Guten Tag allerseits

29.06.2020

Seltsame Zeiten sind das - wo der Montagmorgen mit einer Ballettpremiere zum Frühstück beginnt. Seltsam auch - aber ziemlich interessant - die Choreografie des Koblenzer Ballettchefs Steffen Fuchs unter dem Titel „Nicht mit dir und nicht ohne dich“, über das Streamingportal des hiesigen Theaters auf den heimischen PC geholt: 15 filmische Soli für 15 Compagniemitglieder. Danach hockst du über der Besprechung für die morgige Zeitung in der Ruheständler-Schreibstube, derweil Petrus zum Auftakt eines halbstündigen Landregens deftige Hagelschauer aufs Dachfenster paukwirbelt. Gleich darauf knallt die Sommersonne vom Himmel - rennst du besorgt zu den Heidelbeer- und Himbeersträuchern, um zu sehen, ob der für heute geplante erste Erntedurchgang wg. Hagelschlags abgeblasen ist. Ist er nicht. Freude!


28.06.2020

Das Staatsorchester Rheinische Philharmonie gab am Samstag ein Sonderkonzert, das wegen der enormen Nachfrage am Sonntag wiederholt wurde. Endlich konnten zwei Gruppen wieder zusammenkommen, die quasi von Natur aus zusammengehören: klassische Orchestermusiker und ihr Publikum. Doch in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle, wo sich normalerweise 1200 Besucher zum großen Konzertabend versammeln, nahmen nun unter Corona-Bedingungen gerade 115 Musikfreunde diszipliniert Platz auf den mit sicheren Abständen über die Weite des Saales verteilten Einzelstühlen. > Mein Bericht über Umstände und Konzert (3600 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


25.06.2020

Es gibt Leute, die stellt das Corona-Reglement vor ein recht spezielles Problem. Dazu gehören Jugendliche und Singles. Das Problem: Woher in diesen Zeiten die Gelegenheiten nehmen zu jenen Begegnungen, Plaudereien, Spielchen, Tänzchen, derer es bedarf, wechselseitige Sympathien zu entwickeln, die mit der Zeit oder alsbald in leibeslüstlicher, womöglich auch herzentflammter Zweisamkeit enden? Meine Monatskolumne "Quergedanken" geht in der aktuellen Folge 183 dieser Frage nach unter die Überschrift > "Die Liebe in Zeiten von Corona" (freier Lesetext. Hinweis vorsichthalber: Redaktionsschluss für diesen Text war VOR der Stuttgarter Krawallnacht)


23.06.2020

Vergangenen Samstag, 20 Uhr. Große Schauspielpremiere des Theaters Koblenz in Corona-Zeiten. Gegeben wird „Maria“, ein Gegenwartsstück von Simon Stephens. Doch statt mit anderen Interessierten im Theater, sitzt auch der Kritiker mutterseelenallein daheim vor dem Computer. Bei der Hand hat er Bier und Salzletten. Solche Bequemlichkeiten sind nun möglich, denn Premiere heißt diesmal: Seit Samstag 20 Uhr steht Markus Dietzes filmische Umsetzung des Stückes im Streamingportal des Theaters zum Abruf bereit. Theater im eigentlichen Sinn ist das nicht. Eher ein Fensehkammerspiel - sehr intensiv, sehr intim, via Kamera so nah dran an den Gesichtern, wie es sonst auf der Bühne kaum geht. > Meine Besprechung, 4800 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent


21.06.2020

Asterix und Obelix bemerken gerne: "Die spinnen, die Römer". Bisweilen wird dieser Sinnspruch in anderen Episoden von selbigen Comic-Helden auch auf andere Landsmannschaften übertragen. Ich hatte ihn nun meinerseits in einem Kommentar auf Facebook auf die Bevölkerung jenes Inselkönigreiches angewandt, das aus der EU austreten will: "Die spinnen, die Briten". Folge davon: Der Sinnspruch wurde von Facebook gelöscht und die Zuckermänner erteilten mir eine Verwarnung, weil ich damit gegen die "Gemeinschaftsstandards" verstoßen hätte. Da fällt einem nur nichts mehr dazu ein.


18.06.2020

Eine Anmerkung zu diesem von allen Seiten teils leider mit unseliger Dogmatik geführten Streit um Rassismus (und andere Negativeigenschaften) in der deutschen Polizei. Ich selbst bin in den zurückliegenden 50 Jahren mehrfach Zeuge (bisweilen Opfer) bzw. Nutznießer von beidem geworden: a) die Polizei dein Freund und Helfer, b) Polizisten als Einsatztruppe, die mit unverhältnismäßiger Härte zuschlagen, sich selbstherrliche Übergriffigkeiten erlauben und die Verantwortung für ihr Tun in der Korpsanonymität verbergen.

Aus beiderlei Erfahrungen rührt meine heutige Haltung in der jetzigen Diskussion: Der deutschen Polizei systemischen Rassismus u.a. zu unterstellen, ist abwegig. Ebenso abwegig ist es, der gesamten Polizei ein generelles Unschuldsattest auszustellen. Da es beispielsweise, wie wir gerade aus jüngster Zeite wissen, innerhalb der Polizei auch rechtsradikale Individuen und/oder Seilschaften gibt, gibt es schon von daher dort naturgemäß auch ein Quantum an Rassismus.

In toto bin ich der Ansicht, dass das staatliche Gewaltmonopol in der Demokratie eine feine Sache ist. Gerade deshalb aber bedarf es einer strengen rechtsstaatlichen wie auch unabhängigen operativen Kontrolle dieses Gewaltapparates. Auf dass sein Monopol nicht missbraucht werde. Blindes Vertrauen ist diesbezüglich so wenig hilfreich wie generalisierendes Misstrauen.


16.06.2020

Der erste Kür-Beitrag aus meinem Ruhestand: Besprechung der Sonderproduktion "Extra Time" von tanzmainz am Staatstheater Mainz. Premiere war am Sonntag. Endlich mal wieder Tanzkunst live - wegen Corona freilich unter besonderen Bedingungen für die Theaterbesucher und deutlichen Folgen auch für das tänzerische Bühnengeschehen selbst. > Mein Zeitungsartikel (4200 Anschläge, kostenpflichtiger Rhein-Zeitungs-Text, 49 Cent)


15.06.2020

Aus dem Vollen schöpfen. Wir stecken nun mittendrin in der 100%-Selbstversorgung mit Grünzeug und Beeren während des Sommerhalbjahres. Salat, Kohlrabi, Broccoli, Möhren, Jungzwiebeln, Radies, Zuckererbsenschoten aus eigenem Bio-Anbau stehen täglich zur Verfügung. Obendrein heute schon wieder zwei Kilo Erdbeeren gepflückt, und die Johannisbeeren drängen auch schon. Vielversprechend kräftig sehen die Kartoffelpflanzen aus. Resilienz, die Freude macht.


12.06.2020

Sie gehen mir gewaltig auf den Keks, diese Leute, die nun nach vier Monaten Corona-Krise aus allerhand Ecken tönen: Man hätte dies und das anders machen müssen, jenes gar nicht machen brauchen ... > Dazu eine kurze Anmerkung 


09.06.2020

Hätten wir die fleißigen Hummeln nicht, es sähe mau aus mit der Blütenbestäubung im Selbstversorgungsgarten und rund ums Haus. Es summt und brummt zwar in Himbeersträuchern wie Kräuterbeeten, zwischen Tomatenstauden, erst recht rund ums halbe Dutzend Wild- und Bienenblumenecken auf dem Grundstück. Doch stellt sich bei genauerer Beobachtung heraus: Auf zehn Hummeln kommen hier höchstens eine Biene und zwei, drei Minisummser.


07.06.2020

Nein, die Wiederwahl Trumps im November ist gewiss noch nicht verhindert. Doch auch im bürgerlich-konservativen Milieu der US-Gesellschaft gerät derzeit einiges in Bewegung. So gibt es - > wie der verlinkte Artikel dokumentiert - Anzeichen, dass die bisher schier bedingungslose Anhängerschaft vieler amerikanischer Christen für diesen Präsidenten bröckelt.


06.06.2020

Zwei Herzen, ach, in meiner Brust: Einerseits große Freude über die breite antirassistische Bewegung in USA, Deutschland und vielen anderen Ländern; andererseits Corona-Besorgnis wegen der Zusammenballung großer Menschenmassen bei den Demos. Immerhin, und das ist ein gravierender Unterschied zu den "Hygiene"-Aufmärschen und dem Berliner Raver-Event: Man sieht auf den zahlreichen Demo-Fotos, dass die allermeisten Demonstranten Maske tragen. Man sieht auf Luftaufnahmen von diversen Demos erkennbares (teils leider erfolgloses) Bemühen um Abstandhalten.


05.06.2020

Nein, die Amis sind beileibe nicht alle bekloppt. Derzeit zeigt wieder das andere Amerika sein Gesicht - der weltoffene, humane, demokratische, sozial eingestellte, vernünftige Teil dieses Volkes der vielen Herkünfte. Ich habe in den letzten Tagen alle Nachrichten, Bilder, Statements über die aktuelle Antirassismus-Bewegung unter der Fragestellung betrachtet: Was unterscheidet die jetzige Bewegung von den diversen "Rassenunruhen" der vergangenen Jahrzehnte in den USA sowie von der Bürgerrechtsbewegung der frühen 1960er?

Antwort: Wir erleben als Reaktion auf die Ermordung von George Floyd gar keine "Rassenunruhe", keinen Protest oder Wutaufstand vornehmlich der Schwarzen. Vielmehr haben wir es zu tun mit dem Aufbegehren eines bunt gemischten Teils der US-Zivilgesellschaft gegen systemischen Rassismus. Einer der wesentlichen Unterschiede zu früher ist: Latinos, Asiaten, Indigene und sehr, sehr viele Weiße schließen sich mit den Schwarzen zusammen - verstehen sich als selbstverständliche multiethnische Einheit, für die Rassismus eine unerträgliche Absurdität im heutigen Amerika darstellt. Der Anteil jüngerer Menschen und von Frauen in dieser Bewegung ist extrem hoch. Das macht Hoffnung - wie auch die jetzt vermehrt aufbrechenden Spaltungslinien innerhalb des Establishments bis hin zur Armeeführung Hoffnung machen.


04.06.2020

Ja, ja, ja - heute endlich war ich mal Klamotten einkaufen. Opulent und vollkommen friedlich. Erst im kleinen Städtchen nebenan, hernach in der großen Stadt dorten, wo Rhenus und Mosella koitieren. In summa fünf Geschäfte hintereinander besucht; persönlicher Rekord. Zwei Hosen, drei T-Shirts, zwei Polohemden und drei Paar Socken erbeutet. Dazu noch ein paar Sachen, die wir wirklich neu brauchten: Schneidebrett, Kartoffelschäler, Körper- und Geschirrtrockentücher. Schließlich landete ich erschöpft an der zentralstädtischen Imbissbude. Eine schöne Bratwurst mit viel Senf darauf ergattert - aber kläglich gescheitert beim Versuch, sie durch den Mundschutz ins Maul zu schieben. Oh, oh, oh - der Mensch ist ein Gewohnheitstier: Je häufiger und selbstverständlicher du die Seuchenmaske auf hast, umso eher vergisst du, dass du sie auf hast. Was eine Sauerei: Das Schnuffeltuch über und über mit Mostrich beschmiert, die Finger gleich drauf nicht minder. Eilends entzog sich der Mann den spöttisch-amüsierten Blicken der urbanen Öffentlichkeit.


03.06.2020

Gestern ausgestrahlt, jetzt noch in der Mediathek nachzuhören: SWR2 Musikgespräch mit mir über mein Buch zur Geschichte des Koblenzer Musik-Instituts. Wen das interessiert (8 Minuten): > Hier ist der Link zur Sendung

***

Von drauß' vom Walde komm' ich her und muss euch sagen: Es ist ein Elend dorten. Nach zwei langen Wanderungen am Pfingstwochenende in die weitere Umgebung und heute wieder durch den Hauswald muss ich, müsste selbst der sprichwörtliche Blinde mit Krückstock feststellen: Für den Unterwesterwald ist die Baumart Fichte unübersehbar ins finale Stadium des Aussterbens eingetreten. Ich konnte nirgendwo mehr einen gesunden Fichtenbestand ausmachen. > weiterlesen


02.06.2020

Gerd Neuwirth, einer meiner ältesten Freunde und frühen Kollegen in der mittelrheinischen Wahlheimat, hat einen Text über uns beide geschrieben und vorgestern im Rahmen einer Bücher-Challange auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Von meiner Ruhestandsmitteilung aufgeschreckt und angestachelt, erinnert sich Gerd an Anfänge und Werden unserer ebenso getreulichen wie produktiv streitbaren Beziehung. Da ist allerhand sehr gut getroffen und berührend bis knuffig ausgedrückt, was zum Kern dieser besonderen Freundschaft zwischen dem Alten und dem noch nicht ganz so Alten gehört. Danke Gerd. > "Eine streitbare Freundschaft" (hier)



31.05.2020

Stephan Mahlow vom Koblenzer Podcast "Runde um Eck" und ich haben neulich lange geplaudert über mein Leben, Tun und Ansichten zu diversen Gegenwartsfragen. Mahlow schreibt in seiner Ankündigung dieses Podcast-Beitrages u.a. : Es ist ein langes, aber wie ich finde sehr interessantes Gespräch geworden. Über lehrreichen Wehrdienst, die Faszination von Dialekten, "links-grün-versiffte" Positionen der Rhein-Zeitung, Fridays for Future, Qualitätsjournalismus, Facebook-Blasen und natürlich über die Coronakrise.

> Gespräch anhören wahlweise hier:

 Spotify: https://spoti.fi/36CRoHF

iTunes: https://apple.co/3es8I4K

Google Podcasts: https://bit.ly/2BdgIs6

Anchor: https://bit.ly/3ck7iIh"


30.05.2020

IN EIGENER SACHE gebe ich kund und zu wissen: Von heute an firmiere ich als "Kulturjournalist a.D." (außer Dienst). Ja, die beruflichen Schuhe sind abgelatscht, zerschlissen, löchrig. Nach 33 Jahren bin ich der Pflichten, Zwänge, Turbulenzen und Verantwortung wie auch der Erwartungen und Forderungen an mich müde. Es war eine gute Zeit, sowohl die 17 Jahre in der Zentralredaktion der Rhein-Zeitung als auch die anschließenden 16 freischaffenden Jahre. Aber nun ist es genug. Nach reiflichem Überlegen und ein bisschen Rumrechnen bin ich zu dem Schluss gekommen, postcorona nicht mehr in den Vollbetrieb meiner Zunft zurückzukehren, sondern schon jetzt - ein Jahr vorfristig - in den Ruhestand zu gehen.

Natürlich, wer mich etwas näher kennt, der/die sagt jetzt: "Er wird die Feder nie und nimmer ganz weglegen (können)." Will er auch nicht. Ich werde, freilich in stark reduziertem Maße, der Tanz- und Schauspielkunst sowie der klassischen Musik als Gelegenheitskritiker treu bleiben, mich hie und da gewiss auch zu anderen Themen in der Zeitung mal zu Wort melden. Das aber ganz nach eigener Lust und Laune. Die Lebensphase der Kür ist ausgerufen. Nun müssen sich erstmal Hirn, Gemüt und Umgebung mit den neuen Umständen vertraut machen. Alles Weitere findet sich.

 

Mai/Juni

IN EIGENER SACHE gebe ich kund und zu wissen: Von heute an firmiere ich als "Kulturjournalist a.D." (außer Dienst). Ja, die beruflichen Schuhe sind abgelatscht, zerschlissen, löchrig. Nach 33 Jahren bin ich der Pflichten, Zwänge, Turbulenzen und Verantwortung wie auch der Erwartungen und Forderungen an mich müde. Es war eine gute Zeit, sowohl die 17 Jahre in der Zentralredaktion der Rhein-Zeitung als auch die anschließenden 16 freischaffenden Jahre. Aber nun ist es genug. Nach reiflichem Überlegen und ein bisschen Rumrechnen bin ich zu dem Schluss gekommen, postcorona nicht mehr in den Vollbetrieb meiner Zunft zurückzukehren, sondern schon jetzt - ein Jahr vorfristig - in den Ruhestand zu gehen.

Natürlich, wer mich etwas näher kennt, der/die sagt jetzt: "Er wird die Feder nie und nimmer ganz weglegen (können)." Will er auch nicht. Ich werde, freilich in stark reduziertem Maße, der Tanz- und Schauspielkunst sowie der klassischen Musik als Gelegenheitskritiker treu bleiben, mich hie und da gewiss auch zu anderen Themen in der Zeitung mal zu Wort melden. Das aber ganz nach eigener Lust und Laune. Die Lebensphase der Kür ist ausgerufen. Nun müssen sich erstmal Hirn, Gemüt und Umgebung mit den neuen Umständen vertraut machen. Alles Weitere findet sich.



31.05.2020

Stephan Mahlow vom Koblenzer Podcast "Runde um Eck" und ich haben neulich lange geplaudert über mein Leben, Tun und Ansichten zu diversen Gegenwartsfragen. Mahlow schreibt in seiner Ankündigung dieses Podcast-Beitrages u.a. : Es ist ein langes, aber wie ich finde sehr interessantes Gespräch geworden. Über lehrreichen Wehrdienst, die Faszination von Dialekten, "links-grün-versiffte" Positionen der Rhein-Zeitung, Fridays for Future, Qualitätsjournalismus, Facebook-Blasen und natürlich über die Coronakrise.

> Gespräch anhören wahlweise hier:

 Spotify: https://spoti.fi/36CRoHF

iTunes: https://apple.co/3es8I4K

Google Podcasts: https://bit.ly/2BdgIs6

Anchor: https://bit.ly/3ck7iIh"


25.05.2020

FRAGIL (zerbrechlich, zart) ist wohl das zutreffendste Wort für die derzeitige Lage an der Seuchenfront. Und wie geht man mit etwas Fragilem um? Vorsichtig, sehr sehr vorsichtig. Davon kann m.E. im Augenblick (nicht nur) hierzulande keine Rede sein. Vorneweg scheinen Politik und Wirtschaft vergessen zu haben, dass die gesamte Gesellschaft sich nach wie vor in einem Hochrisiko-Experiment mit durchaus ungewissem Verlauf und Ausgang befindet. Was ausgerechnet Ramelow reitet, sich jetzt an die Spitze der Bewegung zur (vor)eiligen "Normalisierung" zu setzen, ist mir rätselhaft.

Gewiss, die Zahlen der Neuinfektionen sind in Europa und gerade Deutschland erfreulich rückläufig. Weltweit allerdings steigen selbst die offiziell registrierten Fälle weiter an, von den nichtregistrierten und/oder vertuschten ganz zu schweigen. Vielleicht muss man mal wieder auf die Anfänge der Pandemie zurückblicken, um deren tatsächliches Gefahrenpotenzial in Erinnerung zu bringen: Auf irgendeinem Markt am anderen Ende Welt infizierten sich eine Hand voll Menschen mit dem bis dahin unbekannten Virus. Schon vier bis sieben Wochen später hatte es sich um den ganzen Planeten gefressen - und weitere drei Monate später offiziell 345 000 Menschen (Stand heute, laut Johns Hopkins) das Leben gekostet. Und noch immer gibt es kein durchschlagendes Medikament und keinen Impfstoff gegen Covid19.


24.05.2020

Dies ist die Titelseite der heutigen (24.5.) New York Times. Ein Fanal. Aufgelistet sind - stellvertretend für jetzt fast 100 000 Corona-Tote in den USA - einige hundert Verstorbene aus allen Altersklassen und Berufsgruppen.


23.05.2020

Und nochmal: Fakten, Fakten, Fakten wider falsche, irrtümliche oder absichtsvoll unwahre Behauptungen in Sachen Corona. > Projekt Süddeutsche Zeitung


22.05.2020

"Man sollte die Einfachheit mancher Lebensweise nicht mit Primitivität verwechseln."

Dieser irgendwann irgendwo gelesene Satz kam mir beim behaglichen Brückentagsfrühstück unversehens in den Sinn. Und er fühlt sich gut an.

***

Volkswirtschaftlich wäre das eine unsinnige Maßnahme, ökologisch eine geradezu schändliche Dummheit und politisch ein Kotau der Regierung vor der Autoindustrie. In summa also: Komplett bescheuert. > Artikel Berliner Zeitung "Die Abwrackprämie kommt doch"


21.05.2020

Da kommt man vom Einkaufen zurück, freut sich, dass hierorts die Leute in großer Selbstverständlichkeit auf dem Weg von Parkplatz zum  Supermarkt ihre Masken aufgesetzt und sich auch sonst unaufgeregt ans Seuchenreglement gehalten haben. Was aber kriegt man daheim als erstes zu hören? "Du weißt schon, dass deine Hose kaputt ist - und der Pullover übrigens auch." > Kleines Verzählche aus dem Alltag


19.05.2020

***ACHTUNG TERMINÄNDERUNG: Das Radio-Gespräch von SWR2 mit mir über mein Buch "Aus Liebe zur Musik - Das Musik-Institut Koblenz im Lauf der Zeiten 1808 bis 2018" wird erst am 2. Juni (ab ca. 10.45 Uhr) gesendet.


16.05.2020

Die Coronakrise hat auch das Monatsmagazin "Kulturinfo" kalt erwischt, in dem seit 2005 meine Kolumne "Quergedanken" erscheint. Die vorige Ausgabe kam Ende März heraus, danach fehlt eine Nummer. Denn das "Kulturinfo" ist primär ein Magazin zu Vorstellung und Bewerbung von Kulturveranstaltungen in der Region Mittelrhein und Nachbarschaft. Nach der Stilllegung des LIve-Kulturbetriebs im Zuge der Seuche, gab es keine Ankündigungen und Anzeigen mehr zum Drucken. Mit den jüngsten Beschlüssen zur Teilöffnung auch des Kuilturbetriebes kann nun wieder eine Nummer in Angriff genommen werden. Damit werden auch wieder die "Quergedanken" fällig. Bis zum Erscheinen des Heftes sind noch ein paar Tage hin, doch meinen Text stelle ich schon vorab im Netz. Grund: Darin geht es um das dubios-konfuse Phänomen der "Hygienedemos", die auch am heutigen Samstag manchen Platz zum Risikogebiet machen. > Quergedanken Nr. 182: Denn sie wissen (nicht), was sie tun


14.05.2020

Es gibt da etwas, das ich einfach nicht begreife. Nachvollziehbar ist noch, dass medizinische Laien und der Volksmund verbreitetet glauben: Optimales Mittel gegen Virus- und Bakterieninfektionen sei ein starkes Immunsystem und nicht Ansteckungsvermeidung, Medikamente oder gar Impfimmunisierung gegen Viren. Diese Ansicht rührt schließlich von mannigfachen lebenspraktischen Erfahrungen, wonach jüngere, gesunde, körperlich robuste Menschen viele der gewöhnlichen Infektionskrankheiten (sehr oft) tatsächlich am besten überstehen. Wie aber selbst ein paar studierte Mediziner und andere "Experten" auf die Idee kommen können, diese Populärgeneralisierung zu teilen und auch auf die Coronaseuche anzuwenden, ist mir völlig rätselhaft.

Haben diese Herrschaften während ihres Studiums die Vorlesungen über Medizin- und Seuchengeschichte verschlafen? Haben sie kein einziges Mal ein Auge auf Mechanismen, Wesen und Wirken wenigstens der Spanischen Grippe von 1918 bis 1920 geworfen? Oder sich mit Pest, Pocken, Lepra, Ebola etc. befasst? Dann wüssten sie nämlich, dass auch schon eine Menge Erreger aufgetreten sind, die bei ihren Opfern keinen Unterschied machen und selbst das stärkste Immunsystem bis zur Letalität niederwerfen können. Ja, dass es sogar schon Erregermutationen gab, die vorzugsweise jüngere, starke Menschen angegriffen und in großer Zahl getötet haben. So geschehen bei der zweiten Welle der Spanischen Grippe.

Zur Erhellung sei die TV-Dokumentation > "Spanische Grippe - Das Geheimnis des Killervirus" ans Herz gelegt (in der ZDF-Mediathek).


12.05.2020

Da schreibt mir einer via Mail: "Herr Pecht, sie sind doch geradezu begierig danach, dass eine große zweite Corona-Welle kommt und beim Wetter eine Katastrophe die andere jagt. (...)"
Meine Antwort: Werter Herr (XY), das sehen Sie völlig falsch. Liebend gern hätte ich für meine alten Tage auf diese Pandemie verzichtet. Weshalb ich auch fest die Daumen drücke, dass das gut geht mit den Öffnungen. Hat man sich allerdings jemals ein bisschen mit den Mechanismen von Epidemien befasst, kann man eben die Augen nicht verschließen vor den Rücksturzgefahren, die Lockerungen der Schutzmaßnahmen immer beinhalten. Liebend gern hätte ich auch auf den Klimawandel verzichtet. Aber die industrielle Zivilisation hat ihn sich nunmal eingebrockt, er läuft. Wer seine fünf Sinne noch beisammen hat, aufmerksam in die Welt schaut und ein bisschen die aktuelle Klimaforschung verfolgt, der weiß eben, was da bereits begonnen hat, und fürchtet, was da noch kommen wird. Gleichwohl bin ich über jede Jahreszeit sehr glücklich, die noch einmal halbwegs der durchschnittlichen Normalität entspricht, die ich über mehrere Jahrzehnte erleben durfte.


10.05.2020

Im Lesesessel am Fenster lümmeln und dem kräftigen, aber doch maßvollen Landregen lauschen, den das zweite Gewitter mitgebracht hat. Schön. Eine Stunde zuvor hatte das erste noch mit einer 8-minütigen Sturzflut nebst Hageleinlage ruppig auf das Land eingedroschen. Wenn ich die Wetterfrösche richtig verstehe, räumen diese Gewitter nun den Weg frei für den Einzug der "Eisheiligen". Kühl soll's werden die nächsten drei Tage bis auch die Sophie durch ist, vielleicht kalt. In einigen Mittelgebirgslagen sei sogar nochmal mit Schnee zu rechnen, heißt es. Nun denn.

***

Mal wieder was ganz anderes: schmunzeliges Sinnieren beim behaglichen Sonntagsfrühstück. Bisher ging ich davon aus, dass die Mehrzahl der mir eigenen "seltsamen" Neigungen in den Westerwald mitgenommene genetische Erbteile meiner badisch-kurpfälzischen Sippe aus Bauern, Wirtsleuten, Schnapsbrennern und Handwerkern sind. Seit Erscheinen der jüngsten "Zeit"-Ausgabe ist nun allerdings Umdenken angesagt. Dort wird auf der Titelseite gefragt: "Warum zieht es uns in die Natur?" Und sogleich die Antwort gegeben: "Weil wir letztlich Tiere geblieben sind." Hurra, ich bin ein Viech! Fragt sich bloß noch: Was für eines?


09.05.2020

Es haben mich in den letzten Tagen per Mail etliche kritische bis sagen wir: ungehaltene Zuschriften zu meinen Corona-Beiträgen in diversen Medien erreicht. Ich kann sie nicht alle einzeln beantworten. Was auch nicht nötig ist, da die meisten (teils mit erstaunlicher Wortgleichheit) auf die immer gleiche Fragestellung hinauslaufen: „Es gibt eine Reihe von durchaus reputierten Wissenschaftlern (Bhakdi, Wodarg, Höckerts, Mölling, Ioannidis (USA) ...), die dem vor allem vom RKI und Herrn Prof. Dr. Drosten gestützten vorherrschenden Corona-Narrativ widersprechen und die nicht einem rechten Spektrum zugeordnet werden können. Wie schätzen Sie diese wissenschaftliche Opposition ein?“ > Meine Antwort (hier)


08.05.2020

Es war zu befürchten: Was auf dem Papier vernünftig und für jeden Einzelfall recht sicher klingen mag, erweist sich jetzt lebenspraktisch in der Summe als chaotischer Zusammenbruch des Seuchenschutzes im öffentlichen Raum. > Anmerkung zu aktuellen Beobachtungen


07.05.2020

Einerseits: Hinsichtlich der gestrigen Vereinbarungen zwischen Ministerpräsidenten und Kanzlerin neige ich zu der Formulierung "Nun sind in Sachen Corona-Seuchenschutz alle Dämme gebrochen". Meiner persönlichen Ansicht nach kommt eine Öffnung solchen Ausmaßes zwei bis drei Wochen zu früh. Gleichwohl drücke ich natürlich die Daumen, dass das halbwegs gut geht, bange allerdings, wir könnten alsbald in einer noch schwerer erträglichen Jojo-Situation landen (Öffnung > Schließung > Öffnung > Schließung...)

