{"id":802,"date":"2021-10-01T22:00:00","date_gmt":"2021-10-01T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/10\/01\/heimat-sehnsuchtsraum-und-kampfbegriff\/"},"modified":"2021-10-01T22:00:00","modified_gmt":"2021-10-01T21:00:00","slug":"heimat-sehnsuchtsraum-und-kampfbegriff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/10\/01\/heimat-sehnsuchtsraum-und-kampfbegriff\/","title":{"rendered":"Heimat &#8211; Sehnsuchtsraum und Kampfbegriff"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape.<\/strong><\/em> <em>Beim nachfolgenden Text handelt es sich um das unkorrigierte Manuskript meines Vortrags &#8222;Heimat &#8211; Sehnsuchtsraum und Kampfbegriff&#8220; in der Fassung f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Veranstaltung der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz am 26.9.2021 auf Schloss B\u00fcrresheim bei Mayen. Vortragsdauer: Gut eine Stunde. M\u00fcndliche Ausf\u00fchrungen an einigen Stellen leicht abweichend.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Guten Morgens allerseits, an diesem denkw\u00fcrdigen Wahlsonntag.<\/p>\n<p>Als Dieter Dierkes mich vor gut drei Jahren \u2013 es k\u00f6nnen auch schon vier sein \u2013 fragte, ob ich einen Vortrag zum Thema Heimat auf Schloss B\u00fcrresheim halten k\u00f6nnte und m\u00f6chte, war die Welt noch eine andere.<\/p>\n<p>Mein Vortrag war im Februar 2020 bereits fertig. Doch dann kam Corona. Was nicht nur mehrfach verschiebenden Einfluss auf den Termin f\u00fcr diese Veranstaltung hatte. Vielmehr wurde im Verlauf der Pandemie deutlich, dass ich meinen Text um einige Aspekte \u00fcber das Verh\u00e4ltnis der Menschen zu ihrer Heimat, \u00fcber ihr Heimatgef\u00fchl, w\u00fcrde erweitern m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Denn da hat sich allerhand ver\u00e4ndert w\u00e4hrend der beinahe zwei Jahre im Seuchen-Ausnahmezustand. Das Verh\u00e4ltnis ist enger geworden \u2013 ganz praktisch und auch vom Gef\u00fchl her. Ein nicht unbetr\u00e4chtlicher Teil der B\u00fcrger hat w\u00e4hrend dieser Zeit die n\u00e4here Umgebung wieder, neu oder \u00fcberhaupt erstmal entdeckt \u2013 und sch\u00e4tzen gelernt.<\/p>\n<p>Nach der alten Devise \u201eWarum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah\u201c erlebten Wanderungen, Spazierg\u00e4nge, Ausfl\u00fcge, Picknicks in heimatlichen Gefilden einen gewaltigen Boom. Freizeit und Urlaub in der eigenen Region, im eigenen Land haben in der Breite der Bev\u00f6lkerung eine seit den 1950-\/60ern nicht mehr erlebte Wertsch\u00e4tzung gewonnen. &nbsp;<br \/>\nMehr noch: Auch dem Lebenswert, der Lebensqualit\u00e4t der unmittelbaren Umgebung wurde gesteigerte Aufmerksamkeit zuteil. Manch einer legte w\u00e4hrend der Pandemie umgestaltende Hand an Wohnung oder Haus, entdeckte Balkon, Terrasse, Garten als Freizeitraum mit bislang ungeahnten M\u00f6glichkeiten und Qualit\u00e4ten. Die Menschen nahmen Stadtparks, Uferpromenaden, Wald und Wiesen am Ortsrand mit gesch\u00e4rftem Interesse wahr UND in Besitz.<\/p>\n<p>Ob dieses neue Verh\u00e4ltnis zum heimatlichen Nahraum Bestand haben wird, steht dahin. Bei einem Teil der Bev\u00f6lkerung haben sich gewiss neue Horizonte ge\u00f6ffnet und hat die Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr den Nahraum dauerhaft zugenommen. Ein anderer Teil will offensichtlich nichts dringender als m\u00f6glichst schnell wieder in die Flieger steigen und zu den touristischen Vergn\u00fcgungen in aller Herren L\u00e4nder rund um den Erdball zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2021 hatte ich meinen Heimat-Vortrag gerade um die Corona-Aspekte erweitert, da erzwang die Natur mit verheerender Gewalt ein neuerliches Durchdenken und teilweise Umarbeiten des Textes. Die j\u00fcngste Sturzflut-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW dr\u00fcckte mit Macht einen Aspekt in Vordergrund, den bis ich dahin vor allem unter dem Gesichtspunkt soziokultureller und infrastrutureller Ver\u00e4nderungsprozesse des Heimatraumes betrachtet hatte: die Gef\u00e4hrdung der Heimat \u2013 in diesem Falle ihre existenzielle Gef\u00e4hrdung durch entfesselte Naturgewalten ungeahnter Gr\u00f6\u00dfenordnung in Folge des Klimawandels.<\/p>\n<p>Meine Dame und Herrn,<br \/>\n\u201emy home is my castle\u201c sagt das Sprichtwort, mein Heim ist meine Burg \u2013 also der intime, pers\u00f6nliche Schutzraum inmitten und gegen die Zumutungen und Unbilden der gro\u00dfen Welt drau\u00dfen. Wir wir im weiteren Verlauf meiner Ausf\u00fchrungen sehen werden, ist das menschliche Bed\u00fcrfnis nach Geborgenheit und Sicherheit in vertrauter Umgebung eine zentrale Komponente des Gef\u00fchls der Beheimatung, der Heimatbindung.<\/p>\n<p>Wenn aber das eigene Heim, die engste heimatliche Umgebung und Nachbarschaft durch \u00e4u\u00dfere Gewalt unversehens zertr\u00fcmmert, gar zur Todesfalle wird, ist das eine Form brutalsten Sturzes in die Bodenlosigkeit \u2013&nbsp; die sich ein nicht direkt Betroffener kaum vorstellen kann.<\/p>\n<p>Gleichwohl ist das der Stoff, aus dem die Albtr\u00e4ume sind, die beispielsweise junge Leute im Rahmen der Klimaschutzbewegung Fridays For Future auf die Stra\u00dfe treiben.&nbsp; Ich habe am Freitag am Rande der Koblenzer FFF-Demonstration mit einigen der zahlreich vertretenen jungen und sehr jungen Teilnehmer gesprochen und dabei festgestellt: Es ist ein ganz simpler Grund, der diese Menschen zu ihrem Engagement treibt: Die realistische Furcht, dass sie und die Kinder, die sie einmal geb\u00e4ren, in einer Welt leben m\u00fcssen, in der Wetterextreme und Gro\u00dfkatastrophen als quasi allt\u00e4glicher Normalfall den Lebensfrieden in der Heimat bedrohen.