{"id":737,"date":"2015-06-26T22:00:00","date_gmt":"2015-06-26T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/06\/26\/industriedenkmal-sayner-huette-auf-gutem-weg\/"},"modified":"2015-06-26T22:00:00","modified_gmt":"2015-06-26T21:00:00","slug":"industriedenkmal-sayner-huette-auf-gutem-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/06\/26\/industriedenkmal-sayner-huette-auf-gutem-weg\/","title":{"rendered":"Industriedenkmal Sayner H\u00fctte auf gutem Weg"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape. Bendorf-Sayn<\/strong><\/em>. Gut zweieinhalb Jahre ist es her, dass der Autor an dieser Stelle \u00fcber Restaurierungs- und Entwicklungsstand der Sayner H\u00fctte berichtete. Ein jetzt anstehendes gewichtiges Jubil\u00e4um gab Anlass, das Denkmalareal an der Einm\u00fcndung des Saynbachtals ins Rheintal bei Bendorfer-Sayn mal wieder in Augenschein zu nehmen und mit Verantwortlichen zu sprechen. Vor 150 Jahren, anno&nbsp; 1865, kaufte der Essener \u201eStahlbaron\u201d Alfred Krupp die H\u00fctte nebst einigen Erzgruben dem preu\u00dfischen Staat ab. Damit begann nach der kurf\u00fcrstlichen und der preu\u00dfischen deren dritte Bl\u00fctezeit als bedeutende Eisengie\u00dferei in deutschen Landen. Die dauerte bis 1926, dann war Schluss mit Bl\u00fcte.<\/p>\n<p>Das 150er-Jubil\u00e4um wird nun von Ende Juni bis Oktober 2015 angemessen gew\u00fcrdigt. Unter der kooperierenden \u00c4gide von Stiftung Sayner H\u00fctte, Rheinischem Eisenkunstguss-Museum sowie Historischem Archiv der Alfred Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung gibt es auf Schloss Sayn sowie im Denkmalkomplex der H\u00fctte Ausstellungen zum Leitthema \u201eKrupp und Sayn\u201d. Begleitet werden die Pr\u00e4sentationen von einem opulenten Veranstaltungsprogramm aus Vortr\u00e4gen, gef\u00fchrten oder schauspielerisch inszenierten Rundg\u00e4ngen zum Thema&nbsp; sowie einem fest installierten k\u00fcnstlerisch-multimedialen Rundweg durchs H\u00fcttengel\u00e4nde.<\/p>\n<p>Zum Zeitpunkt unserer letzten Besichtigung der Sayner H\u00fctte im Winter 2012 war gerade bekannt worden, dass die Landesregierung sich entschieden hatte, bei der Kultusministerkonferenz die Aufnahme der H\u00fctte in die deutsche Vorschlagsliste f\u00fcr neue Unesco-Welterbest\u00e4tten zu beantragen. Dieser Vorsto\u00df hatte seinerzeit landesweit wie auch im n\u00e4heren Umfeld einiges Erstaunen hervorgerufen. Denn das Industriedenkmal war bis dahin ausw\u00e4rts nahezu unbekannt. Auch bei der Bev\u00f6lkerung am Ort selbst hielt sich die Wertsch\u00e4tzung in Grenzen, denn das Gel\u00e4nde hatte schwierige Jahrzehnte wechselnder Teilnutzung, Leerst\u00e4nde, Brache, Verfall hinter sich.<\/p>\n<p>Der Vorsto\u00df in Richtung Unesco-Welterbe blieb schon auf nationaler Ebene stecken, der rheinland-pf\u00e4lzische Antrag wurde abgelehnt. Die Sache sei damit allerdings nicht erledigt, hei\u00dft es in Mainz. Sie liege nur bis auf Weiteres auf Eis. Weiteres? Dar\u00fcber spreche ich beim aktuellen Ortstermin mit Werner Pr\u00fcmm und Rehlinde Gl\u00f6ckner, die heute gemeinsam als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Stiftung Sayner H\u00fctte fungieren. In dieser Stiftung haben sich das Land Rheinland-Pfalz, der Kreis Mayen-Koblenz und die Stadt Bendorf im Sommer 2012 zusammengetan, um gemeinsam \u201ef\u00fcr Erhalt, Pflege und Weiterentwicklung der historischen Eisengie\u00dferei einzutreten\u201d.<\/p>\n<p>Vierter und keineswegs nachrangiger H\u00fctten-F\u00f6rderer ist der \u201eFreundeskreis Sayner H\u00fctte\u201d, ein bereits 2003 gegr\u00fcndeter Verein mit inzwischen 300 Mitgliedern. Nicht zuletzt dessen Aktrivit\u00e4t ist es zu verdanken, dass der Prozess zu Erhalt und Aufwertung des Industriedenkmals Anfang des 21. Jahrhunderts \u00fcberhaupt in Gang kam. Der Verein wirkt nicht nur als Lobbygruppe im Interesse dieses Kulturerbes, sondern tr\u00e4gt Jahr um Jahr auch mit unz\u00e4hlige ehrenamtliche Arbeitsstunden zum Gelingen des Projektes bei. \u201eOhne dieses Engagement ginge es gar nicht\u201d, meint Rehlinde Gl\u00f6ckner. &nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs verdichtet sich meine fr\u00fchere Einsch\u00e4tzung, wonach der Eintritt ins Unesco-Welterbeverfahren zu \u00fcberst\u00fcrzt betrieben worden war. Wer noch das Verfahren ums Welterbe Oberes Mittelrheintal erinnert, wei\u00df: Dort dauerte es viele Jahre bis die Antragsgrundlage hinreichend abgesichert war mit wissenschaftlichen Studien zu Geschichte und Gegenwart von Bauten-, Natur-, Wirtschafts- und Kulturlandschaft, mit infrastrukturellen, denkmalpflegerischen, touristischen und anderen Entwicklungskonzepten.