{"id":733,"date":"2015-07-26T22:00:00","date_gmt":"2015-07-26T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/07\/26\/neue-abenteuer-auf-der-koblenzer-buehne\/"},"modified":"2015-07-26T22:00:00","modified_gmt":"2015-07-26T21:00:00","slug":"neue-abenteuer-auf-der-koblenzer-buehne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/07\/26\/neue-abenteuer-auf-der-koblenzer-buehne\/","title":{"rendered":"Neue Abenteuer auf der Koblenzer B\u00fchne"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape. Koblenz.<\/strong><\/em> Es vergoss der Autor beim Schreiben dieses Artikels ebenso viel Schwei\u00df wie das Publikum am letzten Premierenabend des Theaters Koblenz f\u00fcr die Spielzeit 2014\/15. Dazu war, wie schon in den Vorjahren, ein Apparat aus Schauspielern, S\u00e4ngern, T\u00e4nzern, Orchestermusikern mitsamt B\u00fchnentechnikern unter der \u00c4gide des regief\u00fchrenden Intendanten Markus Dietze aus dem Stammhaus umgezogen auf die Festung Ehrenbreitstein. Zum Ausklang des bis dahin hei\u00dfesten Tags des Jahres boten sie Andrew Lloyd Webbers Musicalhit \u201eCats\u201d. Im Unterschied zu vielen anderen Inszenierungen andernorts war Koblenz von den Rechteinhabern die Pflicht auferlegt worden, von s\u00e4mtlichen Vorgaben der urheberischen Musterinszenierung abzuweichen. Operation gelungen, Patient in allerbester Neuverfassung: So res\u00fcmierte in der Rhein-Zeitung sinngem\u00e4\u00df Kollege Michael Defrancesco, passionierter Musicalfreund ein halbes Leben lang.<\/p>\n<p>\u201eCats\u201d darf als an Pulikumszuspruch reiches Popul\u00e4r-Finale einer Koblenzer Spielzeit gelten, f\u00fcr die auch in anderen F\u00e4chern auf den Hausb\u00fchnen am Deinhardtplatz manch bemerkenswerter Beitrag zu notieren ist. Zu meinen Favoriten als Schauspiel- und Ballettkritiker z\u00e4hlte bei den Hauptproduktionen in der Tanzsparte Steffen Fuchs&#8216;&nbsp; Adaption des D\u00fcrrenmatt-Klassikers \u201eBesuch der alten Dame\u201d. Im Sprechtheater bleiben \u2013 wie im Jahr zuvor Goethes \u201eFaust I\u201d und Kleists \u201eDer zerbrochene Krug\u201d \u2013&nbsp; von der letzten Saison Schillers \u201eDon Carlos\u201d und Brechts \u201eHeilige Johanna der Schlachth\u00f6fe\u201d wegen ihrer spannend-innovativen Inszenierungsans\u00e4tze und deren schauspielerisch teils hochkar\u00e4tigen Umsetzungen in guter Erinnerung. F\u00fcrs Opernfach benennt Kritikerkollege Claus Ambrosius als seine Saison-Favoriten die musikalisch und szenisch herausragende \u201eTosca\u201d sowie die sehr klug inszenierte und famos besetzte Saint-Sa\u00ebns-Oper \u201eSamson et Dalila\u201d.<\/p>\n<p>Nach Auskunft des Theaters waren die Publikumsrenner unter den Neuproduktionen der vergangenen Saison: das Musical \u201eOliver!\u201d nach Charles Dickens \u201eOliver Twist\u201d; das Opernmelodram \u201eTosca\u201d von Puccini; Shaekespeares Kom\u00f6die \u201eViel L\u00e4rm um nichts\u201d; Schillers \u201eDon Carlos\u201d; und erstaunlicherweise die moderne \u201eEmilia Galotti\u201d von Marijn Simon, die erste und im Auftrag des Theaters Koblenz entstandene Opernadaption von Lessings gleichnamigem Schauspiel. Was die Besucherzahlen generell angeht, so setzte sich die erfreuliche Anstiegstendenz des F\u00fcnfjahres-Mittels fort, auch wenn heuer das Spitzenniveau der \u00dcberfliegersaison 2013\/14&nbsp; knapp verfehlt wurde.<\/p>\n<p>Es gilt am Ende dieser Spielzeit, was am Ende jeder Spielzeit gilt: \u201eWir sehn betroffen: Den Vorhang zu und alle Fragen offen.\u201d (Bert Brecht) Denn es ist nicht Aufgabe des Theaters, die gro\u00dfen Lebensfragen final zu beantworten. Vielmehr stellt es immer neue Fragen an jeden Einzelnen, an uns alle und unsere Lebensweise. Es streut Zweifel, nagt an scheinbar unverbr\u00fcchlichen Gewissheiten \u2013 und spricht Mut zu, die Sache der Menschen und des Menschlichen mit Herz und Hirn \u00fcber den engen Horizont banaler Kosten-Nutzen-Rechnung und scheinbarer Alternativlosigkeit hinaus zu denken. Folglich richtet sich einmal mehr neugierige Erwartung auf das, was die kommende Spielzeit bringt.