Andererseits: Die Vereinbarung beinhaltet zwei sehr gescheite Komponenten. a) Die Obergrenze 50 : 100000, bei deren Erreichung Notbremsen gezogen werden müssen; b) die Möglichkeit auf regional unterschiedliche Infektionsentwicklungen regionalspezifisch zu reagieren. Dennoch bleibt das Problem: So sicher tausenderlei Öffnungspraktiken einzeln jeweils erscheinen mögen, in summa kommt eben de facto doch eine explosionsartige Vermehrung von Menschenkontakten dabei heraus.

Ich selbst werde mir deshalb erlauben, mein bisheriges Seuchenschutz-Verhalten soweit irgend möglich erstmal noch zwei bis drei Wochen beizubehalten. Schaun mer mal, wie die Sache sich entwickelt.


06.05.2020

Nur mal so, Info zur Tatsachenlage, an alle, die es angeht:
"Ein für allemal: Eine Corona-Impfpflicht stand nie im Gesetzesentwurf, zu keinem Zeitpunkt." Dies erklärte jetzt Bärbel Bas, Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Die Aussage entspricht meiner Lektüre des Entwurfs. Auch Jens Spahn sprach sich gegen eine Impfpflicht aus. Dessen ursprüngliche Idee vom "Immunitätsausweis" ist ebenfalls vom Tisch und zur Erörterung an den Deutschen Ethikrat verwiesen. Proteskampagnen gegen eine vermeintliche Corona-Zwangsimpfung entbehren derzeit jeglicher Grundlage, die Initiatoren verfolgen m.E. dubiose politische Zwecke.


05.05.2020

Zeitungslektüre in der Frühe. Vier Punkte, die bei mir als gute Nachrichten hängen bleiben:
1.) "Um Palmer wird es einsam": Nachdem schon vergangene Woche BaWü-Ministerpräsident Kretschmann sehr deutlich zu Palmer auf Distanz gegangen ist, stellt ihn nun der Bundesvorstand der Grünen - unabhängig vom endlosen Verfahren um einen Parteiausschluss - parteilich de facto kalt.
2.) Spahn rudert in Sachen Immunitätsausweis zurück und überantwortet SEINE Idee erstmal dem Deutschen Ethikrat. Derweil warnt die WHO vor der Einführung von - wissenschaftlich derzeit ohnehin nicht haltbaren - "Immunitätsnachweisen".
3. "Globale Koalition gegen das Virus": Eine große Zahl von Staaten werfen etliche Milliarden Euro in einen gemeinsamen Topf zur Finanzierung erweiterter Forschung/Entwicklung von Impfstoff gegen Covid19. Man einigte sich auch darauf, den Impfstoff nachher quasi dem normalen Treiben der pharmazeutischen Märkte zu entziehen und aller Welt in gleicher Weise zur Verfügung zu stellen.
4. "Wider das Wachstumsdogma": Der von mir vor 4 Wochen prognostizierte "große Kladeradatsch" um die Lehren aus der Corona-Krise für die mittel- und langfristigen (systemischen) Weichenstellungen in Gesellschaft und Wirtschaft hat begonnen. Das ist gut so. Die Hauptfrontlinie, das deutet sich bereits an, verläuft zwischen denen, die möglichst schnell einfach zurück wollen zum Status quo ante mit seinem Dominanzprinzip von "Wachstum, Wachstum über alles, koste es, was es wolle" - und jenen, die nun die Chance und Notwendigkeit sehen, zum Primat von Naturverträglichkeit, Menschenveträglichkeit und Nachhaltigkeit umzusteuern. Diese jetzt begonnene Großdiskussion ist m.E. jenseits der aktuellen praktischen Seuchenbekämpfung die wichtigste von allen.


04.05.2020

Da ist mir gestern in einer Facebook-Diskussion der Kragen geplatzt und das Nachfolgende aus der Tastatur geschossen, weil wieder so ein Unschuldigtuer Krokodilstränen vergoss, gegen "Zwangsimpfung" wetterte und Befürworter des Seuchenschutzes als "blinde Lemminge" beschimpfte. > Zum zornigen Ausbruch (hier)


03.05.2020

Übrigens (für den Hinterkopf): Das Prinzip Dunkelziffer - wonach die Zahl der tatsächlich Covid19-Infizierten wesentlich höher liegt als offiziell erfasst - gilt ebenfalls für die Corona-Todesfälle. Denn in fast keinem Land der Erde werden außerklinisch Verstorbene auf eine mögliche Corona-Ursache untersucht. Und in vielen Ländern/Gegenden wird schlechterdings still daheim gestorben.

Zahlen bestätigter Fälle (So, 3.5., 12.32 Uhr) nach Johns Hopkins jenseits der rein deutschen Betrachtung:
Infizierte weltweit = knapp 3,5 Millionen; Corona-Tote weltweit bisher rund 244 000. Infizierte USA = knapp 1,2 Millionen; davon infolge Covid19 verstorben = rund 67 000. (und nun noch den Hinterkopf zuschalten s.o.)

***

Sonntagmorgendlicher Rundgang ums Haus und durch den Selbstversorgungsgarten. Nach den Regenschauern der vergangenen drei Tage kann man Gemüse, Sträuchern, Blumen, Gras beim drängenden Wachsen zuschauen. Die Setzkartoffeln haben quasi über Nacht Blatttriebe durch die Erde gedrückt. Auch die Zeit des Futterns Von-der-Hand-in-den-Mund hat begonnen: Wir essen bereits täglich Radieschen, Rübchen, Rukola und kleine Jungzwiebeln. Anfang der Woche muss - erstmals 2020 - auch der Rasenmäher mal wieder Dienst tun. Ende der Woche dürfte der erste Kopfsalat fällig sein. Freude!


02.05.2020

Eine Bemerkung anlässlich der derzeit von allen Seiten einprasselnden Flut von Beschwerden gegen "Ungerechtigkeit, Unlogik, Nichtnachvollziehbarkeit" etc. von Öffnungen bzw. Nichtöffnungen des Corona-Seuchenschutzes: Für die jeweils Betroffenen sind natürlich die Einzelregelungen besonders wichtig, epidemologisch sind sie es streng genommen nicht. Denn ursprünglich wurden alle Maßnahmen mit dem Ziel ergriffen, in summa die Menschenbewegung/-begegnung so weit irgendmöglich zu reduzieren. Was wir jetzt erleben, ist der wohl ebenso verzweifelte wie riskante Versuch, zwei Dinge in Einklang zu bringen, die sich im Grunde widersprechen: Weiterhin möglichst wenig Menschenkontakt bei zugleich möglichst vielen Öffnungen. Daher rührt m.E. die (scheinbare?) Unlogik so mancher aktuellen Neuregelung.


01.05.2020

Kleines Verzählche am und zum 1. Mai. Eine Erinnerung, beim Frühstück plötzlich aus den Hirntiefen aufgestiegen und wohl provoziert durch das heute seltsame Gefühl: Erstmals zu meinen Lebzeiten gibt es an dem für mich seit früher Jugend wichtigsten Feiertag im Jahreszyklus keine Demonstrationen und Kundgebungen. *** Wir schreiben die Nacht vom 30. April zum 1. Mai wahrscheinlich anno 1971. > weiterlesen (hier)



30.04.2020

Laut Johns Hopkins Uni gibt es derzeit weltweit 3,2 Millionen bestätigte Covid19-Infizierte und sind rund 230 000 in Folge der Infektion gestorben. Neben den schon allseits bekannten medizinischen wie gesellschaftlichen Wirkungen der Seuche schieben sich zusehends Nachrichten aus etlichen Ländern in den Blick über noch ungeklärte, unerforschte, unerwartete medizinische Begleiterscheinungen und Folgewirkungen der Viruserkrankung. > Kurzkommentar zu unerwarteten Neben- und Folgewirkungen


28.04.2020

Es ist nun wohl an der Zeit, dass die Grünen sich von diesem Herrn Palmer trennen!


26.04.2020

Mein persönlicher Katalog von unumstößlichen 7 Basiserkenntnissen und Grundregeln für die Corona-Seuche. > weiterlesen (hier)

 

30.04.2020

Laut Johns Hopkins Uni gibt es derzeit weltweit 3,2 Millionen bestätigte Covid19-Infizierte und sind rund 230 000 in Folge der Infektion gestorben. Neben den schon allseits bekannten medizinischen wie gesellschaftlichen Wirkungen der Seuche schieben sich zusehends Nachrichten aus etlichen Ländern in den Blick über noch ungeklärte, unerforschte, unerwartete medizinische Begleiterscheinungen und Folgewirkungen der Viruserkrankung. > Kurzkommentar zu unerwarteten Neben- und Folgewirkungen


28.04.2020

Es ist nun wohl an der Zeit, dass die Grünen sich von diesem Herrn Palmer trennen!


26.04.2020

Mein persönlicher Katalog von unumstößlichen 7 Basiserkenntnissen und Grundregeln für die Corona-Seuche. > weiterlesen (hier)


23.04.2020

Kulturnachrichten aus der Corona-Welt: Zahlreiche deutsche Klassikfestivals haben sich zur Notgemeinschaft "Forum Musik Festivals" zusammengeschlossen und der Bundesregierung ein gemeinsames Positionspapier vorgelegt mit Forderungen und Vorschlägen für die Krisenzeit. Zu den 40 Erstunterzeichnern gehören aus dem (meinem) hiesigen Beritt u.a. das Mosel Musik Festival und das Internationales Musikfestival Koblenz. > Das Positionspapier im Wortlaut und die Liste der Erstunterzeichner (hier)


22.04.2020

Lesen und beherzigen, was meine Kollegin und gute Freundin Heike Rost sich über Maskenpflicht, Verschwörungsstuss, Ignoranz und egozentrisches Gemaule von der Seele geschrieben hat! Danke, liebe Heike. > Zum Gastbeitrag (hier)


21.04.2020

Nur so ein Gedanke: Deutschland führt mit seinem jetzigen (frühen) Exit-Kurs ein die gesamte Gesellschaft umfassendes Hockrisiko-Experiment durch. Vergleichbares hat es noch nie gegeben, niemand hat irgendwelche Erfahrungen damit, keiner kann Verlauf und Ergebnis voraussehen oder gar garantieren. Warum geht man ein derartig gewaltiges Wagnis ein? Weil, so die Befürworter dieses Kurses, unter Kuratel des scharfen Seuchenschutzes die wirtschaftliche Notlage von Tag zu Tag schlimmer wird und für Teile der Bevölkerung das Alltagsleben zusehends unerträglicher. Es bräuchte ein Perspektive, zeitnah aus dem Elend herauszuskommen.

Zweiter Teil des Gedankens: Es gibt auf der Welt seit vielen Jahren viele Menschen, denen es im Grundsatz genauso ergeht. Ihre wirtschaftliche Lage ist ebenfalls düster, allerdings bis hin zur tatsächlich blanken Überlebensnot; ihr Alltagsleben ist von Krieg, Terror, Unterdrückung geprägt. Und eine Perspektive auf zeitnahe oder wenigstens zeitfernere Besserung haben sie nicht. Also wagen sie ein Hochrisiko-Experiment mit völlig ungewissem bis lebensgefährlichem Verlauf und Ausgang: Sie versuchen, dem Elend zu entfliehen, begeben sich auf eine riskante Wanderung in der Hoffnung auf bessere Umstände.

So gesehen, könnte man sagen: Deutschland besteht derzeit aus 80 Millionen Wirtschaftsflüchtlingen. Sie wandern nicht unter Lebensgefahr von einem Ort zum andern, sondern flüchten - quasi ebenfalls unter Lebensgefahr - durch die Zeit.


18.04.2020

Die Corona-Seuche hat das normale Kulturleben stillgelegt. Besonders hart trifft das freie Kulturschaffende: Ihnen sind sämtliche Quellen für Einkünfte aus eigener künstlerischer Arbeit versiegt. Wie lange das andauern muss und wird, weiß niemand. Weshalb der Staat auch auf dem Feld der Kultur einspringen muss, um den Betroffenen die Seuchendauer finanziell halbwegs erträglich zu machen und existenzielle Zusammenbrüche zu verhindern. Bei der Frage, ob er dieser Pflicht angemessen gerecht wird, tut sich zwischen Staatsvertretern und Kulturakteuren eine tiefe Bewertungskluft auf. Die fällt in einigen Bundesländern, darunter Rheinland-Pfalz, besonders krass aus. > Meine Analyse zur Lage (5700 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


15.04.2020

Schöne Solidaritätsgeste unter Theaterkünstlern in Koblenz: Das Schauspielensemble des Theaters Koblenz hat zusammengelegt/gesammelt, um die beiden kleinen freischaffenden Theater in der Stadt in dieser schwierigen Zeit ohne Einnahmen etwas zu unterstützen. 2500 Euro kamen zusammen. Intendant Markus Dietze und Jana Gwosdek, Ensemblevertreterin Schauspiel, haben das Geld am heutigen Vormittag an die Vorsitzende des Landesverbandes freier professioneller Theater (La ProfTH), Astrid Sacher, zur Weiterleitung übergeben.


14.04.2020

Leseempfehlung! Interessante Analyse von Klaus Brinkbäumer auf Zeit-online zur Frage, warum gerade die USA in der Corona-Krise besonders schlecht dastehen. Auszug: "(...)Vor allem sind da diese zwei Ursachen: Riesige Gruppen in der Bevölkerung der USA und wichtige Gruppierungen wie der Fernsehsender Fox News oder die Republikanische Partei haben, erstens, die Verachtung von Wissenschaft und überhaupt Bildung zur Leitlinie, zur Ideologie, erklärt. (...) Und, zweitens, verachten diese Bevölkerungsgruppen und ihre Volksvertreter Politik im Sinne von Steuerung oder Gestaltung eines Staates. (...)" > Ganzer Artikel hier


13.04.2020

Und im ganz Kleinen am Ort bringt sich jenes menschengemachte Jahrtausendproblem in Erinnerung, das im Hintergrund der 2020er-Seuchenkrise ungerührt weiter seinen weltverändernden Weg geht. Deshalb die praktische Aufforderungen an die Freunde/innen im Westerwald, in den rheinischen Mittelgebirgen und Tälern sowie anderswo: Ihr müsst tanzen jetzt, regentanzen - auf dass das für heute avisierte "Regengebiet" nicht wieder durchziehe, ohne ein paar Liter Wasser abzulassen. Nach hierorts wiederum gänzlich ausgefallenem Winter haben wir nun schon in der siebten Woche ausgerechnet der frühen Vergetationsphase keinen Tropfen Regen abgekriegt. Und wir fürchtern uns vor der Wiederholung des Sommers 2018, dessen Trockenphase mehr als sieben Monate währte.


12.04.2020

Heute, am heiligen Ostersonntag, brummte erstmals eine Drohne über unserem Anwesen herum. Entschlossen kam die Luftabwehr zum Einsatz. Doch der Aggressor war zu hoch für meine alte Zwille aus Astgabel und Einmachgummi. Ich muss aufrüsten.

***

Ei, ei, ei - da wird doch das Huhn in der Pfanne verrückt. Nach vier Wochen intensiver Gartenarbeit war ich auf dem besten Wege runter 'gen 90 kg adonisischer Leibespracht. Nun dieser heidnische Konteranschlag: Auf dem Ostersonntagfrühstückstisch steht ein riesiges Nest mit Eiern. Hühnereier in Farbe, Schokoladeneier unterschiedlichster Machart, Geleeeier, Zuckereier, Marzipaneier, Waffeleier. Bewacht wird die ganze Eierei von einem Hasen, der kein Häschen ist, dafür aber ebenfalls aus Schokolade. Und da bei uns gilt, "Nahrungsmittel lässt man nicht verderben und schmeißt man nicht weg", dürfte das vorläufig nichts werden mit dem Altersidealgewicht von 89 kg. Verdammich aber auch!


11.04.2020

Satirisches Corona-Bonmot des Tages: "Meine leise Hoffnung ist ja, dass die Friseurläden noch lange geschlossen bleiben. Ich wollte immer schon mal in einem Land leben, das von Janis Joplin und ZZ Top regiert wird." (Gefunden im aktuellen Zeit-Magazin, dort dem Redakteur Peter Dausend aus der Feder geflossen.)


09.04.2020

Da reale Umsetzung derzeit kaum möglich ist, erlaube ich mir keck diesen herzig-ideellen Gruß zum Oster-/Frühlingsfest im Jahre Corona: Umarmt und geküsst seien alle liebreizenden wie bisweilen auch kantig-grantigen Mädchen und Frauen. Die Herren müssen sich mit einem kräftigen Handschlag bescheiden. Trotz der aktuellen Unbilden seien alleits schöne Feiertage gewünscht.


08.04.2020

Neben mir auf dem Schreibtisch liegt eine über die vergangenen vier Wochen stetig länger gewordene Stichwortliste. Nein,sie sammelt nicht die vermeintlichen oder tatsächlichen Fehler, die im Zuge der Seuche begangen wurden/werden. Vielmehr listet sie Faktoren falscher Weichenstellungen in den zurückliegenden ca. 30 Jahren auf, die sich in den jetzigen Tagen der Krise als strukturelle Schwachstellen offenbaren. > Kurze Anmerkung dazu


06.04.2020

Ich verstehe ja, dass diese Frage viele Zeitgenossen umtreibt. Aber muss sie deshalb jeden Tag auf allen Kanälen immerfort gestellt werden: "Wie lange dauert der Corona-Ausnahmezustand noch?" Es wird auf Teufel komm raus gefragt. obwohl jeder, der seine fünf Sinne beisammen hat, die Antwort schon vorher kennt: "Es dauert so lange es eben dauert." Wie lange das sein wird, kann derzeit kein ernsthafter Mensch ernsthaft oder gar verbindlich beantworten. Geduld, Disziplin, Stehvermögen und Solidarität sind das Gebot der Stunde. Wie rief mir ein Nachbar heute über den Gartenzaun zu: "Do müsse ma halt durch. Hilft jo nix."


04.04.2020

Corona-Nachrichten vom späten Freitagabend, die bei mir hängengeblieben sind:
- Das Modell Singapur ist leider gescheitert. Die dortige Regierung musste infolge dramatisch ansteigender Infektionszahlen nun ihre Linie aufgeben, die Virus-Ausbreitung nur per App zu verfolgen und Ansteckungslinien zu unterbrechen, ansonsten das Leben aber normal laufen zu lassen.
- Infektions- und Todesrate in USA explodieren, nehmen auch in Russland rasant zu.
- In Brasilien haben die Regionalgouverneure und die Drogenbosse (sic) der untätigen Bolzonaro-Regierung quasi das Heft des Handelns aus der Hand genommen und in ihren Regionen resp. in den Armenvierteln eigenständig Notstandmaßmnahmen ergriffen.
- Italien hat dank strikter Seuchenschutzmaßnahmen fürs erste wohl das Gipfelplateau der Seuche erreicht. D.h. Ansteckungs- und Todesrate beschleunigen sich nicht mehr. D.h. aber auch, die absolute Zahl der Betroffenen nimmt weiter jeden Tag zu. Eine ähnliche Entwicklung deutet sich in Deutschland an.
- Neues und verlässliches Schnelltestverfahren auf bereits eingetretene Immunität geht an einer deutschen Uniklinik in die Praxisphase.
- Erste Versuche, Blutserum von immun Gewordenen zur Behandlungsunterstützung bei schweren Corona-Fällen laufen. Prognose: Könnte hilfreich sein; Ergebnis in 2 bis 4 Wochen.
- Mehrere tausend Marinesoldaten auf einem US-Flugzeuträger bejubeln ihren Kapitän, obwohl der gerade unehrenhaft entlassen von Bord gehen muss. Der Offizier hatte, als 100 Corona-Fälle in seiner Mannschaft festgestellt worden waren, das Oberkommando dringlich um Evakuierung des Kriegsschiffes ersucht. Nach ablehnendem Bescheid hatte er verzweifelt den Sachverhalt an die Öffentlichkeit gebracht. Das Schiff wird nun evakuiert, den couragierten Kapitän aber hat man geschasst.


03.04.2020

*Zum Wochenende ein bisschen albern (muss mal sein)* Wir hatten wohl all die Jahrzehnte zuvor eine völlig falsche Vorstellung von virologischen Forschungsinstitutionen und blässlichen, unterkühlten, unscheinbaren Leuten, die dort in abgeschotteten Kellerlaboren über Mikroskopen verkümmern. Denn jetzt, da die Vertreter/innen dieser Zunft zuhauf ins Licht gezogen werden, staunen wir nicht schlecht über eine Vielzahl attraktiver Herren (soweit ich das beurteilen kann) und bildhübscher Damen (das kann ich beurteilen) in ihren Reihen.

Ein trotz allem möglichst schönes, lebens- und liebesfrohes Wochenende sei gewünscht.


01.04.2020

Und jetzt mal die Gretchen-Frage an die kleine Minderheit der Pandemie-Zweifler und -Relativierer, der Seuchenverharmloser oder -leugner: Ab wievielen Corona-Toten wäret ihr bereit, euren Standpunkt zu überdenken? 100 000, 500 000, 2 Millionen, 5 Millionen, 10 Millionen oder mehr? Ihr könnt ja auf das Eintreten eines euch überzeugenden globalen Grenzwertes warten - der Rest der Welt kann es nicht, denn er muss real alles tun, um unzählige Leben zu retten. Ihr dürft auch eure irrwitzige Meinung behalten. Aber: Steht, bittschön, den Kämpfern an der Seuchenfront nicht im Wege rum und sabotiert nicht den Schulterschluss der übergroßen Bevölkerungsmehrheit gegen die Seuche!!!


31.03.2020

Von Tag zu Tag nimmt die Anzahl selbst gestern noch vernünftiger Leute zu, die in unbegreiflicher Realitätsblindheit plötzlich nach jedem Strohhalm greifen, der die Corona-Pandemie kleinredet und die Seuchenschutzmaßnahmen der Regierung(en) als überzogen anprangert. Weshalb ich sagen muss: Ich bin froh darüber, dass sich das Gros der Bevölkerung - Klopapier hin oder her - draußen inzwischen vernünftiger verhält. Ich bin für den Moment auch froh darum, dass viele der verantwortlichen Politiker/innen zumindest im aktuellen Krisenmodus den Schulterschluss mit der ernsthaften Wissenschaft suchen und die sprichwörtlichen Eier haben, im Interesse des Gemeinwohls das zur Rettung von Leben Notwendige durchzusetzen und hoffentlich durchzuhalten. Allein zu diesem Zweck haben wir dem Staat einen Teil unsere Freiheit vorübergehend abgetreten. Klar ist und alternativlos: Nachher, wenn die Seuche besiegt ist, werden wir diesen Teil zurückverlangen, vollständig und unbeschädigt.

 

Vorläufiger Daueraushang mit der Bitte um Beachtung:

> Liste von Streaming-Angeboten und Hilfsaufrufen aus der freien Kulturszene



04.04.2020

Corona-Nachrichten vom späten Freitagabend, die bei mir hängengeblieben sind:
- Das Modell Singapur ist leider gescheitert. Die dortige Regierung musste infolge dramatisch ansteigender Infektionszahlen nun ihre Linie aufgeben, die Virus-Ausbreitung nur per App zu verfolgen und Ansteckungslinien zu unterbrechen, ansonsten das Leben aber normal laufen zu lassen.
- Infektions- und Todesrate in USA explodieren, nehmen auch in Russland rasant zu.
- In Brasilien haben die Regionalgouverneure und die Drogenbosse (sic) der untätigen Bolzonaro-Regierung quasi das Heft des Handelns aus der Hand genommen und in ihren Regionen resp. in den Armenvierteln eigenständig Notstandmaßmnahmen ergriffen.
- Italien hat dank strikter Seuchenschutzmaßnahmen fürs erste wohl das Gipfelplateau der Seuche erreicht. D.h. Ansteckungs- und Todesrate beschleunigen sich nicht mehr. D.h. aber auch, die absolute Zahl der Betroffenen nimmt weiter jeden Tag zu. Eine ähnliche Entwicklung deutet sich in Deutschland an.
- Neues und verlässliches Schnelltestverfahren auf bereits eingetretene Immunität geht an einer deutschen Uniklinik in die Praxisphase.
- Erste Versuche, Blutserum von immun Gewordenen zur Behandlungsunterstützung bei schweren Corona-Fällen laufen. Prognose: Könnte hilfreich sein; Ergebnis in 2 bis 4 Wochen.
- Mehrere tausend Marinesoldaten auf einem US-Flugzeuträger bejubeln ihren Kapitän, obwohl der gerade unehrenhaft entlassen von Bord gehen muss. Der Offizier hatte, als 100 Corona-Fälle in seiner Mannschaft festgestellt worden waren, das Oberkommando dringlich um Evakuierung des Kriegsschiffes ersucht. Nach ablehnendem Bescheid hatte er verzweifelt den Sachverhalt an die Öffentlichkeit gebracht. Das Schiff wird nun evakuiert, den couragierten Kapitän aber hat man geschasst.


03.04.2020

*Zum Wochenende ein bisschen albern (muss mal sein)* Wir hatten wohl all die Jahrzehnte zuvor eine völlig falsche Vorstellung von virologischen Forschungsinstitutionen und blässlichen, unterkühlten, unscheinbaren Leuten, die dort in abgeschotteten Kellerlaboren über Mikroskopen verkümmern. Denn jetzt, da die Vertreter/innen dieser Zunft zuhauf ins Licht gezogen werden, staunen wir nicht schlecht über eine Vielzahl attraktiver Herren (soweit ich das beurteilen kann) und bildhübscher Damen (das kann ich beurteilen) in ihren Reihen.

Ein trotz allem möglichst schönes, lebens- und liebesfrohes Wochenende sei gewünscht.


01.04.2020

Und jetzt mal die Gretchen-Frage an die kleine Minderheit der Pandemie-Zweifler und -Relativierer, der Seuchenverharmloser oder -leugner: Ab wievielen Corona-Toten wäret ihr bereit, euren Standpunkt zu überdenken? 100 000, 500 000, 2 Millionen, 5 Millionen, 10 Millionen oder mehr? Ihr könnt ja auf das Eintreten eines euch überzeugenden globalen Grenzwertes warten - der Rest der Welt kann es nicht, denn er muss real alles tun, um unzählige Leben zu retten. Ihr dürft auch eure irrwitzige Meinung behalten. Aber: Steht, bittschön, den Kämpfern an der Seuchenfront nicht im Wege rum und sabotiert nicht den Schulterschluss der übergroßen Bevölkerungsmehrheit gegen die Seuche!!!


31.03.2020

Von Tag zu Tag nimmt die Anzahl selbst gestern noch vernünftiger Leute zu, die in unbegreiflicher Realitätsblindheit plötzlich nach jedem Strohhalm greifen, der die Corona-Pandemie kleinredet und die Seuchenschutzmaßnahmen der Regierung(en) als überzogen anprangert. Weshalb ich sagen muss: Ich bin froh darüber, dass sich das Gros der Bevölkerung - Klopapier hin oder her - draußen inzwischen vernünftiger verhält. Ich bin für den Moment auch froh darum, dass viele der verantwortlichen Politiker/innen zumindest im aktuellen Krisenmodus den Schulterschluss mit der ernsthaften Wissenschaft suchen und die sprichwörtlichen Eier haben, im Interesse des Gemeinwohls das zur Rettung von Leben Notwendige durchzusetzen und hoffentlich durchzuhalten. Allein zu diesem Zweck haben wir dem Staat einen Teil unsere Freiheit vorübergehend abgetreten. Klar ist und alternativlos: Nachher, wenn die Seuche besiegt ist, werden wir diesen Teil zurückverlangen, vollständig und unbeschädigt.


