Guten Tag allerseits

14.10.2019

Es ist seit jeher ein spannendes Phänomen am Theater: Mit den Veränderungen in der Realwelt bekommen Bühnenklassiker plötzlich neue Subtexte. Selbst wenn Regisseure gar nicht demonstrativ darauf abheben, entstehen im Kopf des Zusehers sich auf die Gegenwart beziehende Bedeutungsebenen. In Ester Hattenbachs Inszenierung von Bertolt Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“ jetzt am Theater Koblenz eskalieren Kontroversen schnell zu wütender, lautstarker, giftender Streiterei. Und man denkt unversehens: So ist das heutzutage. (...)

Meine Premierenkritik (4100 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text)

11.10.2019

"Um es klar zu sagen: Der türkische Angriff auf Nordsyrien ist eine widerrechtliche Invasion fremden Staatsgebietes. Doch gewichtiger ist: Erdogans Militär marschiert in Syrien ein, um das Selbstverwaltungsgebiet der Kurden zusammenzuschießen. Und um auch das klar zu sagen: Dass die internationale Politik außer ein paar empörten Sätzen Richtung Ankara nichts zustande bringt, das den Kurden helfen könnte, ist kaum minder beschämend als Trumps Abzug der 100 US-Soldaten, der Erdogan de facto freie Hand gab. (...)"

Mein gestriger Zeitungskommentar zum Thema (hier, freier Lesetext)


09.10.2019

Da ist mal wieder dieser Gedanke, der bei mir im Hintergrund sämtlicher Diskussionen über Probleme und Perspektiven der menschlichen Zivilisation stets mitrumort: Als ich 1955 geboren wurde, lebten auf Erden rund 2,5 Milliarden Menschen. Nur zwei Generationen später sind es nahezu 8 Milliarden, also gut das Dreifache. Fast noch mehr als die Kopfzahl fällt der Umstand ins Gewicht, dass seither der Ressourcenverbrauch pro Kopf sich im globalen Durchschnitt mindestens verfünffacht hat (und weiter zunimmt). Gemessen an diesem Verbrauch ist es so, als sei die Menschheit seit 1955 von 2,5 Milliarden Individuen auf 12,5 Milliarden plus X explodiert.

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Dank invalidem Haxen bin ich noch immer dabei, frühere Texte von der alten auf meine neue Website zu transferieren. Weil ich vom nächsten Wochenende an aber vorsichtig wieder auf Kritikertour zu gehen gedenke, kommt ein eben gefundener alter Artikel von 2007 gerade recht. In launiger Quergedanken-Form klappert er das Selbstverständnis der Kritikerzunft durch. (freier Lesetext, ca. 3 Min. Lesezeit) Der Kritiker, das unbekannte Wesen


08.10.2019

Die Kurden haben die Hauptlast im Bodenkrieg gegen den IS getragen, sie haben unter sehr hohem Blutzoll für die Staatengemeinschaft die Kastanien aus dem Feuer geholt. Sie haben die Jesiten vor dem Genozid durch den IS bewahrt. Sie haben tausende IS-Terroristen gefangen gesetzt und bitten seither die Staatengemeinschaft, auch Deutschland, – vergeblich – um Hilfe bei der Lösung des Gefangenenproblems, mit dem sie auf Dauer überfordert sind. Stattdessen überlässt man die Kurden nun Erdogan und seinem Militär. Denen hat seit jeher der Kampf gegen den IS weniger bedeutet als die möglichst baldige Vernichtung der kurdischen Selbstverwaltungsgebiete in Nordsyrien und im Nordirak. Es ist eine Schande.


07.10.2019

Kreisch, freu, genier! In den Tiefen meines Quergedanken-Archivs bin ich eben über das einzige Gedicht aus meiner Feder gefallen, das je gedruckt wurde. Viel mehr Lyrisches gibt es auch nicht aus Erwachsenenjahren. Die liebesgeilen und weltrevolutionären Verse der Jugendzeit sind - leider oder Gott sei Dank - in irgendeiner der damaligen Wohngemeinschaften verloren gegangen. Der neoromantische 9-Stropher von 2010 dürfte sich Mittelrheinern wohl eher erschließen als Auswärtigen. Wer Lust hat und Spaß an der Freud, s. hier


06.10.2019

Die Koblenzer Kulturgeschichtsschreibung betrachtet die Geschichte des örtlichen Orchesters gerne  als Kontinuum, das von der Gründung der kurfürstlichen Hofkappelle 1654 bis zum heutigen Staatsorchester Rheinische Philharmonie reicht. Dies Bild idealisiert jedoch etwas. Weshalb ich jetzt in einem Artikel für das Halbjahresmagazin „con moto“ der Rheinischen Philharmonie den Blick auch auf die Brüche in der Orchestergeschichte lenke. So auf den Umstand, dass man die Wurzeln des Koblenzer Staatsorchesters – ebenso des Bonner Beethoven Orchesters – durchaus in Bad Kreuznach respektive Bad Neuenahr verorten könnte, statt am kurfürstlichen Hof zu Koblenz.  

Mein kompakter Artikel zur Koblenzer Orchestergeschichte, Teil 1 bis 1985 (freier Lesetext, 12000 Anschläge)      


04.10.2019

Heute auf Seite 2 der Rhein-Zeitung: Mein Artikel über das schon sehr alte Phänomen extremer Polarisierung hinschtlich einzelner Symbol- oder Galionsfiguren unter der Überschrift "Der Greta-Effekt ist nichts Neues"  (4600 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)