Guten Tag allerseits

27.06.2019

Und nun: BETRIEBSRUHE in der Schreibstube bis Ende Juli. Wünsche allseits eine angenehme Sommerzeit.


 26.06.2019

Wir nennen uns Homo sapiens, „vernünftiger Mensch“. So richtig eingeleuchtet hat mir das nie. Denn angesichts der Zivilisationsgeschichte bleibt eigentlich nur der Befund: Seit der Mensch sesshaft geworden ist und in hierarchischen Gesellschaften lebt, wird er hauptsächlich von Unvernunft getrieben. Und als eine der unvernünftigsten Zivilsationsaspekte erweist sich just dieser Tage die Lebensmaxime "immer größer, schneller, weiter" - an die wir ins seit 10 000 Jahren dummerweise gewöhnt haben.

Kolumne "Quergedanken" Nr. 172 (freier Lesetext)

 


25.06.2019

Walter Ullrich, Hannes Houska, Jochen Heyse: Das waren die Theaterprinzipale, die Ende des vergangenen Jahrhunderts zeitgleich über viele Jahre das professionelle Bühnengeschehen in der Mittelrheinregion prägten. Alte Schule, dominante Persönlichkeiten alle drei – Schauspieler, Regisseure, Intendanten in einer Person. Houska starb 2012, hatte von 1975 bis 1996 als Intendant die Geschicke des Theaters Koblenz bestimmt. Heyse starb ein Jahr nach Houska, hatte von 1988 bis 2004 die Leitung der Burgfestspiele Mayen innen. Der Dritte im Bunde allerdings, Walter Ullrich, erfreut sich noch seines irdischen Daseins, war bis eben Intendant des Kleinen Theaters Bad Godesberg und zugleich der Landesbühne im Schlosstheater Neuwied. Jetzt erst, im 88. Lebensjahr, muss er nach gut 60 Jahren sein Godesberger Privattheater aufgeben und hat dieser Tage nach 40 Jahren die Leitung des Neuwieder Theaters in die jüngeren Hände von Lajos Wenzel überantwortet.

Meine Würdigung zu Ullrichs Abschied (freier Lesetext)


22.06.2019

In Anbetracht der großen zentralen Demonstration von Fridays for Future gestern in Aachen erspare ich mir diesmal die Mühe, andere lokale Aktionen der Schülerbewegung aus dem Netz zu fischen. Es gab aber auch an diesem Freitag, trotz Aachen, etliche. Hier ein Link zur Berichterstattung der "Aachener Zeitung" über das gestrige Protestgeschehen am Ort.  Aachener Zeitung hier

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Im Staatstheater Wiesbaden wird Schillers „Kabale und Liebe“ jetzt in einer Art gezeigt, die als kleines Wunderwerk gelten darf. Regisseurin Johanna Wehner hat heftig in die Vorlage eingegriffen, hat vieles weggelassen, hat manche Sprechpassage auf einen Ausruf, bisweilen ein einziges Wort verkürzt, hat auch ein bisschen Eigenes hinzugefügt. Mehr noch: Sie hat den strukturellen Aufbau des Stückes von 1784 verändert. So sehr der gut zweistündige Abend sich damit vom Original zu entfernen scheint, bleibt am Ende doch der Eindruck, seinem Schiller’schen Wesen kaum je so nahe gekommen zu sein.

Meine Besprechung (freier Lesetext)


21.06.2019

„Freiheit“ ist die jüngste Produktion von tanzmainz benannt. Der Titel lässt erwarten, was der 60-minütige Abend auch bestätigt: Das vom den israelischen Choreografen Guy Weizmann und Roni Haver kreierte Stück hat eine stark gesellschaftspolitische Dimension. Die schafft sich Ausdruck bereits in der Farbgebung: Bühne, Licht, Kostüme – alles durchgängig in Varianten von Rosa gehalten. Will sagen: Wir heutigen Hiesigen betrachten unser Freiheitsideal meist durch eine rosarote Brille. Die acht Tänzer*innen demonstrierten dann aber eindrücklich, dass es  so einfach nicht ist mit der Freihe it.

Meine Besprechung des Tanzstücks (freier Lesetext)


19.06.2019

Uraufführungen aktueller Kompositionen haben im Klassikbetrieb vor allem abseits der Musikmetropolen noch immer Seltenheitswert. Es heißt, das Publikum sei noch nicht bereit für die oft atonalen Schöpfungen von Gegenwartskünstlern. Sollte diese seit Jahrzehnten gepflegte Einschätzung sich als überholt erweisen? Der begeisterte Applaus spricht dafür, mit dem die Uraufführung eines Trompetenkonzerts des Kölner Komponisten Wilfried Maria Danner durch die Rheinische Philharmonie Koblenz jetzt aufgenommen wurde.

Meine Konzertbesprechung (freier Lesetext)


18.06.2019

17 Uhr, Aufbruch nach Mainz. Auf dem Kritikerdienstplan steht ein Tanzstück am Staatstheater. Die 20 Meter vom Haus zum Auto bergen Gefahren. Ein Dussel hat seine Gartenschuhe genau vor der Haustür geparkt. Ich stolpere drüber und stürze kopfüber ins Kräuterbeet. Der umgeknickte Fuß tut weh, ein Ellbogen ebenfalls, doch man will nicht jämmerlich erscheinen: „Nix passiert“; ab zum Dienst. (...)

Kleines Verzählchen darüber, was einem Montags so passieren kann (Freier Lesetext)


17.06.2019 Dritte Spielzeit bei den Burgfestspielen Mayen unter der Intendanz von Daniel Ris. Wie in den Vorjahren, so entfällt auch in diesem Sommer eine der beiden großen Abendproduktionen im Innenhof der Genovevaburg aufs Schauspiel, die andere aufs Musiktheater. Als Sprechtheater-Beitrag kam an diesem Wochenende ein Komödienklassiker auf die Bühne: Oscar Wildes „Ernst sein ist wichtig“, hierzulande eher bekannt unter dem Titel „Bunbury“. Anders als in den Vorjahren bei Schillers "Kabale und Liebe" sowie Schirachs "Terror" fällt meine Kritik in diesem Fall nicht ganz so positiv aus.

Meine Premierenbesprechung (3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


15.06.2019

Auf die Schnelle im Netz gefundene News über Demos von Friday for Future am gestrigen Freitag (14.06.2019). Da sind wieder Orte/Örtchen darunter, von denen ich noch nie im Leben gehört habe. Sage keiner mehr, FfF sei ein bloßes Großstadtphänomen.

Mit Zahlenangaben: Hamburg (6500), Darmstadt (3000), Rüsselsheim (450), Leipzig (250), Paderborn (150), Diepholz (erstmals, 400), Herne (erstmals, 450), Frankenberg (erstmals, 250), Brüggen (erstmals, 100), Bassum (erstmals, 100), Kirchheimbolanden (erstmals, 200), Gifhorn (70), Ahlen (erstmals, 20), Strausberg (erstmals, 100), Passau (Radlerdemo, 100)....

Ohne Zahlenangaben: Lehrte, Duisburg, Köln, St. Ingbert, Bad Kreuznach, Moers, Kamp-Lintfort, Hannover (Farraddemo), Düsseldorf (Fahrraddemo), Gotha, Hildesheim, Zwickau, Marburg, Eckernförde (Demo gegen Kreuzfahrtschiffanleger)... // Österreich: Schärding, Krems, Eisenstadt, Villach ...

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Mich interessiert alles, was über Greta Thunberg und vor allem ihre "geschäftstüchtigen Hinterleute" kolportiert wird, wenig bis gar nicht. Denn das Mädchen ist nicht die Ursache der Jugendbewegegung FfF, sondern nur ein zeitlich zufällig zum erreichten Stand des jugendlichen Krisenbewusstseins in Sachen Klima passender Impuls oder Zündfunke. Gäbe es Greta nicht, hätte etwas oder jemand anderes zeitnah die Zündfunktion übernommen - der Unwille in der Jugend war einfach reif zum Ausbruch.

Dass Massenströmungen, ob politisch, kulturell oder sonstwas, sich ihre Ikonen schaffen, ist ein alter Hut; war immer so. Dass Trittbrettfahrer versuchen, aus den Ikonen Kapital zu schlagen, ist bedauerlich, war aber ebenfalls immer so. Unredlich wird die Sache dort, wo Gegner der Bewegungen die Trittbrettfahrerei benutzen (oft aufbauschen, zur Not auch mal herbeilügen), um die Bewegungen selbst zu diskreditieren. Aber selbst das ist ein alter Hut; kenne ich noch von 68ff: Der Umstand, dass einige Kommunarden Beziehungen zur DDR unterhielten, wurden von interessierter Seite (Springer zB) propagandistisch gedeutet als Zeichen dafür, dass die gesamte 68er-Bewegung ein Stasi/MFS-Produkt sei.

Was die vermeintliche "Familienmarke Greta" angeht, so hat mich das ab dem Moment noch weniger interessiert, da ich auf die von interessierter Anti-FfF-Seite ständig insistierende Frage "Wer bezahlt eigentlich Gretas Reisen?" die simple Antwort gefunden habe: zumeist die Organisationen/Institutionen, die sie als Rednerin einladen. So wie es für Gastredner auf sämtlichen Gebieten seit jeher allüberall Usus ist.


14.06.2019

Seit Jahrzehnten bereitet mir die Entwicklung der großen Menschenwelt eher Verdruss denn Freude. Trotzdem darf ich mich glücklich schätzen, und tue das auch. Einer der wichtigsten Faktoren dafür ist beim Blick aus dem Fenster der Schreibstube zu sehen: "mein" Wald. Beglückende 20 Quadratkilometer Ruhe-Refugium und zugleich Versorgungsraum für Brennholz und mannigfache Nahrungsmittel.

Ein kleines Verzählchen über "meinen" Wald (freier Lesetext)


13.06.2019

Es ist schon recht gruselig, wenn bei allen Diskussionen über FfF oder Greta ausgerechnet diverse Linksaußen-Strömungen partout darauf bestehen, sowohl die objektiven Bedingungen für das Entstehen dieser Bewegung wie auch das subjektiv hochentwickelte Bewusstsein der jungen Leute für die Zusammengehörigkeit von ökologischer und sozialer Frage völlig zu ignorieren. Da gibt es seltsame Leute, die Fridays for Future und Greta für Produkte einer geheimen Verschwörung der herrschenden Klasse halten, wohl nur weil die nicht unter roten Fahnen marschieren und nicht rufen "Nieder mit dem Kapitalismus! Es lebe die sozialistische Weltrevolution!". Eine borniertere Verweigerung historisch-materialistischer Analyse jetziger Realität ist einem kaum je begegnet.


12.06.2019

Wenn Sommer ist, zieht es auch das Theater hinaus zum Spiel unter freiem Himmel, Wetterrisiko inklusive. Glück für die Premiere von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ in Koblenz: Der Abend war warm, erst zum Finale träufelte es einige Regentropfen. Langer Beifall, vergnügte Gesichter – man hat auf dem Vorplatz der Feste Franz bei einer reizenden kleinen Produktion kurzweilige 90 Minuten erlebt.

Meine Premierenkritik (4200 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


11.06.2019

Bestandsaufnahme Selbstversorgergarten Pfingsten 2019: Acht Reihen Kartoffeln (zwei davon im Bild) stehen gut und die drei Hochbeete sind prall gefüllt mit allerhand. An anderer Stelle gedeiht eine Batterie von Tomatenstöcken prächtig. Die Kulturbeeren machen mir etwas Kummer: Johannis-, Stachel-, Him- und Heidelbeeren haben nur mäßig Früchte angesetzt. Dafür sind draußen im Wald die Fruchtansätze der Spätblüher Holunder und Brombeere recht füllig. Ergo: Was dem Gärtner verwehrt bleibt, muss der Sammler ausgleichen.


08.06.2019

Das eigentlich Interessante am Höhenflug der Grünen ist nicht der Höhenflug der Grünen selbst. Wirklich bedeutend ist, dass es sich dabei um ein SYMPTOM für tiefgreifenden Wandel im Denken großer Teile der Bevölkerung handelt. Wir erleben eine Art Paradigmenwechsel, der für die ökologischen Probleme die ihnen gebührende Stellung auf der politischen Agenda einfordert (dies durchaus auch innerhalb der Anhängerschaft der anderen Parteien). Die neue Prioritätensetzung vereint das über Jahrzehnte angewachsene ökologische (Minderheiten-)Bewusstsein mit aktuellem Umdenken in vielen Bereichen der Mehrheitsgesellschaft, vereint beides mit dem von Kindern und Enkeln massiv aufgebauten Verantwortungsdruck – für Klima, Natur, Arten und eine sozial gerechte Gesellschaft.

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Vorhin (Samstagmorgen) mal die Nase vor die Tür gestreckt. Jetzt habe ich soooo viiiiiel Lust auf Open-air-Kultur am Abend. Klammheimlich bin ich ein ganz kleines bisschen froh, dass meine RockamRing-Jahre vorbei sind, zurückliegen in einer Zeit, da die Hälfte der heutigen Besucher noch gar nicht geboren war. Gleichwohl Mädels und Jungs, Veteraninnen und Veteranen, die ihr droben in der Eifel rockt, tanzt, feiert, liebt, friert, durchgepustet und nass werdet: Habt Freude reichlich! (Tip für die RaR-Fans daheim: Zusammenschnitt/Übertragung auf 3sat ab 20.15 Uhr)

Mir steht stattdessen kritikerdienstlich heute ein Shakespear'scher "Sommernachtstraum" bevor. Nein, nicht die britische 2016er-Verfilmung im Fernsehen (18.45 Uhr auf ONE), sondern als Open-air-Theater auf dem Ruinengelände der Koblenzer Feste Franz. Für den Besuch der Gemeinschaftsproduktion von Theater Koblenz und LaProfth ist dann wohl Kampfmontur angesagt: dicke Socken, zweiter Pullover, mein knöchellanger Regenponcho und Wärmekissen fürs Popöchen.

Hinter vorgehaltener Hand mal ehrlich gesprochen: Ich habe sie noch nie verstanden, diese Vorliebe so vieler Leute, selbst hohe Theaterkunst und klassische Musik partout unter freiem Himmel erleben zu wollen. Meist ist die Akustik und sind die Aufführungsbedingungen schlechter als in jedem Theater und Konzertsaal, sitz man unbequemer, wird angelegentlich nass oder friert oder muss sich vor Blitz, Donner, Sturm in Sicherheit bringen; anderntags drohen Sonnenstich und Hitzschlag; die lärmende Außenwelt der Zivilisation spielt oft mit, ebenso manches Getier vom bellenden Hund und trällernden Vögelchen bis hin zu Einzelkämpfern oder Schwadronen der summenden und stechenden Art. Aber ach, ja ich weiß, das "wunderbare Ambiente" .... Nun denn, wenn ihr meint.


07.06.2019

Manchmal kommt man ja so ins Sinnieren: Was hast du eigentlich geschafft in deinem Leben? Oder: Hast du irgendwas Bleibendes geschaffen? Ich bilanziere, ganz grob: Während meines schreiberischen Berufslebens flossen mir alljährlich 100 bis 150 verschieden umfängliche Texte zu kulturellen und gesellschaftspolitischen Themen aus der Feder. In den letzten Jahren einige weniger, davor etlich mehr. Macht in 32 Berufsjahren knapp 4000 Berichte, Analysen, Essays, Kommentare, Kritiken, Glossen, Vorträge etc.

Was hast du damit bewirkt? Keine Ahnung, es lässt sich nicht(s) messen. Was wird davon bleiben? Außer elektronischen Archivbeständen bei diversen Medien, auf die vielleicht noch ein paar Jahre nach meinem Ableben gelegentliche Google-Suchen stoßen: wahrscheinlich Nichts. So viel vergebliche Liebesmüh‘ muss doch frustrierend sein? Nö. Denn wie der Sinn des Lebens darin besteht, zu leben, so die Lebensaufgabe des Schreibers darin, zu schreiben. Wenn hie und da das eine oder andere Schreibergebnis für diesen oder jenen Leser ein Moment der Freude, der Erhellung, des Denkanstoßes mit sich brachte/bringt, so war/ist die Mühe nicht für die Katz.


06.06.2019

Es wird in jüngerer Zeit von Klimawandelleugnern oder -verharmlosern eine neue Argumentation ins Gefecht geführt: Die einen effektiven Klimaschutz fordernden Leute würden Naturschutz und Klimaschutz miteinander verwechseln. Das aber wären zwei ganz verschiedene Paar Stiefel.

Dazu eine kurze Anmerkung (freier Lesetext)neue Argumentation


05.06.2019

Doch, ja, das geht mir auch an meiner eigenen Zunft gehörig auf den Wecker: Zu viele journalistische Kollegen/innen und Redaktionen, die nun wie besessen bloß noch das Köpfe-Wechsel-Spiel betreiben - und das irrtümlich für politischen Journalismus halten. Wer führt nun die SPD, der, die oder das? Was macht AKK demnächst? Wird Habeck Kanzler oder Baerbock? So enge Horizonte, ach herrje. *genervt*

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Wir haben derzeit in der Republik die hochinteressante Situation, dass unter Mitgliedern und Anhängern fast aller Parteien das Bedürfnis nach INHALTLICHER, STRUKTURELLER, PERSPEKTIVISCHER (Neu)Orientierung enorm stark ist. Vor allem das völlig unerwartete plötzliche Auftauchen einer sich auf ungewohnte Weise vehement in die Politik einmischenden Jugendgeneration schüttelt die althergebrachten parteipolitischen wie teils auch medialen Verhältnisse, Gewohnheiten, Blickwinkel gehörig durch. Zugleich (und größtenteils deshalb) befinden sich in der Parteienlandschaft fast alle Personalien im Schwebe-/Interimszustand.

Das eigentlich Spannende daran ist: Politische Entwicklungen entscheiden sich in der jetzigen Phase nicht in den Parlamenten, auch nicht in den Führungsgremien der Parteien und erst recht nicht beim Köpfe-Wechsel-Spiel, sondern "unten", an den Parteibasen und den sich gerade gravierend wandelnden Prioritätensetzungen im öffentlichen Bewusstsein. Dieser Wandel lässt die alte politische Garde teils in Schockstarre, teils in Panik, teils in Frustration, teils in wildes (und dummes) Umsichschlagen verfallen.

Journalisten hätten außer über das Köpfe-Spiel nichts zu berichten, weil nichts passiert, heißt es? Pardon, sehe ich anders. So viel grundstürzende Bewegung wie jetzt eben, war lange nicht. Allerdings findet sie halt nicht an den Orten und in den Formen statt, an die manche Kollegen/innen gewöhnt und auf die sie seit ewigen Zeiten fixiert sind.


04.06.2019

Im Frühjahr 2019 haSinnieren: Was hast du eigentlich geschafft in deinem Leben?be ich den Vortrag "Heimat - Sehnsuchtsraum und Kampfbegriff" in mehreren Orten des nördlichen Rheinland-Pfalz gehalten. Es stehen  nun zwar noch Gesprächsveranstaltungen zu diesem Thema auf meinem Plan, aber für den Vortrag selbst liegt kein weiteres Engagement vor. Weshalb ich mich entschlossen habe, die letzte Manuskriptfassung des 50-minütigen Referats den interessierten Zeitgenossen hier zugänglich zu machen.  Wie immer bei meinen Vorträgen gingen die mündlichen Ausführungen in Teilen darüber hinaus. Aber alles, was in (unkorrigierter Form) geschrieben steht, wurde auch gesagt.

Zum Vortragsmanuskript hier (freier Lesetext)

30.05.2019

Einigen wegen der Wahlresultate in den Ost-Bundesländern fast bis zur Hysterie aufgeregten Zeitgenossen da draußen würde ich gerne zurufen: Kinners bleibt auf dem Teppich! Die General-Aburteilung dieser Landesteile als "Dunkeldeutschland" oder "Rechtsdeutschland" ist ziemlich daneben. Auch wenn die relativ hohen AfD-Ergebnisse dort kein Spaß sind, so haben in Brandenburg doch 80% der Wahlbeteiligten NICHT AfD gewählt und selbst in Sachsen waren es noch 75%. Der deutsche Osten ist also alles andere als "verloren".


29.05.2019

Zwei Zitate und ein Wahlergebnis nahm ich heute in der Frühstückszeitung mit besonderem Interesse zur Kenntnis. An drei ganz verschiedenen Stellen gefunden, ergeben sie zusammengenommen m.E. doch exemplarisch einen ausgezeichneten Befund der derzeitigen (politischen) Lage.

1. Zitat UN-Generalsekretär Guterres gestern auf dem NGO-Gipfel in Wien, das die ganze Malaise bisheriger Klimapolitik auf den Punkt bringt: "Wir machen zu wenig von dem Vereinbarten, von dem wir schon jetzt wissen, das es überhaupt nicht ausreichen wird."

2.Die Antwort darauf geben für die junge Generation die Schüler der Klassen 9 bis 12 am Musikgymnasium Montabaur mit ihrer "Testwahl" parallel zur EU-Wahl. Ergebnis: 55,7 % für die Grünen, 10,7 % FDP, 7,4% SPD, 6,7% DIE PARTEI, je 3,6% CDU und Tierschutzpartei, je 2,0% Linke und FW, 0% (!) AfD.

3. Was die britische Zeitung "The Guardian" über das EU-Wahlergebnis auf den Inseln schreibt, skizziert (jenseits der Farage-Hysterie) das Verhältnis zwischen altem Nationalismus und moderner Weltoffenheit. Zitat: "Es stimmten mehr Wähler für Parteien, die sich für einen Verbleib in Europa aussprechen, als für jene, die sich für einen Austritt starkmachen."

Darauf kann sich nun jeder selbst einen Reim machen. Ich darf mich für ein verlängertes Wochenende in Garten, Wald und Flur verabschieden und allseits angenehme Vater- und sonstige Tage wünschen.


28.05.2019

Mal ein Blick auf den hundsgewöhnlichen Irrsinn. Neulich las ich, es stünde uns zeitnah ein Generalangriff auf Volksgesundheit und Gesundheitswesen bevor - in Form einer regelrechten Springflut von deutschlandweit alsbald 20 Millionen Diabetes-Neuerkrankungen. Hauptursache: Zu wenig Bewegung und überzuckerte Ernährung. Nun lässt sich feststellen, dass zeitgleich einer der am stärksten forcierten Wachstumsmärkte jene Gerätschaften sind, die auch noch das letzte bisschen Bewegung aus dem privaten Lebensumfeld vertreiben sollen: Robotstaubsauger, Robotrasenmäher, ferngesteuerte Rolladenöffner, ganz neu: Robotfensterputzer. E-Scooter für "die letzte Meile" etc.pp. Mir kommt das ziemlich bekloppt vor. Völlig abstrus mutet schließlich an, dass wiederum zeitgleich der Markt für Sportivgeräte und -dienstleistungen ebenfalls auf nie erreichte Höhen gepuscht wird. Rätsel über Rätsel in der Menschenwelt.


27.05.2019

„Aha, die Nationalisten kriegen Prügel“, freut sich Walter, als er die Überschrift "Strodumm, aber brandgefährlich" meiner jüngsten Quergedanken-Kolumne sieht. Ich winke ab: „Nö. Das tät zwar aktuell passen, aber ich hab‘s diesmal mit der Zukunft. Und da spielt die Bagage der Umvolkungs-Krakeeler keine Rolle.“ Jetzt glotzt der Freund, japst nur noch „häh?“. Etlichen Lesern*innen mag es ähnlich ergehen angesichts der Renaissance, die die Nationalreaktionäre seit ein paar Jahren in vielen Ländern erleben.... Der weitere Text erhellt die Sache etwas - um dann bei jener Strohdummheit zu landen, die sich hinter dem Kürzel KI verbirgt.

Quergedanken Nr. 171 hier (freier Lesetext) 

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An Wahlergebnissen und Wählerforschung interessiert mich seit jeher in erster Linie, was sie eventuell über Entwicklungen der großen Meinungs- und Haltungsströme in der Bevölkerung verraten. Bei einem ersten Blick auf das gestern und am heutigen morgen Vorgestellte zur Europawahl ergeben sich u.a. diese ersten Anhaltspunkte:

Meine kurzen Anmerkungen (freier Lesetext)


26.05.2019

Um es gleich zu sagen: Mein Urteil über das am Wochenende uraufgeführte Theaterprojekt „House of Horror“ am Schauspiel Bonn fällt sehr zwiespältig aus. Was Christine Lang und Volker Lösch da projektiert, dokumentiert, geschrieben, inszeniert haben, ist geradezu ein Aufruf zur feministischen Revolution. Diese richtet sich nicht zuletzt gegen die Dominanz des Patriarchats in der Theaterwelt von einst bis noch immer. Doch wie das so gehen kann, wenn die Kunst sich als Speerspitze politischer Bewegung geriert: Die losgelassenen Pferde stürmen bisweilen gar zu wild durchs Gelände.

Meine Premierenkritik (3900 Anschläge, RZ-Text)

 


25.05.2019

Nun denn: Morgen also Wahlsonntag. Wer nicht schon daheim gekreuzelt hat, der/die darf, soll, muss einen Spaziergang ins Wahllokal machen. Unsereiner wird dort eine wahre Papierschlacht zu schlagen haben. Denn für Rheinland-Pfälzer gilt es, über gleich vier Parlamente zu befinden: EU, Kreis, Verbandsgemeinde, Kommune. Da passt es gut, dass unser Lokal hier auf dem Dorf ein echtes ist, und man nachher am Tresen wieder Kraft "tanken" kann. Mal hoffen, dass, und schauen, ob die Wähler in Deutschland einen ordentlichen Teil beitragen können, das Ergebnis der nationalreaktionären Demokratiefeinde in Grenzen zu halten. Glück auf! Lasst uns wählen gehen, aber gewiss kein braunes Gesocks.

