{"id":886,"date":"2018-01-30T23:00:00","date_gmt":"2018-01-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/blog\/guten-tag-im-januar\/"},"modified":"2022-05-17T08:24:48","modified_gmt":"2022-05-17T07:24:48","slug":"guten-tag-im-januar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/01\/30\/guten-tag-im-januar\/","title":{"rendered":"Guten Tag allerseits &#8211; im Januar 2018"},"content":{"rendered":"<p>31.01.2018<\/p>\n<p><strong>Hin und wieder mal drei, vier Tage keine aktuellen Nachrichten<\/strong> lesen, sehen, h\u00f6ren und entsprechende Posts in den Netzwerken ignorieren: Das kann nicht nur dem eigenen Gef\u00fchlshaushalt ausgesprochen wohl tun. Auch das Hirn findet wieder zu geordneten Bahnen und besserer \u00dcbersicht. Ich kenne ein paar Leute, die schauen am Sonntag die gesammelten Lokalteile ihrer Regionalzeitung durch, lesen ansonsten blo\u00df die eine oder andere der gro\u00dfen Wochenzeitungen sowie B\u00fccher, schauen im TV gelegentlch ein Polit- oder Wissenschaftsmagazin. Gleichwohl geh\u00f6ren sie zu den bestinformierten Zeitgenossen mit dem gr\u00f6\u00dften Durchblick.<\/p>\n<hr \/>\n<p>29.01.2018<\/p>\n<p><strong>Ja, mein Namensged\u00e4chtnis ist grottenschlecht<\/strong>, vor allem das f\u00fcr Kindernamen. Also kommt es mir wie ein Wunder vor, dass die meisten Frauen Dutzende Namen von Kindern aus Verwandtschaft und Nachbarschaft nebst deren Spielkameraden im Kopf haben und diese obendrein richtig zuordnen k\u00f6nnen. Das nicht nur f\u00fcr die aktuellen Kleinen, sondern auch f\u00fcr die inzwischen erwachsen gewordenen &#8211; plus deren Ehegesponste und wiederum n\u00e4chsten Nachkommen. Mein Hirn hat allenfalls zehn Kindernamen abgespeichert. Die sich zudem nur selten auf Anhieb mit dem richtigen Gesicht verbinden. Weshalb mir am leichtesten und h\u00e4ufigsten dieser Name \u00fcber die Lippen kommt: der\/die &#8222;Dingens&#8220;.<\/p>\n<hr \/>\n<p>28.01.2018<\/p>\n<p><strong>Thomas Melle <\/strong>ist ein Schriftsteller von Format. Zuletzt standen sein Roman \u201e3000 Euro\u201c und die Depressionsstudie \u201eDie Welt im R\u00fccken\u201c auf der Shortlist f\u00fcr den Deutschen Buchpreis. Der 42-J\u00e4hrige hat j\u00fcngst im Auftrag des Theaters seiner Geburtsstadt Bonn ein St\u00fcck geschrieben, das unter dem Titel <strong>\u201eDer letzte B\u00fcrger\u201c<\/strong> nun in den <strong>Kammerspielen Godesberg<\/strong> uraufgef\u00fchrt worden ist. Doch der von Alice Buddeberg inszenierte Abend will nicht richtig z\u00fcnden. Das Gegenwartsst\u00fcck versandet bald in einer trockenen, plakativ psychologisierenden Familienaufstellung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rhein-zeitung.de\/kultur_artikel,-unser-vater-der-heimliche-kommunist-urauffuehrung-von-der-letzte-buerger-in-bonn-_arid,1762983.