<\/p>\n<p>***<br \/>\nWir sprechen heute \u00fcber etwas scheinbar ganz Einfaches, ganz Simples. Wir sprechen \u00fcber einen nahezu selbstverst\u00e4ndlichen Alltagsbegriff von scheinbarer Allgemeing\u00fcltigkeit und scheinbarem Ewigkeitswert. Der Begriff hei\u00dft: HEIMAT.<\/p>\n<p>Wir werden allerdings feststellen, dass an diesem Begriff herzlich wenig einfach, selbstverst\u00e4ndlich, allgemeing\u00fcltig oder gar ewig ist. &nbsp;<\/p>\n<p>Betrachten wir heutige Bewohnerstatistiken von St\u00e4dten oder l\u00e4ndlichen Regionen, f\u00e4llt rasch ins Auge:<br \/>\na) der Anteil der Zugezogenen ist ziemlich gro\u00df,<br \/>\nb) der Anteil derjenigen, die einen Teil ihres Lebens in anderen St\u00e4dten verbracht haben oder als Pendler arbeitend dort verbringen ist ebenfalls ziemlich hoch.<\/p>\n<p>Darf ich mal in die Runde frage: Wer von ihnen ist an seinem Wohnort ein Zugezogener, also nicht dort von fr\u00fchester Kindheit an ans\u00e4ssig und aufgewachsen? \u2026&#8230;<\/p>\n<p>Im historischen Vergleich ist das eine ziemlich junge Erscheinung, die sich allm\u00e4hlich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts herangebildet hat. Erst in dessen sp\u00e4ter Phase hat sie die heute dominierende Form angenommen. Die sieht auf dem Land so aus: Die D\u00f6rfer sind Schlafpl\u00e4tze und teils privater Lebensraum, die St\u00e4dte sind Arbeitspl\u00e4tze und teils privater Freizeitraum. Das wirkt sich etwa in Koblenz so aus: Morgens Stauverkehr hinein, abends Stauverkehr hinaus.<\/p>\n<p>In den urbanen Ballungsr\u00e4umen wie Rhein-Main oder K\u00f6ln\/Bonn sieht die Sache ein bisschen anders aus: Da ist morgens und abends Stauverkehr in ALLE Richtungen.&nbsp; Man k\u00f6nnte meinen, halb Frankfurt arbeitet in Wiesbaden und Mainz, halb Wiesbaden und Mainz in Frankfurt.<\/p>\n<p>Das mag etwas \u00fcberspitzt sein, trifft aber doch die aktuelle Situation recht gut: Wohn- oder private Lebensorte und Arbeitsorte sind heute vielfach voneinander getrennte Orte. Noch im 19. Jahrhundert war die Lage&nbsp; anders. Die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung lebte und arbeitete in IHREM Ort.<\/p>\n<p>Wer damals seinen HEIMATort verlie\u00df, (Koblenz oder irgendein Dorf auf den H\u00f6hen) um im Ruhrgebiet als Arbeiter einen Broterwerb oder in \u00dcbersee ein besseres Leben zu suchen, der kehrte in der Regel nie mehr zur\u00fcck. Wer damals beispielsweise seiner westerw\u00e4ldischen oder eifelanischen HEIMAT freiwillig oder meist gezwungenerma\u00dfen den R\u00fccken kehrte, der musste anderw\u00e4rts eine neue Heimat gewinnen oder sich aufbauen.<\/p>\n<p>Im 18. und im 19. Jahrhundert waren viele L\u00e4nder Mitteleuropas, nicht zuletzt die hiesigen Regionen, Auswanderungsl\u00e4nder. Hunderttausende Menschen aus der Pfalz, aus dem Nahe-Raum und nicht zuletzt aus Westerwald, Eifel, Hunsr\u00fcck hatten wegen wirtschaftlicher Not ihre hiesige Heimat verlassen. Sie suchten vor allem in Nord- und S\u00fcdamerika sowie an der Wolga eine neue Lebensperspektive.<\/p>\n<p>&gt; Edelsteinschleifer IO = S\u00fcdamerika<br \/>\n&gt; Katharina d. Gro\u00dfe systematische Anwerbung von Bauern, um das Wolga-Gebiet landwirtschaftlich zu kultivieren.<br \/>\n&gt; Wie im Rahmen der gro\u00dfen Kartoffelkrise aus Irland, gab es auch aus den hiesigen Regionen Auswanderungswellen derart gro\u00dfen Umfangs, dass der landbesitzende Adel bisweilen Auswanderungsverbote verh\u00e4ngte, weil die Arbeitskr\u00e4fte knapp wurden.<\/p>\n<p>All diese Auswanderer haben immer einen Teil der alten Heimat mit sich genommen. Etwa in Form von<br \/>\n&#8211; Sprache<br \/>\n&#8211; Kleidung<br \/>\n&#8211; Arbeitstechniken<br \/>\n&#8211; typischen Gerichten<br \/>\n&#8211; Liedern T\u00e4nzen, Festgebr\u00e4uchen etc.<\/p>\n<p>Die meisten von ihnen haben sich in der Fremde anfangs zu Gemeinschaften mit Ihresgleichen zusammengeschlossen. Sie haben eigene Siedlergruppen, teils eigene D\u00f6rfer, Gemeinden oder Ghettos gebildet. Diese Neigung beobachten wir seit jeher bei allen Auswanderungs-\/Einwanderungswellen.<\/p>\n<p>Es wirkt eben sehr stark der Wunsch nach Vertrautheit einer pers\u00f6nlichen, sozialen und kulturellen Umgebung auch und gerade in der Fremde.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen wohl davon ausgehen, dass dieses Bed\u00fcrfnis nach Vertrautheit und Geborgenheit ein urmenschliches ist. Freilich steht dieses Bed\u00fcrfnis bald im Wettbewerb mit einer anderen urmenschlichen Eigenschaften: Neugierde, Anpassungsdrang an die neue Umgebung, F\u00e4higkeit und Lust zur Ver\u00e4nderung, die Fremde als neue Heimat erschlie\u00dfen. &nbsp;<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Untersuchungen \u00fcber Auswanderer\/Einwanderer fr\u00fcherer wie auch heutiger Zeiten haben ergeben: Die Bindung und Erinnerung an ihre erste Heimat ist f\u00fcr die erwachsene Generation der Weggezogenen sehr stark und mit intensiven Gef\u00fchlen belegt. Doch schon bei den anderw\u00e4rts aufwachsenden Kindern schw\u00e4chen sie sich Bindungen an die Heimat der Eltern schnell und deutlich ab. Diese Heranwachsenden wollten zB im Falle der deutschen Auswanderer nach Amerika bald keine Deutschen in der amerikanischen Fremde mehr sein. Sie verstanden sich vielmehr sehr bald als echte Amerikaner \u2013 allenfalls mit deutschen Wurzeln.