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Es entsteht nun gewaltiger Druck im deutschen Politkessel: Rund 300.000 Teilnehmer deutschlandweit gestern bei Aktionen von Fridays for Future PLUS das Phänomen Rezo PLUS der Aufruf von 70 Internet-"Influenzern" mit Millionen jungen Followern, nicht für die Groko-Parteien und sowieso nicht für die AFD zu stimmen. Überraschung: Die Generation der heutigen Teens und Twens mischt plötzlich zuhauf laut im Politgeschehen mit - und die Karten also auf noch gar nicht absehbare Weise neu.


24.05.2019

Und da hat's "rumms" gemacht. Entgegen vieler Unkenrufe zeigt die Bewegung Fridays for Future am heutigen 2. internationalen Aktionstag (24. Mai) jedenfalls in Deutschland keinerlei Ermüdungserscheinungen. Die Teilnehmerzahlen sind überwiegend hoch, teils sehr hoch. Erfreulich: In vielen Städten haben sich Studierende und Erwachsene eingereiht. Der schnelle Rundblick im Netz hat zu folgenden Funden geführt:

Mit Teilnehmerzahlen: Hamburg (20.000), Köln (12.000), Freiburg (11.000), Berlin (15.000), Hannover (10.000+), Münster (7.000+), Düsseldorf (6.000+), Karlsruhe (5.000), Bonn (5.000), Frankfurt/M. (5.000), Bremen (6.000), Bermerhaven (1.300), München (3.500+), Regensburg (1.000+), Stuttgart (2.500), Mainz (1.400), Koblenz (500+), Bad Kreuznach (300+), Saarbrücken (1.400+), Hamm (1.000+), Kaiserslautern (900), Zweibrücken (350), Fulda (350), Rostock ("hunderte"), Chemnitz ("hunderte"), Greifswald (300) .....

Aktionen bis dato ohne Angabe von Teilnehmerzahlen: Trier, Koblenz, Bad Kreuznach, Bingen, Speyer, Ludwigshafen, Worms, Stralsund, Usedom, Schwerin, Dresden, Leipzig, Bautzen, Freiberg, Annaberg-Buchholz, Plauen, Herrenberg, Coburg, Xanten, Bamberg .... > nebenan: Wien, Zürich, Brüssel, Straßburg, Luxemburg Stadt ....

Meldung am Abend: Deutschlandweit haben sich rund 300 000 Menschen an den FfF-Aktionen dieses Tages beteiligt.

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Die nachfolgenden Bemerkung beziehen sich auf ein paar Strömungen am äußersten linken Rand des politischen Spektrums (ist mithin zur allgemeinen Diksussion eher ungeeignet).

Schlimm ist, dass einige Zeitgenossen noch immer partout nicht begreifen WOLLEN, was längst erlebbarer und wissenschaftlicher Goldstandard ist: Der menschengemachte Klimawandel läuft. Am schlimmsten aber ist es derzeit, wenn gerade Leute, die von sich meinen, in marxistischer Tradition zu stehen, in völliger Abkehr von der Untersuchungsmethodik des historischen Materialismus die jüngeren objektiven Bedingungen für die Gesellschaftsentwicklung mit der banalen Ignoranz kleinbürgerlicher Stammtische einfach abtun....

Link zum ganzen Artikel (freier Lesetext, 2400 Anschläge)


22.05.2019

Es mag zwei Jahrzehnte her sein, dass Robert Musils Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ von 1906 am Staatstheater Wiesbaden als Bühnenbearbeitung gezeigt wurde. Das Stück spielte damals im nachgebauten Waschraum eines Jungeninternats. Es war inszenatorisch auf die zwar extrem verkürzte, aber eine die Kernthematik des Romans wiedergebende realistische Darstellungsart konzentriert. Am Staatstheater Mainz verlegt nun Regisseurin Lucia Bihler das Geschehen in einen düsteren Wald, verwandelt Musils Internatsbuben in Vampire und lässt sie obendrein allesamt von Frauen spielen. Dieser Zugriff wirft eine Menge Fragen auf.

Meine Kritik (RZ-Text, 3900 Anschläge)


21.05.2019

Seit einiger Zeit nehme ich eine neue Hosenmode in der Damenwelt wahr, der mein Auge mit gebührendem Anstand, aber beträchtlichem Wohlgefallen folgt. Ich nenne die Modelle dieses Trends "Hochwasserhose", weil: Unten enden sie oberhalb des Knöchels; dafür ziehen sie sich am anderen Ende hoch hinauf bis zum Bauchnabel oder noch darüber.

Launige Anmerkung dazu (Freier Lesetext, 2000 Anschläge)

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Einer der angenehmsten Aspekte von Kulturfestivals nahebei ist: Sie bringen einem häufig Ensembles und Produktionen aus der großen Kunstwelt vor die Haustür, die zu erleben man ansonsten sehr weit reisen müsste. Im Tanzfach fiel unsere Wahl beim Programm der diesjährigen Maifestspiele Wiesbaden auf den Gastspielabend der Eastman-Compagnie aus Antwerpen mit dem Stück „Puz/zle“ vom flämisch-marokkanischen Choreografen Sidi Larbi Cherkaoui.

Meine Besprechung des Gastspiels (RZ-Text, 3000 Anschläge)


20.05.2019

Mit einem orientalischen Abend endete jetzt die Saison 2018/2019 der Anrechtskonzerte beim Musik-Institut Koblenz. Im Zentrum stand mit dem Violinkonzert "1001 Nights in the Harem" des 1970 geborenen Türken Fazil Say ein zeitgenössisches Werk, von Rheinischer Philharmonie unter Garry Walker zusammen mit den Gästen Niklas Liepe (Violine) und dem türkischen Percussionisten Aykut Köselerli richtig gut umgesetzt. Das i-Tüpfelchen zum Spielzeitende setzte Rimski-Korsakows "Scheherazade" mit bestechenden Sololeistungen mehrerer Orchestermitglieder sowie einer Gesamtleistung, die das Orchester als in fabelhafter Präzision pulsenden, zugleich kreativ und enthusiastisch interpretierenden Klangkörper auswies.

Meine Konzertbesprechung
(3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)

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Mal was anderes, nur so am unwichtigen Rand. Zugegeben: Ich war nie ein großer Freund dieses ESC-Zirkus', habe aber alle Jahre mit halbem Ohr hineingehört - um quasi berufspflichtgemäß mitzukriegen, was sich da tut im aufgemotzten Grenzland zwischen verpopter Folklore, einfachster Schlagerei und verzuckersüßtem Rock. Im Laufe des zurückliegenden Jahrzehnts hatte sich bei mir allmählich das Urteil verfestigt, der ESC sei die weltgrößte Veranstaltung für schlechte Musik. An diesem Wochenende aber kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus: Einen derart hohen Anteil von Mitwirkenden, die nur sehr mäßig oder gar nicht singen können sowie von Kompositionen schier unterirdischer Qualität war nach meinem Dafürhalten bei diesem Glitterevent noch nie zu erleben.


18.05.2019

Es ist lang her, dass Deutschland seinem weltweit bekanntesten Dichter und Dramatiker zuletzt eine große Ausstellung widmete. Das war 1994 in Frankfurt, der Vaterstadt des Johann Wolfgang von Goethe. Im seither vergangenen Vierteljahrhundert hat sich die Welt teils grundlegend verändert. Damit ändert sich auch das Verhältnis zu Goethe, sind Fragestellungen an sein Werden, Wirken, Nachwirken andere geworden. Höchste Zeit, dachten sich Stiftung Weimarer Klassik und Bundeskunsthalle Bonn, ihm mal wieder umfassend sowie aus manch neuem Blickwinkel näherzutreten. Das Ergebnis trägt den Titel "Goethe. Verwandlung der Welt". Die am Wochenende eröffnete Ausstellung in Bonn ist ein Hammer. Anschauen, unbedingt!

Meine Ausstellungbesprechung (4500 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)

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Eben zurück von der guten und wichtigen Koblenzer Demo "Für Klimaschutz! Für soziale Gerechtigkeit! Für Demokratie!" Gut, weil erfreuliche Teilnehmerzahl: zu Anfang 1000+, auf dem letzten Wegstück um 1500 (meine vorsichtige Schätzung). Wichtig, weil hier heute wie in 7 deutschen Städten und weiteren 10 im EU-Raum Umweltorganisationen inklusive Schülerbewegung Fridays for Future, Sozialverbände und Gewerkschaften den Schulterschluss gesucht haben. Insofern sind diese Demos ein wichtiger Impuls dafür, dass zusammenwächst, was im Hinblick auf die Gestaltung der nahen und ferneren Zukunft zusammengehört: Der Kampf um eine ökologische Wende, das Ringen um eine soziale Wende sowie die Verteidigung von Demokratie/offener Gesellschaft gegen Nationalismus, Rassismus, Autoritarismus.

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Mein Eindruck vom Strache-Video: Da hockt eine Bagage von Mafiosi beisammen, die hemdsärmelig und kaltschnäuzig mal eben auspaldowert, wie sie den Staat über den Löffel barbieren, das Volk betrügen, die Presse einsacken, sich selbst mächtiger und dabei die Taschen voll machen kann.


17.05.2019

Ruhe – dieses so wichtige, heute indes selten werdende Lebenselixier spielt im Landesmuseum Mainz derzeit eine große Rolle. Nicht allein, weil es in Museen ohnehin meist weniger turbulent zugeht als in der Außenwelt. Die aktuelle Ausstellung „Emy Roeder – Das Kosmische allen Seins“ verbreitet per se Ruhe. Mehr noch: Fast jedes Exponat hat das Potenzial, aufmerksame Betrachter in einen Zustand sinnender Kontemplation zu versetzen.

Meine Ausstellungsbesprechung (4200 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


16.05.2019

Hallo Leute in Koblenz und drumrum. Wer meinen Vortrag "Heimat - Sehnsuchtsraum, Kampfbegriff, Utopie" hören will, hat diesen Freitag (17. Mai) dazu in Koblenz Gelegenheit. Dort werde ich ihn im Rahmen der Veranstaltung "Speakers Corner zu Heimat und Europa" des Weiterbildungsinstituts ISSO von 17 bis 18 Uhr halten. Die Veranstaltung im Lichthof des Dreikönigshauses in der Kornpfortstraße 15 (ehemalige Stadtbücherei) ist öffentlich und eintrittsfrei.

Mehr zur insgesamt von 16 bis 20 Uhr bespielten Speakers Corner > hier  und zu ISSO > da


15.05.2019

Jesses, was eine Aufregung über das EUGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung. Dabei hat das Gericht eigentlich nur das Selbstverständlichste vom Selbstverständlichen unterstrichen. Ein Unternehmer kauft ja nicht den ganzen Arbeiter und dessen gesamtes Leben, denn das wäre eine Form von Leibeigenschaft oder Sklaverei. Vielmehr schließen Unternehmer und Arbeitnehmer einen Kontrakt über die Nutzung der Arbeitskraft innerhalb definierter Zeitfenster. Wie soll dieser Kontrakt ordentlich eingehalten werden, wenn die vom Arbeiter verausgabte Arbeitszeit nicht ordentlich festgehalten wird? Arbeitszeit ist zu bezahlen und Mehrarbeit durch mehr Geld und/oder Freizeit auszugleichen. Fertig.

Mag sein, dass die Unternehmenskultur in einigen Bereichen sich inzwischen von diesem Grundsatz verabschiedet hat. Umso nötiger ist die Besinnung darauf. Ob daraus ein "bürokratisches Monster" wird, hat nichts mit dem legitimen Grundsatz zu tun, sondern hängt wesentlich davon ab, was der Politik an Umsetzungsregular und Ausnahmengeflecht einfällt. Eine praktikable Realisierung sollte im Zeitalter von Smartphone und Apps indes nicht schwieriger sein als vor 100 oder noch vor 25 Jahren der Umgang mit Stechuhren in der Industrie und Taglohnzetteln selbst im ehrwürdigsten Handwerk.


13.05.2019

Nach der Lektüre eines langen Textes über jüngere Forschungserkenntnisse der Neurowissenschaft verschalten sich meine Synapsen unaufgefordert zu diesem Spontangedanken: Die Individuen betrachtet, ist der Homo sapiens ein faszinierendes Wunderwerk; als Spezies aber ist er eine Katastrophe.

Nachtrag: Dazu passt eine eben aufgetauchte Meldung des amerikanischen Infodienstes Science Alert, wonach Wissenschaftler am 10. Mai auf Hawai den mit 415 ppm höchsten je gemessenen Wert atmosphärischer CO2-Konzentration festgestellt hätten. Ein Wert, wie es ihn in den letzten drei Millionen nicht mehr gegeben haben soll. Warten wir ab, ob sich die Messung bestätigt.


12.05.2019

Den einen gefällt es, andere verdrießt es oder bringt sie gar in Rage, doch ändern lässt es sich nicht: Die Internationalisierung und Multikulturalisierung der Gesellschaften weltweit ist heute und in kommenden Zeiten eine unabwendbare Haupttendenz der menschlichen Zivilisationsentwicklung. Zu diesem Ergebnis muss kommen, wer einen Moment mit unverstelltem Sinn über den Tellerrand der Adhoc-Dispute hinausschaut. Dort ist zu erkennen, dass schon jetzt kein Land auf Erden sich dieser Entwicklung mehr entziehen kann. Ökonomische Weltverflechtungen, globale Vernetzung von Forschung und Lehre, planetenweiter Info-, Wissens-, Kulturtransfer durch das Internet sowie wetlumspannende Bewegungsströme von Arbeitskräften, Fachleuten, Wissenschaftlern, Studierenden und Touristen: Selbst wenn es keine Flüchtlinge und keine Armutsmigration gäbe, bliebe der Weg in Richtung Globalgesellschaft unumkehrbar - zumal auch alle großen Gegenwarts- und Zukunftsprobleme globalen Charakter haben und globaler Lösungen bedürfen.


10.05.2019

Nach den lauthalsen Empörungswellen gegen Fridays for Future, gegen Wohnungsnot-Demonstranten und gegen Kühnert, melden sich nun die besonnenen und weitsichtigeren bürgerlichen Stimmen zu Wort. Erst das Handelsblatt, dann der Spiegel u.a., jetzt auch der Politikchef der "Zeit" konstatieren: Nicht Protest und Alternativsuche sind das Problem, sondern unentschlossenes bis selbstgerechtes Verharren in Verhältnissen, die eigentlich mit beherztem Zupacken rasch verändert werden müssten.

Lesempfehlungen: Bernd Ulrichs Kommentar in der aktuellen "Zeit" und der Kommentar zum Thema aus dem Handelsblatt

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Das Verrückte an der Normalität ist: Es gibt unter 80 Millionen Menschen in Deutschland, 500 Millionen in Europa, 8 Millarden auf Erden nichts, was es nicht gibt. Für jede Art Fehlverhalten, jeden Irrsinn, jede Perversion finden sich irgendwo konkrete Fälle. Babymörder, Elternmörder, Kinderschänder, Kannibalen, Sadisten, Pyromanen, Kleptomanen .... Das war seit jeher so. Dereinst erzählten Moritatensänger auf den Marktplätzen - oft gruselig ausgeschmückt - davon. Heute machen das Boulevardpresse und in je hunderttausendfacher Vervielfältigung das Internet. Weshalb der Eindruck entsteht, das Verrückte lauere an jeder Ecke. In Wahrheit jedoch sind solche "Fälle" für allgemeine oder verallgemeinernde Schlüsse völlig ungeeignet.


09.05.2019

Der derzeit allfällige Disput um die künftig zu bevorzugende Antriebsart von Autos ist kein wirklicher Beitrag zur Lösung des globalen Problemfalls "Automobil".

Dazu eine kurze Anmerkung hier (freier Lesetext)


05.05.2019

Die Hauptausgabe des mittelrheinischen Monatsmagazins "Kulturinfo" macht jetzt in ihrer Mai-Nummer mit einem halbseitigen Artikel aufmerksam auf mein unlängst erschienenes Buch "Aus Liebe zur Musik. Das Musik-Institut Koblenz im Lauf der Zeiten 1808 bis 2018". Hier der ganze Artikel über die 225 Seiten starke, reich bebilderte, als Hardcover im Schmuckschuber herausgegebene Publikation. 

Link zur Buchvorstellung (freier Lesetext)

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Der Irrsinn des Tages: Eine Kölner Studentin erzählte mir gerade, dass sie in den nächsten Ferien mit Freunden für ein paar Tage Rom besuchen wolle, die "ewige Stadt" kennenlernen. Jetzt hat sie festgestellt: Einen Flug nach Rom bekäme sie für 80 Euro, eine Bahnfahrt würde mehr als 300 Euro kosten. Da die jungen Leute aus Umweltgründen aber partout nicht fliegen wollen, nehmen sie jetzt den Bus. Die Fahrt damit kostet ebenfalls um 80 Euro, die Reisezeit beträgt allerdings 24 Stunden. Dass eine innereuropäische Bahnfahrt fast viermal so viel kostet wie ein innereuropäischer Flug, dieser schier unfassbare Schwachsinn, werte Damen und Herren von der Politik, muss aufhören!


04.05.2019

Beim traulich versonnenen Samstagsfrühstück gehen mir Gedanken über ein wunderliches, aber oft erlebtes Alltagsphänomen durch den Kopf: Sehr viele Frauen scheinen einen 7. oder 8. Sinn zu haben, der bei Männern kaum oder vielleicht gar nicht anzutreffen ist. "Woher weiß sie es?" frage ich mich häufig, wenn ich einer meiner Liebslingsbeschäftigungen draußen in der Welt nachgehe - dem dezenten, unaufdringlichen Menschenbetrachten, meist über eine ordentliche Anstandsdistanz hinweg. Wie oft ist dann zu erleben, dass die betrachtete Frau sich plötzlich umwendet, auf- und herschaut, durch Blick ihr Wissen/Spüren darüber erkennen lässt, dass du gerade hingeschaut hast. Ist das bloß Zufall? Kann das Einbildung meinerseits sein? Oder spüren die Damen das interessierte bis wohlgefällige Schauen tatsächlich? Ach, was ein irritierendes, aber schönes Rätsel.


03.05.2019

Schnellrundblick stattgefundene Aktionen der Schülerbewegung Fridays for Future am 3. Mai 2019 (Googel-Fundstellen):

Westerwaldstädtchen Montabaur (erstmals dabei, um 100 Teilnehmer nach meiner Zählung), Mainz (500+), Hannover (2000), Essen (1300), Gießen (700), Regensburg (700), Frankfurt/Oder (erstmals dabei, 200), Villingen-Schwenningen (200), Berlin ("mehrere hundert"), Grafing (erstmals dabei, "mehrere hundert"), Wasserburg (erstmals dabei, 100), Höxter (erstmals dabei, 100), Esslingen (100+), Bad Belzig (50+).Aktionsorte ohne Angabe von Teilnehmerzahlen: Bendiktbeueren, Weimar, Marburg, Frankfurt/M., Stuttgart, Tübingen, Dresden, Leipzig, Weimar, Ahaus ... . In Österreich: Salzburg, Linz, Gmunden.

!!! Für den 24. Mai ist wieder ein weltweiter Aktionstag ausgerufen. Der erste dieser Art fand am 15. März statt mit 1,8 Millionen Teilnehmern.

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Ein bisschen Satire muss sein. Vor dem Hintergrund des Kühnert-Disputs wirft mir mein Gehirn - in Anlehnung an einen Slogan von Klaus Staeck aus dem jahr 1972 - ungefragt und augenzwinkernd diesen Satz zu: "Deutsche Hartz IV-Empfänger, Rentner, Arbeiter, Kleinbürger - Kühnert und Habeck wollen euch eure Villen im Tessin, eure Wohnanlagen in Berlin und eure Steueroasen rund um die Welt wegnehmen!"


02.05.2019

Wär's nicht so ein trauriges Exempel für den Zustand der Diskurskultur im Land, man könnte lauthals lachen. Ein Juso-Vorsitzender tut endlich mal wieder, wozu Jusos eigentlich da sind: Nachdenken über andere Möglichkeiten der gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklung. Sogleich aber schreit es aus allen Ecken "Steiniget ihn!" - so als habe Kühnert gefordert, das Trinkwasser mit Pest-Bakterien zu impfen. Nun sind allerdings etliche seiner Überlegungen gar nicht neu, sondern waren schon mal im Ahlener Programm der CDU von 1947 angelegt. Damals stand die Welt vor derart tiefgreifenden Veränderungen, dass selbst Union-Politiker (kurzzeitig) mutige Alternativen zu denken wagten. Nach 30 Jahren neoliberaler Dominanz steht die Welt heute vor noch tiefgreifenderen Veränderungen. Da sollte man eigentlich froh sein, dass auch die SPD mal wieder jemanden hervorgebracht hat, der Diskussionen anstößt, die über den Tellerrand des "Immer weiter so" hinausweisen. Bin ich für oder gegen Kühnerts Ideen? Weiß ich noch nicht - das Geschrei lässt einem ja nicht mal Zeit und Ruhe darüber zu reflektieren und zu sprechen.


01.05.2019

Sie werden durch ständige Wiederholung weder klüger noch schlüssiger: die selbstgerecht moralisierenden, überheblichen, spöttelnden, vorurteilsbehafteten bis teils hasserfüllten Anwürfe gegen und Forderungen an die in unserer Welt sozialisierten Kinder und Jugendlichen der Bewegung Fridays for Future (FFF). Nur mal so, zum überdenken: Darf ich nicht mehr gegen die Gefahren industrieller Überzuckerung unserer Lebensmittel argumentieren, weil ich neulich einen Schokohasen verspeiste? ...

Mein Kurzkommentar zum Thema (freier Lesetext)

 

30.04.2019

Von welcher Warte aus soll man die jüngste Schauspielproduktion am Theater Koblenz beurteilen? „Maß für Maß“ heißt das Stück, das dort jetzt „uraufgeführt“ wurde; geschrieben von Stefan Wipplinger, sagen wir: in Anlehnung an Shakespeares gleichnamigen Klassiker. Ist das als eine von vielen aktualisierenden Shakespeare-Bearbeitungen zu bewerten? Oder ist es ein neues Stück, das sich auch etlicher Shakespeare-Elemente bedient? Eines ist der Abend allemal: geharnischte politische Stellungnahme dieses Theaters gegen Rechtspopulismus, Deliberalisierung der Gesellschaft und schleichende Enthumanisierung eigentlich demokratischer Staaten.

Meine Premierenbesprechung (4500 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


29.04.2019

Ein fünf Stunden dauernder Schauspielabend - das war nun auch mein Rekord in 30 Jahren als Theaterkritiker. Erfreulicherweise darf vermeldet werden: Jan-Christoph Gockels Theatralisierung von Vladimir Sorokins Romantrilogie „Ljod – Das Eis“, „Bro“ und „23.000“ im Kleinen Haus des Mainzer Staatstheaters wurde mir an kaum einer Stelle lang und schon gar nicht langweilig.

Meine Premierenbesprechung (4400 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


28.04.2019

Es geht die Nachricht um, die Groko stünde kurz vor einer Eingung über die Einführung einer CO2-Abgabe. Gegen eine politische Steuerungsmaßnahme mit dem Ziel der CO2-Reduktion ist im Grunde nichts einzuwenden. Die klimapolitische Ernsthaftigkeit des Ergebnisses wird indes daran zu bemessen sein, welche Art sozialen Ausgleichsmechanismus sie enthält. Einfach nur Erhöhung der Gesamtabgabenlast für alle wäre keine Klimapolitik, sondern Abzocke. Ich plädiere als Ausgleichsmechanismus für eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Nahrungsmittel und Waren des täglichen Hausbedarfs. Warum? Weil die weniger wohlhabenden und ärmeren Bevölkerungsschichten dafür einen sehr großen Anteil ihres Einkommens ausgeben müssen, von einer MwSt-Senkung also den meisten Nutzen hätten.


27.04.2019

Obwohl in den meisten Bundesländern am Freitag (26.4.) noch Ferien waren, liefen auch dort die Schülerdemos Fridays for Future weiter. In manchen Städten waren sie größer als sonst, in anderen etwas kleiner. Beim schnellen Netzrundblick stieß ich für Aktionen am gestrigen Freitag auf diese Angaben (Zufallsauswahl): Bremen (2500), Münster (2000), Lübeck (450), Weyhe/Kreis Diepholz (500), Oldenburg ("mehrere Hundert"), Hildesheim (500), Bad Tölz (150), Jena (500+), Eichstätt (500), Neunkirch (100+), Bonn (700), Düsseldorf (500), Filderstadt (erstmals dabei, 80), Stuttgart ("mehrere Hundert"), Konstanz (200). Aktionen ohne Angaben zur Teilnehmerzahl: Bielefeld, Paderborn, Berlin, Oldesloe, Templin, Frankfurt, Köln, Aachen, Dortmund; Wien, Zürich....