<\/p>\n<p>Da w\u00e4ren zuerst Wiederaufnahmen teils zum Dauerbrenner gewordener Inszenierungen. Mozarts \u201eZauberfl\u00f6te\u201d erlebt in der Inszenierung von Cordula D\u00e4uper bereits ihr f\u00fcnftes Jahr. Das Ballett bringt noch einmal seinen sch\u00f6nen, Uwe Scholz gewidmeten Abend \u201eTausend Gr\u00fcsse\u201d auf die B\u00fchne. Mit David Mamets Schauspiel \u201eDie Anarchistin\u201d geht eine viel beachtete Koblenzer Kleinproduktion in ihr drittes Jahr. Auch \u201eFaust I\u201d wird 2015\/16 die dritte Saison in Folge aufgef\u00fchrt. Diesmal muss der bekannte Teil dem unbekannteren R\u00fcckdeckung geben, von dem nicht wenige Theatermacher glauben, es sei unspielbar: Goethes \u201eFaust II\u201d. Ich war dabei als vor fast 25 Jahren der damalige Frankfurter Ballettchef William Forsythe bei der dortigen Premiere des von seiner Compagnie und dem Schauspiel gemeinsam produzierten zweiten Teils der Welttrag\u00f6die verzweifelt von der B\u00fchne schrie: \u201eWir verstehen es nicht! Wir verstehen es einfach nicht mehr!\u201d Koblenz wagt es mit Christian Schl\u00fcter am Regiepult dennoch.<\/p>\n<p>Im Schauspiel folgt Georg B\u00fcchners \u201eLeonce und Lena\u201d, jenes Lustspiel, das zu seiner Zeit eine gef\u00e4hrliche F\u00fcrstensatire war, \u00fcber den tr\u00e4gen Prinzen von Popo und die quirlige Prinzessin von Pipi. Sp\u00e4ter gibt es die hierzulande weitgehend unbekannte, 2007 uraufgef\u00fchrte Tragikom\u00f6die \u201eEine Familie (August: Osage County)\u201d, in der es \u00e4hnlich \u201efamili\u00e4r\u201d zugeht wie ehedem auf der B\u00fchne und im Kino bei der \u201eKatze auf dem hei\u00dfen Blechdach\u201d oder j\u00fcngst ebenda bei \u201eDas Fest\u201d. Von da ist der Zeitsprung um mehr als 2000 Jahre in die Griechen-Antike zwar gewaltig, aber die in \u201eTroerinnen\/Orestie\u201d aufgeworfenen Probleme sind so fern auch wieder nicht. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr \u201eVolpone\u201d, jene Kom\u00f6die aus dem Jahr 1606, in der Gierh\u00e4lse im Streit um das Erbe eines Gierhalses einander an den Hals gehen.<\/p>\n<p>In der Tanzsparte entstehen mit \u201eDie 28 Jahreszeiten\u201d und \u201eMozart. Una Fantasia\u201d zwei neue Choreografien von Steffen Fuchs. Die Opernsparte er\u00f6ffnet am 19.9. mit Beethovens \u201eFidelio\u201d die Spielzeit, reicht im Februar Donizettis erw\u00e4rmenden \u201eLiebestrank\u201d. Nachher nimmt sie mit der Brecht\/Weill-Oper \u201eAufstieg und Fall der Stadt Mahagonny\u201d die Mechanismen des Kapitalismus ins Visier, und beschlie\u00dft im Mai mit Andr\u00e9 Previns 1998 entstandenem Werk \u201eA streetcar named Desire\u201d die Haussaison. Klassik, klassische Moderne, Moderne: das hiesige Publikum ist reif f\u00fcr eine Programmmischung jenseits gef\u00e4lliger Evergreen-Pflege. Dazu kommen Kindertheater und Puppentheater und anspruchsvolle Kleinproduktionen und&#8230;. In der Abteilung \u201eleichte Muse\u201d, sprich: Musical, ziehen im Winter die K\u00e4tzchen von der Festung zur\u00fcck ins warme Theaterhaus und wechseln sich dort ab mit \u201eMy Fair Lady\u201d \u2013 bevor im n\u00e4chsten Sommer \u201eJesus Christ Superstar\u201d auf dem Ehrenbreitstein gespielt wird. Kurzum: Wir freuen uns ganz doll auf die neue Spielzeit.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Koblenz. Es vergoss der Autor beim Schreiben dieses Artikels ebenso viel Schwei\u00df wie das Publikum am letzten Premierenabend des Theaters Koblenz f\u00fcr die Spielzeit 2014\/15. 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