{"id":750,"date":"2021-03-10T15:43:43","date_gmt":"2021-03-10T14:43:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/03\/10\/glueckwunsch-zu-40-jahren-cafe-hahn\/"},"modified":"2021-03-10T15:43:43","modified_gmt":"2021-03-10T14:43:43","slug":"glueckwunsch-zu-40-jahren-cafe-hahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/03\/10\/glueckwunsch-zu-40-jahren-cafe-hahn\/","title":{"rendered":"Gl\u00fcckwunsch zu 40 Jahren Caf\u00e9 Hahn"},"content":{"rendered":"<p><em>Mein nachfolgender Text wurde im Mai 2011 im mittelrheinischen Magazin &#8222;Kulturinfo&#8220; anl\u00e4sslich des Jubil\u00e4ums &#8222;30 Jahre Koblenzer Caf\u00e9 Hahn&#8220; publiziert. Ich habe ihn &#8211; und einen weiteren, bereits zum 25. Geburtstag 2006 verfassten Artikel (s. Link ganz unten) &#8211; jetzt aus der Versenkung geholt, weil das Hahn am 12. und 13. M\u00e4rz 2021 mit einem Livestream-Festival im Netz in sein Jubeljahr zum 40. einsteigt. Da m\u00f6chte es so mancher\/m der vielen Freunde*innen dieser Koblenzer Kulturinstitution vielleicht genehm sein, noch einmal oder erstmals so einiges \u00fcber deren fr\u00fchere und ganz fr\u00fchen Jahre zu lesen.&nbsp; <\/em><\/p>\n<p class=\"rtecenter\">***<\/p>\n<p><em><strong>ape. Koblenz (26.05.2011).<\/strong><\/em> Was soll man schreiben zum jetzt 30. Geburtstag des \u201eCaf\u00e9 Hahn\u201c? Was, das nicht zu den Jubil\u00e4en vor f\u00fcnf, zehn oder vor 20 Jahren schon geschrieben wurde? \u00dcber den gelernten Konditor Karl Hubert Hahn, genannt Berti, der 1981 als 25-J\u00e4hriger das in Koblenz-G\u00fcls alteingesessene v\u00e4terliche Caf\u00e9 \u00fcbernahm. \u00dcber das damalige Entsetzen, das dort reife Moselanerinnen beim Kaffeekr\u00e4nzchen packte, wenn obskures Volk mit Gitarren und Drums, Verst\u00e4rkern und Boxen&nbsp; hereinstapfte \u2013 um sogleich mit dem Soundcheck f\u00fcrs abendliche Konzert nicht nur die Sahneh\u00e4ubchen auf dem Kuchen vibrieren zu lassen.<\/p>\n<p>Man erinnert gerne an die Anf\u00e4nge; an die \u00dcbergangszeit in den 1980ern vom \u201eganz alten Caf\u00e9 Hahn\u201c zum \u201ealten Hahn\u201c, das 2003 vom \u201eneuen Hahn\u201c abgel\u00f6st wurde. Die Erinnerung an jene&nbsp; Geschichten ist keineswegs blo\u00df r\u00fchrselige Nostalgie. Vielmehr hat es etwas Beruhigendes, wenn du heutzutage feststellen kannst: Es gibt in deiner Stadt noch florierende gastro-kulturelle Einrichtungen, die keine Filialen kontinentaler Ketten oder Renditeobjekte ausw\u00e4rtiger Finanzmogule sind. Primus unter diesen Einrichtungen ist in Koblenz nunmal das \u201eCaf\u00e9 Hahn\u201c. Von einem G\u00fclser Bub als erster Musik- und Kleinkunstclub am Ort in die Welt gesetzt, selbstst\u00e4ndig aufgezogen und drei Jahrzehnte hindurch als unabh\u00e4ngige Institution entwickelt \u2013 ohne die das Kulturleben am Rhein-Mosel-Eck anders auss\u00e4he als es aussieht.<\/p>\n<h5>Aus der gro\u00dfen Welt in die kleine Stadt<\/h5>\n<p>Soweit die Festrede. Was aber nun schreiben, das nicht sowieso schon jeder wei\u00df? Themensuche, Story-Schn\u00fcffelei. Zu diesem Zweck mal wieder Privatissime mit Berti Hahn. Location f\u00fcr das Treffen: Sparkasse Koblenz. Zeitpunkt: Mitte Mai 2011. Wieso Sparkasse? Weil einem dort den Wonnemonat \u00fcber die Bedeutung des \u201eCaf\u00e9 Hahn\u201c f\u00fcr Stadt und Region in kompakter Form vor Augen gef\u00fchrt wird (wurde). Und zwar vor allem in ihrer k\u00fcnstlerischen Dimension: Mit einer Ausstellung originaler Fotos von Bluesern, Jazzern, Liedermachern, Kabarettisten und Artisten, die der zum Kulturimpressario gewachsene Berti w\u00e4hrend 30 Jahren aus der gro\u00dfen Welt ins kleine Koblenz holte.