26.04.2019

Nach einigen Tagen Osterurlaub bin ich wieder hier in meinem Revier. Derweil im Westerwald noch alle auf die von den Wetterfröschen versprochene "Regenfront" warten, bislang aber nur ein bisschen Getröppel angekommen ist, wird es Zeit für meine Monatskolumne "Quergedanken". Die Folge 170 handelt u.a. von den Wahlen, die für 26. Mai ins Haus stehen. Hier in Rheinland-Pfalz wird der Wahlgang eine schier arbeitsreiche Sache, weil sich zur Europawahl obendrein diverse Akte Kommunalwahl gesellen. Und in Koblenz wird eine Woche vorher auch noch demonstriert - unter dem Motto: "Zukunft! Für unser Klima, für Demokratie, für sozoale Gerechtigkeit. Gegen das Nichtstun der Politik!"

Quergedanken Nr. 170: Demonstrieren UND Wählen? Passt! (freier Lesetext)


16.04.2019

Das Theater Koblenz hat mit „Die dunkle Nacht der Seele“ eine bemerkenswerte Ballettproduktion uraufgeführt. Was Ballettchef Steffen Fuchs den 16 Tänzern zum zweistündigen Abend choreografierte, ist ästhetisch und tanztechnisch interessant, sinnlich, teils auf- und berührend. Dabei hat er es mit der Musikauswahl sich, der Compagnie, der Rheinischen Philharmonie, dem Opernchor, sängerischen wie instrumentalen Solisten und auch dem Publikum nicht leicht gemacht: Die neben zwei Bach-Bearbeitungen benutzten Stücke von Arvo Pärt bieten Tanzimpulse keineswegs freigiebig an, und teils verweigern sie auch das wohlige Bad in Harmonien.

Meine Premierenbesprechung  (5000 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


26.04.2019

Nach einigen Tagen Osterurlaub bin ich wieder hier in meinem Revier. Derweil im Westerwald noch alle auf die von den Wetterfröschen versprochene "Regenfront" warten, bislang aber nur ein bisschen Getröppel angekommen ist, wird es Zeit für meine Monatskolumne "Quergedanken". Die Folge 170 handelt u.a. von den Wahlen, die für 26. Mai ins Haus stehen. Hier in Rheinland-Pfalz wird der Wahlgang eine schier arbeitsreiche Sache, weil sich zur Europawahl obendrein diverse Akte Kommunalwahl gesellen. Und in Koblenz wird eine Woche vorher auch noch demonstriert - unter dem Motto: "Zukunft! Für unser Klima, für Ddemokratie, für sozoale Gerechtigkeit. Gegen das Nichtstun der Politik!"

Quergedanken Nr. 170. Demonstrieren UND Wählen? Passt! (freier Lesetext)


12.04.2019

Aktionen von Fridays for Future am heutige Die Folge 170n 12. April (schneller Netzrundblick, Zufallsauswahl). Mancherorts sind schon Osterferien oder haben heute begonnen, was offenbar weder der Vielzahl noch der Beteiligung Abbruch tat. Vermehrt ändern sich die Aktionsformen, sind Streiks und/oder Demos etwa verknüpft mit Fahrradkorsos, Müllsammelaktionen oder Protestwanderungen.

Hamburg (2500, Unterstützung der Initiative "Radentscheid"), Berlin (1500), Mainz (1000), Radevormwald (1000), Bremen (800), Göttingen (500), Lübeck (600 bei Fahrraddemo), Köln (500), Trier (350), Koblenz (250+), Ingelheim (100), Stuttgart (600+), Würzburg (300+), Potsdam ("mehrere hundert"), Rendsburg (200), Magdeburg (200), Celle (250+), Peine (250), Bad Hersfeld (150), Insel Wangerooge (100), Frankfurt/M. (2000)

Keine Teilnehmerzahlen gefunden: Chemnitz, Gera, Bad Pelzig, Bernau, Königs Wusterhausen, Hannover (Fahrraddemo), Mannheim, Wiesbaden, Bonn (u.a. Fahrraddemo)... Insgesamt soll es an diesem Freitag in rund 100 deutschen Orten FFF-Aktionen gegeben haben.

Österreich: In Villach zog die Streikdemo an die Drau zur Müllsammelaktion. In Linz startete eine mehrtägige Wanderung älterer Schüler zum Dachstein, um auf die bedrohliche Schmelze der Alpengletscher aufmerksam zu machen.


11.04.2019

Es ist eine interessante, wenn auch kleine Kabinettausstellung, die derzeit im Historischen Museum Speyer das Thema „Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike“ beleuchtet. Die feine Präsentation über den von 364 bis 375 n. Chr. vor allem von Trier aus regierenden weströmischen Kaiser hat jetzt Zuwachs bekommen durch ein weltweit einmaliges Exponat: den rekonstruierten und restaurierten Prachtstuhl aus dem „Barbarenschatz von Rülzheim“. Mit diesem 2013 einem pfälzischen Raubgräber von der Polizei entrissenen Fund verbindet sich nicht nur eine Kriminalstory über die ich seinerzeit berichteten. In den folgenden fünf Jahren hat sich um den Rülzheimer Schatz eine hoch spannende Forschungsgeschichte entwickelt, die am 26. Juni in Koblenz ihren vorläufigen Höhepunkt finden wird.

Mein Artikel dazu  (5000 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


08.04.2019

Angesichts des sozialen Sprengsatzes ungenügender Versorgung der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum, werde ich folgenden einfachen Gedanken nicht mehr los: Wenn die Privatwirtschaft nicht in der Lage ist, den Missstand an Grundversorgung zu beseitigen, muss die Gemeinschaft diese Aufgabe selbst übernehmen. Damit hat Deutschland nach Kriegsende gute Erfahrungen gemacht mittels Kombination zweier Methoden: 1. Bau und Unterhalt von Sozialwohnungen in großem Umfang durch den Staat selbst: 2. Bau und Unterhalt preiswerter Wohnungen durch Wohnbaugenossenschaften. Rückblickwend war es ein schwerer politischer Fehler, vor allem ab den späten 1980ern im Zuge des Privatisierungshypes, Hunderttausende Sozialwohnungen aus Gemeinbesitz in Privateigentum/privates Konzerneigentum umzuwandeln.


06.04.2019

Netzrundblick Aktionen Fridays for Future am gestrigen 5. April. Auf die Schnelle gefunden mit Angabe der Teilnehmerzahl: Hamburg (2000), Berlin (1500), München (1600), Forchheim (ertsmal dabei, 450), Korbach (350), Leipzig (300+), Solingen (250), Eckernförde (150), Paderborn (erstmals während der Schulzeit, 500), Marburg ("mehrere Hundert"), Schwerin (300+), Esslingen (erstmals dabei, 150), Nürnberg (1000), Beverungen (ertsmals dabei, 150+), Uelzen (400+), Weinheim (erstmals dabei 500), Bad Kreuznach (200), Schwenningen (250), Brandenburg/Havel (erstmals dabei, "mehrere Hundert"), Einbeck (50+), Plauen (200+)

Ohne Teilnehmerzahl: Hamm, Zülpich, Duisburg, Ahaus, Frankfurt, Kassel, Wunsiedel, Wiesdorf, Aachen, Schweinfurt, Bad Ems, Orscholz...

In Österreich (überwiegend keine Teilnehmerzahlen gefunden): Ried am Inn, Klagenfurt, Wien (2500), Schärding, Innsbruck, Linz ....


05.04.2019

2029 wird das Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal Austragungsregion der Bundesgartenschau (Buga). Nun drehen sich viele Überlegungen darum, wie nicht nur das mehrmonatige Event von Bingen bis Koblenz in zehn Jahren selbst zu einem Erfolg werden kann. Vielmehr steht die Frage im Raum: Welche nachhaltigen, über die Buga hinaus die Region vorwärts bringenden Veränderungen können, sollen, müssen im Vorfeld in Angriff genommen werden? Dazu fand unlängst in der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein ein Tagung statt mit Vorträgen von Wissenschaftlern und Fachleuten aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Österreich und der Schweiz unter der Überschrift: „Oberes Mittelrheintal – Zum Umgang mit einer europäischen Kulturlandschaft“.

Mein ausführlicher Tagungsbericht (Langfassung, freier Lesetext)


03.04.2019

Koblenz hat sich erdrosselt! Gestern (Dienstag 2.4.) kurz nach 17 Uhr: Versuch, einen Kollegen im Industriegebiet aufzunehmen und gemeinsam zu einem Plauderessen in der Innenstadt zu fahren. Versuch gescheitert. Auf sämtlichen Haupt- und Nebenstraßen inklusive einschlägigen Schleichwegen galt - ob nach Nord, Süd, Ost oder West, ob hinein, hinaus, mittendurch oder außenrum: rien ne va plus, nichts geht mehr! Verkehrskollaps, Totalverstopfung in der und um die Zwei-Flüsse-Stadt. Es war/ist vielleicht doch nicht die klügste Idee, alle drei Rheinbrücken gleichzeitig sanieren zu wollen.

Mal generell gesprochen: Wenn es nicht gelingt, die ländlichen Einzugsgebiete mit praxis-/lebenstauglichen ÖPNV-Systemen an die Ballungsräume, Großstädte, Oberzentren anzubinden, werden die urbanen Räume absehbar allein schon am "normalen" automobilen Pendleraufkommen ersticken. Schon jetzt haben wir doch eine Situation, dass bereits kleinste Unregelmäßigkeiten im Verkehrsfluss zum Verkehrskollaps führen. Dies umso drastischer, wenn - wie jetzt in KO - durch nicht nachvollziebares Bautiming, eine zeitgleiche Ballung von Unregelmäßigkeiten auftritt.


02.04.2019

2018 hatte ich ja ein neues Auto gekauft und leider akzeptieren müssen: Selbst dieser Kleinwagen ist mit tausenderlei überflüssigem Elektro-Tinnef vollgestopft, der vor allem dazu da zu sein scheint, einen vom Verkehr abzulenken. Drei Viertel davon habe ich bis heute nicht genutzt, weil fürs vernünftige Autofahren völlig belanglos. Zum übrigen Viertel gehören einige automatische Funktionen, die sich (unabschaltbar) gewaltsam aufzwingen - etwa die Stop-Start-Automatik oder die Phasenschaltung des Scheibenwischers, die macht, was sie will, nur nicht das, was ich brauche. Jetzt aber, bei der Uhrenumstellung, diese unfassbare Vorsintflutlichkeit: Weder die Fahrzeuguhr noch die Uhr des technisch grandios überladenen Autoradios kriegt etwas hin, was mein 19-Euro-Wecker schon seit 13 Jahren kann: sich selbsttätig auf Sommer-/Winterzeit umstellen. "Fortschritt" - umpf.


01.04.2019

Auf die Bühne des Bonner Schauspielhauses in Godesberg ist eine Turnhalle gebaut. Der Schulhausmeister schlurft umher, lässt den Vorhang hochfahren, macht Licht. Hier hat das Stück „Frau Müller muss weg“ Premiere. Die gallige Gegenwartskomödie wird derzeit viel gespielt, kam 2015 auch in einer Verfilmung von Sönke Wortmann ins Kino. In der Turnhalle versammeln sich die Elternvertreter der Klasse 4b. Grund: Wenige Wochen vor Vergabe der für den Übergang ins Gymnasium entscheidenden Zeugnisse sind die Noten im Sinkflug. Schuld daran sei die vermeintlich labile Lehrerin, meinen die Eltern – derer fünf nun antreten, um sie zur Abgabe der Klasse zu zwingen.

Meine Premierenbesprechung (3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)

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Großes Handlungsballett am Staatstheater Wiesbaden. Tim Plegge, Chef des Hessischen Staatsballetts hat dafür nicht aufs tanzklassische Repertoire zurückgegriffen, sondern eine Anleihe beim Schauspiel genommen: Vertanzt wird Ferenc Molnárs Arme-Leute-Stück „Liliom“ – 2018 in diesem Haus und derzeit in Bonn als Sprechtheater zu sehen. Es gab am Ende des zweieinviertel Stunden dauernden Abends stürmischen Applaus für die atmosphärestarke und berührende Ballettproduktion.

Meine Premierenbesprechung (4200 Anschläge. RZ-Text, 49 Cent)

30.03.2019

Die Schülerbewegung Fridays for Future scheint vorerst keine Ende nehmen zu wollen. Während die Aktionen in manchen Städten immer wieder vorübergehend pausieren, kommen jeden Freitag auch neue Orte hinzu. Es ist an der Zeit sich einige Sachverhalte vor Augen zu führen, die diese Bewegung unserer Jüngsten zu einem so noch nicht dagewesenen Phänomen machen. Zugleich liegt nun die erste Studie vor, die der Frage nachgegangen ist "Wer demonstriert da warum?". 

Mein kleiner Faktencheck (freier Lesetext)

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Drei Tanzproduktionen mit völlig unterschiedlichen Ausdrucksformen an einem Abend. Geboten von drei Ensembles aus drei Ländern. Zeitversetzt aufgeführt in drei Spielstätten des Mainzer Staatstheaters. Das war jetzt der Auftakt zum „tanzmainz festival #3“, in dessen Dienst das Theater elf Tage lang sämtliche personellen und technischen Ressourcen sowie Bühnen stellt. Bis zum 6. April zeigen 15 Compagnien aus Europa, Amerika und Asien einen Querschnitt aus dem aktuellen Weltgeschehen der modernen Tanzkunst.

Mein Artikel anlässlich des Eröffnungsabends (4200 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


29.03.2019

Rundblick im Netz, Aktionen heute (29. März) Fridays for Future. Auf die Schnelle gefunden: Berlin (15000 bis 25000), Münster (2000), Düsseldorf (500), Köln (400), Dortmund (400), Göttingen (300), Offenbach erstmals dabei (350), Wolfsburg (200), Bad Gandersheim (150)... Ohne Zahlenangaben Weilerswist, Jena, Dresden, Eutin, Kulmbach; Wien, Gmunden ...


28.03.2019

Doch ja, ich würde es begrüßen, wenn die Briten eine zweite Volksabstimmung über den Brexit abhalten würden. Nein, das hat nichts zu tun mit "so lange abstimmen, bis das Ergebnis passt"; zumal der Ausgang durchaus offen ist. Es hat vor allem zu tun mit zwei Umständen: 1. Im Unterschied zur Propaganda-vernebelten Erstabstimmung wissen nun ALLE Briten, worum es tatsächlich geht. Und 2. (dies für die Formalisten): Was macht man in Demokratien für gewöhnlich, wenn aus Wahlen keine handlungsfähige Regierung hervorgeht? Ganz einfach: Man wählt nochmal. Warum sollte für Volksabstimmungen partout nicht gelten dürfen, was für Parlamentswahlen gilt?


27.03.2019

Der März endet. Damit ist es Zeit, den Winter 2018/19 meteorologisch zu bilanzieren. Das geht kurz und bündig so: Es hat in unseren Breiten außerhalb der alpinen Räume - einmal mehr - keinen Winter gegeben. Die Tage strengen Frostes sind an zwei Händen abzuzählen, für diejenigen mit Schnee und Eis braucht es nur eine. Man muss nichtmal die Wissenschaft bemühen, um das einzuordnen: Von dem, was seit meiner Urgroßeltern Zeit (dem mittleren 19. Jahrhundert) als wintertypisch überliefert wurde, ist im frühen 21. Jahrhundert eigentlich nur die längere Dunkelheit geblieben.


25.03.2019


©Foto: Jens Weber

Etwa 150 Interessierte kamen am Samstag auf der Festung Ehrenbreitstein zu einer Tagung zusammen. Von früh bis in den Abend hörten sie Vorträge von Wissenschaftlern und Fachleuten aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Österreich und der Schweiz unter dem Leitthema: „Oberes Mittelrheintal – Zum Umgang mit einer europäischen Kulturlandschaft“. Es geht dabei nicht ausdrücklich um die Bundesgartenschau (Buga), die 2029 das Unesco-Welterbegebiet von Koblenz bis Bingen umfassen soll. Denn auch ohne das Mammutprojekt wäre eine Perspektivendiskussion für das Welterbetal überfällig. Allerdings schwingt die Buga im Hintergrund stets mit.

Mein kompakter Tagungsbericht (4800 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


23.03.2019

Wegen Zeitmangels erst heute und auch nur sehr knapp der Netz-Rundblick auf die Aktionen von FridaysforFuture gestern am 22. März. Wie erwartet, ist nach den Riesendemos am 15.3. diesmal alles etwas kleiner verlaufen. Auffällig allerdings: Es sind auch gestern eine Menge Städte hinzugekommen, wo es erstmals FFF-Aktionen gab, so zB Ludwigshafen (400), Herford (300), Oderan (250), Eichstätt (500), Waldshut (300), Hanau (?), Hof (?)... Weitere Orte in Deutschland, die ich auf die Schnelle gefunden habe: Münster (200), Stuttgart (1000), Köln (500), Berlin (1000+), Ilmenau (200), Remscheid (800), München (1600+)... In NRW sollen es gesamt 5000 gewesen sein. Schwerpunkt in Westeuropa war gestern Norwegen, wo "einige zehntausend" Schüler auf den Straßen waren.

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Leseempfehlung. Famoser Artikel aus der "Zeit", an FDP-Lindner aufgehängt, aber nicht nur ihn meinend. Auszug: "... Politiker wie Lindner oder Altmaier empfinden offensichtlich schlicht alle ökologischen Grenzen als Beleidigung ihres Intellekts und ihrer diskursiven Fähigkeiten. Weil sie jedoch mit der Natur auf Dauer schlecht diskutieren können, übertragen sie ihren Ärger einfach auf den politischen Gegner. Denn sie tun so, als hätten die bösen Grünen oder die verrückten Schüler die planetarischen Grenzen erfunden. Und wollten nur aus reiner Boshaftigkeit das Porschefahren teurer machen..."

"Klimawandel: Die Liberalen verstehen die Welt nicht mehr" (hier)


22.03.2019

Es gibt derzeit im Netz eine Menge Leute, die sich um die Integrität von Greta Thumberg und FridaysforFuture "sorgen". Dabei sind im wesentlichen zwei Gruppen zu unterscheiden. Die eine versucht, zu ergründen, welche düsteren Kräfte im Hintergrund Greta als ihre Marionette aufgebaut haben könnten. Die andere Gruppe weiß vorgeblich schon, welche Kräfte das sind und posaunt darüber die krudesten Theorien in die Welt.

Eine Anmerkung dazu (freier Lesetext)


20.03.2019

"Latrinen aller Geschlechter vereinigt euch!" habe ich die aktuelle Nr. 169 der Monatskolumne "Quergedanken" betitelt. Natürlich ist das eine Art nachfastnachtliche Betrachtung. Diese schreibt sich jedoch weder das Abwatschen noch die Glorifizierung von AKK aufs Panier. Eher geht es um den grundsätzlichen Umstand, dass wissenschaftlicher Fortschritt, gesellschaftliche Freiheitlichkeit und moderne Aufklärung im althergebrachten Weltbild fest verankerte Ordnungs- und Normalitätsvorstellungen erschüttern. Der Homo sapiens besteht nun mal objektiv nicht nur aus zwei Geschlechtern.

"Quergedanken" Nr. 169 hier (freier Lesetetxt)


19.03.2019

Seit den frühen 1990ern gibt es in Koblenz alljährlich ein Ereignis, von dem die breite Öffentlichkeit daheim zwar nur wenig Notiz nimmt, das aber in einem speziellen musikalischen Fach weltweit höchstes Ansehen genießt: das International Guitar Festival & Academy. Im jetzt 27. Jahrgang belegt das Festival im Juni eine gute Woche lang (2.6. - 10.6.) die gesamte Rhein-Mosel-Halle sowie das Kurfürstliche Schloss. Dann kommen wieder Gitarristen vornehmlich der klassischen und jazzigen Richtung aus rund 50 Ländern nach Koblenz, um zu lehren, zu lernen und zu konzertieren. In diesem Jahr wird Wolf Biermann mit dem unregelmäßig vergebenen Ehrenpreis des Festivals für ein bedeutendes Lebenswerk ausgezeichet. 

Mein Artikel über Anfänge, Entwicklung, Gegenwart des Festivals (freier Lesetext)


18.03.2019

Hinter Glas ein Werk, das aussieht, als habe es bei einem Wohnungsbrand nur schwer beschädigt gerettet werden können: rußverschmiert, die Leinwand angesengt, Farbe und Lack blasig, die Oberfläche vom Feuer aufgerissen. Doch ist, was da im Hauptsaal des Richard-Meier-Baus an der Wand hängt, nicht das Überbleibsel eines Unglücks. Vielmehr handelt es sich um eines der Feuerbilder, mit denen Otto Piene in den 1960ern das Ausdrucksspektrum der zeitgenössischen Kunst erweitert hat. Dem 2014 verstorbenen Künstler widmet das Arp Museum jetzt eine hochkarätige Ausstellung unter dem Titel „Otto Piene – Alchemist und Himmelsstürmer“.

Meine Ausstellungskritik (4500 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)

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Ein hübsches Eingangsstück, ein Mittelteil, über den die Meinungen etwas auseinandergehen, ein Finale, das die Hörerschaft in der Rhein-Mosel-Halle reihum entzückt: So ließe sich kompakt das achte Anrechtskonzert beim Musik-Institut Koblenz resümieren. Das wurde unter Leitung Garry Walkers orchestral von der Rheinischen Philharmonie bestritten. Der solistische Gast kam mit der international hoch angesehenen Sopranistin Michaela Kaune diesmal aus dem Gesangsfach.

Meine Konzertbesprechung (3800 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


17.03.2019

William Forsythe, Altmeister der zeitgenössischen Ballettavantgarde, hatte 2010 in Frankfurt das Projekt "Motion Bank" ins Leben gerufen. Dessen Bemühen um Dokumentation von Tanzproduktionen mittels modernster Motion-Capture-Kameratechniken und Computervisualisierung musste 2013 eingestellt werden. Forsythe's früherer Mitarbeiter Florian Jenett hat es als Professor an der Hochschule Mainz jüngst wieder aufgenommen. Eines der ersten Ergebnisse ist nun eine Kooperation der Hochschule mit der Compagnie von tanzmainz und der Kunsthalle Mainz. Diese verbindet Tanzkunst, deren technische Dokumentation sowie von der Choreografie angeregte Arbeiten von sechs Bildenden Künstlern zum Gesamtprojekt "Between us".

Mein Bericht dazu (4600 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


16.03.2019 (10.25 Uhr)

Greta Thumberg teilt soeben mit: Nach den jüngsten Rückmeldungen ergibt sich, dass in summa am gestrigen Freitag weltweit 1,4 MILLIONEN Menschen an Aktionen von FridaysforFuture teilgenommen haben. Hätte es nicht diesen entsetzlichen rassistischen Terroranschlag auf betende Muslime in Neuseeland gegeben, dieser Freitag hätte als Tag der Freude und großer Hoffnung verzeichnet werden können. Es bleibt neben Trauer um die Terroropfer, Mitgefühl für deren Angehörige und Zorn auf den/die Täter zugleich der Gedanke: Junge Leute, die in der Gewissheit für mehr Klimaschutz streiten, dass sie Freunde und Mitstreiter in aller Welt und unter allen Völkern haben, sind für Rassimus weniger bis gar nicht anfällig.


15.03.2019 (18.30 Uhr)

FRIDAYS4FUTURE, globaler Aktionstag. Mein schneller Netzrundblick muss heute vor der Masse der Nachrichten kapitulieren. In den meisten Städten haben viel mehr Schüler und Leute mitgemacht als erwartet. Und auch in Örtchen, von denen ich noch nie gehört habe, gab es Demos. Ein paar Überblickszahlen zu Teilnehmern sowie etliche Einzelbeispiele:

Deutschland gesamt: ca 300 000. Australien gesamt: ca 150 000. Österreich gesamt: ca 30 000. Schleswig-Holstein gesamt ca 15000. Meck-Pom gesamt: 4600. Rheinland-Pfalz gesamt: ca 6000.

Einzelne Städte (Inland): Berlin 25000, Köln 10000+, Hamburg 10000+, Bremen 5000, Kiel "tausende", München ca 10000, Frankfurt/M um 9000, Lübeck 2500, Münster 2500, Jena 1300, Rostock 1200, Erfurt 500, Schwerin 800, Regensburg 1000, Mannheim 1200, Mainz 1200, Göttingen 1000, Koblenz 500+, Frankenthal 800, Trier 700, Neustadt/Weinstr. 400....

Ausland: Melbourne 20000, Wien 10000+, Innsbruck 5000, Linz 3500... Nachtrag: Es gab große bis sehr große Aktionen u.a. auch in Rom, Paris, London, Madrid, Warschau, Bangalore, Hongkong, Tokio.... Es gab Aktionen in der Türkei, der Ukraine, in Brasilien.... Und es gab Aktionen in mehr als 100 Städten der USA.


14.03.2019

Bemerkenswerter Leitartikel auf Seite 1 der Wochenzeitung "Die Zeit" über die Beweggründen der weltweiten Schülerbewegung für eine effektive Klimaschutzpolitik. Auszug: "(...) Dieser Zeitdruck (beim Kampf gegen den Klimawandel. ape) konstituiert einen harten Interessengegensatz zwischen denen, die in 30 Jahren 50, und jenen, die dann 100 sind. Weil den einen dann das Wasser bis zum Hals stehen könnte, während die anderen nicht mehr auf dieser Welt sind. (...) Wenn die Politik so weitermacht, dann läuft nicht nur Deutschland in einen Generationenkonflikt hinein, gegen den 68 ein Kindergeburtstag war. Damals ging es vor allem um die deutsche Vergangenheit (und den Krieg in Vietnam), heute geht es um die globale Zukunft. Freitag wird wieder demonstriert, wohl so zahlreich und so international wie bislang noch nicht."