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen diese Form der Assimilation ab der zweiten, sp\u00e4testens der dritten Generation in der neuen Heimat seit den 1950er-Jahren auch bei den meisten Einwanderern nach Deutschland beobachten. Auch die sog. \u201eGastarbeiter\u201c aus Italien, Jugoslawien , Griechenland etc. haben zuerst Ghettos gebildet. Doch schon deren Kinder waren und f\u00fchlten sich prim\u00e4r als hiesige Kinder.<\/p>\n<p>&nbsp;&gt; Die innerfamili\u00e4ren Auseinandersetzungen, Streits, Br\u00fcche zwischen ausgewanderten Eltern und in der neuen Heimat geborenen\/aufgewachsenen Kindern oder Enkeln sind mannigfach und heftig hinsichtlich Benehmen, Kleidung, Kultur, Lebensart\u2026. Manches erinnert an die oft sehr heftigen h\u00e4uslichen Streitereien der 1960er\/70er in deutschen Familien zwischen Eltern der Kriegsgeneration und den langhaarigen S\u00f6hnen oder kurzberockten T\u00f6chtern mit ihrer Vorliebe f\u00fcr angloamerikanische \u201eNeger-Musik\u201c und sexuellen Freiheitsdrang. &nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Enkel der urspr\u00fcnglichen Migranten sind die Erz\u00e4hlungen der Gro\u00dfeltern \u00fcber ihre einstige Erstheimat meist nur noch h\u00fcbsche Familienfolklore. Und interessant, was die Bev\u00f6lkerungsforschung als einen markanten Ausdruck der Assimilation resp. Integration von Migranten ausmachte: Bereits in der ersten Generation der in der neuen Heimat geborenen Kinder beginnt im Erwachsenenalter die Geburtenrate sich derjenigem im Einwanderungsland anzupassen. Sp\u00e4testens in der dritten Generation sind im Regelfall bei der Geburtenrate keine Unterschiede mehr zwischen Familien mit und ohne Migrationshintergrund feststellbar. &nbsp;<\/p>\n<p>Den Nachgeborenen der urspr\u00fcnglichen Auswanderer wird bald auch klar, dass die Erinnerungen der Alten recht unzuverl\u00e4ssig sind. Die Wissenschaft hat ermittelt, dass gar zu wohlige R\u00fcckbesinnung auf die Kindheits- und Jugendzeit oft mehr mit Verkl\u00e4rung als mit einstiger Realit\u00e4t zu tun hat. Behalten werden die sch\u00f6nen Momente, die unangenehmen verdr\u00e4ngt. So verwandelt sich Heimat in der Vorstellung zum Ideal, zum Paradies, zugleich zu einer Art utopischem Sehnsuchtsort oder -zustand.<\/p>\n<p>Nostalgie nennt sich dieser idealisierende Mechanismus. Der brachte etwa im 19. Jahrhundert eine allgemeine Schw\u00e4rmerei f\u00fcr die vermeintlich \u201egoldene Zeit\u201c des ritterlichen Mittelalters hervor. In ihrer banalsten Form findet diese Nostalgie ihren Ausspruch in dem Satz: \u201eFr\u00fcher war alles besser\u201c oder \u201eFr\u00fcher daheim war alles besser\u201c.<\/p>\n<p>Es gibt da interessante Parallelen zu den j\u00fcngsten zwei Jahrzehnten der Gegenwart hierzulande. Ich denke an die Lobpreisungen der \u201esch\u00f6nsten Stadt der Welt\u201c bei Tourismuswerbern und Einheimischen \u2013 in JEDER Stadt. Ich denke an die Liebeserkl\u00e4rungen f\u00fcr die \u201eeinmalige und sch\u00f6nste Landschaft der Welt\u201c \u2013 in fast jeder Gegend. Koblenzer und Mittelrheiner sind&nbsp; Meister in dieser Art der Selbstbeweihr\u00e4ucherung.<\/p>\n<p>Wobei es sich um ein psychologisch durchaus verst\u00e4ndliches, wenn auch recht komisches Ph\u00e4nomen handelt. Denn viele hundert Millionen Menschen auf Erden empfinden hinsichtlich ihrer Heimatstadt oder Heimatregion genau das Gleiche \u2013 sofern sie dort freiwillig, gerne und nicht in Elend und Krieg leben.<\/p>\n<p>Wir beobachten seit rund drei Jahrzehnten hierzulande eine kontinuierliche Vermehrung und Ausbreitung des Ph\u00e4nomens \u201eVerbundenheit mit dem lokalen Heimatraum\u201c \u2013 oder anders und etwas spitz bezeichnet: des Ph\u00e4nomens \u201eLokalpatriotismus\u201c.<\/p>\n<p>Interessanterweise verl\u00e4uft die Ausbreitung dieses Ph\u00e4nomens in zeitgleicher Parallelit\u00e4t zur fortschreitenden globalen Vernetzung, zum explosionsartig aufwachsenden globalen Massentourismus, zur medialen und kulturellen \u00d6ffnung s\u00e4mtlicher Erdteile f\u00fcreinander.<\/p>\n<p>So ist heute verbreitet die auf den ersten Blick eigent\u00fcmliche Erscheinung anzutreffen, dass sich ansonsten weltl\u00e4ufig orientierte Zeitgenossen zugleich in lokaler Heimatverbundheit ergehen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>Der Patriotismus der Moderne ist der Lokalpatriotismus. Er hat gegen\u00fcber den alten Nationalpatriotismen einen entscheidenden Vorteil: Es wird nicht gleich geschossen.<\/p>\n<p>Geburtsheimat, Erstheimat, Kindheitsheimat, Zweitheimat, Wahlheimat: SIE merken schon jetzt, wie der Heimat-Begriff beginnt, sich in verschiedene Bedeutungen&nbsp; aufzuf\u00e4chern. Bedeutungen, hinter denen sehr unterschiedliche Lebensentw\u00fcrfe, Lebenswege, Lebensarten, Schicksale und Gef\u00fchlswelten stecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Lassen Sie mich als weiteren Beleg f\u00fcr die Ambivalenz, die Vielgesichtigkeit des Heimatbegriffes ein paar Aspekte meines eigenen Lebensweges anf\u00fchren:<\/p>\n<p>Ich verstehe mich heute \u2013 44 Jahre nach Wegzug von Neckartal und Odenwald, nach Ansiedlung erst kurz in Koblenz, dann 41 Jahre im Westerwald \u2013 als W\u00c4LLER MITTELRHEINER. Ich empfinde die Mittelrheinregion als meine Heimat. Mein berufliches Kernarbeitsfeld, wie auch mein privates kulturelles Lebensumfeld sind allerdings deutlich gr\u00f6\u00dfer: Es erstreckt sich von K\u00f6ln bis Frankfurt. Ich nenne diesen Raum \u201eden s\u00fcdlichen Westen der Republik\u201c und begreife ihn als meine regionale Heimat. Wohingegen Koblenz, der Mittelrhein, der Westerwald und das Dorf im Unterwesterwald, wo ich lebe, mir als lokale Heimat gelten.