Guten Tag allerseits

24.01.2017

Steffen Fuchs, Ballettchef des Theaters Koblenz, hat für die aktuelle Produktion mit seiner Kompagnie vier berühmte Kompositionen von Johann Sebastian Bach ausgewählt. Das summiert sich im intimen Rahmen der Probebühne 4 unter dem Titel „Bach-Ballett” zu einem 90-minütigen abwechslungsreichen Abend auf bemerkenswertem Niveau. Der ist bis zur Pause von teils sehr ernstem Charakter, bietet nachher zwei frisch-frech-humorige Kabinettstückchen.

> Premierenbesprechung hier
(3900 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


23.01.2017

Die Tanzkompagnie des Staatstheaters Mainz hat für ihre aktuelle Premiere eine besondere Örtlichkeit in der Landeshauptstadt ausgesucht. Mit zehn Akteuren bringt sie ein „Shift” betiteltes Werk in der Christuskirche zur Uraufführung. Das Stück hat Rui Horta eigens für dieses evangelische Gotteshaus choreografiert. Die Produktion ist Teil der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Im Anfang war das Wort” von Staatstheater und Evangelischem Dekanat Mainz anlässlich des Jubiläums „Luther 2017 – 500 Jahre Reformation”.

> Premierenbesprechung hier
(3500 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


22.01. 2017

Noch ein Wort zur gestrigen überparteilichen Koblenzer Demonstration gegen den Kongress der Rechtsradikalen:
Kein Mensch hatte vorab in dieser kleinen Stadt 5000 Demo-Teilnehmer für möglich gehalten. Sämtliche Erwartungen sind um ein Vielfaches übertroffen worden. Mag sein, dies ist ein Indiz dafür, dass die angesichts des rechtspopulistischen Booms und "postfaktischen" Geschreis teils in schiere Schockstarre verfallene freiheitlich eingestellte Mehrheit im Land allmählich wieder zu sich kommt. In diesem Sinne wirkt die Koblenzer Demonstration vielleicht auch ein bisschen als Weckruf und Mutmacher weit über die Grenzen der Stadt hinaus.


 

21. 01.2017

Schöne und große Demonstration heute in Koblenz gegen Kongress der EU-Rechten dort. Alle Altersklassen, sozialen Schichten und eine vielzahl von Richtungen vertreten. Mit von niemandem erwarteten 5000 Teilnehmern die größte politische Kundgebung in der Rhein-Mosel-Stadt seit Jahrzehnten - und damit ein wichtiger Beitrag auch zum Ringen um die Atmosphäre im Land. Ist mir eine Freude, dabeigewesen zu sein.


20.01.2017

Sorry, liebe Leut', aber es treibt mich um.
Diejenigen von Euch, die in Koblenz und dem weiteren Umfeld daheim sind: Geht am Samstag mit demonstrieren! Gegen die versammelten europäischen Rechtsradikalen um Petry, Le Pen und Wilders. Mag es auch kalt sein, Euch dieser oder jener Kundgebungsredner nicht zusagen, der eine oder andere Mitdemonstrant nicht behagen, oder mögt Ihr noch nie im Leben demonstriert haben: Das ist alles nebensächlich. Denn spätestens seit Björn Höckes "Schandmal"-Rede müsste nun jedermann klar sein, was sich da zusammenbraut. Die Würfel sind gefallen; also Demokraten und Humanisten: Raus aus den Sesseln und wehret den Anfängen! (11 Uhr, KO Hauptbahnhof)


19.01.2017

Mal was Schönes. Dicht gefüllt mein Kalender für die nächsten Tage, aber mit lauter vielversprechenden Terminen:
Für den heutigen Abend (Do, 19.1.) hat mich die Theatergemeinde Koblenz als Gesprächsgast eingeladen, um über dies und das aus der Arbeit des Kulturjournalisten und regionalen Theaterkritikers zu plaudern (19 Uhr, Genusswerkstatt, KO Clemensstr. 18, freier Eintritt, auch Nichtmitglieder sind willkommen).