Der ganze Text hier


12.03.2019

Vergangene Woche hatten 700 Wissenschaftler/innen eine Stellungnahme der Initiative #Scientists4Future zu Unterstützung der Schüleraktionen für mehr Klimaschutz unterschrieben. Bei Veröffentlichung der Stellungnahme heute (12.3.2019) sind es mehr als 12 000 renommierte Wissenschaftler und Wissenschaftspublizisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die gemeinsam erklären: "Die Anliegen der demonstrierenden jungen Menschen sind berechtigt".

Wortlaut der Erklärung

***

FRIDAYS FOR FUTURE, globaler Aktionstag am 15.03.2019. Die Schüler haben ALLE umweltbewussten Menschen aufgerufen, an ihren Demonstrationen teilzunehmen. > Überblick über bis eben für diesen Freitag gemeldete Aktionen in Rheinland-Pfalz und angrenzenden Regionen:

RLP: Bad Kreuznach (11.30 Paulskirche), Mainz (10.00 Hauptbahnhof), Ingelheim (10.00 Bahnhof), Koblenz (11.55 Hauptbahnhof), Trier (10.00 Domfreihof), Kaiserslautern (11.30 Hauptbahnhof), Landau (10.00 Rathausplatz), Neustadt/Weinstr. (10.00 Marktplatz), Speyer (11.00 St.-Guido-Stifts-Str.), Frankenthal (11.00 Speyrer Tor), Worms (10.00 Hauptbahnhof), Altenkirchen (17.00 Marktplatz).

Nachbarschaft: Heidelberg (11.00 Marktplatz), Mannheim (11.00 Schloss Ehrenhof), Darmstadt (10.00 Luisenplatz), Frankfurt/M (12.00 Bockenheimer Warte), Wiesbaden (12.00 Hauptbahnhof), Saarbrücken (10.00 Kongresshalle), Gießen (11.30 Berliner Platz), Siegen (10.30 vor Bluebox), Siegburg (9.30 Siegburg Markt), Bonn (9.30 Münsterplatz), Köln (9.00 Bahnhofsvorplatz)


11.03.2019

„Heimat, das ist eine Emotionswolke“, erklärte Konrad Wolf jetzt in Mainz bei der Vorstellung des Programms für den Kultursommer Rheinland-Pfalz 2019. Heimat bedeute Vielfalt in positivem Sinne, könne und dürfe gerade kein Ausgrenzungsbegriff sein. Derart umreißt der Kulturminister zugleich die Grundintention, die mit dem diesjährigen Motto "heimat/en" verfolgt wird: Vom Oberwesterwald bis in die Südpfalz sollen viele der 200 vom Kultursommer geförderten Projekte jene Elemente ins Bewusstsein rücken, aus denen sich die kulturelle Vielgestaltigkeit und Offenheit von Heimat zusammensetzt.

Mein Vorbericht (4800 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)

***

Langer Beifall von einem berührten Publikum. Zwei Stunden hat das neunköpfige Ensemble eindringlich, ernsthaft und ohne überdrehte Sperenzien den Fall des jungen Deutschen Hans verhandelt. Der wird von seiner Tante Alex beauftragt, sich an der Uni Cambridge in einen elitären Zirkel einzuschleichen, um dort begangene Verbrechen aufzuklären. Diese Geschichte machte 2017 als Roman „Der Club“ von Takis Würger in der Literaturszene Furore. Jetzt hat Regisseur Philipp Krenn mit Anna-Sophia Güther und den Schauspielern eine Theaterfassung daraus gemacht und im Staatstheater Wiesbaden auf die Bühne gebracht.

Meine Premierenkritik (3600 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


10.03.2019

Die Konzertbesucher und Öffentlichkeit vergessen oft, dass Orchestermusiker auch lohnabhängig Beschäftigte sind, ganz normale Angestellte mit hierzulande ganz normalen Pflichten und eben auch Rechten. Etwa dem Recht auf freie Wahl einer Belegschaftsvertretung, die die Interessen der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber vertritt. Mit dem beim Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz aus fünf Vertretern bestehenden „Personalrat“ habe ich gesprochen, um mal einen Blick hinter den Kulissen auf dieses Gremium und seine Arbeit zu werfen.

Hier mein Bericht (freier Lesetext, 11700 Anschläge)

***

"Wenn sich Kinder und Teenager politisch äußern, verlieren manche Erwachsene die Fassung. Warum eigentlich? Über Greta Thunberg, ihre Anhänger und ihre Gegner." Zu diesem Thema hat Tobias Rüther - ein "links-grüner Versiffung" eher unverdächtiger Feuilletonist der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) einen langen, sehr nachdenklichen und klugen Artikel geschrieben. Dessen Lektüre möchte ich allseits ans Herz legen. 

Siehe Artikel in der FAZ                            


09.03.2019

So, nach ein paar freien Tagen wieder volles Programm in der Schreibstube. Neben dem im März opulenten Aktuellgeschäft ist noch der letzte Schliff am Vortrag "Heimat - Kampfbegriff, Sehnsuchtsort, Utopie" zu machen (11.4. Haus Felsenkeller Altenkirchen, 8.5. Marienberger Seminare Bad Marienberg). Parallel habe ich mit der Materialsammlung für Herbstvorträge über Leben und Werk des Alexander von Humboldt begonnen. Schon die ersten Sichtungen in dessen jetzt 250. Geburtsjahr lassen deutlich werden: Das ist inhaltlich brandaktueller Stoff, denn dieser Humboldt war nicht einfach ein forschender Abenteurer. Er war vielmehr einer der ersten neuzeitlichen Wissenschaftler und Denker, der aus Betrachtung der Realität die Erkenntnis ableitete, dass auf unserem Planeten "alles mit allem vernetzt ist" - auch das Soziale, Politische, Ökonomische mit dem Ökologischen.


05.03.2019

Interessante Entwicklung: Wissenschaftler und prominente Wissenschaftspublizisten stellen sich in großer Zahl (bis jetzt mehr als 700) mit ernstem Appell an die Seite der jungen Menschen von Fridays for Future. Mit dabei zB Hans-Joachim Schellnhuber, Claudia Kemfert, Ernst Ulrich von Weizsäcker, Eckart von Hirschhausen, Ranga Yogeshwar, Barbara Praetorius, Dirk Uwe Sauer, Sven Plöger ...

Siehe hierzu Bericht des "Tagespiegel" Berlin

***

In einer Sache möchte man diversen Zeitgenossen einfach genaueres Hinschauen empfehlen: Der inzwischen fast sprichwörtlich gewordene Vorwurf, Umwelt- und Klimaschützer würden Panik und Weltuntergangsszenarien verbreiten, ist weitenteils nur ein (von interessierter Seite gepflegtes) Vorurteil. Die Warnungen, der Klimawandel werde gravierende Auswirkungen auf die Zivilisation haben und das zeitnäher als bislang angenommen, werden sprachlich (Framing) einfach zu "Weltuntergangs-/Apokalypseszenarien" umgedeutet. Dabei sind diese Warnungen ja keine Fantasmen, sondern wissenschaftsgestützte Sachaussagen. Ebenso die Feststellung, dass das Zeitfenster zum tatsächlich effektiven Gegensteuern immer kleiner wird.

Wir haben im Moment leider eine Situation, dass Teile der Öffentlichkeit schon die Verbreitung solcher Sachaussagen, erst recht alle Überlegungen, was daraus für Konsequenzen zu ziehen seien, mit dem Bannstrahl der "Panikmache" belegen - womöglich um dadurch den wissenschaftlichen Forschungsstand selbst unglaubwürdig/lächerlich zu machen. Panik und Hysterie mache ich derzeit aber vor allem auf Seiten derer aus, die - je deutlicher die Unausweichlichkeit einer ökologischen Wende wird - bis zur wildgewordenen Gehässigkeit auf Wissenschaft, Warner und für die Öko-Wende engagierte Menschen (derzeit vor allem die Generation der eigenen Kinder und Enkel) dreinschlagen.


04.03.2019

11.30 Uhr, Rosenmontag, Unterwesterwald: Teils strahlend blauer Himmel und Sonnenschein bei 12 Grad. Allerdings klappert, poltert, pfeift, heult, quietscht es gehörig im Gebälk und drumherum. Wir würden hier nicht "schweren Sturm" nennen, was da ums Haus und über die Landschaft rumort. Aber der Wind weht kräftig bis sehr kräftig - und ich sah eben auf der Fahrt zum Nachbarort auch einige umgefallene Bäume und etliche Astbrüche. Also ihr Jecken da draußen bei de Züch: Gebt ein bisschen acht auf euch und die Mitfeierer. Ansonsten: Habt Spaß an der Freud.


03.03.2019

Ausgedehnte Lektüre der Wochenzeitungen beim Sonntagsfrühstück bestätigt meinen Eindruck, dass sich im globalen Zeitgeist zwei neue Tendenzen breitmachen. 1. Die Weiterentwicklung des Umweltschutzdenkens in Richtung eines stärker werdenden Verlangens nach einer echten und durchgreifenden ökologischen Wende. 2. Ein von linken Systemkritikern über die Wirtschaftswissenschaften bis in konservative IWF-Kreise reichendes Nachdenken über eine sozialökonomiosche Wende. Darüber also, dass der Kapitalismus "gezähmt" oder "zivilisiert" werden muss, die Ausdehnung der Kluft zwischen Reich und Arm gestoppt werden muss und die Priorität des Wirtschaftens auf Gemeinwohlnutzen und Sozialpflichtigkeit des Kapitals zu setzen ist, statt auf Shareholder-Value und unmäßige Funktionärsbereicherung.

Dazu mag man nun im einzelnen stehen wie man will. Zuerst einmal ist einfach festzuhalten: Es gibt beide Tendenzen in unterschiedlichster Ausprägung auf breiter Front (nicht zuletzt jetzt in den USA). Und besonders interessant wird die Sache dort, wo beide Tendenzen - vernünftigerweise und naturgemäß - eng miteinander verzahnt auftreten.


01.03.2019

Fridays for Future, 1.3., schneller Netzrundblick (unvollständig) auf heutige Aktionen in Deutschland. Gefunden Folgendes: Größte Demo in Hamburg mit Greta Thunberg als Gast (Zahlen unklar, schwanken von 4000 bis "mehr als 10 000" bei BILD-online). Münster (1000), Düsseldorf (500), Weimar (200), Neumünster (500), Werries/Hamm ("Hunderte"), Stuttgart (200), Springe in Niedersachsen (200), Dannenberg (180), Hof (230), Dortmund (300), Greifswald (100). Weitere Aktionen ohne Zahlenangabe: Biberach, Nürnberg, Frankfurt/M., Regensburg, Essen, Reutlingen, Bersenbrück, Deggendorf, Magdeburg, Marburg....

 

01.03.2019

Fridays for Future, 1.3., schneller Netzrundblick (unvollständig) auf heutige Aktionen in Deutschland. Gefunden Folgendes: Größte Demo in Hamburg mit Greta Thunberg als Gast (Zahlen unklar, schwanken von 4000 bis "mehr als 10 000" bei BILD-online). Münster (1000), Düsseldorf (500), Weimar (200), Neumünster (500), Werries/Hamm ("Hunderte"), Stuttgart (200), Springe in Niedersachsen (200), Dannenberg (180), Hof (230), Dortmund (300), Greifswald (100). Weitere Aktionen ohne Zahlenangabe: Biberach, Nürnberg, Frankfurt/M., Regensburg, Essen, Reutlingen, Bersenbrück, Deggendorf, Magdeburg, Marburg....


25.02.2019

Skandinavischer Abend beim Musik-Institut Koblenz. Der Rheinischen Philharmonie unter Garry Walker waren am Wochenende in der Rhein-Mosel-Halle Werke eines Norwegers, eines Schweden und eines Dänen aufgelegt. Edvard Grieg, Wilhelm Stenhammar und Carl Nielsen lebten um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und kannten einander gut. So wird dieses 7. Anrechtskonzert zum interessanten Blick auf die Spätromantik unserer nordischen Nachbarn. Und es räumt auf mit der verbreiteten Ansicht, die Nordländer seien vor allem verschlossene Melancholiker, umfangen von uralten Sagen über Feen und Trolle.

Meine Konzertbesprechung  (3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


23.02.2019

Nun sind meine launigen Bemerkungen zu Fastnacht/Karneval im Rahmen der Monatskolumne "Quergedanken" endlich auch in der Printausgabe des mittelrheinischen Magazins "Kulturinfo" erschienen (dort war in der letzten Ausgabe versehentlich ein alter Text abgedruckt). Wer den Artikel noch nicht kennt und gern lesen möchte.

Quergedanken Nr. 168 "Mit Schmackes: Helolaulaaf! (hier)


22.02.2019

Fridays for Future, 22. Februar. Netzrundblick zu heutigen Aktionen, auf die Schnelle gefunden (leider oft ohne konkrete Teilnehmerzahlen, die meisten Medien sprechen für die meisten Orte von "hunderten" oder "einigen Hundert": Berlin (500), Düsseldorf (500), Heidelberg (700), Saarlouis (1000), Siegen (400), Heilbronn (500), Paderborn (500), Flensburg (500), Kleve (300), Koblenz (um 400, eigene Zählung), Traunstein (500), Paris (1400), Erlangen, Erkelenz, Greifswald, Balingen, Stuttgart, Anklam, Bregenz, Köln, Bochum, Hamburg, Münster, München ....


21.02.2019

Greta ist nicht die Ursache für diese inzwischen größte Schülerbewegung seit Kriegsende. Das Mädchen ist nur der Zündfunke dafür, dass eine Generation erwacht, um ihre schon länger latenten Sorgen mit Nachdruck öffentlich zu machen. Allen Bedenkenträgern, Meckerern, Verächtlichmachern wider deren Engagement sei vor Augen gehalten, was die jungen Leute im Kern eigentlich verlangen: "Tut endlich wirklich, was ihr auf euren Klimakonferenzen beschlossen habt. Und hört auf, eure eigenen Ziele immer bloß zu zerreden und die nötigen Maßnahmen zu ihrer Umsetzung hinauszuschieben auf St. Nimmerlein. Denn St. Nimmerlein wird dann unsere triste Gegenwart sein. Die Zeit läuft uns JETZT weg." Demonstration 22. Februar 2019 in Koblenz, 10 Uhr Zentralplatz


18.02.2019

Das bekannteste Element des Theaterstücks „Liliom“ steht nicht im 1909 uraufgeführten Drama, stammt nicht von dessen Autor Ferenc Molnár und spielt auch in der jetzigen Bonner Inszenierung keine Rolle. Es ist der Song „Komm auf die Schaukel, Luise“, 1931 von Karl Heinz Martin in seine Einrichtung des Stückes eingeführt und Hans Albers auf den Leib geschrieben. Dafür wird im Godesberger Schauspielhaus kräftig gerockt und gerollt, beides buchstäblich: laut und auf Rollschuhen. Einige der szenischen Effekte sind im Sinne eines modernisierenden Zugriffs auf das Stück ganz passabel, andere bloßer Firlefanz, der intensivem Charakterschauspiel eher im Wege steht. Mein Urteil fällt zwiespältig aus.

Meine Premierenbesprechung (3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


15.02.2019 (Aktualisiert am 16.2., 10.30 Uhr)

FRIDAY FOR FUTURE 15.2., mein schneller Netzrundblick auf Aktionen heute. Gefunden dies (die Medien geizen leider etwas mit lokalen Teilnehmerzahlen): Für Deutschland pendeln die Zahlen zwischen 10 000 und 20 000 insgesamt. Die größten Demos gab es diesmal wohl in Darmstadt (bis 2000) und Stuttgart (um 1000). Weitere örtliche Aktionen zB in Mainz (500), Frankfurt (500), Borken (300), Marburg, Kassel, Waltrop, Friedrichshafen, Kiel, Hiddenhausen, Wiesbaden, Mannheim... Interessant der Blick in die Schweiz, wo gerade Schulferien sind (also nix mit "die wollen bloß schwänzen"): Bern (2000) plus größere Aktionen (leider ohne Zahlenangaben) in Zürich, Basel, Schaffhausen, St. Gallen. In Brüssel wieder ca. 10 000. Die teilnehmerstärksten österreichischen Demos gab's wohl in Graz (bis 2000) und Wien (?). Weitere Aktionen soll es gegeben haben in Großbritannien (landesweit mehr als 10 000), Italien, Skandinavien und Australien.

***

seufz* Die am Freitagmorgen erstellte To-do-Liste fürs Wochenende und die Folgetage signalisiert: Langeweile fällt aus. Heute Premiere "Liliom" in Bonn > Kritik schreiben. Dann Vorbereitung auf Vortrag vor und Gespräch mit ca. 90 jungen Leuten am Montag über "Zeitgeist - Was ist das überhaupt? Was macht der mit uns? Und können wir ihm ggf. widerstehen?". Dann: Feinschliff am Vortrag "Marx & Raiffeisen" für öffentliche Veranstaltung am Donnerstag (21.2., 20 Uhr) Haus Felsenkeller Altenkirchen/WW. Und sowieso: Hinterm Haus und im Wald warten Berge von Brennholzrohlingen für den übernächsten Winter auf Weiterverarbeitung. Sie müssen sich wohl noch etwas gedulden.


13.02.2019

Endlich. Meine neue Website (diese hier) ist auf dem Weg ins Netz.


10.02.2019

Das Arp Museum in Remagen-Rolandseck startet mit zwei Ausstellungen in seine 2019er-Saison, die unterschiedlicher kaum sein könnten. In der klassischen Abteilung, der Kunstkammer Rau, sind vier Dutzend altmeisterliche Werke des italienischen Barock versammelt. 34 davon stammen aus der US-amerikanischen Sammlung Haukohl. Im Künstlerbahnhof präsentieren die aktuellen Balmoral-Stipendiaten ihre Arbeiten zum Thema „Gestaltung der Zukunft“. Obwohl beide Werkgruppen formal und ästhetisch himmelweit auseinanderliegen, findet sich manche Parallele: beim Blick auf die Unsicherheit des Menschseins in unbegreiflichen Welten.

Meine Ausstellungsbesprechung (5400 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


09.02.2019

Eine Frau und ein Mann haben sich gefunden. Sie schreiten dem auf der Hinterbühne aufflammenden Weißlicht entgegen. Je heller das wird, umso unsichtbarer das Paar. Mit diesem Bild des Verschwindens endet die jüngste Tanzproduktion am Staatstheater Mainz. „Twist“ ist die Choreografie des US-Amerikaners Victor Quijada betitelt. Der hat sich für seine erste Arbeit in Europa die tanzmainz-Compagnie ausgesucht. Und ist damit gut gefahren.

Meine Uraufführungskritik (3600 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


07.02.2019

Die jüngste Äußerung aus Scheuers Bundesverkehrsministerium besagt: Man wird an den Bau einer Eisenbahn- Entlastungstrasse für die beiden Hochfrequenzstrecken durchs enge Mittelrheintal überhaupt erst dann einen Gedanken verschwenden, wenn das Güterzugaufkommen sich dort verzehnfacht hat. Wer die schon jetzt entnervende Masse des Zugverkehr im Unesco-Welterbetal nur mal ein paar Tage genossen hat, kommt zwangsläufig zu dem Schluss: Die sind irre, die Scheuers. Angesichts dessen und aller anderen Äußerungen der letzten Tage aus dieser Ecke, schoss mir folgender Gedanke durchs Hirn:

Wäre der Herr Scheuer seit 40 Jahren Verkehrsminister, wir hätten wohl noch immer keinen 3-Wege-Kat und kein bleifreies Benzin. Es gäbe kein Tempolimit 100 auf Landstraßen, weder Tempo-30-Zonen noch verkehrsberuhigte Straßen und Spielstraßen. Es wäre nie eine Lärmschutzwand gebaut worden, dafür aber das gesamte Autobahnnetz 6- bis 10-spurig ausgebaut. Wir wüssten bis heute nicht, dass so etwas wie Fahrradwege ǘberhaupt möglich ist, und wir hätten keine einzige Messstation für Luftqualität im Land..... Gewiss, das sind Spekulationen, aber durchaus keine abwegigen - angesichts der denkerischen Grundmaximen, die dieser Herr Tag um Tag erkennen lässt.


06.02.2019

Karl MARX und Friedrich Wilhelm RAIFFEISEN: Das Jubiläumsjahr 2018 für die zwei bedeutenden Rheinland-Pfälzer mit weltweiter Wirkkraft ist zwar vorbei, doch mein vergleichender Vortrag über Leben und Werk der beiden macht weiter die Runde. Schließlich können wir von beiden noch immer jede Menge lernen und manche Anregung beziehen - just in einer Gegenwart, die offenkundig völlig orientierungslos ist und nicht weiß (oder Wllens ist), welche Weiche in welche Richtung sie jetzt stellen müsste oder sollte. Nächster Termin: 21. Februar, 20 Uhr, Haus Felsenkeller in Altenkirchen. Weitere Infos hier


04.02.2019

Kontrastprogramm für mich an diesem Wochenende. Foto1 (von Becci Staal): Gemütliche Lesung eigener launig-renitenter bis besinnlich-sinnlicher Texte bei der Umzugsfete des RLP-Kulturbüros am Samstagabend. Foto 2 (von Jürgen Greis): Finissage-Vortrag Sonntagvormittag vor großem Publikum zur Wortelkamp-Ausstellung im Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein. Freude meinerseits über reichlich Zuspruch hier wie da.


03.02.2019

Heute endete auf der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein und im dortigen Landesmuseum die Ausstellung "Erwin Wortelkampf. Wehrhaft - oder was gilt es zu verteidigen?" Die in eine Außenpräsentation quer über das Festungsgelände und eine Innenprästentation untergliederte Ausstellung bildete eine Querschnitt durch das Lebenswerk dieses wohl wichtigsten noch lebenden Vertreters zeitgenössischer Kunst in Rheinland-Pfalz. Zugleich öffneten viele der Exponate neue, ungewöhnliche Blickweisen auf den preußischen Militärbau der Festung, die heute als Kulturzentrum genutzt wird. Ich hatte die Ehre und das Vergnügen im Rahmen der heutigen Finissage vor vollem Haus einen etwa 15-minütigen Vortrag zu halten unter dem Titel "Die Kunst des Erwin Wortelkamp: Schule des Sehens und Aufforderung zur Widerständigkeit".

Hier das Redemanuskript meines Vortrags
(freier Lesetext)

29.01.2019

Nein, ich schrieb noch nie gerne "Verrisse". Der letzte liegt schon eine ganze Weile zurück. Lieber wäge ich - je älter umso mehr - bei Bühneninzenierungen, Konzerten, Büchern besser und schlechter gelungene Momente gegeneinander ab. Manchmal aber geht es nicht anders, da muss die Kritikerfeder einfach giftig zustechen. Wie jetzt hinsichtlich der Wiesbadener Inszenierung von Shakespeares "Was ihr wollt". Denn da saß ich zähneknirschend in der Premiere, musste 140 Minuten fassungslos zusehen, wie diese sprachlich und psychologisch eigentlich so wunderbar gewobene Komödie zum krachledernen Lachevent kaputt gespielt wurde.

Meine Premierenkritik
(4000 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


28.01.2019

Mit kräftigem, herzlichem Applaus nebst etlichen Bravorufen endet das sechste Anrechtskonzert des Musik-Instituts in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle. Der Zuspruch gilt dem jetzt zweiten Gastauftritt des Beethoven Orchesters Bonn unter dem Dirigat seines neuen Generalmusikdirektors Dirk Kaftan. Der 48-Jährige hat im Herbst 2017 die Leitung des Bonner Klangkörpers übernommen – zeitgleich mit dem Amtsantritt des 45-jährigen Garry Walker als Chefdirigent der Rheinischen Philharmonie in Koblenz. Solist des Abends war der Oboist Albrecht Mayer, einer der besten in seinem Fach weltweit.

Meine Konzertbesprechung
(3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


26.01.2019

Kuddelmuddel diesmal mit meiner Monatskolumne "Quergedanken". Die Gesamtauflage des mittelrheinischen Magazins "Kulturinfo" für den Februar ist gedruckt, da kriegt der Herausgeber schier den Herzkasper, denn: Auf Seite 2 stehen statt der neuen "Quergedanken" nochmal die alten vom Vormonat. Wie kann das passieren? Wo Menschen zugange sind, gibt es nichts, was es nicht gibt.  Jüngst hat ein Börsenhändler wegen eines Fingerzitterns per falschem Knopfdruck mal eben 40 Milliarden Dollar in den Orkus geschickt. Man sah auch schon Bundeskanzler die TV- Neujahrsansprache des Vorjahres halten. Und selbst so manche angesehene Zeitung hatte  angelegentlich verstaubte Seiten druckfrisch erneut im Blatt.

Ausnahmsweise ist der Autor völlig unschuldig an dem Malheur - darf sich deshalb von Herausgeber und Grafiker zum Schmerzensumtrunk eingeladen sehen. Was nun? Die richtige, also aktuelle Kolumne wird jetzt über die online-Ausgabe des Kulturinfo und meine eigenen Netzkanäle (s.u.) verbreitet. Gedruckt erscheint sie erst in der März-Ausgabe. Die kommt dann gerade noch rechtzeitig zum Schwerdonnerstag heraus - was passt , da es in diesen "Quergedanken" um Narretei-Geschichte geht.

