Guten Tag allerseits im Januar 2020

17.01.2019

Sobald die Rede auf Phänomene in menschlichen Gesellschaften des 20./21. Jahrhundert kommt, taucht ein Problem auf, das die Diskussionen und Gespräche oft ziemlich schwierig macht: Fast alle Generalisierungen hinsichtlich individueller Eigenarten, Eigenschaften, Haltungen, Lebenskulturen innerhalb der Bevölkerung gehen an der Realität vorbei. Denn diese ist von einer sich immer weiter auffächernden Heterogenität geprägt. Es gibt sie einfach nicht DIE Jugend, DIE Rentner, DIE LInken, DIE Konservativen, DIE Grünen, DIE Deutschen, DIE Migranten, DIE MIttelschicht...

Ich kenne CDUler, deren Grundeinstellungen und Lebensarten liegen himmelweit auseinander; selbiges gilt für andere Parteigänger. Es gibt einerseits ältere Leute, für die ist die Vorstellung, mit 67 in Rente gehen zu müssen ein Albtraum; wie es umgekehrt Leute gibt, für die die Aussicht, noch bis 67 arbeiten zu müssen, ein Albtraum ist. Es gibt Jugendliche in großer Zahl, denen Klimaschutz das wichtigste Anliegen ist; ebenso gibt es Jugendliche, denen das Thema rundweg am Allerwertesten vorbei geht. Oder: Mich verbindet mit einer Menge meiner "deutschen Landsleute" erheblich weniger als mit vielen "fremdländischen" Menschen im In- und Ausland. ...

Deshalb sind Urteile über ganze Bevölkerungssegmente, die sich auf Verhaltensbeispiele, Haltungen, Ansichten Einzelner oder Einiger in diesen Segmenten stützen, IMMER abwegig. Dies ist auch der Grund, warum es eine "deutsche Leitkultur" jenseits des Grundgesetzes gar nicht geben kann.


16.01.2019

Dies ist eine Nachricht vor allem an wirtschaftsliberale und wirtschaftskonservative Leugner, Zweifler, Verharmloser in Sachen Klimawandel sowie Zauderer, Verzögerer und Bedenkenträger gegen rasch durchgreifende Klimaschutzanstrengungen: Ein "links-grüner Versiffung" völlig unverdächtiges, in Wirtschaft und Politik weltweit hoch angesehenes Gremium, die Veranstaltergruppe des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos, hat gestern ihren alljährlichen "Weltrisikobericht" veröffentlicht. Darin werden heuer der Klimawandel, das Schwinden der biologischen Vielfalt und ein rekordverdächtiger Artenrückgang" als die drängensten Herausforderungen der Gegenwart bezeichnet.

Der Bericht fordert eine sofortige entschlossene Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Bekämpfung dieser Gefahren, da andernfalls "katastrophale Folgen" drohten, nicht zuletzt in Form wirtschaftlicher Konflikte und politischer Polarisierung. Dem bevorstehenden Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos hat dessen Präsident Borge Brende bei der Vorstellung des Berichts in London quasi in die Tagungsagenda geschrieben: "Die Welt kann nicht darauf warten, dass sich der Nebel der geopolitischen und weltwirtschaftlichen Unsicherheit lüftet. Das Handlungsfenster ist noch offen, wenn auch nicht mehr lange."


12.01.2020

Es ist ein Trauerspiel. Die 22 Quadratkilometer meines geliebten Hauswaldes werden licht und lichter. Seit Wochen fällen schwer motorisierte Trupps - auch im Mischwald - eilends Unmengen Fichten und häufen die Stämme an den Abfuhrwegen zu gewaltigen Bergen auf. Nein, das ist keine Holzernte, sondern Noteinschlag: Bis zum Frühling soll so viel wie möglich durch Hitze, Wassermangel und anschließend Borkenkäfer geschädigtes Holz raus aus dem Wald - bevor der Käfer wieder fliegt. Beim gestrigen Waldmarsch sah ich obendrein an unzähligen noch stehenden Bäumen Fällmarkierungen. Wenn die alle auch noch weg sind, wird es nicht mehr viele Fichten in diesem Teil des Westerwaldes geben.


