Guten Tag allerseits

13.08.2020

Das erste, was mir beim morgendlichen Blick ins Netz zwischen die Füße fällt, ist eine saublöde Karikatur aus der Coronaleugner-Ecke. Sie zeigt einen Maske tragenden, dienernden Menschen an Marionettenfäden; dazu der Spruch "Die am wenigsten wissen, gehorchen am besten." Darin kommt die ganze Überheblichkeit der neuartigen "Querdenker"-Realitätsverweigerer zum Ausdruck. Milliarden besorgter Menschen, die erdrückende Mehrheit aller Wissenschaftler und Mediziner weltweit, fast alle Regierungen und internationalen Institutionen werden damit als Deppen und Duckmäuser denunziert, die 740 000 Corona-Toten und deren Angehörige zu Betrügern erklärt. Es mag den selbsterklärten "Widerstandskämpfern" gegen die vermeintliche Corona-Verschwörung in ihrer asozialen Egomanie unbegreiflich sein, aber auch und gerade die klügsten Köpfe, zumal solche, die seit Jahrzehnten kapitalismus- und machtkritisch oder systemalternativ agieren, tragen jetzt in der Mehrheit aus freiem Willen Maske - als Zeichen und Beitrag zur Leben schützenden Vernunft humaner und gesellschaftlicher Solidarität.


12.08. 2020

Regungslos sitze ich im Sessel, tropfe aber gleichwohl Unmengen von Schweiß anhaltend vor mich hin. Ist das nun Fakt, Fake oder Einbildung? Ich weiß das nicht mehr so genau, seit eine neuartige Querdenker-Aufklärung verlangt, man müsse jedwede Behauptung über die Realtität (vorneweg die ihren) zumindest als gleichwertig wahr gelten lassen.

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Wetterphänomen unterwegs. Am gestrigen spätnachmittag fuhr ich nach längerer Zeit mal wieder via A3 über Westerwald und Taunus gen Mainz. Zweck der Fahrt: Vortrag im Landesmuseum über die vor-, früh- und hochmittelalterliche Burgenlandschaft der Pfalz. Kurz hinter Limburg/Lahn setzte etwas Sprühregen ein. Plötzlich wurde es im Auto "eiskalt". Blick aufs Außenthermometer: Binnen zweier Fahrminuten war es von 35 auf 23 Grad gestürzt. Und nur einen Augenblick später setzte auf eine Strecke von etwa drei Kilometern ein enormer Platschregen ein. Gleich drauf: Alles wieder knochentrocken, bis zum Wiesbadener Kreuz hat das Thermometer erneut 34 Grad erreicht; beim Aussteigen in Mainz zeigt es 39 an.

In der Nacht daheim. Knapp zwei Stunden lang zischt, blitzt, donnert, kracht es ums Haus zum Fürchten. Unmengen von Elektrizität rumoren und randalieren im Äther herum. Gleichwohl herrscht fast Windstille und ändert sich an der tropennächtlichen Luftqualität leider herzlich wenig. Immerhin: Anbei gibt es über eine Stunde etwas, das sich wenigstens als "leichter Landregen" bezeichnen lässt. Eine meiner vier Regentonnen zu drei Vierteln gefüllt: traurig wenig, aber besser als gar nichts. // Später erfahre ich: Fast zeitgleich und nachlaufend zu meiner nachmittäglichen Fahrt, wurde Frankfurt von regelrechten Unwettern heimgesucht.


11.08.2020

Nachdem wir nun auch im Rahmen der jüngsten "Hitzegewitter" hierorts jeden Regentropfen einzeln per Handschlag begrüßen konnten, gebe ich die Hoffnung auf, dass sich in diesem Jahr am kläglichen Zustand der Wiesen noch etwas ändert. Das eben (10.8.2020, 19 Uhr) aufgenommene Foto zeigt die Sommerweiden neben unserem Grundstück im Unterwesterwald. So sieht das hier nun schon im dritten Jahr in direkter Folge aus.


10.08.2020

Bin heute erst auf Florian Schroeders hinreißendes Bravourstück bei der Realitätsverdränger-Demo ("Querdenker") am Wochenende in Stuttgart gestoßen. Ein Meisterstück engagierter, dialektischer Realsatire. Wer's noch nicht kennt, > hier die 11 umwerfenden Minuten.