<\/p>\n<p>Der Ausstellungs-Rundgang soll ihn animieren, zu diesem oder jenem K\u00fcnstler-Foto Hist\u00f6rchen auszupacken, die vielleicht noch nicht durch aller Munde gegangen sind. Geschichten aus der Geschichte des \u201eCaf\u00e9 Hahn\u201c. Beispielsweise jene \u00fcber die Verehrerin von Konstantin Wecker. Vor dem Foto des Barden stehend, will uns \u2013 wie bei den meisten Bildern \u2013 zwar das genaue Jahr des Ereignisses nicht mehr einfallen. Aber es muss Anfang der 90er gewesen sein. Denn Scharping war Ministerpr\u00e4sident und hatte gemeinsam mit Gattin Jutta zum Tschernobyl-Benefizkonzert mit&nbsp; Wecker ins Hahn geladen.<\/p>\n<h5>Watschen f\u00fcr Konstantin Wecker<\/h5>\n<p>An selbigem Abend geschah dies: Eine unbekannte Frau hatte sich vor die B\u00fchne gelagert,&nbsp; lie\u00df keines ihrer hingebungswillig schmachtenden Augen vom sch\u00e4umenden Musicus. Weil zugleich in G\u00fcls \u201eBl\u00fctenfest\u201c gefeiert wurde, folgte auf das Konzert sp\u00e4tn\u00e4chtlich Disco-Schwoof. Da schwang der Konstantin mit der Jutta ausgiebig das Tanzbein. Freunde bei Freunden in ausgelassener Stimmung, wie\u2018s im \u201eHahn\u201c eben so war und noch immer ist. Besagter Schmacht-Dame stie\u00df derartige Vertrautheit zwischen den Tanzpartnern indes so bitter auf, dass sie auf Wecker zust\u00fcrzte und ihm \u2013 eine m\u00e4chtige Watschen auf die Wange haute. Die Episode erinnert ans \u201eBl\u00fctenfest\u201c&nbsp; 2010, wo Comedian Mario Barth \u2013 wie Ingo Appelt ein alter \u201eHahn\u201c-Bekannter aus Zeiten, da sie noch kein Mensch kannte \u2013 in eine von s\u00e4mtlichen Gazetten breitgewalzte Handgreiflichkeit verwickelt war. Sage noch einer, Traditionsfeste an der Mosel br\u00e4chten das Blut nicht mehr in Wallung.<\/p>\n<p>Der Foto-Rundgang weckt Erinnerungen an wiederholte \u201eHahn\u201c-Auftritte gro\u00dfer Musiker aus Blues und Jazz. Da sind beispielsweise etliche, inzwischen selbst Legenden gewordene Weggef\u00e4hrten des legend\u00e4ren Miles Davis: Marcus Miller, der stilpr\u00e4gende E-Bassist, oder Mike Stern. Der 2007 verstorbene Joe Zawinul, der sich bei seinen Koblenzer Auftritten von Berti immer G\u00e4nsebraten und&nbsp; Sliwowitz w\u00fcnschte. Andere Sparte: Altblueser Luther Allison stellte bei der ersten gemeinsam Tournee mit seinem Sohn Bernard den brillanten Junior im \u201eHahn\u201c vor. Jazz-Pianistin Katie Webster musste von Berti getr\u00f6stet werden, als sie \u00fcber einen der vielen Spr\u00fcche an den W\u00e4nden der K\u00fcnstlergarderobe in Tr\u00e4nen ausbrach: \u201eKatie Webster is crap\u201c (Mist) stand da.