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meine Premierenkritik hier<\/a><br \/>\n3600 Anschl\u00e4ge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Das Foto seiner Agentur pr\u00e4sentiert den Dirigenten Diego Masson im Alter von vielleicht 60 Jahren. Ans Chefpult der Rheinischen Philharmonie trat am Wochenende beim <strong>Anrechtskonzert des Koblenzer Musik-Institut<\/strong> aber ein sichtlich betagter, 82-j\u00e4hriger Maestro. Im Mittelpunkt des Abends stand als Solistin die fabelhafte <strong>Fl\u00f6tistin Jasmine Choi<\/strong> mit Werken aus der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Beschlossen wurde das Konzert mit einem Klassiker: Schumanns &#8222;Rheinischer&#8220; Sinfonie &#8211; in so beh\u00e4biger Interpretation, dass von rheinischer Lebensfreude leider blo\u00df noch Betulichkeit blieb.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rhein-zeitung.de\/kultur_artikel,-konzert-des-koblenzer-musikinstituts-virtuose-floetentoene-und-gebremste-lebensfreude-_arid,1762943.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meine Konzertbesprechung hier<\/a><br \/>\n3600 Anschl\u00e4ge, kostenpflichtiger RZ Text, 49 Cent<\/p>\n<hr \/>\n<p>25.01.2018<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-875\" style=\"float: right; height: 167px; margin: 5px; width: 150px;\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"167\" \/><\/p>\n<p>Anfang Januar l\u00f6ste auf meiner Facebook-Seite ein kleines Textchen \u00fcber das Malheur des offenen Hosenschlitzes beim Manne (s.u. Eintrag vom 5.1.2018) ein munteres Pallaver aus. Als ich Freund Walter davon erz\u00e4hlte, inspirierte ihn das zur Entwicklung eine Theorie, die wom\u00f6glich die gesamte <strong>abendl\u00e4ndische Kleiderordnung der Neuzeit infrage stell<\/strong>t. Was wiederum f\u00fcr mich Grund genug ist, diesem revolution\u00e4ren Modeansatz\u00a0 die aktuelle <strong>Folge 156 <\/strong>meiner <strong>Monatskolumne &#8222;Quergedanken&#8220;<\/strong> zu widmen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/01\/24\/von-maennern-und-roecken\/\">Quergedanken Nr. 156: Von M\u00e4nnern und R\u00f6cken<\/a><br \/>\n(freier Lesetext, 3600 Anschl\u00e4ge)<\/p>\n<hr \/>\n<p>24.01.2018<\/p>\n<p>Es macht einen zornig, <strong>dass die Welt das kurdische Volk (mal wieder) im Regen stehen l\u00e4sst<\/strong>. Gleichm\u00fctig schaut sie tatenlos zu, wie Erdogans gro\u00dft\u00fcrkisches Milit\u00e4r versucht, ausgerechnet jene niederzukart\u00e4tschen, die bis eben im Kampf gegen die IS-Barbaren die blutige Hauptlast getragen haben, den Bodenkrieg. Besonders schwer ertr\u00e4glich ist es f\u00fcr unsereinen, dass die <strong>t\u00fcrkische Invasion<\/strong> der kurdischen Selbstverwaltungszone <strong>Afrin<\/strong> in Nordsyrien mit Leopardpanzern und Haubitzen aus deutscher Produktion vorgetragen wird.<\/p>\n<hr \/>\n<p>22.01.2018<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/Romeo%20Ffm.jpg?itok=2fjxn9Mz\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-883\" style=\"float: right; height: 220px; margin: 5px; width: 179px;\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Romeo-Ffm.jpg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"220\" \/> <\/a> Auch mit der gr\u00f6\u00dften und wohl bekanntesten Lovestory aller Zeiten kann man noch \u00dcberraschungen erleben: Im gro\u00dfen <strong>Schauspielhaus zu Frankfurt hatte<\/strong> jetzt <strong>\u201eRomeo und Julia\u201c<\/strong> Premiere. Und um es gleich vorweg zu sagen: Text\u00fcbertragung und Inszenierung durch <strong>Marius von Mayenburg <\/strong>ergeben eine der szenisch ungew\u00f6hnlichsten und interessantesten Moderne-Einrichtungen des Shakespeare-Klassikers, die wir \u00fcber 30 Jahre in der Gro\u00dfregion von K\u00f6ln bis Rhein-Main zu sehen bekamen. Obendrein liefert das nur siebenk\u00f6pfige Ensemble hinrei\u00dfende Spielleistungen ab. Der knapp dreist\u00fcndige Abend vergeht wie im Flug; er ist gleicherma\u00dfen durchsetzt von feinsinnigem bis saftigem Humor wie von tief ber\u00fchrendem Ernst.