{"id":741,"date":"2015-05-26T22:00:00","date_gmt":"2015-05-26T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/05\/26\/kultureller-brueckenschlag-zwischen-uni-und-stadt-koblenz\/"},"modified":"2015-05-26T22:00:00","modified_gmt":"2015-05-26T21:00:00","slug":"kultureller-brueckenschlag-zwischen-uni-und-stadt-koblenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/05\/26\/kultureller-brueckenschlag-zwischen-uni-und-stadt-koblenz\/","title":{"rendered":"Kultureller Br\u00fcckenschlag zwischen Uni und Stadt Koblenz"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape. Koblenz.<\/strong><\/em> Als 1990 die Universit\u00e4t Koblenz\/Landau aus der Taufe gehoben wurde, winkte am Rhein-Mosel-Eck mancher Einheimische m\u00fcde ab. Da w\u00fcrden blo\u00df Etiketten ausgewechselt, hie\u00df es. Von \u201eRenommiergehabe\u201d ging die Rede, gar von \u201elokaler Gro\u00dfmannssucht\u201d die unsch\u00f6ne Nachrede. Als die Stadt Koblenz damals sogleich neue Ortsschilder mit dem Zusatz \u201eUniversit\u00e4tsstadt\u201d aufstellte, sahen sich die Skeptiker best\u00e4tigt. Denn die Beschilderung war f\u00fcr eine ganze Weile die einzige \u00e4u\u00dferlich wahrnehmbare Ver\u00e4nderung. Der Koblenzer Uni-Teil blieb vorerst, wo er vorher schon unter dem Namen Erziehungswissenschaftliche Hochschule (EWH) daheim war: auf dem Oberwerth. Auch der T\u00e4tigkeitsschwerpunkt blieb der gleiche: Lehrerausbildung. Und nach wie vor stellte die auf zwei 150 Kilometer voneinander entfernte Standorte (Koblenz\/Landau) gesplittete Bildungseinrichtung mit ihrer Pr\u00e4sidialverwaltung auf halbem Wege in Mainz ein Unikum in der deutschen Hochschullandschaft dar (was noch heute so ist).<\/p>\n<p>Das B\u00fcrgern und Besuchern von Koblenz jedoch auff\u00e4lligste Merkmal f\u00fcrs Ausbleiben eines signifikanten Umbruchs war: Der Jungspund unter den deutschen Universit\u00e4tsst\u00e4dten hatte so gar nichts von der Pr\u00e4gung durch studentisches und akademisches Leben, wie sie den Jahrhunderte \u00e4lteren Geschwistern \u2013 Heidelberg, K\u00f6ln, Leipzig, Mainz \u2026 \u2013 mit ihren je mehreren zehntausend Studenten eigen ist. Zwar waren die vormals allgegenw\u00e4rtigen Soldaten aus dem Stadtbild weitgehend verschwunden, doch konnten Studenten die Leerstellen noch nicht wieder f\u00fcllen. Dazu war schon ihre Zahl \u2013 1990 so um 2000 K\u00f6pfe \u2013 viel zu gering. Diese jedoch wuchs stetig bis auf heute rund 8000 (zusammen mit den FH-Studenten in Koblenz mehr als 12 000). Auswirkungen auf das Stadtleben blieben indes noch lange marginal. Denn mit dem Umzug 2002 vom Oberwerth aufs Gel\u00e4nde einer ehemaligen Kaserne im Stadtteil Metternich bekam die Universit\u00e4t zwar einen teils nagelneuen Campus. Der wirkte aber zugleich wie eine in sich geschlossene Welt jwd vor den Toren der Stadt.<\/p>\n<h5>Damit zusammenwachse, was sich nicht zusammengeh\u00f6rig f\u00fchlt<\/h5>\n<p>Weshalb sich in kommunalen wie universit\u00e4ren Kreisen die Erkenntnis durchsetzte: Man muss gezielt etwas tun, damit zusammenw\u00e4chst, was sich nicht zusammengeh\u00f6rig f\u00fchlt. Im R\u00fcckblick wird erkennbar, welche Dynamik der Ann\u00e4herungsprozess zwischen Uni und Stadt vor allem ums erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts entwickelte. Vorreiter war der 1993 gegr\u00fcndete Freundeskreis der Universit\u00e4t, der mit Kooperationsprojekten wie den juristischen Ringvorlesungen, seit 2011 mit der Lesereihe \u201eKoblenzer Lyrik\u201d und anderen Projekten Br\u00fccken schl\u00e4gt. \u00dcberhaupt erwies sich einmal mehr Kultur als wirkm\u00e4chtiger Schranken\u00f6ffner.<\/p>\n<p>Da halten Professoren samstags w\u00e4hrend der Einkaufszeit an innerst\u00e4dtischen \u00d6rtlichkeiten Volksvortr\u00e4ge \u00fcber Philosophie, Kunst und manches mehr. Da gibt es in Koblenzer Clubs pl\u00f6tzlich Partys und Filmabende f\u00fcr Studenten. 2012 stellen hiesige Studierende erstmals rund um den Florinsmarkt das sparten\u00fcbergreifende Kaleidoskop-Festival auf die Beine. Schon seit 2008 gewinnt das musikalische UNIMUS-Festival eine wachsende Zahl von Freunden. Letzteres sei nachfolgend etwas genauer betrachtet, weil: erstens, mit UNIMUS 2015 der achte Durchgang alsbald ins Haus steht; und zweitens, der Begr\u00fcnder des Festivals, Universit\u00e4tsmusikdirektor Ron-Dirk Entleutner damit zugleich seinen Abschied von Koblenz nimmt.