09.01.2020

Selbstbeobachtung beim Autofahren: Wenn ich gedankenlos herumkutschiere oder meine, es eilig zu haben, verfalle ich unbewusst auf den Fahrstil der ersten Hälfte meines Autofahrerlebens. Ergebnis: Mein Spritverbrauch steigt auf 7,2 L/100km. Wenn ich aber mit Sinn, Verstand, vorausschauend, Gemütsruhe und Verantwortungsbereitschaft fahre, pendelt sich der Spritverbrauch bei 4,9 bis 5,2 L /100km ein. Und da ist noch Luft nach unten - allerdings würden mich dann manche automobilen Zeitgenossen wohl als "Verkehrshindernis" empfinden.


08.01.2020

Verdammich, gleich im neuen Jahr ein Trauerfall im Haus: Nach nur 12 Jahren in Gebrauch ist die Waschmaschine verreckt - ohne Chance, sie durch Hand(an)auflegen wieder auferstehen zu lassen. Ich also in der Früh hin zum Elektromarkt, um eine neue zu kaufen. Kinners, was es da jetzt für Dinger gibt! Waschmaschinen, die sprechen können oder einem SMS-Botschaften schicken. Solche, die Wäsche- und Stofftyp in der Trommel analysieren und selbstständig das Waschprogramm aussuchen sowie die Waschmittelmenge dosieren. Die meisten mit Touchscreens, einige sogar mit Bildschirmen...

Der nette Verkäufer demonstrierte mir eine Maschine, die - grob mitgezählt - ein gutes Hundert Funktionen hat. Meine Begeisterung war grenzenlos, weshalb ich erklärte: "Unsere alte Waschine hat zwei Schalter und einen Drehknopf, daraus ergeben sich acht Waschprogramme, von denen wir nur drei regelmäßig benutzten. So eine Maschine will ich. Habt ihr das?" Mit dieser simplen Anforderung war der junge Mann leider völlig überfordert. Denn, so seine perplexe Antwort: "Das gibt es nicht mehr." Darüber brachte ich tiefes Bedauern zum Ausdruck und verlangte resigniert nach der Maschine "mit dem wenigsten überflüssigen Tinneff und Schnickschnack. Wir wollen nur einfach Wäsche waschen".

Geordert ist nun ein Gerät mit fünf Schaltern und einem Drehknopf, das es immerhin auf 30 teils variable Funktionen bringt - von denen 25 bei uns einfach für'n Arsch sind. Immerhin: Geliefert, aufgestellt und angeschlossen wird schon morgen und die alte Maschine nehmen die Herrschaften auch gleich mit.


03.01.2020

TV-Tip. Am gestrigen Abend (Do, 2.1.) bin ich beim halbschlafenen Fernsehgucken zufällig nacheinander in zwei aktuelle Reportagen/Dokumentationen über die Arktis geraten. Die haben mich dann bis nach Mitternacht hellwach gehalten. Denn zwar ließe sich über die dramaturgische Machart streiten, gleichwohl war/ist der Gehalt an Beobachtungen, Infos, Erklärungen zu jüngerer Entwicklung und jüngstem Zustand der Nordpolarregion beträchtlich. Zugleich wird deutlich, was für ein wunderbares und wichtiges Öko-System wir zu verlieren drohen. Weshalb ich empfehlen darf, die folgenden beiden Sendungen mal aus der Mediathek zu fischen: 1.) ZDF, "Nordlichter - Leben am Polarkreis / Von Ostgrönland nach Alaska"; 2.) SWR, "Faszination Arktis"


02.01.2020

Seit 1999 schreibe ich alljährlich für die am ersten Werktag des je neuen Jahres erscheinende Ausgabe der Rhein-Zeitung mein Neujahrsessay. Nach eigenem Dafürhalten ist dieser stets eine ganze Kulturseite einnehmende Text einer meiner wichtigsten in jedem Jahr. Heuer steht er unter der Überschrift "Die Menschheit am Scheideweg", handelt vom "Klimawandel und seinen Folgen" sowie " Von Zweiflern, Leugnern und Verharmlosern". > Zum Neujahrsessay 2020  (12 000 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)

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