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rhein-zeitung.de\/kultur_artikel,-mauerspechte-einer-tragischen-liebe-_arid,1759923.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meine Premierenbesprechung hier<\/a><br \/>\n(4200 Anschl\u00e4ge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>In eigener Sache.<\/strong><br \/>\nEs ist mal wieder DIE Situation eingetreten: Der allein arbeitende Kulturjournalist hat v\u00f6llig den \u00dcberblick verloren \u00fcber die seit Neujahr via PN, Mail, AB-Nachricht und Papierpost hereingefluteten Anfragen\/Mitteilungen dienstlicher oder privater Natur. Dieses Manko wird sich in den n\u00e4chsten zwei bis drei Wochen auch nicht beheben lassen. Denn NOCH stecke ich mit Haut und Haar im Schlussspurt f\u00fcr mein Buch, und zumindest die Grundlast des tagesaktuellen Broterwerbs will ja nebenher auch bew\u00e4ltigt sein. Also sei um Nachsicht gebeten, falls jemand derzeit sehr lange oder gar vollends vergeblich auf eine Reaktion meinerseits wartet.<\/p>\n<hr \/>\n<p>20.01.2018<\/p>\n<p>Beim behaglichen Samstagsfr\u00fchst\u00fcck treiben die tr\u00e4gen Gedanken einmal mehr in seltsame Gefilde ab: Dereinst, als ich ein junger Kulturredakteur war, begegneten mir hin und wieder Kollegen anderer Bl\u00e4tter, die so unfassbar alt waren, wie ich es heute bin. Jene vertraten teils noch vehement die Auffassung, Popmusik, Popcornkino, Trivialliteratur und TV-Entertainment h\u00e4tten in einem ordentlichen <strong>Zeitungs-&#8222;Feuilleton&#8220;<\/strong> nichts verloren. Es dauerte einige Jahre bis ich zu der Einsicht gelangt bin, dass ihre Auffassung falsch und richtig zugleich ist. Falsch, insofern jedwedes gesellschaftlich signifikante Ph\u00e4nomen der analytischen, kritischen, auch satirischen Begleitung durch das Feuilleton bedarf. Richtig im Hinblick darauf, dass ein unterschiedsloses Nebeneinander von Kunst und blo\u00dfer Kurzweil unter der ausgewiesenen oder nur gedachten Rubrik &#8222;Unterhaltung&#8220; dem publizistisch aukl\u00e4rerischen Grundauftrag des Feuilletons widerspricht.<\/p>\n<hr \/>\n<p>18.01.2018<\/p>\n<p>Verlegen. Nein, ich BIN nicht verlegen. Das kommt ohnehin selten vor, meist nur, wenn mir zu viel Lob zuteil wird oder mich jemand bei Schummeleien erwischt. Vielmehr: Ich HABE mich verlegen &#8211; im Schlaf den Leib offenbar so bl\u00f6d verlagert und gelagert, dass jetzt Schulter und Genick schmerzen. <strong>Verlegen: Was ein seltsam mehrdeutiges Wort<\/strong>. Du legst den Schl\u00fcsselbund an der falschen Stelle ab und findest ihn nachher nicht mehr. Die Schl\u00fcssel sind dann keineswegs verlegen, sondern verlegt, was allerdings dich in Verlegenheitheit bringen kann &#8211; oder, falls es immer wieder geschieht, dich wom\u00f6glich auch