<\/p>\n<h5>Als Berti der Arsch auf Grundeis ging<\/h5>\n<p>Harmlos, verglichen mit jenen Momenten, in denen selbst Berti Hahn sprichw\u00f6rtlich der Arsch auf Grundeis ging. Ein Fall nur sei erz\u00e4hlt. Das \u201eKulturinfo\u201c hatte im Dezember 1991 mit Bild auf der Titelseite das Kommen von Gil Scott Heron angek\u00fcndigt, dem Meister des funky-jazzig-souligen Sprechgesangs. Das \u201ealte Hahn\u201c war bis auf den letzten damals noch verqualmten Quadratzentimeter ausverkauft. Da meldet sich am Sp\u00e4tnachmittag vor dem Konzert der Agent: M\u00f6glicherweise finde der Auftritt nicht statt, weil Gil Scott die Gagen-Vorsch\u00fcsse daheim in USA f\u00fcr leibliche Gen\u00fcsse verpulvert habe, jetzt erstmal die Band ihr Geld kriege, der Frontman leer ausgehe und deshalb verschwunden sei.<\/p>\n<p>45 Minuten vor Konzertbeginn, die Band hockt in der Garderobe; vom Chief noch immer kein Spur. Berti schwitzt, f\u00fcrchtet, das Publikum gleich auszahlen zu m\u00fcssen. 30 Minuten vor der Zeit trottet ein ihm unbekannter Farbiger zur B\u00fchne, klimpert auf dem Keyboard herum. Wer ist das, was will der? Das war Gil Scott Heron. Von irgendwoher hatte ihn das Schicksal gn\u00e4dig ausgespuckt. Es wurde ein denkw\u00fcrdiges Konzert \u2013 und zwischendurch tranken Star und Veranstalter zusammen einen Kognak.<\/p>\n<h5>Bassi droht mit einer fetten Wutzerei<\/h5>\n<p>Munter purzeln die Stories aus Bertis Ged\u00e4chtnis. Von Polt und der Bierm\u00f6sl Blosn, die einen \u00f6rtlichen Gro\u00dfverleger auf die Schippe nahmen. Von Marianne Rosenberg, die als Jazzerin vor ein Publikum trat, das gut zur H\u00e4lfte ihrer Schlager wegen gekommen war. Von Big Jay McNeely, der w\u00e4hrend des \u201eHahn\u201c-Konzerts seinen zweiten Saxophonisten feuerte. Vom Extrem-Clown Leo Bassi, der 2003 drohte, das funkelnagelneue \u201eCaf\u00e9 Hahn\u201c richtig zu versauen \u2013 weshalb Berti vorab den B\u00fchnenraum mit Plastikplanen abdecken lie\u00df. War nur ein Scherz von Bassi; aber man wei\u00df ja nie. \u2026.<\/p>\n<p>Ernst wird er vor einem Foto, das die Booze Band zeigt: \u201eGute Freunde, waren eine der hoffnungsvollsten Gruppen unserer Gegend, Hausband im Hahn. Aber drei der vier Musiker sind schon fr\u00fch gestorben. Traurig.\u201c Weshalb ihm der Hinweis wichtig ist, dass es bei der gro\u00dfen Hahn-Geburtstagsfeier von 16. bis 19.6. mit 50 Gruppen auf zwei B\u00fchnen bei freiem Eintritt auch eine Hommage an die Booze Band geben wird.<\/p>\n<p>Bleibt schlussendlich der Gl\u00fcckwunsch ans \u201eHahn\u201c zum 30. \u2013 und an Hahns Berti zum 55.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht (26.05.2011)<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Und noch weiter zur\u00fcck: <a href=\"\/D7\/node\/694\">&gt; Hier mein Artikel zum 25. Geburtstag des Hahn anno 2006<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>(Und noch noch weiter zur\u00fcck: Es gibt auch einen Festartikel zum 20. Geburtstag. Doch konnte ich den leider nirgendwo mehr finden. Sollte irgendjemand den betreffenden Artikel von 2001 elektronisch greifen k\u00f6nnen, w\u00e4re ich f\u00fcr \u00dcbersendung dankbar.)&nbsp; <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein nachfolgender Text wurde im Mai 2011 im mittelrheinischen Magazin &#8222;Kulturinfo&#8220; anl\u00e4sslich des Jubil\u00e4ums &#8222;30 Jahre Koblenzer Caf\u00e9 Hahn&#8220; publiziert. Ich habe ihn &#8211; und einen weiteren, bereits zum 25. Geburtstag 2006 verfassten Artikel (s. Link ganz unten) &#8211; jetzt aus der Versenkung geholt, weil das Hahn am 12. und 13. 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