seitentäler.


13.03.2020

Nun denn. Stellen wir unser Denken und Handeln also auf Notstand um. Lamentieren hilft ja nix, Schönreden und Verharmlosen auch nicht. Es ist ein großes Problem, dass die meisten Menschen hierorts zu ihren Lebzeiten noch keine derartige Situation kennengelernt haben. Gravierende Veränderungen oder gar das Ausfallen etlicher/vieler gewohnter und quasi seit Geburt für selbstverständlich gehaltener Abläufe und Strukturen haben nur die Ältesten unter uns und ein Teil der Zuwanderer schon erlebt, allen anderen sind sie völlig fremd. Jeden treffen sie nun auf unterschiedliche Weise, und doch ist trotz allerhand individuell verschiedener Unbilden jeder gehalten, sich den allgemeinen Seuchenschutzmaßnahmen unterzuordnen. Denn drei Dinge sind klar: Es wird noch wesentlich dicker kommen; die Seuche wird nicht einfach so alsbald von selbst verklingen; der Staat allein kann die Sache nicht bewältigen.

Ich denke mir allerdings: Gerade weil die Gefahrenlage tatsächlich so ernst ist, sollte man nicht vollends in Trübsinn, Fatalismus oder Depressivität versinken. Das Leben geht weiter, wenn auch mit mancherlei Verlusten, inklusive Materiellem oder vertrauten Lebensqualitäten, und vielfach in gänzlich ungewohnten Bahnen. Die nun eingesetze Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens zum Weniger, Langsamer, Zurückgezogener, Privater birgt auch die Möglichkeit, ganz neue Aspekte von Lebensqualität zu entdecken oder alte, lange vergessene wiederzuentdecken. Deshalb mein Wunsch: Lasst uns also dem Virus entgegentreten mit entschlossener wie solidarischer Teilnahme an der Seuchenbekämpfung und zugleich mit dem festen Willen, uns von der Corona-Plage die Lebensfreude nicht vollends vergällen zu lassen.

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Weitere Corona-Info für Theaterfreunde im Südwesten (Stand 13.3.2020, 10 Uhr): Nach den städtischen/staatlichen Bühnen Bonn, Koblenz, Saarbrücken, Frankfurt haben nun auch Schauspiel und Oper in Köln sowie in Düsseldorf den Spielbetrieb bis auf weiteres komplett eingestellt. Gespielt wird derzeit noch am Theater Trier, am Schlosstheater Neuwied sowie an den Staatstheatern in Wiesbaden, Darmstadt und Mainz (eingeschränkt). Ich gehe allerdings davon aus, dass das nicht mehr lange so wird und auch diese Häuser bald schließen. Ohnehin begreife ich dieses krampfhafte Festhalten am Spielbetrieb nicht recht. Denn enger aufeinander als oft stundenlang in mäßig bis schlecht belüfteten Theatern hockt man eigentlich nur noch bei Knutschorgien. Was meine Dienste als Theaterkritiker angeht, so habe ich diese mit sofortiger Wirkung vorläufig ebenfalls eingestellt.


12.03.2020

Aktuelle Corona-Info für Theaterfreunde in meinem südwestdeutschen Beritt:
Das Theater Koblenz stellt seinen Spielbetrieb vom morgigen Freitag (13.3.) an und vorläufig bis 20. April vollständig ein. Das Schauspiel Frankfurt hat soeben alle Aufführungen in allen Spielstätten vorläufig bis 10. April abgesagt. Zeitgleich teilt auch die Oper Frankfurt mit, dass sie ihren gesamten Spielbetrieb "bis auf weiteres" einstellt. Die Frankfurter Regelungen gelten ebenfalls bereits für die Vorstellungen an diesem Freitag.

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Pardon, aber so kann's ja nun auch nicht gehen. Ich habe aktuelle Erklärungen in Sachen Corona von mehreren "unteren" Behörden hierzulande gelesen. Und da sind manche dabei, die - wie zB gestern das Gesundheitsamt Mayen-Koblenz und der dortige Landrat - sich mit Empfehlungen und Appellen zur Eigenverantwortung an Veranstalter und Bürger begnügen. Man "empfiehlt" alle Veranstaltungen abzusagen, insbesondere die großen in geschlossenen Räumen. Der Landrat "appelliert": „Wenn eine Veranstaltung stattfindet, ist auch jeder Teilnehmer für sich in der Pflicht zu entscheiden, ob er sich dem möglichen Risiko einer Infektion aussetzen möchte oder ob man auf eine Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen doch verzichten kann“. Alles gut und richtig, aber wenn die potenzielle Gefahrenlage so ernst ist, wie zuletzt von der Bundeskanzlerin skizziert (und das ist so wohl), dann müssen von den staatlichen Organen auch tatsächliche Entscheidungen getroffen werden: Hü oder hott in der Seuchenprävention am Ort. Die Verantwortung dafür einfach durchzureichen an jeden Einzelnen, ist nicht akzeptabel.