30.03.2020

Gestern, am späten Sonntagabend, lande ich zufällig auf 3sat – in einer Sendung, die mich für knapp zwei Stunden zu so ausgelassenem Tanzen und Singen (Gröhlen) treibt, dass die heimische Bude wackelt: Karfreitag anno 2016, Vollmond, The Rolling Stones machen in Havanna/Kuba 450 000 Konzertbesucher froh. Die betagte Frontline musiziert hochkonzentriert, geht aber zugleich verspielt wie selten miteinander und mit dem Publikum um. Das setzt sich aus Menschen aller Hautfarben und Altersklassen zusammen. Im Geiste sehe ich die Rassisten dieser Welt das Kotzen kriegen angesichts solcher „Vermischung“ und Glückseligkeit bei einem Abend lebensfroher, liebeslustiger Rock-Weltkultur. Und während die Mucke mächtig abgeht, schwappt mir ein Beethoven‘sches Gänsehautfeeling durchs Gemüt: „Seid umschlungen Millionen“ – gerade in den jetzigen Tagen des notwendigen Körperabstandes.


29.03.2020

Sorry, aber ich kann es nicht anders ausdrücken: Bei einer kleinen, jedoch lautstarken Minderheit der Zeitgenossen ist offenbar der Irrsinn ausgebrochen. Mal heißt es da, es gäbe gar kein Corona-Virus; mal, das Virus sei völlig harmlos; mal, die Todesstatistiken seien bloß Propaganda und/oder der ganze Corona-Hype nur von irgendeiner Weltverschwörung angezettelt usw. usf. Ja, ja, ja, ist klar: Corona-Patienten sterben weltweit inzwischen zu Zehntausenden aus Jux und Dollerei oder tun nur so, als würden sie sterben. Geht's noch?

Logisch, dass seitens dieser Minderheit nie die eigentliche Gretchen-Frage dieser Tage behandelt wird: Wie hoch würde die Todesrate ohne rechtzeitigen durchgreifenden Seuchenschutz ansteigen? Man kann es an Italien im tendeneziellen Ansatz erkennen. Und der liebe Gott oder sonstwer stehe den Abermillionen Menschen in den dicht gedrängten Armenvierteln Afrikas, Asiens und Lateinamerikas bei, sollte das Virus sich dort massenhaft ausbreiten.

Dann aber beschweren sich die Seuchenleugner und -verharmloser, wenn man ihnen Paroli bietet, sich dabei gar auf die Wissenschaft beruft. Sie bestehen auf ihr Recht zur freien Meinungäußerung, und darauf, dass jeder glauben müssen darf, was er will. Tatsächlich schränkt niemand ihre Meinungsfreiheit ein. Allerdings gehört zu meiner Meinungsfreiheit, gemeingefährlichen Unfug auch so nennen zu dürfen. Und glauben können die Herrschaften sowieso, was sie wollen, denn es herrscht Religionsfreiheit. Allerdings ist Spintisieren nichts, worauf Entscheider, Ärzte, Helfer und alle übrigen im Kampf gegen die Seuche Stehenden reales Handeln gründen könnten.

***

Aufmunterndes Verzählche am 13. Sonntag im Jahre Corona: Ein strahlend schöner Sommertag in den späten 1960ern. Die Clique aus 13- bis 15-Jährigen macht sich in der hintersten Ecke der Schwimmbadwiese breit. Richtiger gesagt: Die knapp zwei Dutzend Mädchen und Jungs drängen sich ohne Not, Decke an Decke, auf einem Rund zusammen, das sonst  dem Platzbedarf zweier Kleinfamilien gerecht wird. Weil die jungen Leute eben erst dem Kindesalter entwachsen sind, in dem die Geschlechter eher nichts miteinander zu tun haben wollten, suchen sie nun umso mehr die Nähe zueinander. Sich neckend, sich kappelnd, unschuldig bis hoffnungsvoll verspielt entdecken sie das plötzlich auf irritierende Weise noch fremder, aber zugleich so verlockend gewordene Andere. (...) > Weiterlesen hier


25.03.2020

Es wird dies für einige Tage mein letzter Beitrag zum Thema Corona sein. Alles für den Moment Wichtige ist allerorten vielfach gesagt. Jede/r weiß, was er in Sachen Seuchenbekämpfung zu tun und/oder zu lassen hat; die meisten dürften inzwischen auch wissen, an wen sie sich wegen Finanzhilfen wenden sollten. Wer noch mehr über den tagesaktuellen Gang der Corona-Dinge erfahren will, ist bei den öffentlich-rechtlichen Sendern sowie den überregionalen und regionalen Qualitätszeitungen bestens aufgehoben. Bevor ich mich nun anderen Themen, Tätigkeiten, Aufgaben zuwende, seien noch drei Anmerkungen gemacht bzw. Hinweise gegeben > weiterlesen hier


24.03.2020

Gestern hatte ich den für die April-"Quergedanken" am 1./2. März geschriebenen, am 16. März aber verworfernen Text - Nr. 181 (a) - zur Kenntnis gebracht. Heute nun sei der in Folge Corona-Entwicklung am 22. März neu verfasste und eben in Druck gegangene Beitrag Nr. 181 (b) vorgestellt. > In der Not lasst uns singen: Andrà tutto bene


23.03.2020

Info für freie Kulturschaffende in Rheinland-Pfalz. Das Kulturministerium in Mainz hat heute eine Presseerklärung herausgegeben, die finanziellen Corona-Hilfsprogramme für Kulturschaffende im Land betreffend. Wenn ich es richtig verstehe, geht die Sache jetzt in die Konkretphase. Die Erklärung folgt hier im Wortlaut. Vorweg eine der wichtigsten Infos: Die beiden Kulturberater des Landes sind in Sachen Finanzhilfen eure ersten Ansprechpartner. Für den Norden von RLP ist das Björn Rodday (Tel.: 02621/62 31 5-10, Mail: info@kulturbuero-rlp.de), für den Süden Roderick Haas (Tel: 0176/23 26 34 83, Mail: roderick.haas@kulturwestpfalz.de).

> Presseerklärung des Kulturministeriums RLP im Wortlaut

***

Den unten verlinkten Text hatte ich am 1./2. März 2020 geschrieben. Mit ihm sollte meine Kolumne "Quergedanken" für den Monat Arpil bestückt werden. Damals - vor drei Wochen - war Corona noch eher ein leises Rumoren am Horizont und erschien ein Beitrag über den Normalzustand der modernen Zeit durchaus vertretbar. Am 16. März haben dann der Herausgeber des mittelrheinischen Magazins "Kulturinfo" und ich entschieden, diesen Beitrag in die Tonne zu treten. Grund: Inzwischen hatte das Virus auch hierzulande Stund' um Stund' Normalitäten ausgehebelt. Frappierender Zufall obendrein: Mein Text wünscht sich ausgerechnet etwas, was das Virus nun quasi im Vorbeigehen erzwingt - mehr Stille, mehr Ruhe. Bevor morgen die neu geschriebenen Corona-"Quergedanken" 181 (b) erscheinen, sei hier der noch coronafreie Ersttext zur Kenntnis gebracht. Auf dass er nicht einfach so im Müll verschwinde.  > Entfallene "Quergedanken" 181(a): Schenk mir doch ein kleines bisschen Stille


21.03.2020

Heute musste ich mal raus "an die Front" ein paar Nötigkeiten zukaufen. Zur Tankstelle wg. Benzin (und Rauchware). In den Supermarkt für dies und das. Ich hatte mit verkniffenen, verängstigten oder aggressiven bis der Corona-Seuche völlig gleichgültig begegnenden Menschen gerechnet. Doch all dies war nicht der Fall.  Ruhe und beträchtliche Disziplin, dazu immer wieder Lächeln nebst (galgen-)humorigen Bemerkungen prägten mein Einkaufserleben. Davon handelt mein Erzähltextchen > Impressionen vom Samstagseinkauf


20.03.2020

Gestern (19.3.2020) hatte ich auf Facebook und meiner Website Kulturschaffenden der freien Szene ein publizistisches Hilfsangebot (s.u.) unterbreitet. Bis dato wird davon nur spärlich Gebrauch gemacht. Was daran liege - so sagen mit Vertreter von Kulturverbänden -, dass Künstler/Gruppen sich erstmal von grundauf orientieren müssen. Mein Angebot bleibt bestehen. Die ersten Rückläufe sind an diesen Text angehängt und seien der allgemeinen Aufmerksamkeit empfohlen. Weitere Meldungen sind herzlich willkommen. > Text "Solidarität mit freien Kulturschaffenden (hier)

***

Verschärfung der Seuchenschutzmaßnahmen in Rheinland-Pfalz (heute, 20.03.2020, von der Landesregierung beschlossen und verkündet, treten um Mitternacht in Kraft):

"Rechtsverordnung zu weiteren kontaktreduzierenden Maßnahmen
Über den Erlass zu weiteren kontaktreduzierenden Maßnahmen aufgrund des Aufkommens von SARS-CoV-2-Infektionen in Rheinland-Pfalz vom 17. März 2020 hinaus werden weitere Einrichtungen für den Publikumsverkehr geschlossen.
Dazu gehören:
Restaurants, Speisegaststätten, Mensen, Kantinen, Cafés und ähnliche Einrichtungen (jeweils Innen- und Außengastronomie). Zulässig sind weiterhin der Straßenverkauf, der Verkauf zur Mitnahme und der Lieferservice.
Eisdielen, Eiscafés, Internetcafés und ähnliche Einrichtungen (jeweils Innen- und Außengastronomie),
Thermen, Solarien, Wellnessanlagen und ähnliche Einrichtungen,
Fahrschulen (einschließlich Fahrschulprüfungen in Räumlichkeiten des Technischen Überwachungsvereins – TÜV –) und ähnliche Einrichtungen,
Bibliotheken und ähnliche Einrichtungen,
Sportboothäfen und ähnliche Einrichtungen.
Zudem ist jede Ansammlung von mehr als fünf Personen in der Öffentlichkeit untersagt. (...)"


19.03.2020

Angebot an selbständige Kulturschaffende in der freien Szene.

Unabhängig von der unbedingten Notwendigkeit, dass die Politik rasch eine effektive Finanzunterstützung auch für die freien Kulturschaffenden ins Werk setzen muss, möchte ich helfen. Ich stelle die recht ordentliche Reichweite meiner Website sowie meiner Facebook-Seite zur Verfügung, auf dass ihr eure jeweiligen Streaming-Angebote und/oder Spendenaufrufe weiter verbreiten könnt. Ich bitte darum, dass nur diejenigen Kulturschaffenden Gebrauch davon machen, die ihr Brot ganz oder zu wesentlichen Teilen mit künstlerischer Arbeit verdienen und jetzt im Zuge von Corona aktuell in Notlage geraten. Und so soll's gehen:

Kulturschaffende melden mir Links zu ihren Streaming-Angeboten und/oder Spendenaufrufen (zwei, drei erklärende Sätze dazu) per eMail redaktion(at)pecht.info. Ich baue die Links dann auf meine Website und auch auf meine Facebook-Seite. Bitte keine Telefonanrufe. Unklare oder verdächtige Links schmeiße ich raus. Schön wäre es natürlich, wenn nachher andere Kulturfreunde zur Weiterverbreitung beitragen würden. Schaun mer mal, was sich tut.


18.03.2020

Liebe Leut', benehmt euch bloß anständig. Wir sind schließlich Akteure im womöglich umfangreichsten und gewichtigsten Kapitel der Geschichtsbücher für die nächsten vier bis fünf Generationen. Dessen Überschrift könnte lauten: "Der große Epochen-Umbruch im frühen 21. Jahrhundert - Klimawandel und Corona-Seuche".

***

Ist es in diesen Zeiten der Seuche erlaubt, statthaft, angemessen: Heiter, fröhlich, humorig zu sein, gar zu witzeln über das Virus und/oder menschliche bis allzumenschliche und skurrile Phänomene in der Corona-Welt?? ABER JA DOCH, UNBEDINGT! Den Gegner lächerlich machen, die eigenen Schwächen auf die Schippe nehmen, das war zu Krisenzeiten allemal ein bedeutender Zug der Menschenkultur. Denn Lachen tut wohl, erleichtert, bringt auch Zuversicht mit sich.


17.03.2020

Hier ein paar gute Nachrichten und/oder Anregungen von der Corona-Front.

- Im Westerwald haben am Samstag zwei Männer die FB-Gruppe "Wäller Helfen - Coronavirus" ins Leben gerufen. Bis Montagabend hatten sich bereits mehr als 3000 Helfer gemeldet mit ihren Angeboten u.a. Einkaufen, Fahrdienst, Kinderbetreuung etc.
- Ähnliches bei der Gruppe "Koblenz hilft sich - Jetzt erst recht"
- Viele Vereine auf Dorf- und Kleinstadtebene haben ebenfalls Hilfsdienste ins Leben gerufen.
- Etliche hundert Reservisten (darunter überdurchschnittllich viele aktuell beschäftigungslose Lehrer) haben sich freiwillig beim Sanitätsdienst der Bundeswehr gemeldet.
- Zwecks Ermutigung und um das Kulturleben nicht völlig zum Erliegen kommen zu lassen, beginnen Künstler und Kulturinstituionen jetzt mit gestreamten Darbietungen im Netz. So zB Pianist Igor Levit mit seinem "Social Media Hauskonzert" täglich um 19 Uhr oder das Theater Koblenz täglich um 18.30 Uhr mit einem neuen "Lied des Tages".
- Ich höre aus der Freien Kulturszene von der Idee, dass freischaffende Ensembles, Bands, Einzelkünstler ebenfalls eigene Darbietungen ins Netz stellen wollen - verbunden mit der Bitte/Aufforderung ans Publikum, dafür einen freiwilligen Obulus zu überweisen, um die finanzielle/existenzielle Not abzumildern, in die ein großer Teil der Freischaffenden gerade unverschuldet schlittert.


16.03.2020

Das kann sehr hilfreich sein und/oder werden für freie Kulturschaffende (und andere Freiberufler): Ein lange Liste mit Links zu websiten von Verbänden, Gewerkschaften, Institutionen, die derzeit alle an der Frage dran sind, wie in Corona-Zeiten den schnell in finanzielle Not- und Schieflage geratenden Künstlern und Kulturarbeitern geholfen werden kann/muss. (Danke, liebe Heike Rost, für das Zusammenklauben).

> Links für Freiberufler und Selbstständige

***

Ich kann ja zumindest im Ansatz noch begreifen, wenn jemand derzeit ein paar Grundnahrungsmittel, essenzielle Getränke, nötigenfalls Tabak, Medikamente oder auch zwei Fläschlein Desinfektionsmittel bunkert. Was mir allerdings partout nicht in den Kopf geht, das ist die Sache mit dem Klopapier und anderen Papierprodukten (Küchenrolle, Tempos), die zu selbigem Geschäft verwendet werden können. Warum, um Himmelswillen, hamstern/horten so viele Leute dieses Zeug bergeweis'? Haben die alle daheim kein fließend Wasser, keine Waschbecken, keine Duschen?


15.03.2020

Man stößt im Netz am heutigen Sonntag auf zahllose Fotos und Nachrichten, die von großen Menschenansammlungen in der Frühlingssonne zeugen. ZB diese Meldung hier aus der Pfalz: "Die Absage des Neustadter Mandelblütenfestes wegen des Coronavirus hat mehrere Tausende Besucher nicht davon abgehalten, dennoch den Ortsteil Gimmeldingen zu besuchen." Es ist gut zu verstehen, dass die Leute nach der langen Schlechtwetterphase jetzt in die Sonne wollen. Ich war heute selbst fast 4 Stunden draußen spazieren. Es war wunderbar. Allerdings, und das wäre nun auch mein Vorschlag/Tipp in Richtung Allgemeinheit: Sucht euch Gegenden in Wald und Flur aus, wo die Wahrscheinlichkeit klein ist, auf größere Menschenmengen zu stoßen - weg von den städtischen Plätzen, Promenaden und Parks, weg von den Ausflugshotspots oder Hauptwanderwegen. Fahrt halt mal etwas weiter hinaus, entdeckt der Wälder Stille, erkundet Nebenwege und Seitentäler.


13.03.2020

Nun denn. Stellen wir unser Denken und Handeln also auf Notstand um. Lamentieren hilft ja nix, Schönreden und Verharmlosen auch nicht. Es ist ein großes Problem, dass die meisten Menschen hierorts zu ihren Lebzeiten noch keine derartige Situation kennengelernt haben. Gravierende Veränderungen oder gar das Ausfallen etlicher/vieler gewohnter und quasi seit Geburt für selbstverständlich gehaltener Abläufe und Strukturen haben nur die Ältesten unter uns und ein Teil der Zuwanderer schon erlebt, allen anderen sind sie völlig fremd. Jeden treffen sie nun auf unterschiedliche Weise, und doch ist trotz allerhand individuell verschiedener Unbilden jeder gehalten, sich den allgemeinen Seuchenschutzmaßnahmen unterzuordnen. Denn drei Dinge sind klar: Es wird noch wesentlich dicker kommen; die Seuche wird nicht einfach so alsbald von selbst verklingen; der Staat allein kann die Sache nicht bewältigen.

Ich denke mir allerdings: Gerade weil die Gefahrenlage tatsächlich so ernst ist, sollte man nicht vollends in Trübsinn, Fatalismus oder Depressivität versinken. Das Leben geht weiter, wenn auch mit mancherlei Verlusten, inklusive Materiellem oder vertrauten Lebensqualitäten, und vielfach in gänzlich ungewohnten Bahnen. Die nun eingesetze Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens zum Weniger, Langsamer, Zurückgezogener, Privater birgt auch die Möglichkeit, ganz neue Aspekte von Lebensqualität zu entdecken oder alte, lange vergessene wiederzuentdecken. Deshalb mein Wunsch: Lasst uns also dem Virus entgegentreten mit entschlossener wie solidarischer Teilnahme an der Seuchenbekämpfung und zugleich mit dem festen Willen, uns von der Corona-Plage die Lebensfreude nicht vollends vergällen zu lassen.

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Weitere Corona-Info für Theaterfreunde im Südwesten (Stand 13.3.2020, 10 Uhr): Nach den städtischen/staatlichen Bühnen Bonn, Koblenz, Saarbrücken, Frankfurt haben nun auch Schauspiel und Oper in Köln sowie in Düsseldorf den Spielbetrieb bis auf weiteres komplett eingestellt. Gespielt wird derzeit noch am Theater Trier, am Schlosstheater Neuwied sowie an den Staatstheatern in Wiesbaden, Darmstadt und Mainz (eingeschränkt). Ich gehe allerdings davon aus, dass das nicht mehr lange so wird und auch diese Häuser bald schließen. Ohnehin begreife ich dieses krampfhafte Festhalten am Spielbetrieb nicht recht. Denn enger aufeinander als oft stundenlang in mäßig bis schlecht belüfteten Theatern hockt man eigentlich nur noch bei Knutschorgien. Was meine Dienste als Theaterkritiker angeht, so habe ich diese mit sofortiger Wirkung vorläufig ebenfalls eingestellt.


12.03.2020

Aktuelle Corona-Info für Theaterfreunde in meinem südwestdeutschen Beritt:
Das Theater Koblenz stellt seinen Spielbetrieb vom morgigen Freitag (13.3.) an und vorläufig bis 20. April vollständig ein. Das Schauspiel Frankfurt hat soeben alle Aufführungen in allen Spielstätten vorläufig bis 10. April abgesagt. Zeitgleich teilt auch die Oper Frankfurt mit, dass sie ihren gesamten Spielbetrieb "bis auf weiteres" einstellt. Die Frankfurter Regelungen gelten ebenfalls bereits für die Vorstellungen an diesem Freitag.

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Pardon, aber so kann's ja nun auch nicht gehen. Ich habe aktuelle Erklärungen in Sachen Corona von mehreren "unteren" Behörden hierzulande gelesen. Und da sind manche dabei, die - wie zB gestern das Gesundheitsamt Mayen-Koblenz und der dortige Landrat - sich mit Empfehlungen und Appellen zur Eigenverantwortung an Veranstalter und Bürger begnügen. Man "empfiehlt" alle Veranstaltungen abzusagen, insbesondere die großen in geschlossenen Räumen. Der Landrat "appelliert": „Wenn eine Veranstaltung stattfindet, ist auch jeder Teilnehmer für sich in der Pflicht zu entscheiden, ob er sich dem möglichen Risiko einer Infektion aussetzen möchte oder ob man auf eine Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen doch verzichten kann“. Alles gut und richtig, aber wenn die potenzielle Gefahrenlage so ernst ist, wie zuletzt von der Bundeskanzlerin skizziert (und das ist so wohl), dann müssen von den staatlichen Organen auch tatsächliche Entscheidungen getroffen werden: Hü oder hott in der Seuchenprävention am Ort. Die Verantwortung dafür einfach durchzureichen an jeden Einzelnen, ist nicht akzeptabel.


11.03.2020

Info/Tipp: Liebe Kulturfreunde/innen, es hagelt seit dem Vormittag Absagen von Kulturveranstaltungen jedweder Art und Größenordnung (wg Corona). Die entsprechenden Mitteilungen der Veranstalter aus allen Teilen der Republik kommen im Minutentakt herein. Wenn ihr also noch irgendeinen Veranstaltungsbesuch auf dem Plan haben solltet und wahrnehmen wolltet: Erkundigt euch zuvor, ob die Sache überhaupt stattfindet. Und macht das sehr zeitnah zum vorgesehenen Termin, denn die Lage ändert sich quasi stündlich. Ich habe schon einige Veranstaltungen gesehen, deren Stattfinden gestern noch beteuert wurde, die aber heute gecancelt worden sind.

Aktueller Nachtrag (18 Uhr) für meinen Kulturberitt: Das Musik-Institut Koblenz sagt seine nächsten drei Anrechtskonzerte ab. Das Theater Bonn stellt den Vorstellungsbetrieb vorerst bis 15.3. komplett ein; mit Verlängerung der Maßnahme sei zu rechnen. Abgesagt sind auch alle Konzerte des Bonner Beethoven-Festes zwischen 13.3. und 22.3. . Die Stadt Mainz schließt das Gutenberg-Museum; in der ganzen Stadt sind Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern untersagt, solche ab 500 melde- und genehmigungspflicht (das betrifft, wenn ich's richtig verstanden habe, auch das Staatstheater = Beschränkung der Zuschauerzahl auf max. 500).

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"Angst ist ein schlechter Ratgeber" heißt es im Volksmund. Und das ist richtig. Es ist aber auch richtig, dass die Evolution uns die Fähigkeit zur Angst als Vorsichts- und Präventionsmechanismus für potenzielle Gefahrenlagen mitgegeben hat. Stellt die jetzige Corona-Epidemie eine solch potenzielle Gefahrenlage dar? Im Grundsatz: Ja - weil JEDE Epidemie/Seuche mit im Alltagsleben vorhandenen profanen Ansteckungswegen sowie der Möglichkeit schwerer bis tödlicher Krankheitsverläufe eine potenzielle Gefahrenlage ist. Dies gilt insbesondere für Krankheiten, die noch nie da waren, über die man wenig weiß, gegen die in der Bevölkerung noch keine nennenswerten oder gar keine Immunitätsanteile existieren und gegen die es (bislang) auch keine Medikamente gibt.

> Mein kleines Essay zum Thema


08.03.2020

Mein Beitrag zum Weltfrauentag

Als Jäger war der Mann der Haupternährer. Als "Nestbauerin" versorgte die Frau Heim, Herd, Kinder – so lautete die tradierte Vorstellung, wie Menschen seit der Steinzeit gelebt haben. Jüngere und jüngste Forschungen aus Archäologie und Anthropologie beweisen indes: Diese Rollenbilder hat es so in der Steinzeit weder beim Homo sapiens noch vermutlich bei seiner Geschwisterspezies der Neandertaler gegeben.

> Zum ganzen Text "Die Frau - ein starkes Geschlecht seit jeher"


06.03.2020

Es ist noch nicht so lange her, da bekannte ich mit Stolz, mich als Europäer und Weltbürger zu fühlen. Heute möchte ich vor lauter Scham über das Verhalten europäischer und anderer Machthaber sowie eines beträchtlichen Teils der Zeitgenossen im Erdboden versinken. Je älter ich werde, umso größer Fassungslosigkeit und Nicht-Begreifen-Können: Der Homo sapiens trägt alle wunderbaren Potenziale in sich, friedlich, freundlich, gedeihlich mit Seinesgleichen und dem Planeten zusammenzuleben. Was aber geschieht? Die dunklen und dummen, ignoranten und barbarischen Anlagen dieser Spezies behalten doch wieder die Oberhand und bestimmen über den Gang der irdischen Dinge.


05.03.2020

Gestern sah ich an einem Busbahnhof, wie sich etliche Jugendliche jetzt epidemologisch korrekt begrüßten/ verabschiedeten: Sie warfen einander Handküsse dutzendweise zu; sie vollführten Luft- und Selbstumarmungen mit Knutschmund in Richtung Gegenüber; sie gingen oder rannten aufeinander los, drehten sich kurz vor dem Zusammenprall um die eigene Achse und stupsten/stießen neckisch die Hintern aneinander. Die Freude daran war bei Akteuren und Zuseher groß. Zur Nachahmung gewiss empfehlenswert - ob mit oder ohne Corona.


04.03.2020

Es gibt die ewigen Gebote der Menschlichkeit, und es gibt das je aktuelle politische Kalkül. Wenn beide in Widerspruch zueinander geraten, kann die Schuld daran niemals den Geboten zur Menschlichkeit angelastet werden. Und so fragt sich: Wovon lassen wir unser Tun heute leiten?

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Leseempfehlung. Seit einer Weile schon kursieren Thesen/Texte von Leugnern des menschengemachten Klimawandels, die sich a) auf die Zyklenuntersuchungen von Milankovitch berufen und b) behaupten, die NASA selbst würde die globale Erwärmung auf die Orbitalzyklen zurückführen. Die Lektüre des u.g. Artikels (liegt leider nur auf Englisch vor) aus dem Hause NASA belegt: Letzteres ist Fake, Ersteres Unkenntnis oder gewollte Missdeutung der Arbeit von Milankovitch. > Zum Artikel "Why Milankovitch (Orbital) Cycles Can't Explain Earth's Current Warming"


02.03.2020

Nach dem langen Schreibtag gestern knubbeln sich heute die Veröffentlichungen. Stück um Stück werde ich euch mit Hinweisen/Verlinkungen auf meine Kritiken von "King Lear" in Bonn und "Drei Schwestern" in Mainz behelligen. Hinzu kommt dann noch als dritter Artikel die Fortsetzung meines im Spätsommer 2019 begonnenen Beitrags über die Koblenzer Orchestergeschichte, für den heute die Sperrfrist fällt. Beginnen wir mit der Kritik über eine "Lear"-Inszenierung, die auf einer hochinteressanten Grundidee fußt, von der dieser fast dreieinhalbstündige Abend allerdings nicht durchgängig getragen werden kann. > Meine Besprechung in der RZ, 3400 Anschläge, 49 Cent

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Tragödie oder Komödie? Die Rezeptionsgeschichte von "Drei Schwestern" neigte in Deutschland meist zu Ersterem. Autor Anton Tschechow selbst war indes überzeugt, eine Komödie geschrieben zu habe. Eins indes ist gewiss: Mit Maren E. Bjørseths Sicht auf den Klassiker von 1901 gelingt am Staatstheater Mainz ein kleiner Überflieger. > Meine Premierenkritik in der RZ, 4250 Anschläge, 49 Cent

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In der vorigen Ausgabe des Magazins "con moto" hatte ich über Marksteine der früheren und frühesten Koblenzer Orchestergeschichte geschrieben – beginnend anno 1654, bis zur Gründung der Rheinischen Philharmonie 1945, endend bei der Umwandlung in ein rheinland-pfälzisches Staatsorchester 1973 (> Teil 1 s. hier) . Seither wurde der Autor mehrfach gebeten, zumal von jüngeren und nicht schon seit Jahrzehnten in Koblenz lebenden Musikfreunden, diese Erzählung doch bis in die Gegenwart fortzusetzen. Dieser Bitte sei hiermit gerne entsprochen. > Teil 2, Koblenzer Orchestergeschichte - Von 1973 bis heute / Freier Lesetext


29.02.2020

Am morgigen 1. März beginnt der meteorologische Frühling. Der ist per Definition eigentlich an den biologischen Frühling geknüpft. Letzterer allerdings hat heuer, klimatisch gefühlt und phänomenologisch beobachtet, bereits im Januar angefangen. Nach objektiven Messdaten sieht die Bilanz für den Winter 2019/20 so aus (Quelle: Dt. Wetterdienst): "In dieser Saison haben wir einen Totalausfall des Winters erlebt." Sein Temperaturdurchschnitt lag in Deutschland bei 4,1 Grad. Zum Vergleich: Der langjährige Mittelwert betrug 0,9 Grad. Der Winter 2019/20 war der zweitwärmste seit Messbeginn anno 1881. Er reiht sich damit nahtlos ein in die seit rund drei Jahrzehnten anhaltende Durchschnittstendenz zu temperaturmäßig immer milderen Wintern.