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Mal was Schönes (hoffentlich). TV-Tip: Das Erste (ARD) strahlt am morgigen Dienstag ab 22.45 Uhr die Literaturverfilmung "Der Trafikant" aus. Ob der 2018 erstaufgeführte Film wirklich gut ist, weiß ich nicht, weil noch nie gesehen. Der ihm zu Grunde liegende gleichnamige Roman von Robert Seethaler aus dem Jahr 2012 ist jedenfalls ein wunderbares Stück Literatur. Besonders freue ich mich auf Bruno Ganz in einer seiner letzten Filmrollen, hier als Sigmund Freud.


09.08.2020

Seit mehr als einem Jahr erleben wir stets das gleiche Phänomen, sobald Freunde/Verwandte aus großen Städten oder anderen Ecken Deutschlands uns hier im Westerwald besuchen: Manche sehen es beim Waldspaziergang oder ein Überlandfahrt von selbst, andere muss man einmal darauf aufmerksam machen, von da an aber fällt ihnen jede der unzähligen "Schadstelle" im Wald sofort ins Auge. Die meisten hatten schon gehört von einer "Waldkrise" in etlichen Mittelgebirgsregionen, sich aber keine rechte Vorstellung davon gemacht. Nun erkennen die Besucher fassungslos bis entsetzt das inzwischen tatsächlich katastrophische Ausmaß vor allem des Fichtensterbens hierorts. Die vebreitete Unkenntnis darüber, dass der Klimawandel bereits dabei ist, unsere Landschaft zu verändern, hat mich bewogen, eine kleine Fotodokumentation zum Stand der Waldkrise in "meinem Hauswald" zu fabrizieren und auf meine website zu stellen. Leider bin ich kein guter Fotograf, weshalb die Bilder die ganze Dramatik der Realität nicht vollends zum Ausdruck. Doch auch der unvollständige Eindruck dürfte unerfreulich genug sein. > Zum Text mit Foto-Doku (hier)


08.08.2020

"(...)Die überwältigende Mehrheit in diesem Land trägt die Corona-Einschränkungen mit, manchmal genervt, aber einsichtig, quer durch alle Schichten, Milieus und Regionen. Das zeigen die Umfragen seit Monaten. Es ist nur eine winzige Minderheit, die sich verweigert. (...) Nun gehört es zu den kostbaren Garantien des demokratischen Rechtsstaats, dass er die MInderheit vor der Mehrheit schützt. Nichts war den Klassikern der demokratischen Theorie wichtiger, als die vielen zu bändigen, eine Tyrannei der Mehrheit zu verhindern. Auch die wenigen, die Außenseiter, Zweifler und Eigenbrötler müssen sagen, schreiben und leben dürfen, was und wie sie wollen.

Das gilt auch in Zeiten der Pandemie. Aber Corona zeigt plötzlich sehr deutlich, dass manchmal auch das Gegenteil richtig sein kann. Mitunter muss die Mehrheit vor der Minderheit geschützt werden. Dann nämlich, wenn ein einziger Infizierter eine Vielzahl seiner Mitmenschen anzustecken droht. Sicher, es gibt auch so etwas wie ein Grundrecht auf Unvernunft. Aber nur, wenn diese Unvernunft nicht ansteckend ist. (...) " (Aus dem Leitartikel von Heinrich Wefing in der aktuellen "Zeit", 6.8.2020).


05.08.2020

Schluss! Ende! Aus! Ich habe nun endgültig die Nase voll - vom Smartphone. Alle, denen ich die Nummer für mein vor etlichen Monaten angeschafftes Maschinchen dieser Art gegeben habe, können sie wieder streichen. Ich lege das Ding mit sofortiger Wirkung still. Sein Nutzwert für meine Art zu leben und leben zu wollen hat sich nach vielerlei Versuchen und Bemühungen als Null- bzw. Negativwert erwiesen.

Erlebt habe ich nur Zeitverschwendung für Tinnef, Ärgernisse sowie die Zumutung, dass was ich will, nicht umstandslos funktioniert, dafür aber selbst gar nicht aktivierte Apps mich mit Anfragen, Werbung und Update-Aufforderungen drangsalieren, zudem das Gerät ohnehin meist macht, was ihm gerade passt, und im Hintergrund rödelt, was das geheimnisvolle Zeug hält. Ihr mögt das inzwischen alles für normal halten und meiner wieder spotten. Ist mir aber völlig wurscht.

