{"id":719,"date":"2015-10-04T22:00:00","date_gmt":"2015-10-04T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/10\/04\/fluechtlinge-werden-das-land-veraendern\/"},"modified":"2015-10-04T22:00:00","modified_gmt":"2015-10-04T21:00:00","slug":"fluechtlinge-werden-das-land-veraendern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/10\/04\/fluechtlinge-werden-das-land-veraendern\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlinge werden das Land ver\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape. <\/strong><\/em>Dass die Aufnahme und Versorgung, die teils vor\u00fcbergehende Unterbringung, teils dauerhafte Integration etlicher Hunderttausend Fl\u00fcchtlinge und Migranten ein Kinderspiel sein w\u00fcrde, hat nie jemand behauptet und durfte keiner erwarten. Gleiches gilt f\u00fcr die Frage, ob der Zuzug einer gro\u00dfen Zahl von Menschen aus anderen L\u00e4ndern und Kulturkreisen unsere Gesellschaft weiter ver\u00e4ndern w\u00fcrde. Die Antwort liegt auf der Hand: Ja. V\u00f6llig offen ist derzeit allerdings, welches Ausma\u00df diese Ver\u00e4nderung annehmen wird und ob sie Deutschland eher nutzt oder schadet. Der Blick in die Geschichte k\u00f6nnte Anlass f\u00fcr etwas mehr Optimismus sein: Migrationsbewegungen haben auf lange Sicht den Einwanderungsl\u00e4ndern stets genutzt, den Auswanderungsl\u00e4ndern eher geschadet.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nF\u00fcr die derzeit verst\u00e4ndlicherweise intensiv und heftig, bisweilen auch abstrus \u00fcberschie\u00dfend gef\u00fchrte Fl\u00fcchtlingsdiskussion in Deutschland k\u00f6nnte ein Blick auf die tats\u00e4chlichen Dimensionen hilfreich sein. Wor\u00fcber reden wir eigentlich? 81 Millionen Deutsche m\u00fcssen die Vergr\u00f6\u00dferung der Bev\u00f6lkerung ihres Landes um 0,9 bis 1,3 Prozent verkraften. Zum Vergleich: Im kleinen, schwachen Libanon kommen auf 4,5 Millionen Einwohner bis zu zwei Millionen Fl\u00fcchtlinge, also 40 plus X Prozent. In Europa m\u00fcssen ein, zwei oder drei Millionen Fl\u00fcchtlinge\/Migranten \u2013 \u00fcberwiegend junge Erwachsene und Kinder \u2013 auf 510 Millionen EU-B\u00fcrger verteilt werden. Das w\u00e4re ein Bev\u00f6lkerungszuwachs von 0,2 bis 0,6 Prozent. Und das alles in einem Land und auf einem Kontinent, die sich seit gut zwei Jahrzehnten vor allem um drohende Vergreisung ihrer Gesellschaften, gar das absehbare Aussterben ihrer Bev\u00f6lkerung sorgen.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nDaraus l\u00e4sst sich schlie\u00dfen: Nicht, dass so &#8222;viele&#8220; Menschen kommen, ist das Problem; wir h\u00e4tten sie alsbald ohnehin einladen m\u00fcssen, um dem demographischen Wandel Paroli zu bieten. Nur dass sie jetzt in so kurzer Zeit kommen und auf schlecht bis gar nicht vorbereitete Aufnahmel\u00e4nder treffen, wirft viele kleine und einige gro\u00dfe Probleme auf. Das ist ein Grund, ebenfalls innerhalb kurzer Zeit besondere Anstrengungen zu unternehmen, aber kein Grund in Hysterie zu verfallen \u2013 oder diese, wie es derzeit leider vielfach geschieht, aus offenem oder klammheimlichem Kalk\u00fcl politischer und\/oder fremdenfeindlicher Natur gezielt anzufachen.<\/p>\n<p>Nun gibt es derzeit viele in Deutschland die nichts gegen Hilfe f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge haben, aber auf eine langsamere, zahlenm\u00e4\u00dfig ma\u00dfvollere Zuwanderung bestehen. Zur \u201egesteuerten Einwanderung\u201d&nbsp; h\u00e4tte man sich indes vor 30 Jahren durchringen sollen. Stattdessen herrschte weltfremdes Beharren auf \u201emir san mir&#8220; und sind drei mit ohnehin nutzlosem Abschottungsgewurschtel vergeudete Jahrzehnte zu bilanzieren. Jetzt, da die Weiterentwicklung der Globalisierung nach ungebremstem Kapital- und Warenverkehr notgedrungen auch den ungebremsten Menschenverkehr mit sich bringt, kommt angesichts losgebrochener V\u00f6lkerwanderungen der Ruf nach gez\u00e4hmter, ma\u00dfvoller, sich nur Schritt um Schritt vollziehender Einwanderung schlicht und ergreifend zu sp\u00e4t. W\u00fcnschen kann man sich das, doch mit machbarer Realpolitik hat das leider nur noch herzlich wenig zu tun.<\/p>\n<p>Es war\/ist eine str\u00e4fliche Illusion, im reichen Teil der Erde zu erwarten, man k\u00f6nne \u00fcber Generationen den \u00e4rmeren Teil ausquetschen, dessen angestammte Gesellschaftsstrukturen und Produktionsweisen brachial umkrempeln oder zerst\u00f6ren, ohne dass dies eines Tages auch andere Folgen zeitigen w\u00fcrde als blo\u00df den best\u00e4ndigen Reichtums-Transfer von S\u00fcd nach Nord. &#8222;Eines Tages&#8220; hat soeben begonnen \u2013 ob uns das gef\u00e4llt oder nicht. Wenn wir diese Herausforderung aber gescheit, human und weltoffen annehmen, k\u00f6nnte es vielleicht gelingen, dass der Ver\u00e4nderungsdruck auf die hiesige Gesellschaft deutlich weniger unbarmherzig ausf\u00e4llt als derjenige, den die L\u00e4nder der Ersten\/Zweiten Welt zuvor auf die Menschen und Gesellschaften der Dritten\/Vierten Welt ausge\u00fcbt haben und noch immer aus\u00fcben.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br \/>\n<em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Dass die Aufnahme und Versorgung, die teils vor\u00fcbergehende Unterbringung, teils dauerhafte Integration etlicher Hunderttausend Fl\u00fcchtlinge und Migranten ein Kinderspiel sein w\u00fcrde, hat nie jemand behauptet und durfte keiner erwarten. 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