{"id":85,"date":"2018-04-29T22:00:00","date_gmt":"2018-04-29T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/04\/29\/von-gefaehrdungen-und-grenzen\/"},"modified":"2018-04-29T22:00:00","modified_gmt":"2018-04-29T21:00:00","slug":"von-gefaehrdungen-und-grenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/04\/29\/von-gefaehrdungen-und-grenzen\/","title":{"rendered":"Von Gef\u00e4hrdungen und Grenzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>ape.Koblenz.<\/strong> Das Ausstellungsjahr hatte im Ludwig Museum Koblenz mit Fotokunst von Stephan Kaluza \u00fcber die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur begonnen. Die sich anschlie\u00dfende und noch bis 20. Mai laufende Ausstellung \u201eAqua Shock\u201c bleibt bei der Fotografie und auch beim Thema: Das Modernemuseum am Deutschen Eck zeigt \u00fcber zwei Etagen gro\u00dfformatige Aufnahmen des Kanadiers Edward Burtynsky. Davon ist jedes einzelne ein schier gruseliges Faszinosum. Auf den ersten Blick zeigen viele Fotos in wunderbaren Bildkompositionen formsch\u00f6ne, farbintensive Strukturen aus der Natur respektive der vom Menschen umgestalteten Natur: M\u00e4andernde Flussl\u00e4ufe oder deren wurzelartige Verzweigungen im M\u00fcndungsdelta, geschwungene K\u00fcstenlinien mit davor schillerndem Meeresblau, die geometrische \u00c4sthetik us-amerikanischer Rundfelder inmitten von Trockengebieten, die irritierende Trennsch\u00e4rfe zwischen W\u00fcste auf einer Stra\u00dfenseite und gro\u00dffl\u00e4chiger Parzellenbebauung auf der anderen.<\/p>\n<p>Erst das zweite, genaue Hinschauen beantwortet einerseits die Frage \u201eGem\u00e4lde oder Fotografie?\u201c und enth\u00fcllt andererseits das Schockierende im Sch\u00f6nen: Was da so h\u00fcbsch schillert, sind Giftkloaken im oder \u00d6lfilme auf dem Meer; die Delta-Verzweigungen des Colorado River erweisen sich als vertrocknete \u00dcberreste einstiger Flusspracht; die Bew\u00e4sserung von St\u00e4dten und Feldern in trockenhei\u00dfen Gegenden treibt erbarmungslosen Raubbau am nat\u00fcrlichen Wasserreservoir&#8230;. Der aufmerksame Blick macht die Burtynsky-Ausstellung f\u00fcr die Besucher zum nachgerade ersch\u00fctternden Erlebnis, weil diese Bilder von Zerst\u00f6rung zeugen \u2013 und dabei doch von einnehmender \u00c4stehtik sind. &nbsp;<\/p>\n<p>Am 3. Juni er\u00f6ffnet dann eine Schau mit zeitgen\u00f6ssischer Kunst aus China (bis 22.7.), die sich unter der \u00c4gide von Direktorin Beate Reifenscheid im Koblenzer Ludwig Museum seit Jahren regelm\u00e4\u00dfig intensiver Pflege erfreut. Diesmal gilt das Augenmerk dem 1964 in Beijing geborenen Shao Fan, einem in China sehr bekannten, hierzulande fast noch nie gesehenen Maler. Er entwickelt klassische Tuschezeichnung und klassisch chinesische Motive wie Affe, Hase, alte Menschen oder Gebirgslandschaften zu fast sph\u00e4rischen, geheimnisvollen Monumentalgem\u00e4lden. Es folgt in der zweiten Jahresh\u00e4lfte eine Einzelausstellung (26.8. bis 21.10.) mit Werken von John Chamberlain. In deren Rahmen werden auch die weniger bekannten fotografischen Experimente des vor allem f\u00fcr seine Skulpturen aus Industrieschrott ber\u00fchmten US-Amerikaners vorgestellt. Das Jahr endet mit einer weiteren Einzelausstellung, die um zwei Werke von Pierre Soulages aus der museumseigenem Bestand eine Retrospektive um das Schaffen des Franzosen in den 1950ern versammelt.<\/p>\n<p>Zuvor widmet das Ludwig Museum zwei Wochen im Hochsommer (29.7. bis 12.8.) einem&nbsp; Festival-Projekt unter dem Titel \u201eConfluentes III \u2013 Grenzen aufbrechen\u201c. Im Unterschied zu den fr\u00fcheren Ausstellungsprojekten &#8222;Confluentes&#8220; und &#8222;Confluentes II &#8211; Kunst und Wissenschaft&#8220;, bei denen jeweils internationale K\u00fcnstler im Ludwig Museum pr\u00e4sentiert wurden, werden diesmal bewusst sowohl r\u00e4umliche wie inhaltliche Grenzen \u00fcberwunden und multiperspektivisch thematisiert. In Kooperation mit Galerie Kallenbach, Garwain e.K. Verlag &amp; Kunstprojekte Kallenbach Koblenz entwickeln mehrere K\u00fcnstler\/innen aus China, Korea, Italien, Deutschland im Museum, nahebei in der Kastorkirche, in einer Gondel der Seilbahn und am Deutschen Eck sowie aus dem Koblenzer Gef\u00e4ngnis heraus unterschiedliche k\u00fcnstlerische Positionen zum Projektmotto.