{"id":860,"date":"2022-02-24T23:00:00","date_gmt":"2022-02-24T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2022\/02\/24\/fruehlingsgefuehle-oder-fruehjahrsmuedigkeit\/"},"modified":"2022-06-08T15:03:17","modified_gmt":"2022-06-08T14:03:17","slug":"fruehlingsgefuehle-oder-fruehjahrsmuedigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2022\/02\/24\/fruehlingsgefuehle-oder-fruehjahrsmuedigkeit\/","title":{"rendered":"Fr\u00fchlingsgef\u00fchle oder Fr\u00fchjahrsm\u00fcdigkeit? (&#8222;Quergedanken&#8220;)"},"content":{"rendered":"<p><em>Redaktionelle Vorbemerkung aus aktuellem Anlass: Der nachfolgende Text entstand eine Woche vor dem \u00dcberfall Putin-Russlands auf die Ukraine. Das &#8222;Kulturinfo&#8220; M\u00e4rz, in dem er erstpubliziert ist, erschien heute (25.2.), gedruckt war das Heft aber bereits am 22.2. . Deshalb ist die Kolumne noch v\u00f6llig unbeleckt von den&nbsp; j\u00fcngsten Kriegsereignisse. <\/em><\/p>\n<p class=\"rtecenter\">***<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/pecht.info\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/vollbild\/public\/ape%20f%C3%BCr%20Quergedanken_7.jpg?itok=LDGGA3T4\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/medium\/public\/ape%20f%C3%BCr%20Quergedanken_7.jpg?itok=oY14Nnfy\" style=\"float:left; height:213px; margin-left:5px; margin-right:5px; width:220px\"><\/a><em><strong>ape.<\/strong><\/em> Derweil ich diese Zeilen zu Bildschirm bringe, randaliert die erste Welle eines kr\u00e4ftigen Sturmtiefs \u00fcbers Land. Ihr erinnert euch an neulich, an 17.\/18. Februar: Wegen der Wetterfr\u00f6sche Unwetterprognose bleiben in NRW die Schulen dicht, sind in Rheinland-Pfalz und anderen Bundesl\u00e4ndern die schulische Pr\u00e4senzpflicht aufgehoben. (Was die Corona-Seuche nicht mehr hinkriegt, die Wetterg\u00f6tter schaffen es im Handumdrehen.) Gewiss, wir hatten schon wesentlich heftigere St\u00fcrme, aber der hier ist auch nicht von schlechten Eltern. Zumal die wilden Winde, volkst\u00fcmlich ausgedr\u00fcckt, pisswarm sind. Zehn Grad plus heroben im Westerwald um 9 Uhr fr\u00fch quasi mitten in der \u201eHochwinterszeit\u201c \u2013 statt Eis zu kratzen und Schnee zu schippen, staunt man \u00fcber drau\u00dfen bereits bl\u00fchenden Krokusse und Osterglocken.<\/p>\n<p>Kurzum: Den Winter 2021\/22 k\u00f6nnen wir getrost abhaken, einmal mehr verbuchen als Schlammbraddel-Saison. Der Januar war hierorts wieder um zwei Grad w\u00e4rmer als in der zweiten H\u00e4lfte des vergangenen Jahrhunderts im langj\u00e4hrigen Mittel. Februar\/M\u00e4rz werden auch nicht k\u00e4lter ausfallen, selbst wenn zum Schluss noch ein paar Frostn\u00e4chte kommen oder gar ein paar Eimer Schnee fallen sollten. Fr\u00fchling demnach jetzt schon. Den Mitb\u00fcrgern im Kindesalter gilt das inzwischen als ganz normal. Meine Altersgenossenschaft indes, also die noch mit Traditionswintern aufgewachsenen alten S\u00e4cke und S\u00e4ckinnen, irritiert das vorzeitige Fr\u00fchlingserwachen irgendwie geh\u00f6rig. Da geht es uns wie vielen Zugv\u00f6geln: Deren Hauptschw\u00e4rme zogen heuer leidlich versp\u00e4tet nach S\u00fcden, daf\u00fcr sind sie jetzt reichlich fr\u00fch schon wieder zur\u00fcck \u2013 singen, tanzen, locken folglich bereits im kalendarischen Winter zur Fr\u00fchjahrsv\u00f6gelei.