<\/p>\n<p>Als Entleutner, aus Leipzig kommend, 2007 an der Koblenzer Uni sein Amt antrat, stie\u00df er auf eine&nbsp; nicht einfache Situation. Uni-Chor und Uni-Sinfonieorchester hatten sich mehr als ein Jahr ohne hauptamtlichen Leiter selbst \u00fcber Wasser halten m\u00fcssen und dies mit anerkennenswertem&nbsp; Engagement auch getan. Gleichwohl fand er die beiden Klangk\u00f6rper, so der scheidende Musikdirektor im Gespr\u00e4ch, vor diesem Hintergrund erwartbar nicht im besten Zustand vor. Aufbauarbeit war angesagt. Damit einher ging sogleich die Idee, Universit\u00e4tsmusiktage in die Welt zu setzen. \u201eSolch eine Veranstaltung geh\u00f6rt f\u00fcr mich einfach dazu\u201d, sagt Entleutner mit Blick auf Leipzig, wo er auch w\u00e4hrend seiner Koblenzer Zeit in eingeschr\u00e4nktem Umfang weiter an der Musikhochschule lehrte und als Dirigent fungierte.<\/p>\n<p>Das Uni-Musik in Koblenz erlebte rasch einen Aufschwung. Zu gro\u00dfem Chor und Orchester gesellten sich bald Kammerorchester, Vokalensemble, Jazz-Formation und zuletzt eine A-Capella-Gruppe junger M\u00e4nner. 2008 ging erstmals UNIMUS (= K\u00fcrzel f\u00fcr Universit\u00e4tsmusiktage) als mehrt\u00e4giges Festival an den Start. H\u00f6hepunkt war damals die Auff\u00fchrung von Orffs \u201eCarmina Burana\u201d open-air auf dem Campus. Daneben gab es von Anfang an auch Konzerte in Koblenzer Kirchen. Es verband sich also die Suche nach geeigneten R\u00e4umen gerade f\u00fcr Alte Musik\/Kirchenmusik mit dem Wunsch nach engerem Kontakt zwischen Uni und Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<h5>UNIMUS zieht vom Campus ganz in die Innenstadt<\/h5>\n<p>Dennoch, erinnert sich Entleutner, sei UNIMUS in den ersten Jahren \u00fcberwiegend auf den Campus fixiert gewesen. Dies Konzept hat sich nicht bew\u00e4hrt, wie die schw\u00e4chelnde Resonanz im zweiten und dritten Jahr zeigte. Mit der Bundesgartenschau 2011 wurde es dann folgerichtig auch entg\u00fcltig aufgebrochen: Einerseits beteiligten sich Uni-Musiker lebhaft an der BUGA; andererseits erkor UNIMUS den altst\u00e4dtischen Florinsmarkt mitsamt umliegenden Geb\u00e4uden (Florinskirche, ehemaliges Mittelrhein-Museum, Dreik\u00f6nigshaus) zu seiner zentralen Festival-Area. Ebendort geht nun auch von 22. bis 26. Juli UNIMUS 2015 unter der ans Kultursommer-Motto angelehnten Headline \u201eLegenden und Leidenschaften\u201d \u00fcber mehrere B\u00fchnen.<\/p>\n<p>Konzerth\u00f6hepunkte mit gro\u00dfer Besetzung f\u00fcr gro\u00dfes Publikum sind zwei Abende in der Florinskirche: Am 24.7. die Gro\u00dfe Musiknacht, bei der unter dem Titel \u201eOnce upon a time\u201d die diversen Uni-Ensembles H\u00f6hepunkte der vergangenen UNIMUS-Jahrg\u00e4nge zusammenf\u00fcgen. Tags darauf folgt die Auff\u00fchrung von Mendelssohn Bartholdys \u201ePaulus\u201d-Oratorium. Daneben laden die studentischen Musici jedermann\/frau, mit oder ohne musikalischer Vorbildung, zu spannenden Workshops ein. Darunter offene Chor-Kreise; darunter auch Kreativgruppen, die zu stumm geschalteten Kurzfilmen eigene Ger\u00e4uschkulissen und Filmmusiken entwickeln.<\/p>\n<p>Wenn UNIMUS 2015 gelaufen ist, siedelt Ron-Dirk Entleutner aus privaten Gr\u00fcnden nach Leipzig zur\u00fcck. Er habe seine hiesige \u201eMission erf\u00fcllt\u201d, sagt er \u2013 und w\u00fcnscht sich f\u00fcr Koblenz, \u201edass die Stelle des Universit\u00e4tsmusikdirektors rasch wieder besetzt wird, damit die Arbeit weitergeht.\u201d Diesem Wunsch kann man sich nur anschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Koblenz. Als 1990 die Universit\u00e4t Koblenz\/Landau aus der Taufe gehoben wurde, winkte am Rhein-Mosel-Eck mancher Einheimische m\u00fcde ab. Da w\u00fcrden blo\u00df Etiketten ausgewechselt, hie\u00df es. Von \u201eRenommiergehabe\u201d ging die Rede, gar von \u201elokaler Gro\u00dfmannssucht\u201d die unsch\u00f6ne Nachrede. 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