{"id":722,"date":"2015-10-05T22:00:00","date_gmt":"2015-10-05T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/10\/05\/weltenwanderer-zwischen-klassik-und-moderne\/"},"modified":"2015-10-05T22:00:00","modified_gmt":"2015-10-05T21:00:00","slug":"weltenwanderer-zwischen-klassik-und-moderne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/10\/05\/weltenwanderer-zwischen-klassik-und-moderne\/","title":{"rendered":"\u201eWeltenwanderer\u201d zwischen Klassik und Moderne"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape. Wiesbaden.<\/strong><\/em> Der Befund wird nun unvermeidlich: Das 2014 gemeinsam von den Staatstheatern Wiesbaden und Darmstadt gegr\u00fcndete Hessische Staatsballett ist derzeit die t\u00e4nzerisch beste Compagnie im weiten Umfeld. Der Abstand zu den Mainzer Kollegen ist nicht gro\u00df, aber unverkennbar. Man muss schon zum Stuttgarter Ballett oder zu Martin Schl\u00e4pfers Truppe nach D\u00fcsseldorf fahren, um auf noch Besseres zu treffen. Dies unterstrichen die Hessen jetzt in Wiesbaden mit dem ersten Ballettabend der neuen Spielzeit.<\/p>\n<p>Unter den Titel \u201eWeltenwanderer\u201d sind drei Arbeiten von drei Gastchoreografen gepackt, allesamt&nbsp; auf der Zunge zergehende Pralinen der&nbsp; Tanzkunst. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich weder auf Handlungsballett kaprizieren, noch mit Verbildlichung tats\u00e4chlich oder vermeintlich tief sch\u00fcrfender Philosophiererei abm\u00fchen. Alle drei Choreografien setzen auf eine F\u00fclle miteinander verbundener Miniaturen, deren Gegenstand der Tanz selbst und die Begegnung von Menschen im Tanz ist.<\/p>\n<p>Das Faszinosum und die Hochkar\u00e4tigkeit der Umsetzung r\u00fchren von unglaublich dynamischen, dichten, ansatzlosen, deshalb buchst\u00e4blich str\u00f6menden und auf den Punkt pr\u00e4zisen Figurenfolgen. Auch in der kleinsten Bewegung stecken Energie, Dynamik, Ausdruck und Seele \u2013 egal wie schnell das \u00fcber die weite B\u00fchne wirbelt oder wie langsam es Raum und Gegen\u00fcber ertastet. Noch die komplexesten Formationen wirken unangestrengt, noch die schwierigsten Solomomente sind von scheinbar selbstverst\u00e4ndlicher Leichtigkeit.<\/p>\n<p>Auf solch starker Basis handwerklichen K\u00f6nnens l\u00e4sst sich k\u00fcnstlerisch wunderbar arbeiten. Itzik Galili tut das mit seiner Choreografie \u201eA Walk Above\u201d, die zu Musik von H\u00e4ndel und Mozart bis Satie und Arvo P\u00e4rt Elemente seiner \u00e4lteren Arbeiten zu einem Erinnerungst\u00fcck verwebt. Anfangs&nbsp; tanzt ein Mann (Tatsuki Takada) einsam sinnend durch ein akurat ausgerichtetes Blumenmeer, trifft dann auf eine Frau (Ezra Houben), der er einen Strau\u00df pfl\u00fcckt. Am Ende st\u00fcrzt ein wildw\u00fcchsiger Schwarm Blumen vom B\u00fchnenhimmel; nun ist es die Frau, die sinnend umherzieht. Zwischen beiden Szenen Leben; T\u00e4nzerleben, Menschenleben in aller Herrlichkeit wie Zerbrechlichkeit.<\/p>\n<p>Es folgt \u201eSSSS&#8230;\u201d, ein St\u00fcck von Edward Clug. Im Hintergrund ein Fl\u00fcgel, auf dem Lynn Kao jetzt Nocturnes von Chopin spielt, w\u00e4hrend sie bei den beiden anderen Teilen das Staatsorchester des Hauses dirigiert. Vor dem Fl\u00fcgel eine mehrreihige Batterie Klavierhocker, in der sich die T\u00e4nzer niedergelassen haben. Schiere Probenatmosph\u00e4re: Mal tritt dieser oder jene vor, trifft auf jenen oder diese, um klassische Ballettelemente zu \u00fcben. Man konkurriert, kappelt sich, flirtet oder piesackt einander \u2013 was st\u00e4ndiges Entgleiten, Zusammenbrechen, Mutieren des \u00fcberkommenen Bewegungsrepertoires zur Folge hat. Und offenen Mundes bestaunen wir ein Feuerwerk der in quirligem Flu\u00df und humorig auseinander herauswachsenden Bewegungen, Figuren, Bilder unterschiedlichster Stile.<\/p>\n<p>Den Abend beschlie\u00dft \u201eSuite Suite Suite\u201d von Marco Goecke, j\u00fcngst zum Choreografen des Jahres gew\u00e4hlt. Musikgrundlage ist bei ihm die Orchestersuite Nr. 4 von Johann Sebastian Bach. Und tats\u00e4chlich greift der Tanz hier immer wieder auf seine eigene Geschicht in der Bach-Zeit zur\u00fcck, auf Hofgesellschaften, die sich mit geziertem und geziemendem Posieren in Bourree, Menuett, Gavotte ergingen. Die historischen Tanzvorbilder sind in Wiesbaden gerade noch erkennbar, werden aber sogleich auf die Schippe genommen, zerpfl\u00fcckt, transformiert \u2013 auf immer neue Ebenen gegenw\u00e4rtiger Ballettvirtuosit\u00e4t gehoben.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br \/>\n<em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Wiesbaden. Der Befund wird nun unvermeidlich: Das 2014 gemeinsam von den Staatstheatern Wiesbaden und Darmstadt gegr\u00fcndete Hessische Staatsballett ist derzeit die t\u00e4nzerisch beste Compagnie im weiten Umfeld. Der Abstand zu den Mainzer Kollegen ist nicht gro\u00df, aber unverkennbar. Man muss schon zum Stuttgarter Ballett oder zu Martin Schl\u00e4pfers Truppe nach D\u00fcsseldorf fahren, um auf [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[9],"archiv":[100],"archiv_inhaltlich":[262,268],"class_list":["post-722","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","tag-freier-lesetext","archiv-2015-10","archiv_inhaltlich-kunstsparten","archiv_inhaltlich-tanz-ballett"],"acf":{"bild":"","anhang":""},"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/722","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=722"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/722\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=722"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=722"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=722"},{"taxonomy":"archiv","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv?post=722"},{"taxonomy":"archiv_inhaltlich","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv_inhaltlich?post=722"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}