Am Samstag wird dann erst gegen die in Koblenz zum Kongress versammelten europäischen Rechtsradikalen demonstriert (ab 11 Uhr KO-HBF) - ihnen auch im Schulterschluss mit Schiller, Beethoven und der Rheinischen Philharmonie (und dem schönen Beispiel des Staastheaters Mainz folgend) die "Ode an die Freude" entgegengeschmettert. Am Abend geht's nach Mainz, wo die Tanzkompagnie des Staatstheaters in der Christuskirche sich mit Luthers Geist auseinandersetzt. Am Sonntagabend folgt im Theater Koblenz noch einmal Tanzkunst: Premiere hat ein Bach-Ballett von Steffen Fuchs auf der probebühne 4.

Und noch ein Hinweis aufs übernächste Wochenende: Am 28.1. wird im Haus der Jugend Montabaur der vergangenes Jahr ausgefallene DADA-Tag mit diversen Workshops von Künstlerkollegen für jederman nachgeholt. Dabei im Rahmen der abendlichen Schlussveranstaltung letztmals zu erleben: Mein Vortrag "Dada lebt" (ab ca 19 Uhr in einer 45-minütigen Kurzfassung). >>Infos zum Dada-Tag hier


18.01.2017

Auch auf die Gefahr hin, mich jetzt ziemlich unbeliebt zu machen: Ich habe nie viel davon gehalten, dass man sich bei der Bekämpfung der NPD primär auf das Bemühen um juristisches Verbieten der Neonazi-Partei konzentriert.

Dazu und zum BVG-Urteil einige Anmerkungen hier
(freier Lesetext)


16.01.2017

Der erster Einsatz als Schauspielkritiker im neuen Jahr führte mich ans Staatstheater Wiesbaden zu Alan Ayckbourns Science-Fiction-Komödie "Ab jetzt". Was bei Entstehung des Stückes 1987 noch Zukunftsmusik war, ist heute vielfach kaum hinterfragter Alltagsstandard: Vernetzung von Haustechnik, Überwachungssysteme allüberall, freiwilliger Verzicht auf Privatsphäre sowie alsbald Ersetzung sozialer Funktionen durch Roboter. Wiesbaden gibt dazu einen hübschen Schmunzelabend mit ernstem Hintersinn.

>> Premierenbesprechung hier
(kostenpflichtiger RZ-Text, 3600 Anschläge, 49 Cent)


13.01.2017

Wie wohl auf allen südwestdeutschen Höhen war auch bei mir am Morgen als erste Bürgerpflicht aufgerufen: Schneeschippen. Für den Unterwesterwald treffender gesagt: Schneematschschieben. Denn würde die nasse Pampe nicht in solchen Massen herniederstürzen, sie wäre bald verschwunden - die Lufttemperatur pendelt um den Schmelzpunkt. Weshalb ich annehme, dass die Flachländer in den Rhein-Städten aktuell weniger Mühe haben. Jedenfalls motiviert die Wetterlage, meine diesmal wegen Pflichtengeknubbels sehr früh geschriebene Monatskolumne "Quergedanken" vorzeitig zu veröffentlichen. Sie passt einfach zu schön.

Quergedanken Nr. 144 "Und plötzlich war da WETTER"
(freier Lesetext, 3380 Anschläge)


11.01.2017

Tipp: Heute (Mi 11.1.) Fernsehabend, und der auch noch verfrüht beginnend.

- Unser pfälzischer Dichterfreund Michael Bauer spielt in der SWR-Sendung "Kaffee und Tee" zwischen 17 und 18 Uhr eine zentrale Rolle, u.a. im Gespräch mit Martin Seidler.

- Um 18.30 Uhr umschalten auf NDR-Fernsehen zur Live-Übertragung vom Eröffnungsfestakt der Elbphilharmonie.
- Auf selbigem Sender ab 20.15 Uhr live das Eröffnungskonzert dieses "ersten architektonisch herausragenden neuen Großbauwerks in Deutschland im 21. Jahrhundert".
- Sofort nach Konzertende umschalten aufs Erste zur Doku "Die Elbphilharmonie - Konzerthaus der Superlative".


