{"id":84,"date":"2018-04-29T22:00:00","date_gmt":"2018-04-29T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/04\/29\/meine-buecher-sind-ein-teil-von-mir\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:12","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:12","slug":"meine-buecher-sind-ein-teil-von-mir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/04\/29\/meine-buecher-sind-ein-teil-von-mir\/","title":{"rendered":"Meine B\u00fccher sind ein Teil von mir"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a> <strong>ape.<\/strong> Alle paar Jahre bricht erneut das gleiche Problem \u00fcber mich herein. Und stets hat Freund Walter dann nur \u00e4tzenden Spott \u00fcbrig. \u201eTrenn dich, schmei\u00df weg, verschenke! \u201c So spricht er kaltschn\u00e4uzig \u2013 derweil ich ratlos vor \u00fcberquellenden B\u00fccherregalen stehe und nicht wei\u00df, wohin mit den j\u00fcngeren Neuerwerbungen, die sich heimatlos auf dem Fu\u00dfboden stapeln. Ach, wenn das so einfach w\u00e4re: B\u00fccher weggeben, auf Nimmerwiedersehen aus dem Haus schaffen. Praktisch keine Schwierigkeit, krieg ich es seelisch nicht \u00fcber mich. Schlie\u00dflich ist jedes Buch ein bleibendes St\u00fcck meines Lebens und kein Schnitzel, das man futtert, um die verdauten Reste nachher durchs Klo zu sp\u00fclen.<\/p>\n<p>Neue Regale anbauen? Geht nicht. Im H\u00e4uschen sind bereits alle verwertbaren W\u00e4nde vom Fu\u00dfboden bis zur Decke zugestellt. Das war vor f\u00fcnf Jahren wie auch vor zehn Jahren schon so. Jeder bei mir einbrechende Dieb w\u00e4re bald deprimiert, weil er nichts f\u00fcr ihn von Wert f\u00e4nde. Alle Technik im Haus veralteter Krempel, nirgends Schmuck, Gold oder Geld; nur B\u00fccher all\u00fcberall nebst etlichen Regalmetern voller CDs. Meine L\u00f6sung des \u00dcberf\u00fcllungsproblems alle paar Jahre: Tagelang schwerm\u00fctig die Regale auf und nieder immer wieder absuchen \u2013 nach B\u00fcchern, die in Kartons verpackt, in die Etappe auf dem Dachboden versetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das ist ein qu\u00e4lender Prozess. Eben hast du einen Titel zur Emigration ausersehen, weil er dir auf Anhieb nichts sagt, also auch nicht besonders wichtig gewesen sein mochte. \u201eDoch dann\u201c, brummt&nbsp; Walter dazwischen, \u201ebl\u00e4ttert der Narr darin herum, liest ein paar S\u00e4tze: Gleich \u00f6ffnen sich in seinem Hirn verstaubte Schubladen, kommen Buch-Inhalt, einstige Leseumst\u00e4nde, damalige Lekt\u00fcregef\u00fchle etc. wieder zum Vorschein.\u201c Ja, genauso ist das, jedes Mal: Da bringt sich ein Druckwerk aufs n\u00e4chste als alter Freund und Weggef\u00e4hrte in Erinnerung. Die kann man doch nicht einfach in einer dunklen Kiste auf dem Speicher wegsperren.<\/p>\n<p>\u201eDu bist ein komischer Kauz\u201c, raunzt der Freund. Er hat gut reden, denn ein Gro\u00dfteil der durchaus nicht wenigen B\u00fccher, die er sein Lebtag las, waren Ausleihen aus meinen Best\u00e4nden. Um pfleglichen Umgang und R\u00fcckgabe musste ich oft geharnischt k\u00e4mpfen, weil dem Freund ein Buch, das er gelesen hat, hernach kein Pfifferling Aufmerksamkeit mehr wert ist. Weshalb ausgerechnet er, der sonst mit neuer Technik kaum was am Hut hat, mit so einem elektronischen Lesetablet rummacht. Und er liebt es \u2013 das platte Maschinchen, mit dem er unz\u00e4hlige ihres K\u00f6rpers beraubter Buchgeister aufmarschieren und nach Belieben wieder verschwinden lassen kann.<\/p>\n<p>Das ist nun wiederum eine Haltung, die ich partout nicht begreife. Denn Lekt\u00fcre ohne leibliches Buch kommt mir vor wie ein Liebesakt ohne Hautkontakt. Wer also ist eigentlich von uns beiden der komischere Kauz? Walter lenkt ein: \u201eDa haben wir mal wieder eine Sache, bei der es kein Gut oder Schlecht, weder Richtig noch Falsch gibt. Wir sind halt verschieden und ein jeder m\u00f6ge nach eigener Fasson gl\u00fccklich werden.\u201c Immerhin r\u00e4umt er ein, in der kalten Jahreszeit sich nirgendwo behaglicher zu f\u00fchlen als beim Plaudern, Trinken, Schmausen, Schmauchen inmitten meiner B\u00fcchert\u00fcrme. Jetzt aber besteht er darauf, dass B\u00fccher zwecks Etappenverlagerung auszusortieren, ein Arbeit f\u00fcr Schlechtwettertage ist. \u201eSei g\u2018scheit\u201c, sagt er, da die Sonne scheint. \u201eWir hocken uns ins Stra\u00dfencaf\u00e9 und genie\u00dfen Fr\u00fchlingssch\u00f6nheiten.\u201c Ich bin gerne g\u2018scheit.&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><em>Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 17. Woche im April 2018<\/em><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Alle paar Jahre bricht erneut das gleiche Problem \u00fcber mich herein. Und stets hat Freund Walter dann nur \u00e4tzenden Spott \u00fcbrig. \u201eTrenn dich, schmei\u00df weg, verschenke! \u201c So spricht er kaltschn\u00e4uzig \u2013 derweil ich ratlos vor \u00fcberquellenden B\u00fccherregalen stehe und nicht wei\u00df, wohin mit den j\u00fcngeren Neuerwerbungen, die sich heimatlos auf dem Fu\u00dfboden stapeln. 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