<\/p>\n<p>Himmel hilf, was ein Durcheinander! Und das hat uns gerade noch gefehlt, ringt der Homo sapiens zu Beginn der w\u00e4rmeren Jahreszeit doch sowieso k\u00f6rperbiologisch und\/oder psychologisch mit zwei sich fundamental widersprechenden, ja einander schier ausschlie\u00dfenden Ph\u00e4nomenen: Fr\u00fchlingsgef\u00fchle vs. Fr\u00fchjahrsm\u00fcdigkeit. W\u00e4hrend Erstere munteren Schaffensdrang nebst frohgemutem Hang zu Schwof und S\u00fc\u00dfholzraspelei motivieren, steht Letztere dem genau im Wege mit Tr\u00e4gheit, Lustlosigkeit, Schl\u00e4frigkeit. Freund Walter sch\u00fcttelt den Kopf. Er kann darin keinen Widerspruch sehen, nur zwei unterschiedliche M\u00fcnzen derselben W\u00e4hrung: \u201eMit der einen bezahlst du jetzt, mit der anderen nachher, oder umgekehrt. Bl\u00f6d w\u00e4re nur, wenn du im falschen Moment die falsche M\u00fcnze aus dem S\u00e4ckel holst.\u201c Wie bitte? \u201eNa ja, ist doch klar:&nbsp; Bei der Liebe einschlafen, auf der Arbeit aber vor Energie sch\u00e4umen, das kann der menschlichen Weisheit und Lebensart idealer Schluss kaum sein.\u201c Wo er recht hat. Dann also rein ins verfr\u00fchte Fr\u00fchlingswirken, mit gescheit ausbalancierter Zweigleisigkeit &#8211; wenigstens sofern und solange die vom Zivilisationswachstum aus dem Fundament gerissene Natur uns nicht noch heftiger drangsaliert.<\/p>\n<p>***<br \/>\n\u00dcbrigens: Gewisse Herrschaften eines kleinen, lautstark die eigene Auserw\u00e4hltheit beschw\u00f6renden V\u00f6lkchens vorgeblicher Weltversteher haben den Sinn vieler Worte\/Begriffe unserer Sprache v\u00f6llig verdreht, geradezu pervertiert. Wir werden uns diese Worte zur\u00fcckholen, sie reinigen und wieder in ihre eigentliche Funktion einsetzen m\u00fcssen. Neben Freiheit geh\u00f6ren dazu etwa Diktatur, Spaziergang, Volk, Durchblick, Vernunft, Fakten, Widerstand, Solidarit\u00e4t, das vordem ehrenwerte Querdenken ..<em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Redaktionelle Vorbemerkung aus aktuellem Anlass: Der nachfolgende Text entstand eine Woche vor dem \u00dcberfall Putin-Russlands auf die Ukraine. Das &#8222;Kulturinfo&#8220; M\u00e4rz, in dem er erstpubliziert ist, erschien heute (25.2.), gedruckt war das Heft aber bereits am 22.2. . Deshalb ist die Kolumne noch v\u00f6llig unbeleckt von den&nbsp; j\u00fcngsten Kriegsereignisse. *** ape. Derweil ich diese Zeilen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[291,1],"tags":[9],"archiv":[251,253],"archiv_inhaltlich":[260],"class_list":["post-860","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-quergedanken","category-uncategorized","tag-freier-lesetext","archiv-251","archiv-2022-02","archiv_inhaltlich-quergedanken"],"acf":{"bild":"","anhang":""},"wps_subtitle":"Monatskolumne Nr. 200, M\u00e4rz 2022","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/860","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=860"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/860\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3200,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/860\/revisions\/3200"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=860"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=860"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=860"},{"taxonomy":"archiv","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv?post=860"},{"taxonomy":"archiv_inhaltlich","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv_inhaltlich?post=860"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}