verlegen macht. Solltest du anderen die Schuld daran zuschieben, dann indes bist du nicht verlegen, sondern verlogen. Vielleicht findet sich ein Verleger, der diesen Text verlegt, sonst muss ich demn\u00e4chst wom\u00f6glich Teppiche verlegen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>17.01.2018<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte der letzte Akt eines Musikdramas sein, f\u00fcr das sich 2003 in <strong>Rheinland-Pfalz<\/strong> der Vorhang hob: Das Philharmonische Staatsorchester Mainz soll wieder ins Staatstheater Mainz integriert werden. Wie unl\u00e4ngst von Sprechern des Theaters und des Kulturministeriums avisiert, soll die Re-Fusion bis Anfang 2019 kostenneutral und ohne Stellenverlust abgeschlossen sein. Damit w\u00e4re dann der <strong>R\u00dcCKBAU<\/strong> der damals heftig umstrittenen <strong>Strukturreform f\u00fcr<\/strong> die drei rheinland-pf\u00e4lzischen <strong>Landesorchester<\/strong> weitgehend abgeschlossen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/01\/16\/zurueck-auf-anfang\/\">Mein kurzer Bericht hier<\/a><br \/>\n(freier Lesetext, 2400 Anschl\u00e4ge)<\/p>\n<hr \/>\n<p>16.01.2018<\/p>\n<p>Zwei kurze Gedanken zum Tagesbeginn:<\/p>\n<p>1.)<br \/>\nDer <strong>Sinkflug der SPD<\/strong> bei den Wahlergebnissen wird nicht dadurch enden, dass man erkl\u00e4rt, die Partei wolle\/m\u00fcsse sich erneuern. Er w\u00fcrde wohl erstmal selbst dann nicht enden, wenn die Partei in einen tats\u00e4chlichen Prozess der Erneuerung eintr\u00e4te. Der Marsch grundlegender Erneuerung f\u00fchrt immer und \u00fcberall zuerst mal zwangsl\u00e4ufig durch ein tiefes Tal &#8211; bevor er (vielleicht) mit neu geordneten Kr\u00e4ften, anderem Schritt und neuen Zielen zum doch immer noch m\u00fchsamen Anstieg \u00fcbergehen kann. Wozu es allerdings nie kommen wird, solange man das Tal f\u00fcrchtet wie sonst nichts. Die Republik braucht die GroKo nicht, um zu \u00fcberleben. Aber sie k\u00f6nnte Schaden nehmen, wenn die deutsche Sozialdemokratie aus Angst vor der eigenen Erneuerung vollends von der Bildfl\u00e4che verschw\u00e4nde.<\/p>\n<p>2.)<br \/>\nEin Werbeplakat am Stra\u00dfenrand hat mich an eine schon fr\u00fcher gemachte Beobachtung erinnert: In den letzten 10 bis 15 Jahren haben <strong>Hochzeitsmessen<\/strong> schier inflation\u00e4r zugenommen. Vorzugsweise in Schl\u00f6ssern oder anderen Repr\u00e4sentativbauten veranstaltet, wird dort alles angepriesen, was zur Ausstaffierung des ertr\u00e4umten &#8222;sch\u00f6nsten Tages im Leben&#8220; eines Paares geh\u00f6ren k\u00f6nnte. Offenbar ist Hochzeiterei im gro\u00dfen Ornat inmitten geh\u00f6riger Festopulenz ein zeitgen\u00f6ssischer Trend. Den begreife ich zwar partout nicht, erfreue mich aber bisweilen an der Freude, die junge Leute daran haben. Das ist wie mit den Gartenzwergen meiner fr\u00fcheren Nachbarin: Ich kann Gartenzwergen rein gar nichts abgewinnen, doch die Begeisterung der alten Dame f\u00fcr ihre zipfelm\u00fctzigen Gipsfiguren war mir immer ein Vergn\u00fcgen. Eine Alterserkenntnis indes darf man gerade den jungen Hochzeitern mit auf den Weg zur Hochzeitsmesse geben: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Prachtaufwand f\u00fcr die Hochzeit und der Standfestigkeit\/Dauerhaftigkeit einer Ehe.