Ich reaktiviere mein altes Nokia als gelegentlich bei einsamen Waldgängen und Nachtfahrten mitgeführte Notrufsäule sowie den kleinen Digi-Lumix-Fotoapparat. Denn beide tun verlässlich, was ICH ihnen abverlange - und passen obendrein - im Gegensatz zum Smartphone - prima in die Seitentaschen meines Feldflaschengürtels. Das nenne ich Nutzwert und Lebensqualität - für meine Person. Werdet ihr nach Gusto glücklich (mit Alexa, Algorithmen und Genossen).


04.08.2020

Es gibt nette Zeitgenossen, die meinen, man müsse aufklärerisch mit Leuten reden, wie sie am Samstag in Berlin gegen "Corona-Diktatur" und Seuchenreglement demonstriert hatten. Kann man machen, aber ich selbst habe solche Versuche in den letzten Monaten als reine Zeitverschwendung erlebt. Denn wie und worüber soll man sinnvoll mit Menschen diskutieren, die jedwedes rund um die Erde tausendfach erwiesene Faktum als Lüge abtun? Die unzählige Wissenschaftler, Mediziner, Helfer, Covid19-Kranke, Covid19-Opferangehörige etc. als bloße Betrüger ansehen? ... Kurzum: wie und was soll/kann man mit jenen diskutieren, die die Realitäten einfach bestreiten oder ignorieren, die entweder die Existenz der Seuche vollständig leugnen bzw. ihr Harmlosigkeit attestieren?

Die Demo am Samstag in Berlin war eine perfide Kundgebung. Unter dem Banner eines vorgeblichen Kampfes für Bürgerrechte und Freiheit wurde eine De-facto-Diktatur der Seuchenleugner und -verharmloser über die Gesellschaft zelebriert. Weil diese kleine meinende, glaubende, spekulierende, mystifizierende oder auch nur im eigenen Politinteresse agitierende Minderheitsmixture selbst von der Gefahrlosigkeit des Virus überzeugt ist, zwingen diese Besser- und Alleswisser durch demonstratives und systematisches Nichteinhalten des Seuchenreglements der gesamten Bevölkerung die mutwillig gesteigerte Gefährdung durch das Virus auf. Damit erweist sich die Avantgarde der vermeintlichen "Querdenker" als rücksichtslos autoritär und in höchstem Maße als unsolidarisch, asozial, inhuman. Sorry, aber Ich für meinen Teil finde da nichts, worüber man noch sinnvoll diskutieren könnte.


03.08.2020

Wer bis jetzt noch nicht so recht wusste, was Fakenews sind, dürfte jetzt im Bilde sein: Die Propagandamaschine der Realitätsleugner posaunt in alle Welt die Irrsinnslüge, es hätten an ihrer Berliner Demo 1,3 Millionen Leute teilgenommen. Jedwede ernsthafte Zählung, solide Raumberechnung, halbwegs realistische Schätzung sowie alle unabhängigen Fotos und Augenzeugen landen bei Zahlen zwischen 15000 und 25000, also bei 1 bis 3 % dessen, was die Lügenbarone der AfD und anderer Konsorten in freier Fantasterei angeben.


29.07.2020

Noch nie in der Geschichte der modernen Zivilisation wurde zeitgleich weltweit eine derart große Menge wissenschaftlicher und finanzieller Ressourcen für die Entwicklung von Impfstoffen gegen eine einzige Krankheit aufgewandt. Neben allen Hoffnungen darauf, sollte man sich indes auch der Möglichkeit nicht vollends verschließen, dass am Ende dieses Entwicklungsprozesses kein Impfstoff steht, der Covid19 bald, schnell oder überhaupt aus der Welt schafft. Die Unberechenbarkeiten des erst in Ansätzen erforschten Virus SARS-CoV-2 sind eben vor allem eins: unberechenbar.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Wissenschaft hinsichtlich wirksamer Schutzimpfung vor einem Virus kapitulieren muss. Gegen AIDS, Malaria, Hepatitis-C und etliche weniger bekannte Viruskrankheiten gibt es bis heute keinen bzw. keinen generell wirksamen Impfschutz, trotz teils jahrzehntelanger Forschung. Was dann? Was, wenn es nicht gelingen sollte, ein verlässliches, länger anhaltend schützendes, nebenwirkungsarmes Impfmittel gegen SARS-CoV-2 herzustellen? Der Blick auf AIDS etwa erhellt, was allein uns dann vorerst bleiben würde: rigorose ANPASSUNG unserer Lebensweise an die Bedrohung mit Schwerpunktsetzung auf Prophylaxe - ohne große Hoffnung auf die von so vielen Zeitgenossen herbeigesehnte baldige Rückkehr zur früheren Normalität.