Guten Tag allerseits

15.09.2020

Mitte September - und draußen herrscht Hochsommer. Derartige Tage gab es auch in früheren Jahrzehnten gelegentlich, allerdings kaum je in solch langen Kettphasen. Wir genießen es, selbstredend; zumal die Nächte nicht brüten, sondern bereits jahreszeitlich angemessen kühl ausfallen. Was mir jedoch Kummerfalten auf die Stirn treibt: Schon wieder eine Trockenphase. Das letzte, nur kleine und mäßig bis gar nicht wirksame, Regenintermezzo liegt zB am Mittelrhein schon wie lange zurück - 2, 3 oder 4 Wochen? Theoretisch müsste es die nächsten fünf Monate quasi am Stück regnen, sollte die hiesige Natur nicht erneut im Krisenmodus ins nächste Frühjahr starten müssen.


13.09.2020

Es wird nach Monaten seuchenbedingter Stille wieder live gespielt im Theater. Nach ersten zögerlichen Versuchen in jüngerer Zeit, hoben sich an diesem Wochenende auch in der hiesigen Umgebung die Vorhänge zuhauf. Es gab ausverkaufte Schauspielpremieren in den großen Häusern von Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Bonn, Köln … Doch was heißt derzeit „ausverkauft“? Als Beispiel sei das Godesberger Schauspielhaus des Theaters Bonn angeführt, wo ich jetzt die Premiere von Georg Büchners „Lenz“ besuchte, prominent inszeniert von Armin Petras. > Mein Artikel (3900 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)


11.09.2020

Gestern auf der Heimfahrt von einer Premiere im Schauspiel Bonn - mit strengem, stramm durchorganisiertem und ohne Murren von allen Besuchern ganz selbstverständlich befolgtem Seuchenreglement - kam mir unversehens dies in den Sinn:

Spätestens seit die zivilisierte Welt weiß, dass diverse Krankheiten auch durch kräftiges Atmen, Sprechen, Husten, Niesen übertragen werden können, gibt es in etlichen Kulturen Asiens die schöne Sitte: Sobald jemand bei sich selbst erste Anzeichen einer Erkrankung verspürt, zieht sie/er eine Mund-Nasen-Maske auf. Das gilt dort als guter Stil, geboten durch Anstand, Rücksichtnahme und Verantwortungsgefühl gegenüber Mitmenschen und Allgemeinheit.

Diese Sitte hat wesentlichen Anteil daran, dass in Japan, Südkorea, Taiwan, Singapur, Hongkong oder auch der VR China die Verhängung allgemeiner Maskenpflicht im Zuge der Corona-Pandemie überhaupt keine nennenswerte Diskussion hervorruft. Denn warum sollte man über etwas streiten, das etwa für einen kultivierten Japaner ohnehin zum guten Ton gehört - auch und gerade bei einer Krankheit, mit der man andere schon anstecken kann, obwohl man selbst (noch) keine Symptome hat.


10.09.2020

Von den Auswirkungen des Fichtensterbens im Westerwald auf die Populationen der Waldameisen handelt ein interessanter Artikel heute im Lokalteil meiner Frühstückszeitung. Da wird daran erinnert, dass so manche hiesige Ameisenart auf das Vorhandensein ordentlicher Nadelbaumbestände angewiesen ist. Mit der Fichte verschwindet der seit mehr als 200 Jahren wichtigste davon - den Ameisen wird die Lebensgrundlage entzogen. Weshalb, eigentlich, die Forstämter angehalten wären, Ameisenvölker aus gefährdeten Gebieten herauszuholen und in sichere umzusetzen. Eigentlich. Doch wie sagt die Leiterin der Forstamtes Hachenburg in diesem Artikel: "Die Wälder sterben schneller, als wir umsiedeln könnten." Und wo auch sollte man die Ameisen wieder ansiedeln?

Es ist gut, dass das öffentliche Augenmerk nun auch auf die weniger und sofort ersichtlichen Wirkfolgen des Fichten-/Waldsterbens im bodennahen Klein(tier)bereich gelenkt wird. Im nächsten Schritt wird man sich mit den Veränderungen im quasi unsichtbaren Feld der Wald-Mikrobiologie befassen müssen. Entsprechende Forschungen laufen, aber schon jetzt steht fest: Zusammen mit Erwärmung, Trockenheit, Grundwasserabsenkung, Schädlingsbefall werden die unzähligen Notkahlschläge und das Verschwinden der Baumart Fichte sowie das fortschreitende Kränkeln auch von Buchen, Eichen und Co. die gesamte Biochemie unseres Waldes mitsamt der Waldböden völlig umkrempeln. Das sind sich wechselseitig verstärkende Prozesse - deren Ergebnisse noch gar nicht vollends absehbar sind.