<\/p>\n<p>Als 2012 der Antragsvorsto\u00df f\u00fcr die Sayner H\u00fctte erfolgte, war die Stiftung noch gar nicht gegr\u00fcndet, steckten die Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten noch ebenso im Anfangsstadium wie die Systematisierung der Forschungsergebnisse zur Bedeutung der Sayner H\u00fctte als bau-, wirtschafts und sozialhistorisches Zeitzeugnis. Dennoch habe, so Pr\u00fcmm, \u201ebereits der Antrag und die Diskussion dar\u00fcber einen Wandel im Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung bewirkt. Da die Fachleute hier ein Industriedenkmal von hohem Rang, ja von Weltgeltung sehen, wachsen im Ort Interesse und Wertsch\u00e4tzung daran, und auch der Stolz, so etwas zu haben.\u201d<\/p>\n<p>Es hat sich seit 2012 auf dem Gel\u00e4nde enorm viel getan. Die&nbsp; j\u00fcngste Sanierungsphase des zentralen Denkmalteils, der Gie\u00dfhalle, ist abgeschlossen. Die inzwischen weithin bekannte dreischiffige Frontfassade aus kunstvoll gestalteten Gusss\u00e4ulen, -rahmungen und Sprossenfensterfl\u00e4chen ist umfassend erneuert, neu verglast und frisch herausgeputzt. Im Innern wurde das gesamte gusseiserne S\u00e4ulen- und Tr\u00e4gersystem der Halle repariert, restauriert, teilerneuert. Dies war eine der wichtigsten Arbeiten, denn eben dieses System gilt als historisch erste Hallenkonstruktion aus vorgefertigten Gussteilen in Europa und ist damit Kern des Denkmalkomplexes Sayner H\u00fctte. In die Halle wurde ein Boden aus besonderem Asphalt gegossen, der in seiner Farbgebung und grobporig belassenen Oberfl\u00e4che an den urspr\u00fcnglichen Belag aus Stampflehm, Steinen und Sand erinnert.<\/p>\n<p>Zusammen mit den jetzt ebenfalls fertigen modernen elektrischen Vielseitigkeitsinstallationen ist die Halle damit f\u00fcr eine Nutzung als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum fertig. Und nun Trubel im Denkmal? Pr\u00fcmm und Gl\u00f6ckner wehren ab. Es werde nur einen auf spezielle, dem Ort angemessene Veranstaltungen eingeschr\u00e4nkten Betrieb geben. Zudem beginnt schon 2016 der n\u00e4chste Bauabschnitt am kopfseitigen Herzst\u00fcck der Gie\u00dfhalle: denkmalgerechter R\u00fcckbau des heute als Treppenhaus genutzten ehemaligen Hochofens, erg\u00e4nzt um eine Wasserradinszenierung \u2013 sodass ab etwa Ende 2017 Besucher die einstige Funktionsweise der Gie\u00dfhalle in G\u00e4nze nachempfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bereits im vergangenen Jahr wurde die benachbarte Krupp&#8217;sche Halle f\u00fcr erste Veranstaltungen in der Sayner H\u00fctte genutzt. In diesem Jahr folgte dort das Er\u00f6ffnungskonzert des Mittelrhein Musikfestivals mit Mussorgkis \u201eBilder einer Ausstellung\u201d nebst Kunstperformance und einer Ausstellung von Herbert-Piel-Fotos aus 15 Festivaljahren. Allerdings befindet sich die Krupp-Halle noch im Vor-Sanierungs-Stadium. Das wird nun im Sp\u00e4tsommer 2015 beendet. Dann ist Arbeitsbeginn f\u00fcr den denkmalgerechten R\u00fcckbau des Geb\u00e4udes in Richtung Ursprungsstilistik und zugleich Ausgestaltung als dauerhaftes Besucherzentrum und Veranstaltungsraum. Wenn 2016 die Bauarbeiten am Hochofen der Gie\u00dfhalle beginnen, soll die Umgestaltung der Krupp&#8217;schen Halle m\u00f6glichst abgeschlossen sein. &nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr den k\u00fcnftigen Besucher- und Nutzungsbetrieb des Industriedenkmals Sayner H\u00fctte ist das Jubil\u00e4um 2015 auch eine praktische Nagelprobe. Denn erstmals wird das Gel\u00e4nde mit der Ausstellung \u201eKrupp und Sayn\u201d dauerhaft bespielt, t\u00e4glich von 11 bis 17 Uhr f\u00fcrs allgemeine Publikum ge\u00f6ffnet sein. Und bis 2017 oder 2018 k\u00f6nnte das Projekt dann eine Reife erreicht haben, mit der man guten Gewissens einen neuerlichen Vorsto\u00df in Richtung Unesco-Welterbe ins Auge fassen darf.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Bendorf-Sayn. Gut zweieinhalb Jahre ist es her, dass der Autor an dieser Stelle \u00fcber Restaurierungs- und Entwicklungsstand der Sayner H\u00fctte berichtete. Ein jetzt anstehendes gewichtiges Jubil\u00e4um gab Anlass, das Denkmalareal an der Einm\u00fcndung des Saynbachtals ins Rheintal bei Bendorfer-Sayn mal wieder in Augenschein zu nehmen und mit Verantwortlichen zu sprechen. 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