<\/p>\n<hr \/>\n<p>15.01.2018<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/Kafka%20Schloss.jpg?itok=JBMjjdQm\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-884\" style=\"float: right; height: 190px; margin: 5px; width: 220px;\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Kafka-Schloss.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"190\" \/> <\/a> <strong>Franz Kafka<\/strong>s \u201eAmerika\u201c in K\u00f6ln, \u201eDas Schloss\u201c in Bonn, \u201eDer Prozess\u201c in Mainz, ein Kafka-Projekt in Wiesbaden, \u201eBericht an eine Akademie\u201c in Kaiserslautern \u2013 seit diesem Wochenende <strong>\u201eDas Schloss\u201c auch am Schauspiel Frankfurt<\/strong>, wo zuvor bereits \u201eDie Verwandlung\u201c angelaufen ist: Kafka hat kein einziges Theaterst\u00fcck geschrieben, doch findet sich kaum ein Theater mehr, das in j\u00fcngerer Zeit nicht Prosatexte von ihm f\u00fcr die B\u00fchne zubereitet h\u00e4tte. Nur zu gut passt wohl sein gro\u00dfes Zentralthema der qu\u00e4lenden Macht- und Hilflosigkeit des Individuums gegen\u00fcber undurchschaubaren Systemkr\u00e4ften in die Gegenwart.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rhein-zeitung.de\/kultur_artikel,-kafkas-schloss-laesst-keine-hoffnung-romanfragment-als-schauspiel-in-frankfurt-_arid,1756475.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meine Kritik der fast vierst\u00fcndigen Inszenierung Robert Borgmanns von &#8222;Das Schloss&#8220; in Frankfurt<\/a><br \/>\n(4200 Anschl\u00e4ge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)<\/p>\n<hr \/>\n<p>14.01.2018<\/p>\n<p>Bei so manchem Autor, mich eingeschlossen, ist es zumindest EINE Komponente des eigenen Tuns, was <strong>Peter von Matt \u00fcber das Schreiben Franz Kafkas<\/strong> sagt: &#8222;Kafka lebte um des Schreibens willen. Er lebte nicht um des Geschriebenen willen. Wenn er eintrat in den Zustand des Schreibens, waren alle Fragen gel\u00f6st. Was immer ihn am Tag qu\u00e4lte, was ihn aufregte oder auch vergn\u00fcgte, es war wie nicht mehr vorhanden, sobald er in der Nacht am Schreibtisch sa\u00df und vor seinen Augen auf dem Papier ein erster Satz sichtbar wurde. (&#8230;) Der einzelne Satz war f\u00fcr Kafka also nicht ein Medium, um etwas mitzuteilen, der einzelne Satz besa\u00df nur den Zweck des eigenen Entstehens, den Zweck seiner Vollkommenheit.&#8220;<br \/>\n(Gefunden gestern bei Frankfurter Premiere im Programmheft zu Robert Borgmanns Inszenierung von Kafkas &#8222;Das Schloss&#8220;)<\/p>\n<hr \/>\n<p>13.01.2018<\/p>\n<p>So ein Gedanke beim geruhsamen Samstagsfr\u00fchst\u00fcck &gt;<br \/>\nWirft man einen kleinen Blick hinaus \u00fcber den Tellerrand des allt\u00e4glichen Polit- und Wirtschaftsfurors, st\u00f6\u00dft man unweigerlich auf einen beunruhigenden gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang: Die <strong>Entwicklung der menschlichen Zivilisation ist gerade dabei, sich in einem Absurdum festzufahren<\/strong>. Die heutige Weltwirtschaftsweise folgt der Maxime, wonach permanentes Wachstum oberstes und alternativloses Ziel allen Wirtschaftens ist. Zugleich aber steht diese Maxime bei einer alsbald 8 bis 10 Milliarden Menschen umfassenden Weltbev\u00f6lkerung einer absoluten Endlichkeit von Ressourcen und Belastbarkeit der globalen \u00d6kosph\u00e4re gegen\u00fcber.