10.01.2017

Das aktuelle politische Ringen um die Sicherheitsstruktur Deutschlands vor dem Hintergrund terroristischer Bedrohung wird leider wenig hilfreich belastet durch allerhand bloße Parteilichkeitsreflexe nach der Devise: Was von dieser oder jener Partei kommt, ist per se Mist. Diese ungute, leichtfertige und in der Sache wenig hilfreiche Praxis ist gerade im Hinblick auf die 2017er Wahlen bei Parteipolitikern leider ebenso verbreitet wie in Teilen der Bevölkerung.

Dazu einige Anmerkungen hier
(freier Lesetext)


09.01. 2017

"Lesen ist die wunderbarste Gewohnheit, die es gibt - aber es ist eben auch eine Gewohnheit, die geübt sein will, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Man muss lernen, sich in das Geschriebene zu versenken, allein zu sein mit seinem Buch. Wer aber alle paar Minuten eine neue E-Mail aufruft, Nachrichten oder Bilder empfängt oder verschickt, wird wahrscheinlich nicht zu einem Menschen, der sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen kann."

So Felicitas von Lovenberg jetzt im Interview. Die frühere FAZ-Literaturchefin und heutige Leiterin des Piper Verlags ist eine sehr gescheite Frau. Vor etlichen Jahren war ich ihr Sparringspartner bei einem bewusst scharf angelegten Interview für Probeaufnahmen im 3sat-Studio Mainz. Die sympathische Dame fand auch noch die kleinste Unstimmigkeit in meinen Antworten - und am Ende sah ich ziemlich alt aus.


07.01. 2017

Manchmal schießen dem alten Kerl ohne jeden momentanen Anlass seltsame Gedanken durchs Hirn. So heute beim geruhsamen Samstagsfrühstück dieser: Niemand käme auf die Idee, Martin Luther dafür verantwortlich zu machen, dass die Reformation das bis dahin schlimmste Völkergemetzel der Menschheitsgeschichte zur Folge hatte: den Dreißigjährigen Krieg. Dem 1883 gestorbenen Karl Marx hingegen wurden/werden sämtliche unter der Etikettierung "Sozialmus" entstandene Despotien und begangene Gräuel des 20./21. Jahrhunderts in die Schuhe geschoben.

Ergebnis: Kaum jemand befasst sich mehr mit dem, was der Rauschebart aus Trier tatsächlich geschrieben hat. Das ist bedauerlich. Denn wie Luther dereinst das damalige papistische Kirch-und Glaubenssystem radikal analysierte und kritisierte, so Marx das bis heute fortexistierende System des Kapitalismus. Wäre der Anti-Marx-Reflex nicht fest in der Gegenwart verwurzelt, manch einer könnte für sich eine Lektüre - zB das kleine und allgemeinverständliche "Kommunistische Manifest" - wieder oder erstmals entdecken, die bei Verständnis und Bewertung gerade heutiger Entwicklungen im Zuge des globalen Turbokapitalismus recht hilfreich sein kann.


04.01.2017

Ein langjähriger Leser meiner Artikel meinte vorhin am Telefon: "Man muss ihr aktuelles Neujahrsessay im Zusammenhang mit dem Neujahrsessay von 2016 lesen. Das ergibt eine hochinteressante Verbindung zwischen menschlicher Entwicklungsgeschichte und Gegenwart." Stimmt. Weshalb hier auch der Essaytext vom vergangenen Januar nochmal als Lektüre ans Herz gelegt sei.

2016-01-02 Neujahrsessay:
Veränderung ist der historische Normalzustand

(Freier Lesetext, 11500 Anschläge)


03.01.2017

Ein westerwälder Keramikkrug aus dem 17. Jahrhundert. Milchtopf, Wasserkrug, Weinbembel oder zu welchem Verwendungszweck auch immer er dereinst auf dem Küchenbord stand. Jedenfalls wurde er vor mehr als drei Jahrhunderten plötzlich zweckentfremdet - und kam gerade deshalb in Koblenz-Ehrenbreitstein, randvoll mit Münzenbefüllt, überraschend erst auf die Nachwelt des 20. Jahrhunderts und jetzt in Forscher- und Bewahrerhände der Gegenwart. Behältnis und Inhalt haben eine interessante Geschichte über einen kurtrierischen Steuereintreiber anno 1688 in Ehrenbreitstein zu erzählen.