***

“Die Wiederbelebung oder Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts, die Verherrlichung des nationalsozialistischen Herrschaftssystems sowie rassistische und antisemitische Aktivitäten nicht zuzulassen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt und Verantwortung jedes Einzelnen”, lautet der neue Paragraph 37a der Landesverfassung von Sachsen-Anhalt. Diese Verfassungserweiterung ist zustande gekommen durch die Kooperation der CDU-geführten Regierungsfraktionen mit der Linken. Die AfD war dagegen.

29.02.2020

Am morgigen 1. März beginnt der meteorologische Frühling. Der ist per Definition eigentlich an den biologischen Frühling geknüpft. Letzterer allerdings hat heuer, klimatisch gefühlt und phänomenologisch beobachtet, bereits im Januar angefangen. Nach objektiven Messdaten sieht die Bilanz für den Winter 2019/20 so aus (Quelle: Dt. Wetterdienst): "In dieser Saison haben wir einen Totalausfall des Winters erlebt." Sein Temperaturdurchschnitt lag in Deutschland bei 4,1 Grad. Zum Vergleich: Der langjährige Mittelwert betrug 0,9 Grad. Der Winter 2019/20 war der zweitwärmste seit Messbeginn anno 1881. Er reiht sich damit nahtlos ein in die seit rund drei Jahrzehnten anhaltende Durchschnittstendenz zu temperaturmäßig immer milderen Wintern.

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“Die Wiederbelebung oder Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts, die Verherrlichung des nationalsozialistischen Herrschaftssystems sowie rassistische und antisemitische Aktivitäten nicht zuzulassen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt und Verantwortung jedes Einzelnen”, lautet der neue Paragraph 37a der Landesverfassung von Sachsen-Anhalt. Diese Verfassungserweiterung ist zustande gekommen durch die Kooperation der CDU-geführten Regierungsfraktionen mit der Linken. Die AfD war dagegen.


27.02.2020

Just auf seine letzten Tage meint der bis dato ausgefallene Winter 19/20, sich großmäulig ins altvordere Traditionskostüm werfen zu müssen zwecks Show-Winter. Frau Holle schmeißt hier im Unterwesterwald tonnenweise Schneeflocken vom Himmel, die sich ringsumher als nasse Pampe niederlassen.


25.02.2020

Es gibt bei jeder Wahl kleine Ecken mit Ergebnissen, die sind so speziell, dass einem schier die Kaffeetasse aus der Hand fällt. Bei der Hamburg-Wahl etwa verzeichnete ein Wahllokal in St. Pauli folgendes Resultat: Grüne 34,2 %, Linke 28,3 %, SPD 20,0%, Die Partei 8,1 %, CDU 1,9%, FDP 1,8%, AfD 0,0%. Weniger speziell, dafür umso interessanter: In HH kam die AfD bei den weiblichen Wählern auf nur 3%;, ebenfalls nur 3% erzielte sie bei den jungen Wähler von 18 bis 29 Jahren.


24.02.2020

Tja, es hat leider nicht ganz hingehauen mit dem AfD-Rauswurf aus der Hamburger Bürgerschaft. Auch ist der Rückgang des prozentualen Stimmanteils der rechtsradikalen Partei von -0,8% geringer als erhofft und in der ersten Hochrechnung angezeigt. Das ist bedauerlich, weil es - zumal nach Erfurt und Hanau - vor allem signalisiert: In der AfD-Klientel ist der Anteil des Korns sehr klein, das durch Zureden, Aufklärung, Erkenntnis von der Spreu zu trennen wäre. Offenkundig hängt das Gros dieser Leute ziemlich gefestigten antidemokratischen, rassistischen, asozialen, inhumanen, faschistoiden bis faschistischen Grundhaltungen an.

> Mein Kommentar am Tag danach


23.02.2020

Rund 2500 Jahre alt, griechisch-antik, düstere Geschichte über Morde an Gatten, Kindern, Mutter, über nicht enden wollende Blutrache und das miese Spiel der Götter mit den Schwachheiten des Menschengeschlechts. Die Rede ist von der Trilogie „Orestie“, einem Nachspiel zum Trojanischen Krieg aus der Feder des Aischylos. Eine uralte Tragödie, die gleichwohl Theaterschaffende bis zum heutigen Tag umtreibt. Fürs große Frankfurter Schauspielhaus hat nun Jan-Christoph Gockel, Hausregisseur am Staatstheater Mainz, das Stück als Multimedia-Inszenierung zubereitet – teils tief berührend, teils hochinteressant, teils arg irritierend.

> Meine Premierenkritik (4200 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


22.02.2020

Meine aktuelle Monatskolumne "Quergedanken" Nr. 180 beginnt folgendermaßen: Freund Walter hat soeben den Winter 2019/2020 für beendet erklärt. Genau sagte er: „Ist ausgefallen, hat nicht stattgefunden. Wie schon der letztjährige. Jedenfalls, aber keineswegs nur, in unseren südwestdeutsch-rheinischen Breiten.“ Dieser Text entsteht Mitte Februar, weshalb ich einwende: Mal langsam, mein Lieber, da kann noch was kommen. Worauf er die Augenbrauen hochzieht und blafft: „Könnte viel nicht mehr sein, denn Anfang April wird bereits wieder Hochsommer ausbrechen. Falls nicht, trete ich zurück.“ (...)

> Ganzer Artikel unter der Überschrift "Winter ade?" hier


21.02.2020

Komme eben zurück von der Koblenzer Mahnwache #RassistischeBluttatHanau. Sehr schöne Mischung der 500 bis 700 Teilnehmer (meine Schätzung): Bürger aller Altersklassen hiesiger, türkischer. kurdischer und anderer Herkunft, Koblenzer Sinti & Roma, Delegationen mehrerer örtlicher Karnevals-Korporationen mitsamt Prinz/Prinzessin, viel Jugendliche, Juden, Muslime, Christen, Atheisten ... Alle gemeinsam gegen Hass und Faschismus.

***

Weiteres zur rassistischen Bluttat von Hanau:

1. Ausgezeichneter Kommentar von Rainald Becker (SWR) in der tagesschau. Glasklar und völlig richtig > Filmmitschnitt hier 

2. Treffliche Analyse in der Süddeutschen Zeitung: "Täter wie der Angreifer von Hanau fühlen sich von einer rechtsradikalen Stimmung getragen, die in Deutschland immer weiter um sich greift." > freier Lesetext hier


20.02.2020

Schwierig, sehr schwierig: Wie nun umgehen mit Fastnacht/Karneval angesichts der entsetzlichen rassistischen Bluttat von Hanau? Keine Veranstaltung wird die Ereignisse ignorieren können und die wenigsten werden es wollen. Den jetzt verschiedentlich aufgekommenen Gedanken, Fastnacht ganz abzublasen, halte ich persönlich für falsch. Denn ich glaube, man sollte den braunen Verbrechern diesen Triumph nicht bieten und sich von ihnen auch die Lebensfreude nicht rauben lassen. Gleichwohl hat Hanau dem Frohsinn einen Knick verpasst und ist manchem nicht mehr nach Fastnachtsspaß. Weshalb die Entscheidung, feiern oder nicht, eine sehr persönliche ist. Aber ob man nun feiert oder nicht, m.E. kann beides zur Geste des Widerstandes gegen die braune Durchseuchung unserer Gesellschaft werden. Gesicht zeigen - hier, da und dort!

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Schreckliche rassistische Bluttat in Hanau. Großes Entsetzen, große Trauer, große Wut. Der Schoß rechtsradikaler Hetze ist fruchtbar.


18.02.2020

Entgegenkommen (von Hermann Hesse)

Die ewig Unentwegten und Naiven
Ertragen freilich unsre Zweifel nicht.
Flach sei die Welt, erklären sie uns schlicht,
und Faselei die Sage von den Tiefen.

Denn sollt es wirklich andre Dimensionen
Als die zwei guten, altvertrauten geben,
Wie könnte da ein Mensch noch sicher wohnen,
Wie könnte da ein Mensch noch sorglos leben?

Um also einen Frieden zu erreichen,
So lasst uns eine Dimension denn streichen!

Denn sind die Unentwegten ehrlich,
Und ist das Tiefensehen so gefährlich,
Dann ist die dritte Dimension entbehrlich.


17.02.2020

„Fett“ besetzte Rheinische Philharmonie beim britischen Abend im Rahmen der Anrechtskonzerte des Koblenzer Musik-Instituts. Den Stab führte Chefdirigent Garry Walker. Für den Schotten war das Programm mit Edward Elgars Violinkonzert op. 61 (mit Solistin Jennifer Pike) und Ralph Vaughan Williams‘ 2. Sinfonie quasi heimatliche Herzenssache.

> Meine Konzertbesprechung (3800 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


16.02.2020

Zuletzt zogen Rembrandt in Köln und Van Gogh in Frankfurt Besuchermassen an. Seit diesem Wochenende (15./16.02.2020) richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf eine jüngere Kunstströmung. Die Frankfurter Schirn stellt mit 34 Künstlerinnen die lange unterschätzte weibliche Seite des in den 1920ern aufgekommenen Surrealismus vor. Zeitgleich eröffnete im Arp Museum Remagen-Rolandseck ein fulminantes Ausstellungspaket, das die surrealistischen Altmeister Salvador Dalí und Hans Arp gegenüberstellt. Ihnen zur Seite tritt dort mit Jonas Burgert auch ein aktueller Vertreter der bildkünstlerischen Fantastik.

> Meine Besprechung der Ausstellung(en) im Arp Museum (6300 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)

 


15.02.2020

Aug' in Aug' mit Beethoven - wie Salvador Dalí ihn "malte" ( = Oktopus aufs Papier gesetzt, der spritze seine Tinte aus, und der Surrealmeister formte daraus mit Händen, Pinsel und Schuhen des Musikgiganten Antlitz). Den Schnappschuss machte Kollegin Barbara Harnischfeger gestern bei der Pressevorbesichtung des an diesem Wochenende im Arp Museum Remagen-Rolandseck eröffnenden sehr starken Ausstellungspakets über die alten Surrealisten Dalí und Hans Arp sowie deren jungen Kollegen Jonas Burgert (*1969).


13.02.2020

Hallo Mainz und nähere Umgebung sowie Theaterfreunde weiter weg! Im Staatstheater der RLP-Landeshauptstadt gibt jetzt es eine Inszenierung, die man gesehen haben muss: Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" in einer 115-minütigen, ebenso gescheiten wie berührenden, wunderbar gespielten, modernen Bearbeitung für die Bühne. "Werther" anschauen, unbedingt.

> Meine Besprechung (4500 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


12.02.2020

Aktuelles aus der heimischen Natur. Eindringlicher und gescheiter Rat der Forstämter: Auch nach Abzug von Sabine einige Tage NICHT in den Wald gehen! Da hängt noch jede Menge an- und abgebrochenes Holz quasi in der Luft rum, das beim kleinsten Windstoß fallen kann. Im Unterwesterwald hat der Sturm offensichtlich erst während seiner zweiten Phase (Mo > Di) in etliche Gegenden so richtig reingebrezelt.

Ansonsten amtliche Wetterbilanz für Januar 2020 im Westerwaldkreis: Dieser "Hochwinter"-Monat war 3 Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt; die Niederschlagsmenge blieb 17% unter normal, Schnee war fast keiner dabei: beinahe die Hälfte des Regens kam an nur zwei Tagen herunter und floss auch entsprechend schnell wieder ab.


11.02.2020

Sind die Volksparteien ein Auslaufmodell? Diese Frage passt trefflich zur Situation im deutschen Februar 2020. Ich hatte sie allerdings schon anno 2008 als Überschrift formuliert für meinen Zeitungskommentar zum Ergebnis der damaligen Landtagswahl in Bayern. Die seinerzeitige Einschätzung passt noch immer. Geirrt habe ich nur in einem Punkt: Ich hatte vor zwölf Jahren das Entstehen einer "bürgerlich-konservativen" Partei rechts von der Union prognostiziert. Dass es eine tendeziell faschistische Partei werden könnte, lag außerhalb meines Vorstellungsvermögens. > Für Interessierte hier der Artikel von 2008 (freier Lesetext)


10.02.2020

Man möchte schenkelklopfend „Helolaulaaf!“ ausrufen, so närrisch geht es zu bei „Pension Schöller“. Das im 19. Jahrhundert von zwei Mainzer Autoren und Karnevalisten geschriebene Stück ist zwar keine direkt karnevaleske Komödie, aber doch eine rechte Narretei. Das durch drei Verfilmungen berühmt sowie via Milowitsch- und Ohnsorg-Theater zum Bühnen-Evergreen gewordene Lustspiel hat jetzt das Theater Koblenz mit neun „Verrückten“ und einem Klavierspieler zur lauthals belachten und bejubelten Premiere gebracht. > Meine Kritik (4500 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)

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AKK will als CDU-Chefin zurücktreten. Das kommt so furchtbar überraschend nun auch nicht. Ich hatte schon vor den thüringer Ereignissen damit gerechnet, dass sie 2020 nicht in der Spitzenposition übersteht. Von allen politischen Abneigungen mal abgesehen: Der Saarländerin fehlt einfach das Format für eine national führende und international gewichtige Rolle.

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"Sabinchen war ein Frauenzimmer gar hold und tugendhaft..." heißt es in der alten Ballade. Wie das aber so ist mit den Tugenden, es stecken da auch einige Abgründe drin. Weshalb die Nacht hierorts keine der ganz wilden war, gleichwohl recht lebhaft. Und just eben, nach dem Frühstück, geht es nochmal munter zur Sache. // Unsere Dorffeuerwehr musste in der Dunkelheit immerhin viermal ausrücken: Dreimal Straße freisägen, zudem ein davonwirbelndes Verandadach aus Plexiglas einfangen. Was Sabinchen im Wald angestellt hat, ist noch unbekannt. War also das ganze fantasiereiche Vorspiel bloß Fantasma und für die Katz? Hmmm - es fehlte nur ein relativ kleiner Kick, und das holde Frauenzimmer wäre als multipel ekstatische Furie über uns hergefallen.


09.02.2020

So, es ist entschieden. Ich werde nicht den Wagemutigen spielen, sondern altersgemäße Vorsicht walten lassen. Will sagen: Ich bleibe am heutigen Sonntagabend mit meinem Arsch schön daheim und fahre nicht über Westerwald und Taunus zur "Werther"-Premiere am Staatstheater Mainz. Kritikerpflicht und Theaterliebe hin oder her: Der nächtlichen Höllenritte waren in drei Dienstjahrzehnten reichlich, mein Bedarf ist gedeckt, solch Abenteuer muss ich nicht mehr haben. Mag sein, dass der Sturm/Orkan halb so wild wird wie angekündigt. Falls aber doch, erwischt es mich wenigstens im eigenen Bette. Passt auf euch auf die nächsten Stunden.


07.02.2020

Die aktuelle Forsa-Umfrage in Thüringen ist zwar nur ein momentanes Stimmungsbild, signalisiert aber doch, dass sich einige Politstrategen wohl verkalkuliert haben. Rot-Rot-Grün würden demnach bei Neuwahlen in summa um 9% auf 53 % zulegen; davon gingen 6 % allein aufs Konto der Linkspartei, die dann auf 37% käme. Die FDP flöge raus (4%), die CDU würde einen 10%-Absturz auf nur noch 12% einfahren. Und m.E. besonders interessant: Der AfD brächte der ganze von ihr veranstaltete Furor gerade mal marginale 0,6% Stimmzuwachs ein.

***

Natürlich wird der Faschistenverein solche und ähnliche Spielchen wie jetzt in Thüringen immer wieder versuchen, das gehört zu seinem Wesen. Ziel/Zweck: Unordnung, Furor, Lächerlichmachen der anderen Parteien und des Parlamentarismus insgesamt, Zersetzung der demokratischen Mehrheitshaltung ... Die Frage ist, sind die anderen dumm genug, wiederholt darauf hereinzufallen, und/oder sind sie unentschlossen genug, eine gemeinsame Brandmauer gegen die braune 1/6tel-Partei (in Thüringen 1/4) zu errichten/zu halten.


06.02.2020

Es sollte Neuwahlen geben in Thüringen. Das wäre gut. Man wird dann sehen, wieviele der dortigen Wähler stramm braun sind oder nicht. Denn es kann sich keiner mehr auf "Protestwahl" oder Unkenntnis herausreden; jeder weiß jetzt, was er da wählt. Und sollte sich herausstellen, dass ein Viertel der Thüringer bereit wären, die Faschisten in den Sattel zu hieven, wird es die verdammte Pflicht aller Demokraten von Schwarz bis Rot sowie der großen zivilgesellschaftichen Mehrheit sein, diesen Leuten unmissverständlich und glaubwürdig vor Augen zu führen: Wir werden euch die freie Republik niemals überlassen. Nie wieder.


05.02.2020

Ad. Affäre Kemmerich/Thüringen: Eine alte deutsche Politiktradition kommt zu neuen Ehren: Die Angst vor Rot (und nun auch Grün) ist bei manchen angeblich Bürgerlichen so groß, dass diese sich am Ende doch lieber mit Braun einlassen.


03.02.2020

Nun denn, Februar also. Da freuen sich, wie ich weiß, auch in diesem Kreis viele Leute vor allem auf Fastnacht/Karneval. Soll sein, selbst ich werde per Television mal hineinschauen, um zu hören, was die Büttenredner über Zeitgeschehen und -geist lästern - und natürlich, um ein gefällig' Aug' auf die tanzenden Gardemariens zu werfen.

Ansonsten aber schaue ich zwar mit Vorausschwitzen, doch freudig, auf meinen kulturprallen Februarplan: Morgen Frankfurt, um im Städel geschwind noch Herrn van Gogh die Aufwartung zu machen. Am Samstag Theater Koblenz, um "Pension Schöller" kritisch zu belachen. Tags darauf im Staatstheater Mainz Besuch bei Goethes "Werther". Nachher folgen: Vorbesichtigung der Ausstellung "Dalí trifft Arp" im Arp Museum; Staatstheater Wiesbaden "Romulus der Große" von Dürrenmatt; Schauspiel Frankfurt "Orestie"; Theater Bonn mit Shakespeares "King Lear"; und zum Monatsschluss nochmal Mainz mit Tschechows "Drei Schwestern". Dann wollen wir mal.


02.02.2020

Seit Wochen kreischen aus dem nahen Wald von Montag bis Freitag und Sonnenauf- bis Sonnenuntergang die Motorsägen. Oft kann man selbst noch zu fortgeschrittener Nachtstunde auch die schweren Harvester-Holzernter hören und/oder ihre Flutscheinwerfer durchs Dunkel schneiden sehen. Allein in fußläufiger 60-Minuten-Umgebung hier im Unterwesterwald vor meiner Haustür habe ich beim gestrigen Waldgang ein halbes Dutzend großer, soeben wegen Noteinschlags fast kahlgeschorener Areale vorgefunden.

Und immer wieder sieht man auf den Waldparkplätzen drei, vier und mehr Schwerlastzüge bereitstehen, um nacheinander in den Wald einzufahren und beladen zu werden. Der Leiter des Regionalforstamtes Neuhäusel/WW spricht von fast 900 LKW, die derzeit aus den Wäldern seines Zuständigkeitsbereiches jeden Monat durch Hitze, Trockenheit und nachfolgend Borkenkäfer geschädigtes Stammholz abfahren.

Im Augenblick handelt es sich dabei primär um Fichte. Aber mir ist Bange vor dem Frühjahr/Sommer. Denn schon im zurückliegenden Herbst konnte selbst der Laie problemlos erkennen, worauf die hiesigen Förster bereits wiederholt hingewiesen haben: Auch im Mischwald sind inzwischen etwa Buchen und Eichen erheblich geschwächt, kränkeln, werden zusehends von Schadpilzen und eigenen Arten des Borkenkäfers befallen. Und hört/schaut man sich in der weiteren Umgebung über Taunus, Eifel, Hunsrück bis hinunter zu Pfälzer-, Oden- und Schwarzwald um, so wird der Eindruck zwingend: Wir haben es - jedenfalls in Südwestdeutschland - mit einer ausgewachsenen Waldkrise zu tun.

31.01.2020

Z.K aktuelle Daten des Mainzer Umweltministeriums zur Grundwasser-Lage in Rheinland-Pfalz: 95 % des Trinkwassers in RLP werden Grundwasservorkommen entnommen. Die Grundwasserneubildung ist in den letzten Jahren im Landesschnitt um 20 % zurückgegangen, in trockeneren Gebieten wie Rheinhessen und Westerwald um bis zu 40 %. Mittelwert der Grundwasserneubildung lag von 2008 bis 2018 bei 80 Millimetern pro Jahr, zuvor ab 1958 noch bei 101 Millimetern.

Gründe für den Rückgang der Grundwasserneubildung: a) sinkende Niederschlagsmengen = 733 mm in den vergangenen zehn Jahren gegenüber 779 mm in den 50 Jahren zuvor (statistisches Jahresmittel). b) Die Verdunstungsrate ist zusammen mit den Lufttemperaturen angestiegen. c) Die Vegetationsperioden sind länger geworden, damit auch der Wasserverbrauch der Flora. d) In den Dürresommern ausgetrocknete Böden lassen Regen deutlich schneller abfließen und deutlich langsamer in Grundwassertiefe durchsickern. e) Die Versiegelung der Landschaft durch Neubebauung schreitet weiter voran.


30.01.2020

Die Wettervorhersage in der Frühstückszeitung verkündet für die nächsten vier Tage hierum: "Viele Wolken und etwas Regen" nebst ein paar wenigen Sonnenstrahlen sowie Temperaturen überwiegend im zweistelligen Bereich. Ich muss schon sagen, der jetzt meteorologisch in seinem letzten Drittel angekommene "Winter" 2019/20 hat es so richtig in sich.


29.01.2020

Anno 2005 hatte ich anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz einen Leitartikel geschrieben, der am 27.1.2005 in der Rhein-Zeitung publiziert wurde. Wie schon vor 15 Jahren und davor, so gibt es auch heute und wieder vermehrt Leute und Kräfte in der deutschen Gesellschaft, die unter der Parole "Irgendwann muss doch mal Schluss sein damit!" eine Beendigung dieses "unsäglichen Schuldkultes" verlangen. Eben deshalb habe ich den alten Text nochmal  aus dem Archiv gezogen und empfehle ihn neuerlich zur Lektüre. Denn nicht zuletzt auf jenes "Schluss damit" geht der Leitartikel mit dem Ergebnis ein, dass die Erinnerung an den Holocaust als dunkelste Seite der deutschen Geschichte NIEMALS enden könne. > Zum Leitartikel hier (freier Lesetext)

***

Gestern im Kino gewesen, den Film "Das geheime Leben der Bäume" um/über den Alternativförster Peter Wohlleben und dessen gleichnamigen Buchbestseller gesehen. Leider, leider muss ich sagen: M.E. ist das ein ziemlich schlechter, ja teils ärgerlicher Film - weil mehr Wohlleben verehrende Personality-Story (von bisweilen nervender Banalität) und Buch-PR als filmische Behandlung des Titelthemas. Man mag zu einigen von Wohllebens Thesen stehen wie man will: Unstrittig sind seine publizistischen Verdienste um ein in der breiten Bevölkerung besseres Verständnis des Ökosystems Wald, in dem alle Glieder miteinander korrespondieren, interagieren und aufeinander angewiesen sind. Ebenso verdienstvoll sind seine kritischen Denkanregungen für eine neue, nachhaltige und naturverträglichere Art des Umgangs mit dem Wald. Zu all dem trägt der Film herzlich wenig bei.


28.01.2020

Schlechte Nachricht für Unternehmen, Handel und Werbewirtschaft: Ich bin ziemlich sicher, Zeit meines Erwachsenenlebens nie irgendetwas gekauft oder gebucht zu haben auf Grund filmischer Werbeclips oder gedruckter Werbung. So das Ergebnis einer Sinnierstunde mit Fensterblick auf dunkelgraue Wolkenschwaden sowie das frustrierend brachiale Werkeln dreier schwerer Harvester-Holzernter beim Fichten-Noteinschlag im nahen Wald (bald haben wir ringsumher freie Sicht bis Takatukaland).

Einen Teil der werblichen Ansprachen finde ich einfach nur abstoßend. Bei einem anderen Teil denke ich: Für wie blöd halten die unsereinen eigentlich. Schließlich gibt es jenen kleinen Teil, wo ich mit Vergnügen hübsche Fotos und reizende Verzählchens betrachte, aber nachher kaum je zu sagen wüsste, wofür da geworben wurde. Mein ganzes Kauf- oder Buchungsverhalten schert sich um Werbung nicht die Bohne. Braucht es mal neue Kleidung, Gerätschaften, Hausutensilien, besuche ich ein, zwei oder zur Not drei mir vertraute Geschäfte, schaue, was es gibt, und kaufe, was mir brauchbar, passend, finanziell leistbar erscheint. Nicht im Traum käme ich auf die Idee, ein Urlaubziel zu buchen, ein bestimmtes Auto oder einen Toilettenartikel zu erwerben auf Basis eines nett-verlogenen Fernsehspots.


27.01.2020

Da wird neuerdings von interessierten Seiten Leuten das Etikett "Verbotspartei" oder "Verbotsfetischisten" angehängt, die sich für ein Tempolimit auf Autobahnen aussprechen, für schärfere Gesetze gegen Insektizide und Überdüngung, für Unterbindung der Herstellung und Verbreitung von Plastiktüten, für strengere Regeln gegen CO2-Emissionen ... Und plötzlich tun selbst traditionelle Vertreter einer Law-and-order-Politik so, als seien Verbote sündenfällige Angriffe auf die freiheitliche Gesellschaft. In meiner Monatskolumne "Quergedanken" wird diesmal daran erinnert, dass seit babylonischer Zeit und hernach den mosaischen "Zehn Geboten" Verbote der ganz normale Wesenskern jedweder staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung sind, selbst der liberalsten. > "Quergedanken" Nr. 179 hier (freier Lesetext)


26.01.2020

Es ist in jüngeren Jahren bei den Anrechtskonzerten des Koblenzer Musik-Instituts zur schönen Gepflogenheit geworden, jedes Mal ein nur selten zu hörendes oder dem Gros des hiesigen Publikums unbekanntes Stück ins Programm zu nehmen. Solche Praxis sorgt per se für gespannte Erwartung und Horizonterweiterung. An diesem Wochenende waren Mozarts Oboenkonzert KV 314 und der 4. Sinfonie von Brahms die „Drei Studien über Couperin“ vom 48-jährigen Thomas Adès vorgeschaltet. > Meine Konzertbesprechung (3900 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent

***

Das Vorauskommando der zurückkehrenden Zugvögel ist schon hier. Ich sah eben meine erste Kranichformation in 2020 den Unterwesterwald von süd 'gen nord überfliegen. Welcome back, Freunde! - auch wenn ihr heuer ziemlich früh dran seid.


25.01.2020

Beim behaglichen Samstagsfrühsück und wohl inspiriert durch die Zeitungslektüre spazierte plötzlich dieser Gedanke ins Hirn: Man stelle sich vor, die Bundesregierung würde ab Schwerdonnerstag NRW und Rheinland-Pfalz unter Quarantäne stellen. Sie würde den Fern- und Nahverkehr von und nach Düsseldorf, Köln, Aachen, Koblenz, Mainz und Orte drumherum stoppen, die Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn und Frankfurt schließen. Sämtliche Fastnachtsveranstaltungen inklusive Rosenmontagszüge in NRW und RLP wären verboten, obendrein Großveranstaltungen in allen deutschen Großstädten bis auf weiteres untersagt.

Das Szenario entspricht in etwa, auf kleineren Maßstab übertragen, dem derzeitigen Geschehen in China. Sind solch weitgreifende Maßnahmen angemessen oder übertrieben ? - angesichts eines bislang unbekannten Virus, über das man noch nicht allzu viel weiß, das aber von Mensch zu Mensch übertragen wird, bereits eine kleine Epidemie mit einigen Toten ausgelöst hat. Die für mich wichtigste Überlegung ist dabei: Was passiert, könnte im globalen Zeitalter der Massenmobilität passieren, wenn man der Epidemie nicht derart massiv entgegentritt? Wobei: Geordnete, durchgreifende Seuchenschutzmaßnahmen und hysterische Seuchenpanik sind zwei grundverschiedene Angelegenheiten. Gleichgültiges Verdrängen wäre eine dritte Kategorie.