<\/p>\n<p>Ein H\u00f6hepunkte des Festivals ist laut Reifenscheid die tempor\u00e4re farbliche Ver\u00e4nderung des Kaiser-Denkmals am Deutschen Eck, dessen Stufen diese gerade wieder brandaktuell gewordenen Verse des rheinischen Dichters Clemens Brentano aufgepr\u00e4gt werden: \u201eSo weit als die Welt, \/ So m\u00e4chtig der Sinn, \/ So viel Fremde er umfangen h\u00e4lt, \/ So viel Heimat ist ihm Gewinn.\u201c<\/p>\n<p>Bei jedem unserer \u00dcberblicksgespr\u00e4che alle ein oder zwei Jahre geht die Frage an Beate Reifenscheid:&nbsp; Wie steht es um das Koblenzer Ludwig Museum? Die Antworten \u00e4hneln sich quasi seit es das Museum gibt: \u201eEs ist eben alles auf Kante gen\u00e4ht und knapp. Das Geld ist knapp, das Personal ist knapp.\u201c Und seit die Ludwigstiftung keinen festen Jahreszuschuss mehr zahlt, sei das Ausstellungsgesch\u00e4ft noch z\u00e4her geworden. \u201eF\u00fcr jede Ausstellung musst du aufs Neue Sponsoren und Kooperationspartner suchen, Zuschussantr\u00e4ge stellen etc. Dann fragt dich ein gro\u00dfer Leihgeber nach der H\u00f6he des Werbebudgets f\u00fcr die Ausstellung in Koblenz \u2013 und bei Nennung von 5000 Euro erntet man mitleidige Blicke.\u201c<\/p>\n<p>Wie f\u00fcr Reifenscheid in Koblenz, so ist Schmalhans K\u00fcchenmeister in zahllosen kleineren Museen Deutschlands. Seit gut einem Jahr hat die Direktorin u.a. mit diesem generellen Problem der Museumslandschaft verst\u00e4rkt zu tun. Denn Anfang 2017 wurde sie zur Pr\u00e4sidentin des deutschen Komitees beim Internationalen Museumsrat ICOM gew\u00e4hlt. Dem Interessensverband geh\u00f6ren weltweit 35 000 Museen und Museumsfachleute an. Das deutsche Komitee ist mit 6000 Mitgliedern zwar eine der st\u00e4rksten Sektionen, \u201ewar aber zuletzt in einen Dornr\u00f6schenschlaf versunken\u201c, beklagt Reifenscheid. Aus diesem Zustand will sie den Verband w\u00e4hrend ihrer bis Ende 2019 dauernden Amstzeit holen. Denn es ist viel zu tun. Es sind Netzwerke zu kn\u00fcpfen, ohne die es bei vielen \u00f6ffentlichen Museen bald keinen tragf\u00e4higen Museumsbetrieb mehr geben wird. \u201eAuch bei uns hier Koblenz funktioniert der Ausstellungsbetrieb auf diesem relativ hohen Niveau letztlich nur dank der vielen guten nationalen und internationalen Kontakte, die wir haben und pflegen. Und den Qualit\u00e4tsanspruch wollen wir auf jeden Fall halten.\u201c<\/p>\n<p>Ein bisschen vermasselt wurde Reifenscheid ein z\u00fcgig-effektiver Start in die deutsche ICOM-Arbeit durch die hiesige politische Lage: 2017 war erst Bundestagswahlkampf, dann dauerte es ewig bis zur Regierungsbildung \u2013 dringende Gespr\u00e4che mit Kulturverantwortlichen des Bundes ruhten derweil auf der langen Bank. Noch ungel\u00f6st h\u00e4ngt deshalb etwa die Frage in der Luft: Wieviel der 312 Millionen Aufstockung des Bundeskulturetats k\u00f6nnen\/werden bei den Museen vor Ort ankommen? Mehr Bewegung herrscht da vorerst auf dem internationalen ICOM-Parkett. Multinationale Fachtagungen und Netzwerkerei etwa \u00fcber den Umgang mit kolonialem Erbe, \u00fcber Zusammenarbeit mit afrikanischen Museen, \u00fcber Digitalisierung von Museumsbest\u00e4nden haben stattgefunden oder sind in Vorbereitung. Dazu eine Bestandsaufnahme der Basisbed\u00fcrfnisse vor allem kleinerer Kunst- und Heimatmuseen, die es in Deutschland zu hunderten gibt: Obwohl sie ein wichtiger Faktor regionaler Idendit\u00e4tsstiftung und -pflege sind, leiden sehr viele unter gewaltigem Investitionsstau, k\u00f6nnen an Neuerwerbungen oder Bestandforschung nicht mal denken \u2013 oder drohen abzusterben, sobald ihre jetzige ehrenamtliche F\u00fchrung das Zeitliche segnet. Beate Reifenscheid sei deshalb auch f\u00fcr K\u00e4rrnerarbeit im Rahmen von ICOM Erfolg gew\u00fcnscht.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>Info: <a href=\"https:\/\/www.ludwigmuseum.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ludwigmuseum.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape.Koblenz. Das Ausstellungsjahr hatte im Ludwig Museum Koblenz mit Fotokunst von Stephan Kaluza \u00fcber die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur begonnen. Die sich anschlie\u00dfende und noch bis 20. 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