<\/p>\n<hr \/>\n<p>12.01.2018<\/p>\n<p>Weil im neuen Jahr jetzt bereits die f\u00fcnfte Anfrage eingegangen ist, ob ich die <strong>Moderation von dieser oder jener Diskussions-\/Talkrunde<\/strong> \u00fcbernehmen k\u00f6nnte: Ich mache schon seit einigen Jahren keine Moderationen mehr. Warum? Diese Rolle liegt mir einfach nicht. Punkt. Ich nehme auch nicht mehr als Diskutant an solchen Runden teil. Warum? Mein Denkapparat ist zu langsam f\u00fcr das moderne Schnellschnellkurz dieser Formate. Erfahrungsgem\u00e4\u00df sind die anderen Diskutanten schon bei Frage 4 angelangt, da habe ich erst die Antwort auf Frage 1 beisammen. Ich schreibe und halte Vortr\u00e4ge. Das muss gen\u00fcgen. Um Verst\u00e4ndnis sei gebeten.<\/p>\n<hr \/>\n<p>09.01.2018<\/p>\n<p>ad. Koalitionssondierung Union\/SPD:<\/p>\n<p>*kopfsch\u00fcttel* K\u00f6nnte es sein, dass die F\u00fchrung der deutschen <strong>Sozialdemokratie<\/strong> ihre Partei <strong>umweltpolitisch<\/strong> gerade auf die gleiche Piste treibt, auf der sie sozialpolitisch schon mit Hartz IV so &#8222;erfolgreich&#8220; war? Wobei, um da keine einseitigen Missverst\u00e4ndnisse aufkommen zu lassen: Auch die CDU-F\u00fchrung um &#8222;Umweltkanzlerin&#8220; Merkel verf\u00e4hrt jetzt nach der Devise: Was k\u00fcmmern uns unser Geschw\u00e4tz und unsere Beschl\u00fcsse von gestern.<\/p>\n<p>Das Elend an der Sache ist nicht, dass es f\u00fcr die SPD \u00fcbel ausgehen wird. Das Elend ist vielmehr, dass beide gro\u00dfe Parteien de facto signalisieren: So schlimm ist das nicht mit dem Klimawandel, auf zehn Jahre mehr oder weniger kommt&#8217;s nicht an. Und 2030 werden die ewigen Wachstumsparteien mit demselben Spruch vors Publikum treten wie jetzt: &#8222;realistische Einsch\u00e4tzung &#8211; die Klimaziele sind in so kurzer Zeit nicht mehr zu schaffen&#8220;.<\/p>\n<hr \/>\n<p>08.01.2018<\/p>\n<p>Jetzt gilt&#8217;s! Die Finalrunde ist eingel\u00e4utet, die Ziellinie endlich in Sicht. Das zehnte und letzte Kapitel meines <strong>B\u00fcchleins \u00fcber 210 Jahre Musik-Institut Koblenz<\/strong> ist ausrecherchiert. Die verbleibende Schreibstrecke bemisst sich nicht mehr nach Monaten, allenfalls noch nach zwei, drei Dutzend Tagen. Auf denn, ans Werk!<\/p>\n<hr \/>\n<p>07.01.2018<\/p>\n<p>Dankenswerterweise ausgegraben von Rudolf Homann<\/p>\n<p>\u201eWas<strong> die klassische Rhetorik der Rechte<\/strong>n betrifft, so k\u00f6nnen wir uns kurz fassen. Sie h\u00e4tschelt immer die gleichen \u00c4ngste. Seit unvordenklichen Zeiten beschw\u00f6rt sie den Untergang des Abendlandes und den Verlust der Mitte. Regelm\u00e4\u00dfig beklagt die Partei der Bulldozer den Zerfall der Werte, die Partei der Korruption die sittliche Verwahrlosung, die Partei der Banausen die Zerst\u00f6rung der Kultur. (\u2026) Dass das drohende Versinken in Anarchie und Chaos ausgeblieben ist, darin sehen sie keinen Grund, sich zu revidieren; sie betrachten es als ihr Verdienst. Unverdrossen warnen sie uns vor \u00dcberfremdung und Unterwanderung und fallen uns mit Identit\u00e4tsproblemen und Orientierungsverlusten auf die Nerven, mit denen das Gemeinwesen angeblich zu k\u00e4mpfen hat.