23.01.2020

Zugegeben, ich bin kein großer Freund von Winter. Gleichwohl wäre es mir schon recht, wenn wir jetzt mal ein bisschen Winterliches in Form von ein paar Wochen Dauerfrost sowie einem Stäubchen Schnee bekämen - und nicht allweil bloß diese elend lange, mir aufs Gemüt schlagende Dunkelheit.


22.01.2020

Nur mal so, ein Gedanke, der für viele Diskussionen, Urteile, Vorurteile über Jugend heutzutage ein bisschen Bedeutung haben könnte: Als die ersten 2000er Jahrgänge zur Welt kamen, hatte die mittlere Altersklasse der heute 40- bis 60-Jährigen (also deren Eltern und teils Großeltern) das Handy bereits als schier dominantes Massenkommunikationsmittel etabliert. In den Einschulungsjahren dieser Kinder war der (erwachsene) gesellschaftliche Mainstream gerade dabei, das Smartphone als allgemeines Primärmedium und quasi neues Sinnesorgan durchzusetzen. Wie sagt die Entwicklungspsychologie: Kinder lernen am Vorbild und durch Nachahmung, sie wollen dazugehören.


21.01.2020

Viele Shakespeare-Dramen gehen der Frage nach: Wie funktionieren die Mechanismen der Macht und was macht Macht aus Menschen? Oft sind reale, dem damaligen Publikum noch recht gut vertraute historische Fälle Gegenstand dieser Stücke. Was, wenn ein Theater heutzutage ähnlich verfährt, wenn es ein Stück schreiben lässt und auf die Bühne bringt, das einen eben erst stattgehabten kommunalpolitischen Skandal in der eigenen Stadt thematisiert? So geschehen jetzt am Staatstheater Wiesbaden mit dem Auftragswerk „Casino“, das am Wochenende uraufgeführt wurde und die dubiosen Vorgänge um den vorigen Wiesbadener SPD-Oberbürgermeister Sven Gerich behandelt. > Meine Premierenbesprechung (4400 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


19.01.2020

Kleines Verzählche über eine denkwürdige Begegnung im Wald am heutigen Sonntagmorgen. >Zum Text


18.01.2020

Mal ein bisschen ernsthafte Klimawissenschaft, und zwar aus dem Fachbereich Paläoklimatologie, also über Forschung der irdischen Klimaentwicklungen in der ferneren und sehr fernen Vergangenheit der Erde. Der Text ist nicht ganz einfach, aber aufschlussreich. Einer der zentralen Befunde sagt, "dass die derzeitige CO2-Konzentration von 410 ppm in den letzten 3 Millionen Jahren beispiellos ist und dass die globale Temperatur während des Quartärs den vorindustriellen Wert nie um mehr als 2°C überschritten hat." Zum Artikel (hier)


17.01.2020

Sobald die Rede auf Phänomene in menschlichen Gesellschaften des 20./21. Jahrhundert kommt, taucht ein Problem auf, das die Diskussionen und Gespräche oft ziemlich schwierig macht: Fast alle Generalisierungen hinsichtlich individueller Eigenarten, Eigenschaften, Haltungen, Lebenskulturen innerhalb der Bevölkerung gehen an der Realität vorbei. Denn diese ist von einer sich immer weiter auffächernden Heterogenität geprägt. Es gibt sie einfach nicht DIE Jugend, DIE Rentner, DIE LInken, DIE Konservativen, DIE Grünen, DIE Deutschen, DIE Migranten, DIE MIttelschicht...

Ich kenne CDUler, deren Grundeinstellungen und Lebensarten liegen himmelweit auseinander; selbiges gilt für andere Parteigänger. Es gibt einerseits ältere Leute, für die ist die Vorstellung, mit 67 in Rente gehen zu müssen ein Albtraum; wie es umgekehrt Leute gibt, für die die Aussicht, noch bis 67 arbeiten zu müssen, ein Albtraum ist. Es gibt Jugendliche in großer Zahl, denen Klimaschutz das wichtigste Anliegen ist; ebenso gibt es Jugendliche, denen das Thema rundweg am Allerwertesten vorbei geht. Oder: Mich verbindet mit einer Menge meiner "deutschen Landsleute" erheblich weniger als mit vielen "fremdländischen" Menschen im In- und Ausland. ...

Deshalb sind Urteile über ganze Bevölkerungssegmente, die sich auf Verhaltensbeispiele, Haltungen, Ansichten Einzelner oder Einiger in diesen Segmenten stützen, IMMER abwegig. Dies ist auch der Grund, warum es eine "deutsche Leitkultur" jenseits des Grundgesetzes gar nicht geben kann.


16.01.2020

Dies ist eine Nachricht vor allem an wirtschaftsliberale und wirtschaftskonservative Leugner, Zweifler, Verharmloser in Sachen Klimawandel sowie Zauderer, Verzögerer und Bedenkenträger gegen rasch durchgreifende Klimaschutzanstrengungen: Ein "links-grüner Versiffung" völlig unverdächtiges, in Wirtschaft und Politik weltweit hoch angesehenes Gremium, die Veranstaltergruppe des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos, hat gestern ihren alljährlichen "Weltrisikobericht" veröffentlicht. Darin werden heuer der Klimawandel, das Schwinden der biologischen Vielfalt und ein rekordverdächtiger Artenrückgang" als die drängensten Herausforderungen der Gegenwart bezeichnet.

Der Bericht fordert eine sofortige entschlossene Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Bekämpfung dieser Gefahren, da andernfalls "katastrophale Folgen" drohten, nicht zuletzt in Form wirtschaftlicher Konflikte und politischer Polarisierung. Dem bevorstehenden Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos hat dessen Präsident Borge Brende bei der Vorstellung des Berichts in London quasi in die Tagungsagenda geschrieben: "Die Welt kann nicht darauf warten, dass sich der Nebel der geopolitischen und weltwirtschaftlichen Unsicherheit lüftet. Das Handlungsfenster ist noch offen, wenn auch nicht mehr lange."


12.01.2020

Es ist ein Trauerspiel. Die 22 Quadratkilometer meines geliebten Hauswaldes werden licht und lichter. Seit Wochen fällen schwer motorisierte Trupps - auch im Mischwald - eilends Unmengen Fichten und häufen die Stämme an den Abfuhrwegen zu gewaltigen Bergen auf. Nein, das ist keine Holzernte, sondern Noteinschlag: Bis zum Frühling soll so viel wie möglich durch Hitze, Wassermangel und anschließend Borkenkäfer geschädigtes Holz raus aus dem Wald - bevor der Käfer wieder fliegt. Beim gestrigen Waldmarsch sah ich obendrein an unzähligen noch stehenden Bäumen Fällmarkierungen. Wenn die alle auch noch weg sind, wird es nicht mehr viele Fichten in diesem Teil des Westerwaldes geben.


09.01.2020

Selbstbeobachtung beim Autofahren: Wenn ich gedankenlos herumkutschiere oder meine, es eilig zu haben, verfalle ich unbewusst auf den Fahrstil der ersten Hälfte meines Autofahrerlebens. Ergebnis: Mein Spritverbrauch steigt auf 7,2 L/100km. Wenn ich aber mit Sinn, Verstand, vorausschauend, Gemütsruhe und Verantwortungsbereitschaft fahre, pendelt sich der Spritverbrauch bei 4,9 bis 5,2 L /100km ein. Und da ist noch Luft nach unten - allerdings würden mich dann manche automobilen Zeitgenossen wohl als "Verkehrshindernis" empfinden.


08.01.2020

Verdammich, gleich im neuen Jahr ein Trauerfall im Haus: Nach nur 12 Jahren in Gebrauch ist die Waschmaschine verreckt - ohne Chance, sie durch Hand(an)auflegen wieder auferstehen zu lassen. Ich also in der Früh hin zum Elektromarkt, um eine neue zu kaufen. Kinners, was es da jetzt für Dinger gibt! Waschmaschinen, die sprechen können oder einem SMS-Botschaften schicken. Solche, die Wäsche- und Stofftyp in der Trommel analysieren und selbstständig das Waschprogramm aussuchen sowie die Waschmittelmenge dosieren. Die meisten mit Touchscreens, einige sogar mit Bildschirmen...

Der nette Verkäufer demonstrierte mir eine Maschine, die - grob mitgezählt - ein gutes Hundert Funktionen hat. Meine Begeisterung war grenzenlos, weshalb ich erklärte: "Unsere alte Waschine hat zwei Schalter und einen Drehknopf, daraus ergeben sich acht Waschprogramme, von denen wir nur drei regelmäßig benutzten. So eine Maschine will ich. Habt ihr das?" Mit dieser simplen Anforderung war der junge Mann leider völlig überfordert. Denn, so seine perplexe Antwort: "Das gibt es nicht mehr." Darüber brachte ich tiefes Bedauern zum Ausdruck und verlangte resigniert nach der Maschine "mit dem wenigsten überflüssigen Tinneff und Schnickschnack. Wir wollen nur einfach Wäsche waschen".

Geordert ist nun ein Gerät mit fünf Schaltern und einem Drehknopf, das es immerhin auf 30 teils variable Funktionen bringt - von denen 25 bei uns einfach für'n Arsch sind. Immerhin: Geliefert, aufgestellt und angeschlossen wird schon morgen und die alte Maschine nehmen die Herrschaften auch gleich mit.


03.01.2020

TV-Tip. Am gestrigen Abend (Do, 2.1.) bin ich beim halbschlafenen Fernsehgucken zufällig nacheinander in zwei aktuelle Reportagen/Dokumentationen über die Arktis geraten. Die haben mich dann bis nach Mitternacht hellwach gehalten. Denn zwar ließe sich über die dramaturgische Machart streiten, gleichwohl war/ist der Gehalt an Beobachtungen, Infos, Erklärungen zu jüngerer Entwicklung und jüngstem Zustand der Nordpolarregion beträchtlich. Zugleich wird deutlich, was für ein wunderbares und wichtiges Öko-System wir zu verlieren drohen. Weshalb ich empfehlen darf, die folgenden beiden Sendungen mal aus der Mediathek zu fischen: 1.) ZDF, "Nordlichter - Leben am Polarkreis / Von Ostgrönland nach Alaska"; 2.) SWR, "Faszination Arktis"


02.01.2020

Seit 1999 schreibe ich alljährlich für die am ersten Werktag des je neuen Jahres erscheinende Ausgabe der Rhein-Zeitung mein Neujahrsessay. Nach eigenem Dafürhalten ist dieser stets eine ganze Kulturseite einnehmende Text einer meiner wichtigsten in jedem Jahr. Heuer steht er unter der Überschrift "Die Menschheit am Scheideweg", handelt vom "Klimawandel und seinen Folgen" sowie " Von Zweiflern, Leugnern und Verharmlosern". > Zum Neujahrsessay 2020  (12 000 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

31.12.2019

Wenn ich heute in der Nacht beim Jahreswechsel gut einen im Tee hab', singe/gröhle ich gewiss wieder die alten Lieder meiner Jugend. Zuerst "Unsre Oma fährt im Hühnerstall Motorrad, ohne Licht und ohne Brems mit ganz viel Gas...". Zwei Gläser weiter folgt die Traditionshymne dreier Generationen "Wir versaufen unsrer Oma ihr klein Häuschen ...". Dabei blicke ich dann auf dieses Jahr 2019 zurück, das u.a. davon geprägt war, dass nicht wenige vermeintlich erwachsene Menschen in einem fort ganze Gebirge von Spott, Häme, Beleidigungen, Schmutz, Niedertracht, Hasstiraden über die Jugendlichen der Klimaschutzbewegung ausgeschüttet haben - so wie dereinst die Alten über uns, die damaligen Rocker, Gammler, Hippies, SDSler...

17.12.2019

So, liebe Leut‘. Für mich ist 2019 gelaufen. Der letzte Termin war die Beethoven-Ausstellung in Bonn. Der letzte Text, die Monatskolumne „Quergedanken“, ist gerade ins Netz gestellt. Jetzt ziehe ich mich bis Anfang 2020 zurück vom nervigen Trubel der Welt, Internet nebst Facebook inklusive – um zunächst in Ruhe mein traditionelles Neujahrsessay zu schreiben (Titel heuer: Die Menschheit am Scheideweg) und hernach dem schieren Nichtstun zu frönen. Es dürstet mich heftig nach Vertrödeltagen und buchstäblich langer Weile.

Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, endet für mich das Jahr mit Hoffnungsschimmer. Erstens mit der Freude über die urplötzlich losgebrochene „Sardinen“-Bewegung in Italien gegen Nationalismus, Intolerenz, Rechtsradikalismus und Hass-Unkultur. Zweitens mit der Erwartung, dass die globale Bewegung für die Eindämmung des Klimawandels sich nicht entmutigen lässt. Nichts wäre schlimmer für die Menschheit, als wenn die Millionen jungen Leute von Fridays für Future sich durch den Madrider Bankrott der interationalen Staatspolitik in die Resignation treiben ließen.

Denn ihr Druck wird jetzt mehr denn je gebraucht – um den zaudernden, halbherzigen, ungenügenden Klimaschutzinitiativen Europas und diverser Ländern weltweit Feuer zu machen; und um die Gesellschaften in Ländern mit den Klimaschutz blockierenden Regierungen zu ermutigen, das ihnen Menschenmögliche auch ohne oder gegen ihre Staatsführungen zu unternehmen. Wie etwa in den USA, wo etliche Bundesstaaten und viele Großstädte einen bemerkenswert offensiven Klimaschutzkurs verfolgen, trotz und gegen Trump.

Mit Hoffnung im Herzen und der schönen Aussicht auf einige Tage langer Weile wünsche ich allerseits behagliche Feiertage und einen guten Rutsch. Bis dänne.

***

Mein letzter Text im Jahr 2019: die Monatskolumne "Quergedanken", Folge 178. Worum es darin geht, mag das folgende Zitat aus dem Artikelanfang skizzieren: "Bisweilen werde ich als Technikfeind gescholten. Da liegt ein Missverständnis vor. Auf Waschmaschine und Geschirrspüler, Rasenmäher und Kettensäge, Radio, TV und Computer mag ich nicht mehr verzichten. (...) Walter brummt missmutig: `Machst du jetzt Werbung für Kauf-dich-blöd-Märkte?' " > Quergedanken 178 "Wunderwelt der modernen Technik" (freier Lesetext)

16.12.2019

Das Beethoven-Jahr 2020 ist gestartet. Ab morgigem Dienstag (17.12.2019) macht das Beethoven-Haus zu Bonn seine neu gestaltete Dauerausstellung (nebst einer kleinen Sonderschau über Entstehung, Hintergründe, Rezeption von Joseph Stielers berühmten Beethoven-Porträt) dem Publikum zugänglich. Zeitgleich öffnet die Bundeskunsthalles Bonn die Pforten zur zentralen Ausstellung anlässlich Beethovens 250. Geburtsjahr unter dem Titel "Beethoven. Welt. Bürger. Musik". Ich hatte vergangene Woche die Möglichkeit zu einem Vorabrundgang durch diese Laien und Kenner gleichermaßen ansprechende interessante Schau. > Meine Ausstellungsbesprechung (5300 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)

 


15.12.2019

Bis vor kurzem mochte ich Sardinen nicht sonderlich. Jetzt aber liebe ich sie. Warum? Weil in Italien aus einem kleinen Flashmob in Bologna unter dem Namen "Sardinen" binnen eines Monats eine Flächenbewegung geworden ist, die an diesem Samstag allein in Rom etliche zehntausend Menschen auf die Straße gebracht hat - zum Protest gegen Intoleranz, Nationalismus und Rechtsextremismus. Feine Sache.


13.12.2019

So, unter Langeweile muss in diesem Winter niemand leiden. Allein hierum im südlichen Westen lohnen fünf Großausstellungen von besonderem Format den Besuch. Heute durfte ich die zentrale Ausstellung zum Beethoven-Jahr 2020 in der Bundeskunsthalle Bonn vorbesichtigen (Besprechung folgt). Die am Dienstag (17.12.) fürs Publikum öffnende und bis 26.4. dauernde Schau ist ein Hammer. Gestern war ich bei der Vorstellung des Jahresprogramms 2020 im Arp Museum Remagen. Dort gibt es ab 16.2. den nächsten Hammer: Surrealismus total mit u.a. 25 Werken von Salvador Dalí. Im Historischen Museum Speyer läuft bis Juni 2020 die medizinhistorische Ausstellung "Medicus - Die Macht des Wissens". Und klassische Kunst der höchsten Kategorie bietet noch bis 16.2. die große Van Gogh-Schau im Frankfurter Städel sowie bis 1.3. die Rembrandt-Ausstellung im Kölner Wallraf-Richarz-Museum. Mit diesen Aussichten ein schönes Wochenende allerseits.

> Vorbericht Jahresprogramm 2020 im Arp Museum Remagen


10.12.2019

Es ist lange her, dass ich nach einer Produktion von tanzmainz das Staatstheater Mainz derart ratlos verlassen habe wie an diesem Sonntag. 70 Minuten dauert die Uraufführung des Tanzstückes „Tambora“. Nach einer halben Stunde des Schauens setzt sich im Kopf die Frage fest: Was soll das? Denn es bleibt, was das Tanzgeschehen zeigt, weithin unbegreiflich. Erst die nachherige Lektüre des Programmheftes gibt vagen Hinweis, was der Choreograf im Sinn hatte. Weshalb wieder mal die Frage im Raum steht: Muss man sich Kunstwerke erst erklären lassen, bevor man sich ihnen aussetzt? > Meine Besprechung und Anmerkung (4600 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


09.12.2019

Arthur Millers „Hexenjagd“ jetzt am Staatstheater Mainz: Das sind drei Stunden von packender, beklemmender, entsetzender Wucht – über eine Gemeinde, in der religiöser Wahn, Hass, Machthunger, Habgier und Angst eine kollektive Hysterie auslösen. Etliche Theater haben das Drama von 1952 jüngst wieder auf dem Spielplan, im Fernsehen war eben eine der Verfilmungen zu sehen. Denn was Miller als Reaktion auf das Klima aus Hetze, Denunziation und Angst während der amerikanischen McCarthy-Ära schrieb, lässt sich heute lesen als Warnung vor dem Abgleiten unserer Gesellschaft in eine ähnliche Atmosphäre aus hasserfüllter Unvernunft, Intoleranz und von Dogmen geschürten Ängsten. > Meine Premierenkritik (3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


08.12.2019

Historische Stoffe insbesondere über das Mittelalter sind seit den 1980ern Buch- und Kinohits, etwa „Die Säulen der Erde“, „Die Päpstin“, „Die Wanderhure“ oder natürlich Noah Gordons „Der Medicus“. Letzteren nutzt jetzt das Historische Museum der Pfalz in Speyer als Aufhänger für eine große Ausstellung über zentrale Stationen der Medizingeschichte in den letzten 5000 Jahre. Bewegen sich besagte Romane/Filme teils recht frei im Grenzland zwischen Fakten und Fiktion, so hebt die hochinteressante und lehrreiche Schau „Medicus – Die Macht des Wissens“ ab auf wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse über das Gesundheitsbemühen von Ärzten und Heilern diverser Epochen und Kulturen. > Meine Ausstellungsbesprechung (5000 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


07.12.2019

In den zurückliegenden zehn Jahren hat sich die Zahl der kategorischen Klimawandelleugner um mindestens 90 % verringert. Sie bestreiten nun nicht mehr die Existenz des jetzigen Klimawandels (wie auch?). Stattdessen versuchen sie mit aller Gewalt zu "beweisen", dass er - wie jeder vorherige Klimawandel in der Erdgeschichte - natürlichen Ursprungs sei und keineswegs von Menschen verursacht. ... Eine Anmerkung zu dieser Theorie (freier Lesetext)


06.12.2019

Es nutzt ja nichts, sich in Sachen Klimawandel/Klimaschutz einen in die Tasche zu lügen und den Leuten etwas vorzumachen. In diesem Fall stellt das Prinzip "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass" keine Option dar, denn die Natur ist für solche Tricks unempfänglich. Man kann, soll, muss den Menschen reinen Wein einschenken: ... Mein Kommentar dazu (freier Lesetext)


04.12.2019

Es gibt rund 200 Staaten auf Erden. Zwei davon, VR China und USA, stoßen zusammen 43% des zivilisatorischen CO2 weltweit aus. Von den übrigen 57 % entfallen 31% mit einstelligen Anteilen auf 16 weitere Staaten (unter diesen steht Deutschland mit 2 % an vierter Stelle). Zu den verbleibenden 12 % globaler CO2-Emission tragen 184 Staaten jeweils nur 0,X oder 0,0X % bei. Ergo: Würden 198 Staaten dem Fatalismus folgen, der hierzulande bisweilen gepredigt wird - "angesichts China und USA sind Klimaschutzbemühungen andernorts eh sinnlos" - blieben 57% CO2-Emissionen unangetastet. Es gilt in diesem Fall nun mal: Viel Kleinvieh macht sehr viel Mist - und wir sind eines der größten unter den kleinen Viechern.


03.12.2019

Muss ich als Nichtsozialdemokrat eine Meinung zum neuen Führungsduo der SPD haben? Muss ich nicht. Kann ich gar nicht, weil mir die Frau und der Mann unbekannt sind. Da "unbekannt" ebenfalls kein sinnvolles Beurteilungskriterium ist, warte ich einfach mal ab, was die beiden so machen werden. Fertig.

***

Potzblitz! Ich dachte immer, Maulwürfe machen Winterschlaf. Wohl gefehlt, denn bei uns entfaltet so ein Bursche dieser Tage rege Aktivität: Den gestampften Lehmboden im Geräterschuppens verwandelt er in eine Gebirgslandschaftt, ebenso einen Teil der Wiese hinterm Haus. Nenenenenenee, Maulwurfn.


02.12.2019

Wie macht man aus einer der räumlich größten Bühnen Deutschlands den Ort für ein intimes Kammerspiel, das vier Personen in ein enges Zimmer sperrt? Bühnenbildner Volker Hintermeier benutzt sie einfach nicht. Stattdessen baut er vor die Bühne des Schauspiels Frankfurt eine eigene, wesentlich kleinere Bühne. Dort spielt Johanna Wehners Inszienierung von Jean-Paul Sartres Stück „Geschlossene Gesellschaft“ aus dem Jahr 1944. Meine Premierenbesprechung (freier Lesetext)


30.11.2019

4. FFF-Weltaktionstag gestern (29.11.), schneller Netzrundblick und dabei gefundene Zahlen (aktualisierter Stand 30.11., 10 Uhr):
Manifestationen weltweit in 2400 Städten in 158 Ländern. Australien (ingesamt 300 000 Teilnehmer); Deutschland (630 000 Teilnehmer...

Städte in Deutschland: Berlin (60 000), München (unklar, 17 000 bis 33 000), Hamburg (50 000), Hannover (40 000), Köln (14 000), Heidelberg (10 000), Stuttgart (10 000), Kiel (9000), Freiburg (9000), Bremen (8000), Darmstadt (8000), Münster (8000), Tübingen (8000), Leipzig (7500), Düsseldorf (7000), Saarbrücken (7000), Karlsruhe (6000), Dresden (6000), Kassel (5000), Essen (5000), Göttingen (4000), Bielefeld (3500), Bonn (3000), Mannheim (3000) ...

Städte/Städtchen in Rheinland-Pfalz: Mainz (2500+), Landau (1200), Koblenz (laut Polizei 900, nach meiner Schätzung 1400+), Sinzig (150), Simmern (100), Idar-Oberstein (100), Montabauer (70), Andernach (erstmals, 100+), Altenkirchen (350), Bad Kreuznach (350) ...

Städte im EU-Ausland: Rom (20 000), Wien (18 000), Linz (4000), Bregenz (1500) ....

30.11.2019

4. FFF-Weltaktionstag gestern (29.11.), schneller Netzrundblick und dabei gefundene Zahlen (aktualisierter Stand 30.11., 10 Uhr):
Manifestationen weltweit in 2400 Städten in 158 Ländern. Australien (ingesamt 300 000 Teilnehmer); Deutschland (630 000 Teilnehmer...

Städte in Deutschland: Berlin (60 000), München (unklar, 17 000 bis 33 000), Hamburg (50 000), Hannover (40 000), Köln (14 000), Heidelberg (10 000), Stuttgart (10 000), Kiel (9000), Freiburg (9000), Bremen (8000), Darmstadt (8000), Münster (8000), Tübingen (8000), Leipzig (7500), Düsseldorf (7000), Saarbrücken (7000), Karlsruhe (6000), Dresden (6000), Kassel (5000), Essen (5000), Göttingen (4000), Bielefeld (3500), Bonn (3000), Mannheim (3000) ...

Städte/Städtchen in Rheinland-Pfalz: Mainz (2500+), Landau (1200), Koblenz (laut Polizei 900, nach meiner Schätzung 1400+), Sinzig (150), Simmern (100), Idar-Oberstein (100), Montabauer (70), Andernach (erstmals, 100+), Altenkirchen (350), Bad Kreuznach (350) ...

Städte im EU-Ausland: Rom (20 000), Wien (18 000), Linz (4000), Bregenz (1500) ....


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28.11.2019

Morgen (Freitag 29.11., also eine Woche vor Beginn der Weltklimakonferenz in Madrid) ist wieder ein Tag zum Demonstrieren - 4. Weltaktionstag von Fridays for Future. Und zwar eigentlich für alle, die angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnisstände sowie inzwischen eigenen Augenscheins begriffen haben: Der menschengemachte Klimawandel verschlechtert die Lebensbedingungen der gesamten Menschheit gravierend. Und: Das Zeitfenster ist klein, dieses Problem vor allem durch entschlossenes staatspolitisches Handeln noch halbwegs einzuhegen. Hierzulande findet morgen jede/r in leicht erreichbarer Nähe einen Demo-/Kundgebungsort (für Rheinland-Pfalz siehe Eintrag vom 27.11.)

Es komme nun, bittschön, kein Klimawandelleugner, -apathiker, -verdränger, -verharmloser und erkläre zum x-ten Mal, dass Klimaschutz-Demos und/oder Klimaschutzpolitik sinnlos seien, solange China und die USA beim Klimaschutz nicht mitmachen. Denn: Je größer, ernsthafter, standhafter die über den Globus verteilten FFF-Manifestationen ausfallen, umso eher verbreitet sich die Aufmerksamkeit für das Klimawandelproblem, umso stärker die Ermutigung klimabewusster Minderheiten anderwärts, umso größer der Druck auf die Regierungen hier und überall, sich der Sache mit gebotenem Ernst anzunehmen. Trump mag sich einen Scheiß um die Demos kümmern, für die Auseinandersetzung in der US-amerikanische Öffentlichkeit, für viele dortige Bundesstaaten und Kommunen sind sie dennoch wertvoller Rückenwind.


27.11.2019

Gemeldet waren bis eben (27.11., früher Morgen) für Deutschland Streiks/Aktionen/Demos im Rahmen des FFF-Weltaktionstages am 29.11. in rund 500 Orten. Nachfolgend, welche Aktionsansagen ich für Rheinland-Pfalz gefunden habe (alphabetisch nach Orten):

Altenkirchen, 15:00 Uhr, Schlossplatz / Alzey, 12:30 Uhr, Rossmarkt / Andernach, 11:40 Uhr, Schulzentrum / Bad Kreuznach, 11:30 Uhr, Bahnhof / Bernkastel-Kues, 13:15 Uhr, Busparkplatz – Schulzentrum / Bingen am Rhein, 13:15 Uhr, Bürgermeister-Neff-Platz / Frankenthal, 13:00 Uhr, Röntgenplatz / Grünstadt, 15:00 Uhr, Hbf / Idar-Oberstein, 12:00 Uhr, Stadthaus – Marktplatz / Kaiserslautern, 11:30 Uhr, Hbf / Kirchheimbolanden, 10:30 Uhr, Parkplatz KiboBad / Koblenz, 11:55 Uhr, Hbf / Mainz, 12:00 Uhr, Ernst Ludwig Platz / Montabaur 12:15 am BBS Kreisel / Neustadt an der Weinstraße, 13:00 Uhr, Rathausmarkt / Pirmasens, 10:00 Uhr, Hbf / Prüm, 10:00 Uhr, Hahnplatz / Sinzig, 16:00 Uhr, Jahnwiese / Speyer, 11:00 Uhr, Sankt-Guido-Stiftsplatz / Trier, 10:00 Uhr, Porta Nigra / Worms, 11:30 Uhr, Bahnhof / Zweibrücken, 14:30 Uhr, Herzogplatz (Fahrraddemo)
 


25.11.2019

Doch ja, ich mag Traditionen. Ein paar zumindest. Am liebsten jene, die alle Jahre wieder gute Laune, gemütliche Plauderrunden nebst ordentlich Speis‘ und Trank in die Bude bringen. Und bei denen ich sicher sein kann, dass sie auch diesmal so angenehm ablaufen wie in vielen Vorjahren. Jahreszeitlich angemessen, in meiner Monatskolumne "Quergedanken" ein paar launige Anwerkungen zum Fest der Besinnlichkeit unter der Überschrift "Gretchenfrage: Wie hältst du es mit Weihnachten?"