Quergedanken Nr. 168
Mit Schmackes: Hellolaulaaf!


21.01.2019

Habe mir sämtliche Argumente allüberall gegen Tempolimit betrachtet und darüber nachgedacht. Komme zu dem Ergebnis, dass schlussendlich nur ein einziges Argument übrig bleibt, dass sich nicht sachlich widerlegen lässt, sondern nach einer Prioritätenentscheidung verlangt: "Ich will schnell fahren (dürfen)."

Es wird einige Millionen Autofahrer geben, für die dieses Bedürfnis herausragende Bedeutung hat. Unter ihnen wiederum dürfte es etliche geben, denen Klimawandel völlig wurscht ist oder die ihn leugnen. Mit solchen Zeitgenossen ist eine Diskussion über Tempolimit sinnlos. Unter den Tempolimitgegnern gibt es aber wahrscheinlich noch viel mehr, die den Klimawandel doch für ein ernstes Problem halten. Und mit diesen lohnt die Diskussion um eine Prioritätenentscheidung.

Wobei dann alle Diskutanten sich vor Augen halten sollten: Tempolimit und Verkehr sind nur eine von sehr vielen Stellschrauben an all denen wir werden drehen müssen, um für uns, vor allem aber für unsere Kinder und Enkel eine lebenswerte Lebenssphäre in den Städten und auf dem Land wieder zu herzustellen bzw. zu erhalten.


19.01.2019

Kopfschütteln bei der gemütlichen Zeitungslektüre am Samstagmorgen. In Deutschland ist eine neue Tempolimit-Diskussion ausgebrochen - die neunte seit den Ölkrisen der 1970er. Während seither fast alle Länder Europas, ja rund um die Welt vernünftigerweise ihr Autobahntempo auf 90 bis 130 km/h begrenzt haben, erhebt sich hierzulande sofort wieder mit den immergleichen unsinnigen Argumenten das immergleiche Gezeter dagegen. Muss sich da noch jemand wundern, dass unsere Kinder am Willen der Erwachsenen zum Erhalt eines auch für sie noch lebenswerten Planeten (ver)zweifeln und zornig auf die Straßen ziehen? Sie sehen doch, dass es mit dem Klimaschutz nichts werden kann, wenn die Alten nichtmal so eine läppische, simple, obendrein kostensparende und Verkehrsopferzahlen reduzierende Tempobegrenzung auf 130 km/h hinkriegen.


18.01.2019

Die Bundesrepublik Deutschland wird im Januar 2020 bei der Unesco den Antrag einreichen, die Schum-Stätten von Speyer, Worms und Mainz in die Weltkulturerbe-Liste aufzunehmen. Dies ist der seit 2006 verfolgte Plan, an den sich in Rheinland-Pfalz große Hoffnungen knüpfen auf Anerkennung seiner ältesten und bedeutendsten Relikte jüdischen Lebens als Welterbe. Im Landesmuseum Mainz präsentierten jetzt Wissenschaftler und Landesvertreter den Stand der Vorbereitungen ein Jahr vor Antragstellung.

Mein Bericht
(4800 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


16.01.2019

Weil die Sonne in die Schreibstube scheint, habe ich eben mal die Nase rausgestreckt und staune nicht schlecht: Die Vögel machen Konzert als sei Ende März; quer über die Wiese und in allen Außentöpfen recken Krokusse und anderes Pflanzengezücht reichlich mit Macht die Hälse aus der Erde. Es riecht nach Frühling, das ist schön. Aber es riecht auch etwas falsch - jetzt, Mitte Januar.


14.01.2019

In Mainz hatte jetzt eine Bühnenfassung von Hans Falladas Roman „Kleiner Mann – was nun?“ Premiere. Damit thematisiert das dortige Staatstheater ein wesentliches Moment der aktuellen gesellschaftspolitischen Verwerfungen: die Angst der Mittelschicht vor sozialem Absturz. Die Inszenierung von Alexander Nerlich nimmt sich immerhin drei Stunden und 15 Minuten Zeit, nicht nur den während der Wirtschaftskrise zum Ende der Weimarer Republik spielenden Hauptstrang der Handlung nachvollziehbar in Szene zu setzen. Besonderes Augenmerk gilt einigen (kapitalistischen) Mechanismen, die alle Bemühungen des Johannes Pinneberg und seiner Frau Lämmchen um bescheidenes Lebensglück aushebeln. Ein langer Abend, der jedoch nie langweilig wird.

Meine Premierenbesprechung
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


11.01.2019

Es sagt sich vom derzeit schneearmen bis schneelosen Westen und Norden Deutschlands aus leicht: "Es ist Winter, da gibt's halt Schnee. Was also soll die Aufregung da mit Bayern und Österreich?" Wenn du nicht mehr zur Arbeit kommst und die Kinder es nicht mehr zur Schule schaffen, wenn auf deinem Hausdach 150 oder mehr Zentimeter Schnee liegen und es knirscht im Gebälk, wenn dein Landratsamt den Notstand ausruft und sogar die Armee zum Schneeräumen anrückt ... Dann, ja dann sieht die Sache anders aus. Und: Den jetzt Betroffenen wird der Hinweis "die sind viel Schnee doch gewohnt" so wenig gerecht, wie ein entsprechender Hinweis bezüglich Hochwasser den Anwohnern an Rhein, Mosel und Co gerecht würde, wenn die sich mit einer überdurchschnittlich starken Flut herumschlagen müssten.


09.01.2019

Nachdenken. Ich versuche, mir vorzustellen, wie das ist: Du hast einige zehntausend Follower auf Facebook und Twitter, die dich jedesmal, sobald du irgendeinen Pups loslässt, sofort gleichermaßen mit Jubel überschütten, mit Kommentaren eindecken, mit Shitstürmen heimsuchen. Der Politiker Robert Habeck fragte sich nun: Was macht das mit mir?

Anmerkung zum Rückzug von Habeck aus Facebook und Twitter
(freier Lesetext)


02.01.2019

Nunmehr zum 20. Mal das erste Lebenszeichen von mir jeweils am Jahresbeginn: Mein ganzseitiges Neujahrsessay, publiziert von der Rhein-Zeitung traditionell am ersten Werktag des neuen Jahres auf einer Seite "Kultur extra". Heuer ist das Thema "Heimat" und das schon mehr als 150 Jahre andauernde Ringen um die Deutungshoheit über den Heimatbegriff zentraler Gegenstand der Betrachtung.

 Heimat - Das ewige Sehnen nach Geborgenheit. Nichts hat unsere Lebensweise so verändert wie der „Fortschritt“
(12100 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

18.12.2018

So. Das war's von mir für dieses Jahr. Für ein Weilchen ziehe ich mich nun von der Welt und aus dem Netz zurück. Bis Freitag gilt es noch, in stiller Konzentration das Neujahrsessay 2019 fertigzustellen. Danach herrschen hier bis Anfang Januar Betriebsruhe und Seelenfrieden. Als kleine Wegzehrung sei deshalb etwas verfrüht die jüngste Ausgabe meiner Monatskolumne "Quergedanken" als Lektüre zur Vorbereitung auf den Jahreswechsel angeboten.

Ich wünsche nun allerseits behagliche Feiertage nebst einem guten Rutsch ins neue Jahr.

Quergedanken Nr. 167:
Vorsatz für 2019: Gas wegnehmen

(freier Lesetext)


18.12.2018

Tief im Archiv bin ich auf eines meiner Neujahrsessays gestoßen, das mir gar nicht mehr in Erinnerung war - obwohl es nach Erscheinen am 3. Januar 2005 einigen Disput zur Folge hatte. Entstanden zu einer Zeit, da George W. Bush US-Präsident war und Osama bin Laden der globale Terrorist Nr.1, haben etliche grundlegende Erwägungen dieses Textes Aktualität behalten, ja noch hinzugewonnen. FREIER LESETEXT.

2005-01-03: Neujahrsessay
Das Erbe der Aufklärung ist in Gefahr


17.12.2018

Koblenz macht derzeit bundesweit Schlagzeilen: Mit einem von CDU, FWG und AFD herbeigeführten Stadtratsbeschluss zur - Schwimmbadordnung. Der verbietet de facto fortan das Tragen von Burkinis im städtischen Bad. Islamophobie? I wo, mitnichten, wo denkt ihr hin. (Scheinheilige wie abstruse) Offizialbegründung: Die Körper der Badenden müssten vom Aufsichtspersonal wegen möglicher Krankheiten, Hautauschläge, Wunden einsehbar sein. Die Neoprenanzüge der Sportschwimmer/-taucher sind davon allerdings ausgenommen.

Ich will die Fülle der Argumente für und wider hier nicht nochmal aufrollen, das Netz ist voll davon. Es seien nur zwei Blickwinkel hinzugefügt, die dort bislang kaum eine Rolle spielen:

1. Wäre die Sache nicht so bedenklich, könnt' man sich wegschmeißen vor Lachen. Denn der Bikini ist jetzt offenbar die Rüstung des abendländischen Heerzuges gegen die vermeintliche Islamisierung unserer Schwimmbäder. Noch in meinen jungen Jahren galt der knappe Zweiteiler den gleichen Kämpen freilich als moralischer Untergang des Abendlandes.

2. Der Burkini ist m.E. die erste wirklich interessante Innovation westlicher Bademoden seit Jahrzehnten. Durchaus ein bisschen Retro, insofern er die Ganzkörperbadeanzüge für Frauen und Männer aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schnittig überarbeitet ins 21. holt.


16.12.2018

Rückblick-Reihe auf frühere Neujahrsessays:
Für mein 2013er Essay trat ich der allzeit aktuellen Frage näher: Welche Bedeutung hat Kunst/Kultur, haben musisches Tun und Erleben für die Entwicklung der Menschheit? Sind sie nur hübsches, unterhaltsames Feierabend-Beiwerk zum Leben, dessen essentieller Fortschritt sich indes seit jeher primär auf den Feldern des Überlebenskampfes und sachlichen Erkenntnisgewinns vollzieht, also in Ökonomie und Wissenschaft? Nein, so war es nie und ist es nicht, vielmehr gilt sei jeher: .... (siehe Überschrift unten). > FREIER LESETEXT

2013-01-02 Neujahrsessay:
Ohne den Kuss der Musen kann es keinen echten Fortschritt geben

***

Das Hirn ist ein seltsames Organ. Da spült es mir beim Mittagessen völlig unvermittelt und anlasslos aus den tiefsten Gedächtnisbereichen eines der frühesten Lieder der Anti-AKW-Bewegung an die Oberfläche. Und gleich noch eine komplette Strophe - das mir, der ich eigentlich keine zwei Gedichtzeilen behalten kann. Die Strophe geht so:
"Im Elsass und in Baden war's lange große Not / da schlugen wir im Krieg für unsere Herrn einander tot. / Jetzt steh'n wir hier zusammen in Whyl und Marckolsheim / und halten dort gemeinsam eine ANDERE Wacht am Rhein. // Auf welcher Seite stehst du, he, / hier wird ein Platz besetzt. / Hier schützen wir uns vor dem Dreck / nicht morgen, sondern jetzt."


15.12.2018

Sapperlott! Am Mittwoch hatte ich meine Monatskolumne "Quergedanken" fertig. Sie erscheint nächste Woche unter der Überschrift "Vorsatz für 2019: Gas wegnehmen". Ich war mit der Themenwahl recht zufrieden; dachte, das ist ganz originell, denn nur wenige Medien werden derzeit auf "Entschleunigung" herumreiten. Denkste! Am Donnerstag ist DIE ZEIT erschienen mit der Titelschlagzeile "Fluch der Geschwindigkeit" - und auch hier auf FB steckt in vielen der frühen Feiertagsgrüße die Ermunterung, der beschleunigenden Gegenwart Besinnung, Ruhe, Langsamkeit entgegen zu setzen. Auch gut: Wenn ich schon nicht originell bin mit demThema, so habe ich wenigstens den Finger am Puls eines offenbar weithin als brennend empfundenen Gegenwartsproblems.


14.12.2018

Sechs Ausstellungen avisiert das Arp Museum für 2019. Stand die Saison 2018 unter dem Motto „Farbenrausch“, so heißt die programmatische Überschrift für das neue Ausstellungsjahr „Sammlungen“. Das Museum in Remagen-Rolandseck wirft einmal mehr drei zum eigenen Bestand gehörende Sammlungen in die Waagschale, die im kommenden Jahr mit der amerikanischen Haukohl Family Collection und der More Sky Collection zusammentreffen. Die Saison startet am 10. Februar mit einem Rückblick auf die florentinische Barockkunst zur Medici-Zeit. Parallel präsentieren die internationalen 2018er Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Balmoral Bad Ems ihre Schlussarbeiten, die unter der Themenvorgabe: „Gestaltung der Zukunft“ entstanden. Im März kommt dann eine umjfangreiche Schau zum Oeuvre Otto Pienes hinzu.

Mein Vorschau-Bericht
4500 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


11.12.2018

Rückblick-Reihe auf frühere Neujahrsessays:
Noch geprägt von Verlauf und Auswirkungen der Finanzkrise 2008/2009  sowie den damals aktuellen Forschungsergebnissen über die Weltbevölkerung und das Fortschreiten des  Klimawandels, entstand mein 2012er Neujahrsessay (veröffentlich am 2. Januar 2012 in der Rhein-Zeitung).  Wesentliche Grundaussagen des Textes haben ihre Gültigkeit bis heute behalten, auch wenn jüngere Entwicklung wie Migrationsfrage oder vermehrtes Aufkommen rechtspopulistischer Bewegungen/Regierungen darin noch kaum eine Rolle spielen (können).

2012-01-02 Neujahrsessay (freier Lesetext):
Wachset und mehret euch bloß nicht noch weiter - Wir stecken mittendrin in einem gewaltigen Epochenumbruch


10.12.2018

Während der Generalprobe wurde klar: Klarinettenstar Sharon Kam ist zu krank, um am selben Abend beim fünften Anrechtskonzert des Musik-Institut Koblenz mit der heimischen Philharmonie auftreten zu können. Nun liefen die Drähte heiß. Ein Ersatz musste gefunden, der frei ist, der die Klarinettenkonzerte von Aaron Copland und Artie Shaw drauf hat und der binnen fünf Stunden in Koblenz sein kann. Um 15 Uhr sprang Dimitri Ashkenzy in Basel in den Zug. Würde die Deutsche Bahn ihn fahrplanmäßig und so gerade noch pünktlich zum Konzertbeginn in Koblenz abliefern? Tat sie nicht. Es kam dennoch zu einem umjubelten Auftritt des "Ersatzsolisten".

Meine Konzertbesprechung
4200 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


07.12.2018

Auf Vorschlag zweier Freunde stelle ich eine kleine Artikelreihe zusammen mit einer Auswahl meiner früheren (kostenfreien) Neujahrsessays. Bis Weihnachten werde ich hier und auf meiner website in loser Folge einzelne dieser Texte zur Lektüre empfehlen, die in Teilen oder als Ganzes Bezüge zu noch aktuellen Entwicklungen/Diskursen haben. Nach dem vorgestrigen Hinweis andernorts auf das 2016er Neujahrsessay "Veränderung ist der historische Normalzustand" heute nun zusätzlich der Aufsatz vom Januar 2014.

2014-01-02 Neujahrsessay:
Die Neuvermessung des Menschlichen.  Zwischen Entschleunigung und Selbstoptimierung

(freier Lesetext)

2016-01-02 Neujahrsessay:
Veränderung ist der historische Normalzustand

(freier Lesetext)


06.12.2018

Ach Kinners, was ein nikoläusiges Durcheinander allenthalben - nur weil die eigentlichen Urspünge mancher Gebräuche in Vergessenheit geraten sind. KINDERN mit Ruprechts Rute zu drohen, sie gar damit zu schlagen, ist nicht nur heute unzeitgemäß, sondern auch historisch eine sehr junge Unsitte. Ureigentlich (mittelalterliche Tradition, anknüpfend an keltisch-germanisches Brauchtum) wurde der RutenSTREICH zwischen die Beine erwachsener Frauen und Männer geführt, auf dass er deren Zeugungskraft stärke = Fruchtbarkeitsritual. Back to the roots!


04.12.2018

Manchmal gibt es so Situationen, die braucht man nicht wirklich. Gestern (So) widerfuhr mir dies: Nach fünf Stunden schreiberischen Ringens war am frühen Nachmittag die Kritik zur Samstagspremiere am Theater Koblenz im Kasten. Hernach ein Schläfchen, dann ein Käffchen als Pause vor dem nächsten Einsatz: Uraufführung von "Mut und Gnade" in der Regie von Luk Perceval im Bockenheimer Depot zu Frankfurt. Dafür so gegen 16.15 Uhr noch geschwind ein Blick ins Internet auf die Besetzungsliste. Aus dem Augenwinkel plötzlich die Schweißausbrüche hervorrufende Wahrnehmung: "Vorstellungsbeginn Sonntag 18 Uhr" - nicht, wie normalerweise, 19.30 Uhr.

Ich also im häuslichen Räuberzivil ins Auto gestürzt und mit Karacho auf die A3, um die 110 Kilometer von Haustür zu Parkhaus runterzureißen. Fünf Minuten vor Vorstellungsbeginn stand ich japsend und entnervt zwischen entgeisterten bis ungehaltenen Leuten vor der Theaterkasse. Dort rief eine sichtlich nicht minder entnervte junge Mitarbeiterin des Hauses den Wartenden wohl schon zum x-ten Male zu: "Die Vorstellung fällt aus!" Ein Schauspieler habe sich verletzt.

So kam es, dass ich den frühen Sonntagabend bei einer meiner "liebsten" Beschäftigungen verbrachte: Autofahren in Regennacht auf überfüllter Autobahn. Happy End: Schon gegen 21 Uhr lag ich daheim auf dem Sofa - umfangen von der Gnade des Schlummers und jeden Mutes enthoben.


03.12.2018

„Das hat viel Spaß gemacht.“ „Ein arger Klamauk.“ So zwei Besucher der Premiere von „Der Diener zweier Herren“ am Theater Koblenz. Beide Zuseher liegen richtig, mögen sie den zweieinhalbstündigen Abend auch fast gegensätzlich empfunden haben. Darin spiegelt sich jenes Problem, das die Neuzeit mit der alten Theaterform der Commedia dell'Arte seit jeher hat. Und Regisseur Kai Festersen hielt sich bei seiner Umsetzung von Carlo Goldonis Komödie ziemlich eng an die Manier des einstigen Jahrmarktstheaters.

Meine Premierenbesprechung
4350 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


02.12.2018

Das schönste Geschenk zum Dezemberbeginn: Erstmals SEIT APRIL gibt es in meinem Refugium wieder mehr Niederschlag als nur ein bisschen Getröpfel für ein paar seltene Minuten. Fast 10 Stunden währt nun schon ein wunderbarer Landregen - die ausgetrocknete Natur säuft und säuft und säuft.


01.12.2018

Beim gemütlichen Blättern durch die samstägliche Frühstückszeitung gewann ich bald den Eindruck: Sehr viele Weihnachtsmärkte heißen gar nicht "Weihnachtsmarkt", sondern tragen offenbar schon eine ganze Weile lokal spezifische Namen wie Pfefferkuchenmarkt, Knuspermarkt, Sterntalermarkt, Striezelmarkt, Printenmarkt, Lebkuchenmarkt, Christkindlmarkt... Forscht man ein bisschen nach, findet sich: Mancherorts gab es Vorläufer als Wintermarkt resp. "Fleischmarkt" von Handwerkern und Bauern schon im Mittelalter. Zum schier flächendeckenden - und pittoresk unterhaltsamen - Vorweihnachts-Phänomen wurden die Weihnachtsmärkte allerdings erst im 20. Jahrhundert, teils erst in den letzten drei Jahrzehnten.

26.11.2018

Obacht geben, Leute!
Seit einiger Zeit werde ich ein- bis dreimal wöchentlich von einer angeblichen oder tatsächlichen "Development"-Stelle der Firma Windows angerufen. In englischer Sprache (!) erzählt mir jemand von Problemen in meiner Windows-Konfiguration - will mir also etwas vom Pferd erzählen. Denn: Ich habe in meiner gesamten Elektronik genau Null ( 0!! ) Windowsanwendungen. Also laufen diese Anrufe auf irgendeine miese Tour hinaus. Ergo: Sogleich auflegen.


25.11.2018

Man kann die abendländischen Feste und Feiertage des Winterhalbjahres fast alle AUCH auf Traditionslinien   zurückführen, deren Urspünge weit vor der Christianisierung liegen. Danach würde sich der Festtagskalender für diese Jahreshälfte etwa so lesen:
Erntedank >Rübengeistern, Traulichtern, Samhain, Halloween (= Allerheiligen) > Rauhnächte, Mittwinter, längste Nacht (= Weihnachten) > Winteraustreibung, letzter Schmaus (Karneval) > Frühlings- und Fruchtbarkeitfest (Ostern).  Meine  Monatskolumne "Quergedanken" wirft mal einen launigen Blick auf die alten Bräuche und darauf, wie es um sie heute steht, seien sie christlichen oder vorchristlichen Ursprungs.

Quergedanken 166: Brauchtumspflege im Schlamassel
(freier Lesetext)


24.11.2018

Allfällige Verspätungen, desolate Zustände, Chaos beim größten Transportunternehmen Mitteleuropas, der Deutschen Bahn. Unser Eisenbahnsystem ist so störanfällig wie in keiner Generation zuvor, die Fahrpläne sind so unzuverlässig wie nie. Und jetzt die Kapitulation der Bahnmanager: Sie kriegen den für 2018 versprochenen Abbau der 30-prozentigen Verspätungsrate nicht hin.

Mein Kommentar zur Lage bei der Deutschen Bahn
1900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


23.11.2018

Eine Stunde nur dauert die jüngste Tanzproduktion am Staatstheater Mainz. Aber es ist eine beglückende Stunde. „Nothing“ nennt sich die vom israelischen Choreografen Roy Assaf mit der tanzmainz-Compagnie kreierte Arbeit. Doch die ist alles andere als ein Nichts. Sie steckt voller Witz, Sinnlichkeit, Lebensfreude sowie tänzerischer Leistungen auf sehr hohem Niveau. Sieben Frauen und sieben Männer in Badeanzügen und -hosen tanzen, plappern, singen eine sprühende Dichte von Bildern, Szenen, Sequenzen über Menschliches und Allzumenschliches.

Meine Besprechung der Uraufführung
3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent

 


21.11.2018

Autsch'n! Sapperlott, da kriegst du doch die Motten! Es haben sich zwischen die Ofenscheite in meinem Holzlager etliche Wespen vor dem Winter zurückgezogen. Die sind zwar völlig erstarrt und teils auch schon mausetot - aber stechen tun sie noch immer.


20.11.2018

Gestern (Mo) schöne, interessante, gut besuchte Veranstaltung "200 Jahre Marx und Raiffeisen. Große Ideen für die kleinen Leute" in Weyerbusch/WW erlebt. Sehr aufmerksames Publikum beim Kooperationsabend von DGB und Friedrich-Ebert-Stiftung. Mein Vortrag über Gemeinsamkeiten und Gegensätze zwischen dem revolutionären Kapitalismusanalytiker aus Trier und dem christlichen Genossenschaftspionier aus dem Westerwald bekam ordentlich Beifall und ich nachher allerhand persönlichen Zuspruch.

Ich werde 2019 wohl noch mehrmals bei anderen Veranstaltern zu diesem Thema sprechen. Ein Vortragsabend steht bereits fest: 21. Februar Altenkirchen/Haus Felsenkeller. Im Gespräch, aber noch nicht festgezurrt, sind Vorträge in Koblenz (Landesmuseum Festung Ehrenbreitstein) sowie in Trier. Falls irgendwo mich noch jemand für dieses Thema 2019 engagieren möchte: Bitte bald bei mir melden, auf dass wir Termin und Honorar aushandeln können.


19.11.2018

Manchmal ist das Netz doch ein seltsamer Raum. Seit etwa drei Monaten erzielt auf meiner eigenen Website ein bereits 2016 dort publiziertes Manuskript eines meiner Vorträge tagtäglich die höchste Zugriffsquote. Thema: "Völkerwanderungen - Migration als historischer Normalfall". Was mich irritiert: Gute zwei Jahre lang wurde der ziemlich lange Text nur ganz vereinzelt aufgerufen, plötzlich aber greifen pro Tag Dutzende Leute zu.

Wen das Thema interessiert:
Hier geht es zu diesem Vortrag = freier Lesetext.


17.11.2018

In jüngeren Jahren und heuer ganz besonders sind unglaublich häufig die herrlichsten Abend- und Morgeneröte zu beobachten. Durchs Netz strömt eine Flut von Fotos dieses wunderbaren Naturschauspiels. So schön das auch ausschaut, in der derzeitigen Fülle und Intensität sind die glühenden Himmel eher kein so gutes Zeichen. Weil: Sie zeugen auch von sehr viel Schmutzpartikeln in der Atmosphäre.