11.03.2020

Info/Tipp: Liebe Kulturfreunde/innen, es hagelt seit dem Vormittag Absagen von Kulturveranstaltungen jedweder Art und Größenordnung (wg Corona). Die entsprechenden Mitteilungen der Veranstalter aus allen Teilen der Republik kommen im Minutentakt herein. Wenn ihr also noch irgendeinen Veranstaltungsbesuch auf dem Plan haben solltet und wahrnehmen wolltet: Erkundigt euch zuvor, ob die Sache überhaupt stattfindet. Und macht das sehr zeitnah zum vorgesehenen Termin, denn die Lage ändert sich quasi stündlich. Ich habe schon einige Veranstaltungen gesehen, deren Stattfinden gestern noch beteuert wurde, die aber heute gecancelt worden sind.

Aktueller Nachtrag (18 Uhr) für meinen Kulturberitt: Das Musik-Institut Koblenz sagt seine nächsten drei Anrechtskonzerte ab. Das Theater Bonn stellt den Vorstellungsbetrieb vorerst bis 15.3. komplett ein; mit Verlängerung der Maßnahme sei zu rechnen. Abgesagt sind auch alle Konzerte des Bonner Beethoven-Festes zwischen 13.3. und 22.3. . Die Stadt Mainz schließt das Gutenberg-Museum; in der ganzen Stadt sind Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern untersagt, solche ab 500 melde- und genehmigungspflicht (das betrifft, wenn ich's richtig verstanden habe, auch das Staatstheater = Beschränkung der Zuschauerzahl auf max. 500).

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"Angst ist ein schlechter Ratgeber" heißt es im Volksmund. Und das ist richtig. Es ist aber auch richtig, dass die Evolution uns die Fähigkeit zur Angst als Vorsichts- und Präventionsmechanismus für potenzielle Gefahrenlagen mitgegeben hat. Stellt die jetzige Corona-Epidemie eine solch potenzielle Gefahrenlage dar? Im Grundsatz: Ja - weil JEDE Epidemie/Seuche mit im Alltagsleben vorhandenen profanen Ansteckungswegen sowie der Möglichkeit schwerer bis tödlicher Krankheitsverläufe eine potenzielle Gefahrenlage ist. Dies gilt insbesondere für Krankheiten, die noch nie da waren, über die man wenig weiß, gegen die in der Bevölkerung noch keine nennenswerten oder gar keine Immunitätsanteile existieren und gegen die es (bislang) auch keine Medikamente gibt.

> Mein kleines Essay zum Thema


08.03.2020

Mein Beitrag zum Weltfrauentag

Als Jäger war der Mann der Haupternährer. Als "Nestbauerin" versorgte die Frau Heim, Herd, Kinder – so lautete die tradierte Vorstellung, wie Menschen seit der Steinzeit gelebt haben. Jüngere und jüngste Forschungen aus Archäologie und Anthropologie beweisen indes: Diese Rollenbilder hat es so in der Steinzeit weder beim Homo sapiens noch vermutlich bei seiner Geschwisterspezies der Neandertaler gegeben.

> Zum ganzen Text "Die Frau - ein starkes Geschlecht seit jeher"


06.03.2020

Es ist noch nicht so lange her, da bekannte ich mit Stolz, mich als Europäer und Weltbürger zu fühlen. Heute möchte ich vor lauter Scham über das Verhalten europäischer und anderer Machthaber sowie eines beträchtlichen Teils der Zeitgenossen im Erdboden versinken. Je älter ich werde, umso größer Fassungslosigkeit und Nicht-Begreifen-Können: Der Homo sapiens trägt alle wunderbaren Potenziale in sich, friedlich, freundlich, gedeihlich mit Seinesgleichen und dem Planeten zusammenzuleben. Was aber geschieht? Die dunklen und dummen, ignoranten und barbarischen Anlagen dieser Spezies behalten doch wieder die Oberhand und bestimmen über den Gang der irdischen Dinge.


05.03.2020

Gestern sah ich an einem Busbahnhof, wie sich etliche Jugendliche jetzt epidemologisch korrekt begrüßten/ verabschiedeten: Sie warfen einander Handküsse dutzendweise zu; sie vollführten Luft- und Selbstumarmungen mit Knutschmund in Richtung Gegenüber; sie gingen oder rannten aufeinander los, drehten sich kurz vor dem Zusammenprall um die eigene Achse und stupsten/stießen neckisch die Hintern aneinander. Die Freude daran war bei Akteuren und Zuseher groß. Zur Nachahmung gewiss empfehlenswert - ob mit oder ohne Corona.