24.11.2019

Ein recht musikalisches Wochenende liegt hinter mir. Am Freitag Kritikerdienst beim 4. Anrechtskonzert des Musik-Instituts Koblenz mit dem Beethoven Orchester Bonn unter GMD Dirk Kaftan als Gast. Auf dem Prgramm standen Brahms' "Tragische Ouvertüre" op.81, Dvoraks 7. Sinfonie sowie - als besondere Herausforderung für Musiker und Publikum - Alban Bergs Violinkonzert (Solistin: Alina Pogostkina). Am Samstag durfte ich dann in Lahnstein ganz privat das 10. Lulo Reinhardt Gitarrenfestival genießen. Und ich muss sagen: Was vier Gitarristen (plus Percussionist Uli Krämer) aus sehr unterschiedlichen Stilschulen solistisch oder in wechselndem Zusammenspiel da zauberten, war nach Virtuosität, Kreativität und Kunstsinnigkeit erste Sahne. Gezaubert haben Lulo Rheinhardt, Lula Galvao (Brasilien), Marek Pasieczny (Polen) und Daniel Stelter (Deutschland).

Meine Besprechung des Koblenzer Anrechtskonzerts (3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)  


19.11.2019

Irgendjemand hat für heute (19.11.) den "Internationalen Männertag" ausgerufen. So lese ich in der Zeitung und dazu einen Artikel, der mich unendlich müde macht. Weil: Er wirft wieder einmal Fragen auf, die ich bereits in jungen Jahren, also vor fast einem halben Jahrhundert, zumindest im Grundsatz für beantwortet hielt. Anmerkung zum "Männertag" (hier)


18.11.2019

Ein kleines Verzählche über meinem ersten (und letzten) Besuch in einem Factory/Fashion Outlet Center (FOC). Freier Lesetext (hier)

***

Es geschieht Seltsames auf der Bühne des Bonner Schauspielhauses in Bad Godesberg. Zwei Schauspieler treten auf, aber sie spielen nicht, tragen stattdessen den ganzen Abend nur einen literarischen Text vor. Bald kommt ein fünfköpfiges Ensemble hinzu, das eine Geschichte szenisch darstellt, dabei aber die gesamten eindreiviertel Aufführungsstunden kein einziges Wort spricht. Gegeben wird derart Heinrich von Kleists „Die Marquise von O.“, eine Novelle aus dem Jahr 1808. Meine Inszenierungskritik (3700 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


17.11.2019

Die permanente Primärfixierung des Medienbetriebes auf die Frage der Kanzlerkandidatur - ob bei Grünen, Union oder SPD - ist schon fast krankhaft. Und sie ist im Kern unpolitisch. Wir sind gerade mal in der Halbzeit der Legislatur, aber selbst geschätzte Politkollegen von ARD, ZDF und gewichtigen Zeitungen betrachten Parteitage vielfach vor allem unter dem Aspekt der Kanzlerkandidatur in zwei Jahren. Das kann es nicht sein, zumal zum jetzigen Zeitpunkt eben noch nicht klar ist, wofür, für welche Linie und Politik einzelne Köpfe tatsächlich stehen (bei Union und SPD im Augenblick noch deutlich weniger als bei den Grünen).


16.11.2019

Lebhaftes Getriebe am Vogelhäuschen, das ich im vergangenen Winter für die gefiederte Nachbarschaft baute. Spatzen, Meisen, Finken zuhauf, dazwischen mal eine Amsel. Erschrocken flattern alle davon, sobald sich die große Elster nähert. Dann ist für ein paar Minuten Ruhe am überdachten Trog im Busch der Felsenbirne. Sie ist wählerisch, die Bagage. Man speist nur Sonnenblumenkerne, Weizen und anderes Körnerzeug bleibt liegen.


13.11.2019

Leseempfehlungen zum Thema Klimawandel (aktuell neue Texte)

> Brown-to-Green-Report:  Industrieländer treiben die Welt Richtung drei Grad Erwärmung

> Permafrostregion setzt mehr und mehr CO2 frei (neue Überblickstudie des Deutschen GeoForschungsZentrums)

> "Bundespräsident warnt Klima-Aktivisten davor, die Demokratie schlechtzureden. Er warnt die Falschen." (Leitartikel "Zeit") 


11.11.2019

Schwermut und Schicksalhaftigkeit, Pathos und bisweilen volkstümlich schäumende Tanzlust: Russisches Programm beim 3. Anrechtskonzert des Musik-Instituts Koblenz. Daniel Raiskin, vormals über zehn Jahre Chefdirigent des Staatsorchesters Rheinischen Philharmonie, hat es quasi aus seiner Herkunftsheimat mitgebracht. Herzlich wird er als alter Bekannter vom Publikum in der Rhein-Mosel-Halle zum Gastdirigat begrüßt - und wie auch Cellosolist Benedict Kloeckner nachher mit starkem Applaus honoriert.

Meine Konzertbesprechung (3800 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


10.11.2019

Große Freude. Eine Tänzerin, deren Anfänge und Entwicklung ich über Jahre beim damaligen ballettmainz von Martin Schläpfer beobachten durfte, hat den Theaterpreis Faust 2019 als beste Darstellerin Tanz bekommen: Marlucia do Amaral wurde für ihre Odette in Schläpfers "Schwanensee" an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg ausgezeichnet. 1,58 klein, von etwas gedrungenem, kraftvollem Körperbau entspricht Marlucia so gar nicht dem klassischen Ideal einer Ballerina. Gleichwohl ist sie eine Künstlerin geworden, bei der tanztechnisches Können von höchsten Graden und ein unverwechselbares Charisma aus Sinnlichkeit, fraulichem Selbstbewusstsein und Sensibilität miteinander verschmelzen. Glückwunsch. (Foto: Gert Weigel)


09.11.2019

Mein Kommentar in der Printausgabe der heutigen Rhein-Zeitung anlässlich Kramp-Karrenbauers Vorstoß zur erweiterten Militarisierung der deutschen Außenpolitik. Freier Lesetext hier


08.11.2019

Kleine Bitte um Beachtung: Es heißt und schreibt sich POGROM, nicht Progrom. Danke.


06.11.2019

Das ist ein erstaunliches Phänomen, hatte ich so nicht erwartet und kann ich mir auch noch nicht schlüssig erklären: Die recht solide sozioökonomische Studie "Glücksatlas" Deutschland hat für 2019 bei den Befragten einen sehr hohen Level der Zufriedenheit mit den persönlichen Lebens-, Familien- und Arbeitsituationen festgestellt. In den Ost-Bundesländern fällt er so hoch aus wie noch nie (erfragt seit 30 Jahren). Im Widerspruch dazu wird - gefühlt - der allgemeine Diskurs und vor allem die Auseinandersetzung im Netz von Ängsten, Vorbehalten, Geschimpfe, Hass- und Gewaltneigung dominiert. Auch wenn Durchschnittswerte immer ein fragwürdige Angelegenheit sind, weil sie - wie zB beim Durchschnittseinkommen - die prekären Ränder unten wie oben unsichtbar machen, so bleibt vor allem mit Blick auf die mehrjährige Tendenz doch ein eigentümlicher Widerspruch zwischen privat gefühlter und öffentlicher Stimmung.


05.11.2019

Auszug aus einem Artikel von "Graslutscher" mit interessanten Fakteninfos: "Die Bild titelte letzte Woche „Grausam! Kinder in Afrika müssen für E-Autos schuften“. Ja, Kinderarbeit ist ziemlicher Mist, sie interessiert diese Typen aber nur, wenn es um E-Autos geht. Zwischen 2005 und 2017 wurden weltweit 1,5 Millionen Tonnen Kobalt gefördert, zum Großteil aus dem Kongo. Davon werden erst seit Kurzem ungefähr fünf Prozent in E-Autos verwendet (gab es vorher ja kaum). Die anderen 95%? Sind den Bild-Leuten seit 14 Jahren scheißegal.
Mit denen haben wir Magnete hergestellt, irgendwelchen Plunder blau gefärbt, Metalle gehärtet und Diesel-Kraftstoffe (!!!) entschwefelt...." . Ganzer Text hier (bitte unbedingt auch den Nachtrag beachten) .

***

Notiert man sich über Monate hinweg, welche gravierenden Probleme in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft diskutiert werden, so kommt eine lange Liste zusammen, die für Deutschland eine zentrale Schnittmenge aufweist: Personalmangel in fast allen Bereichen. Nach meinen Notizen sollen insbesondere fehlen: Ingenieure, IT-Spezialisten, Facharbeiter, Handwerker beinahe jedweder Zunft, Erzieher, Lehrer, Personal in der Alten- und Krankenpflege, Ärzte (vor allem auf dem Land), Psychologen/Psychiater, Sozialarbeiter Polizisten, Soldaten, Lokführer, Busfahrer, LKW-Fahrer, Forstarbeiter, Richter/Justizpersonal und etliche mehr. Die Fehlbestände lassen sich bis dato nur zum geringeren Teil aus dem demographischen Wandel erklären. Weshalb m.E. zu fragen wäre: a) Was ist bei der Nachwuchs-Heranbildung in den letzten drei Jahrzehnten falsch gelaufen? b) Warum sind manche Berufe so unattraktiv? c) Was gedenken die Verantwortlichen gegen den Missstand zu tun?


02.11.2019

Jesses Marie! Normalerweise geht mir die Fußballbundesliga ja am Allerwertesten vorbei. Aber der aktuelle Ausnahmezustand in Rhein-Main weckt dann doch mein Interesse: Eintracht Frankfurt zerlegt Bayern München mit 5 : 1, RB Leipzig zerpflückt Mainz 05 mit 8 : 0. Kreuzdonnerwetter, was haben die da geraucht, das den Rechtsrheinischen einen Highhype, den Linksrheinischen einen Horrortrip bescherte?


01.11.2019

Hier stehe ich und kann nicht anders als dies zu sagen: Die "Vaterlandsliebe" der Nationalisten ist das ärgste Verbrechen, das einer Heimat angetan werden kann.


31.10.2019

Vor wohl an 100 Zuhörern hielt ich gestern im Landesmuseum Koblenz - wahrscheinlich letztmals in Rheinland-Pfalz - meinen vergleichenden Vortrag über Karl Marx und Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Das scheint mir nun ein guter Zeitpunkt, das jüngste und ausführlichste Redemanuskript interessierten Lesern zugänglich zu machen (s.u.). Der Vortrag gestern dauerte gut 75 Minuten, entsprechend Zeit braucht auch die Lektüre.

Zum Vortragsmanuskript hier


01.11.2019

Hier stehe ich und kann nicht anders als dies zu sagen: Die "Vaterlandsliebe" der Nationalisten ist das ärgste Verbrechen, das einer Heimat angetan werden kann.


31.10.2019

Vor wohl an 100 Zuhörern hielt ich gestern im Landesmuseum Koblenz - wahrscheinlich letztmals in Rheinland-Pfalz - meinen vergleichenden Vortrag über Karl Marx und Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Das scheint mir nun ein guter Zeitpunkt, das jüngste und ausführlichste Redemanuskript interessierten Lesern zugänglich zu machen (s.u.). Der Vortrag gestern dauerte gut 75 Minuten, entsprechend Zeit braucht auch die Lektüre.

Zum Vortragsmanuskript hier


29.10.2019

Bekanntlich war/ist Empathie eine wesentliche Komponente für die zivilisatorische Entwicklung des Homo sapiens. Zugleich ist dieses Einfühlungsvermögen in Denken und vor allem Empfinden anderer Menschen eine der wichtigsten Bedingungen für ein friedliches, gedeihliches Zusammenleben im Alltag. Ich selbst halte mich für einen recht ausgeprägt empathischen Kerl. Es gibt allerdings Phänomene, denen ich gänzlich ratlos gegenüberstehe, weil meine Empathiefähigkeit da schlichtweg versagt. Selbst mit großem Bemühen kann ich mich in Leute nicht EINFÜHLEN, deren Emotion etwa von Rassismus oder Antisemitismus geprägt wird. Warum klappt das nicht? Wahrscheinlich, weil es in meinem eigenen Gefühlshaushalt keine adäquate Vergleichsmöglichkeit gibt. Rassismus, Antisemitismus, auch Nationalismus sind mir seit Jugendtagen emotional völlig fremde Konzepte. Die kann ich zwar rational erklären, aber sie empathisch nachzuvollziehen, das ist mir offenbar nicht gegeben.


28.10.2019

Keineswegs will ich das Ergebnis der AfD bei der Thüringen-Wahl verharmlosen. Es ist wahrlich gruselig. Gleichwohl sei ein kühler Blick versucht: Die AfD hatte bei der dortigen 2014er Landtagswahl 10,6 % erreicht. Damit lag die Partei, ein Jahr nach Gründung, noch weit unter ihrem latenten Stimmpotenzial. Der sprunghafte Stimmzuwachs erfolgte mit der Bundestagswahl 2017, bei der in Thüringen auf die AfD 22,7 % entfielen. Demgegenüber konnten die Nationalreaktionäre bei der jetzigen Landtagswahl dort nur noch einen Zuwachs von 0,7% auf 23,4 % erzielen. Das entspricht tendenziell auch den Wahlentwicklungen in anderen Bundesländern sowie den Umfrageergebnissen im Bund: Wo die AfD noch Zuwächse verzeichnen kann, sind diese ziemlich klein - wenn auch auf viel zu hohem Grundniveau. Doch von einem zeitnah bevorstehenden Durchmarsch der Braunen via Wahlurne an die Macht kann auf Länderebene keine Rede sein, erst recht nicht auf Bundesebene.


27.10.2019

Um es gleich zu sagen: Freunde der Tanzkunst am Mittelrhein sollten sich die neue Ballettproduktion am Theater Koblenz nicht entgehen lassen. „Haus mit 14 Räumen“ wurde von Gastchoreografin Regina van Berkel mit der örtlichen Compagnie erarbeitet. Der vielleicht spannendste Aspekt des mit dichter Tanzaktion prall gefüllten 95-Minuten-Abends ist: Es stößt der in Koblenz nie gesehene Stil des früheren Frankfurter Avantgarde-Meisters William Forsythe auf die hier seit jeher dominante klassisch-neoklassische Art des Tanzes. Und, fast ein kleines Wunder, sie verschmelzen harmonisch miteinander.
Meine Premierenbesprechung (4500 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text)


22.10.2019

Das Ballett „Der Nussknacker“ von 1892 ist ewiger Dauerbrenner für die Vorweihnachtszeit geblieben. In der Regel auf Familientauglichkeit angelegt, verbieten sich heftige Eingriffe in die märchenhafte Handlung sowie allzu viel abstrakte Moderne im Tanz. Tim Plegge, Chef des Hessischen Staatsballetts, hält sich bei seiner Choreografie weitgehend an dieses Prinzip. Ergebnis ist ein gefälliger 135-Minuten-Abend, prächtig bis monumental ausgestattet, personell um Kinderballett und Jugendeleven verstärkt. Meine Premierenbesprechung (freier Lesetext)


21.10.2019

Einen sehr lebhaften, kontraststarken französischen Abend gibt es vom Musik-Institut Koblenz zu vermelden: Mit Paul Dukas, Maurice Ravel und César Franck standen für das Anrechtskonzert drei Komponisten aus dem Nachbarland auf dem Programm. Passend dazu war der Solopart einem Landsmann von ihnen anvertraut: Gastpianist Jean-Efflam Bavouzet brillierte beim Zusammenspiel mit der Rheinischen Philharmonie unter Garry Walker in Ravels Klavierkonzert G-Dur. Meine Konzertbesprechung (3900 Anschläge, RZ-Text kostenpflichtig)


20.10.2019

Natürlich habe ich im zurückliegenden Jahr aufmerksam verfolgt, was über Greta Thunberg gesagt/publiziert wurde und was sie selbst gesagt hat. Bei genauerem Hinschauen wird eine tiefe Kluft zwischen beidem erkennbar: Die junge Frau pocht stets auf "zur Sache!", Medien und Öffentlichkeit indes machen meist die Person Thunberg zum Primärthema. Eine kurze Anmerkung dazu (hier) 


19.10.2019

Sinnieren beim behaglichen Samstagsfrühstück: Mit den Gedanken, die dein Hirn in nur einer schlaflosen oder halbschlafenen Nachtstunde respektive im Traum auffährt, ließe sich wohl ein recht dickes Buch füllen. Leider, oder Gott sei dank, erinnert man sich anderntags nie an alles. Doch wenn man die gebliebenen Gedankenfetzen dann mal genauer betrachtet, lässt sich oft (nicht immer) ein interessantes Phänomen feststellen: Der Gedanken waren nicht nur unglaublich viele. Vielmehr ergab sich einer aus dem andern, und haben sie fast alle irgendwie miteinander zu tun, sind unterschiedliche Aspekte eines kompexen Ganzen. Die Logik der Zusammenhänge erschließt sich dem hellwachen Betrachter nicht immer, offenbar folgt das scheinbar unkonzentriert dahintreibende Hirn anderen Ordnungskategorien. Doch nachher bewusst überdacht, ergibt sich aus der scheinbaren Wirrnis manch erhellende Erkenntnis.


18.10.2019

Je nach Fragestellung und Institut votieren derzeit bei Umfragen hierzulande 52 bis 59 % der Befragten FÜR ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen (bei Jugendlichen sowie bei den Frauen ist der Anteil noch wesentlich höher). Im Bundestag ist das umgekehrt, da lehnte diese Woche eine Mehrheit der Abgeordneten das Tempolimit wieder mal ab. Doch das Thema bleibt auf dem Tisch - weil die öffentliche Meinung sich vom traditionsdeutschen Autofetisch immer weiter weg und in Richtung Gemeinwohlvernunft bewegt. Denn es gibt keinen wirklich guten Sachgrund dafür, dass Deutschland als einziges Land Europas und einziges Industrieland weltweit ohne Tempolimit bleibt.  Dazu die Folge 176 meiner Monatskolumen Quergedanken (freier Lesetest)


16.10.2019

Uff, geschafft. 175 Folgen meiner glossierenden Kolumne "Quergedanken" per Handarbeit von der alten in die neue Website überführt. 175 Monate, seit März 2005, gibt's das launige, bisweilen freche, manchmal besinnliche Ding über Lebensart, Politik und Zeitgeist schon. Jede Folge umfasst nur 3400 Anschläge (die ersten beiden Jahrgänge etwas mehr) und ist also in zwei bis drei Minuten gelesen. Wer Lust und Zeit hat, kann mal schmökern. So über die Jahre betrachtet, ist recht interessant, wo der Zeitgeist sich entwickelt hat oder wo er sich gar nicht von der Stelle bewegt bzw. rückwärts marschiert. Alle Folgen der Quergedanken (hier)

 


14.10.2019

Es ist seit jeher ein spannendes Phänomen am Theater: Mit den Veränderungen in der Realwelt bekommen Bühnenklassiker plötzlich neue Subtexte. Selbst wenn Regisseure gar nicht demonstrativ darauf abheben, entstehen im Kopf des Zusehers sich auf die Gegenwart beziehende Bedeutungsebenen. In Ester Hattenbachs Inszenierung von Bertolt Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“ jetzt am Theater Koblenz eskalieren Kontroversen schnell zu wütender, lautstarker, giftender Streiterei. Und man denkt unversehens: So ist das heutzutage. (...)

Meine Premierenkritik (4100 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text)


11.10.2019

"Um es klar zu sagen: Der türkische Angriff auf Nordsyrien ist eine widerrechtliche Invasion fremden Staatsgebietes. Doch gewichtiger ist: Erdogans Militär marschiert in Syrien ein, um das Selbstverwaltungsgebiet der Kurden zusammenzuschießen. Und um auch das klar zu sagen: Dass die internationale Politik außer ein paar empörten Sätzen Richtung Ankara nichts zustande bringt, das den Kurden helfen könnte, ist kaum minder beschämend als Trumps Abzug der 100 US-Soldaten, der Erdogan de facto freie Hand gab. (...)"

Mein gestriger Zeitungskommentar zum Thema (hier, freier Lesetext)


09.10.2019

Da ist mal wieder dieser Gedanke, der bei mir im Hintergrund sämtlicher Diskussionen über Probleme und Perspektiven der menschlichen Zivilisation stets mitrumort: Als ich 1955 geboren wurde, lebten auf Erden rund 2,5 Milliarden Menschen. Nur zwei Generationen später sind es nahezu 8 Milliarden, also gut das Dreifache. Fast noch mehr als die Kopfzahl fällt der Umstand ins Gewicht, dass seither der Ressourcenverbrauch pro Kopf sich im globalen Durchschnitt mindestens verfünffacht hat (und weiter zunimmt). Gemessen an diesem Verbrauch ist es so, als sei die Menschheit seit 1955 von 2,5 Milliarden Individuen auf 12,5 Milliarden plus X explodiert.

***

Dank invalidem Haxen bin ich noch immer dabei, frühere Texte von der alten auf meine neue Website zu transferieren. Weil ich vom nächsten Wochenende an aber vorsichtig wieder auf Kritikertour zu gehen gedenke, kommt ein eben gefundener alter Artikel von 2007 gerade recht. In launiger Quergedanken-Form klappert er das Selbstverständnis der Kritikerzunft durch. (freier Lesetext, ca. 3 Min. Lesezeit) Der Kritiker, das unbekannte Wesen


08.10.2019

Die Kurden haben die Hauptlast im Bodenkrieg gegen den IS getragen, sie haben unter sehr hohem Blutzoll für die Staatengemeinschaft die Kastanien aus dem Feuer geholt. Sie haben die Jesiten vor dem Genozid durch den IS bewahrt. Sie haben tausende IS-Terroristen gefangen gesetzt und bitten seither die Staatengemeinschaft, auch Deutschland, – vergeblich – um Hilfe bei der Lösung des Gefangenenproblems, mit dem sie auf Dauer überfordert sind. Stattdessen überlässt man die Kurden nun Erdogan und seinem Militär. Denen hat seit jeher der Kampf gegen den IS weniger bedeutet als die möglichst baldige Vernichtung der kurdischen Selbstverwaltungsgebiete in Nordsyrien und im Nordirak. Es ist eine Schande.


07.10.2019

Kreisch, freu, genier! In den Tiefen meines Quergedanken-Archivs bin ich eben über das einzige Gedicht aus meiner Feder gefallen, das je gedruckt wurde. Viel mehr Lyrisches gibt es auch nicht aus Erwachsenenjahren. Die liebesgeilen und weltrevolutionären Verse der Jugendzeit sind - leider oder Gott sei Dank - in irgendeiner der damaligen Wohngemeinschaften verloren gegangen. Der neoromantische 9-Stropher von 2010 dürfte sich Mittelrheinern wohl eher erschließen als Auswärtigen. Wer Lust hat und Spaß an der Freud, s. hier


06.10.2019

Die Koblenzer Kulturgeschichtsschreibung betrachtet die Geschichte des örtlichen Orchesters gerne  als Kontinuum, das von der Gründung der kurfürstlichen Hofkappelle 1654 bis zum heutigen Staatsorchester Rheinische Philharmonie reicht. Dies Bild idealisiert jedoch etwas. Weshalb ich jetzt in einem Artikel für das Halbjahresmagazin „con moto“ der Rheinischen Philharmonie den Blick auch auf die Brüche in der Orchestergeschichte lenke. So auf den Umstand, dass man die Wurzeln des Koblenzer Staatsorchesters – ebenso des Bonner Beethoven Orchesters – durchaus in Bad Kreuznach respektive Bad Neuenahr verorten könnte, statt am kurfürstlichen Hof zu Koblenz.  

Mein kompakter Artikel zur Koblenzer Orchestergeschichte, Teil 1 bis 1985 (freier Lesetext, 12000 Anschläge)      


04.10.2019

Heute auf Seite 2 der Rhein-Zeitung: Mein Artikel über das schon sehr alte Phänomen extremer Polarisierung hinschtlich einzelner Symbol- oder Galionsfiguren unter der Überschrift "Der Greta-Effekt ist nichts Neues"  (4600 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)

30.09.2019

Ein kurzer Infohinweis, u.a. weil jetzt bis in meinen privaten E-Mail-Eingang Dokumente oder besser: Pamphlete verbreitet wurden, die als scheinbar seriöses Wissenschaftsanliegen daherkommen. Man konnte das dieser Tage auch im Netz verfolgen: Die organisierte Szene akademisch betitelter Leugner des Klimawandels bzw. inzwischen des menschengemachten Klimawandels hat eine Offensive gestartet. Bei den mir zugesandten Texten – deren Inhalte allesamt die aktuelle wissenschaftliche Befundlage weltweit ernsthafter Klimaforschung ignorieren oder leugnen – treten die Professoren Horst-Joachim Lüdecke, Carl-Otto Weiss und Friedrich Karl Ewert als Autoren auf. Damit muss die der AfD nahestehende Organisation EIKE als zentrale Triebkraft hinter dieser Offensive gelten. Wer ist EIKE? Siehe hier 


29.09.2019

Der ältere Mann muss sich ein bisschen von der Klimadiskussion erholen. Die ist nämlich anstrengend und auch die Nerven zermürbend. Nein, nicht etwa die Anti-FFF-Hetzer oder Greta-Hater strengen an, erst recht nicht die pseudowissenschaftlichen Wortührer der Klimawandelleugnung. Das alles war/ist erwartbar, sind altbekannte Reaktionsmuster, wie jeder weiß, der an einer der großen Protestbewegungen seit Ende des II. Weltkrieges teilgenommen hat. Was mich wirklich anstrengt, sind jene humanistisch, weltoffen und demokratisch eingestellten Mitmenschen (auch hier in meinem FB-Kontaktkreis), die partout GLAUBEN WOLLEN, es gäbe keinen menschengemachten Klimawandel. Natürlich wäre das eine feine Sache: Niemand hätte an irgendwas schuld, keiner wäre für irgendwas verantwortlich, und wir müssten uns nicht den Kopf zerbrechen über eine tiefgreifende Veränderung unserer Lebensart, ja der Zivilisationentwicklung generell. Aber, liebe Leut', es ist halt einfach nicht so.


28.09.2019

Kurzer Netzrundblick auf Klimaschutz-Demos an diesem Freitag (27.9.). Wer befürchtet oder gehofft hatte, der FFF-Bewegung ginge nach den gewaltigen Protestmärschen vom vergangenen Freitag mit weltweit 4 bis 5 Millionen Teilnehmern die Pust aus, darf/muss nun anderes feststellen. Es hat gewissermaßen nur ein Schichtwechsel stattgefunden. Wo letzte Woche etwas weniger los war, brummte es diesmal und umgekehrt. Von Deutschland ging die Rolle des Landes mit der höchsten Teilnehmerzahl an Italien über, wo gestern gut 1 Millionen Menschen auf der Straße waren. In Nordamerika übernahm Kanada den Staffelstab von den USA. In Österreich waren Veranstalter wie Beobachter von der unerwartet starken Beteiligung (landesweit 120 000+) überrascht.

Beispiele (international):
Montreal (Kanada) 500 000, Rom 200 000, Mailand 150 000, Neapel 100 000, Wellington (Neuseeland) 40 000, Neuseeland total 180 000, Wien 35 000+, Innsbruck 20 000, Linz (Österreich) 10 000, Graz 9000, Bregenz 5000, Salzburg 3500, Zürich 10 000+, landesweite Zentraldemo der Schweiz am Samstag in Bern 60 000+, Stockholm 50 000, Uppsala + Malmö 25 000, Den Haag 35 000, Helsinki 7000, Palma de Mallorca 5000+, spanisches Festland ("viele zehntausend")...