13.11.2018

Man muss aufpassen wie ein Schießhund. Diese Woche im Bioladen: Ich wollte mein seit vielen Jahren benutztes Brennessel-Shampoo von Logona kaufen. Gab's nicht mehr. Als ich zu Grummeln begann, setzte mich die Ladnerin über folgenden Umstand in Kenntnis: Die Naturkosmetikfirma Logona sei von Nestlé aufgekauft worden. Weshalb nun sie, die Ladnerin, Logona aus ihrem Sortiment genommen habe. Lob und Dank dieser Frau, denn mit den Gaunern von Nestlé will ich nichts zu schaffen haben, egal was sie verkaufen. Problem allerdings: Ich muss mir ein neues Shampoo suchen. Nun gut, bis ich was gefunden habe, muss halt meine Olivenseife auch für die Haare herhalten.

***

Doch ja, ich bin beunruhigt. Denn ein solches Trockenextrem ist mir hierzulande in 63 Lebensjahren noch nicht begegnet: Seit rund acht Monaten ist für die Landschaft rings um mein Wohndorf im Unterwesterwald kein nennenswertes Regenereignis mehr zu verzeichnen. Wenn es mal "geregnet" hat, erschöpfte sich das in wenigen Minuten Geniesel und Getropfe. Eine der sichtbarsten Folgen: Viele der hiesigen Nadelbaumbestände sind seit Spätsommer großflächig rostbraun geworden = vertrocknet, vom Borkenkäfer zerfressen, kaputt.


12.11.2018

Bei der hier avisierten Veranstaltung habe ich die Ehre, den Hauptvortrag zur halten.  Titel des Referats: "200 Jahre Raiffeisen und Marx: Was verbindet die beiden, was sind die Gegensätze. Ein philosophisch-politischer Diskurs."
Infos zu weiteren Programmpunkten, Beteiligten Ort, und Ablauf finden sich hier >>

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Tschechischer Abend beim Musik-Institut Koblenz. Das 3. Anrechtskonzert führte jetzt drei Komponisten aus dem alten Kulturland am Übergang von West- zu Osteuropa zusammen. Alle drei sind sie im 19. Jahrhundert geboren und erlebten den Anfang oder die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts noch. Das Konzertprogramm präsentiert Leos Janacek, Bohuslav Martinu und Antonin Dvorak mit nicht alle Tage zu hörenden Werken – die aber per se und erst recht so, wie hier vom Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter Garry Walker gespielt, richtig Freude machen. Gastsolist war der britische Cellist Guy Johnston.

Meine Konzertbesprechung
3700 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


10.11.2018

The European Balcony Project

Am heutigen 10. November wird aus Anlass des 100. Jahrestags der Beendigung des Ersten Weltkrieges und der Ausrufung mehrerer Republiken zeitgleich um 16 Uhr „von Balkonen in ganz Europa” ein „BürgerInnen-Manifest für die Europäische Republik” verlesen werden. Den Text haben die deutsche Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot und der österreichische Schriftsteller Robert Menasse unter Mitarbeit des Schweizer Regisseurs Milo Rau verfasst.

Die Aktion zB in KOBLENZ mit Django Reinhardt: Rathausbalkon, Willi-Hörter-Platz (Schängelbrunnen). In MAINZ: Balkon Staatstheater. Wie gesagt: 16 Uhr.


09.11.2018

Es mag drei Jahre her sein. Als ich eines Tages aus dem Wald zurückkam, fragte mich das auf der Gass' spielende kleine Nachbarsmädchen: "Hat du Schwildewein sehn?" Seither gibt es in meinem Revier sowie Waldschraten-Wortschatz die Spezies mit der reizenden Bezeichnung Schwildewein. Wie ich jetzt darauf komme? Nun, heute in dämmriger Früh bin ich draußen drei jugendlichen Vertretern dieser Art begegnet. Als sie meiner gewahr wurden, stoben sie erschrocken in wilder Hatz von hinnen. Im selben Schreckmoment entfleuchte mir der Spontanausruf: "Sakra, Schwildewein!"


08.11.2018

Ein bisschen Werbung in eigener Sache:
Den Freunden klassischer Musik und/oder lokaler  Musikgeschichte in Koblenz sei noch einmal mein im September erschienenes Buch "Aus Liebe zur Musik - Das Musik-Institut Koblenz im Lauf der Zeiten 1808 bis 2018" ans Herz gelegt. Inhaltlich - wie ich als Autor selbstredend finde - hochinteressiert, eignet es sich wegen seiner hochwertigen Aufmachung auch ausgezeichnet als Weihnachtsgeschenk (Hardcover im Schuber, Format 30 x 22 cm, 225 Seiten, reich bebildert, 25 Euro).  Den Buchhandelsvertrieb hat das Musik-Institut der örtlichen Buchhandlung Reuffel übertragen, über deren Internetshop  (www.reuffel.de) es auch von auswärts zu beziehen ist. Auch bei jedem Anrechtskonzert des Musik-Instituts (zB am morgigen Freitag, 9.11.) wird das Buch im Foyer der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle angeboten.

Leseprobe: Das Vorwort (hier)


07.11.2018

Für mich die interessantesten, auch erfreulichsten Faktoren bei den US-Zwischenwahlen: a) "Durchregieren" ist für Trump nicht mehr möglich wg. jetzt Repräsentantenmehrheit gegen ihn. b) Bei den Senatswahlen haben 44 Millionen für die Demokraten gestimmt, 33 Millionen für die Republikaner. Das macht Hoffnung - auch wenn Letztere dort dennoch zwei Sitze hinzugewonnen haben, was einer verzerrenden Eigenheit des US-Wahlrechts geschuldet ist. c) Noch mehr Hoffnung macht die Analyse des Stimmverhaltens nach Altersgruppen > 18- bis 24-Jährige = 68 % für die Demokraten; 25 bis 29 = 66 %, 30 bis 39 = 59 %, 40 bis 49 = 52 %. Erst in den Alterklassen ab 50 liegen die Republikaner vorn.

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Der rheinland-pfälzische Kultursommer 2018 ist vorbei, die Vorbereitungen für den 2019er laufen. Das wird dann der 28. Jahrgang einer landeskulturellen Unternehmung sein, die noch unter Ministerpräsident Rudolf Scharping ins Leben gerufen wurde. Als einer ihrer zentralen Zwecke gilt seit jeher: Im Flächenland Rheinland-Pfalz die Versorgung des ländlichen Raumes und der kleinen Städte mit Kunst und Kultur zu stärken. Nun aber tritt ein Problem zutage: Ein beträchtlicher Teil derer, die seit vielen Jahren vor Ort zentrale Stützen des Kulturgeschehens sind, kommen ins Rentenalter. Zugespitzt formuliert: Dem Kultursommer droht eine ganze Generation erfahrener Partner wegzubrechen.

Meine Betrachtung zu dieser Problemlage
4500 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


06.11.2018

Manchmal wundert es mich wirklich, dass sich auf unseren Hauptverkehrsstraßen und Autobahnen überhaupt noch was bewegt. Mittlerweile ist die Automobildichte derart hoch, das schon kleinste Unregelmäßigkeiten im Verkehrsfluss binnen Minuten zu beträchtlichen Stauphänomenen führen. Und ein nur mittelprächtiger Unfall auf einer Hauptader kann - wie heute vormittag in Mainz erlebt - den Verkehr einer ganzen Großstadt oder Region schier zum Erliegen bringen. Denkt man sich nun dazu, dass in Millionen Autos Millionen ganz verschiedener Individuen mit unterschiedlichen Fahrstilen, Verhaltensweisen, Fähigkeiten hinter dem Steuer sitzen und jedes jeden Moment unzählige bewusste und noch mehr unbewusste Einschätzungen, Entscheidungen, Handlungen vornehmen muss - ja dann kommt mir fließender Massenverkehr als Kollektivleistung fast wie ein Wunder vor.


05.11.2018

Das nun die zweite Spielzeit unter Leitung von Anselm Weber stehende Schauspiel Frankfurt hatte beim Autorenduo Lutz Hübner/Sarah Nemitz ein Stück in Auftrag gegeben. Brandheißes Thema: Was lässt unsere Gesellschaft auseinanderbrechen und macht die Populisten stark? Das Ergebnis heißt „Furor“ und stellte sich jetzt bei der Uraufführung als beklemmendes wie interessantes Kammerspiel vor, bei dem die Verfasser und der inszenierende Intendant einen Politiker, eine Krankenpflegerin und einen Paketboten in furios eskalierende Konfrontation treiben.

Meine Premierenkritik
4200 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


02.11.2018

Bisweilen schreibt der Zufall die besten Geschichten. Just als im Landesmuseum Mainz das Nachdenken begann, wie der Wahlpfälzer Max Slevogt anlässlich seines 150. Geburtstages 2018 gewürdigt werden könne, sprach ein Privatmann vor. Sein Ansinnen: Man möge ein Gemälde aus seinem Besitz prüfen, das von Max Slevogt signiert sei. Echtheitsprüfung und Herkunftsrecherche ergaben eine kleine Sensation und führten zum Einstieg in eine Arbeit, aus der die jetzt in Mainz laufende hoch spannende Ausstellung „Ein Tag am Meer – Slevogt, Liebermann & Cassirer“ hervorgegangen ist.

Meine Ausstellungsbesprechung
4250 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent

31.10.2018

Gestern wurde ich in kleiner Plauderrunde gefragt: Glaubst du, es ist absehbar ein Maximum für den Stimmzuswachs der AfD erreicht, und wenn ja, wie hoch könnte das liegen? Meine Antwort: bei rund einem Fünftel der Wahlbeteiligten, also 20 % plus/minus 1 bis 2 %, bundesweit. Interessant die gegensätzlichen Reaktionen darauf: "So viel!?", entsetzt sich einer; "nicht mehr?" zweifelt ein anderer. Jeder wollte dann wissen, wie ich auf diese Zahleneinschätzung komme. Antwort meinerseits:

Das Fünftel setzt sich zusammen aus a) dem seit Jahrzehnten in soziologischen Untersuchungen immer wieder bestätigten latenten Potenzial rechtsradikaler Weltbilder und Denkmuster in der deutschen Bevölkerung, die jüngst an die Oberfläche drängen. Sowie b) aus jenen "Protestwählern", deren Bindung an Freiheitlichkeit und Humanismus labil genug ist, dass sie es über sich bringen, im Zorn über oder Angst vor dies und jenem ihre Stimme der autoritären, nationalistischen und antihumanistischen Rückschrittspartei zu geben.

Zudem gibt es erste Anzeichen dafür, dass die AfD zumindest in den West-Bundesländern dieses potenzielle Wähler-Rerservoir nahezu ausgeschöpft haben könnte. Bei den Wahlen in Bayern und Hessen konnten die Rechtsradikalen keine nennenswerten Stimmzuwächse mehr gegenüber der Bundestagswahl verzeichnen - trotz zahlloser Steilvorlagen durch den Groko-Kladderadatsch.


29.10.2018

Interessant, lehrreich und zugleich reich an musikalischem Genuss: Was im klassischen Konzertbetrieb durchaus nicht immer harmonisch zusammenkommt, darf das zweite Anrechtskonzert beim Musik-Institut Koblenz für sich in Anspruch nehmen. Werke von Debussy, Chopin und Strawinsky wurden vom Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter Garry Walker in der prall gefüllten Rhein-Mosel-Halle gespielt. Doch trotz der Komponisten Berühmtheit und ihrer etliche Generationen überspannenden Präsenz im Repertoire, sind zwei der drei Nummern hierorts live wohl noch nie gehörte Raritäten.

Meine Konzertbesprechung
(3700 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


28.10.2018

So, die Entscheidung ist gefallen: Mein traditionelles Neujahrsessay für die Rhein-Zeitung wird sich diesmal mit dem Thema "Heimat" befassen. Drei Arbeitstitel habe ich mir dafür verpasst: a) Was ist Heimat?; b) das Bedürfnis nach Geborgenheit; c) Die ewige Sehnsucht nach Arkadien. Eine erste schnell Umschau in jüngeren Einlassungen zum Themenfeld ergab: 1. Es gibt keine allgemeingültige Definition von Heimat. 2. Es gibt keinen wirklich vernünftigen Grund, den Begriff dem Konservatismus oder gar Rechtsradikalismus zu überlassen. 3. Heimat war/ist objektiv und subjektiv ein sich fortwährend wandelndes Phänomen.


27.10.2018

Beim entspannten Samstagsfrühstück geht mir unversehens dies durch den Kopf: Bisweilen ist es hilfreich und erhellend, mal ein paar Jährchen über die eigene Lebensspanne und die eigenen Lebensumstände, -gewohnheiten, -zwänge hinaus zu denken. Etwa in der Frage der E-Automobilität. Eigentlich weiß es jeder: Mittelfristig wird sie kommen, als Antriebsart den Straßenverkehr dominieren. Doch sobald ich daran denke, dass die Erdbevölkerung noch vor der Jahrhunderthälfte wohl die 9-Milliarden-Marke überschreiten wird und der derzeitige Entwicklungsmainstream allüberall in Richtung einer Automobilisierungsrate wie hierzulande tendiert, gelange ich zu dem Schluss: Die E-Automobilität ist keine geniale Zukunftstechnologie, sondern kann nur, als kleineres Übel, eine Übergangstechnik sein. Denn die kaum vorstellbare Größenordnung von 4 bis 5 Milliarden Autos weltweit würde - selbst wenn man alle dafür benötigte Energie ökologisch erzeugte - die Kapazitäten des Planeten auf diversen Ressourcefeldern einfach sprengen. Ergo: Das Individualautomobil als vorherrschendes Transportmittel bleibt so oder so eine entwicklungsgeschichtliche Sackgasse. Je früher man den Abschied davon ins Auge fasst und Alternativen entwickelt, umso gescheiter.


26.10.2018

*grübel* Genau besehen, steckt ein Großteil der Tourismuswirtschaft doch zusehends in einem argen Dilemma. Vor allem jener Teil, der sich auf Naturerlebnis, Ruhe, Wandern kapriziert. Ein USA-Reisender erzählte neulich von vermeintlich "einsamer Betrachtung des Sternenhimmels über der Wüste" - inmitten hunderter Gleichgesinnter, die um Abstellplätze für ihre Autos und gute Fotografierpositionen rangelten. Selbst habe ich etwa auf mittelrheinischen Wanderpfaden schon vermeintlich "besinnliche" Touren erlebt, die eher an Volkswanderungen erinnerten. Und auf so mancher alpenländischen Almhütte herrscht ein Betrieb wie in der Großstadt. Nun ist aber erklärtes Ziel fast aller Tourismusplaner/-wirtschaftler: Besucherzahlen steigern. Und das just zu einer Zeit, da immer mehr Leute Ruhe und ein Abseits vom Massengetriebe suchen. Die Katz beißt sich in den Schwanz.


25.10.2018

"Der Zusammenhang ist logischer als das Amen in der Kirche: Da unsere Lebenswelt durchdrungen ist von Plastikprodukten, landen deren Abrieb- und Zerfallspartikel auch im menschlichen Körper. Wie österreichische Forscher aktuell nachweisen, geschieht das nicht irgendwann, sondern eben jetzt weltweit. (...)"
So beginnt mein heutiger Kommentar auf Seite 2 der Rhein-Zeitung zur globalen Plastikkrise und Mikroplastik im menschlichen Körper.

Ganzen Artikel lesen hier
2100 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


24.10.2018

So richtig herbstkühl ist es zumindest am Mittelrhein ja noch nicht, gleichwohl soll es in der nächsten Woche schon wieder wärmer werden. Sagen die berufsmäßigen Wetterauguren. Der vielfache Rekordsommer 2018 ist allerdings vorbei. Weshalb in meiner jetzigen Monatskolumne "Quergedanken" eine Bilanz gezogen wird - die unmittelbar übergeht  zur dieser Tage ringsumher eifrig erörterten Frage: Wie wird wohl der Winter? Freund Walter hat gegen diesbezüglich unergiebige Spekulationen einen sehr lebenspraktischen Tipp.

Monatskolumne "Quergedanken" Nr. 165
freier Lesetext


23.10.2018

Das spanische Stück von anno 1635 wird auf deutschen Bühnen nicht gar so häufig gespielt. Pedro Calderón de la Barcas „Das Leben ein Traum“ kann als Drama mit ausschweifenden Monologen in komplexer Versform zum langen und anstrengenden Abend werden. Am Staatstheater Mainz ist nun eine nur 105-minütige, kurzweilige Fassung zu sehen. Geschrieben und inszeniert hat sie der dortige Schauspieldirektor K. D. Schmidt.
Meine Premierenkritik 
(3400 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)

 


15.10.2018

Doch ja, ich habe die bayerischen Wahlergebnisse mit großem Interesse verfolgt. Da sie aber in der Tendenz seit längerem absehbar waren, überraschte und bewegte mich an diesem Wochenende ein anderes Ereignis wesentlich mehr: 40 000 Leute hatte man zur Demo  "#Unteilbar" in Berlin erwartet, weit über 200 000 sind gekommen.  Es ist gut, zu sehen, dass  Zug um Zug der liberale, weltoffene, humanistische Teil der Zivilgesellschaft sich aus seiner Schockstarre gegenüber dem vermeintlich unaufhaltsamen Roll-Back rechtsreaktionärer Tendenzen befreit. Nach der Devise, die ein "Zeit"-Kommentar heute ausgibt: "Es ist Zeit sich zu wehren. Wenn Hass um sich greift, müssen Demokraten auf die Straße."


03.10.2018

Das Stück ist 2476 Jahre alt und doch bis heute eine Säule des Welttheaters. Aischylos hatte „Die Orestie“ als Dreiteiler verfasst. Am Godesberger Schauspielhaus des Theaters Bonn sind davon jetzt nur zwei geblieben. In der interessanten Bearbeitung von Regisseur Marco Storman und Dramaturgin Male Günther fehlt die finale Gerichtsverhandlung zu Athen. Stattdessen flaniert die feine Gesellschaft umeinander, bestimmen heutige Fürsten aus Business und Politik das Zusammenleben nach ihrem Interesse - und schließt der Abend mit der Frage: "Endet er nie, der Fluch".

Meine Premierenkritik
(3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


01.10.2018

Bei einer Archivrecherche stieß ich zufällig auf eine Analyse, von mir geschrieben vor genau zehn Jahren zum Ergebnis der damaligen Bayernwahl. Im Vorspann hieß es: "Die Erosion der beiden Volksparteien schreitet voran. Was die Frage aufwirft, ob Union und SPD nur vorübergehend etwas indisponiert sind, oder ob die politischen Großtanker sich vielleicht überlebt haben." Es gibt in diesem Text eine Sache, bei der ich mich prognostisch geirrt habe: Ich erkannte zwar den Leerraum, der beim In-die-Mitte-rücken rechts von der Union entsteht, erwartete aber die Herausbildung einer neuen rechtsbürgerlich-konservativen Partei. Dass sich der Rechtsradikalismus dort einnisten würde, schien mir undenkbar.

Hier der alte Artikel in Gänze (freier Lesetext)
2008-09-30 Analyse:
Nach der Bayernwahl: Sind die großen Volksparteien ein Auslaufmodell?

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Das ist doch mal eine prima Idee: Der Umweltbeauftrage des Städtchens Ransbach-Baumbach (WW) hat eine, sagen wir: Wanderkelterei herbeiorganisiert. Im Gemeindeblättchen war der 1.10. als Keltertag am kommunalen Grünschnittplatz angekündigt worden. Nach telefonischer Voranmeldung konnten die Bürger heute ihre gesammelten Fallobstäpfel anliefern, aus denen dann sofort Saft gepresst und in 5-Liter-Tütenkartons abgefüllt wurde. 1 Euro pro Liter Saft ( zwei Jahre haltbar) aus eigenen Früchten kostete einen die Operation. Erfreuliches Ergebnis: Bei mir im Keller liegt nun der Apfelsaftvorrat für ein ganzes Jahr - hergestellt aus Fallobst, das nicht mehr unterm Baum verfault.

30.09.2018

Er bleibt. Weitere fünf Jahre. Günter Müller-Rogalla, Intendant des Staatsorchesters Rheinische Philharmonie in Koblenz. Im Juni 2018 war vermeldet worden, er und das Land Rheinland-Pfalz haben sich auf eine Verlängerung seines Vertrages bis ins Jahr 2024 geeinigt. Dann wäre der gebürtige Idar-Obersteiner 62 Jahre alt und hätte in zehn dieser Lebensjahre die Geschicke des Orchesters in Koblenz an maßgeblicher Stelle mitgeprägt. Vier sind bereits vorüber, als wir uns unlängst, kurz vor Start der Spielzeit 2018/19, im Görreshaus zum Gespräch trafen über „Wie war‘s, wie ist‘s, was wird?“.

Mein Artikel "Wie war's, wie ist's, was wird?"


27.09.2018

Die erste Tanzproduktion der neuen Spielzeit am Staatstheater Mainz besteht aus zwei schier gegensätzlichen Stücken. Da kommt „Im Orbit“ zur Uraufführung, eine kleine, kurze, leise, zarte Arbeit der britisch-zypriotischen Düsseldorferin Alexandra Waierstall. Darauf folgt die Wiederaufführung der furiosen großen Tempochoreografie „Fall Seven Times“, die das libanesisch-spanische Choreografenpaar Guy Nader und Maria Campos 2016 für Mainz kreiert hatte und die 2017 mit dem Theaterpreis „Faust“ ausgezeichnet wurde.So unterschiedlich die beiden Teile sind, ist ihnen doch eines gemeinsam: Unisex – Tänzerinnen und Tänzer werden nicht mehr nach Rolle, Funktion, Bewegungsrepertoire, Kostüm geschlechtlich unterschieden.

Meine Besprechung
(3400 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


26.09.2018

Artikel in der Rhein-Zeitung auf Basis eines Gesprächs mit mir über mein Buch zur Geschichte des Koblenzer Musik-Instituts. Das Foto entstand beim Signieren der ersten verkauften Exemplare am Rande des MI-Konzertes am vergangenen Freitag. Der RZ-Beitrag beginnt wie folgt:

Andreas Pecht, Lesern dieser Zeitung als langjähriger Kulturredakteur, dann als Autor bestens bekannt, erinnert sich gut an das Wechselbad der Gefühle, als er erstmals auf ein mögliches Buchprojekt zum Musik-Institut angesprochen wurde: „Zunächst erschrickt man natürlich, wenn man an den großen Zeitraum von 210 Jahren denkt, den es zusammenzufassen gilt“, räumt er ein. (...)

Seit 210 Jahren aus Liebe zur Musik. Andreas Pecht stellt die Geschichte des Musik-Instituts Koblenz vor
(4300 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


25.09.2018

Es wird wieder Zeit für meine Monatskolumne "Quergedanken". Man hätte in der Folge 164 den verklingenden Rekordsommer thematisieren können oder die derzeit teils irrwitzigen Verrenkungen auf dem Politparkett. Aber dazu haben ja schon alle alles und noch viel mehr gesagt. Weshalb ich mich lieber den kleinen Fragen mit ihrem fürs Individuum so großen Gewicht im immer schneller werdenden alltäglichen Lebens zuwende - nebst der Sorge meines Freundes Walter, die für Oktober am Theater Bonn angekündigte Uraufführung eines Stückes mit Titel "Wer ist Walter?" könne sein Inkognito gefährden. Und hinter all dem steckt ein Gedanke, der in der Überschrift schon anklingt

Quergedanken Nr. 164: Leute, gebt acht auf euch


23.09.2018

Gebt Obacht, wenn ihr jetzt mit dem Auto unterwegs seid, vor allem in der Dunkelheit. Der erste Regen seit vielen Wochen hat eine mächtige Krötenwanderung ausgelöst. Bei der Heimfahrt gestern Abend ging's für mich streckenweise nur noch in Slalomschleichfahrt weiter. Das ist das wenigste, was man tun kann/sollte, um den eigenen Beitrag zum sichtlichen Krötenmassaker so klein wie irgend möglich zu halten.


21.09.2018

Freude, Spannung. Jetzt endlich geht das Ergebnis einer Arbeit an die interessierte Öffentlichkeit, die mich mehr als drei Jahre neben dem normalen Journalistengeschäft auf Trab hielt. Am heutigen Abend beim ersten Saisonkonzert 18/19 des Musik-Instituts Koblenz: Erstverkauf meines Buches "Aus Liebe zur Musik. Das Musik-Institut Koblenz im Lauf der Zeiten 1808 bis 2018" (Hardcover, 200 S., 25 Euro). Morgen (Sa, 22.09.) beginnt dann der Buchhandelsvertrieb über die Niederlassungen und den online-shop der Koblenzer Buchhandlung Reuffel.  > Zur Reuffel-Site

Ich selbst bin gespannt wie ein Flitzebogen. Denn ich kenne zwar das elektronische Buch-Layout, bekomme das fertige Druckwerk aber auch erst am Abend in die Hand. Zur Orientierung und als Appetitmacher für die potenzielle Leserschaft möge hier vorab das Buchvorwort dienen (freier Lesetext).

Vorwort meines heute erscheinenden Buches über die 210-jährige Geschichte des Musik-Instituts Koblenz


20.09.2018

Doch ja, ich begreife durchaus die Aufregung und Empörung zur causa Maaßen. Der Vorgang ist in der Tat unsäglich. Also muss ich mich nun fragen, weshalb er bei mir nur ein sehr, sehr müdes Achselzucken auslöst, begleitet von einem kleinen Moment des Staunens. Ergebnis der Selbstbefragung: Wahrscheinlich, weil ich in mehreren Jahrzehnten der Politikbeobachtung hunderte ähnlicher Vorgänge auf allen denkbaren Politebenen hierzulande und anderwärts erlebt habe - und deshalb im Falle Maaßen von Anfang an mit einer Lösung in Richtung "lukrativen Weglobens" rechnete. Das kleine Staunen gilt diesmal dem Ausmaß der Unverfrorenheit Seehofers, dem Ausmaß des Merkel'schen Phlegmas sowie dem Ausmaß des taktischen Dilettantismus' und der politischen Haltlosigkeit auf Seiten der SPD-Führung.