<\/p>\n<p>Definitorisch mag da der eine oder andere Einw\u00e4nde erheben. Die w\u00e4ren aber v\u00f6llig sinnlos, weil nunmal ich als Individuum und aus meiner individuellen Lebensweise heraus, die genannten Sph\u00e4ren f\u00fcr mich als heimatlich empfinde.<\/p>\n<p>Mit besagtem \u201es\u00fcdlichen Westen der Republik\u201c bin ich bestens vertraut. In den Ballungsr\u00e4umen K\u00f6ln\/Bonn und Rhein-Main kenne ich mich aus, besser als sonst irgendwo in Deutschland. Ich bewege mich dort&nbsp; sicher durch \u00f6rtliche Eigenheiten, wei\u00df \u00fcber \u00f6rtliche Kultur und Tradition einigerma\u00dfen Bescheid, kenne die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen dieser Ballungsr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Wenn ich heute nach Mainz, Wiesbaden, Frankfurt, nach Bonn oder K\u00f6ln fahre, f\u00fchle ich mich dort nicht mehr als Besucher oder gar Fremder, sondern als Dazugeh\u00f6riger, quasi als Fast-Einheimischer. Dieses Gef\u00fchl der Vertrautheit, der Verbundenheit, der Beheimatung in den beiden urbanen Nachbarmetropolen fiel nicht mit dem Umzug pl\u00f6tzlich vom Himmel, es ist w\u00e4hrend rund vier Jahrzehnten allm\u00e4hlich herangewachsen.<\/p>\n<p>In Mainz, Bonn und K\u00f6ln leben inzwischen sogar einige meiner n\u00e4chsten und liebsten Verwandten. Das sind allesamt j\u00fcngere Leute, die vor Jahren des Studiums und\/oder des Berufes wegen ihre Geburts-,&nbsp; Kindheits- und Jugendheimat verlassen haben. Sie sind aus dem Westerwald, aus Braubach, aus M\u00fcnstermaifeld und aus Gerolstein wegzogen. Sie haben in oder um Mainz, K\u00f6ln, M\u00fcnchen, Berlin Arbeitsstellen, Lebenspartner, Wohnsitze gefunden; haben Familien gegr\u00fcndet und Kinder bekommen \u2013 sind mithin in einer neuen, einer zweiten Heimat angekommen.<\/p>\n<p>Und keineswegs au\u00dferordentlich ist es heutzutage, wenn die eine oder andere der jungen Familien nach ein paar Jahren weiterzieht, um in Skandinavien, Amerika, Australien oder sonstwo auf der Welt eine dritte oder im Alter gar eine vierte Heimat zu finden.<\/p>\n<p>Beim Blick auf die jungen Leute in Deutschland l\u00e4sst sich feststellen: Rund die H\u00e4lfte der hier Geborenen bleibt ihrer Geburtsheimatregion verbunden, kehrt nach Lehr- und\/oder Studienjahren ggf mit eigener Familie dorthin zur\u00fcck. F\u00fcr die andere H\u00e4lfte indes ist es v\u00f6llig normal, zum Studium oder zur Arbeit in die Ferne, auch ins Ausland zu gehen, eigene Familien anderw\u00e4rts zu gr\u00fcnden, sich dort niederzulassen und eine neue Heimatbindung aufzubauen.<\/p>\n<p>Manchmal, und sofern noch Verwandtschaft existiert, kehrt man zu Weihnacht oder Fastnacht, zum Weinfest oder zur Kirmes als Kurzzeitbesucher in die Kindheitsheimat zur\u00fcck. Wo keine Verwandtschaft mehr lebt, h\u00f6rt auch das irgendwann auf, weil nun endg\u00fcltig andere Orte und Gegenden Heimat geworden sind.<\/p>\n<p>St\u00e4dter landen in der Provinz, h\u00e4ufiger D\u00f6rfler in St\u00e4dten. Pf\u00e4lzer verschl\u00e4gt es nach Norddeutschland, Rheinl\u00e4nder nach Bayern, Deutsche ins Ausland, und alles auch umgekehrt. Dies ist der Zahn der Zeit in unserer Mobilit\u00e4tsepoche \u2013 und er bliebe es, selbst wenn es keine Fl\u00fcchtlinge g\u00e4be.<\/p>\n<p>Der Anteil derer, die ihr Leben im oder nahe am Geburtsort verbringen und sich dort zu Grabe tragen lassen, wird zusehends kleiner. Der Nachwuchs geht seine eigenen Wege, will sie gehen oder muss sie gehen. Wege, die vermehrt von der ersten Heimat wegf\u00fchren.<\/p>\n<p>Was mich betrifft, so ist der besagte s\u00fcdliche Westen mit dem Mittelrhein und dem Westerwald als meinem pers\u00f6nlichen Kern schon meine dritte. Heimat.&nbsp; Meine Geburts- und Kindheitsheimat war ein Kleinst\u00e4dtchen im Odenwald. Meine zweite, die urbane jugendliche Sturm-und-Drang-Heimat: Heidelberg und Mannheim.<\/p>\n<p>Dass meine Frau und ich vor 40 Jahren dann im Westerwald landeten, war allerdings purer Zufall. Es h\u00e4tten ebensogut Taunus, Hunsr\u00fcck, Eifel sein k\u00f6nnen. Doch fanden wir eben in einem Westerwald-Dorf jenes sch\u00f6n gelegene kleine H\u00e4uschen nahe am Wald, wo wir bis heute leben und privat eine halbe g\u00e4rtnerische Selbstversorgungswirtschaft betreiben.<\/p>\n<p>Als wir damals dort einzogen, wusste ich gar nichts vom Westerwald, au\u00dfer dass da angeblich der Wind so kalt sei. Die neue dritte Heimat wollte erst erkundet, angenommen, gewonnen sein.<\/p>\n<p>Assimilation oder Integration in die neue Heimat funktioniert unter einer Bedingung nur schlecht oder gar nicht: Wenn die alteingesessene Mehrheitsgesellschaft die Neuank\u00f6mmlinge dauerhaft schneidet, isoliert, diskriminiert, unterprivilegiert. Wenn den Zugezogenen quasi verwehrt wird, eine positive Beziehung zur neuen Umgebung und ihren Menschen einzugehen.<\/p>\n<p>Blicken wir noch einmal in die USA, wo wir das Ph\u00e4nomen der Integrationsverhinderung in gro\u00dfem Ma\u00dfstab gut sehen k\u00f6nnen: Es war und ist teils noch die von der wei\u00dfen Gesellschaftsdominanz ausgehende Diskriminierung, die auf Seiten der Afroamerikaner sowie der lateinamerikanischen und asiatischen Einwanderer zu andauernder sozialer und kultureller Ghettobildung f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Die anhaltende Unterdr\u00fcckung der Schwarzen in den USA l\u00f6ste bei diesen eine gro\u00dfe Bewegung zur R\u00fcckbesinnung auf ihre afrikanischen Wurzeln aus. Die verlief gerade in den 1960-\/70ern derart radikal, dass viele US-Schwarze ihre eigentliche Heimat wieder in Afrika sahen\/f\u00fchlten. Sie distanzierten sich himmelweit von einem American way of life, der ihnen die Teilhabe als gleichberechtigte Amerikaner verwehrte.