Die Suchmaschinen konzentrieren sich aufs Ausland, zu den hiesigen, diesmal kleineren Aktionen spucken sie wenig aus. Z.B. Hamburg 4000, München 3000, Nürnberg 1500, erfurt 1000+, Oldenburg 1000 ...


26.09.2019

Es gibt in der Argumentation gegen rasch umfassend durchgreifenden Klimaschutz einen völlig unlogischen Grundgedanken. Der geht sinngemäß so: „Die Klimaschützer wollen uns unseren Wohlstand nehmen und vorschreiben wie wir zu leben haben; würde man ihnen folgen, werden unsere Wirtschaft zerstört, der Fortschritt unterminiert und die sozialen Gegensätze verschärft; schlussendlich stellen die Klimaschützer die gesamte Art unserer Zivilisation in Frage.“ In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. Denn was da beschrieben wird, sind nicht die Folgen des Klimaschutzes, sondern des Klimawandels.

Das einzige Mittel, diese Folgen zu mildern, ist aber entschiedener Klimaschutz. Heißt: Um möglichst viel von unseren und der Nachgeborenen zivilisatorischen Lebensmöglichkeiten zu sichern, müssen wir uns jetzt flott Zügel anlegen und uns von etlichen naturzerstörenden Fehlentwicklung trennen. Mancherlei klimaschützende Selbstbeschränkung heute wäre die Saat, um morgen einen für die Menschen noch halbswegs lebenswerten Planeten als Ernte zu erhalten. Also simples Überlebens- und Vorsorgeprinzip.

Der oben zitierte Grundgedanke gegen durchgreifenden Klimaschutz funktioniert ja ohnehin nur unter den Prämissen: Man leugnet – wider alle wissenschaftliche und inzwischen auch schon augenscheinliche Erkenntnis – noch immer den menschengemachten Klimawandel oder man kann/will dessen tatsächliches, unsere gesamte Zivilisation gefährdendes Chaospotenzial nicht begreifen.

Übrigens: Wer der Wissenschaft partout nicht glauben will, der spreche einfach mit Forstleuten, Bauern und Winzern. Oder er betrachte die väterlichen/großväterlichen Urlaubsfotos von Ausflügen zu den alpinen Gletschern und vergleiche sie mit dem heutigen Zustand.


25.09.2019

"Freund Walter hat ein neues Hobby: Schießen. Genauer: Er schießt Pfeile und schleudert Steine in die Gegend. Noch genauer: Er nimmt die Wolken unter Beschuss. Was er da treibe, frage ich. Antwort: Luftabwehr. (...)" So beginnt die aktuelle 175. Folge meiner Monatskolumne/Glosse "Quergedanken". Der jetzt im mittelrhzeinischen Magazin "Kulturinfo" erschienene Text entstand schon Mitte September. Klimawandel spielt darin mal keine Rolle, dafür ein anderer Aspekt seltsamer "Fortschritts"entwicklung.

Quergedanken Nr. 175 "Brummgedöhns im himmlischen Zwischendeck" (freier Lesetext) 


23.09.2019

Weil es in Sachen Greta wieder auf allen Kanälen brummt und kracht, sag ich mal so: 16-Jährige sind doch keine kleinen Kinder mehr. Als ich in diesem Alter war, wusste ich über Vorgeschichte, Verlauf und Hintergründe des Vietnamkrieges viel mehr als damals die allermeisten deutschen Erwachsenen. Mein Wissen stammte aus fast ALLEN seinerzeit hierzulande greibaren Quellen und meine scharfe, jugendlich emotionale Protesthaltung gegen das US-Engagement in Vietnam speiste sich aus eben diesem Wissen. Und wer sich mal die Mühe macht, tatsächlich mit FFF-Jugendlichen zu sprechen, wird jede Menge zornige 13-, 16-, 18-Jährige finden, die allerdings bestens und weit überdurchschnittlich orientiert sind über die aktuellen Forschungsstände ernsthafter Klimawissenschaft.

***

Es war so nicht geplant, fügte sich aber trefflich. Just an dem Wochenende, da weltweit Millionen für den Klimaschutz demonstrierten, die Bundesregierung ihr Klimapaket vorstellte und in New York der UN-Klimagipfel begonnen hat, eröffnete das Arp Museum eine zum epochalen Überthema Klimawandel passende Ausstellung. Unter dem Titel „Die vier Elemente“ stehen 42 hochkarätigen Gemälden vom Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert 20 preisgekrönte Gegenwartsfotos aus dem Wettbewerb "Unicef-Foto des Jahres" gegenüber. Der so entstandene bildkünstlerische Dialog animiert zu tiefer Nachdenklichkeit über das sich stets wandelnde Verhältnis zwischen Mensch und Natur.

Meine Ausstellungsbesprechung (4200 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


22.09.2019

Das muss jetzt mal raus: Ich bin diese Kleinkrämerei wider durchgreifenden Klimaschutz, wider den FFF-Protest, wider Greta, ja wider jedwede Veränderung unendlich leid. Zumal das Gezeter gerade nach den gewaltigen Demonstrationen vom Freitag noch kleinlicher und noch hysterischer geworden ist. Dabei gibt es einen ganz simplen, durch die Wissenschaft vielfach gestützten Grundgedanken, von dem eigentlich alles weitere Handeln rasch ausgehen müsste: Unsere Art der Zivilisationsentwicklung und die Naturgesetze sind in Widerspruch zueinander geraten. Wer von beiden also kann/muss sich ändern?

***

Die Gesamtangaben zur weltweiten Beteiligung am Aktionstag der Klimaschutzbewegung schwanken zwischen 3 und 6 Millionen Menschen. Nachdem in der Nacht zu Samstag (MEZ) klar war, dass auch in USA und Kanada "etliche Hunderttausend" demonstriert haben, darf man, ganz nüchtern, zu folgendem Resümee kommen: Wir erleben hier die in der bisherigen Geschichte wohl größte, zeitgleiche globale politische Protestbewegung für ein gemeinsames Ziel.

Ein kleines Resümee (freier Lesetext)


20.09.2019

Am Abend

Infos zum heutigen Weltaktionstag von Friday for Future FFF (Schneller Netzrundblick, Stand 20 Uhr. Teilnehmerzahlen überwiegend Mittelwerte aus mehreren Angaben). Freude hier, Fassungslosigkeit dort: Fast überall übertreffen die Teilnehmerzahlen die Voraberwartungen deutlich bis mehrfach.

Deutschland: FFF gibt für Deutschland insgesamt heute 1,4 Millionen Demonstrationsteilnehmer an.

Berlin 130 000+ (die Hauptstadtzahlen sind unklar, in einigen Quellen ist inzwischen von 270 000 die Rede), Potsdam 5000, Hamburg 80 000, Bremen 40 000, Bremerhaven 4000, Hannover 30 000, München 40 000, Freiburg 17000, Frankfurt 15000+, Münster 20 000, Dresden 14000, Essen 8000+, Würzburg 8000, Heidelberg 10 000, Mainz 9000, Aachen 7000, Braunschweig 6000, Koblenz 5000+, Saarbrücken 5000+, Trier 2500, Bad Kreuznach 1200, Idar-Oberstein 150, Buxtehude 1100, Cloppenburg 800, Bitburg 450, Gütersloh 1300, Lohr 700, Cottbus 500, Bad Neustadt 300, Haßfurt 550, Düren 1000, Insel Spikeroog 400, Pforzheim 1000, Leipzig 6000, Kiel 11000, Halle a.d. Saale 2500, Düsseldorf 9000, Lübeck 4500, Greifswald 1600, Aschaffenburg ("mehrere tausend"), Köln 70 000, Bonn 16 000, Kleve 4000, Bielefeld 12 000, Dortmund 13 000, Paderborn 2000, Detmold 2000, Darmstadt 10 000, Kassel 14 000, Göttingen 7000, Northeim/Einbeck/Uslar/Bad Gandersheim 1000, Bad Hersfeld 300, Korbach 250, Frankenberg 250, Montabaur/WW. ("hunderte"), Mannheim ("tausende"), Kaiserslautern 3000, Karlsruhe 12 000, Stuttgart 20 000, Magdeburg 3500, Stendal 300, Konstanz 11 000, Marburg 7000, Erlangen 5000+, Nürnberg 10 000, Fürth 2800, Forchheim 500, Soest 2500, Traunstein 800, Worms 250, Mönchengladbach 600, Reading 1000 .... ....

Ausland: Melbourne 100 000, Sydney 80 000, Brisbane 25 000, Hobart 22 000, Prag ("mehrere Tausend "), Warschau ("viele Tausend"), Manila ("tausende), Johannisburg ("hunderte"), Nairobi ("mehrere hundert"), Islamabad ("eine große Menschenmenge"), Shetland Islands 200, London 100 000, Paris 10 000+, Kampala/Uganda ("einige hundert"), Kiew 2000, Brüssel 20 000, Kabul/Afghanistan 150, Split/Kroatien ("hunderte"), Mostar/Bosnien 100, Birmingham 4000, Edinburgh 10 000, Belfast ("hunderte"), Dublin ("tausende") Kapstadt 2000 ....

In rund 1000 Städten der USA haben jetzt Aktionen im Rahmen des Protesttages für mehr Klimaschutz begonnen: Chicago ("tausende"), Washington ("tausende"), New York City 200 000 ... Mit Zahlenangaben haben es die US-Medien offenbar nicht so.

***

Einen wunderschönen guten Morgen allerseits. 20. September 2019. Da war doch was, da ist doch was? Genau: Sehr viele Leute hier wollen sich gemeinsam mit sehr vielen Leuten in aller Welt an frischer Luft bewegen und lebensfrohe Vernunft einfordern. Prima. Dann sei viel Freude dabei allerorten gewünscht.
Nachtrag: Ich sehe eben (9 Uhr MEZ), Australien legt vor mit zehntausenden Demonstranten in mehreren Orten.


17.09.2019

An diesem Freitag (20.09.) gilt für alle Generationen und sozialen Schichten, so irgend möglich: Teilnahme an den Demonstrationen der Klimaschutzbewegung Fridays for Future im Rahmen des Weltaktionstages. Umwelt- und Wohlfahrtsverbände, NGOs, diverse Kirchen, Gewerkschaften und Parteien/Parteigliederungen, ja selbst Fußballclubs, andere Sportvereine und Unternehmen haben ebenfalls dazu aufgerufen. Allmählich setzt sich in der Breite der Bevölkerung die Erkenntnis durch, dass es sich beim Klimawandel um ein epochales Hyperproblem handelt und er auch als solches bekämpft werden muss.

Bis eben wurden für den 20.September in Deutschland bereits 461 Demonstrationen/Aktionen angekündigt. Hier die Liste der in Rheinland-Pfalz beteiligten Orte: Bad Kreuznach, Bad Dürkheim, Bernkastel-Kues, Bitburg, Edenkoben, Frankenthal, Gerolstein, Grünstadt, Idar-Oberstein, Kaiserslautern, Koblenz, Landau, Mainz, Montabaur, Nieder-Olm, Sinzig, Speyer, Worms, Zweibrücken. (Nachmeldung: Alzey, Ingelheim, Meisenheim)

Weitere Infos zu Orten deutschlandweit sowie Uhrzeiten und Sammelpunkten


 

16.09.2019

In der heutigen Westerwald-Ausgabe der Rhein-Zeitung (16.09.2019) findet sich ein Bericht über meinen Vortragsabend zu Alexander von Humboldt am vergangenen Mittwoch bei den Marienberger Seminaren. Unter der Überschrift "Andreas Pecht erinnerte an das abenteuerliche Leben des Universalgenies" schreibt der mir nicht näher bekannte Autor Matthias Budde das Folgende:

Pressestimme hier


15.09.2019

Frauen gaben den Ton an beim ersten Anrechtskonzert des Musik-Instituts Koblenz zum Saisonauftakt am Freitag. Das Staatsorchester Rheinische Philharmonie wurde mit der Polin Marzena Diakun von einer hochinteressanten Dirigentin der jüngeren Generation geleitet. Am Flügel entfaltete als Gast die deutsche Pianistin Ragna Schirmer ihr Können. Und im Mittelpunkt des Abends stand Clara Schumann, deren Geburtstag sich just an diesem Tag zum 200. Mal jährte.

Meine Konzertbesprechung (4000 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

 


13.09.2019

„Das kleine Deutschland will allein die Welt vor dem Klimawandel retten. Lachhaft. Das Land trägt ohnehin kaum 2 Prozent zum weltweiten CO2-Ausstoß bei. Selbst wenn wir die unter größten Opfern auf 0 reduzieren würden, täte das gar nichts helfen.“ U.a. mit dieser Argumentation wird in der hiesigen Klimadiskussion immer wieder versucht, Forderungen nach einer ökologischen Wende und durchgreifendem Klimaschutz lächerlich zu machen oder ad absurdum zu führen. Die Argumentation ist allerdings falsch bzw. irreführend. Weil …

Fünf Aspekte dazu (hier, freier Lesetext)


11.09.2019

Es ist ja so: Wer nicht nur zum privaten Vergnügen, sondern zur Veröffentlichung schreibt, will (etwas) bewegen. Egal ob Journalist, Sachautor, Essayist oder Literat: Mal will man mehr die Hirne der Leserschaft bewegen, mal mehr die Herzen, bisweilen beides gleichermaßen. Und manchmal hoffen die Schreiber/innen sogar, ihr Schreiben möge beitragen, die Welt zum Besseren zu bewegen. Nach dahingezogenen Jahren und Jahrzehnten fragt sich unsereins dann in Momenten des Sinnierens: Hast du was bewegt? Was hast du bewegt? Und je höher der Anspruch war, umso eher lautet die Antwort: Nichts.

Genauer besehen, erweist sich diese Antwort allerdings als vorschnell. Dichter und Romanciers dürfen immerhin in Anspruch nehmen, ihrem Publikum Momente respektive die eine oder andere Stunde Leseglück ermöglicht zu haben. Sachautoren können verbuchen, dass sich vorübergehend die gedankliche Aufmerksamkeit von Lesern auf das von ihnen Geschriebene richtet. Ob sich daraus bei den Rezipienten fortwirkendes Nachdenken und Einsichten ergeben, bleibt ungewiss und der Macht des Schreibers entzogen.

Am Ende gibt es wohl nur eine Gewissheit: Alles, was du je publiziert hast und noch publizieren wirst, war/ist eine Würzprise im riesigen Topf jener Weltsuppe, von der die Zeitgenossen auf die eine oder andere Weise bewegt werden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


08.09.2019

Ein gutes halbes Jahr ist meine eigene neue Website (www.pecht.info) nun "auf Sendung". Habe mir jetzt mal die Nutzungsstatistik des Providers angeschaut. Sieht gar nicht schlecht aus - selbst wenn man davon ausgeht, dass etwa die Hälfte der Zugreifer Robots sind. Von rund 12000 im Februar/März ist die monatliche Besucherzahl über den Sommer auf durchschnittlich 40000 angestiegen (Seitenaufrufe 80000 +).


07.09.2019

Eigentlich hätte hier das Ergebnis meines wöchentlichen Netzrundblicks auf die Aktionen von Fridays for Future (FFF) am gestrigen Freitag stehen sollen. Ich krieg es aber partout nicht hin, weil die Suchmaschinen - ungeachtet meiner Fragestellungen - fast nur endlose Listen von Mitmachaufrufen, Erklärungen, Bündnisnachrichten, Aktionsplänen zum Klimaschutz-Weltaktionstag von FFF am 20. September anbieten. Auf diesen Tag scheint sich alles zu konzentrieren. Warum der 20.9.? Weil da in New York der UN-Klimagipfel stattfindet. Deutsche Besonderheit: Ebenfalls am 20.9. will die Bundesregierung in Berlin ihr neues Umwelt- und Klimaschutzpaket beraten/beschließen. Übrigens: FFF hat alle Bevölkerungsgruppen und Altersklassen aufgerufen, sich an diesem Tag an den Aktionen zu beteiligen.


06.09.2019

Es liegt mir fern, um Verständnis für Zeitgenossen zu werben, die partout GLAUBEN WOLLEN, es gäbe keinen Klimawandel oder keinen menschengemachten Klimawandel oder es sei alles nur halb so wild mit dem Klimawandel. Aber begreifen würde ich schon gerne, warum gar nicht mal wenige Leute mittlerweile hysterisch bis panisch auf fast jede Überlegung, Forderung, Bewegung zum Vorantreiben des Klimaschutzes reagieren. Warum sie beispielsweise plötzlich die Forschungsergebnisse von tausenden Wissenschaftlern weltweit als bloße Scharlatanerie abtun – obwohl sie sonst mit der Wissenschaft kein Problem haben. Dazu ein paar Überlegungen im Text "Woher die schier hysterische Angst vor dem Klimaschutz?"


05.09.2019

PRIMA SACHE! „Mainz 05 setzt sich in seinen Projekten und Partnerschaften für Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein. Daher unterstützen wir ausdrücklich die Ziele von 'Fridays for Future', unsere gemeinsame Verantwortung für das Weltklima zu stärken und das Bewusstsein hierfür zu schärfen “, sagt Dr. Jan Lehmann, kaufmännischer Vorstand des 1. FSV Mainz 05. Am Freitag, 20. September, steht für die 05er das Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 an. Am selben Tag wird auch in Mainz eine Demonstration im Rahmen des globalen Aktionstages der Bewegung „Fridays for Future“ stattfinden. Alle Mainz-05-Mitarbeiter, die nicht in die Spieltagsarbeit involviert sind, werden vom FSV an diesem Tag freigestellt, um daran teilnehmen zu können.

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Gerade liege ich in den letzten Zügen mit den Vorbereitungen eines kleinen Abendvortrages, den ich (mit Hilfe einer liebenswerten Fahrerin) am kommenden Mittwoch bei den Marienberger Seminaren halten werde. Es geht um Leben, Werk, Bedeutung des Alexander von Humboldt, dessen Geburtstag sich am 14. September zum 250. Mal jährt. Je näher man sich mit dem Manne befasst, umso dringlicher werden eine Feststellung in Bezug aufs Heute und eine Frage hinsichtlich der Humboldt-Wahrnehmung seit dessen Tod 1859.

Die Feststellung: Hätte die Menschheit seine frühen Erkenntnisse über die allumfassende, wechselwirkende, lebendige Ganzheit der irdischen Ökosphäre ernst genommen, wir stünden heute nicht in einer weithin zerrütteten Umwelt und vor dem epochalen Hyperproblem des Klimawandels.

Die Frage: Warum haben die Altvorderen nicht auf ihn gehört? Mehr noch: Warum war Humboldt zwar zu Lebzeiten weltberühmt (ist bis heute in Lateinamerika einer der bekanntesten und höchst angesehenen Europäer ever), wurde aber in den westlichen Industriestaaten bald fast vergessen bzw. als bloß romantisch-naturforschender Abenteurer abgetan? Meine vorläufige Antwort: Sein ganzheitlicher Forschungsansatz mitsamt zwingenden Erkenntnissen über die unbedingte Notwendigkeit schonend nachhaltigen Umgangs mit der Natur passte einfach nicht in die Zeit, hätte nur gestört bei der maß-, rücksichts- und hemmungslosen Expansion des kapitalistischen Industrialismus.


04.09. 2019

Nächste Woche startet das Staatstheater Mainz in seine Spielzeit 2019/20, das Theater Koblenz folgt Anfang/Mitte Oktober. Ein Blick in die Spielpläne der beiden Häuser im rheinland-pfälzischen Teil meines Beritts als Kritiker. (hier, freier Lesetext)

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Ganz schön Rumores im Politbetrieb. Johnson hat sich verzockt; zuvor schon der Fensterrahmentänzer von der Lega in Italien ebenfalls; in Brasilien befinden sich die Zustimmungswerte zu Bolsonaro im Sinkflug. Hierzulande entdecken CSU, CDU, SPD und FDP (endlich!) Umweltschutz und Klimaschutz als epochales Über- und Querschnittsthema. Das ist gut so. Allerdings wird ihr Versuch, zur neuen Öko-Avantgarde zu mutieren, von dem seltsamen Grundgedanken begleitet: "Alles muss sich ändern, aber ohne dass sich was ändert - die Ökowende kann nur bei gleichzeitig strammem ökonomischem Wachstumskurs gelingen." Da braucht's wohl noch etwas Nachdenken.


02.09.2019

Nach der Pressedurchsicht am Morgen: Zu den Wahlergebnissen in Sachsen und Brandenburg ist von allen Seiten fast alles gesagt. Weshalb ich erstmal nur noch zwei Randbemerkungen anfügen möchte. 1.) Eine richtig knuffige und zugleich klug treffende Überschrift fand ich in der örtlichen Frühstückszeitung: "Warum CDU, SPD und AfD erfolgreich gescheitert sind". 2.) Hinsichtlich des AfD-Ergebnisses geben die beiden Bundesländer ein uneinheitliches Bild ab: In Sachsen erzielten die Braun-Blauen mit 27,5 % gegenüber den Bundestagswahlen 2017 nur einen Zuwachs von 0,5%, was sehr wenig ist und beinahe Stagnation bedeutet. In Brandenburg hingegen legten sie gegenüber 2017 um 3,3 % auf 23,5 % zu , was sehr viel ist.


31.08.2019

Wenn am Sonntagabend die ersten Hochrechnungen zu den Wahlergebnissen in Sachen und Brandenburg rauskommen, wird das Stöhnen laut sein über die AfD-Zahlen. Letzte Umfragen sehen die Nationalreaktionäre in Sachsen um 25 %, in Brandenburg um 21%. Ja, das sind ernste und anhaltend beunruhigende Werte. Pessimisten werden sie mit den Landtagswahlergebnissen von 2015 vergleichen; damals war die AfD dort noch einstellig. Aber ist das ein sinnvoller Vergleich?

Eher nicht. Denn damals sahen Welt, Deutschland, die hiesige Polit- und Themenlandschaft noch ganz anders aus. Im Hinblick auf die Entwicklung der politischen Stimmungslage ist der Zahlenvergleich mit den östlichen Landesergebnissen bei der Bundestagswahl 2017 gescheiter. In Sachsen kam die AfD vor zwei Jahren auf 27 %, in Brandenburg auf 20,2 %. Der Vergleich hiermit würde den Eindruck aus anderen Wahlen in jüngerer Zeit bestätigen: Der "Siegeszug" der AfD hat womöglich seinen Zenit überschritten, die Zustimmung für die Braunblauen sinkt bzw. stagniert (auf freilich viel zu hohem Niveau). Was meine schon früher geäußerte persönliche Einschätzung stützt: Ein Durchmarsch der Nationalreaktionäre an die Macht ist für Deutschland abgesagt.

28.08.2019

Bei allem Verdruss, den mein derzeitiges Dasein als fußlahmer, im Schleichgang am Krückstock gehender Invalide bereitet, hat die Sache doch auch eine sehr interessante Seite: das völlig neue Wahrnehmen und Erleben seit Jahrzehnten vertrauter häuslicher Umgebung. Allein der Umstand, vor jedem Schritt den Untergrund mit Augen genau und Fußsohle vorsichtig zu prüfen, eröffnet ganz ungewohnte Perspektiven.

Da spürst auf der Veranda plötzlich (schmerzhaft), dass über die Jahre einige Bodenplatten in (kaum sichtbare) Schieflage gekommen sind. Die Hauswiese, die du immer für eine recht ebene Fläche gehalten hast, erweist sich als Gebirgs- und Kraterlandschaft. Drinnen verlangen nie beachtete Teppichkanten und minimal erhabene Türschwellen plötzlich hohe Aufmerksamkeit und gezielten Bewegungsablauf. Der Badewannenrand wird auf dem Weg zum Duschen eine sehr anspruchsvolle Hürde. Und wie schön wäre es jetzt, hätte die Haupttreppe einen zweiten Handlauf, gäbe es im Umfeld der je zweistufigen Freitreppchen zur Küche und zum Schlafzimmer etwas zum Festhalten. Und was du sonst mit einem kurzen Strecker auf den vorderen Fußballen aus den oberen Regalbereichen oder Schränken geholt hast, bleibt vorerst unerreichbar. Die altbekannte Welt ganz neu.


28.08.2019

Treffer, versenkt. Umgerissen, niedergeschmissen, ausgeknocked. Das rechte Sprunggelenk für eine längere Weile im Invalidenmodus. Nix gebrochen, sagt der Orthopäde, aber sämtliche Bänder bis zum Anschlag überdehnt. Das kam so: Am Samstag beim Pilzesammeln über einen Ast gestolpert, Satz gemacht, mit dem rechten Fuß unglücklich in einer Erdmulde gelandet und dabei das Glied mit Wucht verdreht, gezerrt, gestaucht.

Da lag ich denn allein mitten im Wald, 0,5 Kilometer von der nächsten Landstaße und 2 Kilometer von daheim weg. Ich schleppte mich eine Stunde lang zur Straße, hoffend, es möge ein Autofahrer den sichtlich Geplagten mitnehmen. Fehlzanzeige. Ein weißhaariger älterer Mann, erschöpft, leidend, auf einen Ast als Krücke gestützt und mit deutlichen Handzeichen um Hilfe ersuchend, wird von vielen Zeitgenossen offenbar als arge Bedrohung empfunden. Eine bittere Erfahrung. Ergo schleppte ich mich während dreier Stunden auch die restlichen 1,5 Kilometer unter Schmerzen die Straße entlang.

Und nu? Tja, Unterbein zwischen Schienen packen, hochlegen, kühlen und Ruhe geben – mindestens 6 Wochen lang.


23.08.2019

"Doch ja, ich mag Leute mit Spleen, Marotte, Schrulle, die nicht dem entsprechen, was man gemeinhin für normal hält. Zumindest sofern sie mir damit nicht missionarisch auf den Keks gehen oder Mitmenschen und Allgemeinheit Schaden zufügen. Weshalb für mich der sympathischste Zug an Horst Seehofer seine Vorliebe für das Spielen mit der Modelleisenbahn ist. ..." So beginnt die aktuelle Folge 174 meiner Monatskolumne "Quergedanken" - über Leute, die an persönlichen Eigenheiten festhalten, egal was Mainstream, Normen, neue Moden und Trends fordern.

Man sollte öfter etwas bekloppt sein (Quergedanken 174 / freier Lesetext) 

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Fridays for Future, schnelle Google-Suche für Aktionen heute 23.08. (Angaben über Teilnehmerzahlen und Art der Aktionen sind leider kaum zu finden.) Vielerorts wurden die Demos spontan zum Protest gegen die ausufernde Brandrodung in Brasilien. Allerorten wurde für den globalen Klimaschutzaktionstags am 20. September geworben. Die FFF-Gruppen in Brandenburg konzentrieren sich zuvor auf den kommenden Freitag (30.8.), an dem sie im unmittelbaren Vorfeld der dortigen Landtagswahl (1.9.) ihre Forderungen mit möglichst großen Aktionen unterstreichen wollen.

Heute gab/gibt es Aktionen in:
Hannover (3000), Münster (700+), Bremerhaven (300), Hamburg (mehrere Hundert), Düsseldorf (laut dpa: mehrere Hundert bei Demo vor/im Flughafen), Dortmund (Demo mit Kleidertauschaktion), Aachen, Frankfurt/M. (Tanzdemo), Darmstadt, Rees (erstmals), Henstedt-Ulzburg (erstmals), Dachau (erstmals), Soest (Fahrrad-Demo), Oranienburg (Picknick), Weimar, Diepholz, Köln, Bad Nauheim, Hannoversch Münden, Braunschweig, Paderborn, Augsburg, Berlin, Kaiserslautern, Bad Kreuznach, Hamm, Salzgitter, Siegen, Würzburg, Passau, München, Konstanz.

Funde aus Österreich: Innsbruck, Pöllau, Ried; Wien (für heute angekündigte Abenddemo)


22.08.2019

Beim Frühstück schweift der Blick durch die Küche, erfasst die Vielzahl der Geräte und Utensilien, die in Teilen oder ganz aus Plastik sind. In Schränken und Schubladen gibt's noch mehr davon. Plötzlich ist da der Gedanken: Fast alle diese Dinge (respektive ihre wesentlichen Funktionalitäten) gab es in meiner Kindheit und frühen Jugend schon in der elterlichen, ja sogar der großelterlichen Küche. Jedoch bestanden sie in jenen 1950ern/60ern überwiegend aus Holz, Metall, Keramik, Glas, Horn, Papier/Karton (und haben prima funktioniert).

