{"id":734,"date":"2015-07-18T22:00:00","date_gmt":"2015-07-18T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/07\/18\/ein-abend-ueber-felix-mendelssohn-und-fanny-hensel\/"},"modified":"2015-07-18T22:00:00","modified_gmt":"2015-07-18T21:00:00","slug":"ein-abend-ueber-felix-mendelssohn-und-fanny-hensel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/07\/18\/ein-abend-ueber-felix-mendelssohn-und-fanny-hensel\/","title":{"rendered":"Ein Abend \u00fcber Felix Mendelssohn und Fanny Hensel"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape. Bingen.<\/strong><\/em> \u201ePreu\u00dfen am Rhein\u201d war die Veranstaltung am Wochenende in der Villa Sachsen zu Bingen betitelt. Ein etwas bem\u00fchter Bezug zum diesj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um 200 Jahre preu\u00dfische Rheinprovinz. Denn es ging bei diesem ansonsten wundervollen Abend nicht um Freud oder Leid berlinischer Herrschaft \u00fcber das Rheinland von Kleve bis Bingen, sondern um die Geschwisterbeziehung zwischen Felix Mendelssohn Bartholdy und der vier Jahre \u00e4lteren Fanny, verheiratete Hensel.<\/p>\n<p>Zwar weist SWR2-Redakteur Thomas Koch \u2013 Ideengeber und Arrangeur dieses Multigenre-Events im Rahmen des Festivals RheinVokal \u2013 zu Beginn auf Aufenthalte der Mendelssohns in ihrem Koblenzer Weingut hin. Doch ist damit der Pflicht zum Regionalbezug Gen\u00fcge getan. Im Weiteren verortet Peter H\u00e4rtling mit Passagen aus seinem Roman \u201eLiebste Fenchel\u201d das Geschehen in und ums Berliner Elternhaus der hochbegabten Geschwister. Der 82-j\u00e4hrige sitzt am Rande einer B\u00fchnenfl\u00e4che, deren Gro\u00dfteil belegt wird vom auf f\u00fcnf K\u00f6pfe verst\u00e4rkten Signum Streichquartett sowie einem Fl\u00fcgel, an dem Susanne Lang die Sopranistin Jasmin H\u00f6rner begleitet.<\/p>\n<p>H\u00e4rtling lauscht aufmerksam den wechselnden Musikvortr\u00e4gen: mal Instrumentales von Felix wie die Sinfonia c-Moll und das Streichquintett Nr. 2, mal Gedichtvertonungen Fannys. Wenn er selbst dran ist, wird der Schriftsteller zum schier magisch anziehenden Zentrum des Saales. Hellwach und bisweilen den Schalk im Auge, erz\u00e4hlt er mit leiser, knorriger Stimme voller W\u00e4rme, ja Liebe f\u00fcr das Mendelssohn&#8217;sche Geschwisterpaar. Vom Werden der beiden im gro\u00dfb\u00fcrgerlichen, weltl\u00e4ufigen, kunstsinnigen j\u00fcdischen Familiendomizil. Von deren Konkurrenz untereinander bei fast symbiotischer Beziehung zueinander. Von ihrer Hingabe an die Musik. Von beider allzu fr\u00fchem Vergehen \u2013 im Mai 1847 starb Fanny mit 41 Jahren, sechs Monate darauf folgte ihr der 38-j\u00e4hrige Bruder.<\/p>\n<p>Eine Rarit\u00e4t kommt zu Geh\u00f6r: \u201eLied zum Geburtstag meines lieben Vaters\u201d, komponiert von der 15-j\u00e4hrigen Fanny, nie verlegt, in Bingen nun auf Basis der Urschrift realisiert. Und wie die junge, h\u00fcbsche Jasmin H\u00f6rner in strahlendem Rosenkleid und um den Kopf gewundenem Flechtzopf mit sehr kr\u00e4ftigem, den kleinen Saal schier \u00fcberf\u00fcllendem Sopran dies St\u00fcckchen singt, wird sie zum Sinnbild f\u00fcr Fanny: starkes, kluges M\u00e4dchen, dann selbstbewusste Frau, lebensfrohe Zeitgenossin, Musikerin von Rang \u2013 die indes damit hadert, dass die Sitten damaliger Zeit und des Mendelssohn-Clans ihr ein \u00f6ffentliches Leben als Pianistin und Komponistin verwehren.<\/p>\n<p>Felix darf mit Hauslehrer Zelter Goethe in Weimar besuchen. Sie muss daheim bleiben. Immerhin l\u00e4sst der Geheimrat ein f\u00fcr sie verfasstes Gedicht \u00fcbermitteln, das Fanny zum Lied vertont. Nachher bereist Felix Europa, wird mit eigenen Werken zum Star; zurecht wie das Signum-Ensemble in Bingen mit versiertem Verve belegt. Fanny muss, obgleich kaum minder talentiert, sich mit Privatkonzerten im Gartensaal der Familienvilla bescheiden und ist dem Maler Wilhelm Hensel eine gute Ehefrau.<\/p>\n<p>Von dem allem erz\u00e4hlt H\u00e4rtling, singen Fannys Lieder nach Versen von Goethe, Eichendorf, Heine und anderen. Davon und von einer unverbr\u00fcchlichen Geschwisterliebe k\u00fcndet ebenso der Hunderte Schreiben umfassende Briefwechsel zwischen Felix und Fanny, aus dem Birgitta Assheuer in situativ trefflichem Ton zitiert. Roman, Gedichte, Briefe, Kompositionen beider: Der Abend atmet den Geist eines Gesamtkunstwerkes romantischer Art \u2013 und macht seinen irrigen Titel \u201ePreu\u00dfen am Rhein\u201d rasch vergessen.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Bingen. \u201ePreu\u00dfen am Rhein\u201d war die Veranstaltung am Wochenende in der Villa Sachsen zu Bingen betitelt. Ein etwas bem\u00fchter Bezug zum diesj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um 200 Jahre preu\u00dfische Rheinprovinz. 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