04.03.2020

Es gibt die ewigen Gebote der Menschlichkeit, und es gibt das je aktuelle politische Kalkül. Wenn beide in Widerspruch zueinander geraten, kann die Schuld daran niemals den Geboten zur Menschlichkeit angelastet werden. Und so fragt sich: Wovon lassen wir unser Tun heute leiten?

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Leseempfehlung. Seit einer Weile schon kursieren Thesen/Texte von Leugnern des menschengemachten Klimawandels, die sich a) auf die Zyklenuntersuchungen von Milankovitch berufen und b) behaupten, die NASA selbst würde die globale Erwärmung auf die Orbitalzyklen zurückführen. Die Lektüre des u.g. Artikels (liegt leider nur auf Englisch vor) aus dem Hause NASA belegt: Letzteres ist Fake, Ersteres Unkenntnis oder gewollte Missdeutung der Arbeit von Milankovitch. > Zum Artikel "Why Milankovitch (Orbital) Cycles Can't Explain Earth's Current Warming"


02.03.2020

Nach dem langen Schreibtag gestern knubbeln sich heute die Veröffentlichungen. Stück um Stück werde ich euch mit Hinweisen/Verlinkungen auf meine Kritiken von "King Lear" in Bonn und "Drei Schwestern" in Mainz behelligen. Hinzu kommt dann noch als dritter Artikel die Fortsetzung meines im Spätsommer 2019 begonnenen Beitrags über die Koblenzer Orchestergeschichte, für den heute die Sperrfrist fällt. Beginnen wir mit der Kritik über eine "Lear"-Inszenierung, die auf einer hochinteressanten Grundidee fußt, von der dieser fast dreieinhalbstündige Abend allerdings nicht durchgängig getragen werden kann. > Meine Besprechung in der RZ, 3400 Anschläge, 49 Cent

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Tragödie oder Komödie? Die Rezeptionsgeschichte von "Drei Schwestern" neigte in Deutschland meist zu Ersterem. Autor Anton Tschechow selbst war indes überzeugt, eine Komödie geschrieben zu habe. Eins indes ist gewiss: Mit Maren E. Bjørseths Sicht auf den Klassiker von 1901 gelingt am Staatstheater Mainz ein kleiner Überflieger. > Meine Premierenkritik in der RZ, 4250 Anschläge, 49 Cent

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In der vorigen Ausgabe des Magazins "con moto" hatte ich über Marksteine der früheren und frühesten Koblenzer Orchestergeschichte geschrieben – beginnend anno 1654, bis zur Gründung der Rheinischen Philharmonie 1945, endend bei der Umwandlung in ein rheinland-pfälzisches Staatsorchester 1973 (> Teil 1 s. hier) . Seither wurde der Autor mehrfach gebeten, zumal von jüngeren und nicht schon seit Jahrzehnten in Koblenz lebenden Musikfreunden, diese Erzählung doch bis in die Gegenwart fortzusetzen. Dieser Bitte sei hiermit gerne entsprochen. > Teil 2, Koblenzer Orchestergeschichte - Von 1973 bis heute / Freier Lesetext


29.02.2020

Am morgigen 1. März beginnt der meteorologische Frühling. Der ist per Definition eigentlich an den biologischen Frühling geknüpft. Letzterer allerdings hat heuer, klimatisch gefühlt und phänomenologisch beobachtet, bereits im Januar angefangen. Nach objektiven Messdaten sieht die Bilanz für den Winter 2019/20 so aus (Quelle: Dt. Wetterdienst): "In dieser Saison haben wir einen Totalausfall des Winters erlebt." Sein Temperaturdurchschnitt lag in Deutschland bei 4,1 Grad. Zum Vergleich: Der langjährige Mittelwert betrug 0,9 Grad. Der Winter 2019/20 war der zweitwärmste seit Messbeginn anno 1881. Er reiht sich damit nahtlos ein in die seit rund drei Jahrzehnten anhaltende Durchschnittstendenz zu temperaturmäßig immer milderen Wintern.

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“Die Wiederbelebung oder Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts, die Verherrlichung des nationalsozialistischen Herrschaftssystems sowie rassistische und antisemitische Aktivitäten nicht zuzulassen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt und Verantwortung jedes Einzelnen”, lautet der neue Paragraph 37a der Landesverfassung von Sachsen-Anhalt. Diese Verfassungserweiterung ist zustande gekommen durch die Kooperation der CDU-geführten Regierungsfraktionen mit der Linken. Die AfD war dagegen.