<\/p>\n<p>\nIch denke, es ist bis hierher bereits deutlich geworden: Wenn wir \u00fcber Heimat sprechen, m\u00fcssen wir uns klar dar\u00fcber sein, dass wir \u00fcber einen vielfarbig schillernden Begriff reden \u2013 dem heute fast jeder eine andere Bedeutung zumisst.<\/p>\n<p>\u201eWo meine Lieben sind, meine Familie lebt, da bin ich daheim\u201c. Mein Dorf, meine Stadt, mein Westerwald, oder meine Eifel oder mein Mittelrheintal, mein Koblenz \u201eist f\u00fcr mich der sch\u00f6nste Ort auf Erden und meine Heimat\u201c. \u201eWo ich mich wohlf\u00fchle, auskenne, aufgenommen bin, das ist Heimat f\u00fcr mich\u201c.&nbsp; Solche, vorwiegend auf das kleinr\u00e4umige pers\u00f6nliche Lebensumfeld bezogene&nbsp; Antworten erhalten Demoskopen hierzulande seit Jahren jeweils von riesigen Mehrheiten auf die Frage: \u201eWas ist\/bedeutet f\u00fcr sie Heimat?\u201c<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Raum, Deutschland, wird bei solchen Umfragen stets hinter den pers\u00f6nlichen Umfeldern eingeordnet. Und gar die \u201eNation\u201c landet dabei regelm\u00e4\u00dfig abgeschlagen auf den hinteren Pl\u00e4tzen. Ich werde den nationalen oder nationalistischen Heimatbegriff nachher noch etwas genauer beleuchten.<\/p>\n<p>Deutschland ist landschaftlich, landsmannschaftlich, kulturell, ja teils sogar sprachlich zu vielgestaltig, um insgesamt als pers\u00f6nlicher Raum der Vertrautheit, Geborgenheit, Beheimatung empfunden werden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich mag das M\u00fcnsterland, die Haide, die Landschaften der norddeutschen Tiefebene und die K\u00fcstenlande von Nord und Ostsee sehr. Liebend gerne verbringe ich dort zwei, drei Wochen Urlaub. Aber dauerhaft im Flachland zu leben, ist mir ebenso unverstellbar wie in einer Gegend ohne weitl\u00e4ufige W\u00e4lder oder ein Leben in der Gro\u00dfstadt. Wenn ich nach Schleswig-Holstein fahre oder auf die Insel R\u00fcgen, f\u00fchle ich mich immer als Besucher, Urlauber, Tourist.<\/p>\n<p>Jedoch habe ich Landschaften in Bayern, \u00d6sterreich und der Schweiz, in Italien und Frankreich, in Tschechien und Slowenien erlebt, wo ich mich ganz schnell heimisch f\u00fchlen k\u00f6nnte. Und ich kenne Landschaften in Deutschland, wo ich mich niemals heimisch f\u00fchlen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Oder auch anders betrachtet: Die voralpinen und alpinen Bayern sind landschaftlich und kulturell mehr mit \u00d6sterreichern, B\u00f6hmen, Slowaken verwandt als mit K\u00f6lnern, M\u00fcnsterl\u00e4ndern oder Friesen. Die Niedersachsen und die Schleswig-Hollsteiner verbindet landschaftlich, historisch und kulturell mit D\u00e4nen, Schweden, Norwegern mehr als mit Rheinl\u00e4ndern, Hessen, Kurpf\u00e4lzern oder Schwaben.<\/p>\n<p>Man muss, um das zu verstehen, gar nicht das deutsche Kleinstaatenerbe bem\u00fchen. Meist gen\u00fcgt es, sich die diversen Landschaften anzuschauen und ein bisschen die Traditionen dort zu betrachten. Dann erkennt man, warum diese oder jene Gegend zum eigenen Heimatgef\u00fchl dauerhaft nicht passen w\u00fcrde \u2013 Deutschland hin oder her.&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt auf die Frage \u201e was ist f\u00fcr sie Heimat?\u201c witzige Antworten.&nbsp; Etwa die: \u201eWo die Rechnungen hinkommen, da ist meine Heimat.\u201c (Udo Lindenberg). Und es gibt Antworten, die den meisten Zeitgenossen auf den ersten Blick recht ungew\u00f6hnlich erscheinen. Vom Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki ist der Spruch \u00fcberliefert \u201emeine Heimat ist die Literatur\u201c.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Aussagen kennen wir von vielen K\u00fcnstlern. Vorwiegend von solchen, die fahrendem Volk gleich mit ihrer Kunst st\u00e4ndig von einem Ort zum andern ziehen. Etwa Dirigenten und bedeutende Musiker, die st\u00e4ndig weltweit unterwegs sind. Oder Theaterschauspieler, T\u00e4nzer, S\u00e4nger, die oft nur f\u00fcr wenige Jahre am selben Haus bleiben, gar von Saison zu Saison an andere Theater verpflichtet werden.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nSolche Menschen empfinden Heimat erstmal nicht als \u00f6rtliche Bindung; und wenn sie etwa keine eigene Familie am Ort haben, nichtmal als soziale Bindung. Sie finden Heimat in ihrem k\u00fcnstlerischen Tun.<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der jungen Deutschen hat heute eine ziemlich unverkrampfte Beziehung zum Begriff Heimat. Die ist dort, wo sie leben, wo sie ihre Freunde, Familie etc. haben. Wenn Fu\u00dfball-WM ist, ergreifen sie Partei f\u00fcr ihre Mannschaft, feiern die Kicker-Fete auch mal mit Fahnenschwenken und Schminkung in Nationalfarben. Wenn aber Rock am Ring ist, schwenken sie Fahnen und Embleme ihrer liebsten Stars aus aller Welt \u2013 oder schwofen einfach nur zu Musik aus aller Welt.