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(Augenzwinkernde) Anmerkung zur heutigen Bundesalarmübung, die, wie ich höre, in weiten Teilen grandios in die Hose gegangen ist:

Kinners, Kinners, wir sind ja sowas von am Arsch. Die Luftwaffe fliegt nicht. Die Marine kann nicht schippern. Das Heer schießt nur um die Ecke. Und der Zivilschutz fällt vollkommen aus, weil nicht mal die Sirenen tuten. Hauptsache die Warnapps äppen - wenigstens teilweise, wenn auch mit Verspätung respektive ohne Warnung, aber immerhin mit der Entwarnung. Stehen eigentlich die russischen Panzer schon am Rhein oder gibt's am End den Rhein gar nicht mehr?


09.09.2020

Ab heute im Landesmuseum Mainz fürs Publikum geöffnet: Ausstellung "Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa". Während ich mich nun hinsetze und in Ruhe einen Ausstellungsrundgang nebst Bewertung der Schau schreibe, vorab ein kurzer Hinweis: Der Besuch lohnt sich - gerade für Geschichtsinteressierte - allemal, die Ausstellung ist wirklich gut. Sie setzt allerdings die Bereitschaft voraus, sich auch und gerade auf kleine, teils kleinste Exponate einzulassen sowie erläuternde Begleittexte zu lesen. (Wer eine Brille hat/braucht, sollte die unbedingt mitbringen; die Ausleuchtung ist teils sehr sparsam, um die alten Stücke zu schonen, und die Exponatbeschriftung ist leider etwas klein geraten, oft auch ziemlich tief angebracht). OBACHT! Corona-Reglement beachten = am besten vorab Tickets mit Zeitslot via Internet beim Museum erwerben. Info: > www.kaiser2020.de
Das Foto zeigt eine der wunderbaren Illustrationen aus dem Codex Manesse, dem wohl berühmtesten Ausstellungsstück in Mainz.

Verwiesen sei auch nochmal auf meine beiden bereits publizierten Vorfeldartikel > "Die Kaiser des Mittelalters im Netz der Macht" (freier Lesetext) und > "WIe sich unser Bild vom Mittelalter stetig verändert" (RZ-Text kostenpflichtig, 49 Cent)


08.09.2020

"Eine für alle - alle für eine! Viva Maria!"


07.09.2020

Nur einige Tage war ich nicht mehr in "meinem" Hauswald. Am Sonntag dann wieder einen kleinen Rundgang gemacht und festgestellt: Das Sterben der Fichten (und auch Kränkeln des übrigen Waldes) ist hier im Unterwesterwald kein Trauerspiel mehr, sondern der blanke Horror. Wieder sind mehrere neue Notkahlschläge entstanden; jetzt rücken die Fällkolonnen/-maschinen den kleineren im Absterben begriffenen oder toten Fichtenbeständen auf den Leib, die größeren sind schon alle weg. Der gesamte Wald ändert in einem affenartigen Tempo seinen Charakter derart brachial, dass mein Jahrzehnte währender Drang, mich möglichst häufig dort stundenlang herumzutreiben, deutlich erlahmt. Es ist gar zu frustrierend. // > Die anhängenden Fotos (siehe hier) stammen nicht von diesem Rundgang im Hauswald, sondern entstanden bei zwei Terminfahrten gestern in dessen Nachbarschaft (jedes Foto ein anderer Kahlschlag bei Grenzau sowie am Fuße des Köppel zwischen Ransbach-Baumbach und Dernbach; dazu eine Schadhorizont-Perspektive von der Alsbacher Höhe aus aufgenommen.)


04.09.2020

Da können die Leugner und Verharmloser schwurbeln, was sie wollen: Ich will diese Krankheit Covid19 partout nicht bekommen. Denn ich kenne ein paar Leute, die sie hatten (haben). Glücklicherweise ist keiner daran gestorben und kann ein Teil von bloß unerheblichen Symptomen sprechen. Andere indes beschreiben das Erleben von "nur" mittelschweren Akutverläufen als die schlimmste Zeit ihres Lebens. Und: Mancher leidet auch Wochen und Monate nach "Genesung" noch an heftigen und die Lebensqualität erheblich einschränkenden Folgewirkungen, von denen völlig unklar ist, bis wann sie wieder verschwinden und ob überhaupt jemals.


01.09.2020

Für eine sachgerechte, realistische  Bewertung der Corona-Pandemie muss man drei Ebenen sauber auseinanderhalten. > Eine Analyse (freier Lesetext)