19.09.2018

Unterwesterwald, Sommer 2018, nach fast vier Monaten Trockenzeit. Bild oben: meine "Blumenwiese" hinterm Haus. Bild unten: die Pferdeweide nebenan.


17.09.2018

Als im vergangenen Jahr Frankfurt die Spielzeit mit Jan Bosses Inszenierung von „Richard III.“ inmitten der zur Arena umgestalteten Riesenhalle des dortigen Schauspielhauses eröffnete, war das ein weithin wahrgenommener Paukenschlag. Im Staatstheater Wiesbaden geht man das Werk über den mörderischen Thron-Usurpator jetzt bescheidener an: Für die Bühne des Kleinen Hauses hat Ingo Kerkhof Shakespeares Drama fast auf Kammerspieldimension reduziert. Doch die kleine Form braucht hier sehr lange, bis sie ihre Reize ausspielen kann: Erst nach der Pause wird das Trömmelchen richtig gerührt.

Meine Kritik der Wiesbadener Premiere
(3900 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


14.09.2018

Es gibt seit vielen Jahren ein untrügliches Warnzeichen, wenn ich mal wieder dabei bin, abzurutschen in eine ungute Phase der Überarbeitung, des Genervtseins, des Zuvielwollens, des Mangels an Ruhe: Statt nach der ersten dreiviertel Stunde morgendlichen Waldmarsches im Zustand der Stille angekommen zu sein, wälzt das Hirn unaufhörlich berufliche und/oder bedrückende Fragen, kreist um Artikel- und Vortragsprojekte, formuliert Sätze, ja ganze Textabschnitte, sorgt sich um den Weltengang. Dann wird's Zeit, die Bremse zu ziehen.


11.09.2018

Weil ich wegen der kulturellen Terminlage derzeit die Wochenenden durcharbeiten muss, liegen die freien Tage eben mitten in der Woche. Sie ganz wegfallen zu lassen, wie früher oft geschehen, kann und mag ich nicht mehr dulden. Heute also den Tag begonnen, wie ich es liebe: mit behaglichem Frühstück und hernach einem ausgedehnten Waldmarsch. Dabei kam mir eine wahrscheinlich ziemlich alte und eigentlich banale Weisheit in den Sinn, die in der heutigen Gesellschaft indes kaum mehr eine Rolle spielt: Das Leben wird nicht erfüllter, wenn du möglichst viele Erlebnisse hineinstopfst - es wird nur voller.


10.09.2018

Wie die „Kostprobe“ jeweils zum Saisonbeginn am Theater Koblenz eine mehr als 30-jährige Tradition hat, so hat dies auch das Witzeln, wie lange der Abend wohl dauern wird. Wetten werden abgeschlossen. Wer „unter drei Stunden“ tippt, hat noch immer verloren. Gleichwohl war und ist das Haus zu diesem Anlass sehr gut gefüllt. Denn serviert werden da in dichter Folge leckere Häppchen unterschiedlichster Art aus den Produktionen der anhebenden Spielzeit.

Mein Bericht über die diesjährige "Kostprobe"
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07.09.2018

Langsam wird mir die Sache unheimlich. Wie sämtliche in den vergangenen Wochen als gewitter- und/oder regenträchtig angekündigten Tiefdruckgebiete, so zog auch das gestrige wieder achtlos über unser Dorf und seine Umgebung hinweg. Nur ein paar wirkungslose Tröpfchen hat es sich abgerungen. Bald vier Monate währt die Trockenzeit hierorts nun schon. Ach, ihr Götter, was habe ausgerechnet ich verbrochen, dass ihr die Meinen am langen Arm verdorren lasst?


06.09.2018

Inzwischen bin ich - aus vermehrt eigener Erfahrung - überzeugt, dass die Natur mit einer gewissen, sich in zunehmendem Alter verstärkenden Art der Vergesslichkeit zwei genau erwogene Zwecke verfolgt: a) Das ständige Suchen nach Schlüssel, Brille, Geldbeutel und anderen Utensilien verschafft dem betroffenen Akteur ein Grundmaß an körperlicher Bewegung; b) es stärkt ihm/ihr die Vertrautheit mit dem nahen Lebensraum. Beispiel: Die Suche nach meiner unlängst verschwundenen Sonnenbrille nötigt mir anhaltend Hunderte von Gehschritten, Bück- und Streckübungen ab, obendrein entdecke ich längst vergessene Ecken im Haus wieder. Ergo: Allzu viel Ordnungsdisziplin ist kontraproduktiv.


04.09.2018

Die erfreulichste Nachricht heute in der Frühstückszeitung: Statt der erwarteten 20 000 bis 30 000 haben 65 000 plus X Menschen an der Konzertkundgebung "#Wir sind mehr - Aufstehen gegen rechte Hetze" in Chemnitz teilgenommen. Das ist ein schönes Signal ins Land, dass die rechtsradikale Bewegung nicht DAS Volk vertritt. Eine der traurigsten Nachrichten dieses Morgens ist für mich: Das brasilianische Nationalmuseum in Rio de Janeiro ist mitsamt dem Gros seiner Bestände Opfer eines Großbrandes geworden. Die Institution war eines der wichtigsten kulturgeschichtlichen Archive, Dokumentations-, Ausstellungs-, Forschungs- und Bildungszentren Lateinamerikas - und wurde in den vergangenen Jahren von gravierenden Sparmaßnahmen gebeutelt, die auch dringende bauliche Sanierungsmaßnahmen betrafen.


03.09.2018

Wie jüngst das Staatstheater Mainz (s.u.), so startete jetzt auch das Theater Koblenz mit einem scharfen politischen Statement in die neue Spielzeit. Die Mainzer wählten für ihre dringliche Warnung vor fortschreitender Zersetzung von Demokratie und Humanismus den Interimsplenarsaal des Landtages und brachten dort Björn Bickers „Das letzte Parlament“ zur Uraufführung. Koblenz ging am Wochenende mit gleicher Absicht einen anderen Weg: Es lud das Deutsche Theater Berlin ein, an zwei Abenden seine Produktion „It Can‘t Happen Here“ zu spielen - über die Machtergreifung Rechtsradikaler via Wahlmehrheit.

Mein Artikel zum Berliner Gastspiel in Koblenz
(4400 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


31.08.2018

Dieses Schauspiel stürzt den Zuseher, zumal den überzeugten Demokraten, in tiefe Nachdenklichkeit. Das Staatstheater Mainz hat für die Uraufführung von Björn Bickers Stück „Das letzte Parlament (Ghost Story)“ einen ungewöhnlichen Spielort gewählt: den realen Plenarsaal des rheinland-pfälzischen Landtages, derzeit wegen Sanierung des Stammhauses untergebracht im Mainzer Landesmuseum. Dort sitzt nun das Theaterpublikum auf Abgeordnetenplätzen und Tribüne – erlebt 90 Minuten schieren Abgesangs auf den heutigen Parlamentarismus.

Meine Premierenkritik hier
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


30.08.2018

Wieder mal grüble ich über ein seltsames Phänomen: Warum lassen sämtliche Elektronikunternehmen - die sich sonst um jeden noch so kleinen Absatzmarkt das wildeste Hauen und Stechen liefern - eine durchaus gute Geschäfte versprechende Marktnische seit jeher völlig unbeachtet? Ich spreche von dem Bedürfnis nach leicht zu bedienenden, einfachen, funktionell auf EINEN zentralen Anwendungszweck konzentrierten Geräten.

Ich spreche von Telefonen, die nichts anderes können müssen, als Anrufen und Angerufenwerden zu ermöglichen. Von Fernsehern, deren Bestleistung darin besteht, dem Zuseher aktuell laufende Sendungen zugänglich zu machen. Von Waschmaschinen, die man nicht programmieren muss, sondern die waschen, wenn man sie einschaltet. Von Kühlschränken, die nur kühlen, und Musikanlagen, die vor allem umstandslos Tonträger abspielen......

Für solche Geräte würde ich gerne Geld ausgeben. Und da ich so furchtbar einmalig nicht bin, dürfte es etliche hunderttausend Gleichgesinnte geben. Das wäre kein Mainstream-Markt, aber doch eine lukrative Nische. Dass kein Unternehmen sich dafür interessiert, liegt womöglich an den auch privat technikbegeisterten Typen in den Entwicklungs- und Marketingabteilungen. Die können sich gar nicht vorstellen, dass es Menschen geben könnte, die keinen Spaß an tagelangem Konfigurieren und Einrichten haben, denen das permanente Herumjonglieren mit dutzenden oder hunderten Funktionsmöglichkeiten allenfalls Verdruss bereitet.


29.08.2018

Würde man der Logik rechtsradikaler, rassistischer, neonazistischer Hassprediger, Migrantenjäger und ihrer Versteher folgen, so müssten auch alle weißen deutschstämmigen Väter und Onkel eingesperrt, fortgejagt oder totgeschlagen werden. Denn unter ihnen gibt es welche, die Kinder quälen und missbrauchen. Ebenso wäre mit allen weißen, deutschstämmigen Ehemännern zu verfahren, denn etliche von ihnen vergewaltigen ihre Frauen. Nach besagter Logik müssten auch sämtliche weißen, deutschstämmigen Frauen gehetzt werden, da immer wieder manche von ihnen ihre Gatten ermorden oder ihre Babys töten.... Doch glücklicherweise steht die Entvölkerung des Landes nicht zur Debatte. Denn noch gelten die zivilisierten Prinzipien des Rechtsstaates. Und der macht nicht auf ganze Bevölkerungsgruppen Jagd, nur weil einige Einzeltäter aus diesen schwere Verbrechen begehen. Er verfolgt vielmehr den tatsächlichen Verbrecher, ahndet ggf. dessen individuelle Schuld. Und das ist gut so.


27.08.2018

Da wird das Gesicht von Elisabeth I. zur Fratze, und sie kreischt mit sich hysterisch überschlagender Stimme: „Sie ist die Furie meines Lebens. Maria Stuart heißt jedes Unglück, das mich niederschlägt.“ In diesem Moment zeigt die englische Königin im Mainzer Staatstheater jene Züge, die sie ihrer schottischen Kontrahentin anhängt uind unterschreibt deren Todesurteil. Wir sind bei Friedrich Schiller und seinem Trauerspiel „Maria Stuart“, uraufgeführt anno 1800 in Weimar, jetzt neu inszeniert als Eröffnungsstück der Mainzer Spielzeit 2018/19.

Meine Premierenkritik hier
(4500 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


26.08.2018

Im Hang zwischen Bundesstraße und Haupteingang zum Arp Museum Remagen-Rolandseck hat der Gartendesigner Peter Berg einen Felsengarten angelegt. Das Areal ist Teil der jetzt eröffneten neuen Ausstellung unter dem Titel „Im Japanfieber. Von Monet bis Manga“. Die Schau erstreckt sich von der Kunstkammer Rau des Museums im Richard-Meier-Bau bis in die Ausstellungsetage des historischen Bahnhofes – und endet oder beginnt eben in besagtem Garten vor der Tür.

Meine Ausstellungsbesprechung hier
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

 


23.08.2018

In Neuwied haben jetzt die Vorarbeiten für eine  sich über den ganzen September hinziehende Kunstaktion begonnen, die schon von der Anlage her außergewöhnlich ist und Spannendes verspricht. Mit Zustimmung, ja im Auftrag des Pfarrers wird mit St. Matthias die größte katholische Gemeindekirche am Ort für das "Projekt ION" mitsamt Kirchenbänken fast völlig ausgeräumt.  Es entsteht eine  19 000 Quadratmeter großer Leerraum. Der steht drei Wochen lang  sechs Künstlern verschiedener Sparten als - jederzeit auch  für die Öffentlichkeit zugänglicher - Inspirationsort, als Kreativwerkstatt, Bühne und Gestaltungsraum zur freien Verfügung. Kunst und Kirche auf neuen Wegen?! Ich sprach im Vorfeld am Ort des Geschehens mit dem ION-Projektleiter, Kaplan Oliver Seis.

Mein Vorbericht "Neuwieder Gotteshaus wird für einen Monat Kunstraum"


22.08.2018

Mit dem heutigen Druck beginnt die Erscheinensspanne für die Septemberausgabe des mittelrheinischen Monatsmagazins "Kulturinfo". Damit kommt zugleich meine dort seit 2005 regelmäßig auf  Seite 2 platzierte launig-glossierende Kolumne "Quergedanken" in Printform wie elektronisch unters Volk. Wieso Erscheinungsspanne und nicht -tag?  Das könnte der interessierte Leser von auswärts fragen. Weil die Verbreitung dieses ältesten Veranstaltungsmagazins am Mittelrhein sich über mehrere Tage hinzieht. Verleger Günther Schmitz fährt zuerst etliche tausend Exemplare des in einer Gesamtauflage von gut 80 000 erscheinenden Heftes höchstselbst zu Verteil-/Auslagestellen wie Kneipen/Cafés, Geschäften, Kulturinstitutionen, Bildungszentren ... Ende August liegt das Heft dann hiesigen Lokalausgaben der Rhein-Zeitung bei. In den "Quergedanken" geht es diesmal um den Trockensommer 2018.

Quergedanken Nr. 163: Klimawandel? Läuft.


21.08.2018

Stecke im Augenblick bis über beide Ohren in der Vorbereitung für eine mehrstündige Veranstaltung bei den Marienberger Seminaren. Am kommenden Samstag (25.08.) werde ich dort (Bad Marienberg/Westerwald) von 10.30 Uhr bis 16 Uhr über die beiden rheinland-pfälzischen Hauptjubilare 2018 sprechen: den Westerwälder Friedrich Wilhelm Raiffeisen und den Trierer Karl Marx - beide geboren anno 1818, beide - auf ganz verschiedene Weise - von der Sozialen Frage umgetrieben.

Infos zur Veranstaltung und Anmeldung hier


20.08.2018

Es kommt nun an Wegrainen, Waldrändern und auf verbliebenen Streuobstwiesen das alljährliche Trauerspiel wieder zur Aufführung: Tonnenweise verderben gute Früchte, weil sie niemand mehr von den Obstbäumen pflückt. Der Tragödie ersten Teil gaben im Frühsommer die Kirschen. Den zweiten Teil geben dieser Tage Zwetschgen/Pflaumen und Mirabellen. Zum Finale folgt alsbald die Fäulnis von Äpfeln und Birnen.

Also, liebe Naturfreunde, Bio- und Gesundköstler, Resilienzanhänger, Selbstversorgungsträumer und/oder Freunde bodenständiger Traditionen: Gehet hin und erntet! Dann esst, backt Kuchen, friert ein, kocht ein, legt ein, saftet, marmeladisiert. Das bringt eine Menge Lebensfreude. ( Vorweg aber fragt Einheimische, Förster, Gemeinden, wem dieser oder jener Baum gehört. Dann fragt den Besitzer, ob sie die Früchte selbst ernten oder euch überlassen wollen. Viele werden froh sein, wenn "jemand das Zeug abmacht".)


14.08.2018

"Aus Liebe zur Musik. Das Musik-Institut Koblenz im Lauf der Zeiten 1808 bis 2018". Unter diesem Titel wird mein 210-seitiges Buch in der letzten Septemberwoche erscheinen. Habe eben die letzte Kontrolldurchsicht der jüngsten Layout-Fassung abgeschlossen - und mich dabei gewaltig am Riemen reißen müssen, das Paket nicht nochmal aufzuschnüren. Alle Autoren kennen wohl das Phänomen: Am Ende meint man immer, dies, das und jenes doch wieder anders und vermeintlich noch besser machen zu können/müssen. Irgendwann allerdings muss Schluss sein. So jetzt bei mir, denn der Drucktermin drückt.


13.08.2018

Doch ja, es wäre mir lieb, wenn der hierorts seit 20 Minuten niedergehende sanfte Schnürlregen einige Tage andauern würde. Man kann förmlich sehen, wie Garten, Wiesen, Wald das viele Wochen entbehrte Nass einsaugen, gierig saufen.


12.08.2018

Während der Zeitungslektüre beim behaglichen Samstagsfrühstück geht mir dies durch den Kopf: Da lässt jemand eine Kaffeetasse fallen. Bald verbreiten nachbarliche Gerüchtemäuler, dieser Jemand habe die ganze Wohnung verwüstet. Im Volksmund nennt man das: Aus einer Mücke einen Elefanten machen. So ähnlich funktioniert der derzeitige Streit um Kindergeldzahlungen des deutschen Staates an im EU-Ausland lebende Kinder, deren Eltern(teile) hierzulande leben/arbeiten.

Die realen Zahlen sagen: Wir sprechen über 1,6 % (sic!) der 15 Millionen Sprösslinge, für die deutsches Kindergeld gezahlt wird. Die allermeisten dieser 1,6% bekommen es völlig zurecht, denn Vater und/oder Mutter arbeiten in Deutschland, zahlen die hierorts üblichen Sätze an Steuern und Sozialabgaben. Was bleibt tatsächlich übrig an vermeintlichem oder kriminellem Kindergeldmissbrauch - 0,2 oder 0,3 %? Der öffentliche Furor indes klingt danach, als habe man es mit Abermillionen Betrugsfällen zu tun. Aus der Mücke ist eine ganze Elefantenherde (gemacht) geworden, die nun vorgeblich durch Deutschlands Sozialsystem tobe wie durch ein Porzellankaufhaus. Irre!

30.07.2018

Meine Sommerpause geht nun leider zuende. Nachzutragen ist die Monatskolumne "Quergedanken", die zwischenzeitlich als Druckversion bereits auf den Markt kam. Es geht in der Folge 162 ums vermeintlich "heilige Blechle", ums Automobil also. Anlass: Ich selbst brauchte ein neues - und stehe nun schier fassungslos vor dem Phänomen, dass sogar dieser Kleinwagen mit einer Unmenge von technischem Firlefanz überrüstet ist, der letztlich vor allem den Autofahrer vom Straßenverkehr ablenkt.

Quergedanken: "Auch weh, ein neues Auto"

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Mit mehr als 2000 Mitgliedern ist der "Förderverein Kultur im Café Hahn e.V."  eine der größten Vereinigungen dieser Art im nördlichen Rheinland-Pfalz - und kann für das Kulturleben am Mittelrhein einiges Gewicht in die Waagschale werfen. 1993 von sieben Stammgästen des Musik- und Kleinkunstclubs im Koblenzer Stadtteil Güls gegründet, feiert der Verein am 1. September seinen 25. Geburtstag mit einem großen Festival auf der Festung Ehrenbreitstein. Im Vorfeld des Jubiläums plauderte ich mit den beiden Vorsitzenden Saskia Scherhag-König und Frank Tiedemann sowie Geschäftsführer Bertin Hahn über Anfänge, Werden und Sein des Vereins.

25 Jahre Förderverein Kultur im Café Hahn


Hier herrscht nun bis 31.7.2018 Betriebsruhe.
Schöne Sommerwochen seien gewünscht.


25.06.2018

Freude! Letzter Schliff am letzten Artikel, dann Schreibtisch räumen und Maschinen abstellen, schnell das Köfferchen packen - und ab geht's für einige Tage heutige Jugendluft schnuppern: Als einer von etlichen Workshopleitern/innen im Seminarlager mit mehr als 200 FSJ-Jugendlichen im Alter vom 17 bis 25. Da bin ich wohl wieder der Alterspräsident, der sich gleichwohl so jung fühlt wie sonst das ganze Jahr nicht.

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Oper Sydney, Guggenheim Bilbao, Elbphilharmonie Hamburg: Drei Beispiele für Großbauten architektonischer Moderne, die heute weltberühmt sind. Jedes gilt seit der Fertigstellung – 1973, 1997 und 2017 – als ein Wahrzeichen seiner Stadt, das kaum noch jemand missen möchte. Die drei zeugen von der Bedeutung, die herausragende zeitgenössische Architektur für ein urbanes Gemeinwesen haben kann. Aber noch eines haben die drei Architekturikonen gemeinsam: Alle waren sie vor Ort auch umstritten. Und das teilen diese Bauten mit weit kleineren in unserer Region: Wann und wo immer heutzutage hierzulande im öffentlichen Raum ein architektonisch auch nur etwas ungewöhnliches Neubauprojekt zur Debatte steht, entwickeln sich sofort teils beträchtliche Widerstände dagegen.

Mein Artikel "An zeitgenössischer Baukunst scheiden sich die Geister" (5200 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


20.06.2018

Bin ganz aufgeregt - wegen jüngster Entdeckungen der Archäologie. Danach sind die ältesten Kunstwerke  und kunsthandwerklichen Schmuckstücke auf Erden zehntausende Jahre älter als bisher angenommen. Sie stammen deshalb, entgegen bisheriger Lehrmeinung,  auch nicht vom europäischen Homo sapiens. Laut einem faszinierenden Artikel von Stefan Klein im gestern erschienen Zeit-Magazin haben der Physiker Dirk Hoffmann (Spezialist für die Altersbestimmung uralter Farben) und der Archäologe Alistair Pike an drei Stellen in Südfrankreich und Spanien kunstvolle Höhlenzeichnungen entdeckt, die mindestens 65 000 Jahre alt sind. Mithin datieren sie auf eine Zeit lange vor dem Eintreffen des Homo sapiens in Europa, und können nur von  Neandertalern angefertigt worden sein.

Unterstrichen  wird diese Entdeckung von Funden des Archäologen Jaoa Zilhao in Portugal: aufwendig gelochte und bemalte Muscheln, derart bearbeitet vor mindestens 115 000 Jahren. Damit dürfte das bisherige Bild vom Entstehen der Kunst in Europa als Eigenart ausschließlich des Homo sapiens vor etwa 40 000 Jahren hinfällig sein. Offenbar verfügte lange vorher schon der vor ca. 30 000 Jahren ausgestorbene Neandertaler über Fähigkeiten und Bedürfnisse, die ihm bisher abgesprochen wurden: das kreative Denken in Symbolen und  den Drang, schöne Dinge herzustellen, auch wenn sie für den praktischen Überlebenskampf nutzlos scheinen.

Die Implikationen dieser Entdeckungen für unser Verständnis von Entwicklung und Wesen der menschlichen Arten sind zahlreich und noch gar nicht alle absehbar. Jedenfalls unterstreichen sie, was wir für den Homo sapiens seit langem annehmen und nun auch für noch frühere Homo-Gattungen annehmen müssen: Die scheinbar so nutzlose Kunst wohnt unserer Spezies-Familie als Urbedürfnis wohl seit den frühesten Tagen inne.


21.06.2018

Eigentlich hätten wir uns gerne zum persönlichen Gespräch in Koblenz getroffen. Zu beider Bedauern blieb die Plauderei anlässlich des bevorstehenden 5. Internationalen Musikfestival Koblenz (IMUKO) schließlich doch aufs Telefon angewiesen. Einen viel gefragten jungen Musiker wie Benedict Kloeckner treffen zu wollen, ist so eine Sache. Bei unserem ersten Fernkontakt hielt sich der Cellist gerade im brasilianischen Sao Paulo auf, gab dort einen Meisterkurs und hatte vor großer Kulisse einen Auftritt mit Schostakowitsch‘ Konzert für Cello und Orchester. Beim zweiten Mal erreichte ich ihn in London, wo er sich mit einem zeitgenössischen Komponisten traf. Zuletzt rief Kloeckner aus seiner Berliner Wohnung an. Da sprachen wir ein knappes Stündchen miteinander, bevor er weiter musste zu Proben in Dresden.

Mein Artikel hier


20.06.2018

Herantasten an sommerpausige Slowmotion. Ein letzter Recherchetermin, ein letzter Artikel. Ab Montag dann für ein paar Tage in den "Jungbrunnen" = arbeiten, leben, feiern mit mehr als 240 Jugendlichen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) bei ihrer kulturellen Seminarwoche zum Abschluss desselben. Anschließend eintauchen in jenen Zustand, den man früher mit dem schönen Wort "Betriebsruhe" belegte.


16.06.2018

„Liliom“ handelt von einer Liebe, die wir heute kaum als solche erkennen mögen: Der Mann geht lieblos mit seiner Frau um, schlägt sie gar. Das 1909 von Ferenc Molnár geschriebene Stück weist ihm die Rolle des kernigen Tunichtgut zu. Hans Albers hatte den Jahrmarktsausrufer mehr als 1000 Mal gespielt und die Figur lange geprägt. Die junge Ehefrau Julie wurde meist als zartes liebliches Wesen gezeichnet. In Thomas Jonigks Inszenierung am Staatstheater Wiesbaden ist das jetzt etwas anders.

Meine Premierenkritik hier
(3600 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


15.06.2018

Wann immer, wo immer, wie immer über "Flüchtlingspolitik" gestritten, gezankt, gezetert wird, kommt mir dieser Gedanke: Auf längere Sicht ist eine gänzlich dem Primat der Fernhaltung von Flüchtlingen/Migranten verschriebene Politik sowieso objektiv zwecklos. Und zwar so lange, wie nicht Bekämpfung der Flucht- und Migrationsursachen ins Zentrum aller Bemühungen rückt - wovon derzeit nicht mal im Ansatz die Rede sein kann. Denn dass Menschen Krieg, Elend, Perspektivlosigkeit, Verfolgung, Unterdrückung zu entfliehen trachten und dabei letztlich auch immer Wege finden, ist quasi ein Naturgesetz seit ewigen Zeiten.