<\/p>\n<p>Genau besehen, sind unsere jungen Leute, was ihre kulturellen Vorlieben und ihre zentrale Kulturtechnik angeht, WELTB\u00dcRGER. Das gilt heutzutage auch f\u00fcr die Jugend auf dem Land. Musik, Mode, Freizeittrends, Lebensart, neuerdings selbst politisches Umweltbewusstsein: Auf all diesen Gebieten sind sie vor allem Kinder einer zeitgen\u00f6ssischen Weltkultur. Und das Instrument zu deren Verbreitung ist die mediale Globalvernetzung prim\u00e4r durch das Internet \u2013 die heute selbst in den abgelegensten D\u00f6rfern angekommen ist (wenn auch bisweilen mehr schlecht als recht). &nbsp;<\/p>\n<p>Damit \u00fcberspringen gerade die J\u00fcngsten eigentlich die analoge Phase, ihr EUROP\u00c4ERTUM entdecken zu m\u00fcssen: Sie sind in einem Ausma\u00df und mit einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit Europ\u00e4er, die bei der Kriegsgeneration noch v\u00f6llig undenkbar gewesen w\u00e4re. Die Eltern oder Gro\u00dfeltern sind noch gepr\u00e4gt vom Ringen um dieses Europ\u00e4ertum. F\u00fcr meine Generation war in den Jugendjahren der 50er, 60er, 70er die Beendigung der Erbfeinschaft mit Frankreich sowie die \u00dcberwindung anderer binneneurop\u00e4ischer Ressentiments von \u00fcberragender Bedeutung. F\u00fcr unsere Kinder und Enkel spielt das kaum noch eine Rolle.<\/p>\n<p>Ich selbst habe mich schon in der Jugend mehr als Europ\u00e4er denn Deutscher gef\u00fchlt, weil: a) ich munter s\u00e4mtliche L\u00e4nder Nord-, West-, und S\u00fcdeuropas bereiste und b) bald eine Menge Leute aus all diesen L\u00e4ndern zu meinen guten Bekannten oder Freunden z\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich, c), empfand ich mich mehr als Europ\u00e4er denn Deutscher,&nbsp; weil der Heimatbegriff und das Heimatgef\u00fchl belastet, vergiftet, verdorben war durch den Nationalsozialismus. Wie sollte man eine \u201eHeimat\u201c sch\u00e4tzen, gar lieben k\u00f6nnen, in deren Namen die schrecklichsten Verbrechen begangen wurden? Und wenn dann ausgerechnet die alten NS-Parteig\u00e4nger uns, der damaligen Jugend, vorhielten, Heimatliebe zu Deutschland und deutscher Patriotismus st\u00fcnden \u00fcber \u201eeiner f\u00fcr Deutschland schlecht gelaufenen historischen Phase\u201c (heute: M\u00fcckenschiss), dann konnte uns seinerzeit nur die Galle hochkommen.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist bekannt: Die linken und liberalen Milieus in Deutschland haben den Heimatbegriff mehrere Jahrzehnte den Konservativen und den Rechten \u00fcberlassen. Erst in j\u00fcngerer Zeit hat die R\u00fcckeroberung wieder begonnen. Und allm\u00e4hlich wird erkennbar, dass es zwei grundlegend verschiedene Deutungsstr\u00f6mungen von Heimat gibt, die im Wettstreit miteinander stehen: eine weltoffene und eine hermetisch geschlossene.<\/p>\n<p>Das ist genaugenommen nichts neues. Der Kampf zwischen beiden Heimatbegriffen dauert nun schon mehr als 150 Jahre. Um das zu verdeutlichen, muss ich noch einmal zur\u00fcck in die Geschichte.<\/p>\n<p>\u201eDa drau\u00dfen, stets betrogen \/ Saust die gesch\u00e4ft&#8217;ge Welt \/ Schlag noch einmal die Bogen \/ Um mich, du gr\u00fcnes Zelt!\u201c Mit diesen Versen umrei\u00dft Joseph von Eichendorff 1810 jenen Gegensatz, der die Bindekraft des Begriffs Heimat wesentlich pr\u00e4gen sollte: Auf der einen Seite die schn\u00f6de, hektische, ja betr\u00fcgerisch undurchsichtige Welt der modernen Zivilisation; auf der anderen Seite das Sehnen nach R\u00fcckkehr ins Aufgehobensein, in die Vertrautheit und Geborgenheit der nat\u00fcrlichen Umgebungsgefilde altbekannter \u201eO Th\u00e4ler weit, o H\u00f6hen, \/ O sch\u00f6ner, gr\u00fcner Wald\u201c.<\/p>\n<p>Je eiliger, komplexer, befremdender der Gang der technischen Zivilisation, umso dringender das Bed\u00fcrfnis nach einem \u00fcbersichtlichen Raum der pers\u00f6nlichen Geborgenheit.<\/p>\n<p>Eichendorff beschreibt das Gef\u00fchl, das wir heute vielfach mit Heimat verbinden, ohne den Begriff selbst zu benutzen. Denn es gab das Wort in seinem sp\u00e4ter ideellen Sinne zu des Dichters Zeit noch gar nicht. Benutzt wurde das Wort Heimat seit dem Hochmittelalter vornehmlich als juristische Bezeichnung f\u00fcr die heimatrechtlichen Anspr\u00fcche jener Bev\u00f6lkerungsteile, die Grund und Boden besa\u00dfen. Nur sie durften ein Gewerbe aus\u00fcben und heiraten. F\u00fcr besitzlose M\u00e4gde, Knechte, Tagel\u00f6hner, Bettler, Armeeveteranen musste \u201eHeimat\u201c einen bitteren Beigeschmack haben: Sie waren von den Heimatrechten ausgeschlossen. Heimat = Besitz an Grund und Boden.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>Weshalb von den Industrieproletariern bald nach ihrem Auftauchen im sp\u00e4ten 18. und fr\u00fchen 19. Jahrhundert als \u201eheimatlose Gesellen\u201c gesprochen wurde. Von \u201eheimatlose Gesellen\u201c zum Schimpfwort \u201evaterlandslose Gesellen\u201c f\u00fcr aufm\u00fcpfige Arbeiter und Sozialisten war der Weg nicht weit.<\/p>\n<p>Er wurde gespurt vor allem von der kaiserlich-patriotischen Aufladung des Heimatbegriffs im Zuge der deutschen Reichsbildung um 1871. Heimat wurde von da an \u2013 erst von da an!! \u2013 gleichgesetzt mit Vaterland und Nation. Logisch, war Deutschland bis dahin doch gar kein Deutschland, sondern die betreffenden Gebiete nur ein Kleinstaaten-Teppich.<\/p>\n<p>Die Menschen kannten in ihrer Masse nur Bindungen an Regionen, die oft von wechselnden F\u00fcrstenfamilien, gar mit unterschiedlichen Religionen regiert wurden. Der 1871 frisch aus der Taufe gehobene nationale Obrigkeitsstaat tat dann alles, um einen nationalen Heimatbegriff in die Welt zu setzen sowie ihn zu besetzen mit einer quasi naturrechtlichen Ideologie. Einer Ideologie, die fu\u00dft auf einem angeblich bis auf die Vorv\u00e4ter uralter Zeit zur\u00fcckgehenden Deutschtum.<\/p>\n<p>Diese Deutschtums-Ideologie sollte s\u00e4mtliche Klassenunterschiede wie auch regionale Eigenheiten im landsmannschaftlichen Misch-Reich \u00fcbert\u00fcnchen. Heimatliebe sollte von nun an bedeuten: \u201eF\u00fcr Kaiser und Reich!\u201c \u2013 alle gemeinsam gegen die Fremden, vorneweg die franz\u00f6sischen \u201eErbfeinde\u201c. Sp\u00e4ter wurde daraus \u201eF\u00fcr F\u00fchrer und Vaterland!