{"id":759,"date":"2021-04-26T22:00:00","date_gmt":"2021-04-26T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/04\/26\/aus-dem-ruhestand\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:10","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:10","slug":"aus-dem-ruhestand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/04\/26\/aus-dem-ruhestand\/","title":{"rendered":"Aus dem Ruhestand"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Viele wissen es. Andere ahnen es, weil meine Pr\u00e4senz in Zeitungen und an Vortragspulten mittlerweile gegen Null tendiert: Der Autor ist in den Ruhestand getreten. Das schon vor einigen Monaten. W\u00e4hrend des ersten Lockdowns reifte der Entschluss, diesen Schritt um ein Jahr vorzuziehen \u2013 und mich bereits 2020 ebenso unauff\u00e4llig aus dem journalistischen Getriebe zu verdr\u00fccken, wie ich es 34 Jahre zuvor durch eine Seitent\u00fcr betreten hatte. Eine Mini-K\u00fcr nur wollte ich auf die alten Tage weiter pflegen: Gelegentlich noch eine Theater- oder Konzertkritik schreiben sowie mir das Vergn\u00fcgen der \u201eQuergedanken\u201c-Kolumne g\u00f6nnen. Alles nach Lust und Laune; den lieben Gott einen guten und mich einen von Pflichten freien Mann sein lassen. Theater\/Konzert gibt\u2019s momentan nicht, bleibt also: das hier.<\/p>\n<p>Und was mache ich nun mit all der gewonnenen Verf\u00fcgungszeit? \u201eEr dreht am Rad\u201c, meint Freund Walter schnippisch, \u201ehat sich allerhand seltsamen Zeitvertreib zugelegt.\u201c Dieses gr\u00e4ssliche Wort, Zeitvertreib, geht mir auf den Keks. Mit 65 Jahren will man keine Zeit vertreiben, man hat eh nur noch einen Rest davon \u00fcbrig. Es geht darum, die verbleibende Lebensspanne mit interessanten, sch\u00f6nen, spannenden, genussreichen Elementen zu f\u00fcllen \u2013 jetzt, da das Muss des Broterwerbs die Peitsche nicht mehr schwingt. Was also mache ich? Lauter Sachen, nach denen mir schon sehr lange der Sinn steht, die aber im Berufstrubel stets den K\u00fcrzeren zogen.<\/p>\n<p>Nein, es dr\u00e4ngt mich keineswegs zur Bereisung ferner L\u00e4nder. Auf gro\u00dfe Welttour w\u00fcrde ich auch ohne Pandemie nicht gehen wollen, weder per Flugzeug oder Luxusliner, noch in Abenteurermanier auf Zweirad, Pferd oder zu Fu\u00df. Auch von fr\u00fch bis sp\u00e4t nur auf der faulen Haut liegen ist zwar eine gelegentliche, doch keine dauerhafte Option. Walter zappelt herum und kann dann wieder das Wasser nicht halten: \u201eDer Herr Kolumnist gerieren sich nunmehr als Kunstmaler, Pianist und&nbsp; Selbstversorgungsg\u00e4rtner.\u201c Richtig am l\u00e4sterlichen, indes vor allem wohl neidischen Geplapper des Freundes ist immerhin dies: Das Edikt von Joseph Beuys, wonach \u201ejeder Mensch ein K\u00fcnstler ist\u201c (sofern er sich aufrafft), steht als Leitmotiv \u00fcber meinem neuen Lebensabschnitt.<\/p>\n<p>Will sagen: Zwar kann nicht jeder malend mit Da Vinci oder Van Gogh gleichziehen, schreibend mit Heinrich Heine oder Thomas Mann, musizierend mit Anne-Sophie Mutter oder Alfred Brendel, bauend\/gartenbauend mit Schinkel oder Lenn\u00e9 \u2026 In h\u00f6herem Anf\u00e4ngeralter nach derartiger Meisterschaft streben zu wollen, w\u00e4re vermessen und vergebliche Liebesm\u00fch. Doch steckt in JEDEM Menschen kreatives Potenzial, die F\u00e4higkeit also, irgendwas irgendwie nach eigenem Gusto zu gestalten. Hat man die Lust an solchem Tun erstmal geweckt, gibt es f\u00fcr viele Neuaktive kein Halten mehr. Weshalb wir \u00fcber die pandemischen Monate hunderttausendfach neue Einstiege in gestalterische Hobbys und Passionen erleben d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Tja, und mich zieht es nach gut drei Jahrzehnten Schreiberei nun halt zum Selbermachen just in die wortlosen K\u00fcnste \u2013 hin zum inzwischen ein halbes Leben lang brach gelegenen Klavierspiel sowie hinein in die mir zwar theoretisch vertraute, aber eigenpraktisch v\u00f6llig fremde Welt des Zeichnens und Malens. Das ist eine wahrlich aufregende Abenteuerreise, wo nicht das Ziel, sondern aus Spa\u00df an der Freud der Weg des experimentierlustigen Dilettanten als h\u00f6chster Wert an sich z\u00e4hlt. Gelle, Walter, da w\u00fcrdest du gerne mitgehen? Dann mach\u2019 halt!&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele wissen es. 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