{"id":839,"date":"2021-12-30T23:00:00","date_gmt":"2021-12-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/12\/30\/nun-mal-los-das-ungewohnte-wagen\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:10","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:10","slug":"nun-mal-los-das-ungewohnte-wagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/12\/30\/nun-mal-los-das-ungewohnte-wagen\/","title":{"rendered":"Nun mal los: Das Ungewohnte wagen"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/ape-fuer-Quergedanken_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-838\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/ape-fuer-Quergedanken_2.jpg\" style=\"float:left; height:213px; margin-left:3px; margin-right:3px; width:220px\" width=\"220\" height=\"213\" \/> <\/a> <em><strong>ape.<\/strong><\/em> Zu meinen jetzt 66 Jahre w\u00e4hrenden Lebzeiten gab es neun Bundeskanzlerwechsel. Ich habe sie alle bewusst miterlebt, sogar den ersten. Denn als der ewige Adenauer 1963 im Alter von 88 das Amt aufgab, war ich schon ein 8-j\u00e4hriges und recht aufgewecktes Kerlchen. Ein bisschen in Erinnerung ist noch mein damaliges Staunen dar\u00fcber, dass der \u201eoberste F\u00fcrst\u201c nicht aus dem Amt stirbt, sondern schn\u00f6de zur\u00fccktritt. Auf solch ein seltsames Ph\u00e4nomen hatten mich die K\u00f6nigsm\u00e4rchen nicht vorbereitet. Doch ich begann zu ahnen, dass F\u00fchrungswechsel im Demokratie-Staat eigentlich normal w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die flotte Abfolge hernach von Erhard zu Kiesinger zu Brandt machte aus der Ahnung Gewissheit. Obendrein lie\u00df einem der Wechsel zu Brandt, dann f\u00fcr zwei Wochen zu Scheel, hernach f\u00fcr acht Jahre zu Schmidt bewusst werden, dass die Kanzlerschaft nicht naturgesetzlich der CDU geh\u00f6rt. Dies Bewusstsein wurde allerdings durch den ewigen Kohl wieder betr\u00e4chtlich ersch\u00fcttert. Auf eine kurze Schr\u00f6der-Zeit folgte dann mit Madame Merkel erneut eine Ewigkeitsherrschaft. Was mich zu dem Schluss f\u00fchrt: Das Wechselprinzip bei der Staatsf\u00fchrung gilt zwar als normal, aber Michels und Michelinen m\u00f6gen es nicht sonderlich. Weshalb nun eine in der Merkel-Epoche aufgewachsene Junggeneration mit der \u00dcberraschung klar kommen muss: \u201eHuch, es kann auch jemand anderes Kanzlerin sein, sogar ein Mann, und nicht von der CDU.\u201c<\/p>\n<p>Es ist immer etwas seltsam, mit Zust\u00e4nden konfrontiert zu werden, die man selbst nie erlebt hat. Walter und ich palaverten mal \u00fcber das \u00f6kologische Elend unserer in Plastik ersaufenden Welt. Der Freund ist gut zehn Jahre j\u00fcnger als ich und hat deshalb nicht mehr mitbekommen, was mir als Kind noch zuteil wurde: Dass die westdeutsche Gesellschaft bis in die fr\u00fchen 1960er ganz ohne das aus Erd\u00f6l hergestellte Massenplastik ziemlich gut funktionierte.<\/p>\n<p>\u201eJa zur H\u00f6lle, woraus bestanden denn die unz\u00e4hligen Ger\u00e4tschaften und allt\u00e4gliche Utensilien, die heute aus Plastik sind?\u201c So fragte Walter aufgeregt. Meine Antwort: Schau dir all die neuen Projekte in den Laboren&nbsp; der Materialforschung f\u00fcr Alternativen zum Massenplastik an \u2013 dort findest du zuhauf wieder, was noch zu meiner Kindheitszeit v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich in aller H\u00e4nde war. Also z\u00e4hlte ich sie auf, die Gebrauchsmaterialen, mit denen das Alltagsleben damals bew\u00e4ltigbar war: Holz, Metall, Glas, Keramik\/Stein, Pappe\/Hartpappe, Papier (n\u00f6tigenfalls mit Wachs beschichtet), Gummi\/Hartgummi, Pflanzenfasern\/Tuchgewebe, Leder, Kork.<\/p>\n<p>Und siehe: Schon beim ersten Humpen Bier konstruierten wir \u2013 gedanklich \u2013 aus eben diesen Materialien hunderte Ger\u00e4te und Alltagsgegenst\u00e4nde von Einkaufskorb, E-Zahnb\u00fcrste, Kleidung und Schuhen \u00fcber Kaffekocher, Waschmaschine und TV-Apparat bis hin zu Handys und ganzen Autos. Nach weiteren drei Kr\u00fcgen hatten wir die menschliche Lebenswelt konstruktiv und organisatorisch fast vollst\u00e4ndig von Plastik befreit. Lediglich bei einigen medizinischen und hochtechnologischen Anwendungen waren wir uns unschl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Wir beide m\u00f6gen zwar nicht die gr\u00f6\u00dften Materialspezialisten sein. Aber was der im Plastikzeitalter aufgewachsene Walter schon beim ersten interessierten Blick auf die \u201ealten\u201c Werkstoffe an M\u00f6glichkeiten zum Plastikverzicht ausmachen konnte, spricht B\u00e4nde: Da ginge viel, viel, viel \u2013 mit ein bisschen gutem Willen samt Neuorientierung von Industrie und Handel sowie etwas Umgew\u00f6hnung von Hinz und Kunz.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Zu meinen jetzt 66 Jahre w\u00e4hrenden Lebzeiten gab es neun Bundeskanzlerwechsel. Ich habe sie alle bewusst miterlebt, sogar den ersten. Denn als der ewige Adenauer 1963 im Alter von 88 das Amt aufgab, war ich schon ein 8-j\u00e4hriges und recht aufgewecktes Kerlchen. 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