Blick und Gedanke sind wohl inspiriert von einer aktuellen Meldung in der Zeitung. Danach prognostiziert die Weltgesundheitsorganisation WHO: Falls kein durchgreifend radikales Gegensteuern stattfinde, werde sich die weltwelte Plastik-Flut von 348 Millionen Tonnen 2017 bis 2025 verdoppeln, bis 2050 verdreifachen. Das vor dem Hintergrund, dass die Überreste dieses "modernen" Werk- und Verbrauchsstoffes binnen nur einer Generation bereits sämtliche iridischen Sphären bis in die allerfernsten Regionen durchseucht haben.


21.08.2019

Es gilt, einen Irrtum auszuräumen. Die Annahme, wer alljährlich freudig zum Pilzesuchen in den Wald ausrückt, der müsse ein Pilzfachmann sein, ist falsch. Ich jedenfalls bin keiner. Denn seit Kindheitstagen sind mir im Kosmos hiesiger Waldpilz lediglich fünf essbare Arten wirklich vertraut: Pfifferlinge, Steinpilze, Maronen und zwei weitere Sorten Braunkappen mit Schwamm darunter. Von Letzteren weiß ich nichtmal die richtigen Namen. Haben mich nie interessiert, so wenig wie die hohe Kunst der Pilzbestimmung generell. Ich kenne, sammle, esse seit Jahrzehnten nur meine fünf Sorten. Deren Eigenarten freilich - Standortvorlieben, Wachstumseigenschaften, Witterungsempfindlichkeiten etc. - habe ich intensivst studiert. Alles Übrige an der Speisepilzologie ist mir wurscht. Weshalb mich auch keiner fragen sollte, wie dieses, jenes, selles Exemplar heißt und ob man es essen kann oder nach dem Verzehr ins Nirwana einfährt.


19.08.2019

Pilzsaison 2019 - wird das was oder eher nix? Vergangenes Wochenende habe ich die heuer überreiche Brombeerernte mit dem in summa 25. Kilo abgeschlossen. In den nächsten Tagen werden noch die Holunderbeeren eingeholt. Da wegen Blütenerfrierung die Apfelbäume auf den Fallobstwiesen und am Waldrand meines westerwäldischen Hausreviers fast gar keine Früchte tragen, stünden als nächstes und zum Abschluss der Erntesaison Pilze und Nüsse auf dem Plan. Was die Schwammerln angeht schwanke ich zwischen Hoffen und Bangen. Nachdem es im Trockensommer 2018 in "meinem" Wald überhaupt keine Esspilze gab, hoffe ich nun, dass die Regenschauer der vergangenen Tage nicht zu spät sind und hinreichen, auch das hiesige Pilzwachstum in Gang zu bringen.


17.08.2019

Man mag zum Hype um Greta Thunberg stehen wie man will. Aber was ihre Gegner und Kritiker derzeit veranstalten ist eine ziemlich miese Tour: Nach denen kann dass Mädchen nämlich, egal was und wie sie es tut, im Grunde nichts richtig machen. Die Seglerei wird als billiger PR-Trick verhöhnt. Wäre sie aber mit einem Motorschiff gefahren, hätte sich auch Geschrei erhoben. Wäre sie geflogen, wäre das Geschrei noch größer. Und wäre sie daheim geblieben· hätte es geheißen: Greta resigniert oder nimmt ihre Verwantwortung für den globalen Klimaprotest nicht wahr. Den meisten Kritikern geht es am Ende wohl gar nicht um das jeweilige Verhalten des Mädchens, sondern um die Diskreditierung einer Symbolfigur der FFF-Bewegung und darüber letztlich um die Diskreditierung eines durchgreifenden Klimaschutzprozesses selbst.


15.08.2019

Anno 2021 wird der "Kultursommer Rheinland-Pfalz" 30 Jahre alt und ebenso lange das Kulturgeschehen zwischen Südpfalz und Oberwesterwald mitgeprägt haben. Vor dem Hintergrund des Jubiläums macht man sich nicht nur in Mainz Gedanken darüber, wie es mit der Landeseinrichtung als „Dienstleister, Berater, Ermöglicher, finanzieller Förderer und Helfer“ für Veranstalter und Kulturschaffende vor Ort dann in ihrem vierten Jahrzehnt weitergehen soll. RLP-Kulturministerium und Kultursommerbüro laden deshalb von jetzt bis ins Frühjahr hiesige Veranstalter und Kulturschaffende zu zehn Regionalkonferenzen quer durchs Land ein, um deren Ideen, Anregungen, Wünsche für die Zukunft des KuSo "ergebnisoffen anzuhören und zu sammeln". Die erste Zukunftskonferenz fand Anfang der Woche in Mainz statt.

Mein Artikel dazu (freier Lesetext)


13.08.2019

Es ist soweit, die Ausmusterung beginnt. Gestern hat sich erstmals ein Geschäft in Deutschland geweigert, mir für mein gutes Bargeld etwas zu verkaufen. "Wir haben hier keine Barkasse mehr" erklärte das Mädchen hinterm Thresen einer McDonalds-Filiale und forderte mich auf: "Bestellen sie am Automaten und bezahlen sie dort auch." Das nennt sich dann nassforsch verlogen "Restaurant". Ich war ziemlich ungehalten, nein: rundumher deutlich vernehmbar sehr ungehalten. Jedenfalls endet damit die gelegentliche Nachtnothungerbeziehung zwischen mir und der amerikanischen Bräterei. Aber wie lange wird es noch dauern, bis man mein Geld auch anderwärts nicht mehr annehmen will?


12.08.2019

Dieser Tage fragte mich jemand, ob es denn in meinem politischen Gesichtsfeld kein anderes Thema mehr gebe als Klimawandel. Etwas irritiert antwortete ich: Dem ist keineswegs so. Schließlich existieren fast sämtliche uralten, alten und jüngeren Probleme ungelöst fort. Allerdings gesellt sich zu diesen nun der Klimawandel als epochales Überthema, das noch viele Folgegenerationen beschäftigen wird. Denn mit diesem ändert sich erstmals seit rund 12 000 Jahren dauerhaft eine der natürlichen Grundbedingungen bisheriger Zivilisationsentwicklung: die (trotz manch temporärer und kontinentaler Schwankungen) relative Stabilität des irdischen Großklimas. Und dieser Umstand wirkt sich, teils extrem verschärfend, früher oder etwas später zwangsläufig auf ALLE übrigen Themen aus, von den ganz großen Politik- und Gesellschaftsfeldern bis hinunter ins individuell-private Sein. Deshalb muss man den Klimawandel (und Bemühungen zu seiner BNegrenzung) heute in jedwedem Themenbereich mitdenken. Alles andere wäre m.E.: St. Floriansprinzip, Naivität oder Ignoranz.


 01.08.2019

Sommerpause beendet. Ich bin wieder hier in meinem Revier; war nie richtig weg - aber doch ziemlich raus aus der Welt. Will sagen: Keine Urlaubsreise gemacht, stattdessen mir rund fünf Wochen Auszeit daheim gegönnt; Vertrödelwochen ohne Plan, ohne Internet, überwiegend ohne Lektüre von Tageszeitung, ohne Wahrnehmung der TV-Nachrichten. Zwei Wochenzeitungen waren das einzige Tor zum großen Zeitgeschehen. Und ich muss sagen: Es tat gut, Ereignisse aus der zeitlichen Distanz und ohne Aktualitätserregung zu betrachten - man versteht sie so besser.   

Also fünf Wochen auf der faulen Haut? Mitnichten. Ich habe Holz gesägt und gehackt, habe den Garten bewirtschaftet, war im Wald Himbeeren sammeln und habe sie zu Gelee verarbeitet. Ich schaute den Bäumen und Wiesen beim Vertrocknen zu, verhinderte mühsam, dass unser Gemüse deren Schicksal teilt. Nur an den Hitzetagen saß/lag ich ganz stille im Schatten, dachte nach über Welt, Menschen und meine bisherige wie künftige Stellung zwischen ihnen. Auf den heutigen Tag in zwei Jahren beginnt mein offizielles Rentnerdasein - dann muss man sich schon mal Gedanken machen.

Mittemang in der Sommerpause wurde doch ein kleines Textchen fällig: Meine Monatskolumne "Quergedanken". Gedruckt ist sie schon ein paar Tage auf dem Markt, elektronisch wird sie hiermit nachgereicht. Die Nr. 173 handelt von Alle sprechen von den Querelen, die Autofahrer, Radler, Rollerer, Fußgänger im Dickicht der Städte miteinander haben. Hier nun geht der Blick mal zu Begegnungen draußen auf der Landstraße, dorthin, wo es über tausende Kilometer weder Geh- noch Ragdwege gibt.

Zu den "Quergedanken" Nr. 173

27.06.2019

Und nun: BETRIEBSRUHE in der Schreibstube bis Ende Juli. Wünsche allseits eine angenehme Sommerzeit.


 26.06.2019

Wir nennen uns Homo sapiens, „vernünftiger Mensch“. So richtig eingeleuchtet hat mir das nie. Denn angesichts der Zivilisationsgeschichte bleibt eigentlich nur der Befund: Seit der Mensch sesshaft geworden ist und in hierarchischen Gesellschaften lebt, wird er hauptsächlich von Unvernunft getrieben. Und als eine der unvernünftigsten Zivilsationsaspekte erweist sich just dieser Tage die Lebensmaxime "immer größer, schneller, weiter" - an die wir ins seit 10 000 Jahren dummerweise gewöhnt haben.

Kolumne "Quergedanken" Nr. 172 (freier Lesetext)

 


25.06.2019

Walter Ullrich, Hannes Houska, Jochen Heyse: Das waren die Theaterprinzipale, die Ende des vergangenen Jahrhunderts zeitgleich über viele Jahre das professionelle Bühnengeschehen in der Mittelrheinregion prägten. Alte Schule, dominante Persönlichkeiten alle drei – Schauspieler, Regisseure, Intendanten in einer Person. Houska starb 2012, hatte von 1975 bis 1996 als Intendant die Geschicke des Theaters Koblenz bestimmt. Heyse starb ein Jahr nach Houska, hatte von 1988 bis 2004 die Leitung der Burgfestspiele Mayen innen. Der Dritte im Bunde allerdings, Walter Ullrich, erfreut sich noch seines irdischen Daseins, war bis eben Intendant des Kleinen Theaters Bad Godesberg und zugleich der Landesbühne im Schlosstheater Neuwied. Jetzt erst, im 88. Lebensjahr, muss er nach gut 60 Jahren sein Godesberger Privattheater aufgeben und hat dieser Tage nach 40 Jahren die Leitung des Neuwieder Theaters in die jüngeren Hände von Lajos Wenzel überantwortet.

Meine Würdigung zu Ullrichs Abschied (freier Lesetext)


22.06.2019

In Anbetracht der großen zentralen Demonstration von Fridays for Future gestern in Aachen erspare ich mir diesmal die Mühe, andere lokale Aktionen der Schülerbewegung aus dem Netz zu fischen. Es gab aber auch an diesem Freitag, trotz Aachen, etliche. Hier ein Link zur Berichterstattung der "Aachener Zeitung" über das gestrige Protestgeschehen am Ort.  Aachener Zeitung hier

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Im Staatstheater Wiesbaden wird Schillers „Kabale und Liebe“ jetzt in einer Art gezeigt, die als kleines Wunderwerk gelten darf. Regisseurin Johanna Wehner hat heftig in die Vorlage eingegriffen, hat vieles weggelassen, hat manche Sprechpassage auf einen Ausruf, bisweilen ein einziges Wort verkürzt, hat auch ein bisschen Eigenes hinzugefügt. Mehr noch: Sie hat den strukturellen Aufbau des Stückes von 1784 verändert. So sehr der gut zweistündige Abend sich damit vom Original zu entfernen scheint, bleibt am Ende doch der Eindruck, seinem Schiller’schen Wesen kaum je so nahe gekommen zu sein.

Meine Besprechung (freier Lesetext)


21.06.2019

„Freiheit“ ist die jüngste Produktion von tanzmainz benannt. Der Titel lässt erwarten, was der 60-minütige Abend auch bestätigt: Das vom den israelischen Choreografen Guy Weizmann und Roni Haver kreierte Stück hat eine stark gesellschaftspolitische Dimension. Die schafft sich Ausdruck bereits in der Farbgebung: Bühne, Licht, Kostüme – alles durchgängig in Varianten von Rosa gehalten. Will sagen: Wir heutigen Hiesigen betrachten unser Freiheitsideal meist durch eine rosarote Brille. Die acht Tänzer*innen demonstrierten dann aber eindrücklich, dass es  so einfach nicht ist mit der Freihe it.

Meine Besprechung des Tanzstücks (freier Lesetext)


19.06.2019

Uraufführungen aktueller Kompositionen haben im Klassikbetrieb vor allem abseits der Musikmetropolen noch immer Seltenheitswert. Es heißt, das Publikum sei noch nicht bereit für die oft atonalen Schöpfungen von Gegenwartskünstlern. Sollte diese seit Jahrzehnten gepflegte Einschätzung sich als überholt erweisen? Der begeisterte Applaus spricht dafür, mit dem die Uraufführung eines Trompetenkonzerts des Kölner Komponisten Wilfried Maria Danner durch die Rheinische Philharmonie Koblenz jetzt aufgenommen wurde.

Meine Konzertbesprechung (freier Lesetext)


18.06.2019

17 Uhr, Aufbruch nach Mainz. Auf dem Kritikerdienstplan steht ein Tanzstück am Staatstheater. Die 20 Meter vom Haus zum Auto bergen Gefahren. Ein Dussel hat seine Gartenschuhe genau vor der Haustür geparkt. Ich stolpere drüber und stürze kopfüber ins Kräuterbeet. Der umgeknickte Fuß tut weh, ein Ellbogen ebenfalls, doch man will nicht jämmerlich erscheinen: „Nix passiert“; ab zum Dienst. (...)

Kleines Verzählchen darüber, was einem Montags so passieren kann (Freier Lesetext)


17.06.2019 Dritte Spielzeit bei den Burgfestspielen Mayen unter der Intendanz von Daniel Ris. Wie in den Vorjahren, so entfällt auch in diesem Sommer eine der beiden großen Abendproduktionen im Innenhof der Genovevaburg aufs Schauspiel, die andere aufs Musiktheater. Als Sprechtheater-Beitrag kam an diesem Wochenende ein Komödienklassiker auf die Bühne: Oscar Wildes „Ernst sein ist wichtig“, hierzulande eher bekannt unter dem Titel „Bunbury“. Anders als in den Vorjahren bei Schillers "Kabale und Liebe" sowie Schirachs "Terror" fällt meine Kritik in diesem Fall nicht ganz so positiv aus.

Meine Premierenbesprechung (3900 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


15.06.2019

Auf die Schnelle im Netz gefundene News über Demos von Friday for Future am gestrigen Freitag (14.06.2019). Da sind wieder Orte/Örtchen darunter, von denen ich noch nie im Leben gehört habe. Sage keiner mehr, FfF sei ein bloßes Großstadtphänomen.

Mit Zahlenangaben: Hamburg (6500), Darmstadt (3000), Rüsselsheim (450), Leipzig (250), Paderborn (150), Diepholz (erstmals, 400), Herne (erstmals, 450), Frankenberg (erstmals, 250), Brüggen (erstmals, 100), Bassum (erstmals, 100), Kirchheimbolanden (erstmals, 200), Gifhorn (70), Ahlen (erstmals, 20), Strausberg (erstmals, 100), Passau (Radlerdemo, 100)....

Ohne Zahlenangaben: Lehrte, Duisburg, Köln, St. Ingbert, Bad Kreuznach, Moers, Kamp-Lintfort, Hannover (Farraddemo), Düsseldorf (Fahrraddemo), Gotha, Hildesheim, Zwickau, Marburg, Eckernförde (Demo gegen Kreuzfahrtschiffanleger)... // Österreich: Schärding, Krems, Eisenstadt, Villach ...

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Mich interessiert alles, was über Greta Thunberg und vor allem ihre "geschäftstüchtigen Hinterleute" kolportiert wird, wenig bis gar nicht. Denn das Mädchen ist nicht die Ursache der Jugendbewegegung FfF, sondern nur ein zeitlich zufällig zum erreichten Stand des jugendlichen Krisenbewusstseins in Sachen Klima passender Impuls oder Zündfunke. Gäbe es Greta nicht, hätte etwas oder jemand anderes zeitnah die Zündfunktion übernommen - der Unwille in der Jugend war einfach reif zum Ausbruch.

Dass Massenströmungen, ob politisch, kulturell oder sonstwas, sich ihre Ikonen schaffen, ist ein alter Hut; war immer so. Dass Trittbrettfahrer versuchen, aus den Ikonen Kapital zu schlagen, ist bedauerlich, war aber ebenfalls immer so. Unredlich wird die Sache dort, wo Gegner der Bewegungen die Trittbrettfahrerei benutzen (oft aufbauschen, zur Not auch mal herbeilügen), um die Bewegungen selbst zu diskreditieren. Aber selbst das ist ein alter Hut; kenne ich noch von 68ff: Der Umstand, dass einige Kommunarden Beziehungen zur DDR unterhielten, wurden von interessierter Seite (Springer zB) propagandistisch gedeutet als Zeichen dafür, dass die gesamte 68er-Bewegung ein Stasi/MFS-Produkt sei.

Was die vermeintliche "Familienmarke Greta" angeht, so hat mich das ab dem Moment noch weniger interessiert, da ich auf die von interessierter Anti-FfF-Seite ständig insistierende Frage "Wer bezahlt eigentlich Gretas Reisen?" die simple Antwort gefunden habe: zumeist die Organisationen/Institutionen, die sie als Rednerin einladen. So wie es für Gastredner auf sämtlichen Gebieten seit jeher allüberall Usus ist.


14.06.2019

Seit Jahrzehnten bereitet mir die Entwicklung der großen Menschenwelt eher Verdruss denn Freude. Trotzdem darf ich mich glücklich schätzen, und tue das auch. Einer der wichtigsten Faktoren dafür ist beim Blick aus dem Fenster der Schreibstube zu sehen: "mein" Wald. Beglückende 20 Quadratkilometer Ruhe-Refugium und zugleich Versorgungsraum für Brennholz und mannigfache Nahrungsmittel.

Ein kleines Verzählchen über "meinen" Wald (freier Lesetext)


13.06.2019

Es ist schon recht gruselig, wenn bei allen Diskussionen über FfF oder Greta ausgerechnet diverse Linksaußen-Strömungen partout darauf bestehen, sowohl die objektiven Bedingungen für das Entstehen dieser Bewegung wie auch das subjektiv hochentwickelte Bewusstsein der jungen Leute für die Zusammengehörigkeit von ökologischer und sozialer Frage völlig zu ignorieren. Da gibt es seltsame Leute, die Fridays for Future und Greta für Produkte einer geheimen Verschwörung der herrschenden Klasse halten, wohl nur weil die nicht unter roten Fahnen marschieren und nicht rufen "Nieder mit dem Kapitalismus! Es lebe die sozialistische Weltrevolution!". Eine borniertere Verweigerung historisch-materialistischer Analyse jetziger Realität ist einem kaum je begegnet.


12.06.2019

Wenn Sommer ist, zieht es auch das Theater hinaus zum Spiel unter freiem Himmel, Wetterrisiko inklusive. Glück für die Premiere von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ in Koblenz: Der Abend war warm, erst zum Finale träufelte es einige Regentropfen. Langer Beifall, vergnügte Gesichter – man hat auf dem Vorplatz der Feste Franz bei einer reizenden kleinen Produktion kurzweilige 90 Minuten erlebt.

Meine Premierenkritik (4200 Anschläge, RZ-Text, 49 Cent)


11.06.2019

Bestandsaufnahme Selbstversorgergarten Pfingsten 2019: Acht Reihen Kartoffeln (zwei davon im Bild) stehen gut und die drei Hochbeete sind prall gefüllt mit allerhand. An anderer Stelle gedeiht eine Batterie von Tomatenstöcken prächtig. Die Kulturbeeren machen mir etwas Kummer: Johannis-, Stachel-, Him- und Heidelbeeren haben nur mäßig Früchte angesetzt. Dafür sind draußen im Wald die Fruchtansätze der Spätblüher Holunder und Brombeere recht füllig. Ergo: Was dem Gärtner verwehrt bleibt, muss der Sammler ausgleichen.


08.06.2019

Das eigentlich Interessante am Höhenflug der Grünen ist nicht der Höhenflug der Grünen selbst. Wirklich bedeutend ist, dass es sich dabei um ein SYMPTOM für tiefgreifenden Wandel im Denken großer Teile der Bevölkerung handelt. Wir erleben eine Art Paradigmenwechsel, der für die ökologischen Probleme die ihnen gebührende Stellung auf der politischen Agenda einfordert (dies durchaus auch innerhalb der Anhängerschaft der anderen Parteien). Die neue Prioritätensetzung vereint das über Jahrzehnte angewachsene ökologische (Minderheiten-)Bewusstsein mit aktuellem Umdenken in vielen Bereichen der Mehrheitsgesellschaft, vereint beides mit dem von Kindern und Enkeln massiv aufgebauten Verantwortungsdruck – für Klima, Natur, Arten und eine sozial gerechte Gesellschaft.

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Vorhin (Samstagmorgen) mal die Nase vor die Tür gestreckt. Jetzt habe ich soooo viiiiiel Lust auf Open-air-Kultur am Abend. Klammheimlich bin ich ein ganz kleines bisschen froh, dass meine RockamRing-Jahre vorbei sind, zurückliegen in einer Zeit, da die Hälfte der heutigen Besucher noch gar nicht geboren war. Gleichwohl Mädels und Jungs, Veteraninnen und Veteranen, die ihr droben in der Eifel rockt, tanzt, feiert, liebt, friert, durchgepustet und nass werdet: Habt Freude reichlich! (Tip für die RaR-Fans daheim: Zusammenschnitt/Übertragung auf 3sat ab 20.15 Uhr)

Mir steht stattdessen kritikerdienstlich heute ein Shakespear'scher "Sommernachtstraum" bevor. Nein, nicht die britische 2016er-Verfilmung im Fernsehen (18.45 Uhr auf ONE), sondern als Open-air-Theater auf dem Ruinengelände der Koblenzer Feste Franz. Für den Besuch der Gemeinschaftsproduktion von Theater Koblenz und LaProfth ist dann wohl Kampfmontur angesagt: dicke Socken, zweiter Pullover, mein knöchellanger Regenponcho und Wärmekissen fürs Popöchen.

Hinter vorgehaltener Hand mal ehrlich gesprochen: Ich habe sie noch nie verstanden, diese Vorliebe so vieler Leute, selbst hohe Theaterkunst und klassische Musik partout unter freiem Himmel erleben zu wollen. Meist ist die Akustik und sind die Aufführungsbedingungen schlechter als in jedem Theater und Konzertsaal, sitz man unbequemer, wird angelegentlich nass oder friert oder muss sich vor Blitz, Donner, Sturm in Sicherheit bringen; anderntags drohen Sonnenstich und Hitzschlag; die lärmende Außenwelt der Zivilisation spielt oft mit, ebenso manches Getier vom bellenden Hund und trällernden Vögelchen bis hin zu Einzelkämpfern oder Schwadronen der summenden und stechenden Art. Aber ach, ja ich weiß, das "wunderbare Ambiente" .... Nun denn, wenn ihr meint.


07.06.2019

Manchmal kommt man ja so ins Sinnieren: Was hast du eigentlich geschafft in deinem Leben? Oder: Hast du irgendwas Bleibendes geschaffen? Ich bilanziere, ganz grob: Während meines schreiberischen Berufslebens flossen mir alljährlich 100 bis 150 verschieden umfängliche Texte zu kulturellen und gesellschaftspolitischen Themen aus der Feder. In den letzten Jahren einige weniger, davor etlich mehr. Macht in 32 Berufsjahren knapp 4000 Berichte, Analysen, Essays, Kommentare, Kritiken, Glossen, Vorträge etc.

Was hast du damit bewirkt? Keine Ahnung, es lässt sich nicht(s) messen. Was wird davon bleiben? Außer elektronischen Archivbeständen bei diversen Medien, auf die vielleicht noch ein paar Jahre nach meinem Ableben gelegentliche Google-Suchen stoßen: wahrscheinlich Nichts. So viel vergebliche Liebesmüh‘ muss doch frustrierend sein? Nö. Denn wie der Sinn des Lebens darin besteht, zu leben, so die Lebensaufgabe des Schreibers darin, zu schreiben. Wenn hie und da das eine oder andere Schreibergebnis für diesen oder jenen Leser ein Moment der Freude, der Erhellung, des Denkanstoßes mit sich brachte/bringt, so war/ist die Mühe nicht für die Katz.


06.06.2019

Es wird in jüngerer Zeit von Klimawandelleugnern oder -verharmlosern eine neue Argumentation ins Gefecht geführt: Die einen effektiven Klimaschutz fordernden Leute würden Naturschutz und Klimaschutz miteinander verwechseln. Das aber wären zwei ganz verschiedene Paar Stiefel.

Dazu eine kurze Anmerkung (freier Lesetext)neue Argumentation


05.06.2019

Doch, ja, das geht mir auch an meiner eigenen Zunft gehörig auf den Wecker: Zu viele journalistische Kollegen/innen und Redaktionen, die nun wie besessen bloß noch das Köpfe-Wechsel-Spiel betreiben - und das irrtümlich für politischen Journalismus halten. Wer führt nun die SPD, der, die oder das? Was macht AKK demnächst? Wird Habeck Kanzler oder Baerbock? So enge Horizonte, ach herrje. *genervt*

***

Wir haben derzeit in der Republik die hochinteressante Situation, dass unter Mitgliedern und Anhängern fast aller Parteien das Bedürfnis nach INHALTLICHER, STRUKTURELLER, PERSPEKTIVISCHER (Neu)Orientierung enorm stark ist. Vor allem das völlig unerwartete plötzliche Auftauchen einer sich auf ungewohnte Weise vehement in die Politik einmischenden Jugendgeneration schüttelt die althergebrachten parteipolitischen wie teils auch medialen Verhältnisse, Gewohnheiten, Blickwinkel gehörig durch. Zugleich (und größtenteils deshalb) befinden sich in der Parteienlandschaft fast alle Personalien im Schwebe-/Interimszustand.

Das eigentlich Spannende daran ist: Politische Entwicklungen entscheiden sich in der jetzigen Phase nicht in den Parlamenten, auch nicht in den Führungsgremien der Parteien und erst recht nicht beim Köpfe-Wechsel-Spiel, sondern "unten", an den Parteibasen und den sich gerade gravierend wandelnden Prioritätensetzungen im öffentlichen Bewusstsein. Dieser Wandel lässt die alte politische Garde teils in Schockstarre, teils in Panik, teils in Frustration, teils in wildes (und dummes) Umsichschlagen verfallen.

Journalisten hätten außer über das Köpfe-Spiel nichts zu berichten, weil nichts passiert, heißt es? Pardon, sehe ich anders. So viel grundstürzende Bewegung wie jetzt eben, war lange nicht. Allerdings findet sie halt nicht an den Orten und in den Formen statt, an die manche Kollegen/innen gewöhnt und auf die sie seit ewigen Zeiten fixiert sind.


04.06.2019

Im Frühjahr 2019 haSinnieren: Was hast du eigentlich geschafft in deinem Leben?be ich den Vortrag "Heimat - Sehnsuchtsraum und Kampfbegriff" in mehreren Orten des nördlichen Rheinland-Pfalz gehalten. Es stehen  nun zwar noch Gesprächsveranstaltungen zu diesem Thema auf meinem Plan, aber für den Vortrag selbst liegt kein weiteres Engagement vor. Weshalb ich mich entschlossen habe, die letzte Manuskriptfassung des 50-minütigen Referats den interessierten Zeitgenossen hier zugänglich zu machen.  Wie immer bei meinen Vorträgen gingen die mündlichen Ausführungen in Teilen darüber hinaus. Aber alles, was in (unkorrigierter Form) geschrieben steht, wurde auch gesagt.

Zum Vortragsmanuskript hier (freier Lesetext)

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