> Ganzen Artikel lesen hier
(freier Lesetext, 5400 Anschläge)


02.01.2017

Seit anno 2000 füllt alljährlich am ersten Werktag des neuen Jahres mein Neujahrsessay die ganze Kulturseite der Rhein-Zeitung. Heuer steht es unter der Überschrift "Wenn Angst die Seele auffrist" und befasst sich mit vermeintlichen, tatsächlichen, provozierten, herangezüchteten, geschürten, übersteigerten Ängsten, die unsere Gesellschaft derzeit umtreiben: a) Angst vor Terror, vor Überfremdung, vor den Folgen der Globalisierung; b) vor nationalem Radikalkonservatismus, vor Deliberalisierung von Politik, Staat und Gesellschaft; c) Angst der jungen, kulturell polyglottten Generation vor einem nationalen und reaktionären Rollback.

>>Neujahrsessay lesen hier
(kostenpflichtiger RZ-Text, 11500 Anschläge, 49 Cent)


01.01.2017

Alle gut rübergekommen? Keinen Finger weg-, kein Hirn vollends abgeschossen? Mein Silvesterhöhepunkt: Wohnzimmerschwof mit The Rolling Stones in Havanna. Meine Vorsätze für 2017:

1.) Gelassener, freudvoller, liebestoller, etwas vernünftiger und ein bisschen unvernünftiger werden - mag die Menschenwelt auch verrückt spielen. Denn die Welt dreht sich weiter, mit oder ohne durchgeknallte Zeitgenossen.

2.) Vom Zeitgeist nicht treiben oder verführen lassen, die eigenen Grundüberzeugungen aufzugeben. Die da wären:

- Die Würde des Menschen ist unantastbar und gerade wegen der wunderbaren Unterschiedlichkeit aller Menschen war und bleibt es richtig, gleiches Recht und gleiche Achtung für alle erstreiten zu wollen.

- Es war und bleibt richtig, dass die Starken den Schwachen helfen, diejenigen ohne Not denen, die in Not geraten sind - egal woher sie stammen, wie sie aussehen, sprechen, essen, singen, beten.

- Es war und bleibt richtig, Frauen und Männer beruflich, politisch, privat in gleiche Rechte und Pflichten setzen zu wollen. Es war und bleibt richtig, Lesben und Schwule mit Heteros gleichstellen zu wollen.

- Es war und bleibt richtig die Prügelstrafe für Kinder zu verbieten und die Zuchtpädagogik durch eine Pädagogik des Verstehens und Förderns zu ersetzen (so mangelhaft die im einzelnen sein mag). Ebenso war und bleibt es richtig, dem Recht auf Bildung für alle das Wort zu reden.

- Es war und bleibt richtig, den Nationalismus überwinden zu wollen und ein vereintes Europa freier Völker und kultureller Vielfalt anzustreben. Wie es zugleich richtig war und bleibt, dieses Europa weder einem abgehobenen Politapparat noch den Konzernen und Banken zu überlassen.

- Es war und bleibt richtig, den Kapitalismus nicht für der menschlichen Weisheit letzten Schluss zu halten. Wie auch richtig war und bleibt, dem neoliberalen Turbokapitalismus strenge Grenzen setzen zu wollen.

- Es bleibt richtig, das islamistisch-terroristische sowie das neonazistisch-terroristische Barbarentum mit allen Mitteln bekämpfen zu wollen - ohne deshalb die eigene Freiheit und die Humanität der Gesellschaft dranzugeben.

- Es war und bleibt richtig, jeder Pauschalverurteilung von Ethnien, Volksgruppen, Bevölkerungsteilen, Sozialschichten, Kulturen, Religionen die Stirn zu bieten.

- Es war und bleibt richtig, unablässig für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Schutz der globalen Ökosphäre als wichtigste Zukunftsfragen der Menschheit zu streiten.

Mag das komplexe Gewebe der Realität auch in tausenderlei Einzelfällen schwierige Fragen aufwerfen und besondere Erwägungen erforden: An diesen Grundhaltungen kann, soll, will ich mich nicht irre machen lassen.


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