{"id":717,"date":"2015-11-08T23:00:00","date_gmt":"2015-11-08T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/11\/08\/perfektion-bei-schubert-fremdeln-bei-holst\/"},"modified":"2015-11-08T23:00:00","modified_gmt":"2015-11-08T22:00:00","slug":"perfektion-bei-schubert-fremdeln-bei-holst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/11\/08\/perfektion-bei-schubert-fremdeln-bei-holst\/","title":{"rendered":"Perfektion bei Schubert, Fremdeln bei Holst"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape. Koblenz<\/strong><\/em>. Wer auch immer n\u00e4chste Saison Chefdirigent der Rheinischen Philharmonie wird: Er&nbsp; \u00fcbernimmt einen sehr gut eingestellten, zu Spitzenleistungen f\u00e4higen Klangk\u00f6rper. Dies best\u00e4tigte das Staatsorchester am Wochenende mit Franz Schuberts \u201eGro\u00dfer\u201d Sinfonie C-Dur als erstem Teil des Anrechtskonzerts beim Musik-Institut Koblenz. Dass nicht immer alles makellos sein kann, erweist sich nachher bei \u201eDie Planeten\u201d von Gustav Holst: Das Werk geht nicht ganz so perfekt von der Hand.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br \/>\nDas Dirigat liegt in den H\u00e4nden des 66-j\u00e4hrigen Chinesen Muhai Tang. Der einst durch Herbert von Karajan in den Konzertbetrieb eingef\u00fchrte Gast inspiriert das Orchester zu einer an Klangfarben und Stimmungen reichen Realisation der Schubert-Sinfonie. Seine Stab- und Handf\u00fchrung beschr\u00e4nkt sich meist auf kleine Bewegungen; die kommen bisweilen sogar v\u00f6llig zur Ruhe. Zugleich steht sein ganzer K\u00f6rper permanent unter dynamischer Hochspannung. Der Geist des Dirigats steckt im K\u00f6rperausdruck des Dirigenten und dessen Biegen, Beugen, Wenden, Trippeln, T\u00e4nzeln wird vom Orchester mit gro\u00dfer Spielfreude direkt in fein gewebtes wie beherztes Musizieren umgesetzt.<\/p>\n<p>Dies fr\u00fchromantische, aber schon auf Bruckner&#8217;sche Opulenz hindeutende Werk ist spieltechnisch ein rechter Brocken. Weil \u201ezu lang und zu schwierig\u201d, kam es erst zw\u00f6lf Jahre nach Schuberts Tod in den Konzertsaal. In Koblenz sp\u00fcrt man von den Schwierigkeiten nicht die Bohne. Die Umsetzung wirkt leicht und unangestrengt. Das r\u00fchrt nicht zuletzt von h\u00f6chster Pr\u00e4zision an jedem Pult und Geschlossenheit in allen Registern. Daraus folgt auch, was Durchh\u00f6rbarkeit genannt wird: Wir k\u00f6nnen Schuberts differenzierte Rhythmus-Schichtungen oder die raffinierten Eigenwilligkeiten von Nebenstimmen in der Tiefe verfolgen und genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Was die Gesaminterpretation angeht, tanzt Muhai Tang aus der Reihe des Gewohnten: Ohne die Wehm\u00fctigkeiten der Sinfonie aufzugeben, sp\u00fcrt er mit fein ziselierter Raffinesse gerade den volkst\u00fcmlichen und humorigen Elementen nach. Da knallen in den an Volkst\u00e4nze angelehnten Passagen die Auftakte, als w\u00fcrden Bauernholzschuhe den Tanzboden beschwofen. Das wiegt, dreht, schunkelt famos. S\u00e4\u00dfe man nicht im Konzertsaal, es w\u00fcrde einen kaum auf dem Stuhl halten. Ist das noch Schubert? Aber gewiss, und wie.<\/p>\n<p>Dann \u201eDie Planeten\u201d, ab 1914 entstandenes Hauptwerk des Briten Gustav Holst. Jeder der sieben Teile ist einem Planeten gewidmet, formt musikalisch einen anderen Charakter aus \u2013 vom kriegerischen Mars bis zum mystischen Neptun. Obwohl in deutschen Konzerts\u00e4len selten vertreten, kommt manchem Zuh\u00f6rer manches bekannt vor. Kein Wunder, haben sich doch zahlreiche Rockmusiker und Filmmusik-Komponisten vor allem des Science-Fiction-Genres bei Holst bedient: Starwars, Startrek, Batman, Herr der Ringe geistern mal mit ungeheurer Wucht, mal in flirrender Leerraum-Verlorenheit durch die Rhein-Mosel-Halle.<\/p>\n<p>Das Orchester indes fremdelt vor allem anfangs bei Mars, Venus, Merkur etwas. Leichtigkeit und Spielfreude sind erkennbarer Anstrengung gewichen. Tangs Stabf\u00fchrung wird gr\u00f6\u00dfer, dringlicher; er hat zu tun, die Musiker dorthin zu dirigieren, wo er sie haben will. Noch vor f\u00fcnf Jahren w\u00e4re das wohl gar nicht aufgefallen, erst im Vergleich mit der Klasse der Schubert-Umsetzung wird der Unterschied sp\u00fcrbar. Es spricht f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Rheinischen, dass auch \u201eDie Planeten\u201d schlie\u00dflich zum beeindruckenden H\u00f6rerlebnis werden \u2013 und der Abend unter dem Sch\u00f6nklang sph\u00e4rischer M\u00e4dchenstimmen des W\u00fcrzburger Monteverdichors verklingt.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Koblenz. Wer auch immer n\u00e4chste Saison Chefdirigent der Rheinischen Philharmonie wird: Er&nbsp; \u00fcbernimmt einen sehr gut eingestellten, zu Spitzenleistungen f\u00e4higen Klangk\u00f6rper. Dies best\u00e4tigte das Staatsorchester am Wochenende mit Franz Schuberts \u201eGro\u00dfer\u201d Sinfonie C-Dur als erstem Teil des Anrechtskonzerts beim Musik-Institut Koblenz. 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