{"id":813,"date":"2021-10-27T22:00:00","date_gmt":"2021-10-27T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/10\/27\/mitte-ende-des-jahrhunderts-ist-nicht-st-nimmerlein\/"},"modified":"2021-10-27T22:00:00","modified_gmt":"2021-10-27T21:00:00","slug":"mitte-ende-des-jahrhunderts-ist-nicht-st-nimmerlein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/10\/27\/mitte-ende-des-jahrhunderts-ist-nicht-st-nimmerlein\/","title":{"rendered":"Mitte\/Ende des Jahrhunderts ist nicht St. Nimmerlein"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape.<\/strong><\/em> \u201eZur Mitte des Jahrhunderts\u201c oder \u201ebis zum Ende des Jahrhunderts\u201c: Das ist oft die zeitliche Dimension, auf die sich die Perspektivangaben, Prognosen, Modelle der Klimawissenschaften beziehen. Psychologisch sind solche Formulierungen problematisch, weil sie im Empfinden vieler Menschen ankommen als \u201eirgendwann in ferner Zukunft\u201c. F\u00fcr die hierzulande sehr gro\u00dfe Bev\u00f6lkerungsgruppe der \u00dcber-60-j\u00e4hrigen bedeutet es sogar: \u201eDa liege ich schon unter der Erde.\u201c Die Hemmnisse, die sich daraus f\u00fcr das notwendige Handeln jetzt im Hinblick auf die n\u00e4chste und weitere Zukunft ergeben, sind zur Zeit \u00fcberall verfolgbar.<\/p>\n<p>Es gibt diesen \u201ehistorischen\u201c Empfindungsmechanismus auch in umgekehrter Richtung, bez\u00fcglich der Vergangenheit. Man spreche zu jungen Leuten heute vom \u201evergangenen Jahrhundert\u201c, so f\u00fchlt sich das f\u00fcr sie h\u00e4ufig an wie \u201egraue Vorzeit\u201c \u2013 \u00e4hnlich wie f\u00fcr mich dereinst die Erz\u00e4hlung meiner Gro\u00dfmutter selig (Jahrgang 1899) \u00fcber ihr ma\u00dfloses Erschrecken beim Auftauchen des ersten Automobils in ihrem Dorf.&nbsp; Kalter Krieg, Friedensbewegung, Mauerfall etc.: F\u00fcr Kinder, Jugendliche, ja selbst junge Erwachsene zwischen 20 und 30 ist das nur mehr abstrakte Geschichte, \u201eSachen die lange vor meiner Geburt geschehen sind.\u201c<\/p>\n<p>Weil dieser Mechanismus das Gef\u00fchl f\u00fcr die Relevanz von Entwicklungen au\u00dferhalb des eigenen zeitlichen Erlebnishorizonts tr\u00fcbt, muss man sich immer wieder plastisch vor Augen f\u00fchren, dass \u201eJahrhundert\u201c weit davon entfernt ist, St. Nimmerlein zu sein. So hat ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung \u2013 n\u00e4mlich s\u00e4mtliche unter ca. 60 Jahren) beste Aussichten, die \u201eMitte des Jahrhunderts\u201c am eigenen Leib zu erleben. Bis dahin sind es noch knapp 30 Jahre. Und bereits das Gros der in den letzten zehn Jahren geborenen Kinder wird auch zum \u201eEnde des Jahrhunderts\u201c noch auf Erden weilen.<\/p>\n<p>Weshalb es nicht verwundern kann, dass gerade in der jungen Generation das Interesse an und der Einsatz f\u00fcr eine tats\u00e4chlich durchgreifende Klimawende deutlich st\u00e4rker verbreitet ist als in \u00e4lteren Generationen. Sie, die Jungen, werden die Wirkungen des Klimawandels mit voller Wucht zu sp\u00fcren bekommen. Aber auch die \u00c4lteren und Alten, die vielleicht nur noch 10 bis 25 Lebensjahre haben, k\u00f6nnen sich f\u00fcr ihre Restzeit nicht mehr in behaglicher Sicherheit w\u00e4hnen. Denn der Klimawandel ist ein permanenter Prozess, die unguten bis katastrophischen Auswirkungen wachsen von Jahr zu Jahr kontinuierlich, bisweilen auch sprunghaft an. Die Hoffnung manch \u00c4lterer, die eigene Lebenszeit noch weitgehend ungeschoren \u00fcber die B\u00fchne bringen zu k\u00f6nnen, ist tr\u00fcgerisch.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. \u201eZur Mitte des Jahrhunderts\u201c oder \u201ebis zum Ende des Jahrhunderts\u201c: Das ist oft die zeitliche Dimension, auf die sich die Perspektivangaben, Prognosen, Modelle der Klimawissenschaften beziehen. Psychologisch sind solche Formulierungen problematisch, weil sie im Empfinden vieler Menschen ankommen als \u201eirgendwann in ferner Zukunft\u201c. 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