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Fußball-WM, Deutschland vs. Mexiko: Die schlechter spielende Mannschaft hat verloren. Punkt. Was mir aber wirklich auf den Keks geht: Digital bewegte Flimmerkisten-Bandenwerbung. Demnächst werden dann wohl rund ums Fußballfeld in stetem Wechsel vollständige Werbespots abgespielt und bald darauf ganze Spielfilme mit Produktplacement. Absurd.


14.06.2018

Ausnahmezustand. Der Start des weltweit wohl meistbeachteten  Ereignisses in diesem Sommer und der lokale Drucktermin für das Magazin, in dem meine Monatskolumne "Quergedanken" schwarz auf weißem Papier veröffentlicht wird, liegen leider himmelweit auseinander. Weshalb ich mich entschieden habe, den Text diesmal gut eineinhalb Wochen früher als gewöhnlich ins Netz zu stellen. Es wäre zu schade, würde er erst Ende Juni erscheinen - dann aber womöglich die Fußball-WM nur noch ein deutsches Volkstrauerthema sein. Man weiß ja nie, wie's kütt.

"Quergedanken" 161: Wenn einer eine Reise tut
(freier Lesetext)


11.06.2018

Die Burgfestspiele Mayen mimen eine Gerichtsverhandlung. Sechs Akteure, fünf Stühle, ein Stehpult: Mehr braucht Daniel Ris' in fabelhaft kleinem, aber genauem Gestus gespielte Inszenierung nicht, um mit dem Schauspiel „Terror“ und dessen Fragen nach Moral, Recht, Schuld das Publikum in Hochspannung zu versetzen. 2015 hatten das Schauspiel Frankfurt und das Deutsche Theater Berlin den Theatererstling des Strafverteidigers und Schriftstellers Ferdinand von Schirach zeitgleich uraufgeführt. Danach wurde er zum Dauerbrenner auf zahllosen Bühnen und im TV, wurde Streitgegenstand in der Öffentlichkeit wie unter Juristen.

Meine Premierenkritik
(4200 Anschläge, kostenpflichter RZ-Text, 49 Cent)

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Gestern tauchte mal wieder die wohl ewig unvermeidliche Frage an den Kulturkritiker auf: Hast du die Kunst, über die du urteilst, denn jemals selbst ausgeübt? Konkret ging es diesmal ums Ballett. Antwort: Nein, ich habe nie selbst getanzt oder choreografiert - habe auch noch nie ein Klassikorchester dirigiert (nur zeitweise einen Spielmannszug und zwei Laienchöre), habe nie eine Sinfonie komponiert, einen Roman geschrieben oder einen Film gedreht. Meine eigene praktische Schauspielerfahrung beschränkt sich auf drei Nebenrollen und zwei Inszenierungen im Amateurtheater während der Gymnasial- und Studentenzeit.

Obwohl ich Musik und Germanistik für Lehramt studierte, eine (bescheidene) praktische Grundlagenausbildung für sechs Musikinstrumente genoss (teils erlitt) und mir über die Jahre Tausende Theateraufführungen, Konzerte, Romane/Gedichtbände, Filme, Kunstausstellungen etc. einverleibt habe: Wie wohl die meisten meiner Kritikerkollegen/innen verstehe ich mich noch immer primär als Teil des Publikums - als leidlich überdurchschnittlich informierter und inzwischen ziemlich erfahrener Rezipient. Man könnte auch sagen "kritischer Konsument" und sich beziehen auf Gotthold Ephraim Lessings berühmten Satz hinsichtlich der Legitimation des Kritikers: "Ich muss die Suppe nicht kochen können, um zu beurteilen, ob sie schmeckt."

Was das Ballett angeht, so wurde ich in diese Sparte Anfang der 1990er wider Willen hineingespült, als Krankheitsvertretung für die damalige Tanzkritikerin der Rhein-Zeitung. Die Erstbegegnung mit der Tanzkunst lief ausgerechnet über das Avantgardeballett des William Forsythe damals in Frankfurt. Ich begriff zuerst gar nichts - war dennoch gleich am ersten Abend fasziniert von der Ästhetik und den Ausdrucksmöglichkeit des Tanzes. Auge und Verständnis für diese Kunst wurden dann anfangs geschult durch besonders häufige Live-Begegnung mit Arbeiten vor allem von Forsythe, van Manen, Pina Bausch, Jochen Ulrich, Amanda Miller und Martin Schläpfer sowie dem zeitgleich in Koblenz (Taylor), Wiesbaden (Cauwenbergh) noch gepflegten klassisch-romantischen Stil. Heute darf ich bekennen: Unter allen Künsten ist die Tanzkunst wohl die größte Liebe meiner späten Kritikerjahre geworden.


10.06. 2018

Bei den meisten Ballettcompagnien in Deutschland sind sie längst Tradition: Abende, für die sich Tänzer/innen im Choreografenfach versuchen. „50°N7°O“ nennt sich das Nachwuchs- und Expertimentierformat am Theater Koblenz.
„Vielfalt“ heißt das weite Motto diesmal. Vier Compagniemitglieder haben es für vier völlig verschiedenartige Tanzstücke aufgegriffen - von denen zwei sich durch eine überraschende Reife im Umgang mit zeitgenössischer Ballettstilistik auszeichnen.

Meine Premierenbesprechung
3800 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


09.06.2018

Hinweis für Leute im Nahraum Westerwald/Koblenz, die auf hochpolitische Krimis stehen: Mein alter Freund Wolfgang Schorlau kommt im Rahmen der Westerwälder Literaturtage für eine Lesung aus seinem 9. Dengler-Krimi "Der große Plan" nach Hachenburg. 18. Juni, 19.30 Uhr, Pfarrsaal Kath. Kirchengemeinde.  -> Weitere Infos


07.06.2018

Im überregionalen Teil der heutigen Rhein-Zeitung wird gleich an drei Stellen Friedrich Wilhelm Raiffeisen behandelt.  Auf einer Extra-Seite ist ein großes Interview zu lesen mit Theresia Theurl, Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen der Uni Münster. Die Seite "Schönes Wochenende" gibt Ausflugstips zu Raiffeisens Wirkorten im Westerwald. Auf der Kulturseite schließlich steht meine Besprechung der am 13. Juni eröffnenden Ausstellung "Tradition Raiffeisen - Wirtschaft neu denken" im Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein. Der besonders hohe Aufmerksamkeitsgrad dieses Blattes für den vor 200 Jahren geborenen Genossenschaftsbegründer liegt auf der Hand: Raiffeisens Heimat und Wirkungsraum Westerwald gehört zum Erscheinungsgebiet der Zeitung.

Meine Besprechung der Raiffeisen-Ausstellung
4500 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


04.06.2018

Sie ist in Deutschland einer der größten Museumsneubauten jüngerer Zeit: die an diesem Wochenende eröffnete neue Kunsthalle Mannheim. Erstaunlich: Nach nur dreijähriger Bauzeit blieb das Großprojekt mit 68,3 Millionen Euro Baukosten punktgenau im vorgesehenen Rahmen. Weniger erstaunlich: Der Modernebau gleich neben dem Mannheimer Wahrzeichen Wasserturm war in der Bevölkerung umstritten. Doch nun ist der rechteckige Doppelkubus seiner Bestimmung übergeben. Und bei der Erstbegehung kommen wir zu dem Ergebnis, dass der Komplex architektonisch wie inhaltlich eine bemerkenswerte Bereicherung für die Museumslandschaft nicht nur im Südwesten darstellt.

Mein Artikel zur neuen Kunsthalle Mannheim
5800 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


03.06.2018

„Ein Tanzstück für Jugendliche ab 12 und ihre Fans“ – so ist die jüngste Produktion des Hessischen Staatsballetts angekündigt. „Fake“ (Fälschung) heißt die 70-minütige Choreografie von Compagniechef Tim Plegge, in der es um den Ausnahmezustand der Pubertät, nicht zuletzt um die sexuelle Selbstfindung in dieser Jugendzeit gehen soll. Eine hübsche Arbeit, die allerdings wenig weiß von den dramatisch zwiespältigen, den auch subversiven und renitenten Kräften des Frühlingserwachsens, vom Seele und Leib durchschüttelnden stürmischen (Trieb-)Drängen bei zugleich bodenloser Unsicherheit.

Meine Premierenkritik
3600 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


01.06.2018

Zum Abschluss der Artikelserie anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx in der Rhein-Zeitung, zu der ich mehrere Texte beisteurn durfte, richtet sich der Blick auf eine kleine, je nach Ausgabe nur 40- bis 50-seitige Schrift: das  „Kommunistisches Manifest“ – die neben der Bibel meistgedruckte Publikation in der bisherigen Menschheitsgeschichte. Der von Marx und Friedrich Engels gemeinsam verfasste Text wurde seit seinem Erscheinen 1848 in mehr als 100 Sprachen übersetzt und 2013 ins Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen. Das Erstaunlichste an dieser Schrift ist: Die im ersten Teil vorgenommene Analyse des Zustands der Welt und ihrer Entwicklung liest sich streckenweise wie eine Beschreibung heutiger Verhältnisse.

Mein Artikel zum Kommunistischen Manifest
(6000 Anschlage, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

Zum Abschluss der Artikelserie anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx in der Rhein-Zeitung, zu der ich mehrere Texte beisteurn durfte, richtet sich der Blick auf eine kleine, je nach Ausgabe nur 40- bis 50-seitige Schrift: das  „Kommunistisches Manifest“ – die neben der Bibel meistgedruckte Publikation in der bisherigen Menschheitsgeschichte. Der von Marx und Friedrich Engels gemeinsam verfasste Text wurde seit seinem Erscheinen 1848 in mehr als 100 Sprachen übersetzt und 2013 ins Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen. Das Erstaunlichste an dieser Schrift ist: Die im ersten Teil vorgenommene Analyse des Zustands der Welt und ihrer Entwicklung liest sich streckenweise wie eine Beschreibung heutiger Verhältnisse.

Mein Artikel zum Kommunistischen Manifest
(6000 Anschlage, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


30.05.2018

Man muss in Koblenz und am Mittelrhein keinem mehr erklären, dass auf der Festung Ehrenbreitstein stets allerhand geboten ist. Festivals, Konzerte, Vorträge, Erlebnisevents für jede Altersklasse sowie Dauer- und wechselnde Sonderausstellungen machen das einstige Preußenbollwerk zu einem Ort ebenso des Vergnügens wie der lehrreichen Information. Auf Letzteres sei im Folgenden das Augenmerk gerichtet, namentlich auf zwei große Sonderausstellungen, denen über 2018 hinaus Bedeutung zukommt. Da wäre, erstens, die Präsentation „vorZEITEN – Landesarchäologie Rheinland-Pfalz“. Mitte Mai eröffnet, bietet sie eine Zeitreise durch die hiesige Geschichte vom Urozean bis ins Mittelalter. Da wäre, zweitens, die am 13. Juni startende Ausstellung „Tradition Raiffeisen: Wirtschaft Neu Denken“. Sie knüpft an den diesjährigen 200. Geburtstag Friedrich Wilhelm Raiffeisens und dessen Genossenschaftsidee an.

Meine Ausstellungsbesprechung
(freier Lesetext, 6100 Anschläge)


29.05.2018

Man mag zur seltsamen Koalition aus 5-Sterne und Lega stehen wie man will: Was in Sachen Italien derzeit exerziert wird oder besser gesagt: das Exempel, das da statuiert wird, zeugt vom quasi direkten Durchgriff des Finanzkapitals auf die italienische Demokratie. Begleitet von einer unglaublichen Propagandakanonade neoliberaler Vor- und Nachbeter, Auguren und Bedenkenträger in Politik, Wirtschaft, Finanzwesen und Medien Europas wird da umstandslos ein Ergebnis freier Wahlen einfach in den Staub getreten. Und wir sehen beklommen die Staatspolitik am langen Arm der Börsen, Banken und Mogule gehen.


28.05.2018

Angriff der Unterirdischen. Von drei Seiten nehmen sie mich in die Zange. Erkennbar an zahllosen hügelförmigen Erdaufschüttungen treiben sie Höhlen-und Bunkersysteme ihres Dunkelreiches a) Jungpflanzen unterpflügend quer durch den Gemüsegarten, b) verstopfend den Regenflutgraben entlang der Grundstücksgrenze und c) unterminierend in die Hauswiese rund ums Holzlager. Die alten Quälgeister, Wühlmäuse, sind ausgewandert; den Freiraum erobert nun: Talpa europaea, der Maulwurf - eine blinde, fleischfressende, unermüdliche Grabemaschine. Mein Waffenschrank bleibt geschlossen, Gegenwehr scheint sinnlos, für jeden abgetragenen Hügel entstehen sofort zwei neue. Ich nehme das Treiben der talpae positiv als Lockerungskampagne für den Erdboden (hin), hoffe auf nachherige Abwanderung der Unteriridischen - und betreibe Rasenmähen bis dahin als Slalomsport. umpf.


27.05.2018

Mainz/Eltville. Das Staatstheater Mainz ist für seine jüngste Tanzproduktion in die ländliche Sommerfrische gezogen. Es lädt das Publikum zur Vorstellung in den Rheingau. „Small Places“, kleine Plätze, heißt der 90-minütige Abend, den das Choreografenpaar Guy Weizmann und Roni Haver mit der Compagnie von tanzmainz eigens fürs ehrwürdige Kloster Eberbach erarbeitet hat. Im Laienrefektoriums und im Kapitelsaal kommt es zur mal befremdlichen, mal hinreißenden Uraufführung des zweigeteilten Werkes.

Meine Besprechung der Premiere am Samstag
(3900 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


25.05.2018

Dass dies Unterfangen ziemlich irrwitzig ist, war von vornherein klar: Auf 200 Zeitungszeilen das Wesentliche von Karl Marx Hauptwerk "Das Kapital"  möglichst allgemeinverständlich vorstellen zu wollen. Reduktion war angesagt, Konzentration auf zwei oder drei - zudem extrem verkürzt dargestellte - Kernaspekte. Ich habe für meinen heutigen "Kapital"-Beitrag zur Marx-Serie der Rhein-Zeitung die Mehrwert-Analyse ins Zentrum gestellt.  Andere Autoren hätten womöglich andere Aspekte gewählt. Aber so oder so kann jeder Zeitungsartikel wohl doch nur ein flüchtiger Blick auf diese nach wie vor bedeutsame wissenschaftliche Grundlagenanalyse der kapitalistischen Wirtschaftsweise sein.

Mein Beitrag über "Das Kapital" von Karl Marx
(6100 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent) 


24.05.2018

Auch wenn das Wetter örtlich wieder allerhand katastrophische Kapriolen schlägt, so stecken wir im Großenganzen doch überwiegend mit Freude im genussreicheren Sommerhalbjahr. Eigentlich wollte ich diesem angenehmen Umstand die aktuelle Folge 160  meiner Monatskolumne "Quergedanken" widmen. Doch hat ein grantelnder Einwurf von Freund Walter dem Text schließlich eine etwas andere Richtung gegeben.

Quergedanken 160: Sommer in Stadt und Land. Geil!
(freier Lesetext) 


23.05.2018

Eben sehe ich: Philip Roth ist 85-jährig gestorben. Er war ein ganz Großer der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Sein Roman "Der menschliche Makel" gehört zu den besten, wichtigsten und bewegendsten Lektüren in meiner zweiten Lebenshälfte. Ich war nicht so oft einer Meinung mit Marcel Reich-Ranicki selig. Dass aber zuvorderst Roth hätte den Literaturnobelpreis bekommen müssen, darin hatten sich unsere Kommentare so manches Jahr gedeckt. RiP Philip Roth


22.05.2018

Der Pfingstgeist meinte: "Steig mal wieder auf die Waage!" Ich folgte. Und siehe, das sonst so verlogene Maschinchen sprach diesmal wahr: 93. Damit hätte ich seit Jahresbeginn rund 10 Kilo abgenommen, läge nur noch 5 über meinem langjährigen Wohlfühlgewicht. Und das ganz ohne brachiale Ernährungsumstellung oder Trainingsfolter. Einfach so: An 4 von 7 Tagen das Kuchenstück/Teilchen zum Nachmittagskaffee weggelassen und die Zuckersüßhappen am Spätabend hälftig durch Nüsse und Obst ersetzt. Dann, wohl das Wirkunsvollste: Reaktivierung eines Prinzips, dem ich bis 2016 über fast drei Jahrzehnte gefolgt war = an 5 Tagen die Woche mindestens je eine Stunde schweißtreibende körperliche Arbeit oder eine entsprechende sportive Betätigung (letzteres ist bei mir in der Regel ein strammer Waldmarsch). Wohlfühlgewicht ist das Ziel der Operation, denn hübsch genug bin ich mir ja sowieso. Und das Schöne daran: Für den Selbstversorgungsanteil unseres Hausstandes bringt das allerhand, für mich obendrein jede Menge Spaß an der Freud und von puristischer Selbstquälerei findet sich kaum eine Spur.


18.05.2018

Im Rahmen der Rhein-Zeitungs-Serie über Leben und Werk von Karl Marx heute mal etwas Ungewöhnliches: Eine persönliche Erinnerung an meine Erstbegegnung mit dem Marx-Oeuvre anno 1970. Es war ein Fiasko. Denn als 15-jähriger hippiesk-antiautoritärer Jüngling hatte ich mir in maßloser Selbstüberschätzung bei völliger Ahnungslosigkeit zur Einstiegslektüre ausgerechnet erkoren: "Das Kapital". Wie kommt ein Bub auf solch eine Idee? In meiner damaligen Heimatstadt, dem studentenbewegten Heidelberg, wurde seinerzeit immer und überall über Marx gesprochen/gestritten. Da wollte ich wissen, was es mit dem Kerl auf sich hat - und scheiterte im ersten Anlauf kläglich, sein "Hauptwerk als Originaltext" lesen zu wollen.

Zum Zeitungsartikel "Wie ich als 15-Jähriger an Karl Marx scheiterte"
6200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


17.05.2018

Jüngst saß ich mit einigen Leuten beisammen, die alle als aufgeklärte, weltoffene Demokraten gelten dürfen - die indes reihum (von mir abgesehen) zu deutlich gehobenen Einkommensklassen gehören. Wir plauderten querbeet über Politik, den Zustand der Welt, Alltag und Soziales. Und wieder mal fiel mir auf: Weltwahrnehmung und Lebenshaltungen wohlhabender Mitmenschen unterscheiden sich vielfach beträchtlich von denjenigen sozial weniger gut und sicher gestellter Zeitgenossen. Was mich in der Ansicht bestärkt hat: Wer Wein trinkt, soll nicht Wasser predigen. Oder: Wer sich um sein Auskommen keine Sorgen machen muss, sollte sich bei Urteilen über weniger Bemittelte und Armut tunlichst zurückhalten.


10.05.2018

Für alle Vatertagsausflüger tut es mir ja leid. Sonst aber ist die heutige regennasse Unterbrechung der Frühhochsommertrockenzeit ein Segen. Die Luft mal durchgeputzt, Erde und Pflanzen bewässert, die seit zwei Wochen schon leeren Regenfässer wieder gefüllt. Prima.


08.05.2018

Gestern im Fernsehen etwas gelernt über den jüngsten Stand der wissenschaftlichen Forschung in Sachen Pollenallergie. Daraus ließe sich die Gesetzmäßigkeit ableiten: Die Natur macht die Menschen stetig kränker, weil die Menschen die Natur krank machen. Der Befund: a) Die Pollensaison beginnt immer früher und dauert immer länger; b) vor allem im urbanen Umfeld steigt die Pollenmenge drastisch an und werden die Pollen in ihrer Chemie deutlich aggressiver. Die Ursachen: ad a) Klimawandel; ad b) Reaktion der Pflanzen auf Einwirkung erhöhter Luftkonzentrationen von CO2, Stickoxiden und Ozon.


07.05.2018

Schreibt mir das heutige Horoskop der Frühstückszeitung doch diesen ehrenwerten Satz aufs Panier: "Auch wenn Ihre Beschäftigung mit höherem Wissen nicht auf einhellige Begeisterung stößt, sollten Sie sich nicht von Ihrem Weg der Weisheit abbringen lassen." Ergo: Erstens liege ich bei der aktuellen Befassung mit Karl Marx wohl richtig; und zweitens scheint es ein weiser Entschluss, jetzt zwecks Verschnaufen und Batterienaufladen mal ein paar Vertrödeltage einzulegen.

                                                    ***

Mit einem aufrührenden Ausrufezeichen zum Saisonschluss entließ das Koblenzer Musik-Institut am Wochenende sein Publikum in den Sommer. Beglückung, Gänsehaut hier, gar ein Tränchen da. „Das große Tor von Kiew“, finaler Teil von Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, setzte mit seiner zu Herzen gehenden, jubilierend-harmonischen Klangpracht (hier in der Orchestrierung von Maurice Ravel gegeben) den Anrechtskonzerten des Instituts 2017/18 den rechten Schlussakkord. Denn es war eine starke Spielzeit.

Meine Konzertbesprechung
3700 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent

                                                      ***

Es ist nicht ohne Risiko, Tony Kushners Schauspiel „Engel in Amerika“ von 1991 heute auf die Bühne zu bringen. Noch bei der Koblenzer Erstaufführung 1997 lag über dem Stück die reale Drohung: Fast jede Aidsdiagnose ist ein sich zeitnah vollstreckendes Todesurteil. 21 Jahre später muss die jetzige Neuinszenierung am Theater Koblenz ohne diese das Publikum umtreibende finale Brisanz in der Wirklichkeit auskommen. Es ist dennoch ein weithin sehenswerter Abend von bleibender Relevanz herausgekommen.

Meine Premierenkritik
4300 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent


05.05.2018

Am 5. Mai 1818, also heute vor 200 Jahren, wurde in Trier Karl Marx geboren. Aus diesem Anlass beleuchten dort mehrere - allesamt sehenswerte - Ausstellungen dessen Leben und Werk. In der Rhein-Zeitung ist heute auf einer Marx-Sonderseite meine Besprechung der Hauptausstellung zum Werk im Rheinischen Landesmuseum abgedruckt

Ausstellungsbesprechung
(6300 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent).

Beigefügt ist dort mein Kommentar "Marx neu zu denken - das ist notwendig", aus dem ein paar Passagen hier zitiert seien:

"Wo immer der Name Karl Marx fällt, tauchen sofort auch zwei Reflexe auf: vehemente Ablehnung und vorbehaltlose Verehrung. Beide behindern eine angemessene Befassung mit dem vielschichtigen Werk eines der bedeutendsten Denker des 19. Jahrhunderts. (...)

Leider wissen viele Marx-Gegner oft herzlich wenig bis gar nichts über das Werk des Angefeindeten. Stattdessen wird Karl Marx quasi persönlich dafür verantwortlich gemacht und abgeurteilt, was im Jahrhundert nach seinem Ableben unter dem Etikett „sozialistisch“ oder „kommunistisch“ alles verbrochen wurde.

Das ist eine etwas eigentümliche Position. Niemand käme auf die Idee, etwa den Erfinder Rudolf Diesel für den VW-Dieselskandal verantwortlich zu machen oder Martin Luther für den Dreißigjährigen Krieg. Keiner würde den Verfassern des Neuen Testaments oder gar Jesus Christus selbst die Schuld an den Metzeleien der Kreuzzüge und der Hexenverfolgung zuschieben. Dem Karl Marx indes wird angelastet, dass Lenin, Stalin, Mao Tse Tung, Pol Pot, die nordkoreanischen Kim-Diktatoren oder Ulbricht, Honnecker und Co. sich auf ihn beriefen.(...)

Unter dieser Last, für die der Mann aus Trier nichts kann, ist das Marx‘sche Originalwerk fast völlig verschüttet worden. Sollten die Ausstellungen und Veranstaltungen jetzt zum 200. Geburtstag es so weit von diesem Schutt befreien, dass eine sachlich-kritische Auseinandersetzung mit dem Ouevre selbst wieder möglich wird: Es wäre ein Gewinn für das Geistesleben der Gegenwart – nicht zuletzt als interessanter Impuls für die Diskussion darüber, was warum am globalen Turbokapitalismus heute falsch läuft und eventuell dagegen getan werden kann. "


02.05.2018

Eine kleine, feine, sehr kluge Produktion kam jetzt auf der Probebühne 2 des Theaters Koblenz zur Premiere. Uraufgeführt wurde der Auftragstext "Das 20. Jahrhundert in Kartons" von Jungautorin Deborah Kötting. Bühne und Zuschauerraums sind eins. Man sitzt in der Wohnzimmerwohnung einer verschwundenen Greisin, zwischen deren über das gesamte zurückliegende Jahrhundert angesammeltem Mobiliar und Krimskrams - und sinniert über das, was drei Schauspieler aus dem Krempel an vergangenem bis eben jetzt vergehendem Denken, Tun, Erleben herausziehen. Die 95 Spielminuten werfen mit ihrer geradezu intim ausgestalteten Betrachtung des 20. Jahrhunderts zugleich die größten Fragen für das 21. auf.

Meine Premierenbesprechung
(4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

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