\u201c.<\/p>\n<p>Beides war eine andere Art Heimatliebe und Nationalbewegung als jene, die sich 1832 beim Hambacher Fest und 1848\/49 mit revolution\u00e4rem Aufbegehren Ausdruck verschafft hatte. F\u00fcr eine einige, freie, demokratische deutsche Nation in einem Europa freier V\u00f6lker hatten die Redner auf dem Hambacher Schloss gesprochen. F\u00fcr nationale Eigenst\u00e4ndigkeit in demokratischen Ordnungen fochten 35 Jahre sp\u00e4ter Aufst\u00e4ndische von Polen bis Portugal.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kaiser, K\u00f6nige, F\u00fcrsten, Bisch\u00f6fe nebst deren nationalkonservativen Parteig\u00e4ngern indes galt ab den 1870ern als&nbsp; Heimatver\u00e4chter und \u201eVaterlandsverr\u00e4ter\u201c, wer die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse \u00e4ndern wollte und\/oder um Verst\u00e4ndigung zwischen V\u00f6lkern und Kulturen warb.<\/p>\n<p>Seitdem war der Heimatbegriff vergiftet vom Nationalismus. Der lie\u00df ab 1914 Millionen jubelnde Soldaten ins Massengrab ziehen. Der bot nachher den Nationalsozialisten den Humus, ihre \u201eVolksgemeinschaft der aus Blut und Boden erstandenen Herrenrasse\u201c die Verbrechen des Holocaust begehen zu lassen und die Herrenrasse gegen den Rest der Welt in den Untergang zu f\u00fchren. Kein Wunder, dass in der Bundesrepublik lange der Begriff \u201eHeimat\u201c von vielen misstrauisch be\u00e4ugt bis kategorisch abgelehnt wurde.<\/p>\n<p>Das Ringen um die Deutungshoheit \u00fcber den Begriff Heimat dauert, wie gesagt, schon mehr als 150 Jahre. Denn es w\u00e4re ein Irrtum, anzunehmen, dass den von deutschnationaler Seite verschrieenen \u201eHeimatver\u00e4chtern und Vaterlandsverr\u00e4tern\u201c Heimatgef\u00fchle fremd seien. Das Gegenteil ist der Fall. Allerdings hat ihr Heimatverst\u00e4ndnis wenig zu tun mit Kaiser, F\u00fchrer, Volksgemeinschaft, deutscht\u00fcmelndem Nationalethos oder gar faschistischer Rassenlehre.<\/p>\n<p>\u201eHeimw\u00e4rts, heimw\u00e4rts jeder sehnet zu den Eltern, Frau und Kind\u201c hei\u00dft es im Moorsoldatenlied, einst gesungen von \u00fcberwiegend linkspolitischen Gefangenen im KZ B\u00f6rgermoor. Und schon 100 Jahre zuvor hatte Heinrich Heine in Frankreich mit dem Exil-Gedicht \u201eNachtgedanken\u201c wunderbare Verse geschrieben \u00fcber sein Heimweh \u2013 nicht etwa nach Deutschland, sondern nach seiner betagten Mutter in Deutschland.<\/p>\n<p>\u201eDenk ich an Deutschland in der Nacht \/ So bin ich um den Schlaf gebracht\u201c. Den Doppelsinn der Anfangszeilen hat der deutsche Nationalkonservatismus dem Dichter so wenig verziehen wie etwa die&nbsp; Formulierung \u201eNach Deutschland lechzt ich nicht so sehr, \/ Wenn nicht die Mutter dorten w\u00e4r\u201c.<\/p>\n<p>Heine wurde zu Lebzeiten als Netzbeschmutzer und Franzosenfreund ge\u00e4chtet und ins Pariser Exil getrieben. Noch bis in die sp\u00e4ten 1960er-Jahre wehrten sich deutsch-reaktion\u00e4re Kr\u00e4fte vehement gegen eine angemessene \u00f6ffentliche Wertsch\u00e4tzung des gro\u00dfen Dichters aus D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p>Denn es gibt kaum etwas, das Nationalisten mehr in Rage bringt, als das Bem\u00fchen um Entgiftung des Heimat-Begriffs. Entgiftung mittels dessen Losl\u00f6sung von rassisch-politischer Deutschtums- und Nationalideologie. Entgiftung durch die positive Ausdeutung des Heimat-Begriffs als privat-menschlicher Gef\u00fchlsraum von Vertrautheit, Geborgenheit, Beheimatung in einem Familien- und Freundeskreis, einem Ort oder einer Landschaft.<\/p>\n<p>***<br \/>\nIst Heimat etwas Festgef\u00fcgtes, etwas Ewiges, Unver\u00e4nderliches? Wir haben gesehen: Nein. Wie sich die Welt als ganzes ver\u00e4ndert, so auch der Heimatbegriff, das Heimatgef\u00fchl und ganz lebenswirklich der reale Heimatraum.<\/p>\n<p>Schauen wir uns letzteren, den hiesigen Heimatraum und seine Entwicklung in den j\u00fcngsten Jahrzehnten mal etwas n\u00e4her an.<\/p>\n<p>Als wir uns vor 40 im Westerwald niederlie\u00dfen, gab es in unserem (Doppel)Dorf dort:<br \/>\n&#8211; 5 Gastst\u00e4tten<br \/>\n&#8211; 1 Metzgerei<br \/>\n&#8211; 1 B\u00e4cker<br \/>\n&#8211; 2 Allround-Tante-Emma-L\u00e4den<br \/>\n&#8211; 1 Damenmoden-\/Kurzwarengesch\u00e4ft<br \/>\n&#8211; 1 Kolonialwarenladen (Spielzeug, Schulb\u00fccher, Gartenbedarf, Heimwerkerbedarf etc)<br \/>\n&#8211; 1 Postfiliale<br \/>\n&#8211; 2 Bankfilialen<br \/>\n&#8211; 1 Schuhmacher<br \/>\n&#8211; 1 Friseur<br \/>\n&#8211; 1 Allgemeinmediziner<br \/>\nWas gibt es davon heute noch? Gar nichts mehr! Zuletzt hat vor drei Jahren die Volksbank ihre Filiale geschlossen.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung des infrastrukturellen und sozialkulturellen Ausblutens war deutschlandweit in abertausenden D\u00f6rfern und Kleinst\u00e4dten die gesamte zweite H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts typisch (und ist es teils noch).<\/p>\n<p>Diesen Prozess nenne ich \u201eEntheimatung der Heimat\u201c von dem j\u00fcngst so viel die Rede ist. Politisch interessierte Kreise beziehen diese Begrifflichkeit freilich vor allem gerne auf vermeintliche \u00dcberfremdung durch Migranten.<br \/>\nDa wird so getan, als sei Heimat ein unver\u00e4nderliches Lebens- und Kulturgef\u00fcge \u2013 dem Gefahr ALLEIN durch den Zuzug von Fremden drohe. Diese subjektive Vorstellung ist zwar schon einige Jahrhunderte alt, hatte aber mit der Wirklichkeit seit jeher wenig zu tun.