{"id":93,"date":"2018-05-23T22:00:00","date_gmt":"2018-05-23T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/05\/23\/sommer-in-stadt-und-land-geil\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:12","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:12","slug":"sommer-in-stadt-und-land-geil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/05\/23\/sommer-in-stadt-und-land-geil\/","title":{"rendered":"Sommer in Stadt und Land. Geil!"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p><strong>ape<\/strong>. Freund Walter sch\u00fcttelt missbilligend den Kopf: \u201eWas soll der K\u00e4se mit dem \u201ageil\u2018 in der \u00dcberschrift? Du bist doch nicht dazu da, dich als alter Knochen durch Anbiederung an heutige Jugendsprache zur Lachnummer zu machen. Von dir erwarte ich vielmehr, dass du die Sch\u00f6nheit und Vielfalt herk\u00f6mmlicher Hoch- wie Volkssprache pflegst. Dass du demonstrierst, was damit hinsichtlich sprach\u00e4sthetischer, sinnlicher, auch giftiger bis witziger Lebendigkeit des Ausdrucks m\u00f6glich ist \u2013 gerade heute, im Zeitalter der digitalen Stotterei.\u201c<\/p>\n<p>Manchmal ist es arg mit dem Kerl. Eben spricht er auf offener Stra\u00dfe mit seinem strahlenden Unschuldsl\u00e4cheln eine wildfremde Frau an, um ihr Komplimente zu machen, wie h\u00fcbsch sie aussehe in ihrem Sommerkleidchen. Das Irre ist: Statt sich f\u00fcr solche Unverfrorenheit eine Watschen zu fangen, wird sie ihm mit artigem bis \u00fcberrascht freudigem Liebreiz gedankt. Zwei Minuten sp\u00e4ter allerdings staucht der Freund mich zusammen, weil ich einer anderen ansehnlichen Erscheinung unauff\u00e4llig nachblicke. \u201eDas ziemt sich nicht!\u201c, faucht er nach altv\u00e4terlicher Manier.<\/p>\n<p>Nun gut. Sommer ist und die Sonne scheint, da will ich mit Walter nicht streiten. Zumal solche Schurigelei stets nur mich trifft, w\u00e4hrend ihn sonst eine schier ma\u00dflos toleranter Freigeist auszeichnet. M\u00e4dels und Jungs, die in Shorts und Flip-Flops durch die Stadt flanieren oder sich in f\u00fcr teuer Geld zerfetzten Jeans zeigen; reife Damen, die es ihnen umstandslos, aber nicht immer passend, gleich tun; selbst \u00e4ltere Herrn, die ihren Schmerbauch stolz \u00fcber der kurzen Hose tragen und die F\u00fc\u00dfe mit stramm hochgezogenen Socken bekleiden: Dem allem begegnet Walter mit dem gr\u00f6\u00dften Gleichmut und der Devise \u201ejeder m\u00f6ge die sch\u00f6nste Jahreszeit auf seine Weise genie\u00dfen\u201c.<\/p>\n<p>Um des lieben Friedens willen also ersetze ich das zeitgen\u00f6ssische \u201egeil\u201c hiermit durch \u2013 ja was? \u201eWunderbar\u201c, w\u00e4re eine M\u00f6glichkeit; oder \u201eherrlich\u201c. Doch mangelt es beiden Worten irgendwie an spontan explosiver Keckheit. Und sowieso fehlt ihnen der klammheimlich mitschwingende erotische Subtext der fr\u00fcheren Bedeutung von \u201egeil\u201c. Die hat gerade zur Sommerszeit ja durchaus eine gewisse Berechtigung \u2013&nbsp; obwohl dann doch etwas zu grobschl\u00e4chtig daherkommend. Die sonnigen Tage und vor allem die lauen Sommerabende auf Balkonen, Terrassen, in Bierg\u00e4rten und Stra\u00dfencaf\u00e9s verlangen nach gelassenerem, weicherem Ausdruck.<\/p>\n<p>Was also passt auf den Sommer? Versuchen wir ein paar Anleihen aus Jugendsprachen fr\u00fcherer Zeiten:&nbsp; \u201eToll\u201c oder \u201etiptop\u201c oder \u201efamos\u201c oder \u201estark\u201c aus den 50er\/60ern sind wohl zu eindimensional und entbehren auch der sinnlichen Komponente. \u201eKnorke\u201c nach 1920er-Gebrauch kennt kaum noch jemand, klingt auch nach rauer Borke statt nach Z\u00e4rtlichkeit sich sehnender warmer oder versehentlich sonnengebrannter Haut. \u201eHei\u00df\u201c oder \u201escharf\u201c im Mehrfachsinn der 1970er bis 1990er k\u00f6nnten vielleicht angehen. Das j\u00fcngste Geschwisterchen von \u201egeil\u201c l\u00e4ge indes v\u00f6llig daneben: \u201ecool\u201c.<\/p>\n<p>Walter wirft entnervt die Arme in die H\u00f6he: \u201eH\u00f6r auf, du \u00fcbertreibst. Das eine Idealwort wirst du sowieso nicht finden, weil jeder sein Sommergl\u00fcck auf andere Art erlebt.\u201c Dann rafft er sich auf vom Campingstuhl an der Feuerstelle seiner Datscha hoch \u00fcberm Moseltal: \u201eAuf unser Sommergl\u00fcck werden heute die Worte \u201agem\u00fctlich\u2018, \u201aentspannt\u2018, \u201afr\u00f6hlich\u2018 gut passen. Lass uns den Grillrost \u00fcber die Glut h\u00e4ngen und endlich das F\u00e4sschen anstechen.\u201c<\/p>\n<p>\n(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 21. Woche im Mai 2018)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Freund Walter sch\u00fcttelt missbilligend den Kopf: \u201eWas soll der K\u00e4se mit dem \u201ageil\u2018 in der \u00dcberschrift? Du bist doch nicht dazu da, dich als alter Knochen durch Anbiederung an heutige Jugendsprache zur Lachnummer zu machen. Von dir erwarte ich vielmehr, dass du die Sch\u00f6nheit und Vielfalt herk\u00f6mmlicher Hoch- wie Volkssprache pflegst. 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