\u201c<\/p>\n<p>HANS-MAGNUS ENZENSBERGER,<br \/>\nMittelma\u00df und Wahn, Frankfurt 1988<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>So. <strong>Die gute Stube ist entweihnachtet<\/strong>, das Festb\u00e4umchen entsorgt. Sein abgeschnippeltes Ge\u00e4st dient nun als befestigende Auflage f\u00fcr den matschig gewordenen Wiesenpfad zu Brennholzlager und M\u00fclleimern. Hier verkommt nichts. Das St\u00e4mmchen zu Ofenst\u00fccken zers\u00e4gt und dem Holzstapel f\u00fcr n\u00e4chsten Winter zugef\u00fchrt. Fr\u00fchling kann kommen. Fragt sich nur, was wird zuerst eintrudeln: Fr\u00fchjahrsm\u00fcdigkeit oder Fr\u00fchlingsgef\u00fchle. Mir k\u00e4men Letztere zupass.<\/p>\n<hr \/>\n<p>05.01.2018<\/p>\n<p><strong>Alltagsgeschichtchen<\/strong>:<\/p>\n<p>Er wird \u2013 vornehmlich in der Damenwelt &#8211; allzu oft v\u00f6llig missverstanden: der Herren Griff dorthin, wo in der Hose ihr Gelege, Geh\u00e4nge, Gel\u00e4rsch, Gem\u00e4cht gelagert, gebunden, gewickelt oder gezwackelt ist. Gewiss, es gibt es diesen Griff auch als demonstrative Protzgeste \u201eAchtung, hier bin ich, der Mannnnn!\u201c. Gew\u00f6hnlich und zumeist dient er jedoch entweder der Vergewisserung \u201eIst noch alles da?!\u201c oder dem Bem\u00fchen, schmerzhaft kneifender respektive quetschender Fehllagerung des zivilisatorisch beengten Naturapparates Abhilfe zu schaffen.<\/p>\n<p>Noch h\u00e4ufiger indes resultiert der Griff aus der simplen Unsicherheit \u201eIst die Hose richtig zu?\u201c. Man(n) m\u00f6chte vermeiden, was mir heute in der Fr\u00fch Peinliches widerfuhr. Die B\u00e4ckerin beugt sich \u00fcber den Tresen und fl\u00fcstert mir zu: \u201eIhr Hosenschlitz steht offen.\u201c Das Gesicht nun wohl sehr gut durchblutet, drehe ich mich dezent zur Seite, versuche das Malheur unauff\u00e4llig zu beseitigen. Ziehen, zuppeln, zerren \u2013 nichts hilft, denn der Rei\u00dfverschluss ist von unten her aufgerissen; mithin kaputt. Notgedrungen mittels Br\u00f6tchent\u00fcte getarnt, schleiche ich von hinnen. Und bin doch der B\u00e4ckersfrau dankbar, dass sie mich nicht ahnungslos in die Schmach eines ganzen Tages mit offenem Laden hat ziehen lassen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>04.01.2018<\/p>\n<p>Da jetzt mehrfach angefragt wurde: Nein, selbst wenn ich wollte, k\u00f6nnte ich mein <strong>unten verlinktes Neujahrsessay<\/strong> nicht (kosten)frei ins Netz stellen. Die diesbez\u00fcglich 2016 revidierten Vertr\u00e4ge zwischen der Rhein-Zeitung und mir sind eindeutig. Freien Zugriff gibt es auf meiner eigenen Website nur noch auf die Neujahrsessays der Jahre 2000 bis 2015. Wer darin ein bisschen schm\u00f6kern will, erreicht \u00fcber den folgenden Link das Essay 2015, an dessen Ende auch alle vorherigen Jahreswechsel-Aufs\u00e4tze verlinkt sind.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/01\/01\/vorwaerts-in-die-vergangenheit\/\">Neujahrsessay 2015:<br \/>\nVorw\u00e4rts in die Vergangenheit &#8211; 2014 drehte sich manches Rad r\u00fcckw\u00e4rts<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>02.01.2018<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-885\" style=\"height: 246px; width: 450px;\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Neujahrsessay-18.