<\/p>\n<p>Die umfassendsten Ver\u00e4nderungen der hiesigen heimatlichen Lebensweise gehen vielmehr in den vergangenen 100 Jahren aus von:<br \/>\n1. der Automobilisierung der Gesellschaft,<br \/>\n2. in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts vom Fernsehen<br \/>\n3. in j\u00fcngster Zeit von der hemmungslosen \u00d6konomisierung aller Gesellschaftsbereiche und ihrer Digitalisierung<br \/>\n4. von der Globalisierung.<\/p>\n<p>Keine der Einwanderungsbewegungen seit Kriegsende vermochte das Leben hierzulande objektiv derart grundlegend zu verwandeln wie diese Faktoren des \u201eFortschritts\u201c. Nicht die Millionen Ostfl\u00fcchtlinge und Vertriebenen; nicht die \u201eGastarbeiter\u201c aus Italien, Jugoslawien, Griechenland etc., schlie\u00dflich der T\u00fcrkei. Mittelfristig ist auch die Ver\u00e4nderungswirkung durch einige hunderttausend Migranten, Fl\u00fcchtlinge, Asylbewerber der j\u00fcngsten Jahre nur eine Kleinigkeit im Vergleich zu den gewaltigen Umw\u00e4lzungen, die etwa mit der Digitalisierung noch einhergehen werden.<\/p>\n<p>Und der Prozess der rabiaten Umgestaltung heimatlicher Landschaften durch die Automobil- und Mobilit\u00e4tskultur, durch die \u00d6konomisierung der Landschaft ist noch l\u00e4ngst nicht abgeschlossen. Der Weiter- und Neubau von Umgehungsstra\u00dfen, Autobahnen, Parkpl\u00e4tzen, Autoh\u00f6fen erreicht gerade einen neuen Temposchub. Ebenso der Fl\u00e4chenverbrauch durch immer neue Industrieansiedlungen, Gewerbegebiete und Wohngebiete. Und dazu obendrein die Umwandlung von Naturraum in Tourismus-Nutzfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Das alles hat mit Zuwanderung nichts zu tun. Ebensowenig, dass die D\u00f6rfer ver\u00f6den. In manchem Kleinstst\u00e4dtchen oder gr\u00f6\u00dferem Dorf ist man im Gegenteil froh, beim T\u00fcrken einkaufen zu k\u00f6nnen oder beim Italiener einen Platz f\u00fcr Stammtisch, Skatrunde, Kappensitzung zu finden. Der Beerdigungskaffee wird beim Griechen, Spanier, Chinesen genommen, wo auch Familienfeiern unterkommen.<\/p>\n<p>Man mache sich nichts vor: Auf dem Land erhalten \u00fcber weite Strecken gerade zugewanderte Mitb\u00fcrger letzte Bastionen der Infrastruktur; in den St\u00e4dten sichern sie in Gastronomie, Handel und Kultur jene Vielfalt, die urbanes Leben erst ausmacht.<\/p>\n<p>Heimat \u2013 sie ver\u00e4ndert sich seit ewigen Zeiten immerfort. Stillstand war nie und das Paradies war auch nie, denn jede Ver\u00e4nderung wird seit jeher auch von Problemen begleitet. Doch w\u00e4hrend etwa der l\u00e4ndliche Raum durch Vernachl\u00e4ssigung und Ausblutung der dortigen Infrastruktur tats\u00e4chliche Entheimatung erf\u00e4hrt, sind andere Momente f\u00fcr die Heimat l\u00e4ngst unverzichtbar geworden und bereichern sie: der kurdische Brieftr\u00e4ger, die Kebabbude; das griechische Lokal im einen, das thail\u00e4ndische im anderen Nachbardorf; die Mitstreiter s\u00fcd- und osteurop\u00e4ischer sowie lateinamerikanischer Herkunft im Gesangs- und im Sportverein, die es beide ohne sie vielleicht gar nicht mehr g\u00e4be; die deutsch-afghanisch besetzte Autowerkstatt, der Priester aus Kamerun, die Altenpflegerinnen aus Polen; das in Syrien geborene Lehrm\u00e4dchen im Supermarkt, der aus dem Iran stammende Arzt im Krankenhaus \u2026<\/p>\n<p>Viele von ihnen finden hier eine zweite Heimat \u2013 und sehnen sich wie wir alle danach, dass diese gemeinsame Heimat ein Raum der Geborgenheit sein m\u00f6ge.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>Zum Abschluss ein kurzer Blick auf j\u00fcngeres Bem\u00fchen, Heimat zu erhalten, zu sch\u00fctzen und wom\u00f6glich auf gedeihliche Weise weiterzuentwickeln \u2013 gedeihlicher zumindest als die bedingungslose Auslieferung an die blindw\u00fctige Wachstums-\u00d6konomie. Zu diesen Bem\u00fchungen k\u00f6nnen wir fast alles rechnen, was irgendwie mit Natur- und Umweltschutz sowie mit Gemeinwohlwirtschaft zu tun hat.<\/p>\n<p>Als direkten Heimatschutz m\u00f6chte ich beispielsweise bezeichnen:<br \/>\n&#8211; Widerstand gegen Stra\u00dfenneubau und andere Gro\u00dfbauprojekte<br \/>\n&#8211; Widerstand gegen Waldvernichtung<br \/>\n&#8211; Einsatz f\u00fcr Naturschutzgebiete<br \/>\n&#8211; f\u00fcr naturnahen sanften Tourismus<br \/>\n&#8211; f\u00fcr die \u00d6kologisierung der Landwirtschaft<br \/>\n&#8211; Streiten f\u00fcr einen \u00d6PNV auch auf dem Land<br \/>\n&#8211; Einrichtung genosschaftlicher L\u00e4den, Wohnprojekte, Arbeits- und Bildungsprojekte\u2026\u2026<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund darf man auch die Jugendbewegung Fridays for Future als eine Bewegung der Natur- und Lebensraumbewahrung, also auch der Heimatverbundenheit interpretieren. Wenngleich hier eine v\u00f6llig neue Qualit\u00e4t der Heimatbindung erreicht ist, insofern der gesamte Planet als Heimat begriffen wird.&nbsp; Wie es j\u00fcngst der deutsche Raumfahrer Alexander Gerst, mit seinem Blick von der Internationalen Raumstation SS auf unseren \u201ekleinen, wundersch\u00f6nen und doch so verletzlichen Heimatplaneten im unendlichen Universum\u201c auf ber\u00fchrende Weise getan hat.<\/p>\n<p>Nicht umsonst taucht in j\u00fcngster Zeit in einigen politischen Lagern die Klage \u00fcber ein vermeintlich multikulti-versifftes oder globalistisches Heimatverst\u00e4ndnis auf. F\u00fcr mich ist das ein gutes Zeichen. Weil der Heimatbegriff offenkundig zusehends der Deutungshoheit der Hermetiker entgleitet und als nationalistische Kampfvokabel unbrauchbar wird.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. 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