{"id":792,"date":"2021-07-29T22:00:00","date_gmt":"2021-07-29T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/07\/29\/im-rinnsal-lauert-das-monster\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:10","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:10","slug":"im-rinnsal-lauert-das-monster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/07\/29\/im-rinnsal-lauert-das-monster\/","title":{"rendered":"Im Rinnsal lauert das Monster"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Jetzt steht man im Westerwald oder Hunsr\u00fcck am Fenster, betrachtet die Umgebung unter ganz neuen Gesichtspunkten. Woher und wohin w\u00fcrden die Wasser st\u00fcrzen bei 200 Litern Regen auf den Quadratmeter binnen weniger Stunden? Hier die sonst meist trockene, aus dem Wald kommende und als Feldweg durch Wiesen bis zum Unterdorf verlaufende kleine Senke: Sie w\u00fcrde zum rauschenden Bach. Und weil der am unteren Ende seit Jahrzehnten kein Bett mehr hat, w\u00fcrde er sich orientierungslos \u00fcber die Stra\u00dfen ergie\u00dfen und durch die H\u00e4user toben.<\/p>\n<p>Andernorts schl\u00e4ngelt sich ein Rinnsal, das gew\u00f6hnlich gerade eine handbreit Wasser f\u00fchrt, durch Wohnsiedlungen. Bald verschwindet es in einem Rohr, um einige hundert Meter weiter in das normalerweise 30 bis 60 Zentimetern flache, h\u00fcbsche Minifl\u00fcsschen am Talgrund zu blubbern. Was, wenn sich von einem Moment zum n\u00e4chsten die Wassermengen im Rinnsal und im Fl\u00fcsschen mehr als verzwanzigfachen?<\/p>\n<p>\u201eHochwasser\u201c. Doch das ist der falsche Begriff. Hochwasser erlebt man an den gr\u00f6\u00dferen Fl\u00fcssen \u2013 mit meist vorhergesagten Pegelst\u00e4nden, auf die mit seit Generationen einge\u00fcbtem Verhalten reagiert wird. Die noch ungewohnten lokalen Starkregenereignisse der j\u00fcngeren Jahre, erst recht die jetzige gro\u00dfregionale Katastrophe im Westen sind etwas ganz anderes: Hochgef\u00e4hrliche bis lebensgef\u00e4hrliche, auf wenige Augenblicke komprimierte Sturzfluten. Die hinterlassen Gebiete, in denen oft nicht nur sprichw\u00f6rtlich kein Stein auf dem anderen bleibt. &nbsp;<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit den entsetzlichen Geschehnissen am 14.\/15. Juli in Ahrtal und Eifel, in NRW und Belgien sollte auch der Letzte begriffen haben: Wenn entfesselte Natur zuschl\u00e4gt, gelten selbst in einem der h\u00f6chstentwickelten L\u00e4nder auf Erden gewohnte Gewissheiten wenig. Das Heim, das wir f\u00fcr unsere sichere Burg hielten \u2013 es kann von jetzt auf gleich ein Tr\u00fcmmerhaufen, gar ein Grab sein. H\u00e4user, Gesch\u00e4fte, Betriebe, Stra\u00dfen, Br\u00fccken, Gleise: weggesp\u00fclt, kaputt, unbrauchbar. Gas, Strom, Trinkwasser, Internet, Telefon: Die Netze, die uns sonst so selbstverst\u00e4ndlich sind: unterbrochen, zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich erleidet man als Betroffener eine Lage, sieht als Au\u00dfenstehender Bilder, wie man sie bisher nur aus Kriegsgebieten oder Katastrophenregionen in fernen L\u00e4ndern kannte. Und die Leute in Westerwald, Taunus, Hunsr\u00fcck sind sich bewusst: W\u00e4re das Unwetter nur ein paar Kilometer weiter nach Osten und\/oder S\u00fcden gedriftet, es w\u00fcrden sich nun bei ihnen die Leichenhallen f\u00fcllen. Es kann jeden fast \u00fcberall treffen. Auch wird es, so die klimawissenschaftliche Gewissheit, eben kein Jahrhundert dauern, bis \u00e4hnlich zerst\u00f6rerische Ereignisse als Sturzfluten, Hitze\/D\u00fcrre, Feuersbr\u00fcnste, Extremst\u00fcrme hierzulande erneut zuschlagen.<\/p>\n<p>Da ich dies schreibe, sind f\u00fcr RLP und NRW bald 200 Fluttote gemeldet.&nbsp; Zugleich h\u00f6re ich von Gaffern und Katastrophentouristen, diesen Geiern aus dem ethisch unbeleckten Teil der Menschheit. Ich lese von Betr\u00fcgern, Pl\u00fcnderern, Rechts- und Verschw\u00f6rungsextremisten, die die Not f\u00fcr sich auszunutzen versuchen; und es packt mich gro\u00dfer Zorn. Dem steht die gewaltige Hilfewelle aus der Bev\u00f6lkerung nah und fern gegen\u00fcber, die einem den Glauben an das Urmenschliche im Gros der Menschen zur\u00fcckgeben kann. Gewiss, es ist unendlich viel zu bereden, auch zu streiten \u00fcber die Lehren aus der Katastrophe. Aber, Herrgott!, das macht man, wenn die Toten beerdigt sind und die \u00dcberlebenden mit dem N\u00f6tigsten versorgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt steht man im Westerwald oder Hunsr\u00fcck am Fenster, betrachtet die Umgebung unter ganz neuen Gesichtspunkten. Woher und wohin w\u00fcrden die Wasser st\u00fcrzen bei 200 Litern Regen auf den Quadratmeter binnen weniger Stunden? 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