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"246\" \/><\/p>\n<p><strong>Mein<\/strong> seit anno 2000 allj\u00e4hrlich vielleicht wichtigster Zeitungsbetrag: das <strong>Neujahrsessay<\/strong>, abgedruckt in der Rhein-Zeitung jeweils am ersten Werktag nach Silvester. Heuer geht es von der Feststellung aus, dass der Homo sapiens zwei gegenteilige Grundz\u00fcge in sich vereint: Hier unbez\u00e4hmbare Neugier und der ewige Aufbruchsdrang zu neuen Ufern; da das Prinzip &#8222;der Mensch ist ein Gewohnheitstier&#8220; und h\u00e4ngt am Vertrauten. In heutigen Zeiten immer schneller vor sich gehender Umbr\u00fcche und Ver\u00e4nderungen treten beide Grundz\u00fcge in scharfen Widerstreit zueinander.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rhein-zeitung.de\/kultur_artikel,-gedanken-zum-neuen-jahr-sind-denn-alle-verrueckt-geworden-_arid,1751243.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das ganze Essay &#8222;Sind denn alle verr\u00fcckt geworden?&#8220;<\/a><br \/>\n(11 600 Anschl\u00e4ge, kostenpflichtiger RZ-Text, 49 Cent)<\/p>\n<hr \/>\n<p>01.01.2018<\/p>\n<p>W\u00e4ren da noch die obligaten guten <strong>Vors\u00e4tze f\u00fcrs neue Jahr<\/strong>. Meine k\u00f6nnten heuer so gehen:<\/p>\n<p>1. Ruhe bewahren.<br \/>\n2. Ein bisschen Nachdenklichkeit verbreiten.<br \/>\n3. Mit meinen bescheidenen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Menschlichkeit streiten.<br \/>\n4. Heiter bleiben.<br \/>\n5. Die Freude an den einfachen Dingen pflegen.<br \/>\n6. Mit Anstand ein Jahr \u00e4lter werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>31.01.2018 Hin und wieder mal drei, vier Tage keine aktuellen Nachrichten lesen, sehen, h\u00f6ren und entsprechende Posts in den Netzwerken ignorieren: Das kann nicht nur dem eigenen Gef\u00fchlshaushalt ausgesprochen wohl tun. Auch das Hirn findet wieder zu geordneten Bahnen und besserer \u00dcbersicht. Ich kenne ein paar Leute, die schauen am Sonntag die gesammelten Lokalteile ihrer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":883,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[286],"tags":[],"archiv":[19,30],"archiv_inhaltlich":[259,258],"class_list":["post-886","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-guten-tag-allerseits","archiv-19","archiv-2018-01","archiv_inhaltlich-guten-tag-allerseits","archiv_inhaltlich-kolumnen"],"acf":{"bild":885,"anhang":""},"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/886","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=886"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/886\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/883"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=886"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=886"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=886"},{"taxonomy":"archiv","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv?post=886"},{"taxonomy":"archiv_inhaltlich","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv_inhaltlich?post=886"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}